7. Ernährung

Die dreifältige Aktivität

Die wesentliche Aktivität des Menschen ist dreifältig. Sobald wir morgens aufwachen, arbeiten wir mit dem Körper. Solange wir wach sind, arbeiten wir den ganzen Tag ununterbrochen mit dem physischen, emotionalen oder mentalen Körper. Dabei gebrauchen wir fortwährend den physischen Körper, den Körper der Sinne oder den Mentalkörper. Wir können nicht anders als einen dieser Körper oder alle gleichzeitig zu benutzen, solange wir wach sind, es sei denn, wir sind Yogîs. Folglich ist Aktivität eine wesentliche Funktion, die zu uns gehört.

Da wir den Körper benutzen, der unser Ausdrucksmittel ist, müssen wir ihn mit Kraftstoff versorgen. Die Ernährung des Körpers stellt also einen weiteren wesentlichen Faktor in der menschlichen Aktivität dar. Wir müssen essen und trinken, um den Körper leistungsfähig zu erhalten. Wir müssen ihn instand halten, so dass er uns hilft, unsere Ziele zu erreichen, genauso wie wir unserem Auto Benzin geben. Solange wir nicht Yogîs von hohem Rang sind, müssen wir jeden Tag essen und zwar zwei- oder dreimal.

Da wir mit unserem Körper arbeiten und ihn tagsüber von Zeit zu Zeit mit Brennstoff versorgen, werden wir abends müde und müssen deshalb schlafen. Je müder wir sind, desto mehr schlafen wir. Unser Schlafbedürfnis und die Anzahl der Stunden, die wir schlafen, hängen von unserer Nahrungsaufnahme sowie von unserer körperlichen und mentalen Anstrengung ab. Ein Yogî ist nicht angestrengt, obwohl er mit dem Denken, den Sinnen und dem Körper arbeitet. Weil er nicht angestrengt ist, braucht er nicht soviel zu schlafen wie ein Durchschnittsmensch. In der Nacht ruht er sich aus, aber er schläft nicht.

Ein Yogî hat Ausgewogenheit zwischen seiner Arbeit, Ernährung und Ruhe erreicht. Er kennt die Natur, und er kennt die Natur seines Körpers. Die Natur der Arbeit und das Bedürfnis nach Essen und Ruhe betrachtet er aus dem richtigen Blickwinkel. So bildet er durch die dreifältige Aktivität ein gleichseitiges Dreieck.



Auch wir sollten lernen, Ernährung und Ruhe im Gleichgewicht zu halten und die Natur beider richtig zu verstehen. Wir wollen damit beginnen, die Ernährung zu verstehen: wie wir an das Essen herangehen und wie wir uns ihm gegenüber verhalten sollten.

Wir sollten wissen, was wir essen, wann wir essen, wie viel wir essen und wie wir essen müssen. Es reicht jedoch nicht, wenn wir diese vier Dimensionen kennen. Viele Leute kennen sie, doch das hilft ihnen nicht. Weißt du, warum? Weil sie das, was sie wissen, nicht in die Tat umsetzen. Deshalb sollten wir lernen anzuwenden, was wir wissen. Es ist dumm, nur um des Lernens willen zu lernen.

Was sollen wir essen?

Wir müssen reine Nahrung zu uns nehmen - Nahrung, die in guter Umgebung zubereitet wurde. Der Platz, an dem Essen zubereitet wird, muss sauber und ordentlich sein. Die Zutaten, die gekocht werden, müssen frisch und voller Lebenskraft sein. Alle Gefäße, die für die Zubereitung gebraucht werden, müssen auch ordentlich und sauber sein. Vielen ist das bekannt, doch das reicht nicht aus. Die Menschen, die das Essen zubereiten, müssen ebenfalls sauber und ordentlich sein, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Wer kocht, sollte keine unreinen Gedanken beim Kochen haben. Sonst kocht er seine unsauberen Gedanken in das Essen hinein und serviert sie. Genauso können wir auch Gedanken des guten Willens in das Essen hineinkochen und servieren. Ersteres verursacht Krankheit, letzteres bringt Gesundheit.

Deshalb ist der Koch wichtiger als das, was er gekocht hat. Er ist von größter Bedeutung. Ein Yogî überzeugt sich von der Reinheit der Person, die kocht. Er achtet nicht darauf, ob das Essen reichhaltig ist. Meist lebt er von Früchten und anderen Nahrungsmitteln, die ihm die Natur gibt. Denn die Natur ist freigebig und voller Liebe zu ihren Kindern. Mutter Natur ernährt uns mit gutem Willen.

Essen und Liebe

Auch unsere Mütter ernähren uns mit Liebe, nicht wahr? Deshalb ist es besser, wenn wir etwas essen, was von unserer Mutter zubereitet wurde, als eine Speise, die mit kommerziellen Motiven entstanden ist. Das Essen der Mutter enthält kein kommerzielles Motiv. In Bäckereien, Restaurants, Hotels und auch bei vielen gesellschaftlichen Anlässen bleibt das Motiv kommerziell. Daher ist dieses Essen, wenn wir seine Schwingung betrachten, minderwertiger als das Essen der Mutter. Zu Hause zu essen ist deshalb auswärtigem Essen vorzuziehen.

Wo Essen liebevoll zubereitet und serviert wird, da wird Gesundheit wiederhergestellt. Aus diesem Grund kochen und servieren viele weise Menschen selbst. Dabei servieren sie nicht nur die Speisen, sondern zusammen mit dem Essen auch ihre Liebe und ihre magnetischen Schwingungen. Deshalb frischen wir unsere Gesundheit auf, wenn wir solche Nahrung essen. Sie besteht nicht aus bloßen Nahrungsmitteln, sondern es ist geheiligtes Essen, und das enthält höhere Werte.

Einmal war Lord Krishna im Haus des großen Eingeweihten Vidura zum Abendessen eingeladen. Krishna nahm die Einladung an, und der Eingeweihte war vor Freude außer sich. Er konnte an nichts anderes mehr denken und traf umfangreiche Vorbereitungen für diesen Besuch. Inzwischen war Krishna zu Viduras Haus gelangt. Wegen der vielen Vorbereitungen war Vidura nicht zu Hause. Die Hausherrin sah, wie Krishna hereinkam. Sie hieß ihn willkommen, bot ihm einen Platz an und fragte nach seinem Befinden. Auch sie war eine Eingeweihte und hatte ein Herz voller Liebe. So konnte sie Krishnas Hunger fühlen. Nur Menschen, die von Liebe erfüllt sind, können die Bedürfnisse anderer wahrnehmen. Deshalb brachte sie sofort eine Handvoll Bananen herbei und begann sie zu schälen, um sie Krishna zu essen zu geben. Sie war voller Liebe und vollkommen in Krishnas göttliche Liebe absorbiert. Während sie so in Trance war, schälte sie eine Banane nach der anderen, warf dann die Banane weg und gab Krishna die Schalen zu essen. Und siehe da, Krishna aß die Schalen mit einem Lächeln und schaute in die Augen der Dame. Auch sie schaute voller Verehrung in Krishnas Augen, während sie ihm die Schalen zu essen gab. Ein Zustand reiner Liebe erfüllte die ganze Situation. Der Verstand hatte ausgesetzt, und Inspiration durchströmte alles.

In diesem Moment trat der Eingeweihte Vidura ein und war schockiert über das, was seine Frau tat. Mit seinem Intellekt mischte er sich in das ruhige, stille Geschehen ein. "Um Himmels willen! Was tust du da?", fragte er seine Frau. "Weißt du, dass du dem Herrn Schalen statt Bananen zu essen gibst?" Die Frau fiel aus dem Zustand reiner Erfahrung ins Verstandesdenken zurück, und es tat ihr leid, was sie getan hatte. Doch Krishna sagte: "Es ist nicht wichtig, was sie mir zu essen gibt. Was zählt, ist, mit welcher Einstellung sie mir zu essen gab. Sie hat mir Liebe zu essen gegeben und nicht Schalen. Die Bananen sind weniger wert als die Liebe, die sie mir gab. Mein Hunger ist vollkommen gestillt. Ich segne euch beide." Nachdem Krishna dies gesagt hatte, verließ er sie.

Kein Essen, wie reichhaltig es auch sein mag, ist ein guter Ersatz für Liebe. Am besten ist deshalb ein Essen, das mit Liebe in ruhiger, göttlicher und heiliger Umgebung zubereitet wurde. Wenn wir kochen, sollen wir mit Liebe und Reinheit kochen. Gesegnet ist, wer solche Nahrung isst.

Singen wir bei der Zubereitung des Essens heilige Hymnen, dann wird es gleichzeitig geweiht. Für den Fall, dass wir die Hymnen nicht selbst singen können, gibt es zum Glück Kassettenaufnahmen von solchen Gesängen. Sie können in der Küche abgespielt werden. Wir können auch Musikkassetten abspielen, die das Denken beruhigen. So werden der Koch und die Essenszutaten in der Küche von den Schwingungen harmonischer Klänge erfüllt. Damit haben wir unser Ziel erreicht, denn solches Essen trägt viel zur Gesundheit bei.

Im Gegensatz dazu essen wir heutzutage überall. Es ist egal, wo und von wem das Essen zubereitet wurde. Weil wir von dieser Wissenschaft nichts wissen, verhalten wir uns so. Wir essen, was in Gaststätten, Schnellrestaurants oder Imbissbuden neben der Straße zubereitet und aufbewahrt wurde. Solches Essen ist für unseren Körper sehr schädlich. Ungesundes Essen fördert ungesunde Gedanken. Speisen, die von sinnlichen Menschen zubereitet werden, machen die Essenden allmählich sinnlich. Wird ein Essen von emotionalen Menschen gekocht, verursacht es Emotionen in jenen, die es essen. In gleicher Weise erzeugt Essen Liebe, wenn es von liebevollen Menschen zubereitet wurde. Die Nahrung, die wir essen, bleibt 7 bis 14 Tage in unserem Körper und beeinflusst ihn genauso lange. Wir können die Qualität unserer Gedanken dadurch verbessern, dass wir die Qualität unseres Essens verbessern und umgekehrt.

Wenn wir überlegen, was wir essen sollen, müssen wir mitbedenken,
  • welche Nahrungsmittel wir essen und
  • wer sie zubereitet.
Wir wollen jetzt versuchen, den ersten Punkt zu verstehen. Welche Nahrungsmittel können wir essen?

Wie bereits erwähnt, dürfen wir nicht einfach alles essen. Mund und Magen sind keine Abfallkörbe, in die wir achtlos etwas hineinwerfen können. Der Mund ist eine heilige Feuerstelle. Wir können keine unreinen Dinge in ein heiliges Feuer werfen. Jedes Mal, wenn wir den Mund in unverantwortlicher Weise benutzen, um etwas zu essen, hat das Konsequenzen. Gleich zu Anfang haben wir gelernt, dass der Körper ein heiliges Instrument ist, das uns gegeben wurde. Wir müssen uns für ihn verantwortlich fühlen. Er wurde von Gott gegeben, und deshalb ist er göttlich. Wir müssen ihn respektvoll und andächtig benutzen, aber nicht missbrauchen oder vernachlässigen. Er sollte so gebraucht werden, wie es für ihn vorgesehen ist.

Was passiert, wenn wir den Benzintank eines Autos achtlos mit alkoholischen Getränken füllen? Angenommen, wir füllen den Tank mit Bier oder Whisky. Wird das Auto damit fahren können? Im Gegenteil, es geht kaputt. Das Auto sollte mit dem Treibstoff gefüllt werden, den es braucht, um die benötigte Energie zu erzeugen. Genauso wenig können wir ein Pferd mit Hamburgern oder anderen Schnellgerichten füttern. Das System in dem Pferd wird sie nicht annehmen. Das Auto hat ein System, das nur den Treibstoff akzeptiert, den es in Energie umwandeln kann. Ein Pferd hat ein System, das nur jenen Kraftstoff, das heißt, jene Nahrung annimmt, die es in Energie umwandeln kann. Dasselbe gilt auch für andere Tiere und Pflanzen. Nur dem menschlichen Tier fehlt dieses Verständnis.

Sieh mal, wie dumm die Leute sind, die etwas essen, was sich nicht in Energie umwandelt. Die Nahrungsaufnahme ist dazu gedacht, dass wir die benötigte Energie für unsere Aktivität erhalten. Stattdessen ernähren wir uns so, als ob wir krank werden wollen. 80% der menschlichen Krankheiten entstehen, weil wir eine unverantwortliche Einstellung gegenüber dem Essen haben. Tiere haben nicht so viele Krankheiten wie die Menschen. Das liegt daran, dass wir Menschen nicht das essen, was wir brauchen. Durch unsere Ernährung bekommen wir Krankheiten statt Energie und Gesundheit. Und der Mensch bezeichnet sich als weise! Wer die Feuerstelle missbraucht, muss dafür bezahlen. Viele Male essen wir, um dadurch krank zu werden.

Es gibt auch Leute, die schlucken Zigarettenrauch! Weshalb? Um Energie zu bekommen? Nein. Für nichts? Nein. Sie sagen, aus Spaß. Die Armen! Sie wissen nicht, dass dies nach einiger Zeit in unangenehmer Form zurückkommt. Aus Spaß zerstören sie ihr Atmungssystem. Welche Weisheit!

Es gibt Leute, die achtlos sehr viel Alkohol trinken. Auch sie zerstören viel in ihrem Körper. Wenn wir Tabak rauchen und aus Spaß Alkohol trinken, dann ist das so, als würden wir in den Benzintank unseres Autos Meerwasser füllen. Mit Sicherheit wird das Auto unbrauchbar.

Es gibt Nahrungsmittel, die dem Körper Energie zuführen. Ausschließlich diese sollten wir essen. Nur dann sind wir vernünftig. Wer nicht dafür sorgt, dass dem Körper Energie zugeführt wird, ist unvernünftig. Wir sollten wissen, welche Ernährung unser System mit Energie auflädt und welche nicht. Wenn es etwas zu essen gibt, was nicht zu uns passt, sollten wir keine Kompromisse machen.

Tabak und Alkohol sind für den menschlichen Körper generell ungeeignet. Sie greifen das Gehirn, das Atmungs- und Verdauungssystem an. Kaffee und andere anregende Mittel sind auch nicht empfehlenswert. Sie können durch Milch, Wasser und Fruchtsäfte ersetzt werden.

Essen und Geschmack

Wie wir erkannt haben, dient das Essen der Energieversorgung des Körpers. Das ist sein einziger Zweck. Wir können energiespendendes Essen zubereiten, das uns schmeckt. Wir haben den Geschmackssinn, um die Nahrungsaufnahme angenehm zu gestalten. Auch richtige - das heißt energiespendende - Nahrung kann geschmackvoll zubereitet werden. Aus Gesundheitsgründen brauchen wir keine geschmacklosen Speisen zu essen.

Die Auswahl der Nahrungsmittel sollte nach drei Kriterien getroffen werden:
  • Wähle eine Nahrung aus, die zu dir passt und dir Energie gibt. Bereite sie geschmackvoll zu und genieße, während du isst. Das ist die beste Situation.
  • Wenn du Nahrungsmittel auswählst, die zu dir passen und dir Energie spenden, auch wenn sie dir nicht besonders gut schmecken, dann ist auch das eine gute Situation, weil du damit immer noch das Energiesystem deines Körpers unterstützt.
  • Wenn du jedoch deine Ernährung einzig nach dem Geschmack auswählst, dann ist das sehr schlecht. Viele Leute essen, weil es ihnen schmeckt. Sie sind Sklaven ihres Geschmacks, ohne dass sie ihren Körper mit Nahrung versorgen. Mit dem Essen dienen sie dem Geschmackssinn, und ihr Körper degeneriert.
Geschmackvoll Zubereitetes zu essen ist etwas anderes als essen, nur weil es schmeckt. Wir dürfen nicht Sklaven des Geschmacks werden. Der Geschmack muss dem Zweck untergeordnet sein. Iss daher energiespendendes Essen und bereite es so geschmackvoll wie möglich zu.

Selbst energiespendende Nahrung hat ihre optimale Quantität für jedes Körpersystem. Das sollten wir nicht außer acht lassen.

Weißt du, dass in unserer Zeit der menschliche Körper so entworfen ist, dass er gesund und aktiv 100 Jahre lang leben kann? Wenn der Mensch nicht lange leben kann, dann trägt seine Unwissenheit in Bezug auf die Essensgewohnheiten entscheidend dazu bei.

Essen und Lebenskraft

Nahrung enthält essentielle Energie, und wir nennen diese Energie Lebenskraft. Lebenskraft existiert in der Substanz der Materie, in der wässrigen, luftigen und in der feurigen Substanz. Tatsächlich ist die Lebenskraft eine subtile Substanz, die in allen Substanzen der Natur vorhanden ist. Durch das Essen gewinnen wir also Lebenskraft. Sie hilft uns, die Lebenskraft in uns zu stärken. Ist es daher nicht weise, Lebenskraft mit oder ohne Essen zu erhalten? Ja! Lebenskraft können wir mit und ohne Essen bekommen. Wir können uns darauf ausrichten, mehr und mehr Lebenskraft aufzunehmen. Dadurch können wir schrittweise schwere Substanzen, wie das Essen, umgehen. Wenn wir Lebenskraft erhalten, was der Zweck allen Essens ist, brauchen wir nicht mehr so viel zu essen. Das mutet seltsam an, nicht wahr? Aber wenn wir den Sachverhalt untersuchen, werden wir sehen, dass es stimmt.

Jetzt wollen wir weitersehen. Wir haben verstanden, dass wir essen, um Lebenskraft zu bekommen. Lebenskraft gibt es in vielen Formen. Sie ist in Nahrungsmitteln vorhanden, sie existiert im Wasser und in der Luft als Sauerstoff sowie im Sonnenstrahl als Lebenskraft. Wenn wir wissen, wie wir Lebenskraft aus dem Wasser erhalten können, brauchen wir keine feste Nahrung mehr zu essen. Wenn wir wissen, wie wir durch das Einatmen von Sauerstoff Lebenskraft aufnehmen können, brauchen wir nicht einmal Wasser zu trinken. Und wenn wir wissen, wie wir Lebenskraft aus den Sonnenstrahlen aufnehmen können, dann brauchen wir sogar nicht mehr so viel zu atmen. Wir können Atemzüge sparen. Das klingt komisch, aber es ist wahr. Es gibt weit entwickelte Menschen, die viele Stunden in tiefer Meditation verbringen, ohne zu atmen. Nach klinischen Maßstäben scheinen sie tot zu sein, doch sie sind sehr lebendig. Im 20. Jahrhundert haben dies Lahari Mahasaya, Sai Baba von Shirdi und Meister CVV aus den Blauen Bergen vorgeführt. Eine Yogîni, das ist ein weiblicher Yogî, in Bengalen (Indien) zeigte 50 Jahre lang, wie man allein von der Atmung leben kann. In dieser Zeit trank sie nicht einmal Wasser, und erst recht nahm sie keine feste Nahrung zu sich. Im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts war sie eine Touristenattraktion. Die Technik, die sie sich angeeignet hatte, war das Aufnehmen von Lebenskraft durch den Atem. Da sie weder aß noch trank, brauchte sie auch nicht den Darm und die Blase zu entleeren. Sie war eine strahlende Erscheinung, und ihre Augen strahlten Licht aus wie zwei Sonnen.

Bis in die 1980er Jahre gab es in Andhra Pradesh (Südindien) einen Yogî, der ohne Nahrung und Wasser länger als 30 Jahre in einem geschlossenen Raum lebte. Nur einmal im Jahr kam er aus seinem Zimmer heraus, am Neumondtag im Monat Wassermann.

Im Wassermannzeitalter* ist die Luft das vorherrschende Element, das den Planeten regiert. Wenn wir wissen, wie wir die Luft handhaben müssen, um Lebenskraft aufzunehmen, brauchen wir nicht viel zu essen. Wir bleiben energiegeladen, ohne die Schwere des Essens in uns zu haben. Dabei befolgen wir die Technik des Prânâyâma - die Atemtechnik, die das Prâna, die Lebenskraft, reguliert. Wenn wir immer weniger essen und trotzdem voller Energie bleiben, werden wir bald nicht mehr soviel wiegen. Tatsächlich geht man heute dazu über, nicht mehr soviel zu essen wie unsere Vorfahren. Auch unsere Körper entwickeln sich weiter. Deshalb essen und vertragen sie nicht soviel wie die Körper unserer Vorfahren.

Im Wassermannzeitalter begannen die Menschen, mit Flugzeugen zu fliegen. Eines Tages werden wir sogar selbst fliegen können, ohne Hilfe der Flugzeuge. Diese Möglichkeit bietet die Wassermann-Luft. Allmählich entwickelt der Mensch seinen Körper und macht ihn leichter. Er erlernt die Technik, wie man die Anziehungskraft der Erde umkehren und dadurch fliegen kann. In ferner Vergangenheit kannten die Menschen diese Technik. In der Zukunft wird sie wieder Wirklichkeit werden. Dabei spielen auch unsere Ernährungsgewohnheiten eine Rolle.

Jetzt wollen wir weitere Methoden und ihre Einteilung im Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten kennen lernen. Wir haben gesehen, wie Yogîs über Jahre von den Sonnenstrahlen und der Atmung leben. Auch haben wir von Menschen gehört, die jahrelang nur von Wasser leben. Aufgrund der Reinheit des Wassers haben sie eine starke Ausstrahlung. Sie kennen die Technik, wie sie die Energie des Wassers nutzen können. Wasser ist Elektrizität, und elektrische Energie ist die Grundlage jeder Bewegung der Lebenskraft. Wir können die Technik zur Nutzung der Sonnenstrahlen, des Atems und des Wassers nur von jenen lernen, die sie anwenden.

Für uns ist es jedoch notwendig, dass wir unsere Essgewohnheiten verbessern, ehe wir solche fortgeschrittenen Stufen erreichen. Wollen wir uns mit leichterer Nahrung fit halten, dann sollten wir sie schrittweise in unser Leben einführen und nach und nach die schweren Nahrungsmittel durch leichtere ersetzen. Wenn wir mehr Wasser trinken, füllt dies den Platz in unserem Magen, den sonst schwerere Nahrungsmittel einnehmen.

In der Yoga-Praxis empfehlen die Lehrer, den Körper bei jeder Mahlzeit zu 50% mit Nahrungsmitteln und zu 25% mit Wasser zu sättigen und die restlichen 25% leer zu lassen. Der leere Teil wird durch die morgendlichen und abendlichen Prânâyâma-Übungen aufgefüllt. Falls Wasser uns nicht das Gefühl des Gefülltseins gibt, können wir es durch Fruchtsäfte oder andere flüssige Nahrungsmittel ersetzen. Das erhält uns bei guter Gesundheit. Oft, wenn uns danach ist, Kaffee, Tee oder andere ungesunde Getränke zu uns zu nehmen, könnten wir stattdessen Wasser oder Säfte trinken. Sie sind bessere Nahrungsmittel. Auch Milch und Honig sind sehr nützlich. Milch spielt eine bedeutende Rolle für die Reinigung der Körperschichten. Daher werden Milch und Milchprodukte dringend empfohlen. Milch unterstützt den Bau des Antahkarana-Körpers, des subtilen Körpers. Lord Krishna lebte während seiner 126 Lebensjahre ausschließlich von Milch und Milchprodukten. Er blieb immer jung und voller Energie, ohne mit den Lebensjahren zu altern. Selbst in seiner letzten Lebensphase wirkte sein Körper jugendlich. Immer sah er wie ein Jugendlicher aus. Die Botschaft, die seine Ernährungsweise gibt, ist eindeutig. Auch wir sollen mehr Milch und Milchprodukte zu uns nehmen und mit ihnen schwerere Nahrungsmittel ersetzen.

Unter den Nahrungsmitteln sind Blattgemüse, Gemüse, das aus Fasern besteht und über dem Boden wächst sowie Früchte jenen Gemüsen vorzuziehen, die unter der Erde wachsen. Das sind Wurzeln, beispielsweise Kartoffeln. Die Gemüse in der Erde erhalten nicht so viele Sonnenstrahlen wie jene, die über der Erde wachsen. Daher sind sie eher schwerer.

Unglücklicherweise hat der Mensch des 20. Jahrhunderts aus Unwissenheit fortwährend Wasser, Pflanzen und Tiere verunreinigt. Alle Flüsse sind verschmutzt, und deshalb müssen wir das Wasser behandeln, bevor wir es trinken. Die Kühe und anderes Vieh, das Milch gibt, sind ebenfalls durch alle möglichen Chemikalien verunreinigt, die man ihnen spritzt, um den Ertrag zu steigern. Folglich entwickeln viele Menschen im Westen eine Allergie, wenn sie Milch trinken. Auch Früchte und Gemüse sind durch den Einsatz von Pestiziden, Insektiziden und Düngemitteln verunreinigt. Der Mensch muss die Wissenschaft angemessener nutzen. Unser Wasser ist nicht gesund, die Milch ist nicht gesund, die Früchte sind nicht gesund, die Luft ist nicht gesund, und letztendlich sind unsere Gedanken nicht gesund. Wie können wir erwarten, dass wir gesund bleiben, solange wir nicht unsere Gewohnheit korrigieren, alles in und um uns zu verunreinigen? An irgendeiner Stelle müssen wir damit anfangen. Statt darauf zu warten, dass andere etwas tun und wiedergutmachen, wollen wir bei uns selbst beginnen. Unsere Einstellung sollte sein: "Möge die Wiederherstellung des Gleichgewichts in der Umwelt von mir ausgehen."

Wenn wir lieber gekochtes Essen mögen, sollten wir dafür sorgen, dass wir es innerhalb von drei Stunden nach der Zubereitung essen. Gekochtes Essen kalt aufzubewahren und über Tage zu essen, bedeutet, tote Nahrung zu sich zu nehmen. Sie ist nicht mehr lebendig. Ähnlich verlieren Gemüse und Früchte allmählich ihr Leben, wenn sie gelagert werden. Heutzutage ist es ein Glücksfall, wenn man noch frische Milch trinken, frisches Gemüse essen und auch in frischem Wasser baden kann, das viel Lebensenergie enthält. Haben wir uns im Namen der Fortentwicklung nicht von der Natur entfernt? Sollten wir nicht daran denken, wenigstens in kleinen Schritten wieder zur Natur zurückzukehren?

In den obigen Abschnitten haben wir verstanden, dass die Nahrungsmittel schrittweise immer schwerer werden: vom Sonnenstrahl zum Sauerstoff, vom Sauerstoff zum Wasser, vom Wasser zu flüssigen Nahrungsmitteln, von flüssigen Nahrungsmitteln zu Früchten, von Früchten zu Gemüsen, die über der Erdoberfläche wachsen und von solchen Gemüsen zu Wurzelgemüsen. Betrachte in diesem Zusammenhang die tierische Nahrung. Sie ist das schwerste von allem, was der Mensch isst!

In diesem wissenschaftlichen Zeitalter, in dem es soviel Automatisierung und Mechanisierung gibt, strengt sich der Mensch nicht mehr körperlich an. Heute arbeitet er mehr mental. Deshalb braucht er kein Fleisch oder andere tierische Nahrung zu essen. Diese Kost macht nicht nur seinen Körper schwerer, er wird auch sinnlicher und ist der Sexualität und den Sinnesobjekten stärker zugeneigt.

Das kommt daher, dass er nicht alle Substanzen der tierischen Nahrung durch körperliche Aktivität und Anstrengung wegbrennt. Er muss intensiv trainieren, um sein normales Gewicht zu halten.

Warum sollten wir essen, was wir nicht brauchen und das überschüssige Fett durch zusätzliche Aktivität, beispielsweise intensives Training, wegbrennen? Dazu kommt, dass das Zeitalter, in dem wir leben, unser Körpergewebe immer leichter macht. Und wenn wir immer schwerere Nahrung essen, wird das Körpersystem beeinträchtigt. Dies müssen die Menschen des Wassermannzeitalters verstehen. Vegetarismus ist die Zukunft der Menschheit. Wir wollen so intelligent sein, dass wir das lernen, was die Natur uns durch die Zeit lehren möchte.

Wo man essen soll

Uns wird empfohlen, an einem sauberen und ruhigen Ort zu essen, wo Stille und Reinheit herrschen. Wir sollten nicht auf der Straße essen, auch nicht in Bussen oder U-Bahnen. Nur an ruhigen Plätzen sollten wir essen, es sei denn, es ist nicht anders möglich. Wir sollten nicht in belebten Zentren, Bars, Restaurants, an lauten Plätzen und nicht an Orten essen, wo viel los ist. Wo wir auch essen, sollten wir den Platz in Gedanken durch folgendes Gebet weihen und erst danach essen:
"Ich bitte den Herrn, dass er in mir und um mich herum Reinheit schaffen möge, dass er den Ort und das Essen, das ich dem Körper anbiete, reinigen möge. Der Herr möge mich, das Essen, den Körper und den Ort durch mein Gebet beschützen."

Wie man essen soll

Iss mit innerer Ruhe, mit freundlicher Einstellung und mit dem Gedanken, dass du etwas anbietest. Denke daran, dass du dem Körper Nahrung anbietest. Du isst für den Körper, und der Körper arbeitet für dich. Wenn du die Nahrung dem Körper richtig anbietest, wird sich der Körper dir zur Verfügung stellen, um dir zu dienen. Der Körper dient uns nur unzureichend, wenn wir ihm nicht dienen. Deshalb iss mit dem Gedanken, dass du ihm etwas anbietest.

Wenn du isst, dann erledigt die Wärme in deinem Körper alles, damit die Nahrung aufgenommen und als Energie an den Körper verteilt wird. Es ist die Arbeit des Feuers im Körper. Daher solltest du das Essen dem Feuer in dir anbieten. Biete das Essen dem Feuer an und iss mit innerer Ruhe. Auch wenn du dich dabei angenehm unterhältst, vergiss nicht, dass du dem Feuer etwas anbietest. Schweigen beim Essen macht es dir möglich, den Gedanken des Anbietens zu bewahren. Wenn du damit vertraut geworden bist, kannst du sogar mit anderen Menschen ein angenehmes Gespräch führen und dabei den Gedanken des Anbietens behalten. Weihe das Essen durch solches Anbieten. In Gedanken kannst du folgenden Vorschlag machen:
"Ich bin dem Herrn dankbar für das Essen, das er gegeben hat. Dieses Essen biete ich dem Herrn des Feuers an, damit er es an die Devâs im Körper verteilen kann. Möge der Herr zufrieden sein. Möge diese Handlung den Devâs gefallen."

Wie viel man essen soll

Es gibt keine feste Regel, wie viel man essen soll. Doch du wirst es erkennen, wenn du während des Essens still bist. Im Gehirn befindet sich ein Sättigungszentrum, das dir ein entsprechendes Signal gibt, wenn du in Ruhe isst. Die Botschaft kommt als 'genug'. Im Inneren kannst du es hören, wenn du den oben dargelegten Essensregeln folgst. Ein wichtiger Grundsatz in Zusammenhang mit dem Essen ist, dass wir uns nach einer Mahlzeit nicht schwer fühlen sollten. Die Schwere weist darauf hin, dass wir zuviel gegessen haben. Wir sollten uns nach einer Mahlzeit nicht unwohl fühlen und uns nicht mit dem Essen bestrafen. Wer sich nach dem Essen in seinem Körper schwer fühlt, muss weniger essen und die Qualität der Nahrung verbessern. Wir sollten eine Mahlzeit beenden, solange der Magen noch nicht ganz voll ist. Wenn wir das Gefühl haben, den Magen vollständig füllen zu müssen, können wir den verbleibenden Teil mit Wasser auffüllen.


aus K. Parvathi Kumar 'Mithila Grundlagen einer spirituellen Erziehung'

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