Sternenhimmel im Juni 2013


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel kommt im Juni langsam wieder zur Ruhe und wird von den Frühlings- und Sommersternen gebildet. Im Südwesten kann man das schöne Sternbild des Löwen bewundern. Hoch im Süden sieht man in Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen den hellen Arktur und halbhoch im Osten die helle Wega, die beide bis in den September den Sternhimmel beherrschen werden. Im Südosten sieht man die nördlichen Teile des sehr schönen Sternbildes Skorpion und im Osten ist mit Atair im Adler auch das Sommerdreieck vollständig aufgegangen



Sternenhimmel im Juni. Dies ist der südliche Ausschnitt des Himmels, der noch etwas über den
Zenit (grünes Kreuz) hinaus reicht. Aufgrund des großen Ausschnitts erscheint der Horizont nach oben gebogen.



Der Große Wagen steht links neben dem Polarstern und die Cassiopeia im Norden über dem Horizont.

Im Süden sieht man den Ringplaneten
Saturn.

-> Einführung in die Sterngrösse = Sternhelligkeit
-> Einführung in die Sternfarben und Sterntypen
-> erste Einführung in die Sternbeobachtung

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Der Große und der Kleine Wagen

Das Sternbild des Großen Wagens ist das ganze Jahr über zu sehen, seht aber momentan teilweise im Horizontdunst.
Der bekannte Große Wagen besteht aus 7 Sternen, von denen vier Sterne den Wagenkasten und drei Sterne die Wagendeichsel bilden. Drei von ihnen erreichen beinahe die erste Größe, das sind der kastenseitige Deichselstern Alioth, der obere hintere Kastenstern Dubhe und der äußere Deichselstern Benetnash. Alioth ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren, Dubhe ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist, der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär" und der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber".

Für den Namen Dubhe gibt es eine hübsche Merkregel aus den Vereinigten Staaten, weil man diesen Stern auf Englisch "Dubih" ausspricht: Frank Sinatra tanzt mit der Großen Bärin um den Polarstern und singt "Dubi Dubi Dubi".

Der bekannteste Stern des Großen Wagen ist der mittlere Deichselstern Mizar, er erreicht die 2. Größe und bedeutet "Mantel", er ist ein Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von knapp 80 Lichtjahren.

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, das bedeutet "Lende", und der vordere untere Kastenstern heißt Phekda, das bedeutet "Schenkel". Der vordere obere Kastenstern schließlich heißt Megrez und erreicht 3. Größe. Megrez bedeutet "Anfügepunkt (des Schwanzes)".

Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" Alkor neben dem mittleren Deichselstern Mizar. Alkor stammt von Aliore, einer Nebenform von Alioth, die sich im Laufe der Zeit zu einem eigenständigen Sternnamen entwickelt hat. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet. Er erreicht die 4. Größe. - Die Wagensterne Merak, Phekda, Megrez und der Augenprüfstern Alkor sind ebenso wie Alioth und Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

Dass diese Sterne allesamt weißliche Sterne im Abstand von ungefähr 80 Lichtjahren sind ist kein Zufall, denn sie bilden einen Sternhaufen und sind die hellsten Zentrumsterne des Bärenstromes. Dieser Sternhaufen ist ein Bewegungssternhaufen, das ist eine lockere Gruppe von Sternen, die nicht primär durch eine räumliche Konzentration um ein Zentrum charakterisiert ist, sondern durch eine gemeinsame Bewegungsrichtung. Solche Sternhaufen haben eine gemeinsame Herkunft in einem offenen Sternhaufen, ihre Anziehungskraft untereinander ist aber nicht sehr stark, so dass sie sich nach einigen Umrundungen um das Zentrum unserer Milchstraße auflösen. Somit gibt es einige Zentralsterne sowie zahlreiche Sterne, die sich mittlerweile weit vom Zentrum entfernt haben.

Verlängert man die beiden hinteren Kastensterne Merak und Dubhe etwa fünfmal - das ist im Juni nach rechts unten, so gelangt man zum Polarstern. Auch er erreicht die 2. Größe und steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen. Auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auch die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der hellere der beiden erreicht ebenfalls die 2. Größe und heißt Kochab. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren und Kochab ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren.

Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "der Reiter". Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse in den Himmel, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. - Kochab bedeutet "der Stern (des Nordens)"; aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelsnordpol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Geringfügig heller als der schwächste Wagenstern Megrez ist Pherkad, der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen; er ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber".

Etwas heller als Pherkad ist eta Draconis, der zweithellste Stern des Sternbild Drache. Ihn findet man einfach in der dreifachen Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen von Kochab über Pherkad. Eta Draconis erreicht beinahe die 2. Größe und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Fast in der Mitte zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen und der Deichsel des Großen Wagen steht der Hauptstern des Drachen, ein Stern beinahe 3. Größe namens Thuban; das heißt "Schlange" und er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren. Vor 5000 Jahren stand der Himmelsnordpol in seiner Nähe.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen senkrecht zur Krümmung geht, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man parallel zur Wagendeichsel unter Cor Caroli einen Stern 4. Größe sehen, das ist der zweithellste Jagdhundestern Chara, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 27 Lichtjahren. Chara bedeutet "Freude". Verlängert man knapp dreimal von Chara über Cor Caroli, so kann man im Feldstecher den Kugelsternhaufen M3 erkennen; das ist eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer Milchstraße. Er ist 34'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält rund 500'000 Sterne.

2.2 Arktur und seine Deichsel sowie die Wega, die Spica und ihre Deichsel und das Himmelslineal

Das Sternbild des Bärenhüters
Die Deichsel des bekannten Großen Wagen weist hoch im Süden auf einen Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält"; sein heute nicht mehr verwendeter arabischer Name lautet Alramech, das bedeutet "der Lanzenbewaffnete". Arktur ist ein nahe gelegener Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren und der hellste Fixstern der Nordhalbkugel , er ist derzeit der hellste Fixstern am Abendhimmel.

Verlängert man die Wagendeichsel über Arktur hinaus weiter, so gelangt man zu einem weiteren Stern 1. Größe, das ist die Spica, der Hauptstern der Jungfrau. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Der arabische Name der Spica lautet Azimech, das bedeutet "die beiden, die hoch sind" - gemeint sind Arktur und Spica. Hierbei ist Arktur der "lanzenbewaffnete Hochstehende", da er von mehreren helleren Sternen umgeben ist, während die eher alleinstehende Spica der "unbewaffnete Hochstehende" ist. Links der Spica kann man den Ringplaneten Saturn sehen, der sogar die 0. Größe erreicht.

Arktur ist Ausgangspunkt einer nach links unten weisenden Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links oberhalb von Arktur steht, ist der zweithellste Bärenhüterstern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist etwas heller als Mirak, ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Auch die Gemma gehört zum Bärenstrom; sie steht im gleichen Abstand und ist nur rund zwei Zentrumsdurchmesser von den Zentralsternen entfernt. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden.

In doppelter Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma sieht man einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren. Verlängert man über Ras Alhague hinaus nach rechts abknickend, so gelangt man zu einem weiteren Stern beinahe zweiter Größe im Schlangenträger namens Celbalrai, das bedeutet "Schäferhund". Celbalrai ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 100 Lichtjahren.

Geht man direkt von Arktur zur Gemma, also nicht über Mirak, und dann fast gleichviel weiter, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi, ein wie unsere Sonne gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Geht man diese Linie noch etwas weiter als die Gemma von zeta Herculi entfernt ist, so gelangt man etwas oberhalb zur hellen Wega in der Leier. Sie ist gleichhell wie Arktur, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 25 Lichtjahren. Zwischen der hellen Wega und zeta Herculi sieht man ein wenig oberhalb noch einen weiteren Stern 3. Größe, das ist der Herkulesstern pi Herculi; er ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren.

In der Mitte zwischen der Gemma und Ras Alhague kommt man am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei, einem Stern beinahe zweiter Größe. Rutikulus ist 150 Lichtjahre entfernt, wie unsere Sonne ein gelber Stern und heißt "Achselhöhle", sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Kurz bevor man Ras Alhague erreicht sieht man rechts oberhalb von ihm einen Stern 3.Größe, das ist Ras Algethi, der Hauptstern des Herkules. Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden", er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Oberhalb der Spica befinden sich drei Sterne, die wie eine Deichsel angeordnet sind und ebenfalls zur Jungfrau gehören. Von oben gezählt sind das die Sterne Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Vindemiatrix und Porrima erreichen beinahe die 2. Größe, Minelauva die 3. Größe. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des arabischen Namens Almuredin, was "der dem Weinleser Vorangehende" bedeutet. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italienischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt.

Spiegelt man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma, so gelangt man zu Unuk, der ebenfalls beinahe 2. Größe erreicht. Er ist der Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung ist allerdings etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Von Mirak über Unuk die Hälfte weitergehend findet man den Stern Yed Prior im Schlangenträger, einen Roten Riesen im Abstand von 170 Lichtjahren. Yed Prior ist genauso hell wie Mirak und Unuk und bedeutet "erstere Hand". Gleichviel weitergehend gelangt man zu einem weiteren gleichhellen Stern, das ist zeta Ophiuchi, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Dieser Stern wird manchmal Han genannt.

Durch Unuk, Yed Prior und Han zieht sich eine Sternenkette schräg nach links unten, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers. Unuk ist der zweite Stern von oben und Yed Prior der vierte von oben; er steht an der Grenze dieser beiden Sternbilder. Han ist der sechste Stern von oben; er steht an der untersten Stelle des geraden Teiles dieses "Himmelslineals".

Die drei ersten Sterne des "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach links abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört; er ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. Sabik bedeutet "der Vorangehende". Mit diesem Namen wurden ursprünglich dieser Stern und Han, der unterste Stern des geraden Teiles des Himmelslineals, bezeichnet.

Bei Yed Prior findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt, sein Nachbarstern ist Yed Posterior, ein Stern 3. Größe; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren und bedeutet "nachfolgende Hand". - Gleich nach Unuk sieht man epsilon Serpenti; er ist ein weißlicher Stern beinahe 3. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren. Auf der anderen Seite von Unuk, rund doppelt so weit entfernt, steht delta Serpentis am Anfang des Himmelslineals; er ist ein echter Doppelstern zweier weißgelblicher Sterne im Abstand von gut 200 Lichtjahren, die vierte Größe erreichen.

Der dritthellste Stern des Bärenhüters ist Muphrid neben Arktur und steht ungefähr senkrecht zur Deichsel Arktur - Mirak - Gemma, das ist derzeit schräg rechts oberhalb von Arktur. Muphrid bedeutet "der einzelne Stern des Lanzenbewaffneten". Gemeint ist also der einzelne Stern von Arktur. Er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von knapp 40 Lichtjahren. In mittelalterlichen Darstellungen des Bärenhüters sieht man deswegen oft, dass dieser eine Lanze in der Hand hält.

Zum vierthellsten Bärenhüterstern Ceginus gelangt man, wenn man von der Deichsel des Großen Wagen ausgehend den Bärenhüter erreicht. Ceginus ist ein Stern 3. Größe, sein Name ist die lateinisierte Form des Sternbildnamens Bärenhüter, der im griechischen Theguius heißt. Ceginus ist ein weißlicher Stern im Abstand von 85 Lichtjahren.

2.3 Der Löwe und der Rabe

Hoch im Südwesten sieht man zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der untere ist Regulus beim Herzen des Löwen, ein blauweißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Sein arabischer Name Kabeleced bedeutet "Herz des Löwen". Der obere Stern heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Geht man von Regulus herkommend bei der Algieba rechtwinklig gleichweit nach Westen, so gelangt man zu einem Stern 3. Größe, das ist der Löwenstern Ras Elased Australis, das ist der Stern "südlich des Kopfes des Löwen". Er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern und 250 Lichtjahre von uns entfernt.

Links der Algieba sieht man etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus einen weiteren Stern 2. Größe, das ist die Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus von der Stirn zum Herzen des Löwen sowie Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" vom Rücken zur Hüfte des Löwen. Der obere Stern erreicht gerade noch 2. Größe, das ist der vierthellste Löwenstern Duhr, ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren- Duhr bedeutet "Rücken". Der untere Stern ist die Coxa, sie ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von 170 Lichtjahren und bedeutet "Hüfte".

In der Nähe der Algieba finden wir noch zwei weitere Sterne, welche den Kopf des Löwen markieren: etwas links oberhalb die Adhafera, einen Stern 3. Größe an der Haarsträhne des Löwen, und rechts von ihr über Ras Elased Australis den Stern Ras Elased Borealis, das ist der Stern "nördlich des Kopfes des Löwen", ein Stern beinahe 3. Größe. Adhafera ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren und Ras Elased Borealis ein Roter Riese im Abstand von gut 130 Lichtjahren. Auch die Adhafera gehört zum Bärenstrom und ist dessen absolut hellster Stern. Sie hat sich schon weit vom Zentrum entfernt.

Rabe und Jungfrau
Zwischen dem Löwen und der Jungfrau befindet sich etwas unterhalb das Sternbild des Raben, das man bei guter Südwestsicht schön erkennen kann. Es sieht aus wie ein kleines schiefes Viereck, bei dem die rechte obere Kante nach unten eingeknickt ist. Die obere Kante wird links von Algorab ("rechter Flügel des Raben") und rechts von Gienah ("Flügel") gebildet, die untere Kante links von einem Stern namens Kraz und rechts von Minkar ("Schnabel"). Gienah und Kraz sind Sterne beinahe 2. Größe, Algorab und Minkar haben 3. Größe.

Algorab und Gienah sind blauweißliche Sterne im Abstand von 90 und 165 Lichtjahren, Kraz ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von 140 Lichtjahren und Minkar ein Roter Riese im Abstand von gut 300 Lichtjahren. - Der Hauptstern des Raben ist ein unauffälliger Stern 4. Größe und steht rechts unterhalb von Minkar, er heißt Alchiba und ist ein 50 Lichtjahre entfernter weißgelblicher Stern. Alchiba bedeutet "das Zelt".

Sei noch der Stern eta Leonis zwischen Algieba und Regulus, ein wenig oberhalb der Verbindungslinie, erwähnt; er erreicht gerade noch die 3. Größe und wird manchmal fälschlicherweise als Subra bezeichnet. Den richtigen Stern Subra findet man, wenn man von eta Leonis kommend bei Regulus rechtwinklig nach rechts abbiegt und dann etwa doppelt so weit geht; dieser Stern ist gleich hell wie eta Leonis. Subra bedeutet "Mähne" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 120 Lichtjahren. Eta Leonis ist ebenfalls ein weißlicher Stern, er ist aber mit 2000 Lichtjahren viel weiter entfernt.

Geht man von Regulus statt zu Subra in die andere Richtung, so gelangt man zu einem Stern beinahe 3. Größe, das ist rho Leonis, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 2500 Lichtjahren. Auch iota Leonis erreicht beinahe die 3. Größe, er ist weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren. Er bildet mit Duhr und Coxa von der mittleren Löwenachse eine deichselartige Figur, bei der er an der unteren Stelle steht.

2.4 Die Sprünge der Gazelle und der Luchs, die weiteren Körpersterne der Großen Bärin sowie der Kleine Löwe

Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe sehen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares, welches sich in doppelter Verlängerung der Löwensterne Coxa zu Duhr etwas links befindet. Diese drei Gazellensprünge heißen ihrer Reihenfolge nach Alula, Tania und Talitha, wobei der nördliche Stern des jeweiligen Sprunges mit "Borealis" und der südliche Stern mit "Australis" bezeichnet wird. Diese Sterne werden heutzutage der Großen Bärin zugerechnet.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne haben 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom dritten Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Beide sind heller als der schwächste Wagenstern Megrez.

Zwischen dem Löwenkopfstern Ras Elased Australis und dem dritten Gazellensprung befindet sich ein weiteres Sternpaar, das wie ein etwas breitbeiniger Gazellensprung aussieht; das sind die beiden hellsten Sterne des ansonsten unauffälligen Sternbildes Luchs. Der Hauptstern erreicht die 3.Größe und ist gleichhell wie die beiden hellsten Gazellensprungsterne Tania Australis und Talitha Borealis. Alpha Lyncis ist ein Roter Riese im Abstand von 220 Lichtjahren. Neben ihm steht 38 Lyncis, der zweithellste Stern des Luchses, der beinahe die 3.Größe erreicht; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 120 Lichtjahren.

Figürlich kann man nun unterhalb des Wagens - da der Große Wagen im Juni schräg auf dem Kopf steht ist das nun links - sehr schön die Hinter- und die Vordertatze der Großen Bärin erkennen, die aus je drei Sternen bestehen und deren Krallen vom mittleren und vom dritten Gazellensprung dargestellt werden. Der Fersenstern der Hintertatze wird von psi Ursae Maioris gebildet; man findet ihn in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne nach links, das ist aus Sicht des Wagenkastens nach unten. Psi Ursae Maioris erreicht die 3. Größe und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren, er ist der siebthellste und Tania Australis der achthellste Stern der Großen Bärin; sie sind somit die beiden hellsten Nichtwagensterne der Großen Bärin.

Ganz ähnlich gestaltet sich die Situation an der Vordertatze, die sich im Juni auf dem Weg vom Großen Wagen nach unten zum Horizont befindet. Hier wird der Fersenstern von Al Haud gebildet. Diesen Stern findet man, indem man von der Wagendeichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurch und dann noch eineinhalb mal weitergeht. Dieser Stern, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, ist ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 44 Lichtjahren. Talitha Borealis ist der neunthellste Stern der Großen Bärin und Al Haud ihr zehnthellster Stern. Al Haud bedeutet "Becken", was ein etwas befremdlicher Name für einen Stern ist, der figürlich an einem Vorderfuß steht. Sein anderer Name Sarir entstammt einer anderen Mythologie und bedeutet "Thron".

In knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach unten, also weg von der Deichsel, findet man den Stern Muscida am Kopf der Großen Bärin. Muscida bedeutet "Hundeschnauze" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von gut 180 Lichtjahren. Von bloßem Auge ist Muscida gleich hell wie der Wagenstern Megrez am Anfügepunkt der Wagendeichsel.

Drei weitere Gazellensprung-Sterne erreichen gerade noch 3. Größe, das sind Tania Borealis vom zweiten Gazellensprung, Alula Borealis vom ersten Gazellensprung sowie Talitha Australis vom dritten Gazellensprung. Ersterer ist ein weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, zweiterer ein Roter Riese im Abstand von 420 Lichtjahren und dritterer ein weißlicher Stern ebenfalls im Abstand von 420 Lichtjahren. - Verbleibt noch Alula Australis vom ersten Gazellensprung; hier umkreisen wie beim Jungfraustern Porrima zwei gelbe Sterne einander. Alula Australis ist knapp 30 Lichtjahre von uns entfernt und erreicht beinahe die 3. Größe.

Seien noch zwei weitere Sterne beinahe 3. Größe der Großen Bärin genannt: auf dem Weg vom Kopfstern Muscida hinauf zu Dubhe, dem oberen hinteren Kastenstern, findet man nach gut einem Drittel den Stern h Ursae Maioris und auf dem Weg von Muscida zu Merak, dem unteren hinteren Kastenstern, findet man nach gut einem Drittel den Stern upsilon Ursae Maioris. Beide sind weißgelbliche Sterne im Abstand von 75 Lichtjahren und von 115 Lichtjahren.

Auch der Stern Alkaphrah oder El Kophrah erreicht beinahe die 3.Größe, er befindet sich zwischen dem unteren vorderen Kastenstern Phekda und psi Ursae Maioris, dem Fersenstern der Hintertatze der Großen Bärin, etwas in Richtung Arktur eingerückt. Alkaphrah ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren und bedeutet "Gelenk"; hierbei ist aber zu beachten, dass dies nur die Folge eines Übersetzungsfehlers aus dem Arabischen ist und sich dieser Name ursprünglich auf die drei Sternpaare der Gazellensprünge bezieht.

Geht man im Löwen von Regulus über die Algieba rund zweimal weiter und dann in Richtung des ersten Gazellensprunges, so trifft man auf den hellsten Stern des Kleinen Löwen, der beinahe die 3. Größe erreicht; er heißt 46 Leonis Minoris und ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

2.5 Die ersten Sommersterne: die helle Wega, der Schwan und der Drache sowie die Leier

Die Sternwanderung vom Kleinen Wagen über den Drachen zur Wega.
Im Osten ist inzwischen das Sommerdreieck aufgegangen, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und links unter ihr - noch tief am Horizont stehend - aus Atair im Adler besteht. Die helle Wega wurde schon vorgestellt, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 25 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler". Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair erreicht beinahe die 0. Größe und ist der zweithellste Stern im Sommerdreieck. Er ist ein naher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; sein Name bedeutet "fliegender Adler" und er ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger, den Stern, auf den die Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel weist. Vom Kleinen Wagen kann man mithilfe der kleinen Polarsternregel durch das Sternbild Drache hindurch ebenfalls einfach zur hellen Wega gelangen: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen, also von Kochab zu Pherkad, gelangt man bekanntlich zum zweithellsten Drachenstern eta Draconis, der beinahe die 2. Größe erreicht. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach links unten, ab, so kann man in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern 3. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren. Er ist der fünfthellste Drachenstern und bedeutet "die beiden Wölfe", womit er sowie eta Draconis, der hellere der beiden gemeint sind. Diese beiden Sterne haben aber nichts mit dem Sternbild des Wolfes zu tun, welches man von Südeuropa aus im Sommer tief im Süden sehen kann.

Geht man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von den beiden Wölfen eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichviel weiter geht, so gelangt man zu Ettanin und Alwaid, die die zweite und beinahe zweite Größe erreichen. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter gehend zur hellen Wega in der Leier.

Ettanin ist der hellste Stern des Sternbildes Drachen, ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Ettanin bedeutet "Seeungeheuer" und man kann ihn daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist der dritthellste Drachenstern Alwaid, ein wie unsere Sonne gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Alwaid bedeutet "die Kamelmütter, die ihre 7 Tagen alten Jungen bei sich haben"; gemeint ist hiermit die Sterngruppe, zu der auch Ettanin gehört.

Geht man von Deneb im Schwan nach rechts unten, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens Sadir; das bedeutet "Brust"; hier ist also die Brust des Schwanes, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern und der zweithellste Stern im Sternbild des Schwanes, mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts über ihm sieht man einen weiteren Stern des Schwanes, das ist der Stern delta Cygni, ein blauweißlicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von 170 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid stehen im Kopf des Drachen und gemäß der Mythologie starrt der Drache den benachbarten Herkules mit zwei verschiedenfarbigen Augen an: Ettanin ist ein Roter Riese und Alwaid ein gelblicher Stern. Es ist bemerkenswert, dass damals die Luft so rein war, dass man sogar noch die Farbe dieser beiden Sternen erahnen konnte. Sie stehen in einer rautenförmigen Figur, das ist ein schiefes gleichseitiges Viereck. Die beiden anderen Sterne der Drachenkopf-Raute erreichen beinahe 3. Größe: der Stern auf der linken Seite heißt Grumium und der Stern auf der rechten Seite gehört schon zum Sternbild des Herkules und heißt iota Herculi. Grumium bedeutet "der Kiefer" und ist ein Roter Riese im Abstand von gut 100 Lichtjahren, iota Herculi auf der rechten Seite ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 500 Lichtjahren.

Ganz in der Nähe steht ein weiterer Herkulesstern 3. Größe, das ist pi Herculi; man findet ihn in eineinhalbfacher Verlängerung von Ettanin über iota Herculi. Diesen Stern findet man auch, wenn man vom derzeit hellsten Fixstern Arktur über die Gemma und dem zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi zur Wega geht, er steht dann fast in der Mitte zwischen zeta Herculi und der hellen Wega, etwas oberhalb. Pi Herculi ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren.

Der Drache hat noch zwei weitere Sterne 3. Größe: den vierthellsten Drachenstern Al Tais findet man sehr einfach in der doppelten Verlängerung vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis über Aldhibah. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Wie Al Tais ebenfalls 100 Lichtjahre entfernt ist der Stern Edasich auf der anderen Seite vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis als Aldhibah; er ist ein Roter Riese. Al Tais bedeutet "Ziegenbock" und Edasich bedeutet "Hyäne"; Hyänen gehören ja ebenso wie die Wölfe zu den Raubtieren, die sich in der Nähe von Kamelen herumtreiben.

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, kann ab der Monatsmitte vollständig bewundert werden. Es erstreckt sich von Deneb über Sadir zweimal weitergehend bis hin zu einem Stern 3. Größe namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Rechts oberhalb und links unterhalb von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah und ist der dritthellste Stern des Sternbildes; er ist ein Roter Riese, der gut 70 Lichtjahre von uns entfernt ist. Der erste Stern des linken Flügels wurde bereits vorgestellt, das ist delta Cygni. - Etwas nach hinten abgewinkelt findet man dann noch drei weitere Sterne an den Flügelschwingen des Schwanes. Das Ende der Flügelschwinge des rechten Flügels, also jenseits von Gienah, wird von zeta Cygni markiert, einem wie unsere Sonne gelben Stern im Abstand von 200 Lichtjahren. Er erreicht 3. Größe. An der linken Flügelschwinge des Schwanes stehen zwei gleichhelle Sterne beinahe 3. Größe; der innere ist iota Cygni, der äußere kappa Cygni. Iota Cygni ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, kappa Cygni ein Roter Riese im Abstand von gut 120 Lichtjahren. Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Das Sternbild der Leier
Der "herabstoßende Adler" Wega ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne nicht sehr auffällig sind. Sie bilden den Leierkasten und sehen wie ein Parallelogramm neben der Wega aus. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe: das sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren, sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren. - Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne sind unauffälligere Sterne 4. Größe: zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite, sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren. - Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern Mizar des Großen Wagen. Epsilon(2) Lyrae ist der Wega-nähere Stern, er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren. Der andere, epsilon(1) Lyrae, ist ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Beide Sterne sind beinahe 4. Größe hell.

2.6 Die nördlichen Teile des Skorpion, die Waage und weitere Frühlingssterne

Bei guter Südsicht kann man rechts unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Sein arabischer Name Calbalacrab bedeutet "Herz des Skorpion".

Rechts oberhalb von Antares kann man die vordere Dreiergruppe des Skorpions sehen, deren beiden oberen Sterne, Akrab und Dschubba, zweite Größe erreichen. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab. - Der untere Stern der vorderen Dreiergruppe, pi Scorpii, ist ein blauweißlicher Riesenstern beinahe 2. Größe im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

Antares steht in der Mitte der unteren Dreiergruppe des Skorpions und seine beiden Nachbarsterne haben den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Sterne beinahe 2. Größe; der linke tau Scorpii im Abstand von 430 Lichtjahren und der rechte sigma Scorpii fast doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren.

Östlich der Jungfrau kann man in der Nähe des Ringplaneten Saturn etwas nach links weiter gehend die hellsten Sterne der Waage erkennen. Der obere und der mittlere Waagestern erreichen beide beinahe die 2. Größe: der obere Stern ist der hellste Waagestern Zuben-el-schemali, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 120 Lichtjahren, und der mittlere Stern ist Zuben-el-genubi, ein weißlicher Stern im Abstand von 77 Lichtjahren. Zuben-el-schemali bedeutet "die nördliche Klaue (des Skorpions)", Zuben-el-genubi bedeutet "die südliche Klaue (des Skorpions)". Er steht ungefähr in der Mitte zwischen der Spica und Antares.

Der untere Waagestern ist Brachium, er ist ein Roter Riese 3. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren. Brachium bedeutet "Arm". Dieser Stern gehörte bis zur endgültigen Festlegung der Sternbildgrenzen im Jahre 1930 durch die Internationale Astronomische Union zum Sternbild des Skorpion und hatte die Bezeichnung gamma Scorpii.

Verlängert man die Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel über Ras Alhague und Celbalrai hinaus weiter, so gelangt man doppelt so weit entfernt zu einem Stern 3. Größe, das ist nue Ophiuchi. Sei noch der gleich helle Stern kappa Ophiuchi genannt, der mit Ras Alhague und Cebalrai ein beinahe gleichseitiges Dreieck bildet und der westlich von Cebalrai steht. Nue und kappa Ophiuchi sind beide Rote Riesen, ersterer im Abstand von 150 Lichtjahren und zweiterer im Abstand von 90 Lichtjahren.

Wie vorher gesehen gelangt man zur Spica, indem man die Deichsel des Großen Wagen über Arktur hinaus weiterverlängert. Die Jungfrau hat noch zwei Sterne beinahe 2. Größe sowie zwei Sterne 3. Größe. Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Zudem befindet sich ein weiterer Stern etwas östlich der Spica. Die drei Sterne dieser Deichsel über der Spica wurden bereits vorgestellt, das sind von oben gezählt die Sterne Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Der Stern Vindemiatrix und die Porrima erreichen beinahe die 2. Größe. Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zur Minelauva; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren. Die Minelauva und die Heze erreichen beide die 3. Größe.

Wenn man nun von Porrima rechtwinklig in Richtung Regulus im Löwen geht, so gelangt man in gleichem Abstand wie Vindemiatrix zu einem fast gleich hellen Stern wie die Minelauva namens Alaraph. Dieser ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren. Dazwischen etwas nach unten eingerückt steht ein fast gleichheller Stern namens Zaniah. Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 250 Lichtjahren. Zaniah bedeutet "Ecke (des bellenden Hundes)", er erreicht beinahe die dritte Größe.

Das Sternbild der Waage und ihr weiteres Umfeld zur Orientierung, In der vergrößerten Darstellung sind alle beschriebenen Sterne bezeichnet.
Unterhalb der Jungfrau kann man die östlichen Teil der Wasserschlange erkennen: gamma Hydrae, ein wie unsere Sonne gelber Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, findet man in Verlängerung der beiden Jungfrausterne Heze über die Spica hinaus gleichviel weiter, und pi Hydrae steht am linken Ende der Wasserschlange, er ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren; man findet ihn in Verlängerung der beiden Jungfrausterne Minelauva über Spica, etwas weiter verlängert. Etwas links vom zweithellsten Wasserschlangenstern gamma Hydrae steht der veränderliche Stern R Hydrae, ein 500 Lichtjahre entfernter Roter Riese, der im Maximum gerade noch die 3. Größe erreicht. Im Minimum ist er von bloßem Auge nicht zu sehen.

2.7 Der Adler und der Pfeil sowie der Herkules

Ab Monatsmitte kann man Atair im Adler sehen, einen Stern beinahe 0. Größe, der mit der hellen Wega und mit Deneb im Schwan das markante Sommerdreieck bildet. Atair ist ein naher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Über Atair kann man einen weiteren Stern beinahe 2. Größe sehen, das ist Tarazed, ein Roter Riese im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke".

Der Stern rechts oberhalb der Verlängerung der Sterne Atair und seiner beiden begleitenden Falken heißt Deneb el Okab, das bedeutet "Schwanz des Adlers". Er ist der dritthellste Adlerstern, ein weißgelblicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von gut 80 Lichtjahren. Man gelangt auch zu ihm, wenn man von Deneb im Schwan über Sadir und Albireo gleichviel weiter verlängert. Rechts neben ihm sieht man den Stern Deneb el Okab Borealis, er ist ein Roter Riese 4. Größe im Abstand von gut 150 Lichtjahren.

Bei guter Horizontsicht kann man unter Atair auf der anderen Seite wie Tarazed einen Stern beinahe 3. Größe erkennen, das ist Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Geht man quer durch die Leier von der hellen Wega über den zweithellsten Leierstern Sheliak am äußeren Ende des Parallelogrammes rund gleichviel weiter, so gelangt man in die Nähe des Kopfsternes Albireo im Schwan. Geht man nochmals gleichviel weiter, so gelangt man zum kleinen Sternbild des Pfeiles. Seine beiden hellsten Sterne erreichen gerade noch sowie beinahe die dritte Größe. Beide sind Rote Riesen. Der etwas hellere linke Stern heißt gamma Sagittae und ist 275 Lichtjahre entfernt, der schwan-abgewandte rechte Stern heißt delta Sagittae und ist knapp doppelt so weit entfernt. Bei guter Sicht kann man auch die beiden anderen Pfeilsterne sehen, die das Peilende markieren; beide erreichen die 4. Größe. Der obere in Richtung Leier ist der Hauptstern des Pfeiles und heißt Alsahm, das bedeutet "Pfeil", und der untere ist beta Sagittae. Beide sind wie unsere Sonne gelbe Sterne im Abstand von gut 420 Lichtjahren und von knapp 470 Lichtjahren.

Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger, den Stern, auf den die Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel weist.

Das Sternbild des Herkules
Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild oberhalb der nördlichen Teile des Adlers, das sich zwischen der Wega, der Nördlichen Krone und Ras Alhague erstreckt. Es weist nur zwei Sterne beinahe 2. Größe auf und ist somit insgesamt eher unscheinbar. Die Herkulesssterne Rutikulus, zeta Herculi und Ras Algethi wurden ebenso wie iota Herculi in der Drachenkopf-Raute und pi Herculi bereits vorgestellt. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

Der hellste Herkulesstern Rutikulus steht in der Mitte zwischen der Gemma und Ras Alhague. Biegt man bei ihm senkrecht nach links ab, so kann man dort zwei weitere Sterne sehen, die mit Rutikulus ein beinahe gleichseitiges Dreieck bilden, dessen Kantenlänge etwa gleichgroß wie der Abstand Arktur - Mirak ist. Der rechte obere der beiden ist der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi, der gleich hell wie Rutikulus ist. An diesem Stern kommt man bekanntlich auch vorbei, wenn man vom derzeit hellsten Fixstern Arktur über die Gemma zur hellen Wega geht. Der linke untere heißt Sarin und ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Spiegelt man Rutikulus an der Achse zeta Herculi - Sarin, so gelangt man ebenfalls zu pi Herculi, der gleich hell ist wie Sarin; er steht bekanntlich etwas oberhalb zwischen zeta Herculi und der hellen Wega.

Rechts oberhalb von Ras Alhague sieht man Ras Algethi, den Hauptstern des Herkules. Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden", da der Herkules meist als kniender Held dargestellt wird; er ist ein Roter Riese 3. Größe im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks, das auch Herkulestrapez heißt. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi und erreicht gerade noch 3. Größe. In der vierten Ecke dieses Trapezes befindet sich ein unauffälliger Stern gerade noch 4. Größe, das ist epsilon Herculi. - Eta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren und epsilon Herculi ist ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Im Herkules-Trapez kann man den bekannten Kugelsternhaufen M13 finden: geht man von Rutikulus am zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzter Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13. Er ist ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

Geht man schließlich vom hellsten Herkulesstern Rutikulus an Sarin vorbei ungefähr gleichviel weiter, so gelangt man zu einem weiteren Herkulesstern 3. Größe namens mue Herculi. Dieser ist wie unsere Sonne und die beiden hellsten Herkulessterne Rutikulus und zeta Herculi ein gelber Stern, wie zeta Herculi im Abstand von rund 30 Lichtjahren. Von hier gelangt man auch sehr einfach zur hellen Wega: betrachtet man die vier Sterne zeta und pi Herculi sowie Sarin und mue Herculi und verlängert man diese beiden Linien etwa zweimal nach oben, so findet man dort ungefähr in der Mitte die helle Wega. Ein weiterer sehr einfach auffindbarer Herkulesstern steht im Norden des Sternbildes in der Drachenkopf-Raute auf der Wega-zugewandten Seite, das ist iota Herculi. Er erreicht beinahe die 3. Größe und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 500 Lichtjahren.

Man kann auch über die helle Wega und den Drachenkopf in die nördlichen Teile des Sternbildes Herkules gelangen. Am einfachsten bildet man ein fast gleichseitiges Dreieck aus der hellen Wega in einer Ecke und den beiden hellsten Sternen Ettanin und Alwaid im Drachenkopf in der zweiten Ecke. In der dritten Ecke rechts oben findet man dann den Stern pi Herculi; man kann ihn auch finden, indem man vom hellsten Drachenstern Ettanin rund eineinhalb mal über iota Herculi in der Drachenkopf-Raute verlängert.

Das Sternbild des Herkules wird oftmals als ein auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, welches sich zwischen der Nördlichen Krone und der Wega befindet und das aus dem Herkulestrapez mit dem zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi und pi Herculi besteht sowie den beiden Sternen Rutikulus und Sarin. Der Hauptstern Ras Algethi des Herkules indes steht etwas abseits neben Ras Alhague, dem Hauptstern des Schlangenträgers, auf den die große Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel weist, und der Herkulesstern iota Herculi steht in der Drachenkopf-Raute auf der Herkules-zugewandten Seite.

2.8 Die Cassiopeia und der Kepheus sowie die nördlichen Teile des Fuhrmannes, der Zwillinge und des Perseus

Das Sternbild der Andromedamutter Cassiopeia steht auf der anderen Seite vom Polarstern als der Große Wagen. Es steht im Juni unter dem Polarstern über dem Nordhorizont und kann nur bei klarer Horizontsicht gesehen werden; es sieht wie ein großes W aus und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von rechts. Das Wort Schedir hat denselben Ursprung wie der Schwanenstern Sadir. Der obere rechte Cassiopeiastern heißt Caph und der mittlere Cassiopeiastern heißt Cih. Diese drei Sterne erreichen die 2. Größe. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren.

Geht man von Caph über Schedir ungefähr fünfmal weiter, so gelangt man zum Hauptstern Alderamin des Kepheus. Dieser ist ebenfalls ein Stern 2. Größe.

Zu Monatsbeginn kann man nach Sonnenuntergang im Nordwesten den Hauptstern des Fuhrmannes, das ist die Capella, die 0. Größe hell ist, erkennen. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen trägt der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein. Man kann sie auch finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch geht. Die helle Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Links oberhalb der Capella steht der zweithellste Fuhrmannstern Menkalinan, ein Stern heller als 2. Größe. Das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Jahren. Auch Menkalinan gehört zum Bärenstrom und ist wie die Gemma nur rund zwei Zentrumsdurchmesser von den Zentralsternen entfernt; in diesem nahen Bärenstrom-Bereich ist Menkalinan nach Alioth, dem ersten Deichselstern nach dem Wagenkasten, auch absolut dessen zweithellster Stern.

Weiter links oberhalb des Fuhrmann kann man die beiden Sterne der Zwillinge nebeneinander sehen, zunächst Castor und links neben ihm dann Pollux. Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren, Pollux ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Beide erreichen die erste Größe.

Geht man von Menkalinan nach unten zum Horizont, so sieht man den Fuhrmannstern Borgadus; er erreicht beinahe 2.Größe und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Sein nicht mehr verwendeter arabischer Name Mahasim bedeutet "Handgelenk (des Fuhrmannes)". Bei sehr guter Horizontsicht kann man auch noch den Stern Almaaz unterhalb der Capella erkennen; er erreicht die dritte Größe und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 2000 Lichtjahren. Almaaz bedeutet "Ziegenbock" und ist der Ziegenpapa. Geht man nun diagonal nach links gleichviel weiter, so sieht man dort bei sehr klaren Sichtbedingungen über dem Horizont zwei Sterne übereinander, das sind die beiden Ziegenkinder
Die Schedir an der zweiten Stelle von rechts markiert die Brust der Cassiopeia, sie ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Der rechte Cassiopeiastern Caph bedeutet "die ausgestreckte Hand (der Plejadenbüste)", er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren, und der mittlere Cassiopeiastern Cih ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 800 Lichtjahren. Der vierte Cassiopeiastern heißt Ruchbah, das bedeutet "Knie (der Cassiopeia)"; er ist ein weißlicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von 100 Lichtjahren, und der fünfte Cassiopeiastern Segin ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 400 Lichtjahren; auch die Bedeutung seines Namens ist nicht überliefert. Segin erreicht 3. Größe. - Alderamin ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren und bedeutet "rechter Arm".

Perseus und die angrenzenden Sternbilder
In Verlängerung vom mittleren Stern Cih des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" gelangt man tief über dem Nordhorizont zu einem Stern beinahe 1. Größe, das ist Mirfak, der Hauptstern des Perseus. Mirfak heißt "Ellbogen (der Plejadenbüste)" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Bei ausgezeichneter Horizontsicht kann man rechts und links oberhalb von Mirfak je einen Stern dritter Größe sehen: gamma Persei in Richtung Cassiopeia ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren und delta Persei auf der anderen Seite ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 500 Lichtjahren.

Im nördlichen Teil des Perseus befindet sich auch das "Schatzkästlein der Milchstraße", das sind zwei nebeneinander liegende benachbarte Sternhaufen. Sie heißen "h und chi Persei" und können bei guten Sichtbedingungen schon von bloßem Auge gesehen werden. Aus der Tradition der Plejadenbüste wurden sie als Misam bezeichnet, das bedeutet "Handwurzel (der Plejadenbüste)". Beide Sternhaufen sind ungefähr 7500 Lichtjahre entfernt. Man findet sie sehr einfach: neben gamma Persei, dem rechten Bogenstern, befindet sich ein Stern 4. Größe namens tau Persei. Nun geht man einfach von Mirfak aus durch das Tor, das von gamma und tau Persei aufgespannt wird, in Richtung Cassiopeia hindurch gut gleichviel weiter, dann gelangt man schon zu h und chi Persei. Tau Persei ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren.

Eta Persei ist ein Roter Riese, der über 1300 Lichtjahre entfernt ist; er bildet mit dem rechten Bogenstern gamma Persei und tau Persei ein rechtwinkiges Dreieck in Richtung Schatzkästlein der Milchstraße. Dieser Stern wird manchmal auch Miram genannt und erreicht beinahe die 3.Größe.

Man kann auch von der Cassiopeia herkommend den Weg zu Mirfak nutzen, der über die Verlängerung des 3. und 4.Cassiopeiasterns führt; etwa in dreifachem Abstand der beiden gelangt man ebenfalls zu h und chi Persei.

Rechts neben der Andromedamutter Cassiopeia befindet sich das Sternbild des Andromedavaters Kepheus. Man kann es sich am einfachsten als ein Haus mit Dach vorstellen. Sein Hauptstern Alderamin wurde schon vorgestellt, er ist ein Stern 2. Größe, der an der rechten unteren Ecke des Hauses steht. Man findet ihn in ungefähr fünffacher Verlängerung der beiden Cassiopeiasterne Caph über die Schedir hinaus. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. An der oberen rechten Ecke des Kepheus-Hauses befindet sich neben Alderamin ein Stern 3. Größe, das ist Alfirk, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde".

Schräg oberhalb von Alfirk steht an der Dachspitze des Kepheus-Hauses. Gar nicht weit entfernt vom Polarstern, der Stern Alrai, der ebenfalls 3. Größe erreicht. Alrai bedeutet "Schäfer"; er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin. - Die übrigen Kepheussterne erreichen ebenfalls noch gerade 3. Größe. An der linken oberen Hauskante befindet sich der Stern iota Cephei, ein Roter Riese, der gut doppelt so weit entfernt ist wie Alderamin und Alrai, und an der unteren linken Hauskante der Stern Al Radif. Dieser ist aber viel bekannter unter seinem wissenschaftlichen Namen "delta Cephei", hat er doch einer ganzen Klasse veränderlicher Sterne, mit deren Hilfe man Abstandsmessungen nahegelegener Galaxien durchführen kann, indem man anhand ihrer Lichtkurve auf ihre wahre Helligkeit schließen kann, seinen Namen gegeben. Er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von rund 900 Lichtjahren.

Sei auch der bekannte "Granatstern" genannt: etwas unterhalb der Mitte des Bodens dieses Hauses, also unterhalb der Linie Alderamin - delta Cephei, sieht man den Stern Erakis; dieser ist ein Roter Riese und hat im Feldstecher eine tiefrote Farbe und wird deswegen Granatstern genannt. Erakis ist über 5000 Lichtjahre von uns entfernt und trotzdem ein Stern beinahe dritter Größe.

Geht man die Verlängerung vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis über Aldhibah zu Al Tais gleichviel weiter, so gelangt man zu Alderamin, dem Hauptstern des Kepheus. Die beiden hellsten Kepheussterne Alderamin und Alfirk bilden mit dem vierthellsten Drachenstern Al Tais nach außen ein rechtwinkliges Dreieck.

2.9 Ab der Monatsmitte: die nördlichen Sterne des Schützen und des Pegasus

Verlängert man ab der zweiten Monatshälfte das Himmelslineal über Sabik hinaus, so gelangt man zu den nördlichen Teilen des Sternbildes des Schützen. Zunächst erreicht man in doppelter Verlängerung von Han am unteren Ende des Himmelslineals über Sabik hinaus einen Stern beinahe 2. Größe namens Kaus Borealis und dann in dreifacher Verlängerung von Han über Sabik hinaus den Stern Nunki, der 2. Größe erreicht und der der hellste Stern in diesem Himmelsareal ist. Etwas links oberhalb von Nunki, in Richtung des Adlersternes Atair, steht der Stern Albalda, der wie Kaus Borealis die zweite Größe nur knapp verfehlt.

Kaus Borealis heißt "nördlicher Stern des Bogens" und ist ein Roter Riese im Abstand von 80 Lichtjahren, Nunki bedeutet "göttlicher Ort der Erde" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 220 Lichtjahren und Albalda links oberhalb in Richtung Atair bedeutet "Axt"; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 450 Lichtjahren. Gegen Monatsende kann man rechts unterhalb von Nunki einen weiteren Schützenstern sehen, das ist die Askella und bedeutet "Achsel". Sie ist ein weißlicher Stern knapp 2. Größe im Abstand von 90 Lichtjahren.

Spiegelt man die helle Wega in der Mitte an der Achse Deneb - Atair, so gelangt man zum hellsten Pegasusstern Enif, der die 2.Größe erreicht. Das Sommerdreieck und Enif bilden ein Parallelogramm. Spiegelt man die helle Wega senkrecht an der Achse Deneb - Atair, das ist knapp neben Deneb, so gelangt man zum zweithellsten Pegasusstern Scheat, der gleich hell ist wie Enif, und rechts über ihm zum Stern Sadmatar, einem Stern 3.Größe.

Enif ist ein Roter Riese im Abstand von 700 Lichtjahren und heißt "Nase (des Pegasus)", Scheat bedeutet "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, und Sadmatar ist wie unsere Sonne ein gelber Stern 3.Größe im Abstand von gut 200 Lichtjahren; Sadmatar bedeutet "Glücksgestirn des Regens".

Scheat befindet sich in einem fast gleichseitigen Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen gerade noch dritter sowie vierter Größe besteht. Scheat steht an der linken Ecke dieses kleinen Dreiecks. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks ist Sadmatar. Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Sein Nachbarstern ist lamda Pegasi; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Verlängert man die untere Dreieckslinie von Scheat über die Ecke, in der Sadalbari und lamda Pegasi stehen, hinaus viermal, so gelangt man ebenfalls zum hellsten Pegasusstern Enif.

3. Die Mondstationen am Abendhimmel

3.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, denen die Sonne im Verlaufe des Jahres ihren Besuch abstattet, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach Sterngruppen nahe beieinander stehender Sterne. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass damals aufgrund der sehr viel klareren Luft auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht; das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

3.2 Die drei hellen Mondstationen im Sternbild Löwe

Das Sternbild des Löwen hat drei Mondstationen, die einfach zu finden sind:

Al-gabba hat der Algieba ihren Namen verliehen und besteht aus der Linie Adhafera - Algieba - eta Leonis und Regulus; in der indischen Tradition wird nur Regulus verwendet und heißt dort "der Große".

Az-zubra besteht aus den beiden Sternen Duhr und Coxa der mittleren Löwenachse; der Name dieser Mondstation ist dann auf den Löwenstern Subra im rechtwinkligen Dreieck eta Leonis, Regulus und Subra übergegangen. In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der frühere Rötliche" übersetzt.

Die Mondstation As-sarfa schließlich besteht aus der Denebola beim Schwänzchen des Löwen, dies bedeutet der "Wechsel (des Wetters)". In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der spätere Rötliche" übersetzt.

3.3 Die Mondstationen im Sternbild Jungfrau

Die erste Mondstation der Jungfrau heißt al-auwa und hat dem Stern Minelauva seinen Namen gegeben. Al-auwa besteht aus dem Jungfraubogen, der von Vindemiatrix, Minelauva und Porrima gebildet wird. Wenn man nun von Porrima rechtwinklig in Richtung Regulus im Löwen geht, so gelangt man in gleichem Abstand wie Vindemiatrix zu einem gleichhellen Stern wie Porrima namens Alaraph. Dieser ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren. Dazwischen etwas nach unten eingerückt steht ein fast gleichheller Stern namens Zaniah. Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 250 Lichtjahren. Zaniah bedeutet "Ecke (des bellenden Hundes)". In der indischen Tradition wurden anstelle des Jungfraubogens die fünf Sterne des Raben als Mondstation verwendet.

Al-auwa bedeutet "in dem Winkel des Käf"; Käf ist ein arabischer Buchstabe, dem die Sterne dieser Mondstation ähneln. Eine andere Lesart übersetzt diesen Namen "mit bellenden Hunden", so dass diese 5 Sterne fünf Hunde darstellen, die dem Löwen hinterher bellen.

Die zweite Mondstation der Jungfrau heißt as-simak und wird von der hellen Spica gebildet. As-simak bedeutet "die beiden, die hoch sind"; gemeint sind damit Arktur und Spica in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen; diese Bezeichnung ist später auf Azimech, den arabischen Namen der Spica, übergegangen. In der indischen Tradition heißt sie "die Helle".

Die dritte Mondstation der Jungfrau heißt al-gafr und wird von den drei unauffälligen Sternen Syrma, kappa Virginis und Khambalia gebildet, die 4. Größe erreichen und nur bei sehr guter Südsicht gesehen werden können. Al-gafr heißt "die Bedeckung". Sie befindet sich zwischen der Spica und den drei hellsten Waagesternen und ist wie eine Deichsel geformt. Der oberste Stern dieser Mondstation heißt Syrma und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren. Syrma bedeutet "Kleiderschleppe". Zur Syrma gelangt man auch, wenn man vom mittleren Stern Minelauva der Jungfrau-Deichsel ausgehend über die Heze gleichweit weitergeht. Schräg unter der Syrma steht kappa Virginis, ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren, und der unterste Stern dieser Mondstation ist Khambalia, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Khambalia bedeutet "Hakenklaue". - In der indischen Tradition wird hier der helle Stern Arktur als Mondstation verwendet und heißt "Schwert der Unabhängigkeit".

3.4 Die Mondstation der Waage

Die Mondstation in der Waage heißt az-zubana; aus diesem Namen ist der Sternname Acubens entstanden. Acubens bedeutet "Schere / Zange des Skorpions". Diese Mondstation besteht aus den beiden hellsten Waagesternen Zuben-el-schemali und Zuben-el-genubi, der nördlichen und der südlichen Klaue des Skorpions. Wenngleich das Sternbild der Waage eher unauffällig ist, so gehören diese beiden Sterne zusammen mit Akrab und der Dschubba, den beiden oberen Sternen der vorderen Dreiergruppe des Skorpions, welche die nächste Mondstation bildet, zu den vier hellsten Sternen der Region zwischen der Spica und Antares.

In der indischen Tradition wurden noch zwei weitere unauffällige Waagesterne 4. und gerade noch 4. Größe zu dieser Mondstation gezählt: der Stern Zuben-el-Akrab steht knapp in der Mitte zwischen dem hellsten Waagestern Zuben-el-schemali an der nördlichen Skorpionklaue und dem Skorpionstern Akrab am oberen Ende der vorderen Skorpion-Dreiergruppe, und der Stern iota Libri bildet mit den drei anderen Sternen dieser Mondstation beinahe ein Rechteck. - Sei auch noch theta Libri, ein Stern beinahe 3. Größe genannt, der nicht zur Mondstation dazugezählt wird; zu ihm gelangt man von Zuben-el-schemali zu Akrab gehend kurz nachdem man Zuben-el-Akrab erreicht hat.

Zuben-el-Akrab ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren, iota Libri ein weißlicher Stern im Abstand von fast 380 Lichtjahren und der hellste dieser drei Sterne, theta Libri, ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Der Name dieser indischen Mondstation lautet "wie eine Gabel geformt".

3.5 Die beiden ersten Mondstationen des Skorpions

Die erste Mondstation des Skorpions heißt al-ikil und wird durch die vordere Dreiergruppe des Skorpion, die aus Akrab, Dschubba und pi Scorpii besteht, gebildet. Al-ikil bedeutet "die Krone auf der Stirn des Skorpion". In der indischen Tradition heißen diese Sterne "Apostel des göttlichen Funkens".

Die zweite Mondstation des Skorpions heißt al-qalb, das bedeutet "Herz des Skorpions". Sie wird vom Hauptstern des Skorpion, von Antares gebildet. In der indischen Tradition werden neben Antares auch seine beiden Nachbarsterne sigma und tau Scorpii verwendet, sie haben den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Riesensterne; der linke im Abstand von 430 Lichtjahren, der rechte knapp doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren. In der indischen Tradition heißt diese Mondstation "der Älteste".

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Einführung in die Mondstationen

4. Monatsthema: Neues aus Sonnennähe

4.1 Einleitung

In den vergangenen Jahren sind die Beobachtungsmethoden immer weiter verbessert wurden, so dass in der Astronomie zahlreiche Neuentdeckungen möglich waren; im sonnennahen Bereich, das sind die Sterne näher als 16.3 Lichtjahre, wurden weitere Braune Zwerge und Exoplaneten entdeckt. Bis vor fast 20 Jahren war das der einzige Bereich, in dem Abstände systematisch vermessen werden konnten und bekannt waren. Dies geschah mithilfe von hochpräzisen Winkelmessungen, bei denen man dasselbe Phänomen nutzte, welches man bemerkt, wenn man wenige hundert Meter vor einem Baum steht und hin- und hergeht: dann sieht man, dass sich der Baum vor dem Landschaftshintergrund ebenso her- und hin zu bewegen scheint. Indem man nun die Länge der Basislinie, auf der man hin- und hergeht, kennt und an den beiden Endpunkten die Winkel zum Baum, kann man den Abstand des Baumes berechnen. Natürlich sind die Sterne viel zu weit entfernt, als das man eine Bewegung vor dem Sternenhintergrund durch einfaches Hin- und Hergehen einiger Meter auf der Erde messen könnte; doch da sich ja die Erde um die Sonne bewegt, kann man den Abstand Erde - Sonne - Erde ein halbes Jahr später als Basislinie verwenden. Sonnennahe Sterne bewegen sich dann über eine Fünftel Winkelsekunde und das kann man messen. - Seit der Mission des Hochpräzisionssatelliten HIPPARCOS kennt man die Sternabstände bis zu einigen hundert Lichtjahren ebenfalls präzise.

In Sonnenumgebung kennt man rund 70 Sterne; nur 11 von ihnen kann man unter guten Sichtbedingungen mit bloßem Auge sehen: das sind der helle Sirius, ein weißlicher Stern, Procyon, ein weißgelblicher Stern, dann alpha Centauri A, unsere Sonne und tau Ceti, die gelbe Sterne sind sowie alpha Centauri B, epsilon Eridani, 40 Eridani A, epsilon Indi und die beiden Sterne von 61 Cygni, die allesamt orange Hauptreihensterne sind. Außerdem gibt es auch 5 Weiße Zwergsterne in dieser sonnennahen Region, das sind Sterne, die ihr Hauptstadium schon hinter sich haben und die früher einmal helle Sterne waren. Es sind dies die Partnersterne des Sirius, des Procyon und 40 Eridani A, der ja der zuerst entdeckte Weiße Zwerg überhaupt war, sowie ein Stern namens Van Maanen's Stern und ein Stern namens GJ 440. Diese Sterne waren während der Zeit, als sie noch normale Sterne waren, allesamt heller als unsere Sonne und die beiden Weißen Zwerge Sirius B und GJ 440 waren damals sogar blauweißliche Sterne und wären heute zusammen mit Van Maanen's Stern die drei hellsten Sterne in dieser Region.

Einteilung der Sterne in Farben und Helligkeit: In der Hauptreihe gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der Sternhelligkeit (Sonne = 1) und der Sterntemperatur (Grad Klevin). Die Weißen Zwerge und Roten Riesen sind Ausreißer aus dieser Reihe.
Die anderen derzeit bekannten sonnennahen Sterne sind noch zwei weitere orange Hauptreihensterne sowie rund 50 rote Zwergsonnen und 14 Braune Zwerge. Kein einziger von ihnen ist von bloßem Auge sichtbar. Braune Zwerge sind extrem lichtschwach und können auch mit heutigen Mitteln nur äußerst schwer beobachtet werden; es ist davon auszugehen, dass die meisten dieser Braunen Zwerge auch in Sonnennähe noch unentdeckt sind.

Wie schwach die überwältigende Mehrheit diese roten Zwergsonnen sind zeigt der Umstand, dass Proxima Centauri, der sonnennächste Stern überhaupt im Abstand von 4.2 Lichtjahren, nur in großen Fernrohren gesehen werden kann, und auch die zweitnächste rote Zwergsonne, Barnard's Stern im Abstand von 6 Lichtjahren, ebenfalls ein Fernrohr zur Beobachtung benötigt.

Proxima Centauri gehört zu den mittelschwachen roten Zwergsonnen, Barnard's Stern zu den mittelhellen. Nur zwei der helleren roten Zwergsonnen sind nahe genug, dass man sie bei guten Sichtbedingungen mit einem Feldstecher sehen kann, beide erreichen gerade noch 7. Größe: Lalande 21185 im Südlichen Fisch etwas unterhalb der Fomalhaut ist 8.3 Lichtjahre von uns entfernt und Lacaille 9352 im Großen Wagen in der Nähe des ersten Gazellensprunges ist 10.7 Lichtjahre von uns entfernt. Erstere hat vor einigen Jahren eine gewisse Bekanntheit erreicht, weil angeblich ein oder zwei Planeten um diese rote Zwergsonne entdeckt worden sind, jedoch konnten diese Planeten von unabhängigen Beobachtern nicht bestätigt werden.

4.2 Durchmesser von Sternen und Planeten

Der Durchmesser eines Sternes ist gerade dort, wo der Strahlungsdruck aus der Kernverbrennung, der den Stern auseinanderdrückt, und die Gravitationskraft, die den Stern zusammenzieht, im Gleichgewicht sind. Wenn kein Strahlungsdruck vorhanden ist, so erleidet ein Stern einen Gravitationskollaps, der für Sterne bis etwa 10.5 Sonnenmassen vom Pauli'schen Ausschließungsprinzip für Elektronen und für nicht allzu große Massen darüber vom Pauli'schen Ausschließungsprinzip für Neutronen gestoppt werden kann.

Im ersten Fall führt die Nukleosynthese je nach Ausgangsmasse zu leichten Weißen Zwergen, wenn nur das Wasserstoffbrennen, die erste Stufe der Nukleosynthese, gezündet werden kann, zu mittelschweren Weißen Zwergen, wenn auch das Heliumbrennen, die zweite Stufe der Nukleosynthese, gezündet werden kann, oder zu schweren Weißen Zwergen, wenn auch das Kohlenstoffbrennen, die dritte Stufe der Nukleosynthese, gezündet werden kann. - Im zweiten Fall entstehen Neutronensterne.

Planeten sind Gebilde, die viel weniger Masse als Sterne haben. Da bei solchen kleinen Massen der atomare Aufbau von elektromagnetischen Kräften bestimmt wird, die viel stärker als die Schwerkraft sind, erleiden Planeten auch ohne Strahlungsdruck keinen Gravitationskollaps. Ab einer genügend großen Masse jedoch dominiert die Schwerkraft, so dass die uns vertraute atomare Struktur zusammenbricht und der Himmelskörper einen Gravitationskollaps erleidet, der erst vom Pauli'schen Ausschließungsprinzip für Elektronen gestoppt werden kann. Somit sind aus physikalischer Sicht auch stellare Superplaneten mit der uns vertrauten atomaren Struktur sowie ultraleichte Weiße Zwerge, die nach einem Gravitationskollaps aus Wasserstoff bestehen, denkbar.

Zudem strahlen die drei massereichsten Planeten unseres Sonnensystems, das sind der Jupiter, der Saturn und der Neptun, mehr Energie ab als sie von der Sonne empfangen, so dass sich die Frage stellt, ob sie aus physikalischer Sicht Planeten oder irgendwie zu kleine und deswegen verhinderte Sterne sind.

4.3 Unterschied zwischen Planeten und Sternen: stellare Superplaneten und ultraleichte Weiße Zwerge

Die leichtest möglichen Sterne sind schwache Rote Zwergsonnen und haben mindestens 0.08 Sonnenmassen; bei ihnen kommt es zum Wasserstoff-Kernbrennen zu Helium, womit sie einen Strahlungsdruck erzeugen können. Es besteht aber die Möglichkeit, dass masseärmere Körper zwischen 0.01 und 0.06 Sonnenmassen wenigstens vorübergehend einen Strahlungsdruck erzeugen können, indem sie schweren Wasserstoff (Deuterium) zu Helium fusionieren. Hier liegt die Abgrenzung zu Planeten, welche per definitionem Körper sind, die niemals selber "geschienen" haben, das bedeutet, dass sie aufgrund ihrer zu geringen Masse niemals Energie aus der Umwandlung von Atomkernen gewinnen konnten.

Körper zwischen 0.06 und 0.08 Sonnenmassen können zusätzlich vorübergehend Lithium zu Helium verbrennen, dies ist übrigens eine Kernspaltung.

Woher kommen der Wasserstoff, das Deuterium und das Lithium ? - Die Urknall-Theorie sagt voraus, dass beim Urknall vor allem Wasserstoff, schwerer Wasserstoff (Deuterium), Helium sowie Lithium erzeugt wurden; somit waren diese Stoffe für die Sternbildung bereits von Anfang an vorhanden. Während normale Sterne und schwere Braune Zwerge ihre Lithiumvorräte rasch verbrennen, bleibt dieses Element in den genügend leichten Braunen Zwergen bestehen.

Zwischen 0.01 und 0.08 Sonnenmassen sind Körper denkbar, die zwar keine Sterne sind, die aber auch keine Planeten mehr sind. Da diese Körper nur schwach scheinen, nennt man sie Braune Zwerge. Sowohl das Kernbrennen von schwerem Wasserstoff als auch das Kernverbrennen des Lithiums sind nur von kurzer Dauer; danach hat der Braune Zwerg keinen Strahlungsdruck mehr. Deswegen spricht man bisweilen auch von "verhinderten" Sternen. - Am unteren Ende der Massenskala von Braunen Zwergen dominieren wie bei den Planeten die elektromagnetischen Kräfte, am oberen Ende der Massenskala von Braunen Zwergen indes dominiert wie bei den Weißen Zwergen das Pauli'schen Ausschließungsprinzip für Elektronen.

Da sie keinen Strahlungsdruck mehr haben, stürzt der Braune Zwerg, wenn er genügend Masse hat, so dass die atomare Struktur zusammenbricht, unter seiner eigenen Schwerkraft zusammen und es verbleibt physikalisch ein ultraleichter "Weißer Zwerg" aus Wasserstoff, der langsam auskühlt. Diese Sterne sind nie richtige Sterne gewesen, weil sie nicht genügend Masse hatten, um ein Wasserstoffbrennen starten zu können.

Die leichten Braunen Zwerge hingegen sind aus physikalischer Sicht eigentlich sehr schwere Planeten, die genügend Masse haben, um kurzfristig Kernprozesse zünden zu können.

Man beachte, dass diese beiden anschaulichen Begriffe des stellaren Superplaneten und des ultraleichten Weißen Zwerges zwar die Physik dieser Himmelskörper beschreiben, aus astronomischer Sicht aber ihre Entstehungsgeschichte außer acht lassen, so dass diese Himmelskörper deswegen eine eigenständige Klasse der Braunen Zwerge bilden.

4.4 Spektralklassen von Braunen Zwergen

Junge schwere Braune Zwerge kann man kaum von roten Zwergsonnen unterscheiden und haben auch dieselbe Spektralklasse wie diese. Sobald sie auskühlen, verändert sich ihr Spektrum zur Spektralklasse L und bei weiterer Auskühlung zur Spektralklasse T.

Junge leichte Braune Zwerge sind vom Spektraltyp L und sobald sie auskühlen, verändern sie ihr Spektrum zur Spektralklasse T. Wenn diese Braunen Zwerge weiter auskühlen, erreichen sie das Ende der Spektralklasse T.

Ultrakühle Braune Zwerge sind solche, die weniger als 250° warm sind, sie gehören zur Spektralklasse Y. Der Nachweis solcher kühlen Sterne indes ist aufgrund ihrer schwachen Leuchtkraft außerordentlich schwierig und erst vor zwei Jahren konnte man mit dem WeltraumteIeskop WISE, das infrarote Strahlung misst, die ersten 6 von ihnen entdecken. Der kühlste von ihnen, WISEP J1828+2650, erreicht gerade einmal Zimmertemperatur; dieser Braune Zwerg ist rund 30 Lichtjahre von uns entfernt.

4.5 Beobachtungen

Der Braune Zwerg bei Gliese 229B. Hubble Teleskop
Der erste Braune Zwerg wurde 1988 als Begleiter des Weißen Zwerges GD 165, der 120 Lichtjahre entfernt ist, entdeckt, er ist der Prototyp für die mittelkühle Spektralklasse L. Im Jahre 1995 wurde ein Begleiter um den Stern Gliese 229, der 19 Lichtjahre entfernt ist, entdeckt, welcher Lithiumlinien in seinem Spektrum aufweist. Er ist der Prototyp für die kühle Spektralklasse T.

Die beiden sonnennächsten Braunen Zwerge wurden Ende vergangenen Jahres entdeckt, sie bilden ein Doppelsternpaar zweier Brauner Zwerge im Abstand von nur 6.5 Lichtjahren und sind somit das drittnächste bekannte Sternsystem von der Sonne. Diese beiden Sterne heißen WISE J1049-5319 A und WISE J1049-5319 B, und gehören beide zur mittelkühlen Spektralklasse L.

Der dritt- und viertnächste Braune Zwerg befinden sich im Abstand von gut 11 Lichtjahren, das ist WISEPC J1506+7027 von der kühlen Spektralklasse T sowie der ultrakühle Braune Zwerg WISEPC J1405+5534 von der Spektralklasse Y.

Als nächstes folgen im Abstand von fast 12 Lichtjahren die beiden Braunen Zwerge, die den sonnennahen Stern epsilon Indi begleiten, dessen Hauptstern auf der Südhalbkugel von bloßem Auge sichtbar ist. Beide gehören zur kühlen Spektralklasse T.

Geringfügig weiter entfernt befindet sich der siebtnächste Braune Zwerg, das ist WISE J0350-5658 von der ultrakühlen Spektralklasse Y.

Ein halbes Lichtjahr weiter entfernt befindet sich im Abstand von gut 12.5 Lichtjahren der Braune Zwerg SCR 1845-6357 B, der eine schwache rote Zwergsonne begleitet. Auch er gehört zur kühlen Spektralklasse T.

Im Abstand von rund 13.5 Lichtjahren befinden sich zwei weitere alleinstehende Braune Zwerge, das sind UGPS 0722-0540 von der kühlen Spektralklasse T und WISE 0410+1502 von der ultrakühlen Spektralklasse Y. Diese sind die derzeit bekannten zehn nächstgelegenen Braunen Zwerge; der früher ebenfalls in diesem Abstand vermutete ultrakühle Braune Zwerg WISEP J1541-2250 indes ist rund 5 Lichtjahre weiter entfernt und liegt somit außerhalb vom sonnennahen Bereich.

Im sonnennahen Bereich befinden sich 4 weitere Braune Zwerge, allesamt alleinstehend, das sind im Abstand von rund 16 Lichtjahren die Braunen Zwerge WISE 0254+0223 und DEN 0817-6155, die beide zur kühlen Spektralklasse T gehören, der Braune Zwerg DEN 0255-4700 der mittelkühlen Spektralklasse L und ein erst kürzlich entdeckter ultrakühler Brauner Zwerg namens WISE J1639-6847.

Die Angaben über Braune Zwerge wurden der Wikipedia sowie folgenden Publikation entnommen:

1) "Further Defining Spectral Type "Y" and Exploring the Low-mass End of the Field Brown Dwarf Mass Function" von D.Kirkpatrick, C.Gelino, M.Cushing, G.Mace, R.Griffith et al.

(2) "Parallaxes and Proper Motions of Ultracool Brown Dwarfs of Spectral Types Y and Late T", K.Marsh, E.Wright, D.Kirkpatrick, C.Gelino, M.Cushing, R.Griffith et al.

(3) WISE J163940.83-684738.6: A Y Dwarf identified by Methane Imaging (C.Tinney, J.Faherty, D.Kirkpatrick, E.Wright, C.Gelino, M.Cushing, R.Griffith et al.).

4.6 Geschichtliches zu den Exoplaneten

Bekanntlich hat unsere Sonne acht große Planeten und zahlreiche Zwergplaneten und Planetoiden und da stellt sich die Frage, ob andere Sterne ebenfalls Planeten haben und möglicherweise sogar eine "zweite Erde" um einen anderen Stern kreist. Solche Planeten um einen Stern werden "Exoplaneten" genannt.

Tatsächlich haben sich Astronomen diese Frage schon vor langer Zeit gestellt und bis vor etwa 30 Jahren glaubte man irrtümlich, um einige Sterne einen planetaren Begleiter gefunden zu haben. Diese Beobachtungen wurden dann gründlichen Überprüfungen unterzogen und es stellte sich heraus, dass sich die Messergebnisse innerhalb der statistischen Fehlergrenzen befanden, so dass alle bis dahin vermeintlich entdeckten Exoplaneten wieder gestrichen werden mussten.

Seit 1990 konnten die Beobachtungsmethoden wesentlich verbessert werden.

4.7 Entdeckungsmethoden

Doppler-Effekt
Da Planeten sehr viel lichtschwächer als ihre Sonne sind und typischerweise unmittelbar neben ihr von ihr überstrahlt werden, hat man zunächst versucht, mit indirekten Verfahren Exoplaneten nachzuweisen. Die vielversprechendste Methode ist, Exoplaneten an minimalen Bahnschwankungen von Sternen, die von einem Begleitkörper verursacht werden, zu erkennen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten, dies zu tun: Man kann versuchen, ein periodisches Seitwärtstaumeln des Hauptsternes vor dem Sternenhintergrund zu messen oder man kann versuchen, im Spektrum des Sternes ein Taumeln nach vorne und hinten zu messen. Dies macht man folgendermaßen: Die chemischen Elemente in der Sternatmosphäre absorbieren eine bestimmte Wellenlänge im Lichtspektrum des Sternes, so dass man dort eine feine schwarze Linie sieht. Diese wird zu den höheren Frequenzen verschoben, wenn sich der Stern auf uns zubewegt und zu den tieferen Frequenzen, wenn sich der Stern von uns wegbewegt. Dieses Phänomen ist uns für Schallwellen wohlbekannt: Die Sirene eines Krankenwagens ertönt höher, wenn er sich nähert und ertönt wieder tiefer, wenn er vorbeigefahren ist und sich wieder entfernt. Das kommt daher, dass die Schallwellen ebenso wie die Lichtwellen bei Annäherung "zusammengedrückt" werden und beim Entfernen "auseinandergedehnt" werden.

Erstaunlicherweise kann man Spektren präziser messen als seitliche Taumelbewegungen und auch zahlreiche Doppelsterne hat man auf diese Weise entdeckt, wie beispielsweise die beiden gelben Hauptsterne der hellen Capella.

Prinzip der Entdeckung Nur durch die geringste (hier vielfach stärker dargestellte) Ablenkung des Zentralgestirns konnte auf den Planeten geschlossen werden. Quelle Wikipedia
Im Jahre 1995 ist es gelungen, anhand hochpräziser Messungen des Spektrums einen Planeten um den Stern 51 Pegasi nachzuweisen. Dieser hat rund eine halbe Jupitermasse und umrundet den Stern 51 Pegasi auf einer nahezu kreisförmigen Bahn in einem sechstel Merkurabstand. So nahe an seiner Sonne hatte man eigentlich keine Planetenfunde erwartet, doch im Laufe der Zeit wurden mit dieser Methode der hochpräzisen Spektrenvermessung zahlreiche weitere solcher extrem zentralsternnaher Planeten entdeckt. Allerdings lassen sich daraus keinerlei statistische Aussagen gewinnen, da man mit dieser Methode solche Planeten auch am einfachsten nachweisen kann.

Eine andere Methode, Exoplaneten indirekt nachzuweisen, geschieht über die seitliche Taumelbewegung des Hauptsternes; noch eine andere Methode, Exoplaneten nachzuweisen, erfolgt über periodische Helligkeitsschwankungen eines Sternes; dieses Verfahren geht ganz ähnlich wie bei Bedeckungsveränderlichen, bei denen zwei Sterne einander nahe umkreisen und sich gegenseitig bedecken. Ein bekanntes Beispiel für einen bedeckungsveränderlichen Stern ist ja Algol im Sternbild des Perseus. Dieses Verfahren wurde in den vergangenen Jahren mit Hilfe von Weltraumteleskopen wesentlich verbessert, gelingt allerdings nur bei Planeten, die aus Sicht der Erde vor dem Stern vorüberziehen. Gelegentlich kommt es übrigens auch vor, dass die Venus oder der Merkur vor der Sonne durchziehen und man das als schwarzen Punkt vor der Sonnenscheibe erkennen kann; man kann nicht oft genug erwähnen, dass solche Sonnenbeobachtungen wegen der Erblindungsgefahr grundsätzlich nur per Projektion auf ein Blatt Papier und niemals durch direkte Beobachtung in die Sonne, auch nicht durch eine Sonnenfinsternis-Brille (SoFi-Brille) getätigt werden dürfen. Planeten, die man so findet, nennt man Transitplaneten, und dank modernster Beobachtungs- und Auswertungstechnologie konnten in den vergangenen Jahren zahlreiche Exoplaneten auf diese Weise entdeckt werden.

Selten kommt es auch vor, dass ein Stern mitsamt seines Planeten hinter einem anderen Stern vorbeizieht und es zu einem Gravitationslinsen-Effekt kommt, das heißt, dass sich das Licht dieses anderen Sternes kurzfristig verändert. Anhand der Lichtkurve kann man dabei auch auf einen planetaren Begleiter schließen. Auf diese Weise konnten schon einige sehr weit entfernte Exoplaneten entdeckt werden; leider handelt es sich aber um einmalige Beobachtungsereignisse. Im März 2006 wurde auf im Rahmen dieser monatlichen Sternbildbeschreibungen eine solche Entdeckung beschrieben.

Der allererste Exoplanet wurde indes nicht um einen normalen Stern, sondern 1993 um den Pulsar PSR B1620-26 entdeckt. Pulsare sind Neutronensterne, also Überreste eines Sternes mit mindestens 10.5 Sonnenmassen nach einer Supernova. Aufgrund der sehr hohen Rotationsrate solcher Pulsare kann man geringfügige Schwankungen auch über große Entfernungen nachweisen.

Bei den direkten Verfahren versucht man, die Planeten selber zu fotografieren. Das gelingt dann, wenn der Stern selber sehr schwach ist oder wenn der Planet weit vom Stern entfernt ist. Im Jahre 2004 gelang es erstmals, einen Planeten um einen Braunen Zwerg zu fotografieren; dies war der 225 Lichtjahre entfernte Braune Zwerg 2M1207. Der Planet hat etwa vierfache Jupitermasse und umkreist den Braunen Zwerg vierzigmal weiter entfernt als die Erde unsere Sonne.

Der erste bestätigte Nachweis eines Planeten um einen sonnenähnlichen Stern gelang im Jahre 2008: um den Stern Fomalhaut im Sternbild des Südlichen Fisches konnte ein Planet fotografiert werden, der eine Masse von rund drei Jupitermassen hat und die Fomalhaut im Abstand von 113 Erdabständen umkreist. Dies ist weiter entfernt als der sonnenfernste Punkt der Eris, des früheren zehnten Planeten, die heute wie der ehemals neunte Planet Pluto als Zwergplanet katalogisiert ist.

4.8 Suche nach einer zweiten Erde

Der 20 Lichtjahre entfernte Rote Zwerg "Gliese 581", der vom neu entdeckten Planeten in nur 13 Tagen umrundet wird. Bild ESO
Bis heute sind fast 10'000 Exoplaneten bekannt und die Zahl weiterer Entdeckungen steigt rasch an; inzwischen sind die Beobachtungsmethoden weiter verbessert worden und man konnte sogar mehrere Exoplaneten mit Erdmasse und sogar einen Exoplaneten mit Mondmasse nachweisen. Das genügt aber noch nicht, um auch Lebensformen hervorbringen zu können - dazu muss sich der Exoplanet auch in der sogenannten habitablen Zone um seinen Stern befinden. Das ist der Bereich, in dem Temperaturen vorherrschen, bei denen Wasser in flüssiger Form vorkommt. Um den Stern Gliese 581, einer roten Zwergsonne in nur 20 Lichtjahren Entfernung, wurde ein Planet entdeckt, der nur eine geringfügig größere Masse als die Erde aufweist. Dieser Planet erhielt den Namen Gliese 581 g. Allerdings ist bei den dort herrschen Verhältnissen eher mit einer sehr dichten Atmosphäre zu rechnen, so dass dieser neu entdeckte Exoplanet eher einer zweiten Venus als einer zweiten Erde ähneln dürfte und entsprechend wenig lebensfreundliche Bedingungen zu erwarten sind.

Mitte Oktober wurde die Entdeckung eines erdgroßen Planeten um den nächstgelegenen Fixstern alpha Centauri bekanntgegeben. Dieser Planet umkreist den Partnerstern dieses Doppelsternsystems, einen Stern, der fast so groß ist wie unsere Sonne, in großer Nähe, nämlich in nur gut 3 Tagen; somit ist es auf diesem Planeten extrem heiß, so dass keinerlei Lebensformen dort zu erwarten sind. Somit kennt man im alpha Centauri-Sternsystem nun vier Mitglieder, nämlich die beiden großen Sterne alpha Centauri A und alpha Centauri B, die von den beiden weit entfernte Rote Zwergsonne Proxima Centauri, die genau genommen der nächst gelegene Fixstern von der Sonne ist, sowie nun neu einen erdgroßen Planeten, der um alpha Centauri B kreist.

Im Februar gelang es erstmals, um einen fremden Stern einen Planeten zu entdecken, der nur etwas größer als der Mond ist. Dieser Planet heißt Kepler-37b und ist vom Typ her eine Art kleiner heißer Merkur und umkreist seine Sonne in nur 13 Tagen, so dass auf seiner Oberfläche Temperaturen von 400°C zu erwarten sind. Seine Sonne ist etwas kleiner als unsere Sonne und ist gut 200 Lichtjahre entfernt. Sein Nachbarplanet, Kepler-37c, ist etwas kleiner als die Venus und umkreist diesen Stern in 21 Tagen. In diesem Planetensystem wurde auch ein dritter Planet entdeckt, der doppelt so schwer wie die Erde ist und seine Sonne in 40 Tagen umkreist. Alle drei Planeten konnten auch in dieser Entfernung entdeckt werden, weil sie regelmäßig vor ihrer Sonne vorüberziehen und ihre Helligkeit dabei jedesmal geringfügig schwächer wird. Alle diese Planetenbahnen liegen deutlich innerhalb der Merkurbahn unseres Sonnensystems; der Merkur benötigt fast 90 Tage für einen Sonnenumlauf.

4.9 Zusammenfassung Exoplaneten

Der nächste bekannte Exoplanet ist der erdgroße Planet um den Partnerstern des nächstgelegenen Fixsternsystemes alpha Centauri. Er läuft weit innerhalb der Merkurbahn und hat eine Umlaufzeit von gut 3 Tagen, während der Merkur eine Umlaufzeit von 88 Tagen aufweist.

Der zweitnächstgelegene bekannte Exoplanet befindet sich um den sonnennahen Stern epsilon Eridani; dieser ist etwas kleiner als unsere Sonne und ein gelboranger Hauptreihenstern im Abstand von gut 10 Lichtjahren. Sein Planet hat rund eineinhalb Jupitermassen und umläuft seine Sonne gut dreimal weiter entfernt als die Erde unsere Sonne. in knapp 7 Jahren.

Der drittnächstgelegene bekannte Exoplanet befindet sich um den Stern GJ 674, eine mittelschwere rote Zwergsonne im Abstand von fast 15 Lichtjahren. Dieser Planet ist gut zehnmal schwerer als unsere Erde und umläuft seinen Sonne wie der Planet um alpha centauri B weit innerhalb der Merkurbahn in knapp 5 Tagen.

Im sonnennahen Bereich kennt man noch 5 weitere Planeten; vier von ihnen wurden um den Stern GJ 876 entdeckt, das ist eine mittelleichte rote Zwergsonne im Abstand von gut 15 Lichtjahren, und einer wurde um den Stern GJ 832, eine mittelschwere rote Zwergsonne im Abstand von gut 16 Lichtjahren, entdeckt.

Die 4 Planeten um GJ 876 sind ungefähr so schwer wie die Erde, einer ist rund zehnmal so schwer. Dieser hat eine Umlaufbahn wie der Merkur, die übrigen haben kleinere Umlaufbahnen.

Der Planet um GJ 832 hat zwei Drittel Jupitermassen und umläuft seine Sonne ganz ähnlich wie der Planet von epsilon Eridani gut dreimal weiter entfernt als die Erde unsere Sonne in fast 10 Jahren.

Bis zum nächsten bekannten Exoplaneten muss man dann über 4 Lichtjahre aus dem sonnennahen Bereich herausgehen, dort wurden um den sonnenähnlichen Stern 82 Eridani drei und um die bereits oben genannte mittelleichte rote Zwergsonne Gliese 581 sechs Exoplaneten entdeckt. Bei allen diesen Exoplaneten handelt es sich um Planeten, die etwas schwerer als die Erde sind und die fast alle enger als der Merkur um ihre Muttersonne wandern. Bei 82 Eridani läuft der äußerste bekannte Planet, der ungefähr 5 Erdmassen hat, auf einer merkurähnlichen Umlaufbahn, und bei Gliese 581 hat der schwerste Planet 15 Erdmassen; nur der zweitschwerste bekannte Planet dieses Sternes, ein Planet mit rund 7 Erdmassen, umläuft seine Muttersonne außerhalb der Merkurbahn ungefähr im Abstand unserer Venus.

In manchen Darstellungen ist nach wie vor zu lesen, dass sich um die Zwergsonne Lalande 21185, die nur 8.3 Lichtjahre von uns entfernt ist, ein oder zwei Planeten befinden sollen, jedoch konnten diese Planeten von unabhängigen Beobachtern nicht bestätigt werden.

Ganz aktuell werden auch mehrere Exoplaneten um die beiden sonnennahen Sterne tau Ceti und epsilon Indi, die man beide von bloßem Auge sehen kann, vermutet; die Bestätigungen dieser Messungen stehen aber noch aus.

Es mag überraschen, dass sich von den mittlerweile 1000 bekannten Exoplaneten so wenige in Sonnennähe befinden, doch ist der Grund dafür sehr einfach: auch bei den Fixsternen befinden sich von allen von bloßem Auge sichtbaren Sternen lediglich 11 in Sonnennähe; das kommt daher, dass das bloße Auge nur die genügend hellen Sterne sehen kann und von denen gibt es in Sonnennähe gar nicht so viele. Auch bei den Exoplaneten gibt es solche, die sich mit den heutigen modernsten Beobachtungsmethoden einfacher finden lassen und von denen gibt es eben auch nicht so viele in Sonnennähe.

Die detaillierten Angaben über Exoplaneten wurden der Webseite "THE ONE HUNDRED NEAREST STAR SYSTEMS" by RECONS (Research Consortium On Nearby Stars) sowie der Wikipedia entnommen.

Mehr zu Himmelskörpern in der Nähe des Sonnensystems:

->
Neues über braune Zwerge
(September 2012) -> Weiße Zwerge und Magnetfelder
(Februar 2012) -> Weiße Zwerge
(Februar 2011) -> Sonnennahe Sterne

(Januar 2010)

5. Weitere Sterne dritter und beinahe dritter Größe

Die 5. Rubrik vervollständigt die Darstellungen der vorherigen Rubriken, so dass systematisch alle Sterne bis und mit beinahe dritter Größe vorgestellt sind. Diese Rubrik ist so gestaltet, dass in ihren beiden ersten Unterrubriken Sterne vorgestellt werden, die auch von weniger erfahrenen Beobachtern sehr einfach gefunden werden können.

5.1 Weitere Sterne der Nördlichen Krone und des Kleinen Wagen

Die Sterne der Nördlichen Krone bilden einen schönen Halbkreis um ihren Hauptstern Gemma. Rechts der Gemma kommt zunächst der Stern Nusakan, das heißt "die beiden Reihen"; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren; links neben der Gemma steht der Stern gamma Coronae Borealis, ein weißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren. Beide Sterne erreichen beinahe 3. Größe. Der Name Nusakan bezog sich ursprünglich auf benachbarte Sterne der Nördlichen Krone im Herkules und in der Leier, die wie zwei Reihen angeordnet waren, und wurde später für den zweithellsten Stern der Nördlichen Krone verwendet.

Die Nördliche Krone wird von zwei weiteren Sternen 4. Größe und einem Stern gerade noch vierter Größe vervollständigt, die man sehr einfach finden kann und die deswegen ebenfalls vorgestellt werden: in der rechten Reihe folgt nach Nusakan der Stern theta Coronae Borealis, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren, und in der linken Reihe folgt nach gamma Coronae Borealis zuerst der Stern delta Coronae Borealis gerade noch 4 . Größe und dann epsilon Coronae Borealis. - Delta Coronae Borealis ist ein gelblicher Stern im Abstand von 165 Lichtjahren und epsilon Coronae Borealis ein Roter Riese im Abstand von 230 Lichtjahren.

Der Kleine Wagen ist bei guten Sichtbedingungen sehr einfach zu finden, er ist indes nicht so auffällig wie der Große Wagen. Seine hellsten Sterne sind der vordere Deichselstern, das ist ja der Polarstern, sowie seine beiden hinteren Kastensterne Kochab und Pherkad. Meistens sieht man nur diese drei Sterne des Kleinen Wagens.

Von den inneren Sternen des Kleinen Wagen, das sind dessen beide vorderen Kastensterne sowie die beiden ersten am kleinen Wagenkasten befestigten Deichselsterne, erreichen drei die 4. Größe und einer die 5. Größe. Der hellste der inneren Sterne des Kleinen Wagen ist der Stern epsilon Ursae Minoris, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von rund 350 Lichtjahren. Er ist der erste Deichselstern nach dem kleinen Wagenkasten. In etwa gleichhell sind zeta Ursae Minoris, der vordere obere Kastenstern des Kleinen Wagen, ein weißlicher, geringfügig weiter entfernter Stern, sowie delta Ursae Minoris, der mittlere Deichselstern des Kleinen Wagen. Dieser Stern ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren und heißt auch Yildun, das bedeutet "(Polar-)Stern"; er diente türkischen Astronomen früher als Polarstern. Verbleibt der untere vordere Kastenstern eta Ursae Minoris, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 100 Lichtjahren.

Auch 5 Ursae Minoris erreicht die vierte Größe, er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 350 Lichtjahren. 5 Ursae Minoris steht fast auf der Linie der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, auf der anderen Seite von Kochab als Pherkad und etwas näher.

5.2 Weitere Sterne der Cassiopeia und des Kepheus sowie die Eidechse

In der Cassiopeia findet man noch zwei weitere Sterne gerade noch sowie beinahe dritter Größe: Achird steht zwischen dem Hauptstern der Cassiopeia, der Schedir, und dem mittleren Cassiopeiastern Cih, etwas näher an der Schedir; sie ist so hell wie der fünfte Cassiopeiastern Segin und wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von nur 20 Lichtjahren.



Achird bedeutet "Hüftgürtel". Auf der anderen Seite der Schedir sieht man einen Stern beinahe 3. Größe, das ist zeta Cassiopeiae; sie ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 600 Lichtjahren.

Im Kepheus gibt es zwei weitere Sterne dritter Größe: zeta Cephei befindet sich neben delta Cephei am linken Hausboden, etwas ins Hausinnere eingerückt. Er wird manchmal Tsao Fu genannt und ist ein Roter Riese im Abstand von über 700 Lichtjahren. Rechts außerhalb des Kepheus steht neben Alderamin der Stern eta Cephei, der manchmal auch Al Agemim genannt wird; auch er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 50 Lichtjahren.

Der Hauptstern der Eidechse erreicht gerade noch die 3. Größe, er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Man findet ihn, indem man die linke Hauskante des Kepheus von iota Cephei über delta Cephei gleichviel weitergeht und dann etwas weg vom Schwan geht.

5.3 Weitere Sterne des Bärenhüters und der Großen Bärin

Das komplette Sternbild der Großen Bärin. Alle im Text erwähnten Sterne sind auf der vergrösserten Darstellung bezeichnet.
Der Bärenhüter hat drei weitere Sterne gerade noch 3. Größe: biegt man von Arktur über Mirak nicht zur Gemma ab, sondern geht gleichviel weiter, so gelangt man zu delta Bootis; dieser ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren. Nekkar, der an der Spitze des Bärenhüters steht, also oberhalb zwischen Ceginus und delta Bootis, ist 220 Lichtjahre entfernt. Auch er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Nekkar stammt von al-baqqar und bedeutet "Ochsentreiber". Rho Bootis schließlich steht neben Mirak auf der Ceginus-Seite des Bärenhüters. Er ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Beinahe 3. Größe erreicht der Stern zeta Bootis; ihn findet man, wenn man in der Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel in Arktur rechtwinklig nach unten abbiegt, etwas näher als Mirak entfernt ist. Zeta Bootis ist ein Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 180 Lichtjahren, die beide zum Bärenstrom gehören.

Zwischen delta Bootis und Nekkar steht, etwas nach außen versetzt und näher an delta Bootis, der Stern Alkalurops, ein weißgelblicher Stern 4. Größe im Abstand von 120 Lichtjahren; Alkarulops bedeutet "Hirtenstab".

Auch Alioth hat einen "Augenprüfstern", er heißt 78 Ursae Maioris und erreicht beinahe die 4. Größe. Er ist ein weißgelblicher Stern ebenfalls im Abstand von rund 80 Lichtjahren und gehört zu den Zentralsternen des Bärenstromes, zu denen auch der Stern 37 Ursae Maioris in der Verlängerung der beiden unteren Kastensterne des Großen Wagen von Phekda über Merak rund die Hälfte weiter gehört. Auch er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von ungefähr 80 Lichtjahren; er ist absolut gleichhell wie der "Augenprüfstern" von Alioth, scheint aber aufgrund seiner geringfügig größeren Entfernung etwas weniger hell.

Neben dem Zentralstern 37 Ursae Maioris in der Verlängerung des unteren vorderen Kastensternes Phekda zu Merak über die Hälfte weiter steht ein Stern beinahe 4. Größe, das ist 36 Ursae Maioris; diesen findet man, indem man von Dubhe über 37 Ursae Maioris geringfügig weitergeht. 36 Ursae Maioris ist ein weißgelblicher Vordergrundstern auf halbem Wege, im Abstand von 42 Lichtjahren.

Ein weiterer theoretisch von bloßem Auge sichtbarer Zentralstern des Bärenstromes ist der Stern HR4867, der beinahe die 5. Größe erreicht; ihn findet man, wenn man vom unteren vorderen Kastenstern Phekda zum oberen vorderen Kastenstern Megrez und dann gleichviel weitergeht; auch HR4867 ist ein weißgelblicher Stern. Mit einem Feldstecher ist dieser Stern sehr einfach auffindbar.

Eine gewisse Prominenz hat auch der Ludwigsstern, ein Stern gerade noch 7. Größe, den man bei guter Sicht mit einem Feldstecher zwischen Mizar und Alkor etwas unterhalb sehen kann. Im 18.Jahrhundert wurde er irrtümlicherweise vorübergehend für einen Planeten gehalten; heute weiß man, dass er ein weißlicher Hintergrundstern im Abstand von über 350 Lichtjahren ist.

5.4 Der Drache

Der Drache ist neben dem Großen und Kleinen Wagen, der Cassiopeia und dem Kepheus das fünfte zirkumpolare Sternbild, welches mindestens einen Stern 2. Größe enthält. Obgleich zahlreiche Sterne einen Namen haben, ist es eher unbekannt, da es ein unübersichtliches Sternbild ist, das sich zwischen den beiden Himmelswagen hindurch schlängelt. In der Praxis wird man in den Drachen über den Drachenkopf gelangen, der ja die beiden Botensterne Ettanin und Alwaid der hellen Wega enthält.

Ein anderer bekannter Einstieg in den Drachen erfolgt über den prominenten Hauptstern Thuban zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen und der Deichsel des Großen Wagen, der sehr einfach zu finden ist; er ist zwar nur der achthellste Drachenstern, war aber vor rund 5000 Jahren unser Polarstern.

Einen wenig beachteten aber sehr einfachen Einstieg in dieses Sternbild bietet die "kleine Polarsternregel", die in dreifacher Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen vom helleren zum schwächeren, also von Kochab über Pherkad hinaus, zum zweithellsten Drachenstern eta Draconis, dem helleren der beiden Wolfssterne, führt.

Schließlich kann man auch über den Kepheus in den Drachen gelangen, indem man ein rechtwinkliges Dreieck seiner beiden Hauptsterne von Alderamin und Alfirk weg vom Kepheus bildet; dies führt zum vierthellsten Drachenstern Al Tais.

Und damit haben wir auch alle Zutaten für dieses Sternbild beisammen: der Drache besteht aus einem Kopf, aus einer ersten Schwanzwindung, einer zweiten Schwanzwindung und dem Schwanzende.

Ettanin und Alwaid befinden sich im Drachenkopf und bilden die beiden verschiedenfarbigen Augen, mit denen der Drache den benachbarten Herkules anstarrt; in der ersten Schwanzwindung befinden sich Al Tais und seine Nachbarsterne, in der zweiten Schwanzwindung die beiden Wolfssterne, also eta Draconis und Aldhibah, zusammen mit Edasich, und am Schwanzende finden wir Thuban sowie noch zwei weitere Sterne beinahe 3. Größe. In manchen Darstellungen befindet sich in Thuban eine weitere, dritte Schwanzwindung und nur die beiden hintersten Drachensterne werden als Drachenschwanz dargestellt.

Ettanin und Alwaid stehen in einer rautenförmigen Figur, das ist ein schiefes gleichseitiges Viereck. Die beiden anderen Sterne der Drachenkopf-Raute erreichen beinahe 3. Größe; der linke ist Grumium, ein Roter Riese im Abstand von gut 100 Lichtjahren, der rechte gehört schon zum Sternbild des Herkules und heißt iota Herculi; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 500 Lichtjahren. Grumium bedeutet "der Kiefer".

In der ersten Windung des Drachenschwanzes sehen wir vom Kopf ausgehend nach Al Tais zunächst den Stern Tyl, einen wie unsere Sonne gelben Stern beinahe 3. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren. Hier windet sich der Schwanz zurück zu chi Draconis, einem nahen weißgelblichen Stern gerade noch 3. Größe, der mit 25 Lichtjahren gleichweit entfernt ist wie die Wega. Tyl liegt knapp in der Mitte zwischen Al Tais und dem Kepheusstern Alfirk, und chi Draconis rund ein Drittel auf dem Weg von Al Tais zu Kochab, dem helleren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen.

Die drei Sterne eta Draconis, Aldhibah und Edasich der zweiten Drachenschwanzwindung wurden bereits vorgestellt, dem Drachenverlauf nach folgen sie in der Reihenfolge Aldhibah, dann der zweithellste Drachenstern eta Draconis und dann Edasich.

Geht man nun von Edasich am Ende der zweiten Drachenschwanzwindung über den Hauptstern Thuban dem Bogen folgend gleichviel weiter, so gelangt man zu kappa Draconis, einem blauweißlichen Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Biegt man nun geringfügig in die andere Richtung ab, so folgt im halben Abstand Thuban - kappa Draconis der Stern Giauzar am Ende des Drachenschwanzes. Giauzar ist ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren und bedeutet "Drache".

Sei noch ein bekannter Doppelstern genannt, dieser heißt Kuma und erreicht beinahe 4. Größe; er steht ebenfalls im Drachenkopf und bildet mit Grumium, Ettanin und Alwaid ein Trapez auf der anderen Seite von iota Herculi. Manche Autoren übersetzen Kuma mit "an der letzten (Position im Drachen)". Beide Kuma-Sterne sind gleich hell, sie sind weißliche Sterne im Abstand von 120 Lichtjahren und wer gute Augen hat, kann diesen Stern von bloßem Auge trennen, mit einem Feldstecher ist es überhaupt kein Problem. Dieser Doppelstern ist fast so bekannt wie der gar nicht weit entfernte Doppelstern epsilon Lyrae.

5.5 Weitere Sterne in den nördlichen Teilen der Zwillinge und des Krebs

In der ersten Monatshälfte kann man weitere Zwillingssterne sehen, die beinahe die 3. Größe erreichen: theta Gemini findet man zwischen Castor und dem Fuhrmannstern Borgadus knapp in der Mitte, er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren, und iota Gemini bildet ein beinahe gleichseitiges Dreieck mit Castor und Pollux in Richtung des Horizonts; er ist ein Roter Riese im Abstand von 125 Lichtjahren.

Westlich des Löwen kann man die nördlichen Teile des Tierkreiszeichens Krebs erkennen. Diese bestehen aus einem Sternhaufen und zwei Sternen und können nur bei guter Sicht gefunden werden. Der Sternhaufen heißt "Krippe" und bietet im Feldstecher einen prachtvollen Anblick. Am einfachsten findet man ihn, wenn man von den Löwensternen Duhr über die Algieba rund doppelt soviel weiter wandert: so kommt man in die Nähe der Krippe, die man nun mit einem Feldstecher durch ein bisschen herumwandern sehr leicht finden kann. Die Krippe ist ein knapp 600 Lichtjahre entfernter Sternhaufen und besteht aus rund 350 Sternen. Sie hat einen Durchmesser von knapp 25 Lichtjahren. Die beiden Sterne gamma und delta Cancri stehen am linken Rand der Krippe und sind dann ebenfalls im Feldstecher zu sehen. Sie heißen Asellus Borealis - das ist der Stern links oberhalb der Krippe - und Asellus Australis links unterhalb der Krippe; das bedeutet im lateinischen nördlicher und südlicher Esel. Beide sind unauffällige Sterne 4. sowie gerade noch 4. Größe: Asellus Borealis ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren und Asellus Australis, der hellere der beiden, ein Roter Riese im Abstand von 135 Lichtjahren. Die Krippe selber wird manchmal mit epsilon Cancri bezeichnet und bekommt immer wieder Besuch von einem Kometen, was sehr schön aussieht. .

5.6 Weitere Herkulessterne

Das Sternbild des Herkules wird oftmals als ein auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, welches sich zwischen der Nördlichen Krone und der Wega befindet und das aus dem Herkulestrapez mit dem zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi und pi Herculi besteht sowie den beiden Sternen Rutikulus und Sarin. Der Hauptstern Ras Algethi des Herkules indes steht etwas abseits neben Ras Alhague, dem Hauptstern des Schlangenträgers, auf den die große Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel weist, und der Herkulesstern iota Herculi steht in der Drachenkopf-Raute auf der Herkules-zugewandten Seite.

Im Herkules befinden sich noch einige weitere Sterne beinahe dritter Größe:

Zu xi Herculi gelangt man, indem man die Linie Rutikulus - Sarin - mue Herculi weitergeht; noch etwas weiter ein wenig nach links abbiegend kann man auch noch omicron Herculi sehen. Xi Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 135 Lichtjahren und omicron Herculi ein blauweißlicher Stern im Abstand von 350 Lichtjahren.

Neben Rutikulus steht der Stern gamma Herculi, ein weißlicher Stern, der 200 Lichtjahre von uns entfernt ist. Konkret findet man ihn, indem man von eta Herculi ausgehend über den zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi nach Rutikulus geht, und dann noch etwas weiter nach rechts.

Theta Herculi befindet sich im nördlichen Teil des Sternbildes: wenn man von pi Herculi zur Wega geht, so findet man in der Mitte der beiden etwas unterhalb den Stern theta Herculi; er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 700 Lichtjahren.

Den Stern tau Herculi findet man am einfachsten, indem man diagonal durch das Herkulestrapez von epsilon über pi Herculi und dann gut gleichviel weiter geht, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 310 Lichtjahren.

Bei pi Herculi befindet sich eine kleine Sternen-Dreiergruppe, die wie eine Deichsel geformt ist und deren mittlerer Stern etwas näher am unteren Stern steht. Der hellste Stern dieser Dreiergruppe ist pi Herculi am unteren Ende dieser Deichsel; der zweithellste Stern steht am oberen Ende der Deichsel und erreicht gerade noch die 4. Größe, das ist der Stern rho Herculi, und beinahe 4. Größe hell ist ihr mittlerer Stern, das ist 69 Herculi. - Rho Herculi ein blauweißlicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren und 69 Herculi ist ein weißlicher Stern im Abstand von 180 Lichtjahren.

Sei schließlich noch der Stern 109 Herculi erwähnt; ihn findet man, indem man von pi Herculi in der oberen linken Ecke des Herkulestrapezes zwischen mue und xi Herculi hindurch gleichviel weitergeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 130 Lichtjahren. Geht man gleichviel weiter, so gelangt man in den Adler, zuerst zum Adlerstern Deneb el Okab und danach zu Atair.

5.7 Weitere Frühlingssterne in der Schlange, dem Schlangenträger, der Jungfrau und der Waage

Geht man vom Ende des Himmelslineals bei zeta Ophiuchi, der manchmal auch Han genannt wird, geradeaus weiter, also am abseits gelegenen Stern Sabik vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zu einem Stern 3. Größe, das ist theta Ophiuchi. Theta Ophiuchi ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 600 Lichtjahren. Der Tierkreis verläuft zwischen Sabik und theta Ophiuchi.

Das Himmelslineal ist eine sehr eindrückliche und einfach auffindbare Orientierungshilfe, während die andere Linie der Schlange, die sich ja um den Schlangenträger windet und deswegen in zwei nicht zusammenhängende Teile aufgespalten ist, eher unauffällig ist, auch wenn ihre Sterne nicht schwer auffindbar sind. Sie befinden sich im Areal zwischen den beiden hellsten Schlangenträgersternen Ras Alhague und Sabik und bilden den Schwanz der Schlange.

Der unterste Stern der zweiten Linie der Schlange ist xi Serpentis, er erreicht gerade noch die 3.Größe. Man findet ihn, indem man am unteren Ende des Himmelslineals bei Sabik wieder nach oben abknickt; er bildet mit Sabik und theta Ophiuchi im Tierkreis einen rechtwinkliges Dreieck, bei dem der rechte Winkel in Sabik ist. Xi Serpentis ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Der oberste Stern der zweiten Linie der Schlange erreicht die 3.Größe, das ist eta Serpentis. Man findet ihn auf dem Weg von Ras Alhague, Celbalrai und gamma Ophiuchi, indem man etwas nach oben abknickt, gleichviel wie der Abstand von Ras Alhague zu Celbalrai. Man kann ihn auch finden, indem man den Stern kappa Ophiuchi an Celbarai spiegelt. Eta Serpentis ist ein Roter Riese im Abstand von 62 Lichtjahren.

Nue Ophiuchi schließlich ist der dritte Stern der zweiten Schlangenlinie, er steht in der Mitte der beiden anderen Sterne der zweiten Schlangenlinie, xi und eta Serpentis, gehört aber zum Sternbild des Schlangenträgers. Auch nue Ophiuchi erreicht die 3.Größe, er ist ein Roter Riese im Abstand von gut 150 Lichtjahren.

Geht man von der Gemma zu Unuk und dann nochmal die Hälfte weiter, so gelangt man zu einem Stern gerade noch 3. Größe, das ist mue Serpentis. Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 155 Lichtjahren. - In der Mitte zwischen Unuk und Gemma findet man zwei weitere Sterne der Schlange, die beinahe die 3. Größe erreichen: der rechte der beiden ist beta Serpentis, ein weißlicher Stern im Abstand von ebenfalls ungefähr 155 Lichtjahren, und der linke ist gamma Serpentis, ein weißgelblicher Stern im Abstand von 36 Lichtjahren. In der chinesischen Astronomie trägt der Stern beta Serpentis den Namen Chow, was für die Zhou-Dynastie steht. Auch beta Serpentis gehört zum Bärenstrom.

Beinahe 3. Größe erreichen die Sterne 72 Ophiuchi und lamda Ophiuchi. 72 Ophiuchi bildet mit Ras Alhague und Celbarai ein beinahe gleichseitiges Dreieck, etwas kürzer als dasjenige mit kappa Ophiuchi auf der anderen Seite. 72 Ophiuchi ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. - Lamda Ophiuchi steht zwischen kappa Ophiuchi im Dreieck mit Ras Alhague und Celbarai auf der einen Seite und Yed Prior im Himmelslineal an der Grenze Schlange zum Schlangenträger auf der anderen Seite. Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 170 Lichtjahren.

Zwei weitere Sterne beinahe 3. Größe der Jungfrau findet man auf dem Weg von Unuk zur Spica kurz vor und kurz nach der Hälfte des Weges: kurz vor der Hälfte des Weges steht etwas oberhalb der Stern 109 Virginis, er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, und kurz nach der Hälfte des Weges steht etwas unterhalb der Stern mue Virginis, der auch Rijl al Awwa heißt, das bedeutet "Fuß des bellenden Hundes". Dieser Sternname ist aber irreführend, denn er gehört nicht zu den bellenden Hunden der ersten Mondstation der Jungfrau. Rijl al Awwa ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren.

Die übrigen Sterne des Sternbildes der Waage kann man nur bei sehr guter Südsicht erkennen. Drei Sterne verfehlen die 3. Größe nur knapp; man findet sie, indem man sich die Waage als Haus vorstellt, bei dem die drei hellsten Waagesterne Zuben-el-schemali, Zuben-el-genubi und Brachium das Hausdach bilden. Dann befinden sich diese drei Sterne am Boden der beiden Hauskanten: upsilon Libri und tau Libri nebeneinander am Boden der rechten Hauskante und theta Libri am Boden der linken Hauskante. Upsilon Libri, der innere der beiden Sterne am Boden der rechten Hauskante, ist ein Roter Riese im Abstand von rund 200 Lichtjahren und tau Libri, der äußere, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 450 Lichtjahren. Theta Libri am Boden der linken Hauskante ist ein Roter Riese im Abstand von gut 160 Lichtjahren.

Upsilon und tau Libri stehen zwischen dem dritthellsten Waagestern Brachium und pi Scorpii, dem unteren Stern der vorderen Dreiergruppe des Skorpion, näher an pi Scorpii und etwas nach unten eingerückt. Theta Libri steht zwischen der nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali und Akrab im Skorpion, etwas näher an Akrab.

Sei noch ein Stern 4. Größe zwischen theta Libri und der nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali genannt: er heißt Zuben-el-Akrab und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Zuben-el-Akrab bedeutet "die Klaue des Skorpions". Geht man also von Akrab am oberen Ende der vorderen Skorpion-Dreiergruppe zur nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali, so gelangt man nach rund einem Drittel der Strecke zunächst zu theta Libri und dann zu Zuben-el-Akrab. Historisch bildeten die nördliche Skorpionklaue Zuben-el-schemali und Zuben-el-Akrab, vermutlich auch theta Libri, die nördliche Schere des Skorpions und die südliche Skorpionklaue Zuben-el-genubi, upsilon und tau Libri sowie Brachium die südliche Schere des Skorpions.

5.8 Weitere Sterne des Schwanes, des Adlers und des Delfins

Wir fangen bei Deneb an und gehen nicht zu Sadir, sondern rechtwinklig nach links, also aus Sicht des Vogels parallel zum rechten Flügel des Schwanes. Zunächst einmal kommt man in etwa halbem Abstand Deneb - Sadir an zwei Sternen vorbei; der Deneb-nähere Stern ist xi Cygni und der Deneb-fernere Stern ist nue Cygni. Geht man nun gleichviel weiter, so gelangt man zu zwei sehr nahe beieinander stehenden Sternen, diese sind schwan-abgewandt sigma Cygni und schwan-zugewandt tau Cygni. Nun biegt man zwischen sigma und tau Cygni bei tau Cygni senkrecht ab in Richtung Sadir, dann folgt in knapp doppeltem Abstand sigma und tau Cygni ein Stern, das ist der sehr bekannte Stern 61 Cygni. Da dieser Stern nur 5. Größe erreicht, nimmt man mit Vorteil einen kleinen Feldstecher zu Hilfe. Diese 5 Sterne sind die fünf hellsten Sterne in dieser Region, man braucht sich also nicht von schwächeren Sternen verunsichern zu lassen. Xi Cygni und tau Cygni verfehlen die 3. Größe knapp, nue Cygni und sigma Cygni sind Sterne 4. Größe.

Die beiden ersten Sterne auf dem Weg von Deneb zu 61 Cygni sind xi Cygni, ein über 1000 Lichtjahre entfernter Roter Riese, sowie nue Cygni, ein gut 350 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern. Die beiden nächsten Sterne, die mit 61 Cygni ein rechtwinkligen Dreieck bilden, sind tau Cygni, ein 70 Lichtjahre entfernter weißgelblicher Stern sowie sigma Cygni, ein über 5000 Lichtjahre weit entfernter blauweißlicher Stern. - 61 Cygni ist ein sonnennaher Doppelstern im Abstand von nur 11,4 Lichtjahren, bei dem beide Sterne orange Hauptreihensterne sind. Er war übrigens der erste Stern, dessen Abstand publiziert wurde.

Einfach kann man eta Cygni finden, der sich im Hals des Schwanes ungefähr in der Mitte zwischen Sadir und Albireo befindet. Er erreicht beinahe die 3. Größe und ist ein Roter Riese im Abstand von 140 Lichtjahren.

Schließlich kann man zwischen Deneb und dem linken Flügelstern delta Cygni zwei Sterne sehen: der innere Stern ist ebenfalls beinahe 3. Größe hell und heißt omicron(1) Cygni und der äußere Stern heißt omicron(2) Cygni und erreicht die 4. Größe. Beide sind über 1000 Lichtjahre entfernte Rote Riesen.

Geht man senkrecht der Sterne Atair und seiner beiden begleitenden Falken nach rechts, so sieht man zunächst den Stern delta Aquilae; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Geht man ungefähr gleichviel weiter, so gelangt man zu Al Thalimain Prior; dies ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 125 Lichtjahren. Beide Sterne erreichen die 3.Größe. Geht man noch ein bisschen weiter, so gelangt man zu Al Thalimain Posterior; dieser Stern erreicht 4.Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren. Al Thalimain bedeutet "die (beiden) Strauße".

Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Stern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jüngling Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß". - Geht man von theta Aquilae zu delta Aquilae, so gelangt man nach knapp der Hälfte zu einem Stern beinahe 3.Größe, das ist eta Aquilae. Dieser ist ein weit entfernter gelbweißlicher Stern im Abstand von fast 1200 Lichtjahren.

Geht man senkrecht der Sterne Atair und seiner Falken nach links, also in die andere Richtung als delta Aquilae, so gelangt man zum Sternbild des Delfin. Dieser ist ein kleines Sternbild und sieht aus wie eine kleine Raute mit einem Stiel, der nach etwas unterhalb von Atair weist.

Der Delphin hat zwei Sterne beinahe 3.Größe, zwei Sterne 4.Größe sowie einen Stern gerade noch 4.Größe. Der hellste Stern ist beta Delphini, ein weißgelblicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Er steht in der Raute auf der Seite vom Stiel. In der Mitte der Raute, in Richtung Schwan steht der Hauptstern des Delphins; alpha Delphini ist der zweithellste Stern des Sternbildes, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 240 Lichtjahren. - An der oberen Spitze der Raute steht gamma Delphini, er ist ein 100 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Gleichhell ist epsilon Delphini am Stiel, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 358 Lichtjahren. Auf der schwan-abgewandten Seite in der Mitte der Raute schließlich steht delta Delphini, ein 200 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern.

5.9 Der Kleiderbügel

Wer einen lichtstarken Feldstecher hat, kann einmal versuchen, den "Kleiderbügel" zu finden: Dieser befindet sich auf der Verbindungslinie Atair - Wega, etwa ein Drittel von Atair entfernt, d.h. unterhalb von Albireo, ein bisschen ins Sommerdreieck hineingeschoben. Er besteht aus 6 Sternen, die gerade auf einer Linie liegen sowie vier Sternen, die einen Haken nach unten bilden, so dass dieser Kleiderbügel kopfüber am Himmel steht. Die Sterne des Kleiderbügels stehen nur zufällig dort, sie sind aber unterschiedlich weit von der Erde entfernt und bilden keinen Sternhaufen. Sie befinden sich im unauffälligen Sternbild des Füchschens.

Der hellste Stern des Kleiderbügels heißt 4 Vulpeculae und erreicht 5.Größe und kann bei sehr guten Sichtbedingungen von bloßem Auge gesehen werden, er steht an der Rundung des Hakens, also an der dritten Stelle. Zwei weitere Sterne erreichen beinahe die 5.Größe und können somit theoretisch bei ausgezeichneten Sichtbedingungen ebenfalls von bloßem Auge gesehen werden. Sie stehen an den beiden ersten Stellen des Kleiderbügelhakens; der erste heißt 5 Vulpeculae und der zweite heißt HD182955. Drei weitere Sterne erreichen die 6.Größe und sind sehr einfache Feldstecherobjekte, das sind vom Schwan herkommend der erste, der vierte und der fünfte Stern der Kleiderbügellinie. Sie heißen 7 Vulpeculae, HD182761 und HD182422.

Der hellste Kleiderbügelstern 4 Vulpeculae ist ein Roter Riese im Abstand von fast 240 Lichtjahren. 5 Vulpeculae, der erste Stern des Kleiderbügelhakens, ist ein geringfügig näherer weißlicher Stern im Abstand von 220 Lichtjahren, und der dritthellste Kleiderbügelstern zwischen den beiden ist ein Roter Riese im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

Der erste Kleiderbügellinienstern 7 Vulpeculae ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 760 Lichtjahren, der vierte Kleiderbügellinienstern ist ein weißlicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren und der vorletzte Kleiderbügellinienstern ist ein weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von über 1100 Lichtjahren.

Die 4 übrigen Sterne kann man bei genügend guten Sichtbedingungen ebenfalls im Feldstecher sehen.

Es gibt so viele Sterne in dieser Helligkeit, dass man sie nicht alle mit einem griechischem Buchstaben oder einer Zahl und nachfolgend dem Genetiv des lateinischen Sternbildnamens bezeichnen kann. Um diese Sterne dennoch eindeutig zuordnen zu können wurden im Laufe der Zeit verschiedene Kataloge zusammengestellt und der bekannteste von ihnen ist der Henry-Draper-Katalog, der alle Sterne bis zur 9.Größe, das sind über 350'000 Sterne, umfasst. Ihr Sternname setzt sich aus der Abkürzung HD für Henry-Draper-Katalog und einer sechsstelligen Katalognummer zusammen.

Der zweite und dritte Stern der Kleiderbügellinie erreichen beide beinahe 6.Größe und heißen HD183261 - er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 900 Lichtjahren, und HD182972 - er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 560 Lichtjahren. Der letzte Stern der Kleiderbügellinie erreicht die 7.Größe, er heißt HD182293 und ist ein Roter Riese im Abstand von 360 Lichtjahren; gleichhell ist der vierte Kleiderbügelhakenstern HD182620, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 550 Lichtjahren.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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