Natur im Jahreslauf: Spätsommer

  1. Der Enzian
  2. Mit dem Graureiher auf Du
  3. Bienen - die wichtigen Bestäuber
  4. Mauersegler - ein Leben im Flug
  5. Interessante Links

Zusammengestellt von: Markus Schmid

1. Der Enzian

Die tiefblaue, meist kelchförmige und fünfzählige Blüte des Enzians zählt zu den charakteristischsten Alpenpflanzen überhaupt. Besonders der Clusius-Enzian ist dank seiner tiefblauen Farbe ein wahres Kleinod der Alpenwiesen. Viele Enzian-Arten kommen aber auch im Schwarzwald und im Jura vor.

Der Clusius Enzian (Gentiana clusii), oder auch Echter Alpenenzian oder Kalk-Glocken-Enzian wächst auf hoch gelegenen, mageren und kalkhaltigem Trockenrasen in den Alpen. Er blüht je nach Standort von Mai bis August und wird bis zu 9 cm groß, wovon die Blüte alleine 6 cm ausmacht. Er ist von der Hügellage bis in eine Höhe von 2.800 m verbreitet.

Gelber Enzian
Der sehr ähnlich aussehende Kochsche Enzian (Gentiana acaulis), auch Kochs Enzian bzw. Stängelloser Enzian oder Silikat-Glocken-Enzian kommt hingegen fas ausschließlich auf saurem Silikatboden vor. Er wächst in Höhenlagen zwischen 800 und 3000 Meter auf gut mit Wasser versorgten Böden.

Von medizinischer Bedeutung ist aber vor allem der Gelbe Enzian (Gentiana lutea). Er fällt nicht nur durch seine strahlend gelben Blüten, sondern seine Wuchshöhe von 50 bis 150 cm und seine charakteristischen, blaugrünen Blätter auf. Die Pflanze wächst sehr langsam und blüht erst mit zehn Jahren, kann aber 40 bis 60 Jahre alt werden. Als Überdauerungs-Organ für den Winter wird ein kräftiges, bis armdicker Wurzelstock (Rhizom) gebildet. Die Hauptwurzel (Pfahlwurzel) kann bei älteren Pflanzen bis zu 1 Meter Länge und einen und Durchmesser von 3 bis 5 Zentimeter erreichen.

Heilwirkung

Der wirksame Teil des Gelben Enzians ist die Wurzel. Die wesentlichen Wirksubstanzen darin sind Bitterstoffe. Im Enzian kommen die bittersten Stoffe überhaupt vor. Diese Substanzen regen die Geschmacksknospen und die Verdauung an. Dadurch wirken sie besonders appetitanregend, helfen bei Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Insbesondere bei Leber- und Gallenbeschwerden gilt Enzian auch als hilfreich. Insgesamt wird seine Wirkung als wohltuend, stärkend, belebend und appetitanregend beschrieben. Am bekömmlichsten und für alle empfehlenswert ist die Teezubereitung; meist wird Enzian-Tee - aufgrund seiner Bitterstoffe - in geschmackvollen Mischungen angeboten. In der Natur dürfen wir ihn aber nicht sammeln, denn er ist streng geschützt.

2. Mit dem Graureiher auf Du

Es ist gar nicht so selten, dass man auf einem offenen Feld einen Graureiher beobachten kann. Er steht frei und regungslos da. So findet er auch im Grass seine Beute wie grössere Insekten und Kleinsäuger. Doch wieso kommt der Graureiher, auch im Volksmund Fischreiher genannt, auf Felder und Wiesen, wo er doch eigentlich ins Wasser gehört? Sein eigentlicher Lebensraum sind die Flachwasserbereiche von Seen, Bächen und Flüssen, wo der Graureiher oft auch versteckt steht und seine Nahrung buchstäblich aus dem Wasser fischt.

Dies kann zwei Gründe haben. Bis vor etwa hundert Jahren wurde vom Graureiher behauptet, er jage die Fische weg. Daher wurde er gejagt. Doch inzwischen wurde er unter Schutz gestellt und hat immer mehr Zutrauen zum Menschen gewonnen. Heute ist es gut möglich, sich bis auf wenige Meter dem stattlichen Vogel zu nähern, ohne dass er flüchtet. So hat es keine Scheu mehr, sich auf offenen Feldern zu bewegen - er ist zu einem Kulturfolger geworden. Er brütet nun sogar als Wildvogel in Zoos und stattet auch Gartenteichen manchmal einen Besuch ab. Ein zweiter Grund für seine zunehmende Vorliebe für Weideflächen kann sein, dass kleine, flache Gewässer seltener geworden sind und der Graureiher nun auch auf andere Lebensräume ausweicht.

Der Graureiher brütet in Horsten auf Bäumen, oft in Kolonien, obwohl er ansonsten eher ein Einzelgänger ist. Die Brutpaare jedoch bleiben sich ein Leben lang treu (Monogamie). Gemeinsam bauen sie das Nest und Pflegen ihre Brut, meist 3-5 Küken. Nach zwei Jahren sind die Jungvögel geschlechtsreif.

Sehr elegant bewegt sich der Graureiher besonders im Flug, seinen Hals eingezogen und mit langsamen Flügelschlägen fast dahingleitend.


3. Bienen - die wichtigen Bestäuber

Biene in der Apfelblüte
Die Honigbiene ist ein natürlicher Bestandteil der heimischen Tierwelt. Sie wird vom Menschen nicht nur wegen des Honigs gehalten, denn Honigbienen bestäuben etwa 80 Prozent der bunt blühenden Blütenpflanzen in unseren Breiten. Ohne sie würden beispielsweise Äpfel- und Kirschbäume kaum bestäubt werden und keine Früchte tragen. Nicht jede Pflanze wird durch die Biene bestäubt, auch Hummeln und Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen, Wespen, weitere Insekten, selbst Vögel, Schnecken und Säugetiere, v.a. auch der Wind, leisten diese Arbeit. Eine besondere Stellung nimmt dennoch die Honigbiene ein.

Bienen ernähren sich rein vegetarisch. Die Biene erhält ihre Nahrung von Nektar und Pollen aus der Natur. Nie zerstört sie dabei Pflanzen, ganz im Gegenteil, die Nahrung wird ihr durch die Blüten regelrecht angeboten. Ihre wichtigste Nahrungsquelle ist der Nektar, für die Eiweißversorgung ist sie auf Pollen angewiesen. Durch ihre Sammeltätigkeit garantiert die Biene auch den Fortbestand der von ihr bestäubten Pflanzen.

Umgangssprachlich wird der Begriff Biene meist auf eine einzelne Art, die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) reduziert. Dabei handelt es sich bei den Bienen um eine recht große Gruppe mit sehr unterschiedlichen Arten. Viele davon, vor allem die einzeln lebenden, werden unter dem Begriff Wildbienen zusammengefasst.

4. Mauersegler - ein Leben im Flug

Kaum ein Vogel ist besser an das Leben in der Luft angepasst als der Mauersegler. Sein schlanker, stromlinienförmiger Körper und die langen, sichelförmigen Flügel sind für einen ununterbrochenen Flug aerodynamisch optimal gestaltet. Der ausgezeichnete Flieger sieht einer Schwalbe ähnlich, fliegt aber rasanter und ist dank seiner markanten "sriiiihh"-Rufe unverkennbar.

Der Mauersegler lebt mit Ausnahme der Brutzeit immer in der Luft. Dort findet er sein Futter und dort paart er sich auch. Der Mauersegler trinkt und schläft sogar im Flug, was unter Vögeln sehr außergewöhnlich ist. Bei den abends aufsteigenden Mauerseglern dachte man früher, dass sie in der Dunkelheit zurückkehrten oder die Nacht auf dem Mond verbrächten.

Wenn der Mauersegler balzt, dann kann er Spitzengeschwindigkeiten bis zu etwa 250 Kilometern pro Stunde erreichen. Dagegen sind seine Flüge zur Nahrungssuche viel langsamer, bei denen er effizienter und gewandter gleitet. Mauersegler ernähren sich ausschließlich von Insekten, die sie in der Luft erbeuten.

Für seine Brut wählt der Mauersegler mit Vorliebe schützende Hohlräume in Dächern, die er auch über sehr enge Einschlupflöcher erreicht. Mauersegler brüten stets in Kolonien, die besonders intensiv und mit vielen Rufen umflogen werden und daher auch gut erkannt werden können. In das schlichte Nest legt er 2 bis 3 Eier. Beide Partner, die sich meistens zumindest eine Brutsaison lang treu bleiben, wechseln sich bei der 18 bis 27 Tage langen Brut ab. Nach etwas mehr als 40 Tagen sind die Jungvögel flügge und verbringen danach die ersten drei Jahre nur in der Luft, ehe sie zum Brutplatz zurückkehren. Der "Zauber" unserer Mauerseglersaison dauert nur von Anfang Mai bis Ende August, bei kühlem Wetter sogar kürzer.

Die übrige Zeit des Jahres unternimmt der Mauersegler regelrechte Wanderungen durch Afrika und folgt wahrscheinlich dem besten Nahrungsangebot. In diesem faszinierenden Vogel kann man einen echten Weltenbürger sehen, für den im wahrsten Sinn das Leben im Flug vergeht und für den keine Ländergrenzen existieren. In seinem Leben fliegt der Mauersegler ca. 10 Mal zwischen dem südlichen Afrika und Europa hin und her. Er überfliegt wüstenhafte Gebiete, Regenwald, Savannen, das Meer, erlebt Stürme, Regen und Hitze, überfliegt unsere Städte und Landschaften.

Die Bilder stammen soweit nicht anders bezeichnet von Markus Schmid und können für die Zwecke der Bildung frei verwendet werden.

5. Interessante Links:

Zum Beobachten und Mitmachen regen auch folgende Websiten an:

-> 12 Beobachtungen im Jahr mit Wettbewerb:
www.naturdetektive.de

Die Wetterämter von Deutschland, der Schweiz und Österreich haben meist gut aufgebaute und laufend aktuelle Informationen zur Pflanzenentwicklung:

-> Phänologie im Deutschen Wetterdienst: www.dwd.de/...

-> Meteo Schweiz - Phänologie und Klima: www.meteoschweiz.ch/...

-> Wetter-Server-Österreich - Phänologie: http://zacost.zamg.ac.at/...





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