Editorial - Sagittarius / Schütze 2018








Liebe ist das Feuer,
das die gesamte Umgebung
entflammt
Dr. K. P. Kumar


Dr. K. P.Kumar







Love is the flame
that enflames all the
surroundings
Dr. K. P. Kumar


 

GESCHICHTEN AUS DEM PANCHATANTRA

11. Der unglückliche Weber


         

PANCHATANTRA STORIES

11. The Unlucky Weaver


 
 
Es war einmal ein Weber, der sehr auserlesene Stoffe für Kleidung webte, die nur für Könige und Prinzen bestimmt waren. Allerdings verdiente er sehr wenig und konnte sich kaum leisten, davon zu leben.

          Once there lived a cloth-weaver, who wove very exquisite clothes that served only kings and princes. However, he earned very little and could hardly afford to live.

Andere Weber in dieser Region waren reich, trotz der Tatsache, dass sie Stoffe für minderwertigere Kleidung webten.

          Other weavers in the locality were rich, despite the fact that they weaved much inferior clothes.

Eines Tages sagte er zu seiner Frau: "Meine Liebe, dieser Ort ist für mich nicht angemessen! Ich webe hochwertige Stoffe für exklusive Kleidungsstücke und trotzdem verdiene ich so wenig. Dahingegen werden die anderen Weber jeden Tag immer reicher mit ihren minderwertigeren Kleidungsstücken. Ich sollte meinen Erfolg woanders suchen."

          One day, he said to his wife, "My dear, this place does not deserve me! I weave superior clothes, and yet I earn so little. On the other hand, the other weavers grow richer by the day with their inferior clothes. I shall seek my success somewhere else."

Seine Frau wollte diesen Ort jedoch nicht verlassen, denn es gab keine Sicherheit, dass es anderswo besser werden würde. Doch der Weber hatte eine Entscheidung getroffen und verliess jenen Ort, mit der Aussicht auf bessere Möglichkeiten.

          His wife, however, did not want to leave, for there was no assurance of betterment somewhere else. But the weaver had made up his mind and left the place in better prospects.

Er zog in andere Stadt, wo er tatsächlich erfolgreich wurde. Seine Kleidung wurde für die hohe Stoffqualität berühmt und innerhalb von drei Jahren konnte er dreihundert Goldmünzen sparen. Jetzt, wo er reich war, entschied er sich, in seine Heimatstadt sowie zu seiner Frau zurückzukehren.

          He went to another city, where he indeed was successful. His clothes became popular for the high quality, and in three years he had saved three hundred gold coins. Now that he was rich, he decided to return to his hometown and his wife.

Während seiner Reise vernahm er inmitten des Dschungels zwei Stimmen:

          During his journey, in the middle of the jungle, he heard two voices:

Schicksal: "Handlung, du hättest den Weber nicht dreihundert Goldmünzen verdienen lassen sollen. Er braucht nicht so viel zum Leben!"

          Destiny: "Action, you should not have let the weaver earn three hundred coins of gold. He does not require that much for his living!"

Handlung: "Schicksal, ich musste ihn entsprechend seiner Bemühungen belohnen, doch du mögest entscheiden, wieviel er davon behalten soll."

          Action: "Destiny, I had to reward him according to his efforts, but you may decide how much he should retain!"

Der Weber sah in seine Tasche und die Goldmünzen waren verschwunden. Er wurde sehr traurig und dachte: "Es wird mir unmöglich sein, meiner Frau zu begegnen! All meine Bemühungen der letzten drei Jahre sind damit verloren gegangen."

          He checked into the bag and the gold coins were lost. He became very sad. He thought, "I will not be able to face my wife! All my efforts for the last three years have been lost."

Daraufhin brach er seine Reise ab und kehrte in die Stadt zurück. Er arbeitete hart und innerhalb eines Jahres verdiente er fünfhundert Goldmünzen. Jetzt, wo er wieder reich war, entschied es sich nach Hause zu seiner Frau zu gehen.

          So, he discontinued his journey, and returned to the city. He worked hard, and within a year, earned five hundred gold coins. Now that he was rich again, he decided to return home to his wife.

Während seiner Reise vernahm er inmitten des Dschungels wieder zwei Stimmen:

          During his journey, in the middle of the jungle, he heard two voices again:

Schicksal: "Handlung, du hättest den Weber nicht fünfhundert Goldmünzen verdienen lassen sollen. Er braucht nicht so viel zum Leben!"

          Destiny: "Action, you should not have let the weaver earn five hundred coins of gold. He does not require that much for his living!"

Handlung: "Schicksal, ich musste ihn entsprechend seiner Bemühungen belohnen, doch du mögest entscheiden, wieviel er davon behalten darf!"

          Action: "Destiny, I had to reward him according to his efforts, but you may decide how much he should retain!"

Als der Weber das hörte, erinnerte er sich an das letzte Mal und schaute schnell in seine Tasche, um nachzuprüfen, ob die Goldmünzen noch darin waren. Er bemerkte aber, dass die Goldmünzen fehlten. Das stimmte ihn sehr traurig, und er wünschte sich nichts mehr als zu sterben.

          When he heard this, remembering the last time, he quickly checked into the bag and founded that the gold coins were missing. He became very sad, and wished he died.

Er setzte sich hin und dachte nach: "Es gibt keinen Sinn mehr in meinem Leben. Ich habe schon wieder mein Geld verloren und kann meiner Frau in diesem Zustand der Armut nicht begegnen! Ich sollte mich selbst an einem Baum erhängen!"

          He sat down and thought, "There is no point of living. I have lost my money again, and cannot face my wife in this state of poverty! I shall hang myself on a tree!"

Er webte einen Strick aus den Gräsern um ihn herum und band ihn um einen Banyanbaum. Die Schlinge warf er um seinen Hals.

          He wove a rope from the nearby grass, and tied it in a Banyan tree. He made a noose around his neck.

Gerade als er dabei war, sich erhängen zu wollen, hörte er eine Stimme vom Himmel: "Ich bin das Schicksal! Ich habe dir die Goldmünzen weggenommen, da du das Geld nicht zum Leben benötigt hast. Doch finde ich Gefallen an deinen fleißigen Handlungen. Ich verspreche dir, dass du mich um eine Gefälligkeit bitten kannst, die ich dir gewähren werde."

          Just as he was about to hang himself he heard a voice from heaven, "I'm destiny! I have taken the gold coins from you as you did not need the money for your living. But I am pleased with your industrious deeds. I permit you to ask for a boon that I shall grant."

Er antwortete: "Bitte gib mir viele Goldmünzen. Das ist der einzige Segen, den ich von Dir erbitten möchte."

          He replied, "Please give me a lot of gold coins, that is the only boon that I ask you to grant"

Das Schicksal fragte: "Du bist nicht dazu bestimmt, mehr zu verdienen als du zum Leben brauchst. Warum bittest du um Geld, dass du im Leben nicht nutzen kannst?"

          Destiny asked, "You are not destined to earn more than you need for a living. Why do you ask for the money that you cannot enjoy?"

Der Weber war jedoch unnachgiebig. Daher wurde ihm dieser Wunsch gewährt, "Möge dir dein Wunsch erfüllt sein. Doch musst du in die Stadt zurückkehren und jene zwei Häuser von Händlern besuchen. Lerne ihr Verhalten zu verstehen und lasse mich wissen, auf welche Art du dein Geld gern bekommen würdest."

          But the weaver was adamant. So, the wish was granted, "I shall grant you your wish, but you must return back to the city and visit any two merchant's house. Study their behaviour and let me know how you would like your money to be."

So unterbrach er seine Reise noch einmal und fuhr zurück in die Stadt. Er ging in das Haus des einen Händlers und wurde wie ein Gast entsprechend der üblichen Traditionen dieser Gegend empfangen.

          So, he discontinued his journey once again, and returned to the city. He went into a merchant's house, and was greeted as a guest according to local traditions.

Dieser Händler war sehr reich, doch mochte er den eingetroffenen Gast nicht. Sie servierten ihm das Abendessen auf eine beleidigende Art und boten ihm ein schmutziges Bett für die Nacht an.

          This merchant was very rich, but did not like this unwanted guest. They gave him food in the most insulting manner, and offered a dirty bed for the night.

In der Nacht hörte er wieder die zwei Stimmen:

          At night, he heard the two voices again:

Schicksal: "Handlung, du hättest nicht erlauben sollen, dass der Händler dem Weber Abendessen anbietet. Er hatte sich selbst als ungebetenen Gast eingeladen!"

          Destiny: "Action, you should not have let the merchant provide food to the weaver. He has forced himself as an unwanted guest!"

Handlung: "Schicksal, der Weber musste eine Übernachtung finden und der Händler bot es ihm auf seine kleinliche Art und Weise an, doch du kannst über den Ausgang der Situation bestimmen!".

          Action: "Destiny, the weaver needed to be provided for the night, and the merchant did so in his miserly ways, but you may decide the outcome!"

Am nächsten Tag, als der Weber in das Haus des anderen Händlers ging, wurde er dort sehr herzlich empfangen. Ihm wurden neue Kleider gegeben und zudem angeboten, ein Bad zu nehmen. Danach wurde ihm ein üppiges Abendessen serviert und ein bequemes Bett zum Schlafen angeboten. Während seines Aufenthaltes wurde ihm klar, dass der zweite Händler gar nicht reich war.

          Next morning, he went into another merchant's house, where he was warmly welcomed. He was provided with new clothes and water to bathe. He was then served a lavish dinner, and a comfortable bed to sleep in. during his stay, he realized that the second merchant was not rich.

In der Nacht hörte er wieder zwei Stimmen:

          At night, he heard two voices again:

Schicksal: "Handlung, du hättest den Weber vom Händler nicht auf so übertriebene Art und Weise verwöhnen lassen sollen. Er hatte sich selbst als ungebetenen Gast eingeladen!"

          Destiny: "Action, you should not have let the merchant entertain the weaver so extravagantly. He had forced himself as an unwanted guest!"

Die Handlung: "Schicksal, der Weber benötigte eine Übernachtungsmöglichkeit und der Händler hat sie ihm in einer grosszügigen Geste angeboten. Doch du kannst über den Ausgang der Situation bestimmen!".

          Action: "Destiny, the weaver needed to be provided for the night, and the merchant did so in his generous ways, but you may decide the outcome!"

Am nächsten Morgen sah der Weber, wie ein Diener des Königs Geld zum zweiten Händler brachte. Das Schicksal hatte ihn für seine guten Taten belohnt.

          Next morning, the weaver watched the king's servants bring money for the second merchant. Destiny has rewarded him for his good deeds.

Der Weber dachte: "Der zweite Händler ist nicht reich, aber er führt ein Leben das besser ist, als dasjenige des ersten Händlers, der sehr reich ist."

          The weaver thought, "The second merchant is not rich, but he leads a life which is better than the first merchant, who is very rich."

Auf seinem Heimweg fragte ihn die Stimme vom Himmel: "Wie möchtest du es mit dem Geld handhaben?"

          On his way homewards, the voice from heaven asked, "How do you want your money to be?"

Unmittelbar antwortete der Weber darauf: "Bitte gib mir nur das Geld, mit dem ich auf eine erfüllte Weise leben kann, so wie der zweite Händler."

          The weaver at once said, "Please give me only the money that I will be able to enjoy to the fullest like the second merchant."

Sein Wunsch wurde ihm erfüllt. Der Weber kehrte mit einigem Geld nach Hause zurück, worüber seine Frau sehr glücklich war. Sie lebten glücklich zusammen und waren zufrieden, was auch immer sie verdienten.

          His wish was granted, the weaver returned home with some money that made his wife happy. They lived happily and were content with whatever they earned.

Die Weisen sagen wahrhaftig:

          The wise indeed say:

"Handlung und Schicksal sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Arbeite mit all deiner Hingabe, doch überlasse den Erfolg deiner Arbeit dem Schicksal und lebe dabei glücklich und zufrieden."

          "Action and destiny are two sides of a coin. Work with all your might but leave it to destiny. And stay happy and content."

Dr. K. Parvathi Kumar

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