Sternenhimmel im August 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Die "kleine" Polarsternregel
  4. Thema des Monats: Doppelsterne
  5. Kugelsternhaufen im Sternbild des Herkules

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, ist in der dritten Rubrik beschrieben.

Im August befindet sich der Sternhimmel weitgehend in Ruhe, Arktur neigt sich gen Westen, und das Sommerdreieck steht hoch am Himmel. Im Süden kann man bei guter Sicht auch das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpion mit dem tiefroten Hauptstern Antares bewundern; im zweiten Teil der Rubrik 2.4 wird dieses Sternbild auch für Urlauber in Südeuropa beschrieben

Der Große Wagen zieht nun wieder hinunter und steht links oberhalb vom Polarstern, während die W-förmige Cassiopeia im Nordosten rechts unterhalb des Polarsterns wieder aus dem Horizontdunst auftaucht.

Im Osten kann auch wieder der helle Riesenplanet Jupiter bewundert werden, der die ganze Nacht sichtbar ist.

Aktuell: Der drittgrößte bekannte Planetoid unseres Sonnensystems, 2005 FY9, der rund 3/4 so groß ist wie der Pluto, hat nun einen offiziellen Namen bekommen: Makemake nach dem Schöpfergott der Rapa Nui. Somit liegt sein Name ebenfalls in der Tradition der Planetoiden des äußeren Planetoidengürtels unseres Sonnensystems.


Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im August mit Blickrichtung Südosten.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Einfach auffindbare Sterne: Großer und Kleiner Wagen

Der bekannte Große Wagen hat seinen Höchststand hinter sich und senkt sich links oberhalb des Polarsternes wieder herab; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts unten, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auf halbem Wege die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar.

Der Große Wagen enthält keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2. Größe, von denen drei Sterne die 1. Größe nur knapp verfehlen: der hintere obere Kastenstern Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und bedeutet "Bär", der Deichselstern am Wagenkasten Alioth ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege", und der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, der wie Alioth ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel". Er ist deswegen so bekannt, weil unmittelbar neben ihm der "Augenprüfstern" Alkor steht, gleichweit von uns entfernt wie Mizar, ebenfalls ein weißlicher Stern.



Die Sternbilder Großer Wagen und Cassiopeia bewegen sich um den Polarstern (24 Stunden Zeitraffer)
Der Polarstern ist ein Stern 2. Größe, ein gelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens", und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Dubhe, Alioth und Benetnash vom Großen Wagen sowie der Polarstern und Kochab im Kleinen Wagen und der mittlere Deichselstern des Großen Wagen Mizar sind die sechs hellsten Sterne in dieser Himmelsregion.

Im Nordosten kann man jetzt wieder die Cassiopeia aufgehen sehen; sie sieht nun aus wie ein großes M und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von rechts, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

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2.2 Sehr einfach auffindbare Sterne im Westen

Den hellsten Stern des Nordhimmels, Arktur, kann man auf sehr einfache Weise finden: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren.

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, die nach links, also nach Osten, weist. Ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen etwas länglichen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun hoch im Süden steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, das ist Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich, und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange".

Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der wie Ras Alhague zum Sternbild des Schlangenträgers gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Auch Sabik ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

2.3 Der Skorpion von Deutschland und von Südeuropa

Das Sternbild Skorpion am südlichen Himmel im August
Bei guter Südsicht kann man links unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Antares markiert die Stelle des Herzens des Skorpions und steht an der mittleren Stelle der unteren Dreiergruppe. Sein ursprünglicher arabischer Name ist Calb-al-akrab, das bedeutet "Herz des Skorpion".

Leider steht der Skorpion in unseren Breiten sehr südlich und meist kann man nur den vorderen Teil des Skorpions mit seinem tiefroten Hauptstern Antares sehen. Dieser vordere Teil des Skorpion besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen. Man kann sich also vorstellen, dass sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren - das sind die vorderen drei Sterne - und der vordere Teil seines Körpers - das sind die unteren drei Sterne - zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander.

Die vordere Dreiergruppe enthält zwei Sterne zweiter Größe, nämlich Akrab, der obere Stern sowie die Dschubba, der mittlere Stern. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab.

Zahlreiche Menschen gehen im Sommer nach Südeuropa in die Ferien und da bietet sich schon ein viel beeindruckender Anblick dieses schönen Sternbildes. In Südeuropa genügt es, nach Süden zu schauen, da kann man den Skorpion problemlos halbhoch am Himmel erkennen: Die beiden zuvor beschriebenen senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen bilden die vorderen Scheren mit Akrab und Dschubba sowie den Leib des Skorpion mit Antares beim Herz des Skorpion. In Fortsetzung der unteren Dreiergruppe kann man den körpernächsten Schwanzstern epsilon Scorpii, der manchmal Wei genannt wird, sowie ungefähr nochmals so weit entfernt den hintersten Schwanzstern Shaula, der beinahe erste Größe erreicht, tief am Himmel erkennen. Wei ist ein Roter Riese 2. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren, die Shaula ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Shaula bedeutet der Mythologie entsprechend "erhobener Schwanz (des Skorpion)". Unmittelbar rechts neben der Shaula kann man einen Stern beinahe 2. Größe erkennen, das ist der Stern Lesath, ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern, aber rund 200 Lichtjahre näher als Shaula. Lesath bedeutet "Stich eines giftigen Tieres".

Unterhalb von Wei und Shaula befindet sich der gebogene Schwanz um den Stern Sargas, der ebenfalls beinahe erste Größe erreicht. Sargas steht am unteren Ende der Schwanzkrümmung und ist auch von Südeuropa nur bei sehr guter Südsicht tief am Horizont zu erkennen; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Von Sargas aus windet sich der Schwanz des Skorpion wieder hinauf zur Shaula und zu Lesath.

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2.4: Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Im Osten sieht man hoch am Himmel das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

Das Sternbild des Adlers

Der "fliegende Adler" Atair wird dabei von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens Sadir; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt.

Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.5 Die "kleine" Polarsternregel und weiter zur Wega

Während Arktur im Bärenhüter in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen sehr einfach gefunden werden kann, ist es eher schwierig, einen Weg zur Wega zu beschreiben. Deshalb identifiziert man die Wega in der Regel anhand ihrer Helligkeit und dann prüft mas, ob Deneb, der Hauptstern des Schwan, an der richtigen Stelle steht. Die "kleine Polarsternregel" beschreibt den Weg vom Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen zur Wega.

Kleine Polarsternregel, Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht. In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern gelangt man zu einem Stern namens eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Folgt man dem Bogen weiter, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis aufgespannt wird, gelangt man zu zwei weiteren Sternen; diese bilden den Kopf des Drachens und wurden bereits in den vergangenen Monaten als Botensterne der hellen Wega vorgestellt. Der hellere von ihnen heißt Ettanin, er ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; ganz in der Nähe von ihm steht ein weiterer nur wenig schwächerer Stern. Das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals im gleichen Abstand weiter geht. Dabei gelangt man zur hellen Wega in der Leier.

Der schwächere hintere Kastenstern des Großen Wagens heißt übrigens Merak, das bedeutet "Lende", der schwächere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber". Beide sind weißliche Sterne; Merak im Abstand von knapp 80 Lichtjahren und Pherkad im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

4. Thema des Monats: Doppelsterne

Wenn man mit einem Fernrohr den Himmel betrachtet, so stellt man fest, dass einige Sterne Doppelsterne sind, d.h. von bloßem Auge sieht man nur einen Stern, doch im Fernrohr stehen dort zwei Sterne unmittelbar nebeneinander. Tatsächlich ist die Mehrheit der Sterne, rund 60%, in Doppel- oder Mehrfachsternsystemen eingebunden und die Situation wie bei unserer Sonne mit nur einer Sonne in der Minderheit. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass ein Planet, der Leben beherbergt, um einen Einzelstern kreist, da bei einem Doppel- oder Mehrfachstern die Temperaturunterschiede auf dem Planeten pro Umlauf recht groß wären.

Man unterscheidet verschiedene Typen Doppelsterne:

3.1 nur optische Doppelsterne

Hier sind nur zufällig zwei Sterne von der Erde aus gesehen nahe beisammen, aber die beiden Sterne kreisen nicht umeinander, sondern befinden sich in völlig unterschiedlichem Abstand zur Erde. Solche nur optischen Doppelsterne sind also in Wirklichkeit keine Doppelsterne.

3.2 physische Doppelsterne

Dies sind Doppel- oder Mehrfachsternsysteme, bei denen sich wirklich mehrere Sterne einander umkreisen. Für die Forschung sind solche Sterne aus verschiedenen Gründen sehr interessant: Zum einen kann man aus der Umlaufdauer auf die Masse der Sterne schließen und zum anderen kann man Rückschlüsse über die Entstehung von Sternen überhaupt aus der genaueren Untersuchung von Doppel- und Mehrfachsternsystemen herleiten.

Bekannte Beispiele sind:

  • Alpha Centauri A und B - zu diesem Sternsystem gehört ja auch Proxima Centauri, der allernächste Fixstern von der Sonne
  • Mizar, der mittlere Deichselstern im Großen Wagen;
    zu diesem Sternsystem gehört vermutlich auch der Augenprüfstern Alkor
  • Albireo beim Kopf des Schwanes
  • 61 Cygni ebenfalls im Sternbild des Schwanes
  • Sirius, wobei Sirius B ein bekannter Weißer Zwerg ist
  • Procyon im Kleinen Hund, dessen Partner ebenfalls ein Weißer Zwerg ist
Algol besteht aus einem bläulichen und einem rötlichen Stern, die sich alle 5 Tage bedecken. (C) Fahad Sulehria

3.3 Bedeckungsveränderliche

Manchmal steht ein Doppelstern soweit von der Erde entfernt, dass man auch mit großen Fernrohren nicht beide Sterne auflösen kann. Wenn sich die beiden Sterne aber gegenseitig bedecken, dann ist das Gesamtsystem von der Erde aus gesehen heller, wenn beide Sterne nebeneinander stehen als wenn sie hintereinander stehen. Ein bekanntes Beispiel für solche Bedeckungsveränderliche ist der Stern Algol im Sternbild des Perseus. Glaubte man im Mittelalter, dass hier der Teufel seine Hand im Spiel hatte und nannte Algol auch Teufelsstern, so weiß man heute, dass sich dort einfach zwei nahe beieinander stehende Sterne umkreisen.

3.4. spektroskopische Doppelsterne

Manchmal kann man Doppelsterne auch daran erkennen, dass sich die Spektrallinien dieser Sterne periodisch verändern. Auch dann liegt ein Doppelsternsystem vor; ein ganz bekannter spektroskopischer Doppelstern ist die Capella im Sternbild des Fuhrmannes.

3.5 Supernova Typ Ia

Eine ganz besondere Konstellation tritt auf, wenn ein Stern von einem Weißen Zwerg umkreist wird und die beiden Sterne nahe zusammenstehen. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn sich der Hauptstern zu einem Roten Riesen aufbläht. Dann fällt Masse auf den Weißen Zwerg. Man kann physikalisch herleiten, dass Weiße Zwerge nur eine maximale Masse haben können - das hängt interessanterweise mit dem Pauli-Prinzip für Elektronen zusammen: Würde ein Weißer Zwerg mehr Masse als diese Maximalmasse haben, so gäbe es wegen dem Pauli-Prinzip für Elektronen keinen "Platz" mehr für die zusätzlichen Elektronen; diese müssen aber irgendwo hin und der gesamte Weiße Zwerg gerät aus dem Gleichgewicht und explodiert in einer gewaltigen Supernova-Explosion. Weil diese Supernova immer bei der gleichen Masse geschieht, ist sie immer gleich hell, das heißt man kann mit Hilfe solcher Supernova Ia deren Abstand messen, und aufgrund ihrer enormen Helligkeit kann man damit Abstände bis zu 2 Milliarden Lichtjahre messen, das ist immerhin ein Siebtel der Größe unseres Universums!

5. Feldstecherobjekte: Kugelsternhaufen im Sternbild des Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, in dem nur drei Sterne heller als 3. Größe sind, womit es insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13. Dies ist aber nur weiter von Siedlungen entfernt bei Bedingungen ohne "Lichverschmutzung" möglich.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei und kurz bevor man Ras Alhague erreicht, kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3. Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Bild Observatorium Wendelstein.
Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Der zweithellste Stern dieses trapezartigen Viereckes steht diagonal gegenüber; er heißt pi Herculi, ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren. Er ist gleichhell wie Sarin. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi. Dieser ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht. Nun ist es nicht mehr schwer, den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei nicht lichtverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen. Das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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