Soziale Projekte in Indien


Der Verfasser

Jan Schlenk

Jan Schlenk, 20 Jahre alt, machte 2005 Abitur. Er engagierte sich bereits als Kind im sozialen Bereich, gründete 1995 ein "Greenteam" und hat Kontakte zu Amnesty International und Terre des Hommes. Das Sozialpraktikum der Waldorfschule Hannover machte er in einem Kinderdorf in Dharamsala/Nordindien, wo er sich bis heute mehrfach aufhielt. 2004 baute er dort mit Greenpeace eine Photovoltaikanlage.


Sozialpraktikum der Waldorfschule

Am 14. September 2001 lernte ich bei einem Treffen von Terre des Hommes in Berlin die Dokumentarfilmerin Maria von Blumencron kennen. Sie erzählte mir unter anderem von ihrem Dokumentarfilm "Flucht über den Himalaja - Tibets Kinder auf dem Weg ins Exil" (ZDF) und ihren Erlebnissen, die sie in Tibet, Nepal und Nordindien hatte. Der Film dokumentiert die Flucht von sechs tibetischen Kindern, einem 15 Jahre alten Mönch (Lobsang) und Fluchthelfern. Diese Kinder leben nun im Tibetan s Children Village (TCV) in Dharamsala/Nordindien.
Als sich mir dann im Dezember die Frage stellte, wo ich mein Sozialpraktikum machen könnte, fiel mir das TCV ein und ich fragte dort an. Nach der Zusage flog ich am 1. Mai 2002 nach New Delhi und kam nach einer 13-stündigen Busfahrt am frühen Morgen in Dharamsala an. Dharamsala ist Sitz des Dalai Lama und der Tibetischen Exilregierung.

Ich unterrichtete in einer kleinen Computer-Schule, die in einem umgebauten Stall untergebracht war. Die Schüler waren meist junge Mönche, die erst vor kurzem aus Tibet geflohen waren, teilweise hatten sie mehrjährige Gefängnisstrafen mit Folter hinter sich. Sie wollten in Dharamsala Grundkenntnisse am Computer erwerben. Beim Arbeiten kam uns ab und zu die Witterung in die Quere, die immer wieder die Stromversorgung des ganzen Dorfes für mehrere Stunden lahm legte.

Ich wohnte mit Lobsang zusammen, mit dem ich bis dahin nur Briefkontakt hatte. Die Wochenenden verbrachten wir zusammen mit den oben erwähnten sechs Kindern. Wir machten kleine Ausflüge in die Umgebung. An den Abenden brachten sie mir tibetische Kinderspiele bei. Ich zeigte ihnen japanische Faltkunst (Origami) und war immer wieder erstaunt, wie geschickt sie waren .In der Schule lernten sie seit 2 Jahren englisch, und so konnten wir uns ganz gut verständigen.
Beeindruckt war ich über ihre Offenheit und ihr Interesse an allem. Sie waren immer sehr fröhlich, obwohl sie nur wenig besitzen und nicht sicher ist, ob sie ihre Familien jemals wiedersehen werden.

Während der vier Wochen meines Aufenthaltes lernten wir uns so gut kennen, dass wir eine richtige Familie wurden. Der Abschied fiel mir am Ende sehr schwer und ich versprach wiederzukommen.





Solarenergie - Projekt

Eine weitere Reise im April 2004 hatte einen besonderen Anlass: das Solarenergie- Projekt. Eine Gruppe von Greenpeace-Jugendlichen aus Deutschland, der Schweiz und Indien wollte eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Schulgebäudes montieren. Aus der Erfahrung, dass die Stromversorgung des ganzen Dorfes immer wieder ausfällt, entstand diese Idee.
So flogen wir (6 Jugendliche) am 17. April von Hamburg über Wien nach Delhi. Nach einem Tag akklimatisieren ging es am frühen Morgen mit drei Jeeps weiter Richtung Norden. Unsere Gruppe hatte sich vergrößert: vier indische Greenpeace-Jugendliche, die in Mumbay und Delhi auf der Straße Mitglieder werben, sind dazugekommen, außerdem ein Kamerateam und Leute von Greenpeace Indien.



Da ich sonst immer mit dem Bus über Nacht gefahren bin, sah ich zu ersten Mal die Landschaft zwischen Delhi und Dharamsala. Die Armut der Menschen in Indien zu sehen, bedrückt mich immer wieder aufs Neue.
Nach einigen Pausen und einem unplanmäßigen Halt wegen einer Reifenpanne, erreichten wir am frühen Abend das Kinderdorf.

In den folgenden Tagen stellten wir im Dorf den Schülern unser Projekt vor. Eine Gruppe von 15 Tibetern war ausgewählt worden, mit uns das Projekt durchzuführen, aber während der Pausen kamen immer viele Kinder dazu, denn das Interesse an unserer Arbeit war groß. Wir malten zusammen zwei große Banner mit dem Motto "Eine Sonne, eine Erde, eine Zukunft - Handelt jetzt". Es wurde auf ein Banner in tibetisch und deutsch, auf das andere in hindi und englisch gemalt. Gleichzeitig entstand ein gemeinsames Zukunftsbild.



An dem Projekt war auch die Presse sehr interessiert, am Donnerstag kamen aus Delhi drei indische und ein deutscher Journalist. Sie machten Fotos und führten mit uns Interviews für die Zeitung und das Fernsehen. An diesem Tag fiel der Strom - um die Bedeutung unseres Projektes hervorzuheben - über 10 Stunden aus und erst am späten Abend konnte das Licht wieder angeschaltet werden. Der Unterricht musste deshalb ausfallen, dieses wird aber nun mit der Solaranlage nicht mehr vorkommen.

Nach einigen Schwierigkeiten mit der Lieferung der Solaranlage, die in Indien gefertigt wurde, konnte diese bis zum 25. April mit vereinten Kräften montiert werden.



Die Solaranlage liefert seitdem genügend Strom für die Klassenräume und zusätzlich für acht Häuser, in denen die Kinder wohnen. Um den Solarstrom möglichst effizient einzusetzen, wurden 20 Glühlampen mit 100 Watt durch 15-Watt-Energiesparlampen ersetzt, die die gleiche Menge Licht liefern können. Die Anlage wird durch ausgebildete Techniker vor Ort betreut und gewartet. Wichtig war uns, dass wir für die nächsten Jahre Messwerte bekommen, um einschätzen zu können, ob die Anlage zuverlässig läuft.
Unser Freund Hozefa von Greenpeace Indien kommentierte dieses Projekt so: "Das Solarenergie-Projekt, das von Greenpeace Deutschland zusammen mit GP Indien organisiert wurde, ist absolut super. Ich könnte die ganzen Erfahrungen mit einem Wort beschreiben: Shabash, es bedeutet gut gemacht. Mit Solarenergie zu arbeiten ist essentiell für Indien. Mit erneuerbaren Energien zu starten, ist ein erster Schritt zur Nutzung von regenerativen Energien und damit zu einer nachhaltigen Zukunft".






von Jan Schlenk

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