Frohsinn und Heiterkeit

In Persien lebte eine Frau, die Honig verkaufte. Sie hatte ein sehr angenehmes und freundliches Betragen, und die Kunden drängten sich um ihren Laden. Der Dichter, der ihre Geschichte erzählt, behauptet, selbst wenn sie Gift feilgeboten hätte, die Leute hätten es von ihr gekauft, als wäre es Honig gewesen.

Ein übellauniger Mann sah, welchen Gewinn sie mit dem Verkauf ihrer süßen Waren machte, und entschloss sich, denselben Handel zu beginnen.

So baute er einen Marktstand auf. Hinter den Reihen der Honigtöpfe wirkte sein Gesicht jedoch wie Essig, und alle, die herankamen, wurden mürrisch behandelt. So ging jeder an ihm vorbei, und er blieb auf seinen Waren sitzen. „Nicht einmal eine Fliege wagte sich an seinen Honig“, erzählt der Dichter. Als der Abend kam, hatte er immer noch nichts verdient. Eine Frau bemerkte ihn und sagte zu ihrem Mann: „Ein saures Gesicht macht auch den Honig sauer.“

War die Frau, die den Honig verkaufte, nur freundlich, um Kunden anzuziehen? Lasst uns eher hoffen, dass ihre Heiterkeit ihrem guten Charakter entsprang. Wir sind nicht nur auf dieser Welt, um zu kaufen oder zu verkaufen; wir sollten hier einander Kameraden sein. Die Kunden der guten Frau fühlten, dass sie mehr war als nur eine Honigverkäuferin: Sie war eine heitere Bewohnerin dieser Welt.

Flower of a Ficus religiosa   
Flower of a Ficus religiosa   
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Geschichten von Mirra Alfassa


aus "Inspirierende Geschichten" von Mirra Alfassa, mit freundlicher Genehmigung des Yantra-Verlags, siehe -> Literatur


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