6. Rhythmus, Ritual und Routine

Für viele Menschen ist Routine etwas Monotones, weil sie keinen Geschmack an der höheren Dimension der Routine finden. Routine ist niemals langweilig, wenn wir das Ritual darin wahrnehmen. Das Ritual enthält einen Rhythmus. Er macht das Ritual interessant und wirkungsvoll.

In der Natur ist jede Aktivität rhythmisch. Pflanzen haben einen Rhythmus, Tiere haben einen Rhythmus, der Planet hat einen Rhythmus. Die Lunationen - der Wechsel von Vollmond und Neumond - sind rhythmisch. Tag und Nacht verlaufen rhythmisch. Die dreifache Bewegung der Planeten ist so rhythmisch, dass sie die Entstehung der Jahreszeiten bewirkt. Jede planetarische Bewegung ist rhythmisch und vorhersagbar. Ganz genau kennen wir die Bewegungen der Planeten und ihre Beziehungen untereinander. Wir können sie sogar vorausberechnen und sagen, welche Planetenkombinationen es in 100 Jahren geben wird. Die Gewissheit der planetarischen Positionen in der Zukunft erhalten wir durch die Präzision ihrer Bewegungen. Das ist das rhythmische Leben der Planeten. Das gesamte Sonnensystem funktioniert nach einem Rhythmus, und das Leben auf den Planeten ist genauso rhythmisch. Tatsächlich liegt der Schlüssel zur Energie des Willens im Rhythmus. Während jede Aktivität in der Natur einem Rhythmus folgt, fällt die menschliche Natur - vielleicht aufgrund ihres freien Willens - aus dem Rhythmus heraus und schafft dadurch Komplikationen.

Wenn wir einen Rhythmus annehmen, dann stärkt dies unseren Willen. Fehlender Rhythmus schwächt sogar einen bereits entwickelten Willen. Der Wille der Natur ist rhythmisch gestaltet und daher voller Kraft. Auch wir können ähnliche Willenskraft erreichen, wenn wir den Rhythmus verstehen und in unserem Leben einen guten Rhythmus entwickeln.

Rhythmus erfordert, dass wir uns an festgesetzte Zeiten halten. Wenn wir einen Zeitpunkt festlegen, um täglich etwas Bestimmtes zu erledigen, sollten wir dies jeden Tag gewissenhaft befolgen. Außerdem sollten wir es über lange Jahre tun und so eine Gewohnheit aufbauen. Entscheiden wir uns beispielsweise dafür, morgens zu einer bestimmten Zeit aufzustehen und uns abends zu einer bestimmten Zeit zurückzuziehen, dann sollten wir dies viele Jahre lang tun können, bis es uns keine Mühe mehr macht. Genauso ist es bei der Entscheidung, wie viel wir essen wollen. Wir sollten kompromisslos unserer eigenen Entscheidung folgen, wenn es darum geht, wie viel und wann wir essen wollen. Die Fähigkeit, eigene Entschlüsse zu befolgen, wird häufig geprüft. Ein Mensch mit wenig Willenskraft lässt seine Entscheidungen bald wieder fallen. Menschen, die Geschichte machten, haben Willenskraft bewiesen, weil sie das taten, wofür sie sich entschieden hatten.

Setze deshalb für die routinemäßigen Angelegenheiten des Lebens - wie arbeiten, essen und ausruhen - eine Zeit fest und versuche dem zu folgen, was du selbst festgelegt hast. Dadurch baust du eine Routine auf, die ein Ritual oder einen Rhythmus enthält. Sie entwickelt ein System in uns. Jedes entwickelte System erzeugt seine eigene Kraft. Stärke und Kraft liegen in der Anordnung der Dinge im Leben.

Wenn wir uns einen Arbeitsplan für den Tag erstellen, dann kann seine Ausarbeitung wie ein Lied sein, das wir singen. Ein geplanter und gut überlegter Arbeitsvorgang bringt überraschende Ergebnisse. Es funktioniert wie Alchimie. Wer sich eine solch systematische Arbeitsweise aneignet, verwandelt sich selbst und erreicht höhere Fähigkeiten.

So ergibt sich die Notwendigkeit, dass wir uns selbst eine Disziplin auferlegen. Wir bauen in uns einen Rhythmus auf. Danach müssen wir allmählich unseren Rhythmus mit dem Rhythmus der Natur in Übereinstimmung bringen. Deshalb sollten wir einen Zeitplan für Arbeit, Essen und Schlaf machen und versuchen, ihn einzuhalten.

Das Annehmen eines selbstgewählten Rhythmus wird interessanter, wenn wir ihn festlegen, um ein Ideal im Leben zu verwirklichen. Es ist notwendig, dass wir uns im Leben ein hohes Ziel stecken und dafür arbeiten. Herausragende Menschen sind nur auf diese Weise zu solchen geworden. Sie haben sich ein Ideal gewählt und einen Zeitplan gemacht. So sollen auch wir dem selbstgesetzten Zeitplan rhythmisch folgen. Das bringt Freude. Ein Ideal versetzt uns in die Lage, all unsere Emotionen auf die Verwirklichung des Zieles hin zu bündeln. Auf diese Weise finden unsere Emotionen eine Richtung, in der sie zum Ausdruck kommen können. Andernfalls drücken sie sich so aus, wie sie wollen, aber nicht, wie wir wollen.

Das Arbeiten mit der Zeit und für ein Ideal bringt unseren Körper und unsere Sinne in Ordnung. Beide werden aufeinander abgestimmt. Der nächste Schritt, den wir erreichen müssen, ist, unsere Gedanken auf solch eine koordinierte Tätigkeit einzustimmen. Wenn unsere Gedanken rein sind, bildet sich die Arbeit des Rituals zu einem Dreieck, und damit ist der Rhythmus vollendet.

Durch positives Denken können wir unsere Gedanken rein halten. Andacht und Verehrung ist eine Technik, um unreines Denken und Sprechen zu reinigen. Deshalb wird uns empfohlen, dass wir uns morgens und abends wenigstens eine halbe Stunde mit Gesang oder Verehrung beschäftigen. Sogar wenn wir 21 Mal morgens und abends langsam, sanft, tief und gleichmäßig OM singen und dabei zuhören, hat dies einen reinigenden Effekt auf das Denkvermögen. In diesem Zusammenhang spielen Mantren eine sehr wichtige Rolle. Wenn wir OM 21 Mal morgens und abends rhythmisch singen oder irgendein anderes Mantra anstimmen, vollenden wir eine Dreiecksarbeit, die das Denken, die Gefühle und den Körper ausrichtet. Damit sind die Ziele des Rituals verwirklicht, und die Routine ist nicht länger monoton.

Im okkulten Sinn ist das ein Arbeiten mit dem Siebten, Sechsten und Fünften Strahl. Im tantrischen Sinn bedeutet es Arbeit mit den drei niederen Zentren, um sie aufeinander abzustimmen.

Diese Methode ist es wert, dass wir sie ausprobieren und uns durch sie umwandeln.


aus K. Parvathi Kumar 'Mithila Grundlagen einer spirituellen Erziehung'

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