Sternenhimmel im April 2012


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im April kommt es am Himmel zum großen Auflauf der Sterne erster Größe - 13 der in unseren Breiten sichtbaren 16 Sterne erster Größe können in der ersten Monatshälfte am Abendhimmel bewundert werden, zu ihnen gesellen sich neben der strahlend hellen
Venus der auffallend rötliche Mars hoch im Süden und tief im Osten der Ringplanet Saturn.

Die prächtigen Wintersternbilder stehen mit ihren hellen Sternen noch über dem Westhorizont: die helle Capella halbhoch im Nordwesten, der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel im Südwesten sowie links unterhalb der helle Sirius. Hoch über ihm sieht man Procyon - den Boten des hellen Sirius; die beiden bilden mit der Beteigeuze an der Schulter des Orion ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Verlängert man den Oriongürtel nach rechts oben, so gelangt man zu Aldebaran, der inmitten der Hyaden steht. Im Osten kann man Arktur und - noch nahe am Horizont - die Wega sehen.

Im Verlaufe des Monats werden sich dann die hellen Wintersterne rasch von der Himmelsbühne verabschieden, zunächst die südlichen Teile des Orions, Aldebaran und der helle Sirius, so dass Arktur die Rolle des hellsten Sternes am Himmel übernimmt. Im Osten kündigt sich auch schon die helle Wega in der Leier an. Nördlich von Deutschland ist es übrigens die Capella, die noch hoch im Westen am Himmel steht und wieder in den Genuss der Pole-Position kommt, weil dort sowohl Arktur als auch die Wega noch nicht hoch genug am Himmel stehen.

Der Große Wagen steht fast schon auf dem Kopf hoch über dem Polarstern und erscheint uns in dieser Lage ungewohnt; die Cassiopeia nähert sich im Nordwesten dem Horizont. Im Süden kann man das Sternbild des Löwen mit dem Mars bewundern.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen, Schedir und Caph in der Cassiopeia sowie Alderamin im Kepheus

Der bekannte Große Wagen besteht aus 7 Sternen, von denen vier Sterne den Wagenkasten und drei Sterne die Wagendeichsel bilden. Er zieht im Nordosten wieder hinauf und steht dann hoch über dem Polarstern. Diesen findet man, indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten verlängert. Der Polarstern steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auch die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse in den Himmel, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zur Cassiopeia; sie wird bald in den Horizontdunst eintauchen und sieht nun aus wie ein großes etwas auf der Seite liegendes W; ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von rechts unten. Der unterste Cassiopeiastern heißt Caph und ist der Ausgangspunkt der Plejadenbüste.

Das Sternbild des Großen Wagens ist das ganze Jahr über zu sehen.
Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar. Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär" und der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber". Der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, der vordere untere Kastenstern heißt Phekda. Merak bedeutet "Lende", Phekda bedeutet "Schenkel". Der 7. Wagenstern heißt Megrez und erreicht 3. Größe, das ist der vordere obere Kastenstern. Megrez bedeutet "Anfügepunkt (des Schwanzes)". Geringfügig heller ist Pherkad, der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen; er ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber".

Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; Alioth, Mizar und die übrigen Sterne des Großen Wagen sind ebenso wie der Augenprüfstern neben Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren, er hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern (des Nordens)"; er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3'000 Jahren in der Nähe von Kochab. Ebenfalls die 2. Größe erreichen die beiden hellsten Sterne der Cassiopeia: ihr Hauptstern Schedir steht von unten an der zweiten Stelle und markiert die Brust der Cassiopeia, sie ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Der unterste Cassiopeiastern heißt Caph, das bedeutet "die ausgestreckte Hand (der Plejadenbüste)", er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Geht man von Caph über Schedir ungefähr fünfmal weiter, so gelangt man zum Hauptstern Alderamin des Kepheus. Dieser ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Alderamin bedeutet "rechter Arm".

Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" Alkor neben dem mittleren Deichselstern; Alkor ist eine Nebenform von Alioth, die sich im Laufe der Zeit zu einem eigenständigen Sternnamen entwickelt hat. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet. Einer altgriechischen Legende zufolge ist Alkor die fehlende 7. Plejade. Er erreicht die 4. Größe.

2.2 Der Orion, der Sirius und die Capella sowie die übrigen prominenten Wintersterne

Das Winterdreieck (grün) und Wintersechseck (gelb)
Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen in der Mitte sowie zwei Fußsternen. Ab Monatsmitte werden die unteren Teile des Orion untergehen. Der linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Die Beteigeuze und Rigel erreichen beide die 0. Größe.

Links unterhalb des Orion kann man den hellsten Fixstern überhaupt am Himmel sehen, das ist der berühmte Sirius im Großen Hund.

Der Sirius ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der nun hoch über ihm steht: Procyon, das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)"; auch er ist ein Stern 0. Größe. Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, welches auch Winterdreieck genannt wird.

Der Orion-Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren, auch die Bellatrix ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. - Die beiden Hundssterne sind sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Hundssterne werden von einem hochkompakten Stern, einem Weißen Zwerg, umkreist.

Hoch im Nordwesten kann man die helle Capella sehen, auch sie ist ein Stern 0. Größe, ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein". Man findet sie, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch geht.

Schräg links unterhalb der Capella kann man in grober Verlängerung des Oriongürtels nach oben Aldebaran, einen Stern beinahe 0. Größe, sehen,; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stieres. Aldebaran kommt von "Ad-Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Er steht am linken äußeren Ende eines nach oben geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden, der 150 Lichtjahren entfernt ist.

Links oberhalb der hellen Capella sieht man zwei weitere Sterne 1. Größe schräg übereinander: das sind die Zwillinge; der linke untere Stern heißt Pollux und der rechte obere Stern heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren.

Somit haben wir nun alle Sterne des großen "Wintersechseck" beisammen, in dessen Areal sich die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne 1. Größe oder heller befinden: die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen, ein Sechseck, in dem sich auch die Beteigeuze befindet.

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2.3 Der Fuhrmann, der Stier und die Zwillinge

Das nördlichste Sternbild der bekannten Wintersternbilder ist der Fuhrmann, das Sternbild des hellen Sternes Capella, die 0. Größe hell ist. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen trägt der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein. Man findet die Capella, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem von unten gezählt vierten und fünften Stern des W hindurch weitergeht.

Das Sternbild des Fuhrmannes bildet ein unregelmäßig geformtes Fünfeck, das Auge jedoch fügt den Stern El Nath, der eigentlich schon zum Sternbild des Stieres gehört, unwillkürlich zum Fuhrmann dazu, so dass wir also ein unregelmäßig geformtes Sechseck sehen; auch in alten Sternbild-Darstellungen wird El Nath oft dem Fuhrmann zugerechnet. Capella und El Nath stehen in den gegenüberliegenden Ecken des "erweiterten" Fuhrmannes.

Im Sternbild des Fuhrmannes befindet sich in der Umgebung der Capella eine ganze Ziegenfamilie: Geht man von der Capella nach rechts unten zur nächsten Ecke des Fuhrmann/El Nath-Sechseckes, so sieht man dort 2 Sterne nebeneinander: das sind die beiden Ziegenkinder Hoedus I und Hoedus II. Hoedus II ist der innere und hellere Stern der beiden, Hoedus I der äußere. Zwischen der Capella und den beiden Ziegenkindern kann man noch eine "siebte" Ecke bilden; dort steht der Stern Almaaz; das bedeutet "Ziegenbock".

Links unterhalb der Capella steht der zweithellste Fuhrmannstern Menkalinan, ein Stern heller als 2. Größe. Das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. Die beiden übrigen Ecken des Fuhrmann werden von Borgadus zwischen Menkalinan und El Nath und von Hassaleh zwischen den Ziegenkindern und El Nath markiert. Beide erreichen beinahe 2. Größe. Borgadus ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren und sein nicht mehr verwendeter arabischer Name Mahasim bedeutet "Handgelenk (des Fuhrmanns)". Hassaleh heißt "Sprungbein des Zügelhalters" und ist ein Roter Riese im Abstand von rund 500 Lichtjahren. Hoedus II ist ein gut 200 Lichtjahre entfernter blauweißlicher Stern und Hoedus I ein fast 800 Lichtjahre entfernter Roter Riese. - Der Stern Almaaz in der zusätzlichen Ecke zwischen der Capella und den beiden Ziegenjungen ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 2'000 Lichtjahren. Hoedus II und Almaaz erreichen beide die 3. Größe, Hoedus I beinahe 3. Größe.

Etwas abseits im Fuhrmann steht der Stern delta Auriga, der gleich hell wie Hoedus I ist. Er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 150 Lichtjahren und man findet ihn in der Verlängerung von Borgadus über Menkalinam hinaus.

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Sternbild des Stiers
Schräg links unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Ihr hellster Stern ist die Alcyone, die immerhin beinahe 2. Größe erreicht. Alcyone ist der Eigenname dieser Plejadentochter, wie alle Plejadensterne ein blauweißlicher Stern im Abstand von knapp 400 Lichtjahren.

Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern beinahe 0. Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stieres. Man findet ihn auch in grober Verlängerung des Oriongürtels nach oben. Er markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres und steht am linken äußeren Ende eines nach oben geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden, der mit 150 Lichtjahren gut doppelt so weit wie Aldebaran entfernt ist.

Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach unten eingerückt, steht ein Stern beinahe 1. Größe. Das ist der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)". Er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren und wird oft dem erweiterten Fuhrmann-Sechseck zugefügt. Das zweite Horn des Stieres wird von zeta Tauri, einem Stern 3. Größe, dargestellt und bildet mit Aldebaran und El Nath ein längliches Dreieck, bei dem sich zeta Tauri links unterhalb von El Nath befindet. In der chinesischen Astronomie hatte dieser Stern den Namen Tien Kuan, das bedeutet "der himmlische Gebirgspass". Zeta Tauri ist nach der Plejade Alcyone der vierthellste Stern des Sternbildes, ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 400 Lichtjahren.

Das Dreieck von Aldebaran und der Hyaden zeigt auf den Stern lamda Tauri, einen Stern gerade noch 3. Größe. Er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von knapp 400 Lichtjahren. Doppelt so weit entfernt gelangt man zu omicron Tauri, einen wie unsere Sonne gelben Stern beinahe 3. Größe im Abstand von gut 200 Lichtjahren. Ebenfalls beinahe 3. Größe erreicht der Stern xi Tauri; ihn findet man neben omicron Tauri; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 220 Lichtjahren.. - Zwei der Hyadensterne erreichen ebenfalls gerade noch die 3. Größe, die übrigen drei hellen Hyadensterne sowie der zweit-, dritt- und vierthellste Plejadenstern erreichen beinahe die 3. Größe.

Liks oberhalb der hellen Capella kann man die beiden Sterne der Zwillinge schräg übereinander sehen, der linke untere heißt Pollux und der rechte obere heißt Castor. Beide erreichen die erste Größe. Castor befindet sich auf der Seite der Capella - beide Sternnamen fangen mit einem "C" an, und Pollux auf der Seite von Procyon, beide Sternnamen fangen mit einem "P" an. Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer heller Zwillingsstern beinahe erster Größe, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren. Ihr Nachbarstern erreicht 3.Größe und heißt Alzir, das bedeutet "(Kleider-)Knopf"; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von rund 60 Lichtjahren.

Auch am Fuß von Castor befindet sich ein Stern, er heißt Tejat und ist ein Stern 3. Größe, ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren. Tejat und seine Nachbarsterne werden manchmal als "die Dromedare" übersetzt, was sprachwissenschaftlich aber kaum haltbar ist. Zwischen Tejat und Castor befindet sich ein Drittel von Tejat entfernt der Stern Mebsuta, der ebenfalls 3. Größe erreicht. Mebsuta ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, weit entfernt im Abstand von fast 1'000 Lichtjahren. Mebsuta bedeutet "die ausgestreckte (Vorderpfote des Löwen)", dieser Name wurde ursprünglich für die beiden Hauptsterne Castor und Pollux verwendet.

Geht man von in den Zwillingen von Tejat am Fuße Castors über den Stern Castor ungefähr gleichviel weiter, so gelangt man etwas unterhalb zu einem Stern 3. Größe, das ist der Hauptstern des unauffälligen Sternbildes Luchs. Er ist ein Roter Riese im Abstand von 220 Lichtjahren.

2.4 Weitere helle Sterne im Orion, im Großen Hund und im Kleinen Hund sowie Cursa

Orionnebel. Bild: Hubble
Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man in der ersten Monatshälfte bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1'500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Das Sternbild des Orion enthält neben Beteigeuze und Rigel, die beide die 0. Größe erreichen, auch drei Sterne, die beinahe 1. Größe erreichen, nämlich die Bellatrix an der rechten Schulter des Orion sowie Alnilam und Alnitak - den mittleren und den linken Stern des Oriongürtels. Alnilam und Alnitak bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel". Die beiden übrigen Sterne des Orion sind 2. Größe. Der rechte Gürtelstern heißt Mintaka und der linke Fußstern heißt Saiph. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". Das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem Fuß.

Die drei Oriongürtelsterne Alnilam, Alnitak und Mintaka sind ebenso wie der linke Fußstern Saiph blauweißliche Riesensterne; alle vier sind rund 1'000 Lichtjahre von uns entfernt!

Rechts neben dem Sirius im Großen Hund steht ein Stern beinahe 1. Größe, das ist Mirzam, er ist ein über 500 Lichtjahre entfernter blauweißlicher Riesenstern und bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht". Der achthellste Orionstern erreicht beinahe 2. Größe und steht im Orionnebel; er heißt Nair Al Saif, das bedeutet "der Helle im Schwert", und er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 1'300 Lichtjahren Entfernung. Der neunthellste Orionstern erreicht 3. Größe und man findet ihn, indem man den Oriongürtel nach oben verlängert. Er heißt pi(3) Orionis und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von nur 26 Lichtjahren. Sein manchmal verwendeter Name lautet Tabit. Sei noch Gomeisa etwas oberhalb von Procyon erwähnt; er ist mit beinahe 2. Größe etwas heller und bedeutet "die Kleine mit den trüben Augen". Gomeisa ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren.

Neben dem hellen Orionstern Rigel entspringt im Stern Cursa der Fluss Eridanus; Cursa ist ein blauweißlicher Stern beinahe 2.Größe im Abstand von knapp 100 Lichtjahren und bedeutet "Fußbank (des Orion)".

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2.5 Die Cassiopeia der Kepheus und der Perseus

Die beiden hellsten Cassiopeiasterne Schedir und Caph wurden bereits vorgestellt: der Hauptstern der Cassiopeia heißt Schedir, das bedeutet "Brust". Sie ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Wenn man das Himmels-W der Cassiopeia von rechts unten nach links oben durchzählt, so steht die Schedir an der zweiten Stelle. Auch die anderen Cassiopeiasterne haben Namen: Der erste Stern heißt Caph; das bedeutet "die ausgestreckte Hand (der Plejadenbüste)", er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Die Bedeutung des Namens des mittleren Cassiopeiasternes Cih ist nicht mehr bekannt; er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 800 Lichtjahren. Diese 3 Sterne erreichen 2. Größe. Der vierte Cassiopeiastern heißt Ruchbah, das bedeutet "Knie (der Cassiopeia)"; er ist ein weißlicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von 100 Lichtjahren, und der fünfte Cassiopeiasternes Segin ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 400 Lichtjahren; auch die Bedeutung seines Namens ist nicht überliefert. Segin erreicht 3. Größe.

Der Kepheus
Links neben der Cassiopeia befindet sich das Sternbild des Kepheus. Man kann es sich am einfachsten als ein Haus mit Dach vorstellen, das zur Zeit schräg auf der Seite liegt. Sein Hauptstern Alderamin wurde schon vorgestellt, er ist ein Stern 2. Größe, der an der rechten unteren Ecke des Hauses ist. Man findet ihn in ungefähr fünffacher Verlängerung der beiden Cassiopeiasterne Caph über die Schedir hinaus. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. An der oberen rechten Ecke befindet sich neben Alderamin ein Stern 3. Größe, das ist Alfirk, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde. Schräg unterhalb von Alfirk steht an der Dachspitze des Kepheus-Hauses, gar nicht weit entfernt vom Polarstern, der Stern Alrai, der ebenfalls 3. Größe erreicht. Alrai bedeutet "Schäfer"; er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin. - Die übrigen Kepheussterne erreichen ebenfalls noch gerade 3. Größe. An der linken oberen Hauskante befindet sich der Stern iota Cephei, ein Roter Riese, der gut doppelt so weit entfernt ist wie Alrai und Alderamin, und an der unteren linken Hauskante der Stern Al Radif. Dieser ist aber viel bekannter unter seinem wissenschaftlichen Namen "delta Cephei", hat er doch einer ganzen Klasse veränderlicher Sterne seinen Namen gegeben. Er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von rund 900 Lichtjahren.

Der Perseus ist ein prominentes Herbststernbild und enthält mit Mirfak sogar einen Stern beinahe 1. Größe. Am einfachsten kann man sich den Perseus als einen Bogen von drei Sternen im oberen Teil vorstellen, von dem beim Hauptstern Mirfak in der Mitte des Bogens schräg nach unten eine Linie zum sehr prominenten Stern Algol und einem weiteren Stern abzweigt.

Mirfak heißt "Ellbogen (der Plejadenbüste)" und kann in der Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" gefunden werden; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Rechts und links neben Mirfak stehen je ein Stern dritter Größe und bilden so mit Mirfak einen typischen und leicht auffindbaren Bogen; gamma Persei in Richtung Cassiopeia ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren und delta Persei auf der anderen Seite ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 500 Lichtjahren.

Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, ist Algol, das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und steht unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Geht man von Mirfak an Algol vorbei, so gelangt man kurz darauf zu einem weiteren gut erkennbaren Perseusstern 3. Größe, das ist die Gorgonenschwester Gorgonea Tertia, ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren. Auch sie verändert ihre Helligkeit.

h und chi Persei, das "Schatzkästlein der Milchstraße"
Der dritt- und vierthellste Perseusstern befinden sich in der zweiten Perseuslinie, welche nicht von Mirfak zu Algol abbiegt, sondern erst zum unteren Bogenstern delta Persei weiterführt und von dort nach unten in Richtung der Plejaden abbiegt. Der erste Stern dieser Linie ist epsilon Persei, der mit delta Persei und Algol ein beinahe gleichseitiges Dreieck bildet. Den gleichen Abstand weitergehend findet man etwas nach rechts eingerückt den Stern Menkib. Menkib, epsilon Persei und Algol bilden ein gleichschenkliges rechtwinkliges Dreieck mit rechtem Winkel in epsilon Persei. Beide Sterne sind wie die Nachbarsterne von Mirfak Sterne 3. Größe. Menkib am Ende der zweiten Perseuslinie bedeutet "Schulter (der Plejadenbüste)" und ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 1000 Lichtjahren, und epsilon Persei an ihrem Abknickpunkt ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 500 Lichtjahren.

Rechtwinklig neben Menkib befindet sich am unteren Ende der zweiten Perseuslinie noch der Stern Atik, er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern beinahe 3. Größe im Abstand 1'500 Lichtjahre. Auch er ist Teil der Plejadenbüste und heißt "Schulterblatt (der Plejadenbüste)".

Im Perseus befindet sich auch das "Schatzkästlein der Milchstraße", das sind zwei nebeneinander liegende benachbarte Sternhaufen. Sie heißen "h und chi Persei" und können bei guten Sichtbedingungen schon von bloßem Auge gesehen werden. Aus der Tradition der Plejadenbüste wurden sie als Misam bezeichnet, das bedeutet "Handwurzel (der Plejadenbüste)". Beide Sternhaufen sind ungefähr 7500 Lichtjahre entfernt. Man findet sie sehr einfach: Neben gamma Persei, dem oberen Bogenstern, befindet sich ein Stern 4. Größe namens tau Persei. Nun geht man einfach von Mirfak aus durch das Tor, dass von gamma und tau Persei aufgespannt wird, in Richtung Cassiopeia hindurch gleichviel weiter, dann gelangt man schon zu h und chi Persei. Tau Persei ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren.

Man kann auch von der Cassiopeia herkommend den Weg zu Mirfak nutzen, der über die Verlängerung des 3. und 4. Cassiopeiasterns führt; etwa in dreifachem Abstand der beiden gelangt man ebenfalls zu h und chi Persei.

2.6 Der Löwe, der Mars und Alphard in der Wasserschlange

Östlich des Wintersechseckes sieht man zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der rechte ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blauweißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der linke Stern heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Unter Regulus kann man einen rötlichen Stern bewundern, das ist der Planet
Mars, der fast so hell wie der helle Sirius ist.

Wenn man von der Algieba über Regulus nach rechts unten verlängert, so trifft man tief im Südosten einen Stern 2. Größe, das ist Alphard in der Wasserschlange. Alphard bedeutet treffenderweise "der alleine dastehende Stern", da die übrigen Sterne der Wasserschlange weit verteilt sind. Alphard ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Man kann ihn auch in der Verlängerung der beiden Zwillingssterne Castor und Pollux finden.

Unter der Algieba sieht man etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus zwischen der Stirn und dem Herzen des Löwen sowie Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Duhr ist ein weißlicher Stern gerade noch 2. Größe im Abstand von 60 Lichtjahren und Coxa ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

In der Nähe der Algieba finden wir 3 Sterne, welche den Kopf des Löwen markieren: Etwas links oberhalb Adhafera, ein Stern 3. Größe an der Haarsträhne des Löwen, dann westlich Ras Elased Borealis und südlich Ras Elased Australis, die beiden Sterne "nördlich und südlich des Kopfes des Löwen". Ras Elased Australis ist ein Stern 3. Größe, wie unsere Sonne gelblich und 250 Lichtjahre von uns entfernt; über ihm Ras Elased Borealis ist ein Roter Riese im Abstand von gut 130 Lichtjahren; beinahe 3. Größe hell. Adhafera schließlich ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Sei noch der Stern eta Leonis zwischen Algieba und Regulus, ein wenig vor der Verbindungslinie, erwähnt; er erreicht gerade noch die 3. Größe und wird manchmal fälschlicherweise als Subra bezeichnet. Den richtigen Stern Subra findet man, wenn man von eta Leonis kommend bei Regulus rechtwinklig nach Westen abbiegt und dann etwa doppelt so weit geht; dieser Stern ist gleich hell wie eta Leonis. Subra bedeutet "Mähne" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 120 Lichtjahren. Eta Leonis ist ebenfalls ein weißlicher Stern, er ist aber mit 2'000 Lichtjahren viel weiter entfernt.

Geht man von Regulus statt zu Subra in die andere Richtung, so gelangt man zu einem Stern beinahe 3. Größe, das ist rho Leonis, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 2500 Lichtjahren. Auch iota Leonis erreicht beinahe die 3. Größe, er ist weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren. Er bildet mit Duhr und Coxa von der mittleren Löwenachse eine deichselartige Figur, bei der er an der unteren Stelle steht.

2.7 Arktur, Spica, der Ringplanet Saturn sowie die Nördliche Krone und ab Monatsmitte Ras Alhague und der Herkules

Das Sternbild des Bärenhüters
Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man hoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält"; sein heute nicht mehr verwendeter arabischer Name lautet Alramech, das bedeutet "der Lanzenbewaffnete". Arktur ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren und der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Wagendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Der arabische Name der Spica lautet Azimech, das bedeutet "die beiden, die hoch sind" - gemeint sind Arktur und Spica. Hierbei ist Arktur der "lanzenbewaffnete Hochstehende", da er von mehreren helleren Sternen umgeben ist, während die eher alleinstehende Spica der "unbewaffnete Hochstehende" ist.

Links der Spica steht ein weiterer heller Stern sogar 0. Größe, das ist der Ringplanet Saturn.

Arktur ist Ausgangspunkt einer nach links unten weisenden Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links von Arktur steht, ist der zweithellste Bärenhüterstern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Ab der zweiten Monatshälfte kann man bei guter Horizontsicht tief im Osten in Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

In der Mitte zwischen der Gemma und Ras Alhague kommt man am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei, einem Stern beinahe zweiter Größe. Rutikulus ist 150 Lichtjahre entfernt, wie unsere Sonne ein gelber Stern und heißt "Achselhöhle", sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Biegt man auf der Linie Gemma zu Ras Alhague bei Rutikulus senkrecht nach links ab, so kann man dort zwei weitere Sterne sehen, die mit Rutikulus ein beinahe gleichseitiges Dreieck bilden, dessen Kantenlänge etwa gleichgroß wie der Abstand Arktur - Mirak ist. Der rechte obere der beiden heißt zeta Herculi und ist gleich hell wie Rutikulus und ebenso wie dieser und wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, der linke untere heißt Sarin und ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Spiegelt man Rutikulus an der Achse zeta Herculi - Sarin, so gelangt man zu pi Herculi, der gleich hell ist wie Sarin; er ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren.

Der dritthellste Stern des Bärenhüters ist Muphrid neben Arktur und steht ungefähr senkrecht zur Deichsel Arktur - Mirak - Gemma, das ist derzeit schräg rechts oberhalb von Arktur. Muphrid bedeutet "der einzelne Stern des Lanzenbewaffneten", gemeint ist also der einzelne Stern von Arktur. Er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von knapp 40 Lichtjahren. In mittelalterlichen Darstellungen des Bärenhüters sieht man deswegen oft, dass dieser eine Lanze in der Hand hält. Zum vierthellsten Bärenhüterstern Ceginus gelangt man, wenn man von der Deichsel des Großen Wagen ausgehend den Bärenhüter erreicht. Ceginus ist ein Stern 3. Größe, sein Name ist die lateinisierte Form des Sternbildnamens Bärenhüter, der im griechischen Theguius heißt. Ceginus ist ein weißlicher Stern im Abstand von 85 Lichtjahren.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen senkrecht zur Krümmung geht, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

2.8 Die ersten Sommersterne: Wega, Deneb und der Drache

Tief im Nordosten ist auch schon die helle Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist der dritthellste Drachenstern Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Alwaid bedeutet "die Kamelmütter, die ihre 7 Tagen alten Jungen bei sich haben"; gemeint ist hiermit die Sterngruppe, zu der auch Ettanin gehört.

Am einfachsten gelangt man zu diesen beiden Botensternen der Wega, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen ausgeht. In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe namens eta Draconis, dem zweithellsten Stern des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach unten, ab, so kann man in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren. Aldhibah erreicht 3. Größe und bedeutet "die beiden Wölfe", womit er sowie eta Draconis, der hellere der beiden, gemeint sind. Diese beiden Sterne haben aber nichts mit dem Sternbild des Wolfes zu tun, welches man von Südeuropa aus im Sommer tief im Süden sehen kann.

Ettanin und Alwaid erreichen zweite und beinahe zweite Größe; man findet sie, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von den beiden Wölfen eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

Bei guter Horizontsicht kann man tief im Norden links unterhalb der Wega einen weiteren Stern 1. Größe erspähen, das ist Deneb im Schwan, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3'000 Lichtjahren. Deneb bedeutet "Schwanz (des Schwanes)".

Ettanin und Alwaid stehen im Kopf des Drachen und gemäß der Mythologie starrt der Drache den benachbarten Herkules mit zwei verschiedenfarbigen Augen an: Ettanin ist ein Roter Riese und Alwaid ein gelblicher Stern. Es ist bemerkenswert, dass damals die Luft so rein war, dass man sogar noch die Farbe dieser beiden Sternen erahnen konnte. Sie stehen in einer rautenförmigen Figur, das ist ein schiefes gleichseitiges Viereck. Die beiden anderen Sterne der Drachenkopf-Raute erreichen beinahe 3. Größe: der Stern auf der rechten Seite heißt Grumium und der Stern auf der linken Seite gehört schon zum Sternbild des Herkules und heißt iota Herculi. Grumium bedeutet "der Kiefer" und ist ein Roter Riese im Abstand von gut 100 Lichtjahren, iota Herculi auf der linken Seite ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 500 Lichtjahren.

Der Drache hat noch zwei weitere Sterne 3. Größe: Den vierthellsten Drachenstern Al Tais findet man sehr einfach in der doppelten Verlängerung vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis über Aldhibah. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Geht man diese Verlängerung gleichviel weiter, so gelangt man zu Alderamin, dem Hauptstern des Kepheus. Alderamin bildet mit dem zweithellsten Kepheusstern Alfirk und Al Tais ein rechtwinkliges Dreieck.

Wie Al Tais ebenfalls 100 Lichtjahre entfernt ist der Stern Edasich auf der anderen Seite vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis als Aldhibah; er ist ein Roter Riese. Al Tais bedeutet "Ziegenbock" und Edasich bedeutet "Hyäne"; Hyänen gehören ja ebenso wie die Wölfe zu den Raubtieren, die sich in der Nähe von Kamelen herumtreiben.

2.9 Der Rabe

Rechts unterhalb der Jungfrau befindet sich das Sternbild des Raben, das man bei guter Südostsicht schön erkennen kann. Es sieht aus wie ein kleines schiefes Viereck, bei dem die rechte obere Kante nach unten eingeknickt ist. Die obere Kante wird links von Algorab ("rechter Flügel des Raben") und rechts von Gienah ("Flügel") gebildet, die untere Kante links von einem Stern namens Kraz und unten rechts steht Minkar ("Schnabel"). Gienah und Kraz sind Sterne beinahe 2. Größe, Algorab und Minkar haben 3. Größe.

Algorab und Gienah sind blauweißliche Sterne im Abstand von 120 und knapp 200 Lichtjahren, Kraz ist ein gelblicher Stern im Abstand von fast 150 Lichtjahren und Minkar ein ebenso weit entfernter Roter Riese.

Der Hauptstern des Raben ist ein Stern 4. Größe und steht rechts unterhalb von Minkar. Er heißt Alchiba und ist ein 50 Lichtjahre entfernter weißgelblicher Stern. Alchiba bedeutet "das Zelt".

3 Die Mondstationen am Abendhimmel

3.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, denen die Sonne im Verlaufe des Jahres ihren Besuch abstattet, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht, das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

3.2 Die Mondstation der Plejaden

Die sehr prominenten Plejaden bilden die Mondstation at-turayya. Hier befinden sich auf engem Raum 6 hellere Sterne, nämlich ein Stern beinahe 2. Größe, drei Sterne beinahe 3. Größe und zwei Sterne 4. Größe. Die Plejaden sehen aus wie ein etwas schiefes Viereck mit einem Stiel. Der hellste Plejadenstern ist die Alcyone - immerhin dritthellster Stern im Stier. Sie befindet sich dort, wo der Stiel am Viereck befestigt ist. Der Plejadenvater Atlas befindet sich am Stielende, Elektra diagonal gegenüber und die Maja von Atlas herkommend oberhalb ihrer Schwester Alcyone.

Eine Variante des Namens dieser Mondstation ist "an-nagm", was zu Deutsch "das Gestirn" heißt. Dies ist naheliegenderweise auch in der indischen Tradition der Fall.

3.3 Die Mondstation ad-dabaran (Aldebaran) im Stier

Die zweite Mondstation des Stieres heißt ad-dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Auch diese Namensgebung hat sich bis heute erhalten und bezeichnet den hellen Stern Aldebaran. In der indischen Tradition wird Aldebaran, bekanntlich ein Roter Riese, als "der Rötliche" bezeichnet.

3.4 Die Mondstation des Orion

Auch im Sternbild des Orion gibt es eine Mondstation, sie heißt al-haqa. Sie besteht die aus den Orionsternen Heka, Khad Posterior und Khad Prior und befindet sich in der Mitte oberhalb der Schulterlinie Beteigeuze zur Bellatrix. Al-haqa bedeutet "der Mähnenzopf" und in der indischen Tradition werden diese Sterne mit "Hirschkopf" bezeichnet. Diese Sterne bilden ein Dreieck am Kopf des Orion: an der Spitze dieses Dreiecks steht Heka, ein Stern gerade noch 3. Größe, unterhalb befinden sich die beiden Sterne Khad Posterior auf Seite der Beteigeuze und Khad Prior auf Seite der Bellatrix, beide haben 4. Größe. Heka ist in Wirklichkeit ein Doppelsternsystem zweier blauweißlicher Riesensterne im Abstand von über 1'000 Lichtjahren; auch Khad Prior ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 1'000 Lichtjahren. Khad Posterior ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 115 Lichtjahren. Heka bedeutet "weißer Fleck" und Khad bedeutet "Wange des Zentralen".

3.5 Die Mondstationen der Zwillinge

Das Sternbild der Zwillinge hat zwei Mondstationen: die erste heißt al-hana und umfasst den Zwillingsstern Alhena, der seinen Namen ja aus dieser Mondstation bekommen hat, sowie seinen Nachbarstern Alzir. Alzir bedeutet "(Kleider-)Knopf" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von rund 60 Lichtjahren. Die indische Tradition verwendet anstelle der Alhena - immerhin einem Stern beinahe 1. Größe - und Alzir den prominenten Orionstern Beteigeuze, der mit "die Feuchte" übersetzt wird.

Die zweite Mondstation der Zwillinge heißt ad-dira und besteht aus den beiden hellen Zwillingssternen Castor und Pollux. Obgleich diese Mondstation aus zwei sehr prominenten Sterne 1. Größe besteht, wird ihr Name heutzutage nicht mehr verwendet. Ad-dira heißt "der Vorderarm" und in der indischen Tradition werden die beiden Zwillingssterne mit "Schätzebringende" übersetzt.

3.6 Die beiden Mondstationen des Krebses und an der Grenze der Sternbilder Krebs, Löwe und Wasserschlange

Die Mondstation an-natra befindet sich zwischen den Zwillingen und dem Löwen und besteht aus einem Sternhaufen und zwei Sternen im Sternbild Krebs. An-natra bedeutet "Nasenhauch" und kann nur bei guter Sicht gefunden werden. Der Sternhaufen heißt "Krippe" und bietet im Feldstecher einen prachtvollen Anblick. Am einfachsten findet man ihn, wenn man von den Zwillingssternen Castor und Pollux in Richtung Löwe wandert: Pollux von der vorherigen Mondstation, der Zwillingsstern Alhena von der vorletzten Mondstation, der auf knapp halbem Wege zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht, sowie der obere Hundsstern Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Spiegelt man die Alhena an der Achse Pollux - Procyon, so kommt man in die Nähe der Krippe, die man nun mit dem Feldstecher durch ein bisschen herumwandern sehr leicht finden kann. Die Krippe ist ein knapp 600 Lichtjahre entfernter Sternhaufen und besteht aus rund 350 Sternen. Sie hat einen Durchmesser von knapp 25 Lichtjahren. Die beiden Sterne gamma und delta Cancri stehen am linken Rand der Krippe und sind dann ebenfalls im Feldstecher zu sehen. Sie heißen Asellus Borealis - das ist der Stern links oberhalb der Krippe - und Asellus Australis links unterhalb der Krippe; das bedeutet im lateinischen nördlicher und südlicher Esel. Beide sind unauffällige Sterne 4. sowie gerade noch 4. Größe. Asellus Borealis ist ein weißlicher Stern, Asellus Australis ein Roter Riese. Beide sind rund 150 Lichtjahre von uns entfernt. Die Krippe selber wird manchmal mit epsilon Cancri bezeichnet und bekommt immer wieder Besuch von einem Kometen, was sehr schön aussieht. In der indischen Tradition werden diese Sterne mit "Blume" übersetzt.

Die Mondstation at-tarf besteht nur aus schwachen Sternen; at-tarf bedeutet "der Blick (des Löwen)", ist also dort, wohin der Löwe schaut. Aufgrund eines Übertragungsfehlers hat der hellste Stern des Sternbildes Krebs irrtümlich diesen Namen erhalten und heißt heute Altarf. Diesen Stern findet man recht einfach, indem man von Castor und Pollux kommend rund dreimal verlängert, bis man auf der Höhe von Procyon ist. Altarf ist ein Stern beinahe 3. Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren. In der indischen Tradition heißt diese Mondstation "der Umarmer" und wird von einer Sterngruppe gebildet, deren beiden hellsten Sterne auf dem Weg von Castor und Pollux zu Alphard geringfügig weiter als Altarf stehen. Es sind dies zwei Sterne 3. Größe im Norden der Wasserschlange, zeta Hydrae und epsilon Hydrae. Der linke und etwas hellere Stern zeta Hydrae ist ein Roter Riese und epsilon Hydrae ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Beide sind von uns 150 Lichtjahren entfernt.

Diese Sterne kann man auch finden, wenn man von Pollux zu Procyon und dann rechtwinklig weg vom Wintersechseck geht, und zwar gleich weit wie der Zwillingsstern Alhena von Pollux entfernt ist. Der Krebsstern Altarf steht dann ungefähr in der Mitte zwischen Procyon und den beiden nördlichen Sternen der Wasserschlange, also zeta und epsilon Hydrae, etwas in Richtung der Zwillinge eingerückt. Streng genommen wird zeta Hydrae trotz seiner unmittelbaren Nähe zu dieser Sterngruppe nicht zur Mondstation dazugezählt.

3.7 Die drei hellen Mondstationen im Sternbild Löwe

Die drei nächsten Mondstationen bestehen aus den Löwensternen und sind einfach zu finden:

Al-gabba hat der Algieba ihren Namen verliehen und besteht aus der Linie Adhafera - Algieba - eta Leonis und Regulus; in der indischen Tradition wird nur Regulus verwendet und heißt dort "der Große".

Az-zubra besteht aus den beiden Sternen Duhr und Zosma der mittleren Löwenachse; der Name dieser Mondstation ist dann auf den Löwenstern Subra im rechtwinkligen Dreieck eta Leonis, Regulus und Subra übergegangen. In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der frühere Rötliche" übersetzt.

Die Mondstation As-sarfa schließlich besteht aus der Denebola beim Schwänzchen des Löwen, dies bedeutet der "Wechsel (des Wetters)". In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der spätere Rötliche" übersetzt.

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Einführung in die Mondstationen

4. Monatsthema: Die Versammlung 13 der 16 hellsten Sterne am Abendhimmel

Schon im Altertum kam den besonders hellen Sternen eine ganz besondere Bedeutung zu, die sich in Beobachterkreisen bis heute erhalten hat. Genau genommen ist die Bezeichnung Sterne 1.Größe falsch, denn es gibt auch Sterne 0.Größe; der hellste Fixstern, der helle Sirius, ist sogar -1.5-te Größe hell. Diese Sterne werden aber ebenfalls als Sterne 1.Größe bezeichnet; richtiger wäre es also, von Sternen heller als 1.Größe zu reden.

In der ersten Aprilhälfte kann man von den in unseren Breiten sichtbaren 16 Sternen erster Größe immerhin dreizehn gleichzeitig sehen.

Die reichste Jahreszeit mit Sternen erster Größe ist der Winter, der 8 solche Sterne beherbergt, die alle im Bereich des Wintersechseckes angesiedelt sind und nun am Westhimmel stehen. Der Helligkeit nach sortiert sind das der Sirius im Großen Hund, die Capella im Fuhrmann, Rigel und Beteigeuze beide im Orion, Procyon im Kleinen Hund, Aldebaran im Stier sowie Pollux und Castor in den Zwillingen. Genau genommen verfehlt Castor die erste Größe um wenige Hunderstel, wird aber meist im selben Atemzug mit Pollux genannt. Der Sirius ist sogar ein Stern -1.5-ter Größe, Capella, Rigel, Beteigeuze und Procyon sind Sterne 0.Größe, Aldebaran ein Stern beinahe 0.Größe.

Der Frühling hat 3 Sterne erster Größe, nämlich Arktur im Bärenhüter Bootes, die Spica in der Jungfrau sowie Regulus im Löwen. Arktur ist ein Stern 0.Größe und ist der hellste Fixstern der Nordhemisphäre. Diese Sterne stehen jetzt hoch im Südosten und im Süden. Zusätzlich stehen zur Zeit mit dem hellen Mars und dem Ringplaneten Saturn zwei weitere auffällige Sterne im Areal des Löwen und der Jungfrau.

Die beiden ersten Sommersterne erster Größe sind auch schon aufgegangen und stehen noch tief im Nordosten, das sind die helle Wega in der Leier sowie Deneb im Schwan. Die Wega ist ein Stern 0.Größe und ist in unseren Breiten der hellste Stern der Nordhemisphäre, da sie nur wenige Hundertstel schwächer als Arktur ist, aber zeitweise im Zenit steht, wo das Licht am wenigsten von der Erdatmosphäre abgeschwächt wird.

Drei Sterne erster Größe kann man zur Zeit also nicht bewundern, das sind Antares im Skorpion, Atair im Adler sowie die Fomalhaut im Südlichen Fisch. Streng genommen erreicht auch die Adhara im Großen Hund südlich vom Sirius erste Größe, indes steigt sie in unseren Breitengraden nie hoch genug über den Horizont, um 1.Größe erreichen zu können. Würde man sie mitzählen, so könnte man bei guter Südwestsicht nun sogar 14 der 17 hellsten Sterne sehen.

Weltweit gibt es noch 6 weitere Sterne erster Größe oder heller, nämlich den zweithellsten Fixstern Canopus, der sogar -1.Größe erreicht; dieser Stern steht im Sternbild des Schiffskieles. Dann die beiden Zentaurensterne alpha und beta Centauri, von denen ersterer der Hauptstern des sonnennächsten Fixstern-Systems ist und 0. Größe erreicht, sowie Achernar, der Hauptstern des Eridanus, der so hell ist wie die Beteigeuze und Procyon und somit ebenfalls 0.Größe erreicht. Verbleiben noch die beiden hellsten Sterne des Kreuz des Südens, das sind Acrux und Mimosa.

5 Weitere Sterne dritter und beinahe dritter Größe

5.1 Die helleren Sterne der Plejaden und der Hyaden

Die Plejaden, die auch Siebengestirn genannt werden, sind ein sehr bekannter Sternhaufen, der früher ein eigenes Sternbild inmitten des Sternbildes Stier bildete; bei guter Sicht ist er sehr schön zu sehen: Hier befinden sich auf engem Raum immerhin sechs Sterne, von denen neben der hellsten Plejade Alcyone drei weitere beinahe 3. Größe und die beiden verbleibenden 4. Größe erreichen. Im Feldstecher kommt dieser Sternhaufen noch prächtiger zur Geltung. Die Plejaden sehen aus wie ein etwas schiefes Viereck, von dem unten ein Stiel abzweigt. Über dem oberen rechten Viereck-Stern befindet sich dann noch die sechste helle Plejade. Die Plejaden sind ein sehr junger Sternhaufen im Abstand von knapp 400 Lichtjahren; die Plejadensterne sind somit alle blauweißlich.

Hellster Plejadenstern ist die Alcyone am unteren linken Ende des Plejaden-Vierecks, die beinahe 2. Größe hell ist; der Stern schräg gegenüber heißt Elektra und ist ebenfalls recht bekannt. Oben links steht die Maia. Der zweithellste Plejadenstern ist der Stern am Ende des Stieles, er heißt Atlas und ist der Papa der Plejaden. Diese Sterne erreichen alle beinahe die 3. Größe. Unten neben der Alcyone steht die Merope und oberhalb der Maia die Taygeta.

Das sind aber nur 6 Sterne des Siebengestirns und schon zu Zeiten der alten Griechen wurde die Frage aufgeworfen, wo denn die siebte Plejade sei. Zur Zeit der alten Griechen gab es die Legende, dass die 7. Plejade die Elektra sei, die aus lauter Trauer und Verzweiflung über den Heldentod ihres geliebten Sohnes ihre Schwestern verlassen habe. Ja, man wusste sogar, wohin sie gegangen ist: Tatsächlich gibt es einen weiteren sehr bekannten Stern 4. Größe, in der Helligkeit eines typischen helleren Plejadensternes, und das ist der Augenprüfstern Alkor über dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Jene Legende besagt nun also, dass die Elektra aus lauter Trauer ihre Schwestern verlassen habe, zum Großen Wagen gewandert sei und sich dort neben den mittleren Deichselstern Mizar gesellt hat.

Die Hyaden heißen auf Deutsch Regengestirn und sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren, vor denen Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, im Abstand von 70 Lichtjahren steht. Aldebaran steht also auf knapp halbem Wege zu den Hyaden und gehört somit nicht zu diesem Sternhaufen. Der Sternhaufen sieht aus wie ein großes "V"also ein nach oben offenes Dreieck, bei dem jede Seite aus 3 Sternen besteht; der Vordergrundstern Aldebaran steht dabei auf dem linken Ast ganz oben.

Rechts oben - also gegenüber Aldebaran - steht der zweithellste Hyadenstern epsilon Tauri, ein Roter Riese namens Ain, das bedeutet "Auge". Streng genommen also markiert dieser Stern und nicht der den Plejaden nachfolgende Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Links in der Mitte, also unter Aldebaran, stehen zwei Sterne nebeneinander. Der linke ist der hellste Hyadenstern und heißt theta(2) Tauri, er ist ein weißlicher Stern, der rechte heißt theta(1) Tauri und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Er ist übrigens 9 Lichtjahre weiter von uns entfernt als theta(2) Tauri, das ist ungefähr der Abstand unserer Sonne vom Sirius. Unten an der Spitze dieses Dreiecks steht der dritthellste Hyadenstern gamma Tauri und über ihm auf dem rechten Ast in der Mitte der vierthellste Hyadenstern delta Tauri. Beide sind wie unsere Sonne gelbe Sterne. - Die Hyaden sind etwa 600 Millionen Jahre alt und ihr Kern hat einen Durchmesser von rund 15 Lichtjahren; außenliegende Mitglieder der Hyaden findet man noch im sechsfachen Abstand vom Kern, also fast 100 Lichtjahre entfernt.

Theta(2) Tauri und Ain erreichen die 3. Größe, die übrigen hellen Hyadensterne gamma, delta und theta(1) Tauri erreichen beinahe 3. Größe.

Würde man die Plejadensterne und die Hyadensterne in gleichem Abstand nebeneinander stellen und die zehn hellsten von ihnen betrachten, so wären die ersten sieben allesamt Plejadensterne und die nächsten drei die drei hellsten Hyadensterne. Die siebthellste Plejade ist die Plejadenmutter Pleione, sie steht unmittelbar neben dem Plejadenvater Atlas senkrecht zur Linie Alcyone - Atlas auf der plejadenabgewandten Seite und erreicht die 5. Größe. Daraus abzuleiten, dass der Name "Siebengestirn" daher kommt, dass die sieben hellsten Plejadensterne in Wirklichkeit auch die sieben hellsten Sterne dieser beiden Sternhaufen bilden, ist wenig plausibel, da man in der Antike die Entfernungen zu diesen beiden Sternhaufen und zu Aldebaran nicht kannte. Zwar kann man unter der Annahme, dass beide Sternhaufen in Wirklichkeit ungefähr gleich groß sind, tatsächlich darauf schließen, dass die Plejaden rund dreimal weiter entfernt sind als die Hyaden, aber um Aldebaran als einen Vordergrundstern zu identifizieren, muss man die zusätzliche Annahme tätigen, dass die hellsten Sterne eine Sternhaufens wenigstens ungefähr gleich hell sind, so dass zwischen dem hellsten und dem zweithellsten Stern eines Sternhaufens nicht beinahe 3 Größenklassen liegen können; tatsächlich liegt zwischen der Alcyone und Atlas, den beiden hellsten Plejadensternen, nur eine dreiviertel Größenklasse.

Die nächsten vier Plätze in dieser Auflistung sind allesamt bis auf eine hundertstel Größenklasse gleich hell; das sind die beiden noch fehlenden scheuen Plejaden Celaeno und Asterope, die gerade noch und beinahe die 5. Größe erreichen, sowie die beiden noch ausstehenden Hyadensterne des "V", delta und theta(1) Tauri. Celaeno befindet sich zwischen Elektra und Taygeta und die Asterope bildet mit den Plejadensternen Maia und Taygeta ein gleichseitiges Dreieck nach außen.

5.2 Der frühere Polarstern Thuban sowie schwächere Sterne der Cassiopeia, des Kepheus und des Kleinen Wagen


Wanderung des Himmelspols in den Jahrtausenden
Vor 5'000 Jahren stand der Himmelspol in der Nähe eines eher unauffälligen Sternes beinahe 3. Größe namens Thuban, dieser ist der zwar nicht der hellste, aber der Hauptstern im Sternbild des Drachen. Dieser Stern steht fast in der Mitte zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen und der Deichsel des Großen Wagen und kann deswegen sehr einfach gefunden werden. Thuban heißt "Schlange" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Achird steht zwischen dem Hauptstern der Cassiopeia, der Schedir, und dem mittleren Cassiopeiastern Cih, etwas näher an der Schedir; er ist so hell wie der fünfte Cassiopeiastern Segin. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von nur 20 Lichtjahren. Achird bedeutet "Hüftgürtel". Auf der anderen Seite der Schedir sieht man einen Stern beinahe 3. Größe, das ist zeta Cassiopeiae; sie ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 600 Lichtjahren.

Zeta Cephei befindet sich neben delta Cephei am linken Hausboden, etwas ins Hausinnere eingerückt. Er wird manchmal Tsao Fu genannt und ist ein Roter Riese im Abstand von über 700 Lichtjahren. Rechts außerhalb des Kepheus steht neben Alderamin der Stern eta Cephei, der manchmal auch Al Agemim genannt wird; auch er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 50 Lichtjahren. Etwas unterhalb der Mitte des Bodens dieses Hauses, also unterhalb der Linie Alderamin - delta Cephei, kann man den Stern Erakis sehen; dieser ist ein Roter Riese und hat im Feldstecher eine tiefrote Farbe und wird deswegen auch "Granatstern" genannt. Dieser Stern ist über 5'000 Lichtjahre von uns entfernt und trotzdem ein Stern beinahe dritter Größe.

Bei guten Sichtbedingungen kann man aufgrund ihrer prominenten Stellung auch die inneren Sterne des Kleinen Wagen einfach finden, das sind dessen beide vorderen Kastensterne sowie die beiden ersten am kleinen Wagenkasten befestigten Deichselsterne. Drei von ihnen sind 4. Größe, einer 5. Größe. Der hellste der inneren Sterne des Kleinen Wagen ist der Stern epsilon Ursae Minoris, wie unsere Sonne ein gelber Stern, der im Abstand von rund 350 Lichtjahren steht. Er ist der erste Deichselstern nach dem kleinen Wagenkasten. In etwa gleichhell sind zeta Ursae Minoris, der vordere obere Kastenstern des Kleinen Wagen, ein weißlicher, geringfügig weiter entfernter Stern, sowie delta Ursae Minoris, der mittlere Deichselstern des Kleinen Wagen. Dieser Stern ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren und heißt auch Yildun, das bedeutet "(Polar-)Stern"; er diente türkischen Astronomen früher als Polarstern. Verbleibt der untere vordere Kastenstern eta Ursae Minoris, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 100 Lichtjahren.

5.3 Die Sprünge der Gazelle, der kleine Löwe sowie weitere Körpersterne der Großen Bärin

Das komplette Sternbild der Großen Bärin.
Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares. Diese drei Gazellensprünge heißen ihrer Reihenfolge nach Alula, Tania und Talitha, wobei der nördliche Stern des jeweiligen Sprunges mit "Borealis" und der südliche Stern mit "Australis" bezeichnet wird.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne haben 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom dritten Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren.

Figürlich kann man nun unterhalb des Wagens sehr schön die Hinter- und die Vordertatze der Großen Bärin sehen, die aus je drei Sternen bestehen und deren Krallen vom mittleren und vom dritten Gazellensprung dargestellt werden. Der Fersenstern der Hintertatze wird von psi Ursae Maioris gebildet; man findet ihn in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne aus Sicht des Wagenkastens nach unten. Psi Ursae Maioris ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren, er ist der siebthellste und Tania Australis der achthellste Stern der Großen Bärin.

Ganz ähnlich gestaltet sich die Situation an der Vordertatze: Hier wird der Fersenstern von Al Haud gebildet. Diesen Stern findet man, indem man von der Deichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurch und dann noch eineinhalb mal weitergeht. Dieser Stern, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, ist ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 44 Lichtjahren. Talitha Borealis ist der neunthellste Stern der Großen Bärin und Al Haud ihr zehnthellster Stern. Al Haud bedeutet "Becken", was ein etwas befremdlicher Name für einen Stern ist, der figürlich an einem Vorderfuß steht. Sein anderer Name Sarir entstammt einer anderen Mythologie und bedeutet "Thron".

Verbleibt noch der Stern Muscida am Kopf der Großen Bärin, den man in knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach hinten, also weg von der Deichsel, findet. Muscida bedeutet "Hundeschnauze" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von 184 Lichtjahren. Von bloßem Auge ist Muscida gleich hell wie der schwächste Wagenstern Megrez.

Drei weitere Gazellensprung-Sterne erreichen ebenfalls gerade noch 3. Größe, das sind Tania Borealis vom zweiten Gazellensprung, Alula Borealis vom ersten Gazellensprung sowie Talitha Australis vom dritten Gazellensprung. Ersterer ist ein weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, zweiterer ein Roter Riese im Abstand von 420 Lichtjahren und dritterer ein weißlicher Stern ebenfalls im Abstand von 420 Lichtjahren. - Verbleibt noch Alula Australis vom ersten Gazellensprung; hier umkreisen zwei gelbe Sterne einander. Alula Australis ist knapp 30 Lichtjahre von uns entfernt. Alula Australis erreicht beinahe 3. Größe.

Geht man im Löwen von Regulus über die Algieba rund zweimal weiter und dann in Richtung des ersten Gazellensprunges, so trifft man auf den hellsten Stern des Kleinen Löwen, der beinahe die 3. Größe erreicht; er heißt 46 Leonis Minoris und ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Seien noch drei weitere Sterne beinahe 3. Größe genannt: Manchmal wird der Name Alkaphrah oder El Kophrah, das bedeutet "Gelenk", einem Stern des Körpers der Großen Bärin zugeordnet; hierbei ist aber zu beachten, dass dies nur die Folge eines Übersetzungsfehlers aus dem Arabischen ist und sich dieser Name ursprünglich auf die drei Sternpaare der Gazellensprünge bezieht. Dieser Stern befindet sich zwischen dem unteren vorderen Kastenstern Phekda und psi Ursae Maioris, etwas in Richtung Arktur eingerückt. - Auf dem Weg von Muscida zu Dubhe, dem oberen hinteren Kastenstern, findet man nach gut einem Drittel den Stern h Ursae Maioris und auf dem Weg von Muscida zu Merak, dem unteren hinteren Kastenstern, findet man nach gut einem Drittel den Stern upsilon Ursae Maioris. Alkaphrah ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, h und upsilon Ursae Maioris sind weißgelbliche Stern im Abstand von 75 Lichtjahren und von 115 Lichtjahren.

5.4 Weitere Sterne des Perseus

Im Perseus gibt es noch drei weitere Sterne beinahe 3. Größe, die im Text nicht vorgestellt wurden. Am einfachsten kann man kappa Persei finden, der in doppeltem Abstand auf der anderen Seite von Algol als ihre Gorgonenschwester steht. Kappa Persei ist ein über 100 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Ebenfalls einfach auffindbar ist der Stern nue Persei, der sich zwischen dem unteren Bogenstern delta Persei und dem obersten Stern der zweiten Perseuslinie epsilon Persei befindet, etwas in Richtung Algol eingerückt. Er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 550 Lichtjahren.

Eta Persei ist ein Roter Riese, der über 1300 Lichtjahre entfernt ist; er bildet mit dem oberen Bogenstern gamma Persei und tau Persei ein rechtwinkiges Dreieck in Richtung Schatzkästlein der Milchstraße. Dieser Stern wird manchmal auch Miram genannt.

Außerhalb der Stadt kann man nun auch leicht den offenen Sternhaufen M34 mit einem Feldstecher finden: Man betrachte die Linie Mirfak über Algol zur Gorgonea Tertia und bildet ein rechtwinkliges Dreieck, bei dem der rechte Winkel in Algol ist und geht entlang dem freien Ast zum Andromedastern Alamak; rund doppelt so weit wie der Abstand zwischen den beiden Gorgonen-Schwestern Medusa (Algol) und Gorgonea Tertia sieht man ein Nebelchen und das ist M34. Die Sterne dieses offenen Sternhaufens sind knapp 1'500 Lichtjahre von uns entfernt.

5.5 Der Drache

Der Drache ist neben dem Großen und Kleinen Wagen, der Cassiopeia und dem Kepheus das fünfte zirkumpolare Sternbild, welches mindestens einen Stern 2. Größe enthält. Obgleich zahlreiche Sterne einen Namen haben, ist es eher unbekannt, da es ein unübersichtliches Sternbild ist, das sich zwischen den beiden Himmelswagen hindurch schlängelt. In der Praxis wird man in den Drachen über den Drachenkopf gelangen, der ja die beiden Botensterne Ettanin und Alwaid der hellen Wega enthält, die zur Zeit nach Sonnenuntergang rechts von der Wega stehen.

Ein anderer bekannter Einstieg in den Drachen erfolgt über den prominenten Hauptstern Thuban zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen und der Deichsel des Großen Wagen, der zwar nur der achthellste Drachenstern ist, der aber vor rund 5'000 Jahren unser Polarstern war.

Einen wenig beachteten aber sehr einfachen Einstieg in dieses Sternbild bietet die "kleine Polarsternregel", die in dreifacher Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen vom helleren zum schwächeren, also von Kochab über Pherkad hinaus, zum zweithellsten Drachenstern eta Draconis, dem helleren der beiden Wolfssterne, führt.

Schließlich kann man auch über den Kepheus in den Drachen gelangen, indem man ein rechtwinkliges Dreieck seiner beiden Hauptsterne von Alderamin und Alfirk weg vom Kepheus bildet; dies führt zum vierthellsten Drachenstern Al Tais.

Und damit haben wir auch alle Zutaten für dieses Sternbild beisammen: Der Drache besteht aus einem Kopf, aus einer ersten Schwanzwindung, einer zweiten Schwanzwindung und dem Schwanzende.

Ettanin und Alwaid befinden sich im Drachenkopf und bilden die beiden verschiedenfarbigen Augen, mit denen der Drache den benachbarten Herkules anstarrt; in der ersten Schwanzwindung befinden sich Al Tais und seine Nachbarsterne, in der zweiten Schwanzwindung die beiden Wolfssterne, also eta Draconis und Aldhibah, zusammen mit Edasich, und am Schwanzende finden wir Thuban sowie noch zwei weitere Sterne beinahe 3. Größe. In manchen Darstellungen befindet sich in Thuban eine weitere, dritte Schwanzwindung und nur die beiden hintersten Drachensterne werden als Drachenschwanz dargestellt.

Die beiden anderen Sterne der Drachenkopf-Raute erreichen beinahe 3. Größe; der rechte ist Grumium, ein Roter Riese im Abstand von gut 100 Lichtjahren, der linke auf der Wega-zugewandten Seite gehört schon zum Sternbild des Herkules und heißt iota Herculi; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 500 Lichtjahren. Grumium bedeutet "der Kiefer".

In der ersten Windung des Drachenschwanzes sehen wir vom Kopf ausgehend nach Al Tais zunächst den Stern Tyl, einen wie unsere Sonne gelben Stern im Abstand von fast 150 Lichtjahren. Hier windet sich der Schwanz zurück zu chi Draconis, einem nahen weißgelblichen Stern, der mit 25 Lichtjahren gleichweit entfernt ist wie die Wega. Tyl liegt knapp in der Mitte zwischen Al Tais und dem Kepheusstern Alfirk, und chi Draconius rund ein Drittel auf dem Weg von Al Tais zu Kochab, dem helleren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen.

Die drei Sterne eta Draconis, Aldhibah und Edasich der zweiten Drachenschwanzwindung wurden bereits in der Unterrubrik 5.2 vorgestellt, dem Drachenverlauf nach folgen sie in der Reihenfolge Aldhibah, eta Draconis und Edasich.

Geht man nun von Edasich am Ende der zweiten Drachenschwanzwindung über den Hauptstern Thuban dem Bogen folgend gleichviel weiter, so gelangt man zu kappa Draconis, einem blauweißlichen Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Biegt man nun geringfügig in die andere Richtung ab, so folgt im halben Abstand Thuban - kappa Draconis der Stern Giauzar am Ende des Drachenschwanzes. Giauzar ist ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren und bedeutet "Drache".

Sei noch ein bekannter Doppelstern genannt, dieser heißt Kuma und erreicht beinahe 4. Größe; er steht ebenfalls im Drachenkopf und bildet mit Grumium, Ettanin und Alwaid ein Trapez auf der anderen Seite von iota Herculi. Manche Autoren übersetzen Kuma mit "an der letzten (Position im Drachen)". Beide Kuma-Sterne sind weißliche Sterne im Abstand von 120 Lichtjahren und wer gute Augen hat, kann diesen Stern von bloßem Auge trennen, mit einem Feldstecher ist es überhaupt kein Problem. Dieser Doppelstern ist fast so bekannt wie der gar nicht weit entfernte Doppelstern epsilon Lyrae.

5.6 Weitere Orion- und Zwillingsterne sowie Einhorn und Luchs

Verlängert man den Oriongürtel nach oben, so folgen drei Sterne übereinander; der obere erreicht immerhin die 3. Größe und heißt pi(3) Orionis; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von nur 26 Lichtjahren. Manchmal wird für ihn der Name Tabit verwendet. Unter ihm stehen zwei weitere Sterne beinahe 3. Größe: zunächst pi(4) Orionis und unter ihm dann pi(5) Orionis. Beide sind wie die meisten übrigen Orionsterne weit entfernte blauweißliche Riesensterne im Abstand von über 1000 Lichtjahren.

Einen weiteren Stern dritter Größe findet man, wenn man vom Oriongürtel bei der Mintaka rechtwinklig im Uhrzeigersinn, das ist derzeit nach rechts abbiegt und eine Gürtellänge weitergeht; das ist eta Orionis. Auch er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 1'000 Lichtjahren.

Im Orion befinden sich noch zwei weitere Sterne beinahe 3. Größe, das sind tau Orionis, ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 550 Lichtjahren sowie sigma Orionis, der ebenfalls ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 1000 Lichtjahren ist. Tau Orionis steht oberhalb von Rigel; sie bilden mit Cursa im Eridanus ein rechtwinkliges Dreieck, bei dem sich der rechte Winkel in tau Orionis befindet, und sigma Orionis steht gleich neben dem unteren Oriongürtelstern Alnitak in Richtung Rigel.

Der Stern beta Monoceri (Einhorn) erreicht auch beinahe 3. Größe; verlängert man den Oriongürtel nach unten, so gelangt man etwas unterhalb der Verlängerung zum Sirius, und etwas oberhalb der Verlängerung steht beta Monoceri; er, der Sirius und der linke Orionfußstern Saiph bilden ein rechtwinkliges, fast gleichschenkliges Dreieck mit rechtem Winkel in beta Monoceri. In den Zwillingen steht der Stern eta Gemini neben dem Stern Tejat am Fuße von Castor, er ist ein veränderlicher Stern zwischen 3. und 4. Größe, ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren. Der Stern Wasat steht zwischen Pollux und der Alhena, etwas näher an Pollux. Er erreicht gerade noch die 3. Größe und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren. Wasat bedeutet "ein Stern, der sich zeigt in der Luft des Himmels". Diesen Namen erhielt er rein willkürlich, er ist aber bis heute in Gebrauch. Auch kappa und lamda Gemini erreichen gerade noch die dritte Größe, zu kappa Gemini gelangt man, indem man von Castor zu Pollux geht und dann fast dieselbe Strecke in Richtung Procyon weitergeht, und lamda Gemini findet man auf dem Weg von Procyon zu Wasat, kurz bevor man Wasat erreicht, etwas zum Orion eingerückt. Kappa Gemini ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren und lamda Gemini ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Die nächsten Sterne erreichen allesamt beinahe die 3. Größe: theta Gemini findet man in Verlängerung der Alhena über Mebsuta hinaus, er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren.

Zeta Gemini ist ein wie unsere Sonne ein gelber Stern, weit entfernt im Abstand von über 1000 Lichtjahren und iota Gemini ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren; zeta Gemini steht zwischen der Alhena und Wasat, näher an Wasat, und iota Gemini bildet ein beinahe gleichseitiges Dreieck mit Castor und Pollux in Richtung der Füße der Zwillinge.

Wie bereits im Text gesehen gelangt man zum Hauptstern des Luchses, indem man in den Zwillingen von Tejat am Fuße Castors über den Stern Castor ungefähr gleichviel weitergeht. Alpha Lyncis hat 3. Größe und ist ein Roter Riese im Abstand von 220 Lichtjahren. Über ihm steht 38 Lyncis; er ist der zweithellste Stern des Luchses und erreicht beinahe die 3. Größe; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 120 Lichtjahren.

5.7 Der Krebs, die nördlichen und mittleren Teile der Wasserschlange und der hellste Stern im Becher

Im Bereich zwischen dem Wintersechseck und dem Löwen finden wir den Krebs und die westlichen Teile der Wasserschlange. Diese Sterne können nur bei guter Sicht gefunden werden. Im Krebs befindet sich ein bekannter Sternhaufen, der von zwei Sternen eingerahmt ist. Der Sternhaufen heißt "Krippe" und bietet im Feldstecher einen prachtvollen Anblick. Am einfachsten findet man ihn, indem man von den Zwillingssternen Castor und Pollux in Richtung Löwe wandert: Der Zwillingsstern Pollux, der Zwillingsstern Alhena auf knapp halbem Wege zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion sowie der obere Hundsstern Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Spiegelt man die Alhena an der Achse Pollux - Procyon, so kommt man in die Nähe der Krippe, die man nun mit dem Feldstecher durch ein bisschen herumwandern sehr leicht finden kann. Die Krippe ist ein knapp 600 Lichtjahre entfernter Sternhaufen und besteht aus rund 350 Sternen. Sie hat einen Durchmesser von knapp 25 Lichtjahren. Die beiden Sterne gamma und delta Cancri stehen am linken Rand der Krippe und sind dann ebenfalls im Feldstecher zu sehen. Sie heißen Asellus Borealis - das ist der Stern links oberhalb der Krippe - und Asellus Australis links unterhalb der Krippe; das bedeutet im lateinischen nördlicher und südlicher Esel. Beide sind Sterne 4. sowie gerade noch 4. Größe. Asellus Borealis ist ein weißlicher Stern, Asellus Australis ein Roter Riese. Beide sind rund 150 Lichtjahre von uns entfernt. Die Krippe selber wird manchmal mit epsilon Cancri bezeichnet und bekommt immer wieder Besuch von einem Kometen, was sehr schön aussieht.

Den hellsten Stern des Sternbildes Krebs, Altarf, findet man recht einfach, indem man von Castor und Pollux kommend rund dreimal verlängert, bis man auf der Höhe von Procyon ist. Altarf ist ein Stern gerade noch 3. Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren. In seiner Nähe findet man eine Sterngruppe am westlichen Ende der Wasserschlange, deren beiden hellsten Sterne auf dem Weg von Castor und Pollux zu Alphard geringfügig weiter als Altarf stehen. Es sind dies zwei Sterne 3. Größe im Norden der Wasserschlange: zeta Hydrae und epsilon Hydrae. Der linke und etwas hellere Stern zeta Hydrae ist ein Roter Riese und epsilon Hydrae ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Beide sind von uns 150 Lichtjahren entfernt.

Diese Sterne kann man auch finden, wenn man von Pollux zu Procyon und dann rechtwinklig weg vom Wintersechseck geht, und zwar gleich weit wie der Zwillingsstern Alhena von Pollux entfernt ist. Der Krebsstern Altarf steht dann ungefähr in der Mitte zwischen Procyon und den beiden nördlichen Sternen der Wasserschlange, also zeta und epsilon Hydrae, etwas in Richtung der Zwillinge eingerückt.

Geht man vom hellsten Krebsstern über die beiden Wasserschlangensterne epsilon und zeta Hydrae gleichviel weiter, so kommt man zu einem Stern beinahe 3. Größe, das ist der Stern theta Hydrae. Nochmals gleichviel weiter folgt der gleichhelle Stern iota Hydrae. Theta Hydrae ist ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren und iota Hydrae ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Hier biegt die Wasserschlange rechtwinklig ab zu ihrem Hauptstern Alphard.

Sei noch der Stern C Hydrae genannt, der ebenfalls beinahe die 3. Größe erreicht; ihn findet man etwas unterhalb der Mitte zwischen Procyon und Alphard. C Hydrae ist ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren.

Bei sehr guter Südostsicht kann man auch schon Sterne des mittleren Teiles der Wasserschlange sehen: Bildet man einen Bogen von zeta und epsilon Hydrae über Alphard, so gelangt man zu nue Hydrae, der gleich hell ist wie zeta Hydrae. Auch nue Hydrae ist ein Roter Riese, geringfügig näher im Abstand von 120 Lichtjahren. Ziemlich genau in der Mitte zwischen Alphard und nue Hydrae befindet sich der Stern lamda Hydrae, auch er ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Lamda Hydrae verfehlt die dritte Größe nur ganz knapp. Und zwischen lamda und nue Hydrae, etwas unterhalb, befindet sich mue Hydrae, der vierte Rote Riese im Bunde, der mit 200 Lichtjahren etwas weiter entfernt ist. Er erreicht beinahe die 3. Größe.

In der Verlängerung der Wasserschlange von Alphard über lamda Hydrae und nue Hydrae nach links gelangt man zum hellsten Stern des Sternbildes Becher, das ist delta Crateris. Auch er erreicht gerade noch die 3. Größe, er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 90 Lichtjahren.

Geht man diagonal durch den Raben von links oben nach rechts unten, also von Algorab nach Minkar, so gelangt man zu einem weiteren Stern der Wasserschlange gerade noch dritter Größe, das ist xi Hydrae. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren und befindet sich am Ende des zweiten Drittels der Wasserschlange. Erst im nächsten Monat werden die Wasserschlange in voller Länge bewundern können.

5.8 Weitere Sterne im Bärenhüter und in der Nördlichen Krone

Biegt man von Arktur über Mirak nicht zur Gemma ab, sondern geht gleichviel weiter, so gelangt man zu delta Bootis; dieser ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren. 30 Lichtjahre weiter entfernt ist Nekkar, der an der Spitze des Bärenhüters steht, also oberhalb zwischen Ceginus und delta Bootis. Auch er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Nekkar stammt von al-baqqar und bedeutet "Ochsentreiber". Rho Bootis schließlich erreicht gerade noch 3.Größe; er steht neben Mirak auf der Ceginus-Seite des Bärenhüters. Rho Bootis ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren, also gleichweit entfernt wie Nekkar. Beinahe 3.Größe erreicht der Stern zeta Bootis; ihn findet man, wenn man in der Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel in Arktur rechtwinklig nach unten abbiegt, etwas näher als Mirak entfernt ist. Zeta Bootis ist ein Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 180 Lichtjahren.

Ebenfalls nicht schwer auffindbar sind die Sterne der Nördlichen Krone, die einen schönen Halbkreis um ihren Hauptstern Gemma bilden. Rechts der Gemma kommt zunächst der Stern Nusakan, das heißt "die beiden Reihen"; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren; links neben der Gemma steht der Stern gamma Coronae Borealis, ein weißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren. Beide Sterne erreichen beinahe 3.Größe. Der Name Nusakan bezog sich ursprünglich auf benachbarte Sterne der Nördlichen Krone im Herkules und in der Leier, die wie zwei Reihen angeordnet waren, und wurde später für den zweithellsten Stern der Nördlichen Krone verwendet.

Die Nördliche Krone wird von zwei weiteren Sternen 4.Größe und einem Stern gerade noch vierter Größe vervollständigt, die man sehr einfach finden kann und die deswegen ebenfalls vorgestellt werden: in der rechten Reihe folgt nach Nusakan der Stern theta Coronae Borealis, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren, und in der linken Reihe folgt nach gamma Coronae Borealis zuerst der Stern delta Coronae Borealis gerade noch 4.Größe und dann epsilon Coronae Borealis. - Delta Coronae Borealis ist ein gelblicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren und epsilon Coronae Borealis ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren.

5.9 Die Herkulessterne und der Kugelsternhaufen M13

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega, der Nördlichen Krone und Ras Alhague, das nur zwei Sterne beinahe 2. Größe aufweist und somit insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Mitte zwischen Ras Alhague und der Gemma steht der hellste Herkulesstern Rutikulus. Gehen wir nun nach links unten in Richtung Wega, so sieht man ein fast gleichseitiges Dreieck, dessen rechte Spitze in Rutikulus liegt und dessen Kantenlänge rund ein Drittel des Abstandes zur Wega beträgt. Der linke untere Stern des gleichseitigen Dreiecks erreicht 3. Größe und heißt Sarin, der rechte obere ist der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi, der gleich hell ist wie Rutikulus. Spiegelt man Rutikulus an der Achse zeta Herculi - Sarin, so gelangt man zu pi Herculi, der gleich hell ist wie Sarin.

Wer das fast gleichseitige Dreieck mit Rutikulus, zeta Herculi und Sarin nicht auf Anhieb sieht, kann den Hauptstern des Herkules zu Hilfe nehmen. Dieser heißt Ras Algethi und ist ein Stern 3. Größe rechts oberhalb von Ras Alhague. Ras Algethi bildet mit Rutikulus und Sarin an der Spitze ein etwas schiefes Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist. Nun findet man auch ganz einfach den zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi, indem man Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin spiegelt.

Die beiden hellsten Herkulessterne, Rutikulus und zeta Herculi, sind wie unsere Sonne gelbe Sterne. Beide Sterne erreichen beinahe zweite Größe. Rutikulus ist 150 Lichtjahre entfernt und heißt "Achselhöhle"; sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger" und zeta Herculi ist gut 30 Lichtjahre entfernt. Sarin ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt, und pi Herculi ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren.

Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden", da der Herkules meist als kniender Held dargestellt wird; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks, das auch Herkules-Trapez heißt. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi. und erreicht gerade noch 3. Größe. In der vierten Ecke dieses Trapezes befindet sich ein schwächerer Stern gerade noch 4. Größe, das ist epsilon Herculi. - Pi Herculi ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, eta Herculi wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren und epsilon Herculi ist ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Bild Observatorium Wendelstein.
Im Herkules-Trapez kann man den bekannten Kugelsternhaufen M13 finden: geht man von Rutikulus am zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzter Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13. Er ist ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

Geht man schließlich vom hellsten Herkulesstern Rutikulus an Sarin vorbei ungefähr gleichviel weiter, so gelangt man zu einem weiteren Herkulesstern 3. Größe namens mue Herculi. Dieser ist wie unsere Sonne und die beiden hellsten Herkulessterne Rutikulus und zeta Herculi ein gelber Stern, wie zeta Herculi im Abstand von rund 30 Lichtjahren.

Von hier gelangt man übrigens sehr einfach zur hellen Wega: betrachtet man die vier Sterne zeta und pi Herculi sowie Sarin und mue Herculi und verlängert man diese beiden Linien etwa zweimal nach oben, so findet man dort ungefähr in der Mitte die helle Wega.

Ein weiterer sehr einfach auffindbarer Herkulesstern steht im Norden des Sternbildes in der Drachenkopf-Raute auf der Wega-zugewandten Seite, das ist iota Herculi. Er erreicht beinahe die 3. Größe und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 500 Lichtjahren.

Das Sternbild des Herkules wird oftmals als ein auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, welches sich zwischen der Nördlichen Krone und der Wega befindet und das aus dem Herkules-Trapez mit dem zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi und pi Herculi besteht sowie den beiden Sternen Rutikulus und Sarin. Der Hauptstern Ras Algethi des Herkules indes steht etwas abseits neben Ras Alhague, dem Hauptstern des Schlangenträgers, auf den die große Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel weist, und der Herkulesstern iota Herculi steht in der Drachenkopf-Raute auf der Herkules-zugewandten Seite.

Im Herkules befinden sich noch einige weitere Sterne beinahe dritter Größe:

Zu xi Herculi gelangt man, indem man die Linie Rutikulus - Sarin - mue Herculi weitergeht; noch etwas weiter ein wenig nach links abgebogen kann man auch noch omicron Herculi sehen. Xi Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, omicron Herculi ein blauweißlicher Stern. Beide Sterne sind 150 Lichtjahre entfernt.

Neben Rutikulus steht noch der Stern gamma Herculi, ein weißlicher Stern, der ebenfalls 150 Lichtjahre von uns entfernt ist. Konkret findet man ihn, indem man von eta Herculi ausgehend über den zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi nach Rutikulus geht, und dann noch etwas weiter nach rechts.

Theta Herculi befindet sich im nördlichen Teil des Sternbildes: wenn man von pi Herculi zur Wega geht, so findet man in der Mitte der beiden etwas unterhalb den Stern theta Herculi; er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 700 Lichtjahren.

Den Stern tau Herculi findet man am einfachsten, indem man diagonal durch das Herkulestrapez von epsilon über pi Herculi und dann gut gleichviel weiter geht, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Sei schließlich noch der Stern 109 Herculi erwähnt; ihn findet man, indem man von pi Herculi in der oberen linken Ecke des Herkulestrapezes zwischen mue und xi Herculi hindurch gleichviel weitergeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 160 Lichtjahren.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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