1. Der Mensch als 'Drache'

Mein liebes Kind, wir wollen etwas über uns selbst lernen. Wie sind wir gestaltet? Wir alle haben eine Form, und wir wirken durch sie. Diese Form nennen wir 'unseren Körper'. Wir sind nicht unser Körper. Genauso wie unser Auto, unsere Bücher, unser Spielzeug, unser Fahrrad, so ist auch unser Körper ein Gebrauchsgegenstand. Nachdem wir in den Schoß unserer Mutter hinabgestiegen sind, wird der Körper allmählich um uns herum aufgebaut. Wenn wir aus dem Mutterleib kommen, haben wir
  1. die Beine
  2. die Hände
  3. den Rumpf
  4. den Kopf
  5. die Ohren
  6. die Augen
  7. die Nase und die Nasenlöcher
  8. den Mund und die Zunge
  9. die Harnwege
  10. die Ausscheidungsorgane
Wir entwickeln
  1. den Tastsinn
  2. den Geschmackssinn
  3. den Gehörsinn
  4. den Gesichtssinn
  5. den Geruchssinn
In uns haben wir die fünf Elemente
  1. das dichte physische Gewebe:
    Haut, Nägel, Knochen, Haare
  2. das Wasser:
    in Form von Blut und Sekreten
  3. das Feuer:
    die Körperwärme
  4. die Luft:
    als unsere Atmung
  5. den Äther oder die Âkâsa:
    ein Aspekt des Raums in uns
Du siehst, wir existieren auf so wunderbare Weise in einem Körper, der vier Gruppen von je fünf Einheiten enthält. Das sind vier Fünfecke! Fünfeck oder Pentagon bedeutet: ein Körper aus fünf Einheiten. Die vier Fünfecke bilden die 20 oben genannten Bestandteile. Ein anderer Name für das Fünfeck ist 'Drache'. Früher wurde das Wort 'Drache' gebraucht, um die fünffältige Existenz darzustellen. In der ältesten Sprache der Menschen ist Makara der älteste Name für 'Drache'. Ma bedeutet die Zahl Fünf, und Kara bedeutet Hände. Makara bedeutet also 'der mit den fünf Aspekten'. Ein Fünfeck hat fünf Ecken. Der Drache hat vier Beine und einen Kopf. Auch du bist ein Fünfeck oder ein fünfzackiger Stern oder ein Drache. Stell dich so hin, dass deine Beine im 90°-Winkel gestreckt sind. Dann strecke deine Arme nach beiden Seiten horizontal aus.



Jetzt siehst du aus wie ein fünfzackiger Stern. Weitere Namen, die in den Schriften für die fünffältige Existenz benutzt wurden, sind 'Pferd', 'Mantel' usw.
Die vier oben genannten Fünfecke sind miteinander verbunden und bilden unseren Körper.
Das zweite Fünfeck, der zweite Makara, ist feinstofflicher als der erste. Das erste Fünfeck, der erste Makara, ist somit gröber als der zweite. Dementsprechend ist das zweite Fünfeck gröber als das dritte, und das dritte ist gröber als das vierte. Alle sind in uns miteinander verbunden. Jeden Tag arbeiten wir durch diese vier Drachen. So ist unser Körper aufgebaut.
Wir leben innerhalb des Körpers, der auch als Stadt, in der wir wohnen, bezeichnet wird. In den vier Fünfecken existieren wir auf vierfache Weise. Erst einmal existieren wir, und dann, als Zweites, erwachen wir jeden Morgen, wenn wir aufstehen, in das Bewusstsein. Entschuldigung! Ich glaube, das war falsch. Erwachen wir aus dem Schlaf, oder gibt es etwas in uns, das uns weckt? Bitte, denk darüber nach.
Wenn wir selbst aufwachen, sollten wir wissen, wie, woher und wodurch wir wach werden. Genauso können wir fragen: Schlafen wir, oder wird uns der Schlaf gegeben? Wenn wir schlafen, sollten wir wissen, wie wir schlafen. Doch wir wissen nicht, wie wir schlafen. Im Schlaf existieren wir, aber wir wissen nicht, wie wir existieren. Ist es nicht so? Bis wir aufwachen, wissen wir auch nicht, wie das Aufwachen vor sich geht. Irgendwie werden wir geweckt, und irgendwie schlafen wir ein. Es wird von der Natur für uns getan.
Die Natur tut noch viel mehr Dinge in uns. Sie bringt den Schlaf, und sie weckt uns auf. Ebenso hält sie Pulsierung, Atmung und Blutkreislauf in Tätigkeit. Im Herzen unterhält sie ein Laboratorium, um unreines Blut in reines Blut wieder aufzubereiten. Ein weiteres Labor hat sie in der Leber. Dort finden höchst differenzierte chemische Reaktionen statt, die Nahrung in Energie umwandeln. Die Drüsensekrete werden ebenfalls durch die Natur hervorgebracht. Mit Hilfe der Sekrete erbaut sie fortwährend die Körpergewebe und erhält die Harmonie des Körpers. Die Funktionen der Natur im Körper sind so zahlreich, dass sie nicht vollständig aufgezählt werden können. Diese intelligente Aktivität der Natur nennen wir 'Bewusstsein'. Deshalb ist die Natur bewusst. Sieh mal, wie bewusst das Atom ist!
Wir existieren, wir werden bewusst, und wir arbeiten durch den Körper. Wir werden zu unseren Gedanken und Wünschen, und letztlich handeln wir so, wie wir von den Gedanken und Wünschen angetrieben werden.
Dies ist unsere vierfältige Existenz:
 
  1. unsere Existenz
 
  1. unser Erwachen
    oder unser Gewahrsein
    oder Bewusstsein
 
  1. wir werden ein Gedanke;
    unser Zustand der Aktivität
    auf der gedanklichen Grundlage
 
  1. durch den fünffältigen Körper
Unsere vierfältige Existenz und die 20 Elemente - vier Fünfecke sind 4 x 5 - bilden zusammen unsere Konstitution. 20 + 4 = 24 ist daher eine Möglichkeit, unsere Konstitution zu verstehen.
Das ist auch die Zahl der Stunden eines Tages und die Zahl der Lunationen im Jahr: 12 Vollmonde und 12 Neumonde. Aus diesem Grund werden wir als Nummer 24 bezeichnet.
Unsere vierfältige Existenz in den vier Fünfecken des Körpers ergibt noch eine weitere Zahl: 4 + 4 = 8. Die 8 gilt als Zahl des Christus.
In den obigen Abschnitten haben wir gelernt, dass wir grundsätzlich existieren und von Zeit zu Zeit bewusst werden. Das heißt, wir haben zwei Daseinszustände, und wir arbeiten durch den fünffältigen Körper: den Makara, den Drachen, das Fünfeck, das Pferd, den Mantel. Daher werden wir auch Siebenstern oder die Nummer 7 genannt. Früher wurden der Mensch und der Kosmos häufig mit dieser Zahl erklärt, obwohl auch andere Zahlen wie 3, 5, 9, 11 und 12 zur Erklärung herangezogen werden können.
Wir wollen nun dem Weg der Menschen aus früherer Zeit folgen, um uns selbst umfassender zu verstehen.


aus K. Parvathi Kumar 'Mithila Grundlagen einer spirituellen Erziehung'

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