"Lasse gute Gedanken aus allen Richtungen zu mir kommen".



Weisheitsgeschichten von Sri K. Parvathi Kumar

Die Doppelzüngigen

Der Tiger mit dem menschlichen Intellekt

Die zwei Durstigen

Die Goldmünzen

Das Fundament - Eine Geschichte über Treuhänderschaft

Die Pulsierung

Neun Jünger

Recht und Unrecht

Das Licht im Innern

Der Riese

Der Fisch im Ozean

Parabel von der Wahrheit und der Unwahrheit

Die Doppelzüngigen

Einst lief ein Jünger voller Furcht und Schrecken keuchend in den Ashram des Meisters. Der Meister fragte den Jünger: "Was ist los?" Da sagte der Jünger: "Ich habe eine Schlange auf dem Weg gesehen. Sie erhob ihr Haupt. Ich war erschrocken. Ich habe auch ihre doppelte Zunge gesehen, und dies erschrak mich noch mehr."
Der Meister sagte: "Ist das alles?" Der Jünger sagte: "Ja." - "Sorge dich nicht um die doppelte Zunge der Schlange. Es gibt viel gefährlichere Schlangen in der Form von Menschen, die zwei Aussagen für den gleichen Gedanken haben. Sie können auf zwei Weisen sprechen. Hüte dich vor den Doppelzüngigen!"

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Der Tiger mit dem menschlichen Intellekt

Es war einmal ein Tiger, der über einen menschlichen Intellekt verfügte. Normalerweise muss ein Tiger seine Nahrung jagen, doch dieser erkannte, dass er seine Beute ohne zu suchen bekommen könnte. Alles kommt zu uns, wir müssen ihm nicht nachlaufen; dieses Verständnis herrscht auch auf der selbstsüchtigen Ebene vor.
Der schlaue Tiger hatte einen goldenen Armreif bekommen. Er hielt ihn in der Tatze, setzte sich an einen Teich und wartete, bis Leute vorbei kamen. Der Armreif lockte sie an und wenn sie vorbeikamen, rührte der Tiger sich nicht. Nach einer Weile hatten die Leute keine Angst mehr. Eine Person blieb eine Weile dort stehen und schaute den Tiger und den goldenen Armreif an.
Dann sagte der Tiger: "Gefällt er dir?" Natürlich gefiel er ihr. Der Tiger erwiderte: " Komm, nimm ihn nur, ich halte ihn für dich." Die Person entgegnete: "Nein, nein, wie kann ich kommen und ihn von dir nehmen?" Der Tiger sah den Zweifel im Denken des Menschen und sagte: "Ich bin nur hier, um dir den goldenen Armreif zu geben. Ich meditiere hier am Teich. Ich bin schon ein Heiliger und ein spirituell Übender. Ich habe eine Regel, jeden Tag einer Person einen goldenen Reif zu geben."
Der Mensch ließ sich überzeugen: "Oh, das ist eine gute Gelegenheit, einen goldenen Armreif zu bekommen." Als der Mensch sich näherte, streckte der Tiger seine Tatze mit dem Armreif aus, und sobald der Mensch in seiner Reichweite war, schlug er mit der anderen Tatze wie mit einem Hammer zu. So hatte er den Tag genug für das Frühstück, Mittag- und Abendessen. Der Armreif blieb unangetastet für den nächsten Tag, und das Spiel begann von neuem.

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Die zwei Durstigen

Zwei Menschen dürsten nach Wahrheit. Sie werden als die zwei Durstigen beschrieben. Sie gingen zu einem Brunnen, weil sie durstig waren. Der eine schaute den Brunnen an und versuchte zu verstehen, welchen Durchmesser dieser Brunnen hatte, wie tief er war, wieviel Wasser er wohl enthalten möge und wieviel Wasser dieser Brunnen geben könnte. Wenn er täglich soundso viel Wasser verbrauchen würde, wieviel wird täglich davon ersetzt? Wenn wir versuchen, das Wasser in einem Brunnen zu messen, wieviel würden wir für die Versorgung von allen benötigen? Während er dies alles überlegte, starb er, weil er verdurstete.
Der andere Durstige ging einfach zur Quelle, nahm mit den Händen das Wasser aus dem Brunnen und ging weg. Wo ging er hin? Er ging zu den Menschen, um sie darüber zu informieren, dass es einen Brunnen gibt, wo man das Wasser des Lebens finden kann. Er weiß, wie das Wasser schmeckt. Und so inspiriert er die Menschen, zu dem Brunnen zu gehen, um ihren Durst zu löschen.

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-> English: Experiencing versus Knowledge

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Die Goldmünzen

Ein Mann hatte drei Diener, die ihm seit langem dienten. Er war der kommende König und wurde in die Hauptstadt gerufen, um den Thron einzunehmen.
Aus Liebe und Mitgefühl gab er jedem Diener eine Goldmünze und sagte: "Ich werde zurückkommen, in der Zwischenzeit benutzt die Münzen auf angemessene Weise." Der eine Diener bewahrte sie sorgfältig auf, ohne sie zu benützen. Der andere baute Hotels und machte gutes Geld damit. Der dritte baute vieles mehr noch als Hotels und wurde reich. Als der Herr zurückkehrte, übergab ihm der erste Diener die sorgfältig aufbewahrte Münze zurück. Weil er dachte, dass der Herr ihn strafen würde, wenn er die Münze nicht zurück gab wie er sie bekommen hatte, hatte er sie nicht genutzt. Der König aber sagte: "Du bist ein nutzloser Kerl, weil du nicht weißt, wie du etwas nutzen und dich daran erfreuen kannst."

Es ist so, als ob man einen Körper bekommt und man denkt, dass er von Gott gegeben ist und man ihn deshalb nicht benutzen sollte. Er wurde gegeben, damit man sich daran erfreut, die Erfahrung lebt, ihn aber nicht missbraucht.

Der zweite Diener zeigte dem Herrn seinen mit der Goldmünze erworbenen Reichtum und sagte zu ihm: "Diesen Reichtum habe ich erworben und er gehört mir. Dies aber ist deine Münze." Und er gab sie ihm zurück. Es ist richtig, der Diener hat eine Goldmünze vom Herrn erhalten, und er gab ihm diese zurück. Alles was er erbaut hat, ist von ihm erbaut worden und nicht von der Goldmünze. Aber wie hätte er alles dies erbauen können, ohne diese Goldmünze zu haben? Der König beschlagnahmte das ganze Eigentum und warf den Diener hinaus.

Er kam zum dritten Diener, der noch viel größeren Reichtum erworben hatte. Der Diener sagte zum König: "Sieh, all diese Herrlichkeit ist aufgrund dieser Goldmünze entstanden. Die Goldmünze gehört dir, und daher gehört auch alles dies dir." Er übergab alles dem König.

Der König aber sagte: "Behalte die Münze und alles damit Erworbene bei dir. Ich möchte, dass du mein Schatzmeister bist."

Hier ist jemand, der nichts als sein Eigentum betrachtet. Deshalb wird er als Wächter für den ganzen Reichtum des Königreiches bestellt.

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Das Fundament - Eine Geschichte über Treuhänderschaft

Es gab dumme Menschen, die im Wald in einer Höhle lebten. Tagsüber kamen sie heraus, aßen etwas und gingen wieder in die Höhle zurück. Sie fürchteten sich vor der Nacht. Sie fürchteten sich vor alles. Wenn es donnerte, fürchteten sie sich und ebenso, wenn es blitzte und regnete, weil sie all das nicht kannten. Sie wussten auch nicht, wie sie sich anziehen sollten. So eine Art Leben lebten sie; ein Leben in der Dunkelheit der Höhle, die sie nur zum Zweck der Nahrungsaufnahme verließen.

Eines Tages kam ein Mensch in den Wald. Als sie ihn sahen, war ihre Furcht groß. Der Fremde aber nahm die Erde und formte mit seinen Händen Backsteine daraus. Sie verloren etwas an Furcht und dachten, dass dieser Fremde nicht so gefährlich ist und näherten sich ihm. Sie wussten auch nicht, wie sie sprechen sollten. Durch Gesten liess der Fremde nun verstehen, dass auch sie solche Steine machen konnten, wie er es tat. Als Gruppe konnten sie nun mehrere Steine machen, und sie begannen, ein Gebäude damit zu bauen.

Der Mann fällte nun Bäume, um daraus Rahmen für Fenster und Türen zu fertigen. Und sie unterstützten ihn dabei. Langsam entstand ein Gebäude, dass genügend Licht und Luft hatte. Er lehrte sie auch das Sprechen und wie sie aus der Natur ihre Nahrung sammeln konnten. Morgens fragte er sie: "Wessen Gebäude ist das?"

Einstimmig antwortete die Gruppe: "Es ist dein Gebäude. Nur durch dich sind wir in der Lage, ein so gutes Leben führen zu können." Das ist ein morgendliches Ritual.

Nach einigen Jahren sagte der Mann: "Ich habe noch Arbeit in einem anderen Ort, ich verlege meinen Wohnsitz jetzt dorthin. Von Zeit zu Zeit werde ich kommen. Macht so weiter, wie ich es euch gelehrt habe." Doch sie sagten: "Nein, wir können ohne dich nicht leben." Der Mann aber sagte, dass sie das schon lernen werden, und wenn sie sich fürchten, sie an ihn denken sollten. Wenn immer sie Zweifel bekommen über irgendetwas im Leben, sollten sie an ihn denken. Der Mann ging und die Gruppe trauerte darüber und begann alleine zu leben.

Einen Monat später kam ihr großer Helfer zurück und die ganze Gruppe empfing ihn mit Freuden. Er fragte:

"Wem gehört dieses Gebäude?" Sie sagten: "Es ist deins. Du hast es erbaut und uns gestattet, mit darin zu leben." Der Mann ging und kam nach sieben Jahren wieder zurück. Die Gruppe sah ihn kommen, aber ihr Empfang war nicht mehr so herzlich wie sonst. Sie baten ihn nur, herein zu kommen. Der Fremde fragte wieder, wem dieses Gebäude gehöre. "Es ist unseres", sagten sie, "deins und unseres!" Früher war es nur seines, jetzt ist es schon seines und ihres. Der Fremde sagte: "In Ordnung, lebt gut!"

Nach drei Jahren kam er zurück und fragte wieder, wem dieses Gebäude gehöre. Die Gruppe sagte: "Es gehört uns, aber wenn du möchtest, kannst du auch darin leben." Der Fremde sagte: "In Ordnung, lebt gut, ich komme wieder." Bei seinem vierten Erscheinen war keiner an ihm interessiert. Sie behandelten ihn, als hätten sie ihn niemals vorher gesehen. ER fragte sie, ob er herein kommen dürfe. Sie fragten: " Warum und zu was?" "Einfach nur, um zu schauen, wie ihr lebt," sagte der Fremde. Beim Eintritt stellte er fest, dass sie innerhalb des Gebäudes Abteilungen geschaffen hatten, wie Höhlen. Jeder lebte getrennt in eine dieser Höhlen. Einhundert Leute in einem Haus und einhundert Küchen, einhundert Schlafzimmer und Badezimmer. Das ganze Gebäude, das so wunderschön gewesen war, ist zu kleinen Löchern geworden. Sie lebten miserabler als zu der Zeit, als sie noch in ihre Höhle hausten. Wenn er sie fragte, wem das alles gehöre, dann sagten sie: "Es ist unseres", sie versuchten auch noch zu unterscheiden, wem was gehört. Sie sind nicht in der Lage, die Diskussion darüber zu beenden, dass der eine mehr hat als ein anderer und streiten darüber.

Da begann der Fremde, einen Stein nach dem anderen aus dem Fundament wegzunehmen, weil er beim Fundament begonnen hatte mit dem Bauen. Die Gruppe sah es mit Staunen. Sie fragten ihn, warum er das tue.

Er sagte: "Die Steine im Fundament gehören mir, denn ich machte diese Steine. Ich möchte sie mitnehmen und gehen:" Als er den Fundament-Stein nehmen wollte, begann das ganze Gebäude zu wanken. Die Gruppe bat, den Stein nicht wegzunehmen: "Wir können nicht existieren, wenn du diesen Stein wegnimmst." "Ihr verdient diesen Stein nicht." Er nahm ihn weg, worauf das ganze Gebäude zusammenbrach. Und die Gruppe ging wieder in ihre Höhle zurück.

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-> English: The Story of Being a Trustee

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Die Pulsierung

Im menschlichen Körper gibt es viele Intelligenzen: Das Denken, die fünf Sinne, das Atmungsprinzip, die Leber, die Lunge, der Magen, die Ausscheidungsorgane usw. Als der Mensch schlief, hatten alle diese Intelligenzen ein Treffen. Sie wollten herausfinden, wer der Größte und Wichtigste von ihnen sei. Jeder war davon überzeugt, dass dieser Mensch ohne ihn nicht existieren könne.

Das Auge stellte diese Behauptung auf, das Ohr und die Nase, die Sprachfähigkeit, die Ausscheidungsorgane und der Magen. "Was seid ihr denn schon ohne mich: gar nichts!" sagte das Gehirn. Alle behaupteten sie ihre eigenen Funktionsaspekte als die wichtigsten.

Plötzlich verspürten alle eine Schwäche, einen Verlust an Energie. Infolge eines Unfalls trat ein Notfall ein. Sie schauten sich alle an, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist. Ein großes Schweigen trat ein - einer war dabei, den Ort des Treffens zu verlassen: Die Pulsierung. Diese sagte: "Adios, ich weiß, ihr seid alle so große Leute, da kann ich jetzt wohl gehen." Als der Puls die Ort verlassen wollte, fielen alle Intelligenzen zu seinen Füßen nieder. Er sagte namaskarams zu deinen Lotusblüten. "Bitte geh nicht!" beschworen sie ihn, "Wenn du gehst, sind wir verloren. Wir verstehen, dass du der Wahre bist, aber warum hast du das nicht gesagt?" Darauf sagte die Pulsierung: "Ich bin vom Herrn besetzt, deswegen ist mein Mund geschlossen. Der Herr ist mit mir als mich selbst. Deswegen nehme ich nicht mal wahr, dass ich funktioniere. Als der Herr den Stolz von euch allen sah, wies er mich an, zu gehen. Und deswegen gehe ich jetzt. Wenn ihr wollt, dass ich bleibe, müsst ihr den HERRN anrufen. Mehr noch: Erkennt, dass eure Existenz Seine Existenz ist. Ihr habt keine eigene Existenz ohne IHN."

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Der Riese

Es gab einmal zwei Riesen, die große Macht hatten. Sie dachten, dass diese Macht ihnen gehöre. So fuhren sie damit fort, die Schöpfung zu stören. Einer von beiden wurde vom Herrn getötet, in Form eines wilden Ebers. Das machte den anderen Riesen wütend und noch wilder. "Ich werde Gott dafür töten, weil er meinen Bruder getötet hat!" Seine Macht war so groß, dass er sich in allen Welten, vom Subtilen bis zum Groben und vom Groben zum Subtilen, bewegen konnte. Er begann nun damit, eifrig und unermüdlich Gott in jedem Winkel der Objektivität zu suchen. Nach langer Zeit kam er in seine eigene Stadt zurück und erzählte den Leuten, dass es keinen Gott gäbe, denn er habe überall gesucht und ihn nicht gefunden. Also könne es ihn nicht geben. "Mich aber gibt es, von nun an akzeptiert ihr mich als euren Gott." Und so begannen die Leute seinen Namen zu singen und nicht den Namen Gottes.

Eines Tages kam ein großer Eingeweihter und fragte ihn: "Ich habe dich gesehen, wie du Gott gesucht hast. Was ist geschehen?" Der Riese antwortete: "Ich habe festgestellt, es gibt keinen Gott!" Der Eingeweihte fragte ihn, warum er nach Gott gesucht habe. "Ich habe nach Gott gesucht, weil ich ihn finden wollte, um ihn zu töten!" Der Eingeweihte fragte, warum er die Entscheidung getroffen habe, Ihn zu töten. "Er hat meinen Bruder getötet", antwortete der Riese. Der Eingeweihte sagte: "Aber du sagst doch von dem, der deinen Bruder getötet hat, dass es ihn nicht gibt. Was ist das für eine Logik? Du sagst, er habe deinen Bruder getötet und dann sagst du, dass es ihn gar nicht gibt. Eine von den beiden Aussagen muss demnach doch falsch sein. Wenn Er es aber nicht gewesen sein kann, weil es ihn nicht gibt, wie du ja sagst, wer hat dann deinen Bruder getötet?" "Aber es war Gott, der ihn getötet hat!" antwortete der Riese. "Ich habe ihn überall gesucht, aber ich konnte ihn nicht finden." Der Eingeweihte fragte: "Hast du wirklich überall gesucht?" "Ja!" "Hast du auch in deinem eigenen Haus gesucht?" Überrascht gab der Riese zu bedenken, dass das wohl nicht möglich sein könne. "Doch", sagte der Eingeweihte, "weil das der einzig sichere Platz für Ihn ist, denn er weiss ja, wie intelligent du bist und du in deinem eigenen Haus nicht nachsehen wirst." Der Riese durchsuchte nun sein ganzes Haus. "Nein, hier ist er nicht!" "Wenn ich sage: dein eigenes Haus, dann meine ich deinen Körper, das Haus aus Fleisch und Blut." "Nein, nein," sagt der Riese, "ich bin mir ganz sicher, dass nur ich in diesem Körper lebe." Der Eingeweihte erläuterte ihm: "Er lebt in dir als du selbst, deswegen bist du nicht in der Lage, ihn zu finden."

Darauf wünschte sich der "eingeweihte" Riese, IHN zu sehen und er wandte sich nach innen. Er fand in sich eine strahlende Lichtsäule, die ihn einfach in sich selbst absorbierte. Der Riese verschwand in DAS.

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Neun Jünger

Neun Jünger gingen jeden Morgen und jeden Abend zum Fluss, um zu baden. Nach dem Bad zählten sie nach, um sicher zu sein, dass alle neun noch da sind. Jeder von ihnen zählte, doch jeweils nur die anderen, so dass jeder nur die Zahl 8 erhielt. Sie forderten den einen von ihnen, der gut in Mathematik war, auf, noch einmal zu zählen. Aber auch er kommt nur auf 8. So kamen sie zu dem Schluss, dass die Strömung des Flusses einen mitgenommen haben musste. Das machte sie sehr traurig. Sie rannten zum Meister und berichteten ihm, dass einer verloren gegangen sei.

Der Meister fragte: "Ist das wirklich so? - Lasst mich zählen." Er begann zu zählen, bei sich selbst anfangend und sagte: "Wir sind 10 mit mir zusammen, also kann keiner verloren gegangen sein." Die Jünger waren überrascht, aber auch beruhigt.

Am Abend gingen sie wie gewohnt baden, und nach dem Verlassen des Flusses zählten sie auch wieder nach, ob keiner fehlte. Doch wieder stellten sie fest, dass sie nur 8 sind. Sie gerieten in Panik und liefen aufgeregt zum Meister. Der Meister zählte wiederum bei sich selbst beginnend und stellte abermals fest, dass sie alle zusammen 10 sind. So geschah es viele Male. Die Jünger besprachen das unter sich und kamen zu dem Schluss, dass der Meister ein großer Magier sein müsse: "Jedes Mal, wenn wir aus dem Fluss steigen, sind wir nur noch 8, aber in der Gegenwart des Meisters sind wir 10. Er muss die Magie des Wunders vollbringen, den Verlorenen wieder herbeizuschaffen."

Eines Tages haben sie den Mut, den Meister zu fragen, wie es sich verhalte, welchen Trick er anwende, welches Tantra er ausführt, um den Verlorenen wieder ins Dasein zu bringen, welches Mantra er singen würde, welches Yantra er verehrt. Der Meister sagte: "Wenn du mit dir selbst zu zählen beginnst, dann sind wir alle 10. Wenn du aber weiter mit anderen zu zählen beginnst, dann bleibt dir die 8. So ist das."

Und so wird gesagt, dass die Natur achtfältig ist, und dass das reine Bewusstsein als neuntes bleibt, das wiederum aus dem Zehnten entspringt, das der EINE ist.

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Recht und Unrecht

Ein Dienstmädchen, das in einem reichen Haus arbeitet, hat viele Kinder und lebt in Armut. Sie haben nicht genug zu essen, und es fehlt an Kleidung. Es herrscht im Haus, in dem sie arbeitet, große Verschwendung in allem. Bei einem Fest gab es einen derartigen Überfluss an nicht gegessener Speisen, die einfach weggeworfen wurden. Als das Dienstmädchen sich etwas von dem Übriggebliebenen mit nach Hause nehmen wollte, wurde das von der Dame des Hauses bemerkt. Sie brandmarkte das Mädchen als eine Diebin. Nur wer ein großes Herz hat, kann vom Standpunkt der Armen aus sehen. Die Reichen können die Probleme der Armen nicht sehen. Das Mädchen sollte also bestraft werden.

Dann kam Jesus und sagte: "Warum habt ihr sie in eine Situation geführt, wo sie gezwungen war zu stehlen? Hättet ihr dem Mädchen etwas von eurem Überfluss für sie und ihre Kinder gegeben, dann hätte sie nicht gestohlen. Ihr drängtet sie derart in die Ecke, dass sie stehlen musste, und dann nennt ihr sie eine Diebin."

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Das Licht im Innern

Einst ging ein König mit seinem Gefolge in einem Wald. Seine Tochter war bei ihm, die von großer weltlicher Schönheit war. Auf ihrem Wanderweg über Hügel und Tal sah sie ein Gebilde aus Schlamm. Die Ameisen bauten einen Hügel und die Schlangen kamen, um darin zu leben. Ein solches Gebilde mit zwei Löchern an der Spitze, aus denen strahlendes Licht kam, sah die Tochter des Königs. Interessiert ging sie hin und schaute in die Löcher, um zu sehen, was sich im Innern befindet. Sie war nahezu geblendet von dem Licht, und neugierig geworden nahm sie einen Halm und stieß dessen Ende in die Löcher hinein. Die Löcher begannen zu bluten und sie fürchtete sich. Sie erzählte ihrem Vater davon. Gemeinsam gingen sie hin und nahmen den Schlamm beiseite. Da saß ein Seher in tiefer Kontemplation mit offenen, blutenden Augen. Der König fürchtete sich, weil die Konsequenzen falschen Verhaltens mit einem Seher sehr schwer sein können. Er entschuldigte sich und suchte nach einer verzeihenden Geste. Bei einem Seher kann das Alter nicht berechnet werden, auch wenn sein Körper das Alter real darstellt. Der Seher sagte zum König: "Das einzige Heilmittel, das du hast, ist, wenn du mir deine Tochter zur Frau gibst."

Dem König war das nicht angenehm zu hören, denn seine Tochter ist sehr schön und im ganzen Land und darüber hinaus dafür gerühmt. Er hatte auch schon Ausschau nach einem Prinzen aus einer hervorragenden Dynastie gehalten. Und nun so ein alter Kerl, der seine Tochter als einziges Heilmittel fordert, ansonsten er die Folgen tragen müsse! Der König war in seinem Dilemma gefangen und brach zusammen. Die Tochter verstand die Situation, sie tröstete ihren Vater und sagte, dass sie den Mann heiraten werde, weil sie ihn mag und weil es dem Königreich hilft: " Ich liebe dich, und weil du als König für das Wohlergehen des Reiches verantwortlich bist und ich dir gegenüber Verpflichtungen habe, werde ich mit meinem ganzen Herzen diesen Mann heiraten." Der König war überrascht, aber er hatte keine Alternative. Er arrangierte die Hochzeit und ließ die Tochter mit dem alten Mann im Wald und kehrte zu seinem Sitz in der Hauptstadt zurück.

Der alte Mann fragte das Mädchen jeden Tag: "Warum hast du mich geheiratet, ich bin doch ein alter Mann?" Das Mädchen sagte: "Ich habe das Licht in dir geheiratet. Es ist das Licht, das mich anzieht, dein Alter kümmert mich nicht." Sie beschwerte sich nicht über den fehlenden Komfort im Wald, sie ist nur auf das Gewahrsein in ihm eingestimmt. Täglich gingen sie zu dem naheliegenden Fluss, um ein Bad zu nehmen. Eines Tages sagte der alte Mann während des Bades: "Schau mich an!" Dann tauchte er unter und kam als schöner, junger Mann wieder empor und sagte ihr: "Ich liebe dich, weil du das Licht in mir liebst!"

Die junge Frau war überrascht und dachte: "Was für ein Seher ist das nur?" Er hatte sie die ganze Zeit nur geprüft, weil für ihn der Körper nichts war. Der Seher fragte: "Bist du jetzt erfreut?" Das war ein Trick, denn das hätte bedeutet, dass sie vorher nicht erfreut war. Sie aber sagte: " Ich bin immer an dir erfreut!" "Hast du denn durch diese Erscheinung nicht extra Freude?" Sie sagte: "In einer Weise, ja!" Der Seher wollte nun wissen: "In welcher Weise?"

Die Frau sagte: "Mein Vater würde sehr glücklich sein, wenn er dich so sehen könnte. Obwohl er auf dem Thron sitzt und ein Reich regiert, ist er doch halbtot vor Enttäuschung, weil seine Tochter mit einem alten Mann zusammenlebt. Wenn du zustimmst, dann lass uns ihn besuchen."

Während sie sich dem Schloss in der Stadt näherten, wurde es im ganzen Reich bekannt, dass die Prinzessin mit ihrem Ehemann kommt, um den König zu besuchen. Der König war glücklich über die Botschaft, und freudig ließ er den Besuch in den Hof kommen. Doch beim Anblick des jungen Mannes, mit dem die Tochter daherkam, war er erstaunt und enttäuscht, denn für ihn war das gleichbedeutend mit ehelichem Treuebruch. Er sagte: "Was bist du doch für eine Tochter! Hast den alten Mann weggejagt und lebst nun glücklich mit einem jungen Mann?" Als der Ärger des Königs noch anzusteigen drohte, lächelte der Seher und nahm allmählich wieder die "alte" Form an. Da verstand der König, dass es derselbe alte Mann ist, der ihm als junger Mann erschien.

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-> English: The Light inside

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Es war ein Fisch im Ozean

Es war einmal ein Fisch im Ozean. Von Zeit zu Zeit gingen zufällig einige Lebewesen ins Wasser. Es gibt manche, die ins Wasser hineingehen und wieder herauskommen. Ich muss nicht weiter betonen, um welche Tiere es sich dabei handelt: um Amphibien, so wie Krebse, Krokodile - sie gehen ins Wasser hinein und kommen wieder heraus. Es gibt auch Menschen, die ins Wasser hinein- und wieder herausgehen.

So fragte der Fisch im Wasser jeden, der ins Wasser hineingekommen war: "Warum kommt Ihr hier hinein?" Dann antworteten sie ihm: "Wasser ist herrlich!" "Was ist Wasser?" fragte der Fisch. Daraufhin erklärten sie: "Weißt Du denn nichts vom Wasser? Es ist kühlend!" Da erwiderte der Fisch: "Aha, es gibt Wasser, das kühlt." Ein anderer sagte: "Wasser ist erfrischend!" Darauf antwortete der Fisch: "Aha, es gibt etwas, das erfrischend ist." Dann erklärte ihm ein Dritter: "Es stillt deinen Durst!" Da fragte der Fisch: "Was ist Durst?" Daraufhin erklärte dieser: "Wenn Du Wasser trinkst, weißt Du, wie Durst gestillt wird; und wenn Du kein Wasser trinkst, wüsstest Du, was Durst bedeutet."

Der Fisch konnte weder das Kühlende, das Erfrischende noch das Stillen des Durstes erfahren. Sogar Elefanten gehen ins Wasser hinein und kommen wieder heraus. Alle Lebewesen, die auf dem Land leben, kommen zum Wasser hin und gehen wieder. Und jedes Wesen teilte ihm andere göttliche Qualitäten des Wassers mit. Schließlich dachte der Fisch: "Ich muss nach Wasser suchen."

Auf diese Weise suchen wir alle nach Gott. Wo könnt Ihr IHN finden? Wo wird der Fisch Wasser finden, von dem er denkt, dass es irgendwo anders ist?

Somit wird er in seinem Bestreben, Wasser kennen zu lernen, sehr philosophisch. Mit der Philosophie ist es nun einmal so. Philosophen sind diejenigen, die in ihrem eigenen Intellekt verloren sind und sich die ganze Zeit über nur spekulative Vorstellungen machen. Währenddessen entwickeln sich so viele Dinge und die Menschen stellen nur fest: "Das sind Philosophen", was soviel bedeutet wie: "Komm' ihm ja nicht zu nahe, denn Philosophie ist ansteckend."

Genauso gibt es jene, die Bücher lesen. Ständig lesen sie Bücher. Du bist ins Buch vertieft, aber Du erkennst nicht, dass das Buch in Dir ist. Das ist das Problem. Bücherwürmer befinden sich immer nur in Büchern, aber sie wissen nicht, was ein Buch ist. Der Bücherwurm, der ein Buch zerfrisst, verschlingt das Buch, aber er wird nichts wissen. Solche werden Bücherwürmer genannt.

Auf gleiche Weise wurde der Fisch ungemein philosophisch. Die anderen Fische sahen ihn und dachten: "Etwas ist falsch mit ihm, er ist nicht normal." Ist es nicht so? Wir denken, normal zu sein bedeutet, nicht spirituell zu sein. Da gibt es etwas Abnormales. Um zu zeigen, dass ich philosophisch oder spirituell veranlagt bin, entwickeln die Menschen Abnormalitäten. Spirituell zu sein bedeutet aber, normal zu sein; spirituell zu sein bedeutet, authentisch zu sein; spirituell zu sein bedeutet, einfach zu sein.

Schließlich wurde dieser Fisch so philosophisch, dass ihm niemand mehr helfen konnte. So gingen die besorgten Fische zum Fischkönig und berichteten ihm, dass von seinen Untertanen ein Fisch psychisch krank sei. Darauf ließ der Fischkönig diesen Fisch zu sich rufen. Da kam der Fisch zum Königshof. Und der König fragte: "Was ist das Problem?" Der Fisch erwiderte: "Ich weiß nicht, was für ein Problem es ist. Ich habe so viel über das Wasser erfahren und mache mir die ganze Zeit Gedanken über diese fantastische Sache, über die so viele Lebewesen vom Land berichten."

Der König sagte: "Du machst Dir Gedanken darüber? Was für ein Dummkopf Du bist! Du lebst doch darin, im Wasser. Die armseligen Gesellen vom Land leben nicht darin, aber wir!" Dann fiel es dem Fisch wie Schuppen von den Augen: Aha! Da er ja im Wasser lebt, gibt es für ihn weder kalt noch heiß, weder Durst noch das Bedürfnis nach Erfrischung. Das Wunderbare ist, mittendrin zu sein, was er aber nicht wusste. Daher wird es ein Problem, wenn man drin ist, aber nichts davon weiß.

Deshalb wird gesagt: "Eben weil Du in etwas mittendrin bist, neigst Du dazu, es zu ignorieren. Solange Du dies ignorierst, versucht Du, IHN außerhalb von Dir zu finden!"

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-> English: The Fish in the Ocean
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Parabel von der Wahrheit und der Unwahrheit

Das Sprechen kann Harmonie, aber auch Konflikt hervorbringen. Wenn Du die Unwahrheit mit der Wahrheit vermischst - auf sorgfältige und intelligente Weise - so sieht es nur wie die Wahrheit aus. Die Unwahrheit, die sich das Gewand der Wahrheit anzieht, spaziert als Wahrheit durch die Welt. Was wirst Du tun? Die Unwahrheit wird als Wahrheit verstanden - was wird dann mit der Wahrheit geschehen?
Ich habe dazu eine Geschichte geschrieben.

Die Unwahrheit und die Wahrheit sind wie Zwillingsschwestern. Sie sehen gleich aus, sind es aber nicht - ihre Qualität ist nicht dieselbe. Die zwei Schwestern gingen zum Fluss um zu baden. Sie zogen sich aus, gingen in den Fluss hinein und nahmen ein Bad. Plötzlich entschied sich die Unwahrheit, schnell zum Ufer zurückzukehren, zog sich die Kleider der Wahrheit an und ging weg in die Zivilisation. Was wird nun die andere Schwester, die Wahrheit tun? Sie schämt sich, das Kleid der Unwahrheit anzuziehen, doch sie kann nicht für immer im Fluss bleiben. So entschied sie, sich nackt in den Wald zurückzuziehen. Und die Unwahrheit fuhr fort, ihren Einfluss im Gewand der Wahrheit auszuweiten.
Die Botschaft der Geschichte lautet: die Unwahrheit verbreitet sich schneller. Die Wahrheit ist immer im Wald, wir müssen uns aufmachen um nach ihr suchen.

Deswegen ist es auch so mit der Sprache: die Unwahrheit wird für die Ohren immer angenehmer klingen als die Wahrheit. Deswegen wird es die bittere Wahrheit genannt. Die Leute möchten gerne angenehmen Dingen, aber nicht den wahren Dingen zuhören. Ist es nicht so? „Sprich auf eine nette Art und erledige Deine Arbeit." Um also Deine Arbeit zu machen, lobst Du die Qualitäten der anderen, die sie gar nicht haben. „Oh, Du bist so ein netter Mensch. Du bist ein sehr großzügiger Mensch. Ich habe soviel über Dich als Gebenden erfahren!“ Es ist wirklich angenehm. Nach vier, fünf Tagen kommt dieser Typ wieder auf Dich zu: „Kann ich 1000 Euro von Dir haben?“ Du kannst nicht nein sagen, weil er meint, dass Du ein gebender Mensch bist. Also nimmt er die 1000 Euro. Und wenn er aus dem Haus geht, lacht er Dich aus.

Die ganze Sprache beruht auf eigennütziger Berechnung. Berechnung ist das Schlüsselwort auf der Welt.
Es wird kommerzielle Berechnung genannt. Einfach angenehm zu sprechen, nur damit die Leute auf ein Angebot, was auch immer es ist, eingehen.

Aber in den Veden heißt es: „Spreche auf freundliche Weise, aber sage die Wahrheit. Spreche nicht einfach auf eine angenehme Weise, wenn es nicht der Wahrheit entspricht." Wenn Du daran gewöhnt bist, auf freundliche Weise zu sprechen, aber dabei nicht die Wahrheit sagst, dann neigst Du dazu, manipulativ zu sein. Gleichzeitig gilt: „Spreche die Wahrheit nicht in unangenehmer Weise aus“. Du musst die Wahrheit nicht unfreundlich sagen!

Lass es wahr und auch in angenehmer Weise und freundlicher Art sein. Denn wenn Du die Wahrheit unfreundlich sagst, würdest Du dabei „Himsa“ (der Gewalt) nachgeben, die ihrerseits das Gegenteil von Harmlosigkeit ist; Ahimsa (Nicht-Gewalt) und Himsa (Gewalt).
Es wird nicht empfohlen, die Wahrheit zu sagen, wenn man andere dabei verletzt. Deswegen heißt es in den Veden: „Sage die Wahrheit, spreche in freundlicher Art. Wenn Du die Wahrheit sagst und andere dabei verletzt, dann schweige“; und: „Sage die Unwahrheit nicht auf freundliche Art.“ Dies sind die drei Anweisungen.

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-> English: Thruth and Untruth

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Auszug aus Vorträgen von Dr. K. Parvathi Kumar

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