Der Baum


Der Verfasser

Rolf Krauss

Geboren 1956 in Baden-Baden, lebte mehre Jahre in Frankreich und Spanien, wo er künstlerisch wie auch pädagogisch tätig war.

Seit mehreren Jahren widmet er sich immer mehr der heilenden Wirkung von Klängen und einer vertieften Begegnung mit der Natur in seiner pädagogischen Arbeit. Er lebt heute mit seiner Familie in der Nähe von Osnabrück und ist Klassenlehrer einer Waldorfschule. Seine Erfahrungen teilt er mit Kindern und Eltern. Er veranstaltet Ausstellungen und Seminare für Jugendliche und Erwachsene.



Ich bin der Baum

Ich bin der Baum,
Ein uralter Riese,
Aufrecht im Raum,
Inmitten der Wiese.
Ich bin ein Gleichnis,
Ich bin ein Bild -
Ganz mir zu gleichen,
Sei du nur gewillt.
Aufrecht zu leben,
Den dir eigenen Traum,
Das lerne eben
Von mir, dem Baum!

Rolf Krauss


Der Baum


Vom Instrument zur Klangskulptur

Nachdem ich jahrelang in traditioneller Weise Harfen, Streichpsalter und Monochorde gebaut hatte, wurde der Wunsch in mir zunehmend stärker Neues zu schaffen, andere, vielleicht noch unerforschte, Klangräume zu erhören.

Der Perfektion im Äußeren und dem Glanz der Lacke entronnen, lasse ich nun in freier Weise spielerisch erklingen, was die Natur selbst mir vorgibt.

So entstehen im intuitiven Gespräch mit ihr Klangskulpturen und Objekte, diese sollen zu Harmonie und Wohlgefühl aller beitragen.


"Klänge sind Räume,
die wir lauschend betreten -
im Inneren ein Tor zu den Sternen"

Rolf Krauss

Wie alles begann

Es ist wohl kein Zufall, dass meine Suche selbstlos und ganz spielerisch begann.

Am Strand des Meeres fand ich einst - dem reinen Toren gleich - Treibholzgestalten; diese aber regten meine Phantasie an, schufen Interesse und schärften den Blick. Von da an begann ich intensiver auf meine Umgebung zu achten. Bäume und Felsen "würdigte" ich meines neugierigen Blickes und aus Neugier und völliger Unbefangenheit wuchs mit der Zeit tiefe Zuneigung und Erkenntnis - Verehrung für das in allem verborgen waltende Lebendige.


"Was du auf der einen Ebene Gutes tust,
bekommst du von der jeweils nächst höheren zurück.
Pflege den Körper und die Seele wird sich wohlfühlen.
Nähre die Seele und der Geist wird darin wohnen.
Erhebe das Eine und vom Höheren
werden die lebensspendenden Kräfte fließen."

Rolf Krauss

Was in Baum und Fels verborgen ...

Auf den Spuren der Feen und Faune in den Wäldern der Vogesen.
Schilderung eines intuitiven Erkenntnisweges.


Auf der "Route de Cretes", nicht weit vom "Col de la Schlucht" steht ein Wald voller faszinierender Gestalten, die vielfältig überall aus den bemoosten Stämmen drängen. Bäume, die zu Individualitäten werden unter der Magie des Lichtes. In einer solchen Häufigkeit und Intensität habe ich sie bisher nirgendwo gefunden und es scheint fast so, als hätten sich Faune und Feen auf den Weg gemacht, um von den Menschen entdeckt und bewundert zu werden, so dicht stehen sie beisammen.

Seit über 20 Jahren durchstreife ich nun schon die Wälder der Vogesen. Zuletzt kam Ich mit Kohle und Kamera, ausgerüstet wie für eine Expedition. Von der Berührtheit der Begegnung, die dabei im Innersten stattfand, zeugen die Kohleskizzen und die Photographien in ihrer jeweils eigenen Weise.


Du bist der Alte


Ein Magier und Zauberer, den Eulen bewohnen.
Um den sich Moose und Flechten
Wie Legenden ranken,
Bärte bildend und Geschichten,
Die es alle zu erzählen gilt.
Tanzend erfüllst du den Raum
Mit vielen Gesichtern und träumenden Gesten.

Wirst wieder jung - entfaltest die Flügel,
Um sterbend noch einmal zur Elfe zu werden
Oder zum Vogel, der fliegt.
Auf zu den Himmeln, die in ihm liegen.
Verborgen, erahnt, beseelt.


Baum im Wald



Panther am Baum
Gleich dem Panther, der am Stamm verharrt
- wartend und aufmerksam -
bist du zum Sprung bereit.
Neugierig, gespannt wer kommen mag,
dessen Schritte du bereits vernommen,
dessen Blick du verspürst.
So lange schon hast du darauf gewartet,
dass auch er dich sieht
und sich endlich die Erstarrung
deiner Glieder löst,
aus dem Bann der lieblosen Blicke.



Dem Lindwurm gleichst du,
Der in Fabelmärchen und Legenden
Kinder schreckt und den die Menschen fürchten.
Am Bachrand windest du dich schlangenhaft entlang,
Gleich oberhalb des Wasserfalls.
Mit moosbehaartem Rücken, farngeschmückt,
So liegst du lauernd auf den Steinen.
Wird Siegfried kommen oder Alberich?
Ein Schwert oder noch mehr der goldnen Wasserringe,
Sie harren deiner in der Dämmerung des Waldes!
Wurzel



Baum im Fels Was soll ich noch sagen,
Wo dein Schweigen beredsamer ist
Als aller Menschen Wort.

Einsam stehst du,
Hoch dort oben,
Den Stürmen trotzend in grimmem Stolz.

Generationen liegen dir zu Füssen,
Doch gelassen überschaust du sie mit einem Blick.



Dass du nur unfreiwillig Zaungast bist,
das wissen wohl die wenigsten,
doch bleibst du beharrlich
ein friedvoller Betrachter des Geschehens,
bei dem Zuschauer zu Durchschauten werden.
alter Baum




Die Elementarkräfte und der Mensch

Noch in den letzten Tagen des alten Jahres 1999 fegten orkanartige Stürme über weite Teile Frankreichs und den Süden Deutschlands hinweg. Allein schon in den Vogesen hinterließen sie dabei eine Spur gewaltiger Verwüstung. Ca. 15 Millionen Kubikmeter Holz wird von der Forstverwaltung des "Department des Vosges" als Schaden beziffert. Diese Naturkatastrophe - am Tor zu einem neuen Zeitalter - hat auch viele Menschen zutiefst erschüttert. Aus dieser Betroffenheit heraus mag sich die Frage nach den wirklichen Hintergründen derart entfesselter Elementarkräfte stellen und ein Empfinden auslösen für eine Mitverantwortung an den Geschehnissen. Dieser Artikel ist vor allem jenen gewidmet, die mit den gestürzten und geborstenen Bäumen mehr verloren haben als nur das bloße, verwertbare Holz und die dort wohnen am Felsen der Kleinen Fee und auf den Gipfeln des Steinberges.

Ihnen gilt meine Verehrung und mein Dank.

In der Natur liegt das Göttliche verborgen

In den Vogesen fielen mir dann bei langen Wanderungen, die ich sommers wie winters im Gebirge rings um den Petit Ballon herum unternahm, zunehmend die merkwürdig geformten Felsen auf, in denen ich Gestalten und Gesichter zu erkennen meinte. Eines Tages begann ich sie einfach zu zeichnen; schnell und flüchtig kritzelte ich sie in Umrissen auf irgendwelche Zettel, die ich stets bei mir in der Tasche trug: Scheinbare Gesichter und Figuren in Granit. Aber waren sie wirklich nur scheinbar? Überraschend war für mich vor allem dies unbegreifliche Glücksgefühl, das mich beim Zeichnen von Felsen und Wurzeln regelmäßig überkam. Eine Empfindung von innerer Erfülltheit und damit einhergehend eine sonst nur in tiefer Meditation erfahrene Ruhe und Gelassenheit. Damals hatte ich zunächst dafür keine Erklärung.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch das starke Bedürfnis, zu verstehen, was mit mir geschah. Ich forschte vermehrt in den Schriften Rudolf Steiners und begann meine Erlebnisse und Erfahrungen in Worte zu fassen. Zahlreiche Gedichte entstanden und eine Abhandlung über Elementarwesen und den Zusammenhang mit dem Zeitgeschehen, der wachsenden Gier nach Comics und einer zunehmenden Verzerrung des Menschlichen.

Über die Jahre hin wurden die Wahrnehmungen feiner, das "Grob-Physische" trat sozusagen immer mehr zurück und gab Raum für feinstofflichere Erscheinungen, die aus dem Luftigen, Lichthaften beseelt waren. Nun nahm ich nicht mehr nur in Stein und Wurzel wahr, sondern wurde von Wesen begrüßt, die nicht in der erstarrten Form von Felsen wohnten, sondern im wechselhaften Spiel strömender Bewegung, im Zusammenklang der Elemente.

Es war die Zeit, wo ich Stunden an Bächen und Wasserfällen verbrachte und mich im Erlauschen und Erhaschen des Flüchtigen erübte. Zeiten auch, wo ich auf die feinen Unterschiede im Rauschen der Birken und Pappeln achtete und auf das vielfältig durch das Blätterwerk der Buchen schimmernde Grün. Manchmal zauberten auf meinen Wegen mitten durch den Wald Licht und Schatten Augenblicksweise Gesichte auf einen Stein, die im nächsten Augenblick schon wieder verschwanden.

Zuweilen traf ich auf heimliche Orte - einsam und abgelegen -, die mich ganz unvermittelt anzogen und an denen eine deutlich strahlende, kraftvolle Anwesenheit zu spüren war. Bald lernte ich bei Bäumen und Büschen zu unterscheiden, wo sich ganz besondere Wesenheiten aufhielten. Diese hatten für die gesamte Umgebung eine herausragende Bedeutung und wirkten zentrierend und ordnend im Raum.

Am verblüffendsten erschien mir jedoch in all den Jahren die Tatsache, dass gerade die außergewöhnlichen Baumgestalten und die am deutlichsten erkennbaren Felsgesichter in unmittelbarer Nähe von Wanderwegen zu finden waren, so als wäre ein bewusster Wille am Werk, dessen Absicht es ist, auch die Ungläubigsten eines Besseren zu belehren. Mit der Stärke eines Schreies stehen dort am Wegesrand regelrechte Baumskulpturen, damit sie auch ja jeder erblicken möge. Sie scheinen mir stets zu rufen: Seht her, es gibt uns doch (noch!)! Während sich im Laufe der Jahre, Auge, Ohr und Hand - und ich möchte sagen das Herz - in ihren Fähigkeiten weiterbildeten, wuchsen auch gleichzeitig in mir die Fragen und Erkenntnisse, so dass ich dies regelmäßige Erüben schließlich als meinen persönlichen Schulungsweg erkannte. Aus ihm durfte ich hauptsächlich das Eine lernen: Geduld und staunende Hingabe. Hinweise und Anleitungen Rudolf Steiners waren mir dabei zwar nicht die einzige, jedoch mit die zuverlässigste Hilfe.

Allmählich reifte in mir die Erkenntnis um die Wichtigkeit und die Bedeutung diese Weges und was ich zuvor ahnend erspürt hatte, wurde mir nun zur Gewissheit: Alle Wesen der Erde bedürfen der liebevollen Hinwendung des Menschen. Sein erkennender Blick ist eine für sie erlösend wirkende Geistestat, die sie aus der Verzauberung des für sie bestimmten Grabes - der Natur - erweckt.

Diese Tat ist ein Geschenk des zur Freiheit gereiften Menschen-Ichs an diejenigen Wesen, durch deren Verzicht und Opfer er sich zu seiner jetzigen Bewusstseinsstufe entwickeln durfte. So vermag aus dem Inneren des Menschen heraus eine von Christus durchdrungene Natur sich bilden und die Elementarwelt aus ihrem offenbarten Grabe auferstehen. Die Natur ist das Zaubergrab der Götter und der Mensch dazu berufen, sie durch die Kraft der Liebe zu erlösen.

Empfindende Wahrnehmung

Es sind zweierlei Ding, vom Geist einer Sache zu wissen und sie denkerisch zu durchschauen oder aber das Erkannte auch vom warmen Herzblute durchpulst empfindend wahrzunehmen. Mit anderen Worten - wir mögen zwar um das Vorhandensein geistiger Wesenheiten wissen, dies schafft aber nur in soweit die Voraussetzung einer tatsächlichen Begegnung, als dass ich zumindest die Möglichkeit zulasse, dass es diese Wesen gibt. Aber braucht die Seele denn darüber noch belehrt zu werden? Im Grunde weiß sie sehr wohl um die tiefe Wahrheit der Märchen und Bilder - weiß, dass es Zwerge, Feen und Faune gibt. Weiß vor allem auch, dass sie die Gaben und Geschenke dieser einstmals ihr so wohl gesonnenen und freundlichen Wesen zu einem wirklich sinnerfüllten Leben braucht.

Aus Erkenntnis entstehen Bilder

Nach mehrjähriger Abwesenheit kehrte ich im Sommer letzten Jahres für einen längeren Aufenthalt in die Vogesen zurück. Dabei sind die dem Text beigefügten Zeichnungen und Photographien entstanden. Es ist auffallend, dass in den letzten Jahren eine zunehmende Vermoosung der Bäume in den Vogesen stattgefunden hat. Die Lebenskräfte der Bäume nehmen zusehends ab, gleichzeitig tritt jedoch auch Astralisches in verstärkter Weise auf und formt sich stark individualisierten Ausdruck in den Stämmen. Es sei abschließend noch darauf hingewiesen, das mit zunehmender Schulung an Elementarhaftem sich auch der Blick für den Menschen wandelt und karmische Zusammenhänge von Zeit zu Zeit intensiv bei Begegnungen zu Tage treten.


von Rolf Krauss

Die hier vorgestellte Ausstellung besteht aus Triptychen in den Abmessungen 90 x 60 cm, Schwarz-Weiß Photos, poetische Texte und Kohleskizzen im Format DIN A4. Die Arbeit ist als Wanderausstellung geplant.

Mit seinen Klangskulpturen gestaltet Rolf Krauss auch Gärten und Gelände künstlerisch, um die menschlichen Sinne in ihrer Ganzheit belebend anzusprechen. Mehr über seine Arbeiten erfahrt Ihr auf der Website www.arpha.de.

Wir danken Herrn Krauss, dass er seine Bilder und Texte als Grundlage für diesen Bericht zur Verfügung gestellt hat.

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