Sternenhimmel im April 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im April kommt es am Himmel zum großen Auflauf der Sterne 1. Größe. - 13 der in unseren Breiten sichtbaren 16 Sterne erster Größe können in der ersten Monatshälfte bewundert werden, zu ihnen gesellen sich 3 helle Planeten. Die prächtigen Wintersternbilder stehen mit ihren hellen Sternen noch über dem Westhorizont: die helle Capella steht halbhoch im Westen, der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel sowie links unterhalb der helle Sirius sowie hoch über ihm der Procyon - der Bote des hellen Sirius - sind ebenfalls zu sehen. Im Osten kann man Arktur und - noch nahe am Horizont - die Wega sehen, so dass jetzt sogar alle in unseren Breiten sichtbaren Sterne 0. Größe bewundert werden können.

Im Verlaufe des Monats werden sich dann die hellen Wintersterne rasch von der Himmelsbühne verabschieden, zunächst die südlichen Teile des Orions und der helle Sirius, so dass Arktur die Rolle des hellsten Sternes am Himmel übernimmt. Im Osten kündigt sich auch schon die helle Wega in der Leier an. Nördlich von Deutschland ist es übrigens die Capella, die noch hoch im Westen am Himmel steht und wieder in den Genuss der Pole-Position kommt, weil dort sowohl Arktur als auch die Wega noch nicht hoch genug am Himmel stehen.

Der Große Wagen steht fast schon auf dem Kopf hoch über dem Polarstern und erscheint uns in dieser Lage etwas ungewohnt.

Seitlich der Zwillinge kann man einen auffallend hellen rötlichen Stern erblicken, das ist der Planet
Mars; unter dem hinteren Teil des Löwen befindet sich der Ringplanet Saturn. Bei guter Horizontsicht kann man kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen die Venus erkennen .

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht hoch am Himmel, so schräg auf dem Kopf stehend wirkt er recht ungewohnt. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Der Große Wagen enthält drei Sterne beinahe 1. Größe: Der hintere obere Kastenstern Dubhe, der Deichselstern Alioth am Wagenkasten sowie der äußerste Deichselstern Benetnash. Dubhe bedeutet "Bär" und ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Alioth bedeutet "Ziege" und ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und Benetnash bedeutet "Klageweiber" und ist ein bläulichweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2.
Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2.Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

-> mehr zum Großen Wagen
-> mehr zum Kleinen Wagen

2.2 Capella, Fuhrmann und Mirfak (Perseus) sowie Castor und Pollux

Das nördlichste Sternbild des Wintersechseckes ist der Fuhrmann, das Sternbild des hellen Sternes Capella, die 0. Größe hell ist. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen trägt der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein.

Das Sternbild des Fuhrmannes bildet ein unregelmäßig geformtes Fünfeck, das Auge jedoch fügt den Stern El Nath, der eigentlich zum Sternbild des Stieres gehört, unwillkürlich zum Fuhrmann dazu, so dass wir also ein unregelmäßig geformtes Sechseck sehen; auch in alten Sternbild-Darstellungen wird El Nath oft dem Fuhrmann zugerechnet. Capella und El Nath stehen in den gegenüberliegenden Ecken des "erweiterten" Fuhrmannes.

Im Sternbild des Fuhrmannes befindet sich in der Umgebung der Capella eine ganze Ziegenfamilie. Geht man von unterhalb der Capella nach rechts unten zur nächsten Ecke des Fuhrmann/El Nath-Sechseckes, so sieht man dort 2 Sterne nebeneinander, das sind die beiden Ziegenkinder Hoedus I und Hoedus II. Hoedus II ist der innere und hellere Stern der beiden, Hoedus I der äußere. Zwischen der Capella und den beiden Ziegenkindern kann man noch eine "siebte" Ecke bilden; dort steht der Stern Almaaz; das bedeutet "Ziegenbock".

Perseus und die angrenzenden Sternbilder
Links unterhalb der Capella steht der Stern Menkalinan, ein Stern heller als 2. Größe. Das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Jahren. Die beiden übrigen Ecken des Fuhrmann werden von Borgadus zwischen Menkalinan und El Nath und von Hassaleh zwischen den Ziegenkindern und El Nath markiert. Borgadus ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren, Hassaleh heißt "Sprungbein des Zügelhalters" und ist ein Roter Riese im Abstand von rund 500 Lichtjahren.

Hoedus II und Hoedus I scheinen von uns aus gesehen nebeneinander zu stehen, doch in Wirklichkeit ist Hoedus II ein gut 200 Lichtjahre entfernter bläulichweißer Stern und Hoedus I ein fast 800 Lichtjahre entfernter Roter Riese. - Der Stern Almaaz in der zusätzlichen Ecke zwischen der Capella und den beiden Ziegenjungen ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 2000 Lichtjahren.

Rechts unterhalb des Fuhrmannes kann man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, sehen. >Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Links oberhalb des Fuhrmann kann man die beiden Sterne der Zwillinge nebeneinander sehen, der linke heißt Pollux und der rechte heißt Castor. Links unterhalb der Zwillinge kann man einen auffallenden Stern heller als 0. Größe erkennen; er ist deutlich rötlich und es handelt sich um den Planeten Mars. Das Sternbild der Zwillinge wird in diesem Monat in der 3. Rubrik näher vorgestellt.

2.3 Der Orion

Orionnebel. Bild: Hubble
Geht man von der Capella nach Südwesten, so kann man das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen. Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Der linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)".

Der mittlere und der linke Stern des Oriongürtels heißen Alnilam und Alnitak; ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel" und beide sind wie die Bellatrix Sterne beinahe erster Größe.

Die beiden übrigen Sterne des Orion sind 2. Größe. Der rechte Gürtelstern heißt Mintaka und der linke Fußstern heißt Saiph. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". Das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem Fuß.

Der linke Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter bläulichweißer Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Die drei Oriongürtelsterne Alnilam, Alnitak und Mintaka sind ebenso wie der linke Fußstern Saiph bläulichweißer Riesensterne; alle vier sind rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt!

->
mehr zum Orion

2.4 Die Hundssterne

Das Winterdreieck (grün) und Wintersechseck (gelb)
Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Er steht nun hoch über dem Sirius, ein bisschen nach links versetzt.

Im Gegensatz zu den Orionsternen, die allesamt weit entfernt sind, sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Hundssterne werden von einem hochkompakten Stern, einem Weißen Zwerg, umkreist.

Etwas rechts von Procyon steht Gomeisa, ein Stern etwas heller als 3. Größe. Gomeisa bedeutet "die Kleine mit den trüben Augen" und ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Vom Procyon gelangt man zu Gomeisa, indem man in Richtung der Fußsterne der Zwillinge geht. Man kann ihn aber auch ganz einfach so finden, dass er der einzige etwas hellere Stern in der Nähe von Procyon ist. Der Abstand zwischen Procyon und Gomeisa ist etwa gleich groß wie der Abstand zwischen Pollux und Castor. Die Beteigeuze, der Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck Sterne 0. Größe, welches auch "Winterdreieck" genannt wird und das sich gerade für Anfänger ausgezeichnet zum Auffinden von Procyon eignet.

->
mehr zum Großen Hund

2.5 Der Stier

Links unterhalb der Capella steht Aldebaran, ein Stern 1.Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres.

El Nath erreicht beinahe 1. Größe und ist der zweithellste Stern des Sternbild Stier; er steht etwas nach unten eingerückt in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran. El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und er ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; da auch die Beteigeuze in diesem Bereich steht, ist hier die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe versammelt.

2.6 Die ersten Frühlingssterne: Löwe, Alphard in der Wasserschlange und Saturn

Zwischen Sirius und Arktur befindet sich das schöne Sternbild des Löwen
Östlich des Wintersechseckes und des Mars sehen wir zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; nach Sonnenuntergang stehen sie noch nebeneinander, im Verlaufe der Nacht wird sich der Löwe drehen, so dass diese beiden Sterne dann übereinander stehen. Der rechte, später in der Nacht untere Stern ist Regulus beim Herz des Löwen, ein bläulichweißer Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der linke, später in der Nacht obere Stern heißt Algieba und bedeutet "Stirn (des Löwen)"; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Nach Sonnenuntergang unter der Algieba, später in der Nacht dann links von ihr, etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus, sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus zwischen der Stirn und dem Herzen des Löwen und Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Duhr ist ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren und Coxa ist ein weißlicher Stern im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

Wenn man von der Algieba über Regulus nach rechts unten verlängert, so trifft man einen Stern 2. Größe, das ist Alphard in der Wasserschlange. Alphard bedeutet treffenderweise "der alleine dastehende Stern", da die übrigen Sterne der Wasserschlange nicht sehr auffällig sind. Alphard ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 200 Lichtjahren.

Unter der Denebola sieht man einen weiteren Stern 0. Größe, das ist der Ringplanet
Saturn.

2.8 Weitere Frühlingssterne: Arktur, Spica und die Nördliche Krone

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein bläulicheißer Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links von Arktur steht, ist der zweithellste Bootes-Stern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2.Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Ab der zweiten Monatshälfte kann man bei guter Horizontsicht tief im Osten in Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma einen Stern 2.Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

-> mehr zum Bärenhüter

2.8 Die ersten Sommersterne: Wega, Deneb und der Drache

Tief im Nordosten ist ab 22 Uhr auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Horizontsicht kann man links unterhalb der Wega auch Deneb im Schwan, einen bäulichweißen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, tief im Norden erspähen.

Sternbild des Monats: Die Zwillinge

Bildliche Darstellung der Zwillinge. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Am östlichen Ende des Wintersechseckes befindet sich das sehr bekannte Sternbild der Zwillinge, welches auch ein Tierkreiszeichen ist und somit in den Horoskopen vorkommt. Die beiden hellsten Sterne sind Pollux und Castor, zwei Sterne erster Größe; Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Castor steht im Wintersechseck auf der Seite der Capella - beide Namen fangen mit einem "C" an, und Pollux auf der Seite von Procycon - beide Namen fangen mit einem "P" an.

Gemäß der Mythologie waren Castor und Pollux zwei unzertrennliche Zwillingsbrüder, die manch Abenteuer bestanden haben. Castor war sterblich und Pollux unsterblich, doch Pollux bat seinen leiblichen Vater, Zeus, seine Unsterblichkeit mit Castor teilen zu dürfen, so dass sie nun einen Tag gemeinsam in der Unterwelt und einen Tag gemeinsam im Olymp verbringen.

Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer Zwillingsstern, der etwas heller als 2.Größe ist, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren. Diese drei Sterne wurden schon in den vergangenen Monaten vorgestellt.

Die beiden nächst helleren Sterne, zwei Sterne 3. Größe, befinden sich am Fuße von Castor; am Fuß selber steht "Tejat Posterior", ein Roter Riese im Abstand von über 200 Lichtjahren und etwas oberhalb, also in Richtung Castor, sieht man den Stern Mebsuta, einen gelblichen Stern im Abstand von 900 Lichtjahren.

4. Monatsthema: Die Versammlung 13 der 16 hellsten Sterne am Abendhimmel

Schon im Altertum kam den besonders hellen Sternen eine ganz besondere Bedeutung zu, die sich in Beobachterkreisen bis heute erhalten hat. Genau genommen ist die Bezeichnung Sterne 1. Größe falsch, denn es gibt auch Sterne 0. Größe; der hellste Fixstern, der helle Sirius, ist sogar -1.5-te Größe hell. Diese Sterne werden aber ebenfalls als Sterne 1. Größe bezeichnet; richtiger wäre es also, von Sternen heller als 1.Größe zu reden.

Im April lassen sich von den in unseren Breiten sichtbaren 16 Sternen erster Größe immerhin dreizehn gleichzeitig sehen, die wir in diesem Kapitel kurz vorstellen wollen.

Die reichste Jahreszeit mit Sternen erster Größe ist der Winter, der 8 solche Sterne beherbergt, die alle im Bereich des Wintersechseckes angesiedelt sind und nun am Westhimmel stehen. Der Helligkeit nach sortiert sind das der Sirius im Großen Hund, die Capella im Fuhrmann, Rigel und Beteigeuze beide im Orion, Procyon im Kleinen Hund, Aldebaran im Stier sowie Pollux und Castor in den Zwillingen. Genau genommen verfehlt Castor die erste Größe um wenige Hunderstel, wird aber meist im selben Atemzug mit Pollux genannt. Der Sirius ist sogar ein Stern -1.5-ter Größe, Capella, Rigel, Beteigeuze und Procyon sind Sterne 0. Größe.

Der Frühling hat 3 Sterne erster Größe, nämlich Arktur im Bärenhüter Bootes, die Spica in der Jungfrau sowie Regulus im Löwen. Arktur ist ein Stern 0. Größe und ist der hellste Fixstern der Nordhemisphäre. Diese Sterne stehen jetzt hoch im Südosten und im Süden. Zusätzlich steht zur Zeit mit dem Ringplaneten
Saturn ein weiterer Stern sogar 0. Größe im Löwen.

Im Areal des Wintersechsecks ist die Hälfte der bei uns sichtbaren Sterne heller 1. Größe versammelt
Die beiden ersten Sommersterne erster Größe sind auch schon aufgegangen und stehen halbhoch im Nordosten, das sind die Wega in der Leier sowie Deneb im Schwan. Die Wega ist ein Stern 0. Größe und ist in unseren Breiten der hellste Stern der Nordhemisphäre, da sie nur wenige Hundertstel schwächer als Arktur ist, aber zeitweise im Zenit steht, wo das Licht am wenigsten von der Erdatmosphäre abgeschwächt wird.

Drei Sterne erster Größe kann man zur Zeit also nicht bewundern, das sind Antares im Skorpion, Atair im Adler sowie die Fomalhaut im Südlichen Fisch. Streng genommen erreicht auch die Adhara im Großen Hund südlich vom Sirius erste Größe, indes steigt sie in unseren Breitengraden nie hoch genug über den Horizont, um 1. Größe erreichen zu können.

Himmelsweit gibt es noch 6 weitere Sterne erster Größe oder heller, nämlich der zweithellste Fixstern Canopus, der sogar -1. Größe erreicht; dieser Stern steht im Sternbild des Schiffskieles; dann die beiden Zentaurensterne Alpha und Beta Centauri, von denen ersterer der Hauptstern des sonnennächsten Fixstern-Systems ist und 0. Größe erreicht; zudem noch die beiden hellsten Sterne des Kreuz des Südens, Acrux und Mimosa sowie der Hauptstern des Eridanus, das ist Achernar, der so hell ist wie die Beteigeuze und Procyon und somit ebenfalls 0. Größe erreicht.

-> Zum Verzeichnis



Startseite