Sternenhimmel im August 2009

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Das Sommerdreieck
  4. Der Steinbock
  5. Der Skorpion

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel im Jahreskreis ist im Sommer zur Ruhe gekommen und wird bis Oktober von den beiden hellen Sternen Arktur im Bärenhüter in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen sowie der Wega in der Leier beherrscht.

Das Sommerdreieck mit der hellen Wega in der Leier, Deneb im Schwan sowie Atair im Adler steht nun über uns.

Im Süden können Urlauber, die nach Südeuropa verreist sind, sehr schön das Sternbild des
Der Große Wagen senkt sich nun wieder links neben dem Polarstern herab, während die W-förmige Cassiopeia unter dem Polarstern durchgezogen ist und rechts vom Polarstern wieder höherzieht.


Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im August mit Blickrichtung Südosten.

Tief im Osten auch wieder ist der helle Riesenplanet Jupiter im Sternbild des Steinbockes, welches in diesem Monatsbeitrag näher beschrieben wird, sichtbar.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht links vom Polarstern; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. Wer seine Augen prüfen möchte, kann einmal versuchen, den "Augenprüfstern" zu sehen: Er steht unmittelbar neben dem mittleren Stern der Deichsel des Großen Wagen und heißt Alkor. Im Deutschen wird dieser Stern auch oft das "Reiterlein" genannt. Alten griechischen Legenden zufolge handelt es sich bei ihm übrigens um die fehlende 7.Plejade des Siebengestirns.

Der hintere obere Kastenstern des Großen Wagen heißt Dubhe; das bedeutet "Bär". Dubhe ist ein Roter Riese beinahe 1. Größe im Abstand von 120 Lichtjahren. Im Englischen spricht man das "Dubi" aus und man kann sich den Sternnamen einfach merken, indem man sich vorstellt, dass Frank Sinatra mit der Großen Bärin um den Himmelsnordpol tanzt und "Dubi Dubi Dubi" singt. Der hintere untere Kastenstern des Großen Wagens ist ein Stern 2.Größe und heißt Merak, das bedeutet "Lende". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 80 Lichtjahren.

Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel" und ist ein Stern 2. Größe; der Augenprüfstern Alkor ist ebenfalls ein weißlicher Stern im gleichen Abstand; sein arabischer Name bedeutet "der Erniedrigte". Im Deutschen wird Alkor nicht nur als "Reiterlein", sondern manchmal auch als "Fuchsstern" bezeichnet.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen nach unten, also in Richtung der Krümmung, geht, gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Der Polarstern ist ein gelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der andere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

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2.2 Arktur und die Frühlingssterne

Jungfrau und Bärenhüter
Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man hoch am Himmel zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel, geringfügig heller als die Wega.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Der Deichselstern am Wagenkasten des Großen Wagen heißt Alioth; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege"; der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Beide sind Sterne beinahe 1.Größe.

2.3 Das Himmelslineal: Schlange und Schlangenträger

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette nach Süden, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Auch Sabik ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der andere, Yed Prior - das bedeutet "erstere Hand", ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt.
Sommerdreieck (orange) mit Achsen-Spiegelung (hellblau) zu Ras Alhague im Schlangenträger

2.4 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Hoch im Osten sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler"; sie ist derzeit der hellste Fixstern am Himme. Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blau-weißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

2.5 Der Schwan

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Bild Observatorium Wendelstein.

2.6 Herkules und der Kugelsternhaufen M13

Auf dem Weg von der großen Arktur-Gemma-Deichsel nach Ras Alhague weist, kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algehti steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3. Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht. An der rechten Kante dieses auf dem Kopf stehenden K kann man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen sehen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der diagonal entgegengesetzten Ecke dieses Trapezes von eta Herculi befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

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2.7 Vom Kleinen Wagen durch den Drachen zur hellen Wega: Die "kleine Polarstern-Regel"

Kleine Polarsternregel, Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Die helle Wega kann man bei guten Sichtbedingungen ganz hübsch via Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen finden. Dabei geht man im Frühsommer von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen einfach nach rechts oben:

Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen gelangt man zu einem Stern namens Eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Folgt man nun dem Bogen, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis in dreifacher Verlängerung dieser hinteren Kastensterne aufgespannt wird, so gelangt man zu Ettanin und Alwaid, die den Kopf des Drachen bilden; sie sind die Botensterne der hellen Wega.

Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

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3. Das Sternbild des Steinbockes

Links unterhalb des Adlers findet man im Hochsommer das eher unscheinbare Tierkreiszeichen des Steinbockes, das einige Sterne dritter Größe enthält und das in diesem Jahr Besuch vom Riesenplaneten Jupiter hat. Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jüngling Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmlisches Floß". Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne nebeneinander, die schon zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, das bedeutet "Ziege"; er ist ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, der untere heißt Dabih und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Dabih kommt von Sadaldabih und bedeutet "Glücksgestirn der Schlachtenden".

Wenn man diese Linie nochmals gleichweit weiter nach unten verlängert, so kann man bei guter Sicht nochmals zwei Sterne allerdings nur 4. Größe in diesem Abstand voneinander sehen; der obere ist psi Capricorni und der untere omega Capricorni. Psi Capricorni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren und omega Capricorni ein Roter Riese im Abstand von knapp 250 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man diese Linie von Atair und seinen beiden Falken ausgehend über theta Aquilae, Algiedi und Dabih bis zu psi und omega Capricorni sehr einfach finden; die ersten 4 Sterne gehören zum Sternbild des Adlers, die nächsten vier Sterne gehören zum Sternbild des Steinbockes.

Nun kann man wieder rechtwinklig nach oben in Richtung des hellen Jupiter abknicken und gelangt nach derselben Distanz, etwas links unterhalb des Jupiter, zu zu zwei benachbarten Sternen; der linke und hellere heißt Deneb Algedi, das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren; er ist der hellste Stern des Sternbildes und 1846 wurde in seiner Nähe der Planet Neptun entdeckt. Der rechte heißt Nashira und ist ein gelbweißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Nashira bedeutet "die, welche gute Nachricht bringt" und hat dieselbe Helligkeit wie Algiedi.

Mythologische Darstellung des Sternbildes Steinbock
Oberhalb von Deneb Algedi, Narisha und dem Jupiter befindet sich Sadalsuud, das heißt "Glück des Glückes"; er ist ein gelber Stern wie unsere Sonne im Abstand von über 600 Lichtjahren und ist der hellste Stern des Sternbildes Wassermann. Man beachte, dass die Namen der beiden Sterne Nashira und Sadalsuud ähnliche Bedeutung haben.

Wer gute Augen hat kann westlich von Algiedi einen weiteren Stern sehen; diese beiden sehen zwar wie ein Doppelstern aus, doch ist der Partnerstern, ebenfalls ein gelber Stern wie unsere Sonne, über zehnmal weiter entfernt.

Man mag sich verwundern, warum einige Steinbock-Sterne auf eine Ziege hinweisen und tatsächlich war in der Mythologie hier ein Ziegenfisch; dieses Sternbild ist trotz seiner Unscheinbarkeit vermutlich eines der ältesten Sternbilder überhaupt. Schon bei den Babyloniern hatten diese Sterne diesen Namen und man vermutet, dass die Fischer in der Zeit, in der man das Sternbild sehen konnte, Schwärme von Ziegenfischen fangen konnten. In der griechischen Mythologie bezeichnet dieses Sternbild den bocksbeinigen Gott Pan, der auf der Flucht vor dem Untier Typhon ins Meer sprang. Sein Versuch, dabei die Gestalt eines Fisches anzunehmen, gelang nur halb, worauf der böse Typhon ausgerechnet den Göttervater Zeus angriff und ihm die Sehnen an den Armen und Beinen herausriss. Doch Pan und sein Vater Hermes setzten dem Göttervater die Sehen wieder ein und als Dank setzte Zeus den Pan in seiner Ziegenfisch-Gestalt an den Himmel.

Erst zur Römerzeit wurde dieses Sternbild in Steinbock umbenannt.

3. Urlaubsbeitrag: Der Skorpion von Deutschland und von Südeuropa

Bei guter Südsicht kann man links unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Antares markiert die Stelle des Herzens des Skorpions. Sein ursprünglicher arabischer Name ist auch Calb-al-akrab, das bedeutet "Herz des Skorpion".

Leider steht der Skorpion in unseren Breiten sehr südlich und meist kann man nur den vorderen Teil des Skorpions mit seinem tiefroten Hauptstern Antares sehen. Dieser vordere Teil des Skorpion besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen. Man kann sich also vorstellen, dass sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren - das sind die vorderen drei Sterne mit Antares in ihrer Mitte - und der vordere Teil seines Körpers - das sind die unteren drei Sterne - zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander.

Die vordere Dreiergruppe enthält zwei Sterne zweiter Größe, nämlich Akrab, der obere Stern sowie die Dschubba, der mittlere Stern. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab.

Der untere Stern der vorderen Dreiergruppe, pi Scorpii, ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

In der unteren Dreiergruppe haben beide Nachbarsterne von Antares den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Riesensterne; der linke im Abstand von 430 Lichtjahren, der rechte knapp doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren.

Zahlreiche Menschen gehen im Sommer nach Südeuropa in die Ferien, und da bietet sich schon ein viel beeindruckender Anblick dieses schönen Sternbildes. In Südeuropa genügt es, nach Süden zu schauen, da kann man den Skorpion problemlos halbhoch am Himmel erkennen: Die beiden zuvor beschriebenen, senkrecht zueinander stehenden, engeren Dreiergruppen bilden die vorderen Scheren mit Akrab und Dschubba sowie den Leib des Skorpion mit Antares beim Herz des Skorpion. In Fortsetzung der unteren Dreiergruppe kann man den körpernächsten Schwanzstern epsilon Scorpii, der manchmal Wei genannt wird, sowie ungefähr nochmals so weit entfernt den hintersten Schwanzstern Shaula, der beinahe erste Größe erreicht, tief am Himmel erkennen. Wei ist ein Roter Riese 2. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren, die Shaula ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Shaula bedeutet der Mythologie entsprechend "erhobener Schwanz (des Skorpion)".

Unterhalb von Wei und Shaula befindet sich der gebogene Schwanz um den Stern Sargas, der ebenfalls beinahe erste Größe erreicht. Sargas steht am unteren Ende der Schwanzkrümmung und ist auch von Südeuropa nur bei sehr guter Südsicht tief am Horizont zu erkennen; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Von Sargas aus windet sich der Schwanz des Skorpion wieder hinauf zur Shaula.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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