Sollte jemand fragen, warum man sich in unserer bewegten Zeit um das Schöne bemüht, so antworten Sie ihnen getrost:
Ich kenne den Weg der Zukunft.

Nicholas Roerich


NICHOLAS ROERICH (1874 - 1947)


Die Verfasserin

Malini Ambach
Mein Name ist Malini Ambach und ich war 12 Jahre alt, als ich dieses Referat schrieb. Kurz vorher war ich mit meinen Eltern in Bangalore/Indien, wo wir auch die Gelegenheit hatten, das Roerich Museum zu besuchen. Es waren nicht nur Bilder von Nicholas Roerich zu sehen, sondern auch von seinem Sohn Swetoslav Roerich. Dieser war ein besonders begabter Portraitmaler.

Meine Mutter war schon 1980 Mitarbeiterin der deutschen Roerich Gesellschaft und sie kennt auch die Museen in Moskau und New York. In unserer Diele haben wir deshalb auch eine schöne Bildergalerie mit Drucken von ihm. Von klein auf sind mir diese großen Denker vertraut, denn viele Konzerte und Lesungen fanden bei uns statt. So stehen auch die Bücher von Nicholas und Helena Roerich in unseren Bücherregalen, die ich erst später lesen werde.
Es ist sehr schön über Vorbilder der Menschheit zu schreiben, zu denen ich in meinem jungen Leben auch einen Bezug habe. Durch wahre Vorbilder wird man auf das Wertvolle im Leben gelenkt und man bekommt Mut und Vertrauen, seine Aufgabe im Leben zu finden und zu schaffen.


Die Familie Roerich

Nicholas Konstantinovich Roerich wurde am 9. Oktober 1874 als erster Sohn des Rechtsanwaltes und Notars Konstantin Roerich und seiner Frau Maria in Sankt Petersburg, in Russland, geboren. Seine Familie gehörte zur damaligen gehobenen Mittelschicht des Landes.

Familie Roerich mit Nicholas ganz rechts
Seine Familie gehörte zur damaligen gehobenen Mittelschicht des Landes. Er hatte dadurch das Glück, schon von klein auf von den Kontakten seiner Eltern zu Schriftstellern, Wissenschaftlern, Künstlern und Musikern inspiriert zu werden. Der junge Nicholas zeigte schon sehr früh eine Neigung zur Kunst und sein Forschergeist brach sehr bald durch. So nahm ihn bereits mit neun Jahren ein berühmter Archäologe zu Ausgrabungen mit. Das Abenteuer, das Geheimnis vergangener Epochen mit eigenen Händen zu enthüllen, löste ein reges Interesse an Archäologie in ihm aus, das sein ganzes Leben anhielt. Seine Begabung zu Zeichnen, veranlasste ihn mit sechzehn Jahren, an ein Kunststudium zu denken. Sein Vater hielt aber Malerei - für ein verantwortungsvolles Mitglied der Gesellschaft - für unpassend. Er bestand darauf, dass sein Sohn in seine Fußstapfen treten und Rechtsanwalt werden sollte Roerich willigte und schrieb sich 1893 zusätzlich in der Akademie der Künste in St Petersburg ein. Bei den Konzerten im Kaiserlichen Konservatorium lernte er die berühmten Komponisten der damaligen Zeit kennen. Besonders für Wagner empfand er große Zuneigung. Später in seiner Karriere als Bühnenbildner machte er Entwürfe für die meisten Opern dieses Komponisten. Schon damals sagte man über ihn:

"Die ursprüngliche Kraft in Roerichs Werk besteht in einer meisterhaften und bestimmten Symmetrie und einem klaren Rhythmus, wie die Melodie eines Heldenliedes."


St. Panteleimon der Heiler, 1931


"Wir behaupten, dass Kunst und Wissenschaft, Schönheit und Weisheit die Grundsteine sind, auf denen die zukünftige Geisteskultur ruhen und die Stelle der gegenwärtigen Zivilisation einnehmen wird. Heute findet bei einer großen Anzahl von Menschen offenkundig eine Rückkehr zur Rohheit statt. Nur Schönheit und Weisheit können die Menschen an die Schätze des Geistes erinnern, die sie verloren hat."
N. Roerich


Helena Roerich

Ende 1890 begegnete er Helena, der Tochter des bekannten Architekten Shaposhnikow und Nichte des Komponisten Mussorgski.

Helena Roerich war eine ungewöhnlich begabte Frau, eine talentierte Pianistin, fürsorgliche Mutter und Autorin vieler geistiger Bücher. Sie hatten zwei Söhne, die ebenfalls durch Kunst und Forschung der Menschheit dienten.

Nicholas und Helena Roerich gründeten zusammen die AGNI YOGA Gesellschaft, die für eine lebendige Ethik eintrat, welche die Philosophien und religiösen Lehren aller Zeitalter umfasst und zur Synthese verschmilzt.

N. Roerich beschloss ein neues Lehrsystem einzuführen, das für die damalige Zeit sehr revolutionär erschien. Alle Künste lehren - Malerei, Musik, Theater, Gesang und Tanz sowie die industriellen Künste wie Keramik, Töpferei, Porzellanmalerei und technisches Zeichnen.

Gemeinsam sollten unter einem Dach sein und dem Lehrkörper freie Hand lassen, eigene Studienpläne zu entwerfen. Ständig versuchte er die Facheinteilungen zu überwinden und die scheinbaren Gegensätze zu harmonisieren. Das war ein Kennzeichen seines Denkens, das man in allen Disziplinen, die er erforschte, sieht.

...und wir öffnen die Tore, 1922
Ab 1902 begann die Familie zu reisen und es entstanden verschiedene Serien seiner Bilder. Zuerst reiste er durch die russischen Städte und malte historische Bilder. Daraus entstanden Bühnenbilder für berühmte Opern. Der Gedanke, einen Pakt zu erarbeiten in dem weltweit das kulturelle Erbe der Menschheit geschützt werden sollte, wurde in dieser Zeit als Vision empfangen. Erst 31 Jahre später wurde dieser Impuls Wirklichkeit.

Der Roerich Pakt wurde im 15. April 1935 im Weißen Haus in Washington - im Beisein von Präsident D F Roosevelt von den USA und 20 lateinamerikanischen Staaten - unterzeichnet. Der Pakt verpflichtet die Signaturstaaten im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen zum Schutz der kulturellen Güter der Menschheit, wie religiöse, künstlerische, wissenschaftliche Institutionen und Bildungsstätten. Dieser Vertrag ist noch in Kraft. Dieser Vertrag diente als Grundlage für die Haager Konvention der UNESCO vom 14 Mai 1954. Der RoerichPakt ist mit Recht das Rote Kreuz der Kultur genannt worden.

DAS BANNER OF PEACE

Frieden der Kulturen
DAS BANNER OF PEACE

Madamme Oriflamma

Das Banner des Friedens zeigt drei Punkte umgeben von einem Kreis in magentarot auf weißem Hintergrund. Die geläufigsten Interpretationen dieses Symbols sind: Religion, Kunst und Wissenschaft als Aspekt der Kultur, die den Kreis darstellt; oder vergangene, gegenwärtige und zukünftig Errungenschaften im Kreis der Ewigkeit.

Dieses Siegel kann auf skandinavischen, römischen, byzantinischen sowie auf tibetischen und kaukasischen Schmuck und Kunstgegenständen entdeckt werden. Das Bildnis der Straßburger Madonna ist damit verziert.

Ab 1904 begann N. Roerich seine Malerei auf religiöse Bilder und das Theater auszudehnen. Besonders ausdruckstark waren seine Gemälde den er den Schatz der Engel nannte. Davon könnte man einige als Warnung und Schutz für den damals herannahenden Weltkrieg sehen.


Der verborgene Schatz, Swetoslaw Roerich, 1937

Der verborgene Schatz

Er sprach auch immer vom Schatz des Geistigen, der im Inneren geborgen werden muss und den Schatz der Geistigen Welt und den Schatz der Berge.

Die Theaterjahre

Sergej Diaghilew arrangierte 1905 die erste Ausstellung für Kunst und Musik in Paris, die auf ganz Europa einen großen Einfluss hatte. Es waren unter anderen Mussorgsi, Rimski-Korsakov, Borodin, Rachmaninow, Skjabin und Strawinsky vertreten. N. Roerich stellte 16 Gemälde aus und hatte die Bühnenbilder für:
Iwan der Schreckliche - Fürst Igor - und Polowezer Tänze entworfen und gemalt.

Die Wolken des Krieges

Die Jahre, die unmittelbar dem Ersten Weltkrieg vorausgingen, spürte Roerich eine nahe bevorstehende Katastrophe und seine Gemälde stellten symbolisch den schrecklichen Umfang des Konflikts dar, den er über die Welt hereinbrechen sah.

In dem Bild Schlacht im Himmel verwendete Roerich den Kontrast von Licht und Dunkelheit, um die furchtbaren Ereignisse anzudeuten, die bald Russland und ganz Europa heimsuchen würden. In dieser Zeit waren seine Darstellung von historischen und naturhaften Themen Symbolik und die Verwendung von Allegorischem wesentliche Bestandteile seiner Arbeit geworden. Ein Kritiker schrieb:

"Er bevölkerte seine Welt nicht mit Teilnehmern in vergänglichen Dramen und Komödien, sondern mit Vertretern für die unerschütterlichsten Ideen, über die Wahrheit des Lebens, den tausendjährigen Kampf zwischen Gut und Böse, einem Triumphzug einer strahlenden Zukunft für alle."

Aufbruch zu anderen Ufern

1915 erkrankte Roerich an einer Lungenentzündung und sein Arzt schickte ihn mit seiner Familie nach Finnland zu Erholung. Dies war eine Zeit großer Unruhe in der Welt und auch im Leben der Familie Roerich. Seine Bilder sind geprägt durch die Kälte, Einsamkeit unbewohnter Strände und die strengen Felsenlandschaften. Die Wartende ist ein Bild aus dieser Zeit.

1917 tobte die Revolution in Russland und eine Rückkehr wurde unmöglich. Die Familie plante nach Indien zu gehen, wo sie ihre geistigen Wurzeln ahnten.
Die erste Station dieser Reise in die Zukunft war London. N. Roerich wurde von Sir Thomas Beecham eingeladen, die neuen Bühnenbilder für eine Neuinszenierung von Fürst Igor in der Convent Garden Opera zu entwerfen.

Amerika

Mittlerweile erreichte ihm eine Einladung nach Amerika zu kommen vom Chicagoer Kunstinstitut ausgesprochen. 1920 wurde die Einladung angenommen und die Rundreise erfolgreich in der Kingore Galerie in New York eröffnet. Zusätzlich zu den Ausstellungen von mehr als 400 Gemälden.
Daselbst und in vielen anderen Städten der USA entwarf er das Bühnenbild und die Kostüme für Schneeflöckchen an der Metropolitan Opera und für Tristan und Isolde an der Chicagoer Oper.

Zwischen 1016 und 1919 verfasste Roerich einen Gedichtband mit 64 Gedichten, in denen er uns seine innere Reise offenbart.

Aus "Die Blumen Moryas":

Bruder, verlassen wir alles, was sich schnell ändert.
Anders gelingt es uns nicht über das nachzudenken,
was für alle unveränderlich ist.
Nachzudenken über das Ewige.


1921 gründete er das Master Institut of United Arts in New York, in dem er die Unterrichtskonzepte, die er in St. Petersburg entwickelt hatte, realisieren wollte. Es blühte sehr schnell auf, überlebte aber den Krieg nicht. Erst 1949 wurde die Institution durch Sina Fosdick, einem Gründungsmitglied, als Nicholas Roerich Museum in der 107. Straße wiedergeboren, wo es sich bis heute mit einer großen Sammlung befindet.


Ferne Welten - Heilige Berge


Maitreya, 1932

Befehl des Meisters, 1947
Im Mai 1923 befanden sich die Roerichs endlich auf den Weg nach Indien, wo sie - in diesem zeitlosen Land inmitten des Schnees des Himalayas - ihre Gedanken dem Ewigen zuwenden trachteten. Nach ihrer Landung in Bombay machten sie eine Rundreise zu heiligen und historischen Stätten, trafen, Gelehrte, Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler. Es zog sie aber schnell an ihr Ziel - dem Himalaya - wo ihre Interessen lagen.
Sie traten eine Forschungsreise an, die sie nach chinesisch Turkestan, in den Altai, in die Mongolei und nach Tibet führte, Es war eine Expedition in unbekannte Regionen, wo sie vorhatten, die Religionen, Sprachen, Brauche und Kultur der Einwohner zu studieren. Roerich schrieb über seine erste zentralasiatische Reise in seinem Buch Heart of Asia über die Wunder dieses Landes und seiner Menschen. Die Bilder sind nirgendwo so lebendig wie die 500 Gemälde, die während dieses Trecks entstanden sind.

Der Treck war zeitweise mühsam. Roerich erzählt uns, dass 35 Bergpässe von 14000 bis 21000 Fuß Höhe überwunden werden mussten. Aber das waren die Herausforderungen, für die er geboren war.

Er fühlte und glaubte, dass die rauen Berge einen Menschen dazu verhelfen, mutig zu werden und Geistesstärke zu entwickeln. Hier schuf er auch die 19 Bilder, die die Lehrer der Weltreligionen darstellen. Mohamed, Jesus, Moses, Konfuzius, Buddha und die indischen und christlichen Heiligen. Das soll ein Zeugnis für die Einheit religiösen Strebens und der gemeinsamen Wurzeln des Glaubens der Menschheit sein.

Nicolas Roerich - Plädoyer an seine Frau


Einen besondere Stellenwert in seiner Malerei erhält das Bild der Frau und ihrer Rolle in der kommenden Ära, die ihr beschieden ist. Roerich malte die großen weiblichen Gottheiten in solchen Bildern wie die Führende, Madonna Laboris und die Mutter der Welt.

Helenas Beitrag im Leben und Werk von Nicholas kann nicht überschätzt werden. Ihre Verbindung könnte man am besten als lebenslange Zusammenarbeit auf den Gebieten beidseitiger Bestrebungen beschreiben. Ihre Philosophie, die eine Lebendige Ethik umfasst, wurde von Nicholas geteilt und motivierte ihn in seiner Arbeit und in seinem Leben. Er schrieb in sein Tagebuch:
"Vierzig Jahre auf einer so langen Reise, auf der wir vielen Stürmen und Gefahren von außerhalb begegneten, überwanden wir zusammen alle Hindernisse. Und die Hindernisse verwandelten sich in Möglichkeiten. Ich widmete meine Bücher Helena, meiner Frau, Freundin, Reisegefährtin, Anregerin! Jeder dieser Begriffe wurde im Feuer des Lebens geprüft. In Petersburg, Skandinavien, England, Amerika und ganz Asien arbeiteten, studierten wir und erweiterten wir unser Bewusstsein. Zusammen erschufen wir, und nicht ohne Grund heißt es, dass das Werk zwei Namen tragen sollte - einen weiblichen und einen männlichen."

Himalaya Forschungszentrum

Am Ende ihrer großen Expedition ließ sich die Familie im Kullutal in einer Höhe von 6500 Fuß in den Vorbergen des Himalayas nieder. Hier richteten sie ein Forschungszentrum mit dem Namen Urusvati Himalayan Research Institute ein. Die Aktivitäten des Instituts schlossen botanische, ethnologisch - linguistische Studien und die Erforschung archäologischer Örtlichkeiten ein.

Himalaya

Himalaya

Nicholas Roerich verließ seinen physischen Körper am 13. Dezember 1947 in Kullu. Sein Körper wurde verbrannt und seine Asche auf dem Hang gegenüber den Bergen, die er liebte und in vielen seiner nahezu 7000 Werken porträtierte, begraben.


von Malini Ambach Referat vom 3. März 2005, 7. Klasse Waldorfschule Evinghausen


Link zum Internationalen Rat der Roerich-Organisationen, der das Vermächtnis Roerichs verwaltet: www.roerichs.com/lng/de


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