12. Meditation

Mehr und mehr erkennen die Menschen den Wert der Meditation und wenden sich ihr zu. Im gegenwärtigen Zusammenhang einer unruhigen, geschäftigen Welt voller Stress und Anspannung empfinden viele, dass sie die Meditation dringend brauchen, um das Denken zu stabilisieren, ruhig zu werden und gelassen zu bleiben. In kurzer Zeit ist eine große Anzahl von Gesellschaften, Schulen und Ashrams entstanden, die die Meditationstechnik vermitteln. Wahre Meditation wurde bisher jedoch noch nicht verstanden. Was zur Zeit in vielen Schulen unter dem Namen der Meditation gelehrt wird, ist Konzentration. Sie ist nur eine Grundlage für die zukünftige Meditationsarbeit.

Meistens springen Menschen einfach in die Meditation und erkennen nicht, wie notwendig die Beachtung der erforderlichen vorausgehenden Schritte ist. Wesentliche Voraussetzungen der Meditation sind die physische Koordination und emotionale Stabilität. Wer kein geregeltes und systematisiertes äußeres Leben führt, wessen Körper nicht der geforderten notwendigen Disziplin folgt und wer häufig aus Eifersucht, Ablehnung, Verlangen, Ärger und starker besitzergreifender Haltung von seinen Gefühlen durcheinandergebracht wird, kann nicht meditieren. Auch Menschen, die in ihrem Denken, Sprechen und Handeln durch und durch von egoistischen Motiven angetrieben werden, können nicht meditieren. Reinheit der Motive und Menschenliebe machen Meditation möglich. Es ist gefährlich, stundenlang zu meditieren, ohne den physischen Körper darauf abzustimmen und den emotionalen Körper zu stabilisieren. Oft finden wir Leute, die durch Meditation aus dem Gleichgewicht geraten. Dies liegt an ihren Zwangsvorstellungen über die feinstoffliche Welt, von denen sie eingeholt werden, und an ihrer Abneigung gegenüber dem normalen Leben. Folglich werden die Menschen unausgeglichen und unpraktisch, statt eine höhere Ausgeglichenheit zu finden.

Jede Meditationsschule sollte auf reichlich körperlicher Aktivität bestehen, auf normaler emotionaler Zufriedenheit, wie sie von der Moral- und Ethik-Lehre erlaubt wird, sowie auf intelligentem Studium und Verständnis der Schriften und des Lebens der Eingeweihten.

Die Bedeutung der Meditation

Meditation ermöglicht richtige Ausrichtung der drei niederen Hüllen: der physischen, emotionalen und niederen mentalen. Außerdem können wir durch die Meditation den Kontakt mit dem Selbst, dem höheren Denken, das heißt, mit Licht, Liebe und Wille herstellen.

Die drei niederen Hüllen und die Aktivität, die in ihnen entsteht, werden als Persönlichkeit bezeichnet. Normalerweise verhält sie sich wie ein abgesondertes, selbstbezogenes und anspruchsvolles Wesen. Die Meditation hilft uns, über diesen Zustand hinwegzukommen, wenn - und nur wenn - wir die absolute Notwendigkeit erkennen, die Herrschaft der Persönlichkeit zu überwinden. Solange wir in unseren niederen Hüllen oder dem niederen Selbst polarisiert sind, fühlen wir nicht einmal die Notwendigkeit zu meditieren. Wir sind zu sehr mit persönlichen Angelegenheiten beschäftigt. Erst wenn wir die Vergeblichkeit des persönlichen Strebens erkennen, ist die Zeit gekommen, dass wir uns der Meditation zuwenden, um unsere wahre Natur und Existenz zu finden.

Meditation hilft uns, als vollständiges, zusammengefügtes und umfassendes Wesen zu leben. Bis wir uns selbst und unsere Körperhüllen, in die wir uns ausbreiten, erkennen, leben wir in zahllosen Teilstücken. Durch die Meditation können wir uns sammeln und die verstreute Intelligenz in uns ordnen. Mit Hilfe der Meditation erreichen wir ein Gleichgewicht, das durch die Ereignisse des Lebens nicht beeinträchtigt wird, seien sie gut, schlecht oder keins von beiden.

Meister DK sagt: "Durch beständige Meditation wird der gesamte Gleichgewichtspunkt allmählich immer weiter nach oben verlagert, bis eine Zeit kommt, in der der niedere Anziehungspunkt im Hin- und Herschwingen und in der Angleichung nicht das Körperliche ist, nicht das Emotionale berührt und auch nicht das Mentale erreicht. Von diesem Zeitpunkt an ist der Mensch im spirituellen Bewusstsein polarisiert."

Wir werden stabil, unerschütterlich, gelassen und können mit Lebenssituationen besser und leidenschaftsloser umgehen.

Grundvoraussetzungen der Meditation

Wenn wir erfolgreich meditieren und die gewünschten Ergebnisse erzielen wollen, dann sollten wir gleichzeitig den physischen, emotionalen und mentalen Körper stetig trainieren und reinigen. In diesen Körpern sammeln sich Tag für Tag Unreinheiten an, und deshalb müssen sie täglich gereinigt werden.

Feuer ist immer von Rauch und Kohlenstoff begleitet. Genauso ist es auch mit der Seele, denn sie ist solares Feuer. Während sie sich im materiellen Körper befindet, führt sie einen Verbrennungsvorgang durch, der Rauch und Kohlenstoff erzeugt. Das sind die Unreinheiten, die der Körper durch seine neun Öffnungen ausscheidet.

Auf einem Spiegel sammelt sich Staub, und deshalb muss er täglich gereinigt werden, damit er gut reflektieren kann. Das Kind in der Gebärmutter ist von amniotischer flüssiger Plazenta umgeben. Wie schön unser Gesicht auch sein mag, wir müssen es jeden Tag waschen. Ebenso ist das Wissen in uns von Unwissenheit bedeckt, die täglich weggewischt und entfernt werden muss. Die Schönheit des Selbstes wird von der Hässlichkeit des Rauchs und des Kohlenstoffs, die es erzeugt, verschlungen. Wenn wir uns nicht jeden Tag reinigen, häufen sich die Unreinheiten. Alles und jedes in der Natur vermittelt uns dies ganz eindeutig. Gedanken, Wünsche und Handlungen sind die Aktivität des inneren Feuers, das das Selbst ist. Von Natur aus erzeugt diese feurige Aktivität Nebenprodukte. Es sind Unreinheiten auf der mentalen, emotionalen und physischen Ebene. Wenn wir sie nicht systematisch und regelmäßig beseitigen, kann das leuchtende Selbst nicht hindurchscheinen.

Der Zylinder einer Lampe kann ihr Licht nicht verbreiten, wenn er nicht sauber ist und täglich gereinigt wird. Die Gegenstände, die wir jeden Tag benutzen, müssen gewaschen und gereinigt werden, wenn sie brauchbar bleiben sollen. Kleidung, Geschirr, Autos, Häuser - alles muss gereinigt werden, damit wir es sinnvoll nutzen können. Dasselbe gilt auch für den Körper. Die Staatsbürgerkunde sollte auf den Körper und seine inneren Schichten erweitert werden. Viele sind äußerlich sauber, aber sehr wenige sind auch innerlich rein. Innere Reinheit hat im Leben weiterreichende Folgen als äußere Sauberkeit. Ein Yogî kümmert sich um beides.

Folgendes braucht der physische Körper, um rein zu bleiben:

  • reine Nahrung, um Aktivität zu ermöglichen. Die Güteklassen der Nahrung wurden bereits in den vorausgehenden Lektionen genannt.
  • reichlich Wasser, innerlich und äußerlich. Tägliches Duschen und Wechseln der Kleidung. Tägliche Darmentleerung vor der ersten Mahlzeit. Reinigung des Mundes vor und nach jedem Essen.
  • Aufenthalt im Freien während der täglichen Aktivität, viel Licht und frische Luft in den Aufenthaltsräumen. Dunkle und unbelüftete Räume sollen zum Schlafen und Arbeiten gemieden werden.
  • keine synthetische Kleidung, synthetischen Kosmetika usw. Uns wird dringend empfohlen, dass wir uns an die Natur und Naturprodukte halten sollen.
  • Aufenthalt an Orten der Stille und des Friedens sowie Bewahrung von Stille und Frieden im Inneren.
  • keinen Schlaf tagsüber, sondern nur zwischen 22.00 Uhr und 5.00 Uhr.
Dies sind in Kürze die Gewohnheiten, die uns auf der physischen Ebene rein erhalten.

Um die Reinheit auf der physischen Ebene zu stabilisieren, können wir ruhige und sanfte Musik hören und die klaren Farben der Natur beobachten.

Folgendes braucht der Emotionalkörper, um rein zu bleiben:

Jeden Tag sollten wir auf das Muster unserer Wünsche achten, für die wir aktiv werden. Es ist eine gute Hilfe, am Ende des Tages die eigenen Wünsche und daraus folgende Handlungen zu analysieren. Der emotionale Körper ist so sprunghaft, dass er rasch nach jeder Phantasievorstellung greift, der er begegnet. Die Wunschebene um den Planeten ist so dicht, dass sogar ein Asket instinktiv den Wunsch hat, etwas zu kaufen, wenn er über die Marktplätze geht. Deshalb ist es ein guter Vorsatz, das Herumspielen des Emotionalkörpers zu beobachten. Wenn wir zurückschauen, werden wir feststellen, dass viele Wünsche, von denen wir getrieben wurden, vermeidbar, unnötig und manchmal sogar unwürdig waren.

'Beobachten und vermeiden' ist der Leitgedanke.

Um den Emotionalkörper zu stabilisieren, ist es hilfreich, sich auf die Atmung auszurichten, rhythmischen Klängen zuzuhören, leuchtende und dynamische Farben zu beobachten und sich jeden Tag 30 Minuten in die Stille zurückzuziehen. Die Sinne sind so seltsam und versponnen, dass sie uns mal hierhin und mal dorthin ziehen. Das Unterscheidungsvermögen hat den Schlüssel, um sie zusammenzuhalten Wenn die Sinne sich einander nähern und zusammenarbeiten, können wir uns in den höheren Bereichen des niederen Denkvermögens aufhalten.

Rhythmus im täglichen Leben und verantwortungsbewusster Gebrauch der Sprache, die beide in den vorhergehenden Kapiteln beschrieben wurden, fördern die Stabilisierung und Reinigung des Emotionalkörpers.

Gebete sind hervorragende Mittel, um die Gefühle zu stabilisieren. Wir sollten dafür sorgen, dass unsere Gebete und Verehrungen nicht emotional sind. Wenn die Gebete richtig ausgeführt werden, helfen sie uns, die Sinne zusammenzuführen.

Zu einer Verehrung sollte folgendes gehören:
  • ein Licht, um den Gesichtssinn zu beruhigen und zu stabilisieren
  • ein Klang oder ein Mantra, um den Gehörsinn und das Ohr sowie das Sprechen und die Zunge zu beruhigen und zu stabilisieren
  • ein Räucherstäbchen, um den Geruchssinn zu beruhigen und zu stabilisieren
  • Blumen, um den Tastsinn zu beruhigen und zu stabilisieren
  • Speisen, um den Geschmackssinn zu beruhigen und zu stabilisieren
Täglich eine Stunde Andacht stillt die fünf Sinne, zähmt sie und bringt sie in die erforderliche Ordnung. Auf diese Weise können wir das sinnesfreudige Leben transzendieren.

Außerdem ist es hilfreich, wenn wir uns einem Meister oder einer Gottheit anbieten, die wir abends vor dem Einschlafen verehren. In den emotionalen und mentalen Hüllen kann viel reguliert werden, wenn wir uns für die Stunden des Schlafs höheren Wesen anbieten. Wir stellen uns vor, dass uns ein goldener Lichtschein oder sanftes Blau umgibt, während wir schlafen. Die Berührung mit der Farbe macht es den höheren Wesen möglich, uns zu erreichen. Stets sollte ein schwaches Nachtlicht brennen, damit wir im Schlaf nicht von negativen Geistern gestört werden.

Auch die Sexualität ist ein emotionaler Impuls. Sexualhygiene und Sexualethik sind für die Stabilität des Emotionalkörpers von größter Wichtigkeit. Ein paar Hinweise in Bezug auf das Geschlechtsleben, denen wir folgen sollten, wurden in diesem Buch gegeben.

Folgendes braucht der Mentalkörper, um rein zu bleiben:

Das einzige Erfordernis, um den Mentalkörper rein zu halten, ist, die Reinheit des Motivs bei allem zu bewahren, was wir tun. Damit sind die Gedanken, das Sprechen und die physische Aktivität gemeint. Wir sollten unser Motiv so rein wie möglich halten und es ständig verbessern. Auch wenn uns dies nicht gelingt, müssen wir es weiter versuchen, bis es uns zur Gewohnheit wird, reine Motive zu haben. Hier gibt es keine Abkürzung. Wir müssen es unerschütterlich üben. Das Leben wird unwürdig, wenn dies verloren geht. Oft sind Eifersucht oder Neid die Schurken, die versuchen, das reine Motiv zunichte zu machen. Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit sind ihre Gehilfen, die das reine Motiv verdrängen.

Als Lebenshaltung müssen wir uns den Dienst einprägen. In allem, was wir tun, gibt es zwei Teile: einen Teil, den wir tun müssen und einen anderen Teil, den wir als Ergebnis unseres Tuns bekommen. Mehr und mehr sollten wir uns auf jenen Teil ausrichten, den wir tun müssen und den Teil unbeachtet lassen, den wir bekommen. Das löst allmählich das erwartungsvolle Denken auf. Es ist ein Stolperstein auf dem Weg zur Glückseligkeit, das heißt, zur Erfahrung des wahren Lebens.

Der Gebrauch des heiligen Wortes

Alles, was existiert, basiert auf dem Klang, dem heiligen Wort. Die Verschiedenheit der Formen und ihrer Entwicklung ist das Ergebnis des Klangs. Auf jeder Ebene hat das Wort eine andere Wirkung. Entsprechend dem Klang und der Schwingung des Wortes baut es grobe und feinstoffliche Materie auf oder ab.

Der Klang des heiligen Wortes kann aus einer, zwei oder drei Silben bestehen. Es hat einen tiefen, einen normalen und einen hohen Klang. Jeder Klang hat sieben Schlüssel, und insgesamt gibt es 21 Schlüssel, um das heilige Wort anzustimmen. Sie sind den fortgeschrittenen Wissenschaftlern des Klangs bekannt.

Für die Meditation ist das heilige Wort von großer Bedeutung. Wenn wir es singen und dabei zuhören, hat es eine mächtige Wirkung auf die Ausrichtung der Körper zur Seele. Singen wir das Wort regelmäßig, können wir in unseren physischen, astralen und mentalen Körper feinere Materie hereinziehen und gleichzeitig die gröbere Materie dieser Körper auflösen.

"Singe OM und höre dem OM zu." So lautet die Anweisung für einen Aspiranten auf dem Weg der Jüngerschaft. Wir können OM dreimal, siebenmal oder 21 mal singen, je nachdem, wie wir es möchten. Die Anzahl sollten wir allmählich steigern und dabei Beharrlichkeit zeigen. Die Macht des heiligen Wortes ist zu erhaben, als dass wir sie beschreiben könnten. Man kann jedoch sagen, dass wir die innere und äußere Welt durch tiefes, langsames, sanftes und gleichmäßiges Anstimmen des Wortes umwandeln können.

Wenn wir dabei einen Rhythmus erreicht haben, sorgt jedes Singen des Wortes, dem eine Meditation folgt, für bessere Ausrichtung. Allmählich gelangen wir in einen Zustand, in dem die Ausrichtung durch das Anstimmen des heiligen Wortes automatisch erfolgt. Es erschafft ein Vakuum, das die Energie aus höheren Zentren hereinfließen lässt.

Eine Meditation ist jedes Mal erfolgreich, wenn wir vorher das heilige Wort singen.

Vorbereitung

  • Wähle einen Ort aus, der frei von Lärm, Unruhe und Störung ist. Halte ihn stets sauber. Er muss genug Licht und Luft bekommen.
  • Gestalte den Raum mit hellen und freundlichen Farbtönen, wenn möglich in Blau oder Cremefarben oder deren Schattierungen. Auch Weiß ist empfehlenswert. Die Wände, Türen und Fenster sollten schön gestrichen sein. Nirgendwo sollte es dunkle Flecken oder unsaubere Stellen geben.
  • Baue im Osten oder Norden oder irgendwo zwischen Norden und Osten einen Altar auf. Stelle eine Lampe oder eine Kerze und einen Halter für Räucherstäbchen hin und lege eine heilige Schrift auf den Altar. Falls du einen Meister oder Guru hast, kannst du sein Bild aufstellen. Der Altar sollte morgens und abends vor der Meditation gereinigt werden. Du kannst die Kerze und das Räucherstäbchen so lange brennen lassen, wie es dir möglich ist. Es gibt Meditationsorte, an denen seit Jahrhunderten ununterbrochen Kerzen brennen. Die Kerze und das Räucherstäbchen laden die Devâs ein, die Schwingung des Meditationsraumes aufzubauen.
  • Betritt den Meditationsraum nur mit reinem Körper und freundlichem Denken. Erlaube den Menschen nicht, den Raum achtlos zu betreten. Lass keine andere Aktivität in diesem Raum stattfinden als stilles Studieren und Meditation. Du solltest viel Sorgfalt darauf verwenden, um die Gelassenheit und Stille des Ortes zu erhalten, so dass der erwünschte höhere Kontakt bei jeder Meditation leichter zu erreichen ist. Du kannst dann jedes Mal mit einer höheren Schwingung beginnen und vermeidest dadurch, dass du dich zu Anfang 'hocharbeiten' musst.
  • Wenn du den Raum betrittst, biete dem Meister oder der Gottheit Blumen an, zünde Räucherstäbchen und ein Licht an. Setze dich mit dem Gesicht zum Altar. Es ist gut, wenn die Flamme sich etwa in Stirnhöhe befindet. Nimm zum Sitzen eine Decke oder ein Kissen und setze dich bequem hin. Du kannst auch auf einem Stuhl oder in einem Sessel sitzen, wenn dies für deinen Körper angenehm ist.
  • Sitze so gerade wie möglich, ohne dass du dich dabei unwohl fühlst oder Schmerzen hast. Es ist sehr wichtig, sich angenehm und wohl zu fühlen. Allmählich wirst du aufrecht sitzen können. Halte den Kopf so, dass dein Kinn nach unten zeigt und der Blick horizontal ist. Im allgemeinen neigt man dazu, nach oben zu schauen. Das stört den Energiefluss vom Kopf nach unten und von unten zum Kopf, weil es eine Krümmung im Nacken gibt, wenn du nach oben schaust. Nachdem du deine Haltung eingenommen hast, überprüfe, ob dein Körper von Kopf bis Fuß Behaglichkeit empfindet.
  • Entspanne dich vollkommen. Bleibe im Denken aufmerksam und positiv. Atme ruhig und gleichmäßig.

Meditationstechnik

  • Nachdem du dich auf diese Weise für die Meditation vorbereitet hast, singe dreimal sanft das heilige Wort OM. Stell dir vor, dass beim erstenmal der Mentalkörper, beim zweitenmal der Emotionalkörper und beim drittenmal der physische Körper gereinigt wird.
  • Nachdem du die drei niederen Körper gereinigt hast, stell dir vor, dass das heilige Wort dich wie ein Globus umgibt und dass du dich innerhalb dieses aurischen Eies befindest. Im Westen stellen sich die Menschen vor, dass sie eine Pyramide oder ein Dreieck bauen. Die Menschen im Osten bauen einen Globus. Du kannst dir eins von diesen Dreien aussuchen.
  • Entscheide, ob du lieber im Kopf oder im Herzen meditieren möchtest. Ziehe dein Bewusstsein in dieses Zentrum zurück.
    1. Wenn du im Herzen meditierst, dann bilde oder male in Gedanken einen leuchtenden goldenen Lotus, der sich entfaltet, bis der innere Wirbel sichtbar wird. Male einen strahlenden elektrisch blauen Strudel in dem entfalteten goldenen Lotus. Solltest du ein begeisterter Anhänger eines Meisters oder einer Gottheit sein, dann erbaue die Gestalt des Meisters in dem Wirbel und stelle dir vor, dass er dich lächelnd anschaut. Diese Visualisierung führt zur Harmonie.
    2. Wenn du im Âjnâ-Zentrum zwischen den Augenbrauen meditierst, dann male einen sich entfaltenden weißen Lotus anstelle des goldenen Lotus. Danach gehe weiter vor wie oben beschrieben.
  • Nachdem du deine Blicke mit den lächelnden Blicken des Meisters oder der Gottheit in Übereinstimmung gebracht hast, gehe zum nächsten Schritt:
    1. Wenn du im Herzzentrum meditierst, richte dein Denken auf die Atmung.
    2. Wenn du im Kopfzentrum meditierst, beobachte, wie Gedanken auftauchen und sich entwickeln.
Bewusstsein teilt sich in Intelligenz und Pulsierung. Die Intelligenz führt durch das Denkvermögen und die Sinne in die Objektivität. Die Pulsierung lenkt den Herzschlag, die Blutzirkulation und die Atmung. Intelligenz und Pulsierung sind Zwillinge, die aus dem Bewusstsein geboren werden. Jede wirkt sich auf die andere aus. Wird die Intelligenz durch Ärger, Sorgen, Furcht, Misstrauen, Eifersucht usw. beeinträchtigt, dann stört sie den Rhythmus von Atmung, Pulsierung und Herzschlag. Ebenso greifen Atmung und Pulsierung die Intelligenz an, wenn sie durch Krankheit gestört werden.

Im Durchschnittsmenschen ist das Gleichgewicht zwischen Intelligenz und Lebensprinzip gestört. Daher wird er unausgeglichen und lebt unausgerichtet. Das Hauptziel der Meditation ist, diese beiden Teile des Bewusstseins zusammenzubringen, so dass sie einander ergänzen. In einem nicht-yogischen Menschen arbeiten diese beiden Prinzipien gegeneinander, und mit dem Älterwerden verringern sich Leben und Intelligenz. Die Meditation kehrt diesen Prozess um und hilft beim Aufbau von Lebenskraft und Intelligenz, indem sie die Einheit des Ursprungs der beiden findet: das Bewusstsein.

Wenn wir das Denken auf die Atmung richten, wird es zum Herzschlag, dem Ursprung der Atmung geführt. Diese Ausrichtung führt noch weiter und tiefer: zur Pulsierung, der Quelle des Herzschlags. In fortgeschrittenen Stadien wird das Denkvermögen dann noch weiter zur subtilen Pulsierung geführt, in der wir unbewegte Stille erfahren. Dort gibt es keine Atmung, keinen Herzschlag und kein Denken mehr. Da ist nur die Stille der Existenz und ihr Gewahrsein. Der Mensch wird wieder Bewusstsein, wenn Denken und Pulsierung ineinander übergegangen sind.

In diesem Zustand denkt man normalerweise, dass ein Mensch tot ist, weil nicht der geringste Herzschlag und keine Pulsierung zu spüren ist. Doch in Wahrheit ist er lebendiger als je zuvor. Diesen Seinszustand haben Sai Baba von Shirdi, Lahari Mahasaya des Kriyâ Yoga, Meister CVV aus den Blauen Bergen und Meister Morya aus dem Himâlaya wiederholt demonstriert.

Ein Mensch mit gelassenem und ruhigem Denken hat in gesundem Zustand eine niedrige Pulsfrequenz. Ein ängstlicher Mensch hat eine übernormal hohe Pulsfrequenz. Dies gibt einen klaren Hinweis. Ist das Denkvermögen überstimuliert, dann ist auch der Puls überaktiv. Wenn das Denken zur Ruhe gefunden hat, bleibt der Puls normal. Das Denken beruhigt den Puls, und der Puls beruhigt das Denken. Deshalb können wir beide Wege benutzen. Gesundheit und Langlebigkeit stehen in direktem Verhältnis zum Pulsrhythmus, der wiederum von den Gedanken abhängig ist, die das Denkvermögen nährt. So können wir erkennen, wie teuer es uns zu stehen kommt, wenn wir beunruhigende und störende Gedanken pflegen.

Deshalb sollten wir das Denken auf die Ein- und Ausatmung richten. Die Atmung soll sanft, gleichmäßig und tief sein. Das Denken soll der Einatmung folgen und tief ins Herzzentrum eintauchen. Anschließend folgt das Denken der Ausatmung, um wieder herauszukommen, danach wieder der Einatmung usw. Das Denken soll den Weg der Einatmung und den Punkt beobachten, an dem diese sich zur Ausatmung umkehrt. Genauso soll es den Punkt beobachten, an dem sich die Ausatmung zur Einatmung umwandelt. Indem das Denken die Grundlage von Ein- und Ausatmung beobachtet, erreicht es die Pulsierung.

Wenn wir das Denken so ausrichten, dass es beobachtet, wie Gedanken unablässig auftauchen, führt dies ebenfalls zum reinen Gewahrsein. Mit dem Beobachten der Gedanken gehen wir anfangs auch hinaus. Nach einer Weile erinnern wir uns, dass wir die Gedanken beobachten wollten. Sobald wir uns daran erinnern, verschwindet der vorhandene Gedanke. Ein neuer Gedanke taucht auf und hält sich eine Weile auf dem Bildschirm des Denkvermögens auf. Später, wenn wir uns an das Beobachten erinnern, löst er sich auf. Jedes Mal, nachdem ein Gedanke aufgetaucht ist und sich entwickelt hat, wird er durch das Beobachten aufgelöst. Allmählich erfahren wir die dreifache Aktivität von Geburt, Entwicklung und Auflösung des Gedankens auf dem Bildschirm des Denkvermögens. Mit der Zeit erkennen wir, dass wir selbst der Bildschirm sind, auf dem die Gedanken auftauchen, leben und in den sie wieder eintauchen. Auf diese Weise befreien wir uns aus dem Dreieck der Gedanken und entdecken uns selbst als deren Hintergrund.

Wenn Frequenz und Geschwindigkeit der Gedanken nachlassen, verlangsamt sich allmählich die Pulsfrequenz. Nachdem wir in den Zustand gelangt sind, in dem es keine Gedanken gibt, erreicht auch unsere Atmung die Stille. Dadurch erkennen wir, dass wir selbst das Hintergrundbewusstsein sind, auf dem Atmung und Denken im Spiel miteinander verflochten sind, um die Objektivität zu erbauen. Wir erkennen, dass unsere eigene wahre Existenz die Grundlage jeglicher inneren und äußeren Aktivität ist.

Somit führt jede der beiden Methoden zur reinen Existenz, die über Gedanken und Wünsche hinausgeht, und wir stoßen einen Seufzer der Erleichterung aus. Anschließend sehnen wir uns danach, mehr und mehr in jenem Seinszustand zu bleiben, und wir möchten nicht in die Gedanken, Worte, Wünsche und Handlungen hinabsteigen. Nur noch wenn es erforderlich ist, steigen wir hinab und kehren danach in unseren ursprünglichen Zustand des Seins zurück.

Auf diese Weise wandelt sich der Mensch zum Meister. Dabei lernt er, seine Gedanken, sein Sprechen, seine Wünsche und Handlungen zu beherrschen. Er ist nicht länger ein Gefangener seiner Gedanken, sondern bleibt Herr seiner Lebenssituationen. Er erkennt, dass er den Gedanken-, Wunsch- und Handlungskörper hält und dass er nicht länger von ihnen gehalten wird. Er ist nicht in ihnen, aber er trägt sie. Genauso wie wir in den Kleidern stecken, während wir sie tragen.

Dies ist der Zweck der Meditation. Sie ermöglicht das Hinabsteigen des Geistes, der die niederen Körper in Besitz nimmt. Es ist der Abstieg Gottes in das Königreich der Erde. Der Geist dringt hindurch und wirkt durch den materiellen Körper des Denkens, der Sinne und durch den physischen Körper. Die Persönlichkeit mündet in den Geist, und danach arbeitet der Geist durch die getaufte Persönlichkeit. Christus ist in Fleisch und Blut geboren. Mit anderen Worten: Der Mensch wird zum Meister und arbeitet für den göttlichen Plan auf Erden.

Allmähliche Umwandlung

Wenn wir so meditieren, wie es oben beschrieben wurde, führt dies zu Veränderungen, die allmählich geschehen. Zuerst wird es eine Unvereinbarkeit zwischen bestehenden Gewohnheiten und Denkweisen und dem neuen Rhythmus geben, den wir uns vorgenommen haben. Viele erliegen ihren alten Gewohnheiten und können den neuen Rhythmus nicht durchhalten.

Ist der neue Rhythmus erst einmal gefestigt, setzt er sich allmählich durch. Er löst den alten Rhythmus ab und stabilisiert die neue Schwingung. Dies führt schließlich zur Entfaltung der Zentren im Körper, zur Verfeinerung der Körper und zur Entwicklung des kausalen Bewusstseins.

Ein warnender Hinweis

Wir sollten bedenken, dass wir dies alles nicht erreichen, wenn wir nur 30 Minuten pro Tag dafür aufwenden. Wir müssen lernen, die hohe Schwingung, die wir in der Meditation erreicht haben, den ganzen Tag im Denken, Sprechen und Handeln aufrecht zu erhalten. Wir sollten tagsüber so wachsam sein, dass wir nicht in die alten Neigungen, die eine niedere Schwingung haben, zurückfallen.

Am besten gewöhnen wir uns an, den ganzen Tag über in meditativer Schwingung zu leben. Dann halten wir uns in jenem hohen Bewusstseinszustand auf, der dem niederen Denken, den Wünschen und den physischen Elementen keine Nahrung zuführt. Diese werden daher immer schwächer. Wir sollten lernen, im täglichen Leben wachsam und aufmerksam zu sein und diese Aufgabe spielerisch annehmen.

Die Zeit zum Meditieren

Wir müssen für die Meditation eine Zeit wählen und uns strikt daran halten. Die Zeit hat den Schlüssel zum Erfolg, und für okkulte Übungen gilt das noch viel mehr. Wenn wir die Zeit ehren, wird uns die Zeit ehren. Wir sollten in der Lage sein, täglich zum selben Zeitpunkt zu meditieren. Die Meditation kann länger andauern, aber wir müssen jeden Tag zum selben Zeitpunkt beginnen.

Als günstigste Zeit zum Meditieren gelten die zwei Stunden vor Sonnenaufgang. Auch die Stunden der Dämmerung werden als sehr nützlich erachtet. Vollmond, Neumond und die achte Mondphase eignen sich für die Meditation besonders gut. Die Tagundnachtgleichen sowie Winter- und Sommersonnenwende sind genauso wichtig. Diese Tage sollten wir vollkommen der Meditation widmen.

Für Anfänger werden zwei, drei oder sogar fünf Meditationen vorgeschlagen, die jeweils 15 Minuten dauern. Der frühe Morgen, der Sonnenaufgang, der Mittag, die Abenddämmerung und die Zeit vor dem Schlafen werden empfohlen. Zu Anfang können wir zweimal am Tag meditieren und die Zahl der Meditationen langsam steigern, ohne den Rhythmus zu verlieren.

Abgeschiedenheit

Wir können die Schwingungen noch mehr erhöhen, wenn wir uns jeden Monat einmal in die Abgeschiedenheit zurückziehen und uns an einem ruhigen Ort schweigend aufhalten.

Schluss

Meditation ist die Grundlage für jedes innere Wachstum. Das stille Heranwachsen der Seele geschieht in Augenblicken der Stille. Mit Hilfe der Meditation können wir das Bewusstsein oder das Selbst erkennen. Sie verbindet das Selbst mit dem Nicht-Selbst durch eine Brücke, und damit ist die Arbeit vollendet.


aus K. Parvathi Kumar 'Mithila Grundlagen einer spirituellen Erziehung'

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