Zivildiensteinsatz bei der Schweizer Bergheimat -
ein Erfahrungsbericht von Andri


Als ich zum Zivildienst zugelassen wurde, wusste ich, was ich zu tun hatte. Als Bauernsohn und ausgelernter Schreiner sah ich mich am besten auf Bergheimatbetrieben versorgt. - Und es lohnte sich. Hier meine Geschichte mit meinen Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken von sieben verschiedenen Höfen:

Ich startete im vergangenem Jahr im Januar in Ringoldswil, einem kleinen Dorf über dem östlichen Thunerseeufer. Auf diesem Hof durfte ich an den abschliessenden Bauarbeiten des Gebäudes (Infrastrukturverbesserungen) mithelfen.

Nach acht Wochen zog ich weiter ins Bündnerland, genauer gesagt, ins vordere Prättigau nach Valzeina. Bei dieser siebenköpfigen Familie wurde alles Wasser noch von Hand ins Haus (und wieder raus) getragen. Gefrorenes Wasser in der Küche war in den kalten Wintermonaten keine Seltenheit. - Eine isolierte Küche mit fliessendem Wasser fehlte. Nur ein Holz- und Gasherd war bereits vorhanden. Da kam ich für sie wie gerufen.

Nachdem ich die Wände isoliert hatte, verlegte ich einen Riemenboden. Anschliessend verkleidete ich die Decke mit brandhemmenden Platten (so dass man nicht mehr zwischen den Brettern in den ersten Stock hochsehen konnte). Zum Abschluss schreinerte ich ihnen aus Tannen und Lärchenbrettern ein Büffet, eine Eckbank und eine Kochnische.

Wiederum nach acht Wochen zog ich in die Ostschweiz. Leider musste ich dort den Einsatz frühzeitig abbrechen. Nach sinnlosen Differenzen und fehlender Dankbarkeit war ich nicht mehr gewillt, dort weiter mitzuhelfen.
So zog ich nochmals vier Wochen nach Valzeina. Dort schloss ich u. a. die Arbeiten in der Küche noch vollständig ab. Am Schluss floss sogar kaltes Wasser aus dem Hahn.

Anfangs Juli 03 landete ich für acht Wochen in Says. Says liegt am nordöstlichen Hang zwischen Chur und Landquart. Dort konnte ich einen Maschinenunterstand von Grund auf inkl. Planung bauen.


Zu bemerken ist, dass ich dort die ganze Zeit draussen unter dem Vordach des Stalles schlief. Ehrlich gesagt, es gibt fast nichts schöneres, vor allem, wenn man am Morgen von liebevoll gackernden Hühnern geweckt wird.
Nach den ersten 229 Tagen als Zivi war es an der Zeit, eine Pause einzulegen.

Mitte Februar dieses Jahres startete ich eine neue Tournee mitten im Misox, im Doria, einer Fraktion von Mesocco. Dort war ich sechs Wochen der Allrounder beim Renovieren des Hauses. Ich konnte dort viel lernen, da ich bei manchem Handwerker über die Schultern sehen konnte.

Bei der nächsten Station in Vadura (im Taminatal bei Bad Ragaz) war ich die ersten drei Wochen als inoffizieller Zivi vor Ort (die Bürolisten waren mit der Umstrukturierung des Zivildienstes bei weitem nicht auf dem Stand). So half ich zuerst als Freiwilliger beim Bau einer Alphütte mit. Diese Alphütte wurde aus lauter Wandelementen zusammengesetzt. Die habe ich beim Haus vorbereitet.
Nebenbei habe ich beim Ausheben des Fundamentes mitgeholfen. Es war eine "steinharte" Arbeit. Die Schalungstafeln und den Beton flogen wir mit dem Helikopter hoch. Schön war es, als ich mit dem Heli kurz mitfliegen durfte.
Bei einer zusätzlichen freiwilligen Woche transportierte ich die Wandelemente in die Nähe der Alp. An einem schönen Tag flog der Heli sie einzeln hoch, die wir oben gleich am richtigen Ort der Hütte entgegennahmen, platzierten und zusammenschraubten. So stand die Hütte innerhalb von wenigen Stunden.

    



Der siebte Einsatzort war im Calancatal in Braggio. Dort konnte ich u.a. in den steilsten Hängen heuen helfen, das hiess von Hand mähen, zetten, kehren und zusammennehmen. Ohne fremde Hilfe würde man in solchen Gebieten nicht mehr heuen. Die Folge wäre, dass enorm viel Kulturland verloren ginge.

Anfangs August habe ich die zweite Tournee abgeschlossen. Zurückblickend war es eine sehr schöne und lehrreiche Zeit. Ich sah u.a. in sieben verschiedene Familien, mit denen ich den Alltag teilen durfte. Schön, dass es den Zivildienst gibt!


Andri

Ein weiterer Erfahrungsbericht findet sich unter: http://www.schweizer-bergheimat.ch/zivildienst/zivi_bericht1.html

Startseite Druckversion