Sternenhimmel im April 2011


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im April kommt es am Himmel zum großen Auflauf der Sterne 1.Größe - 13 der in unseren Breiten sichtbaren 16 Sterne erster Größe können in der ersten Monatshälfte bewundert werden, zu ihnen gesellt sich noch der Ringplanet Saturn. Die prächtigen Wintersternbilder stehen mit ihren hellen Sternen stehen noch über dem Westhorizont: Die helle Capella steht halbhoch im Nordwesten, der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel sowie links unterhalb der helle Sirius sowie hoch über ihm der Procyon sind ebenfalls zu sehen. Im Osten kann man Arktur und - noch nahe am Horizont - die Wega sehen, so dass jetzt sogar alle in unseren Breiten sichtbaren Sterne 0. Größe bewundert werden können.

Im Verlaufe des Monats werden sich dann die hellen Wintersterne rasch von der Himmelsbühne verabschieden, zunächst die südlichen Teile des Orions und der helle Sirius, so dass Arktur die Rolle des hellsten Sternes am Himmel übernimmt. Im Osten kündigt sich auch schon die helle Wega in der Leier an. Nördlich von Deutschland ist es übrigens die Capella, die noch hoch im Westen am Himmel steht und wieder in den Genuss der Pole-Position kommt, weil dort sowohl Arktur als auch die Wega noch nicht hoch genug am Himmel stehen.

Der Große Wagen steht fast schon auf dem Kopf hoch über dem Polarstern und erscheint uns in dieser Lage etwas ungewohnt. Im Süden kann man das Sternbild des Löwen bewundern.

Im Osten steht der Ringplanet
Saturn zwischen dem Löwen und Arktur.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht hoch am Himmel, so schräg auf dem Kopf stehend wirkt er recht ungewohnt. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash "Klageweiber"; der mittlere Deichselstern Mizar "Mantel".

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, der vordere untere Kastenstern heißt Phekda. Merak bedeutet "Lende", Phekda bedeutet "Schenkel". Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; die übrigen Sterne des Großen Wagen sind ebenso wie der Augenprüfstern neben Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".


Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Wenn man die beiden oberen Kastensterne des Großen Wagen gut viermal nach Westen verlängert, so gelangt man hoch im Nordwesten zur hellen Capella. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Rechts unterhalb der Capella sieht man zwei Sterne schräg diagonal übereinander. Der obere rechte ist Mirfak, der Hauptstern des Perseus. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern beinahe 1. Größe im Abstand von 100 Lichtjahren. Schräg diagonal links unterhalb steht der zweithellste Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung). In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

-> mehr über Sternfarben und Sterntypen
-> mehr zum Großen Wagen
-> mehr zum Kleinen Wagen

2.3 Der Orion

Das Winterdreieck (grün) und Wintersechseck (gelb)
Geht man von der hellen Capella nach Südwesten, so kann man in der ersten Monatshälfte das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen. Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Der linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)".

Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Das Sternbild des Orion enthält neben Beteigeuze und Rigel auch drei Sterne, die beinahe 1. Größe erreichen, nämlich die Bellatrix an der rechten Schulter des Orion sowie Alnilam und Alnitak - der mittlere und der linke Stern des Oriongürtels. Alnilam und Alnitak bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel". Alle drei sind blauweißliche Riesensterne.

Die beiden übrigen Sterne des Orion sind 2.Größe. Der rechte Gürtelstern heißt Mintaka und der linke Fußstern heißt Saiph. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". Das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem Fuß.

Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Die drei Oriongürtelsterne Alnilam, Alnitak und Mintaka sind ebenso wie der linke Fußstern Saiph blauweißliche Riesensterne; alle vier sind rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt! Rechts oberhalb des hellen Orionstern Rigel befindet sich der Stern Cursa. Er ist ein blauweißlicher Stern beinahe 2.Größe im Abstand von knapp 100 Lichtjahren. Cursa bedeutet "Fußbank (des Orion), gehört aber sternbildmäßig zum Sternbild des Eridanus, dessen zweithellster Stern er ist. ->
Mehr zum Orion

2.4 Die Hundssterne

Das Sternbild des Großen Hundes
Links unterhalb des Orions kann man bis Monatsmitte einen weiteren auffallend hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Er steht nun hoch über dem Sirius, ein bisschen nach links versetzt.

Im Gegensatz zu den Orionsternen, die allesamt weit entfernt sind, sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Hundssterne werden von einem hochkompakten Stern, einem Weißen Zwerg, umkreist.

Etwas rechts von Procyon steht Gomeisa, ein Stern etwas heller als 3. Größe. Gomeisa bedeutet "die Kleine mit den trüben Augen" und ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Vom Procyon gelangt man zu Gomeisa, indem man in Richtung der Fußsterne der Zwillinge geht. Man kann ihn aber auch ganz einfach so finden, dass er der einzige etwas hellere Stern in der Nähe von Procyon ist. Der Abstand zwischen Procyon und Gomeisa ist etwa gleich groß wie der Abstand zwischen Pollux und Castor.

Die Beteigeuze, der Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck Sterne 0. Größe, welches auch "Winterdreieck" genannt wird und das sich gerade für Anfänger ausgezeichnet zum Auffinden von Procyon eignet.

Bei sehr guter Horizontsicht im Südwesten kann man bis Monatsmitte auch noch die übrigen Sterne des Großen Hundes bewundern: Rechts neben dem Sirius steht ein Stern beinahe 1. Größe, das ist Mirzam. Er ist ein über 500 Lichtjahre entfernter blauweißlicher Riesenstern und bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht".

Die unteren Teile des Großen Hundes bestehen mit einer Ausnahme aus lauter Sternen beinahe 1. Größe oder heller: Unterhalb von Sirius und Mirzam steht der Stern Wezen; er ist ein sehr weit entfernter weißgelblicher Riesenstern im Abstand von 2000 Lichtjahren und bedeutet "das Gewicht". Rechts unterhalb von Wezen kann man den Stern Adhara erkennen, der sogar gerade noch die erste Größe erreicht, in unseren Breiten jedoch so weit südlich steht, dass er nur sehr selten wirklich auffällig hell zu erkennen ist. Adhara bedeutet "die Jungfrauen" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 500 Lichtjahren. Links unterhalb von Wezen steht die Aludra; sie ist ein Stern 2. Größe und ebenfalls ein sehr weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von 3200 Lichtjahren. Aludra heißt "die Jungfernschaft".

->
Mehr zum Großen Hund

2.5 Der Stier, die Zwillinge und das Wintersechseck

Am Osthimmel steht das Sternbild der Zwillinge
Schräg unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, kann man bis zur Monatsmitte Aldebaran, einen Stern 1. Größe sehen; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stier. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Er steht am linken oberen Ende eines nach oben geöffneten "V"; bei dem jeder Schenkel aus drei Sternen besteht. Wer gute Augen hat, sieht, dass der mittlere Stern im linken Schenkel aus zwei ganz nahe zusammenstehenden Sternen besteht. Mit Ausnahme des Vordergrundsternes Aldebaran sind die Sterne dieses "V" die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden, der 150 Lichtjahren entfernt ist.

Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach links eingerückt, steht der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)". El Nath ist ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren. Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2. Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt". Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. Die Sterne Capella, Menkalinam und El Nath stehen also im figürlich einfach erkennbaren erweiterten Fuhrmann-"Sechseck".

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer heller Zwillingsstern, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; da auch die Beteigeuze in diesem Bereich steht, ist hier die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe versammelt.

->
Mehr zum Stier / -> Mehr zu den Zwillingen

2.6 Arktur, Spica, die Nördliche Krone und ab Monatsmitte Ras Alhague

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0.Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Nach dem Untergang des hellen Sirius ist er der hellste Fixstern am Abendhimmel. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Sie steht derzeit links des Ringplaneten Saturn.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links von Arktur steht, ist der zweithellste Stern des Bärenhüters, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2.Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Ab der zweiten Monatshälfte kann man bei guter Horizontsicht tief im Osten in Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma einen Stern 2.Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelber Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Zwischen Sirius und Arktur befindet sich das schöne Sternbild des Löwen

2.7 Das Sternbild des Löwen und Alphard in der Wasserschlange

Östlich des Wintersechseckes sieht man zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der rechte ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blauweißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Nach Sonnenuntergang unter der Algieba, später in der Nacht dann links von ihr, etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus, sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus von der Stirn zum Herzen des Löwen sowie Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Duhr ist ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren und Coxa ist ein weißlicher Stern im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

In der Nähe der Algieba finden wir 3 Sterne, welche den Kopf des Löwen markieren: Etwas oberhalb Adhafera, die Haarsträhne des Löwen, dann westlich Ras Elased Borealis und südlich Ras Elased Australis, die beiden Sterne "nördlich und südlich des Kopfes des Löwen". Ras Elased Australis ist ein heller Stern 3. Größe, wie unsere Sonne gelblich und 250 Lichtjahre von uns entfernt; über ihm Ras Elased Borealis ist ein Roter Riese im Abstand von gut 130 Lichtjahren. Adhafera schließlich ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Sei noch der Stern eta Leonis zwischen Algieba und Regulus, ein wenig vor der Verbindungslinie, erwähnt; er wird manchmal fälschlicherweise als Subra bezeichnet. Den richtigen Stern Subra findet man, wenn man von eta Leonis kommend bei Regulus rechtwinklig nach Westen abbiegt und dann etwa doppelt so weit geht; dieser Stern ist gleich hell wie eta Leonis und heißt Subra. Subra bedeutet "Mähne" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 120 Lichtjahren. Eta Leonis ist ebenfalls ein weißlicher Stern, er ist aber mit 2000 Lichtjahren viel weiter entfernt.

Wenn man von der Algieba über Regulus nach rechts unten knapp dreimal verlängert, so trifft man einen Stern 2. Größe, das ist Alphard in der Wasserschlange. Alphard bedeutet treffenderweise "der alleine dastehende Stern", da die übrigen Sterne der Wasserschlange nicht sehr auffällig sind. Alphard ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Alphard kann man auch in der Verlängerung der beiden Zwillingssterne Castor und Pollux finden.

2.8 Die ersten Sommersterne: Wega, Deneb und der Drache

Tief im Nordosten ist auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Am einfachsten gelangt man zu diesen beiden Botensternen der Wega, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen ausgeht. In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe namens eta Draconis, dem zweithellsten Stern des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach links, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid findet man, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

Bei guter Horizontsicht kann man tief im Norden links unterhalb der Wega auch Deneb im Schwan, einen blauweißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, erspähen. Deneb bedeutet "Schwanz (des Schwanes)".

2.9 Der Bärenstrom

Wir haben oben gesehen, dass mit Ausnahme von Dubhe und Benetnash alle "inneren" Sterne des Großen Wagen ebenso wie der Augenprüfstern weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren sind. Das ist kein Zufall, da sie alle Mitglieder des Bärenstromes sind, eines Sternhaufens, der an unserer Sonne vorüberzieht. Zu diesem Bärenstrom gehören erstaunlicherweise auch der Sirius im Großen Hund, der zweithellste Fuhrmann-Stern Menkalinam, die Gemma in der Nördlichen Krone sowie der zweithellste Eridanusstern Cursa. Unsere Sonne befindet sich momentan inmitten dieses Sternhaufens, gehört aber selber nicht dazu.

3 Die Mondstationen am Abendhimmel

3.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, in denen im Verlaufe des Jahres die Sonne steht, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes war das anders: damals hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht, das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

3.2 Die Mondstation an-natra im Sternbild Krebs

Im vergangenen Monat wurde die Mondstation an-natra vorgestellt, die aus einem Sternhaufen und zwei Sternen besteht und sich im Sternbild Krebs befindet. An-natra bedeutet "Nasenhauch" und kann nur bei guter Sicht gefunden werden:

Der Sternhaufen heißt "Krippe" und bietet im Feldstecher einen prachtvollen Anblick. Am einfachsten findet man ihn, wenn man von den Zwillingssternen Castor und Pollux in Richtung Löwe wandert: Pollux von der vorherigen Mondstation, der Zwillingsstern Alhena von der vorletzten Mondstation, der auf knapp halbem Wege zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht, sowie der obere Hundsstern Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Spiegelt man die Alhena an der Achse Pollux - Procyon, so kommt man in die Nähe der Krippe, die man nun mit dem Feldstecher durch ein bisschen herumwandern sehr leicht finden kann. Die Krippe ist ein knapp 600 Lichtjahre entfernter Sternhaufen und besteht aus rund 350 Sternen. Sie hat einen Durchmesser von knapp 25 Lichtjahren. Die beiden Sterne gamma und delta Cancri stehen am linken Rand der Krippe und sind dann ebenfalls im Feldstecher zu sehen. Sie heißen Asellus Borealis - das ist der Stern links oberhalb der Krippe - und Asellus Australis links unterhalb der Krippe; das bedeutet im lateinischen nördlicher und südlicher Esel. Beide sind schwache Sterne 4. sowie gerade noch 4. Größe. Asellus Borealis ist ein weißlicher Stern, Asellus Australis ein Roter Riese. Beide sind rund 150 Lichtjahre von uns entfernt. Die Krippe selber wird manchmal mit epsilon Cancri bezeichnet und bekommt immer wieder Besuch von einem Kometen, was sehr schön aussieht. In der indischen Tradition werden diese Sterne mit "Blume" übersetzt.

3.3 Die Mondstation at-tarf an der Grenze der Sternbilder Krebs, Löwe und Wasserschlange

Die erste Mondstation dieses Monats besteht nur aus schwachen Sternen und heißt at-tarf; das bedeutet "der Blick (des Löwen)", ist also dort, wohin der Löwe schaut. Aufgrund eines Übertragungsfehlers hat der hellste Stern des Sternbildes Krebs irrtümlich diesen Namen erhalten und heißt heute Altarf. Diesen Stern findet man recht einfach, indem man von Castor und Pollux kommend rund dreimal verlängert, bis man auf der Höhe von Procyon ist. Altarf ist ein Stern beinahe 3. Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren. In der indischen Tradition heißt diese Mondstation "der Umarmer" und wird von einer Sterngruppe gebildet, deren hellste Sterne auf dem Weg von Castor und Pollux zu Alphard geringfügig weiter als Altarf stehen. Es sind dies zwei Sterne 3. Größe im Norden der Wasserschlange, zeta Hydrae und epsilon Hydrae. Der linke und etwas hellere Stern zeta Hydrae ist ein Roter Riese und epsilon Hydrae ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Beide sind von uns 150 Lichtjahren entfernt.

Diese Sterne kann man auch finden, wenn man von Pollux zu Procyon und dann rechtwinklig weg vom Wintersechseck geht, und zwar gleich weit wie der Zwillingsstern Alhena von Pollux entfernt ist. Der Krebsstern Altarf steht dann ungefähr in der Mitte zwischen Procyon und den beiden nördlichen Sternen der Wasserschlange, also zeta und epsilon Hydrae, etwas in Richtung der Zwillinge eingerückt.

3.4 Die drei hellen Mondstationen im Sternbild Löwe

Das Sternbild des Löwen enthält drei Mondstationen.
Die drei nächsten Mondstationen bestehen aus den Löwensternen und sind einfach zu finden:

Al-gabba hat der Algieba ihren Namen verliehen und besteht aus der Linie Adhafera - Algieba - eta Leonis und Regulus; in der indischen Tradition wird nur Regulus verwendet und heißt dort "der Große".

Az-zubra besteht aus den beiden Sternen Duhr und Zosma der mittleren Löwenachse; der Name dieser Mondstation ist dann auf den Löwenstern Subra im rechtwinkligen Dreieck eta Leonis, Regulus und Subra übergegangen. In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der frühere Rötliche" übersetzt.

Die Mondstation As-sarfa schließlich besteht aus der Denebola beim Schwänzchen des Löwen, dies bedeutet der "Wechsel (des Wetters)". In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der spätere Rötliche" übersetzt.

->
Einführung in die Mondstationen

4. Monatsthema: Die Versammlung 13 der 16 hellsten Sterne am Abendhimmel

Schon im Altertum kam den besonders hellen Sternen eine ganz besondere Bedeutung zu, die sich in Beobachterkreisen bis heute erhalten hat. Genau genommen ist die Bezeichnung Sterne 1. Größe falsch, denn es gibt auch Sterne 0. Größe; der hellste Fixstern, der helle Sirius, ist sogar -1.5-te Größe hell. Diese Sterne werden aber ebenfalls als Sterne 1. Größe bezeichnet; richtiger wäre es also, von Sternen heller als 1. Größe zu reden.

In der ersten Aprilhälfte kann man von den in unseren Breiten sichtbaren 16 Sternen erster Größe immerhin dreizehn gleichzeitig sehen, die wir in diesem Kapitel kurz vorstellen wollen.

Im Areal des Wintersechsecks ist die Hälfte der bei uns sichtbaren Sterne heller 1. Größe versammelt
Die reichste Jahreszeit mit Sternen erster Größe ist der Winter, der 8 solche Sterne beherbergt, die alle im Bereich des Wintersechseckes angesiedelt sind und nun am Westhimmel stehen. Der Helligkeit nach sortiert sind das der Sirius im Großen Hund, die Capella im Fuhrmann, Rigel und Beteigeuze beide im Orion, Procyon im Kleinen Hund, Aldebaran im Stier sowie Pollux und Castor in den Zwillingen. Genau genommen verfehlt Castor die erste Größe um wenige Hunderstel, wird aber meist im selben Atemzug mit Pollux genannt. Der Sirius ist sogar ein Stern -1.5-ter Größe, Capella, Rigel, Beteigeuze und Procyon sind Sterne 0. Größe.

Der Frühling hat 3 Sterne erster Größe, nämlich Arktur im Bärenhüter Bootes, die Spica in der Jungfrau sowie Regulus im Löwen. Arktur ist ein Stern 0.Größe und ist der hellste Fixstern der Nordhemisphäre. Diese Sterne stehen jetzt hoch im Südosten und im Süden. Zusätzlich steht zur Zeit mit dem Ringplaneten Saturn ein weiterer Stern sogar 0. Größe zwischen Löwe und Jungfrau.

Die beiden ersten Sommersterne erster Größe sind auch schon aufgegangen und stehen halbhoch im Nordosten, das sind die helle Wega in der Leier sowie Deneb im Schwan. Die Wega ist ein Stern 0. Größe und ist in unseren Breiten der hellste Stern der Nordhemisphäre, da sie nur wenige Hundertstel schwächer als Arktur ist, aber zeitweise im Zenit steht, wo das Licht am wenigsten von der Erdatmosphäre abgeschwächt wird.

Drei Sterne erster Größe kann man zur Zeit also nicht bewundern, das sind Antares im Skorpion, Atair im Adler sowie die Fomalhaut im Südlichen Fisch. Streng genommen erreicht auch die Adhara im Großen Hund südlich vom Sirius erste Größe, indes steigt sie in unseren Breitengraden nie hoch genug über den Horizont, um 1. Größe erreichen zu können. Würde man sie mitzählen, so könnte man bei guter Südwestsicht nun sogar 14 der 17 hellsten Sterne sehen.

Am ganzen Sternenhimmel einschließlich dem Südhimmel gibt es noch 6 weitere Sterne erster Größe oder heller, nämlich den zweithellsten Fixstern Canopus, der sogar -1. Größe erreicht; dieser Stern steht im Sternbild des Schiffskieles. Dann die beiden Zentaurensterne alpha und beta Centauri, von denen ersterer der Hauptstern des sonnennächsten Fixstern-Systems ist und 0. Größe erreicht, sowieAchernar, der Hauptstern des Eridanus, der so hell ist wie die Beteigeuze und Procyon und somit ebenfalls 0. Größe erreicht. Verbleiben noch die beiden hellsten Sterne des Kreuz des Südens, das sind Acrux und Mimosa

->
Zum Verzeichnis

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


Startseite