Rechte Beziehungen - Sri Ekkirala Krishnamacharya

Der Grundgedanke des Neuen Zeitalters, so wurde gesagt, werden rechte Beziehungen sein.

Wenn Kinder rechte Beziehungen zu ihrer Umwelt entwickeln sollen, sollte man vor allem bemüht sein, eine Atmosphäre zu schaffen, in der gewisse Qualitäten gedeihen und entstehen können:


1. Eine Atmosphäre der Liebe, in der es keine Furcht gibt und in der das Kind erfasst, dass es keinen Grund hat, scheu, schüchtern oder ängstlich zu sein; eine Atmosphäre, in der es von seinen Mitmenschen zuvorkommend behandelt wird und in der auch von ihm erwartet werden kann, dass es ihnen seinerseits mit der gleichen Höflichkeit entgegenkommt.
Eine solche Atmosphäre ist selten in den Schulen und Elternhäusern zu finden.
Diese von Liebe durchdrungene Atmosphäre ist keine emotionale, sentimentale Form der Liebe, sondern beruht auf der Verwirklichung der Möglichkeiten des Kindes als ein Einzelwesen, auf einem Sinn für wahre Verantwortlichkeit, Freisein von Vorurteilen, rassistischem Antagonismus und vor allem auf einer mitleidsvollen Zärtlichkeit. Diese mitleidsvolle Zärtlichkeit gründet sich auf der Erkenntnis von der Schwierigkeit des Daseins, auf das Einfühlungsvermögen in das normalerweise liebevolle Entgegenkommen des Kindes und auf dem Wissen, dass Liebe immer das Beste im Kinde oder Menschen heranzieht.

2. Eine Atmosphäre der Geduld, in der das Kind ungestört und natürlich zu einem Sucher nach dem Licht der Erkenntnis werden kann; in der es sicher ist, immer einem sofortigen Verstehen für seine Untersuchungen zu begegnen und eine sorgfältige Antwort auf alle seine Fragen zu erhalten und in der nie ein Gefühl von Eile und Hast aufkommt. Die meisten Charakteranlagen von Kindern werden durch die Hast und Eile der Menschen in ihrer Umgebung nachteilig beeinflußt. Man nimmt sich keine Zeit, sie zu unterrichten und auf ihre kleinen und höchst notwendigen Anfragen zu antworten. Dadurch wird der Zeitfaktor zu einer Bedrohung für eine richtige Entwicklung und dies führt schließlich zu einem Leben mit Ausflüchten und falschen Perspektiven. Die Wertmaßstäbe der Kinder werden verzerrt durch die Beobachtung derer, mit denen sie leben, und vieles erfahren sie durch die Ungeduld, mit der sie behandelt werden. Die Ungeduld derer, von denen sie so bemitleidenswert abhängig sind, legt den Samen der Erbitterung und durch Entrüstung werden zahlreiche Leben zerstört.

3. Eine Atmosphäre geordneter Tätigkeit, in der das Kind die ersten Ansätze der Verantwortung lernen kann. Die Kinder, die in unsere Zeit geboren werden und die von den neuen Erziehungsmethoden profitieren können, stehen dadurch im Begriff, ihrer Seele bewusst zu werden. Eines der ersten Anzeichen eines solchen Seelenkontaktes ist ein sich rasch entwickelnder Verantwortungssinn. Daran sollte man immer denken, denn wenn wir dem Kinde kleine Pflichten übertragen und es an der Verantwortung beteiligen (was immer etwas mit Gruppenbewusstsein zu tun hat), so trägt dies wesentlich dazu bei, Charakter und Anlagen des Kindes im weiteren Leben zu bestimmen.

4. Eine Atmosphäre des Verstehens, in der das Kind immer sicher sein kann, dass die Gründe und Motive seiner Handlungen erkannt werden und dass die älteren Menschen in seiner Umgebung die Art seiner motivierenden Impulse immer verstehen, selbst dann, wenn sie nicht immer mit seiner Handlungsweise oder seinen Beschäftigungen einverstanden sind. Viele Dinge, die das Durchschnittskind anstellt, sind an sich nicht unartig oder böswillig oder absichtlich schlecht. Sie entstehen häufig durch einen Alles infragestellenden Geist, durch das Bedürfnis, eine Ungerechtigkeit heimzuzahlen , die durch die Verständnislosigkeit Erwachsener seinen Motiven gegenüber entstanden ist. Durch die Unfähigkeit, die Zeit richtig anzuwenden (denn der richtungsgebende Wille ist in diesem Alter oft vollkommen stumm und wird erst aktiv, wenn der Verstand beginnt zu funktionieren) und durch den Drang, Aufmerksamkeit zu erregen, ein notwendiger Drang bei der Ausbildung des Selbstbewusstseins, der nach Verständnis und einer äußerst sorgfältigen Führung verlangt.


aus einem Vortrag von Dr. Ekkirala Krishnamacharya

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