Editorial - Jungfrau / Virgo 2017








Liebe ist das Feuer,
das die gesamte Umgebung
entflammt
Dr. K. P. Kumar


Dr. K. P.Kumar







Love is the flame
that enflames all the
surroundings
Dr. K. P. Kumar


 

GESCHICHTEN AUS DEM PANCHATANTRA

8. Der Fall und Aufstieg eines Händlers


         

PANCHATANTRA STORIES

8. The Fall and Rise of a Merchant


 
 
In einer Stadt lebte ein sehr erfolgreicher und wohlhabender Händler.

          In a city, there lived a very efficient and prosperous merchant.

Der König erkannte seine Fähigkeiten und ernannte ihn zum Vermögensverwalter seines Königreiches.

          The king was aware of his abilities, and therefore made him the administrator of the kingdom.

Mit seiner erfolgreichen und intelligenten Art konnte der Handelsmann das Volk glücklich machen und gleichzeitig den König beeindrucken. Solch ein Mensch, der jeden glücklich stimmt, ist selten anzutreffen.

          With his efficient and intelligent ways, the merchant kept common man very happy, and at the same time he impressed the king. Such a person, who can keep everybody happy, is rarely found.

Später, nach einigen Jahren heiratete seine Tochter. Dafür organisierte er einen prunkvollen Empfang.

          Later, there came a time that the merchant's daughter was getting married. He arranged for a lavish reception."

Der Handelsmann hatte nicht nur den König und die Königin eingeladen, die ihre Pflicht erfüllten indem sie daran teilnahmen, sondern er lud die gesamte königliche Dienerschaft und alle angesehenen Menschen des Königreiches ein.

          The merchant not only invited the king and queen, who obliged by attending, but he also invited the entire royal household and all respected people of the kingdom.

Während des Empfangs brachte er seinen Gästen die beste Gastfreundschaft entgegen. Er überreichte den Gästen Geschenke um ihnen gegenüber seinen Respekt zu erweisen, dass sie seiner Einladung gefolgt sind.

          During the reception, he ensured to provide his guests with the best of treatment. He gave out gifts to guests to show them respect for attending to his invitation.

Ein Diener des königlichen Haushaltes, der normalerweise den Palast putzt, nahm - obwohl er nicht eingeladen war - an dem Empfang teil.

          A servant of the royal household, who used to sweep the palace, was not invited but attended the reception.

Er setzte sich auf einen Platz, der für den königlichen Adel reserviert worden war und nicht für das allgemeine Volk bestimmt war.

          He took a seat which was reserved for the royal nobles, not meant for common invitees.

Dies verärgerte den Handelsmann sehr. Er fasste ihm an den Nacken und befahl seinen Dienern, ihn hinauswerfen zu lassen.

          This made the merchant very angry. He caught him by the neck and ordered his servants to have him thrown out.

Der königliche Diener fühlte sich sehr verletzt und konnte die ganze Nacht kein Auge zu tun. Er dachte: "Wenn ich diesen Händler beim König in Ungnade fallen lassen kann, wird dies meine Rache sein. Doch was kann ich als einfacher Mann tun, um einer machtvollen Person wie ihm zu schaden". Indem er nachdachte, hatte er auf einmal einen Plan.

          The royal servant felt very insulted, and could not sleep all night. He thought, "If I can have the king to disfavour this merchant, I will have my revenge. But what can I, a common fellow, do to harm a powerful person as him". Thinking such, he suddenly had a plan.

Einige Tage später wischte der Diener am frühen Morgen den Boden in der Nähe des Bettes vom König. Er beobachtete, dass der König noch im Bett und halbwach war. Der Diener begann vor sich hin zu murmeln: "Oh Gott! Der Handelsmann ist inzwischen so übermütig geworden, dass er sogar wagte die Königin zu umarmen!"

          Several days later, the servant was sweeping the floor near the king's bed early in the morning. He observed that the king was still in bed, half awake. The servant started mumbling, "Good heavens! The merchant has become so carefree now that he dared to embrace the queen!"

Als der König dies in seinem Bett liegend vernahm, sprang er auf und fragte den Diener: "Ist das wahr? Hast du selbst gesehen, wie der Handelsmann meine Königin umarmt hat?"

          When the king heard this lying in his bed, he jumped up and asked the servant "Is it true? Have you seen the merchant embrace my queen yourself?"

Der Diener fiel sogleich vor den Füßen des Königs nieder: "Oh Meister, ich habe die ganze Nacht hindurch gespielt. Ich fühle mich schläfrig, da ich die letzte Nacht nicht geschlafen habe. Ich weiß nicht mehr, was ich gerade vor mich hingemurmelt habe, doch wenn ich etwas Unanständiges gesagt haben sollte, vergebt mir bitte."

          The servant at once fell at the feet of the king's feet, "O Master, I was gambling all night. I feel drowsy for I didn't sleep last night. I don't know what I have been mumbling, but if I said anything improper, please forgive me."

Der König schwieg daraufhin, doch wusste der Diener, dass er Saat des Misstrauens gesät hatte. Der König dachte bei sich: "Es könnte wahr sein! Der Diener bewegt sich frei im Palast und so auch der Handelsmann. Es ist möglich, dass der Diener etwas gesehen hat."

          The king spoke no more, but the servant knew he had sowed the seed of distrust. The king thought, "It can be true! The servant moves about the palace freely, and so does the merchant. It is possible that the servant had seen something."

Der König war aufgewühlt. Von diesem Tag an nahm er den bevorzugten Status gegenüber dem Händler zurück und verbot ihm sogar, den Palast zu betreten.

          The king was troubled. From that day onwards, he withdrew his favours for the merchant and even forbade him to enter the palace.

Eines Tages, als der Händler gerade dabei war, in das Tor des Palastes hineinzugehen, wurde er von den Wächtern aufgehalten. Der Handelsmann war überrascht über die plötzliche Wende im Verhalten des Königs.

          One day, when the merchant was entering the gateway to the palace, he was stopped by the guards. The merchant was surprised due to this sudden change in the king's attitude.

Der Diener befand sich in der Nähe und rief den Wächtern spöttisch zu: "He ihr Wächter! Dieser Handelsmann wird vom König bevorzugt. Er ist eine mächtige Person. Er kann Leute festnehmen oder freilassen oder sogar hinauswerfen, so wie er mich beim Empfang der Hochzeit seiner Tochter hinausgeworfen hatte. Seid wachsam, denn euch könnte dasselbe passieren."

          The servant was nearby, and mocking shouted at the guards, "Ho guards! That merchant is favoured by the king. He is a powerful person. He can have people arrested or released or even thrown out, just like he had me thrown out of his daughter's reception. Beware, for you may suffer the same fate."

Indem der Händler dies vernahm, verstand er, dass der Diener dieses ganze Problem auf irgendeine Art verursacht hatte. Er fühlte sich deprimiert und kehrte aufgebracht über diesen Vorfall nach Hause zurück.

          On hearing this, the merchant understood that the servant had caused all this trouble somehow. He felt dejected and returned home upset over the incident.

Er überdachte nochmals alles und lud schließlich den königlichen Diener in sein Haus ein. Er behandelte den Diener mit äusserstem Respekt und schmeichelte ihm mit Geschenken und Kleidung. Er sagte freundlich: "Oh Freund, an jenem Tag habe ich dich nicht aufgrund von Ärger hinausgewofen den königlichen Adel reserviert gewesen war. Sie fühlten sich gekränkt und dadurch fühlte ich mich genötigt, dich hinauszuwerfen. Bitte vergib mir."

          He gave everything a second thought, and then he invited the royal servant to his house. He treated the servant with utmost respect and flattered him with gifts and garments. He said kindly, "O friend, that day I did not have you thrown out due to anger, but it was improper of you to occupy the seat which was reserved for the royal nobles. They felt insulted, and out of compulsion I had to throw you out. Please forgive me."

Der Diener fühlte sich bereits mit all den Geschenken geschmeichelt und er antwortete hoch erfreut: "Mein Herr, ich vergebe Ihnen. Sie haben nicht nur Ihr Bedauern ausgedrückt, sondern mich mit äusserstem Respekt bedacht".

          The servant was already flattered with all the gifts, and he was full of joy. "Sir, I forgive you. You have not only expressed your regrets, but also honoured me with utmost respect".

Er versicherte dem Handelsmann: "Ich werde sicherstellen, dass der König Sie begünstigen wird, wie er es bisher getan hatte." Der Diener ging nach Hause zurück.

          He ensured the merchant, "I will ensure that the king would be favourable towards you, like he was before". The servant went back home.

Am nächsten Morgen in der Frühe als er begann den Boden im Palast zu wischen, wartete er bis der König wieder halbwach im Bett lag.

          Early next morning, when he started sweeping the floors of the palace, he waited till when the king was lying half-awake.

Als sich die Gelegenheit ergab, begann er um das Bett des Königs zu wischen und murmelte dabei vor sich hin: "Unser König ist verrückt, er isst Gurken im Badezimmer!"

          When the opportunity came, he started sweeping around his bed and started mumbling, "Our king is crazy, he eats cucumber in the lavatory!"

Als der König dies hörte, schrak er in die Höhe. Er stand verärgert auf und schrie den Diener an: "Was für einen Unsinn redest du da? Wärest du nicht mein königlicher Diener, würde ich dich sehr dafür bestrafen. Hast du mich selbst jemals dabei gesehen, so etwas zu tun?"

          On hearing this, the king was taken aback. He got up angrily and shouted at the servant, "What nonsense do you talk about? Had you not been my royal servant, I would have punished your dearly. Have you ever seen me doing such thing yourself?"

Wieder fiel der Diener vor den Füßen des Königs nieder: "Oh Meister, bitte vergebt mir, wenn ich etwas Unanständiges gesagt haben sollte. Ich habe die ganze Nacht hindurch gespielt und nicht geschlafen. Ich fühle mich schläfrig und weiß nicht mehr, was ich vor mich hingemurmelt habe."

          Once again the servant fell on his knees and prayed, "O master, please forgive me if I said something improper. I was gambling all last night and didn't sleep. I feel drowsy and I don't know what I have been mumbling."

Der König selbst dachte bei sich: "Ich habe noch nie im Badezimmer eine Gurke gegessen. Was er über mich vor sich hingemurmelt hat, ist auf lächerlichste Weise vollkommen falsch. Sicherlich muss dann auch das, was er an dem anderen Morgen über meinen vertrauten Handelsmann gemunkelt hat, auf lächerlichste Weise falsch gewesen sein. Es war unangemessen von mir, den Händler mit solch einem Mistrauen zu behandeln."

          The king thought to himself, "I have never eaten a cucumber in the lavatory. What he mumbled about me is ridiculously false. Surely then, what he mumbled about my trusted merchant the other morning must have been ridiculously false too. It was improper of me to mistreat the merchant."

Er fragte sich: "Letztlich ist er so erfolgreich innerhalb des gesamten administrativen Systems gewesen, sodass ohne ihn alles flau geworden ist."

          He wondered, "After all he has been so efficient in the whole administrative system, that without him it has become slack."

Nachdem er auf diese Weise alles sorgfältig überdacht hatte, lud der König den Handelsmann in seinen Palast ein und schmeichelte ihm mit Geschenken, Schmuck und Kleidung. Er setzte den Handelsmann wieder in seiner vorherigen Position ein und bevorzugte seine Dienste wie eh und je.

          Thus, having considered carefully, the king invited the merchant to the palace and flattered him with gifts, jewels and garments. He re-appointed the merchant to his previously held position, and favoured his services as before.

Die Weisen sagen wahrhaftig: "Man sollte jeden einzelnen, selbst den Niedrigsten, mit Respekt behandeln."

          The wise indeed say, "One should treat one and all, even the lowest, with respect."

Dr. K. Parvathi Kumar

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