Weisheitsgeschichten II - Sri K. Parvathi Kumar

Die Goldmünzen

Ein Mann hatte drei Diener, die ihm seit langem dienten. Er war der kommende König und wurde in die Hauptstadt gerufen, um den Thron einzunehmen.
Aus Liebe und Mitgefühl gab er jedem Diener eine Goldmünze und sagte: "Ich werde zurückkommen, in der Zwischenzeit benutzt die Münzen auf angemessene Weise." Der eine Diener bewahrte sie sorgfältig auf, ohne sie zu benützen. Der andere baute Hotels und machte gutes Geld damit. Der dritte baute vieles mehr noch als Hotels und wurde reich. Als der Herr zurückkehrte, übergab ihm der erste Diener die sorgfältig aufbewahrte Münze zurück. Weil er dachte, dass der Herr ihn strafen würde, wenn er die Münze nicht zurück gab wie er sie bekommen hatte, hatte er sie nicht genutzt. Der König aber sagte: "Du bist ein nutzloser Kerl, weil du nicht weißt, wie du etwas nutzen und dich daran erfreuen kannst."

Es ist so, als ob man einen Körper bekommt und man denkt, dass er von Gott gegeben ist und man ihn deshalb nicht benutzen sollte. Er wurde gegeben, damit man sich daran erfreut, die Erfahrung lebt, ihn aber nicht missbraucht.

Der zweite Diener zeigte dem Herrn seinen mit der Goldmünze erworbenen Reichtum und sagte zu ihm: "Diesen Reichtum habe ich erworben und er gehört mir. Dies aber ist deine Münze." Und er gab sie ihm zurück. Es ist richtig, der Diener hat eine Goldmünze vom Herrn erhalten, und er gab ihm diese zurück. Alles was er erbaut hat, ist von ihm erbaut worden und nicht von der Goldmünze. Aber wie hätte er alles dies erbauen können, ohne diese Goldmünze zu haben? Der König beschlagnahmte das ganze Eigentum und warf den Diener hinaus.

Er kam zum dritten Diener, der noch viel größeren Reichtum erworben hatte. Der Diener sagte zum König: "Sieh, all diese Herrlichkeit ist aufgrund dieser Goldmünze entstanden. Die Goldmünze gehört dir, und daher gehört auch alles dies dir." Er übergab alles dem König.

Der König aber sagte: "Behalte die Münze und alles damit Erworbene bei dir. Ich möchte, dass du mein Schatzmeister bist."

Hier ist jemand, der nichts als sein Eigentum betrachtet. Deshalb wird er als Wächter für den ganzen Reichtum des Königreiches bestellt.


Rosenblüte   
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Eine Geschichte über Treuhänderschaft

Es gab dumme Menschen, die im Wald in einer Höhle lebten. Tagsüber kamen sie heraus, aßen etwas und gingen wieder in die Höhle zurück. Sie fürchteten sich vor der Nacht. Sie fürchteten sich vor alles. Wenn es donnerte, fürchteten sie sich und ebenso, wenn es blitzte und regnete, weil sie all das nicht kannten. Sie wussten auch nicht, wie sie sich anziehen sollten. So eine Art Leben lebten sie; ein Leben in der Dunkelheit der Höhle, die sie nur zum Zweck der Nahrungsaufnahme verließen.

Eines Tages kam ein Mensch in den Wald. Als sie ihn sahen, war ihre Furcht groß. Der Fremde aber nahm die Erde und formte mit seinen Händen Backsteine daraus. Sie verloren etwas an Furcht und dachten, dass dieser Fremde nicht so gefährlich ist und näherten sich ihm. Sie wussten auch nicht, wie sie sprechen sollten. Durch Gesten liess der Fremde nun verstehen, dass auch sie solche Steine machen konnten, wie er es tat. Als Gruppe konnten sie nun mehrere Steine machen, und sie begannen, ein Gebäude damit zu bauen.

Der Mann fällte nun Bäume, um daraus Rahmen für Fenster und Türen zu fertigen. Und sie unterstützten ihn dabei. Langsam entstand ein Gebäude, dass genügend Licht und Luft hatte. Er lehrte sie auch das Sprechen und wie sie aus der Natur ihre Nahrung sammeln konnten. Morgens fragte er sie: "Wessen Gebäude ist das?"

Einstimmig antwortete die Gruppe: "Es ist dein Gebäude. Nur durch dich sind wir in der Lage, ein so gutes Leben führen zu können." Das ist ein morgendliches Ritual.

Nach einigen Jahren sagte der Mann: "Ich habe noch Arbeit in einem anderen Ort, ich verlege meinen Wohnsitz jetzt dorthin. Von Zeit zu Zeit werde ich kommen. Macht so weiter, wie ich es euch gelehrt habe." Doch sie sagten: "Nein, wir können ohne dich nicht leben." Der Mann aber sagte, dass sie das schon lernen werden, und wenn sie sich fürchten, sie an ihn denken sollten. Wenn immer sie Zweifel bekommen über irgendetwas im Leben, sollten sie an ihn denken. Der Mann ging und die Gruppe trauerte darüber und begann alleine zu leben.

Einen Monat später kam ihr großer Helfer zurück und die ganze Gruppe empfing ihn mit Freuden. Er fragte:

"Wem gehört dieses Gebäude?" Sie sagten: "Es ist deins. Du hast es erbaut und uns gestattet, mit darin zu leben." Der Mann ging und kam nach sieben Jahren wieder zurück. Die Gruppe sah ihn kommen, aber ihr Empfang war nicht mehr so herzlich wie sonst. Sie baten ihn nur, herein zu kommen. Der Fremde fragte wieder, wem dieses Gebäude gehöre. "Es ist unseres", sagten sie, "deins und unseres!" Früher war es nur seines, jetzt ist es schon seines und ihres. Der Fremde sagte: "In Ordnung, lebt gut!"

Nach drei Jahren kam er zurück und fragte wieder, wem dieses Gebäude gehöre. Die Gruppe sagte: "Es gehört uns, aber wenn du möchtest, kannst du auch darin leben." Der Fremde sagte: "In Ordnung, lebt gut, ich komme wieder." Bei seinem vierten Erscheinen war keiner an ihm interessiert. Sie behandelten ihn, als hätten sie ihn niemals vorher gesehen. ER fragte sie, ob er herein kommen dürfe. Sie fragten: " Warum und zu was?" "Einfach nur, um zu schauen, wie ihr lebt," sagte der Fremde. Beim Eintritt stellte er fest, dass sie innerhalb des Gebäudes Abteilungen geschaffen hatten, wie Höhlen. Jeder lebte getrennt in eine dieser Höhlen. Einhundert Leute in einem Haus und einhundert Küchen, einhundert Schlafzimmer und Badezimmer. Das ganze Gebäude, das so wunderschön gewesen war, ist zu kleinen Löchern geworden. Sie lebten miserabler als zu der Zeit, als sie noch in ihre Höhle hausten. Wenn er sie fragte, wem das alles gehöre, dann sagten sie: "Es ist unseres", sie versuchten auch noch zu unterscheiden, wem was gehört. Sie sind nicht in der Lage, die Diskussion darüber zu beenden, dass der eine mehr hat als ein anderer und streiten darüber.

Da begann der Fremde, einen Stein nach dem anderen aus dem Fundament wegzunehmen, weil er beim Fundament begonnen hatte mit dem Bauen. Die Gruppe sah es mit Staunen. Sie fragten ihn, warum er das tue.

Er sagte: "Die Steine im Fundament gehören mir, denn ich machte diese Steine. Ich möchte sie mitnehmen und gehen:" Als er den Fundament-Stein nehmen wollte, begann das ganze Gebäude zu wanken. Die Gruppe bat, den Stein nicht wegzunehmen: "Wir können nicht existieren, wenn du diesen Stein wegnimmst." "Ihr verdient diesen Stein nicht." Er nahm ihn weg, worauf das ganze Gebäude zusammenbrach. Und die Gruppe ging wieder in ihre Höhle zurück.




Rosenblüte   
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Die Basis

Im menschlichen Körper gibt es viele Intelligenzen: Das Denken, die fünf Sinne, das Atmungsprinzip, die Leber, die Lunge, der Magen, die Ausscheidungsorgane usw. Als der Mensch schlief, hatten alle diese Intelligenzen ein Treffen. Sie wollten herausfinden, wer der Größte und Wichtigste von ihnen sei. Jeder war davon überzeugt, dass dieser Mensch ohne ihn nicht existieren könne.

Das Auge stellte diese Behauptung auf, das Ohr und die Nase, die Sprachfähigkeit, die Ausscheidungsorgane und der Magen. "Was seid ihr denn schon ohne mich: gar nichts!" sagte das Gehirn. Alle behaupteten sie ihre eigenen Funktionsaspekte als die wichtigsten.

Plötzlich verspürten alle eine Schwäche, einen Verlust an Energie. Infolge eines Unfalls trat ein Notfall ein. Sie schauten sich alle an, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist. Ein großes Schweigen trat ein - einer war dabei, die Halle des Treffens zu verlassen: Die Pulsierung. Diese sagte: "Adios, ich weiß, ihr seid alle so große Leute, da kann ich jetzt wohl gehen." Als der Puls die Halle verlassen wollte, fielen alle Intelligenzen zu seinen Füßen nieder. Er sagte namaskarams zu seinen Lotusblüten. "Bitte geh nicht!" beschworen sie ihn, "Wenn du gehst, sind wir verloren. Wir verstehen, dass du der Wahre bist, aber warum hast du das nicht gesagt?" Darauf sagte die Pulsierung: "Ich bin vom Herrn besetzt, deswegen ist mein Mund geschlossen. Der Herr ist mit mir als mich selbst. Deswegen nehme ich nicht mal wahr, dass ich funktioniere. Als der Herr den Stolz von euch allen sah, wies er mich an, zu gehen. Und deswegen gehe ich jetzt. Wenn ihr wollt, dass ich bleibe, müsst ihr den HERRN anrufen. Mehr noch: Erkennt, dass eure Existenz Seine Existenz ist. Ihr habt keine eigene Existenz ohne IHN."


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Der Riese

Es gab einmal zwei Riesen, die große Macht hatten. Sie dachten, dass diese Macht ihnen gehöre. So fuhren sie damit fort, die Schöpfung zu stören. Einer von beiden wurde vom Herrn getötet, in Form eines wilden Ebers. Das machte den anderen Riesen wütend und noch wilder. "Ich werde Gott dafür töten, weil er meinen Bruder getötet hat!" Seine Macht war so groß, dass er sich in allen Welten, vom Subtilen bis zum Groben und vom Groben zum Subtilen, bewegen konnte. Er begann nun damit, eifrig und unermüdlich Gott in jedem Winkel der Objektivität zu suchen. Nach langer Zeit kam er in seine eigene Stadt zurück und erzählte den Leuten, dass es keinen Gott gäbe, denn er habe überall gesucht und ihn nicht gefunden. Also könne es ihn nicht geben. "Mich aber gibt es, von nun an akzeptiert ihr mich als euren Gott." Und so begannen die Leute seinen Namen zu singen und nicht den Namen Gottes.

Eines Tages kam ein großer Eingeweihter und fragte ihn: "Ich habe dich gesehen, wie du Gott gesucht hast. Was ist geschehen?" Der Riese antwortete: "Ich habe festgestellt, es gibt keinen Gott!" Der Eingeweihte fragte ihn, warum er nach Gott gesucht habe. "Ich habe nach Gott gesucht, weil ich ihn finden wollte, um ihn zu töten!" Der Eingeweihte fragte, warum er die Entscheidung getroffen habe, Ihn zu töten. "Er hat meinen Bruder getötet", antwortete der Riese. Der Eingeweihte sagte: "Aber du sagst doch von dem, der deinen Bruder getötet hat, dass es ihn nicht gibt. Was ist das für eine Logik? Du sagst, er habe deinen Bruder getötet und dann sagst du, dass es ihn gar nicht gibt. Eine von den beiden Aussagen muss demnach doch falsch sein. Wenn Er es aber nicht gewesen sein kann, weil es ihn nicht gibt, wie du ja sagst, wer hat dann deinen Bruder getötet?" "Aber es war Gott, der ihn getötet hat!" antwortete der Riese. "Ich habe ihn überall gesucht, aber ich konnte ihn nicht finden." Der Eingeweihte fragte: "Hast du wirklich überall gesucht?" "Ja!" "Hast du auch in deinem eigenen Haus gesucht?" Überrascht gab der Riese zu bedenken, dass das wohl nicht möglich sein könne. "Doch", sagte der Eingeweihte, "weil das der einzig sichere Platz für Ihn ist, denn er weiss ja, wie intelligent du bist und du in deinem eigenen Haus nicht nachsehen wirst." Der Riese durchsuchte nun sein ganzes Haus. "Nein, hier ist er nicht!" "Wenn ich sage: dein eigenes Haus, dann meine ich deinen Körper, das Haus aus Fleisch und Blut." "Nein, nein," sagt der Riese, "ich bin mir ganz sicher, dass nur ich in diesem Körper lebe." Der Eingeweihte erläuterte ihm: "Er lebt in dir als du selbst, deswegen bist du nicht in der Lage, ihn zu finden."

Darauf wünschte sich der "eingeweihte" Riese, IHN zu sehen und er wandte sich nach innen. Er fand in sich eine strahlende Lichtsäule, die ihn einfach in sich selbst absorbierte. Der Riese verschwand in DAS.


Auszug aus Vorträgen von Dr. K. Parvathi Kumar

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