Ein reines Leben - nicht stehlen

Geschichten, um die Wahrheit im täglichen Leben zu erkennen

Von Sri K. Parvathi Kumar

Hier eine kleine Geschichte aus alter Zeit: Es gab einen Geschäftsmann, der hatte einen Esel. Gewöhnlich ritt er auf ihm, wenn er Geschäfte machte und verdiente dabei ganz gut. Er hat dieses Geld nicht irgendwo verwahrt, sondern hielt Taschen bereit, in die er es steckte. Immer wenn er unterwegs war, lud er diese Taschen auf den Esel und setzte sich darauf, so dass sein Geld sicher war und keiner es stehlen konnte. Eines Tages kaufte er eine sehr gute Ziege, ein schwarzes Tier mit einem weißen Fleck auf der Stirn. Sie war sehr schön und er wollte sie in einem anderen Dorf verkaufen. Er hing ein Glöckchen an den Schwanz der Ziege und band eine Schnur um ihren Hals, die er wiederum am Schwanz des Esels befestigte, auf dem er ritt. So bewegte er sich auf dem Esel voraus, und die Ziege folgte ihm auf seiner Reise in das andere Dorf. Um sicherzustellen, dass die Ziege ihm auch folgte, hatte er das Glöckchen an ihrem Schwanz befestigt.

Drei schlaue Brüder erkannten die Situation. Sie sahen den Mann, mit Juwelen geschmückt, den Esel, der eine Menge Geld trug, und eine gute Ziege. Ein Bruder sagte: "Ich werde die Ziege stehlen." Der zweite meinte: "Ich werde den Esel stehlen." Und der dritte Bruder sagte: "Ich werden die Juwelen des Mannes stehlen." Der erste Bruder folgte also der Ziege, entfernte das Glöckchen von ihrem Schwanz und band es an den Schwanz des Esels. So läutete es weiterhin. Dann band er die Ziege los und entfernte sich mit ihr.

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Dann näherte sich der zweite Bruder dem Mann und sagte, wie hübsch er es fand, dass dieser Esel an seinem Schwanz ein Glöckchen hatte. Der Geschäftsmann war überrascht, denn er wusste, dass er das Glöckchen an den Schwanz der Ziege gebunden hatte, und nicht an den des Esels. Er drehte sich also um und fand keine Ziege. Er erklärte dem zweiten Bruder die Situation, worauf dieser meinte: "Oh, du hast deine Ziege verloren! Ist es eine schwarze Ziege mit einem weißen Fleck auf der Stirn?" Der Geschäftsmann antwortete "Ja", worauf der zweite Bruder sagte: "Ich sah die Ziege soeben in diese Richtung gehen, auf diese Straße, es ist nicht weit." Der Geschäftsmann bat den zweiten Dieb, so freundlich zu sein und auf den Esel zu achten, während er die Ziege holte, und begab sich zu der genannten Straße. Er fand die Ziege nicht. Er war auf seiner Suche nach der Ziege sehr weit gegangen, und als er zurückkam, war der Esel weg. Er war schockiert. Er hatte die Ziege verloren, den Esel und das Geld. Er beschloss, in sein Dorf zurückzukehren, da er nun, wo die Ziege verloren war, nichts zu verkaufen hatte.

Auf dem Weg nach Hause traf er an einem Brunnen einen weinenden Mann (den dritten Dieb). Er nähert sich ihm und erkundigt sich, warum er weinte. Der Dieb sagte: "Ich bin der unglücklichste aller Menschen. Ich wanderte umher und machte Geschäfte, bis ich schließlich eine große Tasche voller Goldmünzen hatte. Als ich nach Hause kam, war ich durstig und wollte an diesem Brunnen trinken. Als ich versuchte, Wasser zu schöpfen, fiel mein Beutel mit den Goldmünzen ins Wasser. Ich kann nicht hinabtauchen, weil ich nicht schwimmen kann, und dort unten ist mein gesamtes Vermögen. Ohne das, bin ich ein Bettler. "Kannst du schwimmen?" fragte der Dieb. Der Geschäftsmann sagte "ja". Der Dieb bat den Geschäftsmann, ihm zu helfen, und dieser sagte zu. Der Dieb meinte: "Wenn du mir hilfst, gebe ich dir die Hälfte der Goldmünzen. Der Geschäftsmann dachte, damit kann ich meinen Verlust wenigstens teilweise ausgleichen, zog seine Kleidung aus, legte seine Schmuckstücke ab und überließ sie dem Dieb zur Aufbewahrung. Dann tauchte er auf den Grund des Brunnens und suchte nach dem Beutel mit den Münzen, der jedoch nicht dort war. Er tauchte wieder auf und rief: "Da ist kein Beutel!" Als er oben ankam, war niemand dort Besorgt kletterte er aus dem Brunnen und musste feststellen, dass seine Kleidung und die Schmuckstücke weg waren, und er beinahe nackt in seiner Unterwäsche dastand.

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So geht das heutzutage mit dem intelligenten Stehlen. Wenn wir uns auf diese Art des Stehlens einlassen, können wir kein reines Leben führen, denn daraus entsteht ein schweres Karma. Heute kommt das meiste Karma der Menschheit aus ihrem Instinkt zu Stehlen und jetzt stehlen wir auf intelligente Weise. Der intelligente Mensch beutet den weniger intelligenten aus. Intelligente Nationen bestehlen unschuldige Nationen. So lange es solche Aktivitäten gibt, wird die Menschheit als Ganzes weiterhin große karmische Schuld erzeugen. Deshalb wird im Yoga ein reines Denken empfohlen. Die Intelligenz darf nur eingesetzt werden, um anderen zu helfen und nicht um Besitz und Menschen zu stehlen. Unser Karma verdanken wir unserem Mangel an Harmlosigkeit und unseren diebischen Handlungen.

Und dann gibt es noch ein Verhalten, durch das wir eine große Menge an Karma ansammeln: Von anderen etwas zu erhalten, ohne dafür einen Dienst zu leisten. Die heutige Einstellung ist, mehr zu bekommen, ohne zu arbeiten. Das Gesetz sagt, nimm nur soviel an, wie du auch geleistet hast. Und es ist besser, weniger zu bekommen, als dein Beitrag war. Wir aber möchten von den Menschen, mit denen wir zu tun haben, alles umsonst haben. Wenn wir beginnen, Dienstleistungen und Dinge zu erhalten, ohne selbst den anderen zu dienen, dann laden wir uns karmische Verpflichtungen auf. Das ist ein schwerwiegendes Karma.

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Von Dr. K. P. Kumar, aus dem Buch "Die goldenen Stufen"

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