"Eine Kuh ist auch nur ein Mensch"

Anneres Ebenkofler, Kurz-Biografie

Anneres Ebenkofler betreibt mit ihrem Bruder Helmut das Naturhotel Moosmair mit angeschlossenem Kräuterrestaurant Arcana in Ahornach/Südtirol. Zum Hotel gehört auch ein Bauernhof mit Alm und 25 Kühen, der viele Rohstoffe für die naturnahe Küche liefert. Frau Ebenkofler befasst sich schon lange mit den Heilkräften von Kräutern und hat unter anderem Ausbildungen als Ernährungsberaterin, in traditioneller und moderner Kräuterheilkunde sowie Abendländischer Medizin.

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Wie sich Gastronomie und Landwirtschaft gegenseitig befruchten können


Eigentlich wollte ich schon immer raus in die Welt, fremde Menschen und Kulturen kennenlernen, doch Schicksalsschläge in der Familie standen dem entgegen.

In meiner Einsamkeit, Langeweile und der dauernden Sehnsucht nach der Ferne wurde mir bewusst, dass ich irgendwas unternehmen musste und fasste den Entschluss: Wenn ich schon nicht raus in die Welt kann, dann muss halt die Welt zu mir kommen! Das war ein ganz schön naives Denken, doch dann eilte mir eines Tages eine Kuh zu Hilfe.

Ich saß vor dem Haus und beobachtete, wie sie mit größtem Genuss über meinem Kräutergarten herfiel. Ich habe noch nie einen so glücklichen und zufriedenen Gesichtsausdruck erlebt wie damals bei dieser Kuh. Also nahm ich diese Kräuter näher unter die Lupe und dabei kam mir der Gedanke: Wenn diese paar Kräuter ausreichten, eine Kuh dermaßen glücklich zu machen, dann müsste das bei den Menschen doch auch gelingen!

Das war die Geburtsstunde unseres Kräuterrestaurants Arcana, das seitdem eine ganze Menge Leute aus Nah und Fern anzieht.

Copyright Naturhotel Moosmair
Mein 82-jähriger Vater indes, seit jeher ein passionierter Land- und Gastwirt, vertrat schon lange die tiefe Überzeugung, dass nicht nur Menschen, sondern auch Kühe ein Recht auf gutes Essen und Trinken hätten. Seine besondere Fürsorge gilt ihnen vor allem im Krankheitsfall.

Und so fiel mir eines Tages auf, dass im Restaurant zwei hochwertige Flaschen Wein fehlten. Nach einer intensiven aber fruchtlosen Recherche kam ich zum Schluss, dass sie wohl jemand hat mitgehen lassen.

Einige Tage später kam mein Vater zu mir, und erzählte mir erleichtert, dass seine kranke Kuh sich wieder erholt hat. Er habe sie ein paar Tage aushungern lassen und ihr in dieser Zeit nur Wein zum Trinken gegeben, jetzt gehe es ihr wieder gut. Schlagartig wurde mir bewusst, wo meine teuren Weine versickert waren: im Magen einer kranken Kuh!

Ich machte ihm schwere Vorwürfe: "Du kannst doch nicht so teure Weine deinen Kühen verfüttern! 28 Euro die Flasche! Du ruinierst uns noch!" Mein Vater hingegen ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und meinte nur, das wäre ja nicht so schlimm: Schließlich habe er sich damit 35 Euro für den Tierarzt erspart und die Kuh sei ja nun wieder ganz gesund.

Ob es sich um jene Kuh aus meinem Kräutergarten handelte, kann ich leider nicht sagen…

Bilder: Wir danken Anneres Ebenkofler, Naturhotel Moosmair, Ahornach, Südtirol, für den Text und die Bilder.

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