Natur im Jahreslauf: Früher Frühling

  1. Die Primel in Natur und Kultur
  2. Frühblüher in Wald und Wiese
  3. Auftakt zum Hochfrühling im Garten
  4. Gefiederte Gäste im Garten
  5. Interessante Links

Verfasser: Markus Schmid

1. Die Primel in Natur und Kultur

Auf etwas trockeneren, nicht zu intensiv genutzten Wiesen und in Parks blüht die Schlüsselblume häufig.
"Die erste Blume im Jahr" ist die Primel frei übersetzt. Es kommt vom Lateinischen "prima" = die Erste. Das stimmt zwar nicht ganz, wie wir bereits aus dem Beitrag über den
Spätwinter wissen, aber bezüglich ihres verbreiteten Vorkommens und der großen Vielfalt ist sie sicher einer der charakteristischsten Frühblüher bei uns.

Den deutschen Namen "Schlüsselblume" hat sie wegen der Form der Blütenstände, die bei manchen verbreiteten Arten einem Schlüsselbund ähnlich sind. Dies trifft besonders für die, bei uns in der Natur, am häufigsten auftretende Echte Schlüsselblume oder Wiesen-Schlüsselblume (Lateinisch: Primula veris) zu. Eine andere Interpretation besagt, dass sie den Schlüssel zum Frühling darstellen oder auch den "Himmelsschlüssel", weil sie das Frühjahr eröffnen bzw. an Ostern den Himmel.

Vielfalt in der Natur

Weltweit gibt es etwa 500 Primel-Arten, die auf der ganzen Nordhalbkugel verbreitet sind. Die meisten Arten kommen in den Gebirgen vor, wo die Primeln natürlicherweise in vielen bunten Farben auftreten. Im Flachland aber herrschen auf Wiesen und in lichten Wäldern gelbblühende Arten vor.

Mischformen der Primel wachsen halbwild im Garten.
Da sie die Wiesen schon so früh mit Farben beleben, wurden Primeln immer weiter kultiviert und gezüchtet, sodass sie heute zu den beliebtesten Frühlingsblumen im Garten und auf dem Balkon gehören. Blüten in Gelb, Weiß, Blau, Violett, Orange und Rot, ja sogar zwei- oder mehrfarbige Sorten wurden vom Menschen gekreuzt. Durch geschickte Auswahl und Kombination natürlicher Arten können wir uns heute an einer so vielfältigen Palette von "Frühlingsfarben" erfreuen.

Trotz ihrer legendären Empfindlichkeit (Sprichwort: "Eingehen wie ein Primeltopf"), sind sie eigentlich recht pflegeleicht. Sie ertragen selbst leichten Frost und können während des ganzen Frühjahres, ja sogar mehrere Jahre hintereinander blühen, wenn Sie im Freien wachsen. Sie sollten allerdings weder ganz austrocknen noch im Wasser stehen.

Ein Kraut gegen den Husten

Dieses Kraut ist auch gegen einen hartnäckigen, sich in dieser Jahreszeit noch behauptenden Husten gewachsen. Die Wirkstoffe aus Blüten und Wurzeln der Wiesen-Schlüsselblume wirken schleimlösend und sind daher in vielen Hustentees enthalten. In der Volksmedizin wird die Blüte sogar als Nervenmittel bei Kopfschmerzen, Gliederzittern, Schwindelgefühl und als Herztonikum eingesetzt, d.h. es stärkt das Herz und reguliert den Puls. Ein Sammeln der Pflanze in der Natur kommt aber nicht in Frage, denn sie ist geschützt! Im Garten kann man sie aber anbauen und darf sie dann auch ernten.

2. Frühblüher in Wald und Wiese

Wie die Primel sprießen bald auch weitere Blüten im Vorfrühling hervor: Hier sei zunächst die "große" Schwester des Schneeglöckchens, der Märzenbecher, erwähnt. Er blüht nur ein bisschen später als das Schneeglöckchen und bildet größere runde, becherförmige Blüten, kommt aber wesentlich seltener vor und steht daher auf der Roten Liste geschützter Pflanzen. Er ist auf feuchte Wiesenstandorte und lichte Moor- und Auenwälder angewiesen, die heute immer mehr trockengelegt oder intensiver landwirtschaftlich genutzt werden.

Scharbockskraut
Eine wesentlich anspruchslosere Pflanze ist dagegen das nun aufblühende Scharbockskraut. Seine gelbleuchtenden Blütensterne mit 8 bis 11 Kronblättern strahlen in natürlich gestalteten Gärten, in Gebüschen und am Waldrand. Sein lateinischer Name Ranunculus ficaria und seine gelbe Farbe verrät, dass er mit dem Hahnenfuß ("Ranunkel") verwandt ist. Für Bienen sind die ersten nektarreichen Blüten sehr willkommen. Falls es einmal zu kalt für Bienen ist, können sich die Pflanzen auch ohne Bestäubung vermehren, nämlich durch kleine Brutknöllchen, die in den Achseln der Blätter entstehen. Sie fallen ab und bilden auf "vegetativem" Weg neue Pflanzen.

Wer zu dieser Jahreszeit durch den Wald geht, kann sich der Hochblüte einer unscheinbaren Pflanze erfreuen, die aber sehr verbreitet vorkommt und ganze Blütenteppiche bildet: Das Buschwindröschen. Auch sie werden von Bienen und anderen Insekten bestäubt. Am Buschwindröschen können wir besonders gut erkennen, wie die Lebewesen im Wald sehr genau auf den Jahreslauf abgestimmt sind.
Huflattich
Die aufsteigende Frühjahrs-Sonne erwärmt den Waldboden schnell, denn es hat sich noch kein Laubdach ausgebildet. Die in 10 bis 20 Zentimeter Tiefe ruhenden Wurzelstöcke des Buschwindröschens treiben sogleich aus und bilden fast als erstes Blüten. So bedeckt ein Blütenteppich den Waldboden, noch ehe die ersten Blätter der Bäume sprießen. Sobald sich das Blätterdach schließt, beginnt sich das Buschwindröschen schon zurückzuziehen. Kein Wunder, dass es am Anfang so große Eile hat, denn die Pflanze muss Blühen, Früchte tragen und bereits wieder Vorräte in seinem Wurzelstock für den nächsten Winter einlagern. Sein Jahreszyklus ist also bereits im Mai so gut wie abgeschlossen.

Auch der Huflattich ist ein Frühblüher. Im März und April ist er einer der ersten Blüten an trockenwarmen Standorten wie unbefestigten Wegen, Dämmen oder Steinbrüchen. Zunächst erscheinen nur die Blütenstände, die wie kleine Sonnen der ersten Frühlinssonne entgegenstrahlen. Erst nach deren Verblühen folgen die eher unscheinbaren, herzförmig gezähnten Blätter.

3. Auftakt zum Hochfrühling im Garten

Kirschblüte
Kaum sind die Wiesen bunt von Primeln, Buschwindröschen und Scharbockskraut, beginnen Bäume und Sträucher mit ihrem Frühlingserwachen. Den erste richtige Farbakzent im Garten setzt die Forsythie mit ihren hunderten von strahlendgelben Blüten. Ein eindeutiges Zeichen, dass nach den ersten richtig warmen Tagen im März oder April der Hochfrühling beginnt. Der Strauch stammt ursprünglich aus China und ist über Japan nach Europa gekommen.

Den Inbegriff des Frühlings stellt für viele die Kirschblüte dar. Die weißen, in Büscheln wachsenden Blüten strahlen im Sonnenlicht, noch bevor das Laub austreibt. Aus den tot erscheinenden Ästen öffnen sich unter den wärmenden Sonnenstrahlen die zarten Blüten. Dies macht den speziellen Zauber der Kirschblüte aus. In Japan gelten die Tage der Kirschblüte daher als ein bedeutendes Fest (Hanami), das einen Höhepunkt im japanischen Kalender und den Anfang des Frühlings kennzeichnet. Die Kirschblüte symbolisiert dabei Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. Die Zartheit und der schlichte Duft der Blüten widerspiegeln mit ihrer Reinheit und Einfachheit traditionelle Werte der japanischen Kultur.


4. Gefiederte Gäste im Garten

Amsel und Rotkehlchen

Hier möchten wir zwei beliebte Gartenvögel näher vorstellen, die meist ganz gut alleine durch den Winter kommen und uns im Frühling als erste mit ihrem Gesang erfreuen: Das Rotkehlchen und die Amsel. Beide Arten gelten als Teilzieher, das heißt, ein Teil der Tiere zieht in den Süden, ein anderer bleibt auch im Winter hier.

Das Rotkehlchen ist wohl eines der beliebtesten Vögel im Garten und jedes Kind kennt es. Was nur wenige wissen, dass es schon sehr früh im Jahr singt, und das sogar in der Nacht, noch vor der Morgendämmerung. Wenn wir also im Spätwinter oder frühen Frühling im Dunkeln ein leises, lang gezogenes und hohes Zwitschern im Gebüsch hören, handelt es sich mit großer Sicherheit um ein Rotkehlchen. So könnte man es fast schon "Nachtigall des Winters" nennen, denn es ist tatsächlich mit dem Gesangskünstler der Vögel verwandt! Am Tag können wir das Rotkehlchen dann mit etwas Glück beobachten, es fällt aufgrund seiner strahlend roten Brust gut auf, ist aber ansonsten klein wie ein Sperling und grau gefiedert.

Wacher Geselle im Gras. Amselgesang anhören.
Foto: Hans-W. Grömping, www.naturschule.com
Die Amsel beginnt auch in frühen Wärmeperioden am Morgen oder in der Abenddämmerung zu singen. Oft fängt sie mit einem zeternden Warnruf an, den sich verschiedene Vögel zurufen, besonders wenn eine Gefahr naht oder wenn man sich besonders vom Nachbarn abgrenzen möchte. Melodiös und abwechslungsreich ist hingegen ihr Gesang, ein klares Zeichen, dass wärmere Tage nahen. Kaum ein einheimischer Vogel singt so abwechslungsreich und melodiös. Das schwarze Männchen singt meist von erhöhter Warte aus, wobei auch Wechselgesänge von Nachbarn entstehen können, die sich einander zu überbieten versuchen. Nicht nur die Laute von Artgenossen werden imitiert, sondern auch Gesangselemente von anderen Vogelarten! So kann ein geübtes Ohr sogar individuelle Amseln am Gesang erkennen.

Amseln gehören zu den am einfachsten zu beobachtenden Vögeln, da sie häufig von Gebüsch zu Gebüsch fliegen und im Gras nach Regenwürmern oder Insekten suchen. Im Herbst und Winter ernähren sie sich gerne auch von Beeren und Früchten. Zur Winterfütterung eignet sich daher Obst am besten, weil Amseln mit Körnern wenig anfangen können. Am besten werden einige einheimische Sträucher gepflanzt, die im Winter auch Beeren tragen (siehe unten).

Noch vor 150 Jahren galt die Amsel als sehr scheuer Waldvogel, den man speziell beobachten gehen musste. Wie anpassungsfähig die Tiere sind, zeigt, dass sie heute sogar mitten in Großstädten leben, im Winter kaum mehr in den Süden ziehen und inzwischen sogar an Häusern nisten.

Nutze also die Gelegenheit und achte auf den wunderschönen Gesang, beobachte die Tiere bei der Futtersuche, bei der Brut und bei Revierkämpfen. Manche Tiere fassen sogar Zutrauen zum Menschen!

Scharen von Staren

Star. Foto: Hans-W. Grömping, www.naturschule.com
Den Gesang von Amsel und Rotkehlchen sind wir schon vom Spätwinter her vertraut (siehe Beitrag "Natur im Spätwinter). Auch das Spatzenzwitschern und der zweisilbige Ruf der Kohlmeise sind den meisten vertraut. Zum bekannten Vogelkonzert gesellt sich im frühen Frühling bald schon ein witziger Gesangskünstler: Der Star.

Schon Ende Februar oder im März kommt er aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika zurück. Besonders eindrücklich ist sein Verhalten, immer Schwärme oder zumindest kleine Gruppen zu bilden. In der Abenddämmerung lässt sich dies besonders gut beobachten, wenn sich die Stare zum Übernachten versammeln. Zunächst sind es mittlere Gruppen, die sich zwitschernd auf Bäumen und Leitungen niederlassen. Sie fliegen dann bei Einbruch der Dunkelheit in immer größer werdenden Schwärmen zu ihren Schlafplätzen in Schilfgebieten, auf größeren Baum- und Gebüschgruppen und sogar Gebäuden. So konnten im Sommer zum Beispiel am Berliner Dom bis zu 40´000 Stare gezählt werden

Die Staren-Schwärme fliegen immer sehr geordnet und in synchronen (gleichartigen) Bewegungen. So schützen sich die Stare sehr erfolgreich gegen Feinde. Selbst für die Nahrungssuche bewegen sie sich in Gruppen: In einer Reihe bewegen sie sich gemeinsam durch die Wiesen und jagen auf diese Art viel mehr Kleininsekten auf, als wenn sie alleine auf Pirsch gingen.

Anzahl nachgewiesener Vogelarten an verschiedenen Sträuchern (nach Turcek)
Stare ernähren sich aber nicht nur von Insekten, sondern sehr zum Leidwesen von Gärtnern und Bauern auch mit Vorliebe z.B. von Kirschen. So effektiv sie gemeinsam Insekten jagen, so schell können sie einen Kirschbaum leer fressen. Wo aber viele naturnahe Beerensträucher wie Vogelbeere, Schneeball, Holunder, Weißdorn, Wildrosen etc. in Gärten und an Feldrändern wachsen, weichen Stare gerne aus. Bei diesen Sträuchern sind besonders jene gut, die noch im Winter Beeren tragen und den Neuankömmlingen im Frühling gleich als wertvolle Nahrungsgrundlage dienen.

Wo das Vogelkonzert wieder so richtig los geht, hebt sich die witzige Stimme des Stars von anderen ab. Ein schwatzendes Zwitschern, leises Pfeifen, Schalzen und Piepsen klingt von Bäumen und Dächern. Dabei sind auch Stare Nachahmungskünstler: Nicht nur Meisen, Amseln und Spatzen imitieren sie verblüffend gut, auch das Gegacker von Hühnern und in unserer technischen Zeit sogar Rasenmäher und Handy-Klingeltöne! Wer nicht genau weiß, wer hier nun überhaupt musiziert, wird den singenden Star an seinem gleichzeitigen Flügelflattern erkennen, das die Witzigkeit seiner Laute weiter unterstreicht.

Wie die Amsel können wir den Star inzwischen immer mehr als Kulturfolger auch in Siedlungsgebieten beobachten. Er brütet in Baumhöhlen, Felspalten und nimmt auch gerne Nistkästen an. Weil er ansonsten geringe Ansprüche an seinen Lebensraum hat, ist der Star inzwischen einer der häufigsten Vögel weltweit.


5. Interessante Links:

Zum Beobachten und Mitmachen regen auch folgende Websiten an:

-> Beobachtungen im Jahreslauf für alle Altersstufen:
www.naturdetektive.de

Die Wetterämter von Deutschland, der Schweiz und Österreich haben meist gut aufgebaute und laufend aktuelle Informationen zur Pflanzenentwicklung:

-> Phänologie im Deutschen Wetterdienst: www.dwd.de/...

-> Meteo Schweiz - Phänologie und Klima: www.meteoschweiz.ch/...

-> Wetter-Server-Österreich - Phänologie: http://zacost.zamg.ac.at/...





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