Sternenhimmel im April 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Sternbild des Monats: Die Jungfrau
  4. Ring um Saturnmond Rhea

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, ist in der dritten Rubrik beschrieben.

Im April vollzieht sich nun der Wechsel vom Winter- zum Frühlingshimmel; das hat zur Folge, dass man in der ersten Aprilhälfte dreizehn der in unseren Breiten sichtbaren sechzehn Sterne 1. Größe oder heller, und insbesondere sogar alle der in unseren Breiten sichtbaren Sterne 0. Größe sehen kann!

Die Wintersternbilder verabschieden sich nun rasch von der Himmelsbühne, zunächst die südlichen Teile des Orions und der helle Sirius, sodass Arktur die Rolle des hellsten Sternes am Himmel übernimmt, wobei sich im Osten auch schon die helle Wega in der Leier ankündigt. Nördlich von Deutschland ist es übrigens die Capella, die noch hoch im Westen am Himmel steht und wieder in den Genuss der Pole-Position kommt. Dort verabschiedet sich der Sirius etwas früher von der Himmelsbühne und sowohl Arktur als auch die Wega noch nicht hoch genug am Himmel stehen.

Der Löwen ist nun mit dem Ringplaneten Saturn bereits weitergezogen und hoch im Süden zu bewundern, der Mars zieht im April unter den beiden Zwillingssternen durch.

Der Große Wagen ist weiter hinaufgezogen und steht nun im Frühling bald über dem Polarstern auf dem Kopf, so dass er einen ganz ungewöhnlichen Anblick bietet, während sich die W-förmige Cassiopeia links vom Polarstern wieder dem Horizont nähert.


2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Einfach auffindbare Sterne: Großer und Kleiner Wagen

Der bekannte Große Wagen steht bald hoch über uns auf dem Kopf und sieht etwas ungewöhnlich aus; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auf halbem Wege die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar.


Der große Wagen weist auf den Polarstern hin
Der Große Wagen enthält keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2. Größe, von denen drei Sterne die erste Größe nur knapp verfehlen: der hintere obere Kastenstern Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und bedeutet "Bär", der Deichselstern am Wagenkasten Alioth ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege" und der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, der wie Alioth ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel". Er ist deswegen so bekannt, weil unmittelbar neben ihm der "Augenprüfstern" Alkor steht, gleichweit von uns entfernt wie Mizar, ebenfalls ein weißlicher Stern. Alkor bedeutet "der Erniedrigte"; im Deutschen wird er auch "das Reiterlein" genannt und in manchen Mythologien ist er die siebte Plejade, die ihre Schwestern verlassen hat; damit konnte die Mythologie erklären, weswegen man nur 6 Sterne im Siebengestirn der Plejaden sehen kann.

Der Polarstern ist ein Stern 2. Größe, ein gelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Dubhe, Alioth und Benetnash vom Großen Wagen sowie der Polarstern und Kochab im Kleinen Wagen und der mittlere Deichselstern des Großen Wagen Mizar sind die sechs hellsten Sterne in dieser Himmelsregion.

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Einfach auffindbare Frühlingssterne

Die wichtigsten Frühlingssterne kann man auf sehr einfache Weise finden: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", die die Jungfrau gemäß der Mythologie in ihrer Hand hält; sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Das Sternbild der Jungfrau wird in diesem Monat genauer vorgestellt.

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel; ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun halbhoch im Osten steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Wie die meisten Sterne des Großen Wagen (mit Ausnahme des oberen hinten Kastensternes sowie des äußeren Deichselsternes) gehört auch die Gemma zum Bären-Strom, einer Gruppe von Sternen, die gemeinsam an unserer Sonne vorbei durch unsere Milchstraße ziehen, auch der hellste Fixstern, der Sirius, gehört diesem Bärenstrom an.

Die Cassiopeia, Capella und der Perseus


Die Cassiopeia ist ein guter Ausgangspunkt zur Orientierung hin zu Herbst- und Wintersternbildern.
Auch die Capella, die Cassiopeia und der Perseus, der im Vormonat genauer vorgestellt wurde, sind nach Sonnenuntergang noch halbhoch am Himmel zu sehen:

Geht man von der Deichsel des Großen Wagen, also dem Teil, an dem der Wagenkasten gezogen wird, am Polarstern vorbei, so kann man etwa im gleichen Abstand ein Sternbild erkennen, das wie ein W aussieht; es wird oftmals auch das "Himmels-W" genannt und das ist die Cassiopeia. Sie ist eine wertvolle Orientierungshilfe: Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" zu Mirfak, dem Hauptstern des Perseus. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist so hell wie die hellsten Sterne des Großen Wagen. Die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch führt zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, ist Algol, das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und steht unterhalb von Mirfak.

In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich-weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Geht man von Mirfak an Algol vorbei, so gelangt man zur Gorgonenschwester Gorgonea Tertia, einem weiteren gut erkennbaren Perseusstern 3.Größe. Sie ist ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren.

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Der Orion, Sirius und Procyon

Geht man von der Capella nach Südwesten, so kann man in der ersten Monatshälfte über dem Westhorizont das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, das aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen besteht. Der von uns aus gesehen linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Manche Kulturen sehen im Orion einen großen Schmetterling. Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

Links unterhalb kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Im Gegensatz zu den weit entfernten Orionsternen sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

Wir haben nun die wichtigsten Sterne im April kennengelernt.

2.2 Die übrigen Wintersterne

Sternbild der Zwillinge
Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2. Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt". Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der linke auf Seite von Procyon heißt Pollux - beide Sterne fangen mit dem Buchstaben "P" an - und der rechte auf der Seite der Capella heißt Castor - beide fangen mit dem Buchstaben "C" an. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Unter ihnen wandert in diesem Monat der Planet Mars durch, der derzeit immer noch günstig steht.
Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer Zwillingsstern, der etwas heller als 2. Größe ist, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.


Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, nur noch halbhoch im Westen, steht Aldebaran, ein Stern 1. Größe, der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt, er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Zwischen Aldebaran und Capella, etwas unterhalb ist auch der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath, leicht zu finden: El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und ist wie die Bellatrix ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

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Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1.Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe ist hier versammelt.

2.3 Der Löwe und der Ringplanet Saturn

Zwischen Sirius und Arktur befindet sich das schöne Sternbild des Löwen
Östlich der Zwillinge sehen wir drei helle Sterne; der hellste von ihnen ist der Planet Saturn und die beiden anderen sind zwei Sterne des Sternbildes Löwe: der hellere etwas nord-östlich vom Saturn ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten wie derzeit vom Saturn sowie vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind. Unterhalb von Algieba sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zum Großen und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

2.4: Die ersten Sommersterne: Wega in der Leier und Deneb im Schwan

Tief im Nordosten ist auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Nordsicht kann man auch Deneb im Schwan, einen blau-weißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, tief im Nordosten wieder erspähen.

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3. Sternbild des Monats: Die Jungfrau

Der Jungfrau ist ein sehr bekanntes Sternbild, das man von den Horoskopen her kennt, d.h. im Verlaufe des Jahres gelangt die Sonne in dieses Sternbild. Diese Sternbilder heißen auch "Tierkreiszeichen" und die bekommen regelmäßig Besuch von den Planeten und vom Mond. Das ist kein Zufall, sondern kommt daher, dass sich alle Planetenbahnen und die Mondbahn in etwa in derselben Ebene befinden, so dass sie von der Erde aus gesehen immer durch dieselben Sternbilder wandern.

Der Hauptstern der Jungfrau ist die Spica, ein Stern 1. Größe, der leicht in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen über Arktur hinaus gefunden werden kann. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Die übrigen Sterne sind nicht so hell; die Jungfrau hat nur noch vier weitere Sterne 3. Größe. Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Zudem befindet sich ein weiterer Stern etwas östlich der Spica. Die drei Sterne dieser Deichsel über der Spica sind von oben gezählt Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des Namens Almuredin, welches ebenfalls "Winzer" heißt. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "Der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italianischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt. Das ist eine ganz analoge Situation wie bei der gleichweit von uns entfernten Capella, deren Sterne allerdings deutlich heller sind.


Die Jungfrau nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zu Porrima; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren.

Die Mythologie weiß mehrere Legenden zu diesem Sternbild zu berichten: So soll die Jungfrau die Persephone, das ist die Tochter der Getreide- und Fruchtbarkeitsgöttin Demeter und von Zeus darstellen, welche eine Kornähre - das ist die Spica - in der Hand hält, die sie vielleicht von ihrer Mutter bekommen hat. Eines Tages jedoch wurde sie von Hades, dem Gott der Unterwelt, entführt und geheiratet. Ihr Vater Zeus konnte lediglich eine Vereinbarung treffen, dass sie eine Hälfte des Jahres an der Oberfläche verbringen darf, die andere Hälfte des Jahres jedoch bei ihrem Mann in der Unterwelt verbringen muss. Einer anderen Legende zufolge verkörpert dieses Sternbild die Göttin Dike, einer Tochter der Themis. Die Göttin Dike lebte zu einer sehr frühen Zeit auf der Erde, als es noch keine Kriege und Gewalt auf Erden gab; als sich jedoch die Menschheit erzürnte, flüchtete sie in die Berge und schließlich an den Himmel.

Im Sternbild Jungfrau befindet sich übrigens ein riesiger Galaxienhaufen (Virgo-Galaxienhaufen), der etwa 2000 Galaxien enthält.

Aktuelles aus der Wissenschaft: Neues vom Saturn

Die Ringe des Saturnmondes Rhea nach einer künstlerischen Interpretation. NASA
Seit einigen Jahren erforscht die Raumsonde Cassini den Saturn und seine Monde; diese Mission hat einige Überraschungen zutage gebracht. Waren es zunächst spektakuläre Bilder des größten Saturnmond Titan, der größer als der Planet Merkur ist und auf dem eine Raumsonde gelandet ist, die Fluss- und Seeregionen, die möglicherweise aus flüssigem Methan bestehen, zeigen, so folgten bald nicht minder spektakuläre Bilder des zweiten Saturn-Mondes Enceladus, der Geysire aus Wasser ins All schleudert und unter dessen Oberfläche sogar wie bei ihrer größeren Schwester, dem Jupitermond Europa, ein flüssiger Wasserozean vermutet wird. Diese ins All geschleuderten Partikel werden übrigens vom Saturn eingefangen und bilden das Material eines der zahlreichen Saturnringe. Mitte März wurde die Raumsonde sogar so gelenkt, dass sie durch einen dieser Geysire geflogen ist.

Nun wurde völlig überraschend ein Ring um den zweitgrößten Saturnmond Rhea entdeckt; hier sind aber weitere Beobachtungen erforderlich, ehe man genauere Aussagen treffen kann.

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Landung auf dem Satrurnmond Titan


-> Ozeane unter der Oberfläche von Monden


Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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