Sternenhimmel im August 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Nach wie vor ist der Sternhimmel hochsommerlich und wird von den beiden hellen Sternen Arktur und die Wega beherrscht. Hoch im Osten kann man das Sommerdreieck sehen. Im Südwesten kann man sehr schön das Sternbild des Skorpions erkennen.

Der Große Wagen steht nun ganz figürlich unter dem Polarstern, seine Deichsel ist noch geringfügig nach links oben geneigt, während die W-förmige Cassiopeia unter dem Polarstern durchgezogen ist und rechts vom Polarstern wieder hinaufzieht.

Nach Sonnenuntergang kann man halbhoch im Westen die helle
Venus als Abendstern bewundern, während im Osten der Riesenplanet Jupiter

wieder sichtbar wird

Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im August mit Blickrichtung Südosten.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht nun wie ein Wagen unter dem Polarstern. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts oben verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man im Nordosten zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von rechts.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" neben dem mittleren Deichselstern, von dem altgriechische Kulturen glaubten, er sei die fehlende 7. Plejade. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar, der neben ihm stehende Augenprüfstern heißt Alkor. Dies wird manchmal mit "der Schwache" übersetzt, was aber sprachwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Wahrscheinlicher ist, dass Alkor eine Nebenform von Alioth ist, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alkor für den neben ihm stehenden Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet; früher nannte man ihn auch "Fuchsstern"; das erinnert an den "Hundsstern", mit dem der hellste Fixstern Sirius bezeichnet wird. - Für den Namen Dubhe gibt es eine hübsche Merkregel aus den Vereinigten Staaten, weil man diesen Stern auf englisch "Dubih" ausspricht: Frank Sinatra tanzt mit der Großen Bärin um den Polarstern und singt "Dubi Dubi Dubi".

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber" und der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Alioth und Mizar sind ebenso wie der Augenprüfstern Alkor weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren; Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der Hauptstern der Cassiopeia, Schedir, bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.


Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen nach unten, also senkrecht zur Krümmung, geht, gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

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2.2 Frühlingssterne: Arktur, die Nördliche Krone, Ras Alhague und die schwächeren Wagensterne

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun über Arktur steht, ist der zweithellste Bootes-Stern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Die drei übrigen Wagensterne sind gerade noch 2. Größe (Merak und Phekda) sowie 3. Größe (Megrez). Merak ist der untere hintere Kastenstern, sein Name bedeutet "Lende". Der untere vordere Kastenstern heißt Phekda, das bedeutet "Schenkel" und der vordere obere Kastenstern heißt Megrez, das heißt "Anfügepunkt (des Schwanzes)".

Merak, Phekda und Megrez sind weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

So lassen sich die Sterne, ausgehend vom Bärenhüter über eine drachenförmige Figur zur Schlange und zum Schlangenträger hin, finden. Die animierte Grafik öffnet sich beim Klick auf das Bild!
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2.3 Schlange, Schlangenträger und Antares im Skorpion

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette nach Süden, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Auch Sabik ist ein Stern 2.Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der andere, Yed Prior - das bedeutet "erstere Hand", ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt. Sein Nachbarstern, Yed Posterior - das bedeutet "die folgende Hand", ist ein Stern 3. Größe und wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Bei guter Südwestsicht kann man unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" Antares, den Hauptstern des Skorpions, bewundern.

2.4 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Hoch im Osten sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

2.5 Das Sternbild der Leier

Das Sternbild der Leier
Der "herabstoßende Adler" Wega ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne im wesentlichen den Leierkasten bilden und wie ein Parallelogramm neben der Wega aussehen. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe; es sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren. Sheliak heißt "Leier" und Sulaphat heißt "Schildkröte".

Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen.

Der Wega-nähere Stern epsilon(2) Lyrae ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren, der andere, epsilon(1) Lyrae, ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne sind zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren. Diese Sterne haben 4. Größe.

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2.6 Das Sternbild des Schwanes

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.7 Vom Adler zum Steinbock

Sternbildes des Steinbocks
Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jüngling Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß". Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne nebeneinander, die schon zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, das bedeutet "Ziege"; er ist ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, der untere heißt Dabih, ursprünglich Sadaldabih, und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Sadaldabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden".

Wenn man diese Linie nochmals gleichweit weiter nach unten verlängert, so kann man bei guter Sicht nochmals zwei Sterne allerdings nur 4. Größe in diesem Abstand voneinander sehen; der obere ist psi Capricorni und der untere omega Capricorni. Psi Capricorni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren und omega Capricorni ein Roter Riese im Abstand von knapp 250 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man diese Linie von Atair und seinen beiden Falken ausgehend über theta Aquilae, Algiedi und Dabih bis zu psi und omega Capricorni sehr einfach finden; die ersten 4 Sterne gehören zum Sternbild des Adlers, die nächsten vier Sterne gehören zum Sternbild des Steinbockes.

2.8 Die kleine Polarsternregel und weiter zur Wega in der Leier

Die helle Wega kann man bei guten Sichtbedingungen ganz hübsch via Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen finden. Dabei geht man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen einfach nach links oben:

Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen - das ist Pherkad - gelangt man zu einem Stern namens eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren und eta Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts oben, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Folgt man nun dem Bogen, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis in dreifacher Verlängerung dieser hinteren Kastensterne aufgespannt wird, so gelangt man zu Ettanin und Alwaid, die den Kopf des Drachen bilden; sie sind die Botensterne der hellen Wega. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer" und Alwaid ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Der Stern Alwaid hat auch den Namen Rastaban, das bedeutet "Kopf der Schlange".

Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleich viel weiter zur hellen Wega in der Leier.

2.9 Der Skorpion

Das Sternbild Skorpion am südlichen Himmel im Juli
Bei guter Südwestsicht kann man unterhalb vom Ende des "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Antares markiert die Stelle des Herzens des Skorpions und steht an der mittleren Stelle der unteren Dreiergruppe. Sein ursprünglicher arabischer Name ist auch Calb-al-akrab, das bedeutet "Herz des Skorpion".

Leider steht der Skorpion in unseren Breiten sehr südlich und meist kann man nur den vorderen Teil des Skorpions mit seinem tiefroten Hauptstern Antares sehen. Dieser vordere Teil des Skorpion besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen. Man kann sich also vorstellen, dass sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren - das sind die vorderen drei Sterne - und der vordere Teil seines Körpers - das sind die unteren drei Sterne - zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander.

Die vordere Dreiergruppe enthält zwei Sterne zweiter Größe, nämlich Akrab, der obere Stern sowie die Dschubba, der mittlere Stern. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab.

Der untere Stern der vorderen Dreiergruppe, pi Scorpii, ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

In der unteren Dreiergruppe haben beide Nachbarsterne von Antares den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Riesensterne; der linke im Abstand von 430 Lichtjahren, der rechte knapp doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren.

Zwischen Antares und dem vorderen, also oberen "Schutzstern" kann man geringfügig unter diesen beiden Sternen den Kugelsternhaufen M4 sehen. Dieser ist nur 7500 Lichtjahre entfernt und somit der nächstgelegene Kugelsternhaufen. Leider ist er für Beobachter in Mitteleuropa wegen seiner südlichen Lage eher unattraktiv, kann aber mit einem starken Feldstecher bei guter Südwestsicht oder bei Ferien in Südeuropa einfach aufgefunden werden.

Zahlreiche Menschen gehen im Sommer nach Südeuropa in die Ferien, und da bietet sich schon ein viel beeindruckender Anblick dieses schönen Sternbildes. In Südeuropa genügt es, nach Südwesten zu schauen, da kann man den Skorpion problemlos halbhoch am Himmel erkennen: Die beiden zuvor beschriebenen, senkrecht zueinander stehenden, engeren Dreiergruppen bilden die vorderen Scheren mit Akrab und Dschubba sowie den Leib des Skorpion mit Antares beim Herz des Skorpion. In Fortsetzung der unteren Dreiergruppe kann man den körpernächsten Schwanzstern epsilon Scorpii, der manchmal Wei genannt wird, sowie ungefähr nochmals so weit entfernt den hintersten Schwanzstern Shaula, der beinahe erste Größe erreicht, tief am Himmel erkennen. Wei ist ein Roter Riese 2. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren, die Shaula ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Shaula bedeutet der Mythologie entsprechend "erhobener Schwanz (des Skorpion)".

Unterhalb von Wei und Shaula befindet sich der gebogene Schwanz um den Stern Sargas, der ebenfalls beinahe erste Größe erreicht. Sargas steht am unteren Ende der Schwanzkrümmung und ist auch von Südeuropa nur bei sehr guter Südsicht tief am Horizont zu erkennen; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Von Sargas aus windet sich der Schwanz des Skorpion wieder hinauf zur Shaula.

3. Sternbild des Monats: Der Schütze

Das Sternbild des Schützen ist das am tiefsten gelegene Sternbild des Tierkreises und seine nördlichen Teile sind von Mitteleuropa aus nur bei guter Südsicht sichtbar. Deswegen wird es meistens nicht weiter beachtet und auch in Südeuropa sind die südlichen Teile des Schützen nicht prominent erkennbar. Oftmals wird es auch bei guter Südsicht nur gelingen, die drei nördlichsten Sterne des Schützen zu erkennen, das sind Nunki, der immerhin so hell wie der Polarstern ist, dann etwas links oberhalb, in Richtung des Adlersternes Atair, der Stern Albaldah, der die zweite Größe nur knapp verfehlt, sowie von Nunki aus fast rechtwinklig rechts oberhalb, etwas weiter entfernt der Stern Kaus Borealis, der die zweite Größe ebenfalls nur knapp verfehlt. - Bei sehr guter Südsicht kann man auf beiden Seiten von Nunki außerdem je einen Stern gerade noch dritter Größe erkennen.

Nunki ist der zweithellste Stern des Schützen und man findet ihn am einfachsten in der Verlängerung des Himmelslineals über Sabik hinaus, knapp zweimal weiter als der Abstand des untersten Sternenpaares des Himmelslineals, das von Yed Prior und Yed Posterior gebildet wird über zeta Ophiuchi und Sabik hinaus. Zu Nunki kann man auch gelangen, indem man den oben beschriebenen Weg vom Adler in den Steinbock beschreitet und bei den beiden ersten Steinbocksternen Algiedi und Sadaldabih senkrecht nach rechts unten etwa gleichweit abbiegt. Nunki bedeutet "göttlicher Ort der Erde" und ist ebenfalls ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 220 Lichtjahren. Albalda links oberhalb in Richtung Atair bedeutet "Axt" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 450 Lichtjahren. Kaus Borealis schließlich heißt "nördlicher Stern des Bogens" und ist ein Roter Riese im Abstand von 80 Lichtjahren.

Der Schütze ist ein unübersichtliches Sternbild, welches man sich am einfachsten als zwei Bögen vorstellen kann, die schräg untereinander stehen. Beide Bögen haben in dieser Vorstellung einen Pfeil. Der hellste Stern des Sternbildes, Kaus Australis, steht am unteren Ende des zweiten Bogen und erreicht beinahe 1. Größe. Aufgrund seiner südlichen Lage ist er aber nur bei sehr guter Südsicht erkennbar. Kaus Australis bedeutet "südlicher Stern des Bogens" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren.

Der zweithellste Schützenstern Nunki befindet sich in dieser Vorstellung in der Mitte des oberen Bogens und Albalda in Richtung Atair am oberen Ende des oberen Bogens. Unterhalb von Nunki finden wir bei guter Südsicht am unteren Ende des oberen Bogens den Stern Askella, das bedeutet "Achsel". Er ist ein weißlicher Stern knapp 2. Größe im Abstand von 90 Lichtjahren. - Rechts und links neben Nunki, dem mittleren Bogenstern des oberen Bogens, sieht man etwas unterhalb die Sterne phi Sagittarii an der Pfeilspitze und tau Sagittarii am nach hinten gespannten Pfeilende oberhalb von Askella, die ja am unteren Ende des oberen Bogens steht. Phi Sagittarii ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 230 Lichtjahren und tau Sagittarii ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Beide sind Sterne 3.Größe. Fast gleichhell ist auch der Stern xi2 Sagittarii rechts neben Albaldah am oberen Ende des oberen Bogens; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Darstellung Mythologie nach Aspin.
Bei sehr guter Südsicht kann man auch noch Kaus Meridionalis in der Mitte des unteren Bogens erkennen; er ist ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren, sowie den Stern An-Nasl neben ihm; dieser heißt auch passenderweise "Pfeilspitze" und ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Betrachtet man nun die wirkliche Figur dieses Sternbildes, so ist der untere Bogen tatsächlich der Bogen des Schützen, während der obere Bogen um den zweithellsten Schützenstern Nunki Positionen im Oberkörper des Schützen angibt. Nunki in der Mitte des "oberen Bogens" steht an der rechten Schulter des Schützen; Albalda, der obere Stern des "oberen Bogens", steht am Ohr des Schützen, und Askella, der untere Stern des "oberen Bogens", steht wie sein Name angibt an der Achsel des Schützen. Die beiden "Pfeilsterne" des oberen Bogens, tau Sagittarii am abgewinkelten Pfeilende steht an der Hand des Schützen und phi Sagittarii an der Pfeilspitze des oberen Bogens markiert in Wirklichkeit das von der eben beschriebenen Hand gespannte Pfeilende des Pfeiles, der also wie heutzutage noch in Sportvereinen üblich ein sehr langer Pfeil ist. Xi2 Sagittarii rechts neben Albalda, dem oberen Stern des "oberen Bogens", steht an der Nase des Schützen.

Dem Sternbild des Schützen wird in der Mythologie das Sternbild des Zentaurn Cheiron zugeordnet. Dieser war ein guter Bogenschütze und schießt - wie man am Himmel sehen kann - gerade einen Pfeil auf den Skorpion, der bekanntlich den Himmelsjäger Orion stach.

Der Schütze ist aus astronomischer Sicht sehr bedeutsam, da sich das Zentrum unserer Milchstraße in diesem Sternbild befindet. Dieses ist knapp 30'000 Lichtjahre von uns entfernt und gewaltige Staubmassen verdecken die Sicht dorthin mit optischen Mitteln, so dass die von dort kommenden riesigen Energiemengen die Erde in einem Wellenlängenbereich erreichen, in welchem sie uns nicht schaden.

4. Feldstecherobjekt: Kugelsternhaufen M13 im Sternbild des Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, das nur drei Sterne heller als 3. Größe aufweist und somit insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algehti steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3.Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi; er ist ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der vierten Ecke dieses Trapezes von eta Herculi befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht.

Nun ist es nicht mehr schwer, in diesem trapezartigen Viereck den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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