Editorial - Fische / Pisces 2017








Liebe ist das Feuer,
das die gesamte Umgebung
entflammt
Dr. K. P. Kumar


Dr. K. P.Kumar







Love is the flame
that enflames all the
surroundings
Dr. K. P. Kumar


 

GESCHICHTEN AUS DEM PANCHATANTRA

2. DER VERRÜCKTE WEISE


         

PANCHATANTRA STORIES

2. THE FOOLISH SAGE


 
 
Es war einmal ein Weiser, der Deva Sharma genannt wurde und in einem Tempel am Rande einer Stadt wohnte. Er war sehr bekannt und wurde sehr geschätzt. Die Menschen suchten ihn auf und brachten ihm Geschenke, Essen, Geld und Kleidung, um seinen Segen zu empfangen. Die Geschenke, die er für sich selbst nicht brauchte, verkaufte er und wurde durch diesen Erlös er reich.

          Once upon a time, there was a sage called Deva Sharma who lived in a temple in the outskirts of a town. He was widely known and respected. People would visit him, and offer him with gifts, food, money and garments to seek his blessings. The gifts that he did not need for himself, he would sell off, and got rich on the proceeds.

Gemäß seinem Charakter vertraute er niemandem. Er hatte nie irgend jemandem vertraut. Daher bewahrte er all sein Geld in einer Tasche auf, die er die ganze Zeit unter seinem Arm trug. Er verlor seine Tasche niemals aus den Augen.

          And by nature, he trusted nobody. He never trusted anybody. So, he kept all his money in a bag which he carried under his arm all the time. He would not part with the bag for a single moment.

Eines Tages begegnete dem Weisen ein Schwindler. Er war sich sicher, dass in der Tasche dieses heiligen Mannes, die er so vereinnahmend bei sich trug, bestimmt viele Schätze beinhalten müsste.

          One day, a swindler came across the sage, and he became sure that the bag this holy man was so possessive of, must surely contain a lot of treasure.

So plante er, die Tasche des Weisen zu stehlen, konnte sich aber nicht vorstellen, auf welche Art er es anstellen sollte. Er dachte bei sich: "Ich kann ja kein Loch in die Mauer des Tempels schlagen oder über die hohen Gitter springen. Doch könnte ich ihn mit Charme durch süße Worte umwerben, sodass er mich als seinen Jünger akzeptieren würde."

          He planned on stealing the bag from the sage, but could not think of a way to do so. He thought, "I cannot make a hole in the temple wall, or jump over the high gates. But I can charm him with sweet words to accept me as his disciple."

Er fragte sich: "Wenn ich mich bei ihm als sein Jünger aufhalten könnte, könnte ich sein Vertrauen gewinnen. Sobald sich dann eine Möglichkeit auftut, würde ich ihn berauben und diesen Ort verlassen."

          He wondered, "If I can stay with him as a disciple, I can win his confidence. When I get an opportunity, I will rob him, and leave this place."

Nachdem er es auf diese Weise geplant hatte, näherte sich der Schwindler dem heiligen Mann, mit der Verehrung "Om Namah Shivaya! (Ich verneige mich vor dem Herrn Shiva, dem Gott der Zerstörung)". Mit diesen Worten kniete er vor den Füßen des Heiligen nieder und sagte: "Oh Guruji, bitte führe mich auf den rechten Pfad im Leben. Ich habe genug vom Leben und ich sehne mich nur nach Frieden."

          Having planned so, the swindler approached the holy man with reverence, "Om Namah Shivaya! (I bow before Lord Shiva, the God of Destruction)" With these words, he fell on the sage's feet and said, "O Guruji, please guide me to the right path of life. I am fed-up with life, and want to seek peace."

Der Weise erwiderte freundlich, "Mein Sohn, ich werde dich sicher führen. Du bist gesegnet, denn du bist zu mir gekommen, um in so jungen Jahren nach Frieden zu streben."

          The sage kindly replied, "My son, I will surely guide you. You are blessed because you have come to me to seek peace at this young age."

Dies war die Gelegenheit, nach der der Schwindler gesucht hatte und er berührte unverzüglich die Füße des Weisen um seinen Segen zu erlangen: "Oh Guruji, bitte akzeptiere mich als deinen Jünger. Ich werde alles tun, was immer du von mir verlangst."

          This was the opportunity the swindler was seeking, and he at once touched the feet of the sage for blessings, "O Guruji, please accept me as your disciple. I will do whatever you ask me to do."

Der Heilige akzeptierte den Schwindler als seinen Jünger, doch nur unter einer Bedingung. Er sagte: "Ein heiliger Mann wie ich sollte die Nacht alleine verbringen ohne Gesellschaft anderer. Dies hilft mir auch, um zu meditieren. So wird es dir nicht erlaubt sein, den Tempel während der Nacht zu betreten. Du wirst in einer Hütte an den Toren zum Tempel schlafen."

          The sage accepted the swindler as his disciple, but only on one condition. He said, "A holy man as me is recommended to spend the night alone without company. This helps me to meditate also. So, you will not be allowed to enter the temple at night. You will sleep in a hut at the gate of the temple."

Der Schwindler stimmte zu: "Möge ich dir bereitwillig zu Diensten sein, was immer du von mir erbittest."

          The swindler agreed, "I shall willingly serve your wishes in every way you ask me to."

Am Abend führte der Weise Rituale durch und nahm den Schwindler offiziell als seinen Jünger auf.

          In the evening, the sage initiated the rituals and formally took the swindler as his disciple.

Der Schwindler versicherte ihm hingegen, ein folgsamer Jünger zu sein. Er massierte seine Hände und Füße, wusch seine Füße und half ihm bei allen Ritualen sowie beim Reinigen des Tempels. Obwohl der Weise mit seinem Jünger glücklich war, konnte der Schwindler nicht das Vertrauen des Heiligen gewinnen, sodass er sich nicht von seiner Tasche trennen würde, wenn der Schwindler in seiner Nähe war.

          The swindler in return proved himself an obedient disciple. He massaged his hands and feet, washed his feet and helped him with all the rituals along with cleaning the temple. Although the sage was happy with his disciple, the swindler could not gain enough confidence for the sage to part with his bag when he was around.

Als einige Tage vergingen, begann der Schwindler frustriert zu sein: "Er vertraut mir nicht genug, um mir seine Tasche zu überlassen. Ich könnte nur dann Zugriff auf die Tasche bekommen, wenn ich ihn mit einem Messer töte oder ihn vergiften würde."

          As days passed by, the swindler started getting frustrated, "He does not trust me enough to leave the bag with me. I can gain access to the bag if I kill him with a knife or feed him with poison."

Als er sich all dies überlegte, besuchte ein kleiner Junge den Heiligen. Er war der Sohn eines Anhängers des Heiligen. Er wollte den Heiligen einladen: "Oh Guruji, ich bin extra hier persönlich hergekommen, um Sie in unser Haus für eine heilige Zeremonie einzuladen. Bitte nehmt die Einladung an, um diese Zeremonie mit Ihrer gütigen Gegenwart zu weihen."

          When he was thinking all this, the swindler saw a young boy visit the sage. He was the son of one of the sage's followers. He invited the sage, "O Guruji, I have come here personally to invite you to our house for the ceremony of sacred thread. Please accept the invitation to sanctify the ceremony with your kind presence."

Der Heilige nahm die Einladung an und ging nach einiger Zeit zusammen mit dem Schwindler in die Stadt. Auf ihrem Weg kamen sie an einem Fluss vorbei, wo der Heilige dachte, sich kurz zu erleichtern. Er wickelte die Tasche in sein Gewand ein und bat seinen Jünger auf alles aufzupassen: "Mein Kind, passe auf meine Kleider auf, bis ich wieder zurückkomme."

          The sage accepted the invitation, and after some time started off for the town with the swindler. On the way, they came across a river, where the sage thought of relieving himself. He folded the bagful of money in his robe. He asked his disciple to look after it, "My child, Look after the robe until I return."

Dies war die Möglichkeit, nach der der Schwindler die ganze Zeit suchte. Sobald der Heilige hinter den Büschen verschwand, rannte der Schwindler mit der Tasche voll Geld weg.

          This was the opportunity that the swindler was seeking all the while. As soon as the sage went behind the bushes, the swindler ran away with the bagful of money.

Als der Weise zurückkam, fand er seinen Jünger nicht mehr vor, sondern nur sein Gewand auf dem Boden liegend. Geschockt und ängstlich suchte er im inneren seines Gewandes, nicht nur um nach seiner Tasche mit dem Geld zu suchen, sondern auch zu entdecken, dass sie nicht mehr dort war.

          When the sage returned, he did not find the disciple around but found his robe lying on the ground. Shocked and anxious, he peered inside only to find that his bag of money was gone.

Auf einmal begriff er, was geschehen war und begann zu schreien: "Oh, wo bist du, du Gauner! Du hast mich bestohlen!"

          At once, he knew what had happened, and began to shout, "Oh, where are you, you rascal! You have robbed me!"

Der Weise verfolgte die Fußspuren des Schwindlers, doch hatte er bereits die Stadt erreicht. Er wusste, dass er ihn nicht mehr einfangen konnte. So verbrachte er die Nacht in der Stadt, um am nächsten Morgen mit leeren Händen zum Tempel zurückzukehren.

          The sage then started trailing the swindler's footsteps, but he reached the town. He knew he will not be able to catch hold of him. He stayed that night in town to return empty handed to his temple the next morning.

Die Weisen sagen zurecht: "Lass dich nicht auf die süßen Worte eines Schwindlers ein."

          The wise indeed say: Do not be taken in by the sweet words of a swindler.

Dr. K. Parvathi Kumar

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