Sternenhimmel im Dezember 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Raumbewegung der Sterne
  4. Der Morgenhimmel im Dezember

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im Dezember ist der Sternenhimmel nach Sonnenuntergang, der schon vor 18 Uhr erfolgt, noch herbstlich, doch bis 22 Uhr werden all' die prachtvollen Wintersterne mit ihren hellen Sternen die Himmelsbühne betreten. Das Sommerdreieck ist nach Sonnenuntergang noch hoch im Westen zu sehen, die helle Capella sowie die Herbststernbilder des Pegasus, der Andromeda und des Perseus stehen hoch über uns am Himmel und im Osten können ab 20 Uhr der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel sowie Procyon - der Bote des hellen Sirius, und ab Monatsmitte auch der helle Sirius selber bewundert werden.
Der Große Wagen steht tief im Norden unter dem Polarstern, während die W-förmige Cassiopeia im Zenit hoch über dem Polarstern steht.

Im Südwesten steht die Venus als strahlender Abendstern.

Da es nun morgens noch lange dunkel ist, wird in der 4.Rubrik der Morgenhimmel beschrieben.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen, Cassiopeia und Capella

Der bekannte Große Wagen kann nur bei guter Nordsicht gesehen werden; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auf halbem Wege die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von rechts, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Von der Cassiopeia kann man sehr einfach die helle Capella im Fuhrmann finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern, das ist die langgestreckte Seite des W, hindurch weitergeht. Die Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein", und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.


Sommerdreieck (orange) mit Achsen-Spiegelung (hellblau) zu Ras Alhague im Schlangenträger

2.2: Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Nach Sonnenuntergang sieht man hoch im Westen das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan, der nach Sonnenuntergang fast senkrecht über uns steht, und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blau-weißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger. Das bedeutet "Kopf des Schlangenträgers". Ras Alhague ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwas 60 Lichtjahren. Im Verlaufe des Abends wird das Sommerdreieck dann ab 22 Uhr rasch in den Horizontdunst eintauchen.

2.3 Andromeda und Perseus

Von der Cassiopeia aus kann man sich weiter zu vielen prominenten Herbststernbildern hin orientieren. Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch wie schon oben beschrieben zur hellen Capella im Fuhrmann.

Perseus und die angrenzenden Sternbilder
Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein", und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Den Hauptstern des Perseus, Mirfak, kann man also in Verlängerung der Andromedakette finden; biegt man indes beim dritten Andromedastern Alamak nach unten ab, so gelangt man zum zweithellsten Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht rechts unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Das Herbstviereck mit der Sirrah sowie Mirach, Alamak und Algol bilden einen übergroßen "Großen Wagen".

2.4 Der Widder und der Pegasus (Herbstviereck)

Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichweit weiter; dort kann man also südlich der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach.

Rechts von der Sirrah sieht man die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie eine übergroßes Quadrat am Himmel steht. Rechts neben der Sirrah steht Scheat, das heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)"; er ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Markab steht im Herbstviereck in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah, er ist ein gelbweißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". Den Stern Enif kann man auch finden, indem man die Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt. - An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

->
Mehr zum Pegasus

Orion geht im Laufe des
Abends am Südosthimmel auf

2.5 Orion, Procyon und ab 22 Uhr der Sirius

Geht man zu Monatsbeginn ab 20 Uhr von der Capella nach Südosten, so kann man über dem Südost-Horizont das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, das aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen besteht. Der obere und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der untere Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der untere Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Nach seinem Aufgang scheint der Orion am Himmel zu liegen und so schräg auf der Seite liegend kann man gut verstehen, dass manche Kulturen in ihm einen großen Schmetterling sehen. Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck.

Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Im Gegensatz zu den weit entfernten Orionsternen sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

Der Stier mit den Plejaden und Hyaden und die Zwillinge

Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1. Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist also der Stern, der kurz nach den Plejaden aufgeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken unteren Ende eines auf der Seite liegenden nach links geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden.

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren und Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, steht im Abstand von 70 Lichtjahren auf knapp halbem Wege und gehört nicht zu diesem Sternhaufen. Der Sternhaufen sieht aus wie ein Größer-Zeichen, also ein auf der Seite liegendes offenes Dreieck; der Vordergrundstern Aldebaran steht dabei links auf dem unteren Ast. Links oben - also über Aldebaran - steht der Stern Ain, ein Roter Riese. Ain bedeutet "Auge"; streng genommen markiert also dieser Stern und nicht Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Geringfügig heller ist der Hyadenstern theta(2) Tauri, ein weißlicher Stern. Theta(2) Tauri ist der untere der beiden Hyadensterne rechts neben Aldebaran.

Am Südosthimmel geht das Sternbild der Zwillinge auf
Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach unten eingerückt, steht der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)" und El Nath ist ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe ist hier versammelt.

3. Thema des Monats: Raumbewegung der Sterne

Über Galileo Galilei wird folgende Anekdote erzählt: Dieser hat nämlich im 17. Jahrhundert eine schleifende Bedeckung des Aldebaran im Stier durch den Mond beobachtet. Eine Überprüfung mit modernen Computerprogrammen indes hat ergeben, dass an Galileo's Beobachtungsort an jenem Tag der Mond den Aldebaran gar nicht bedeckt hat. Was nun? Warum sollte Galileo Galilei eine Beobachtung aufschreiben, die er gar nicht getätigt hat?

Tatsächlich hat das Computerprogramm nicht berücksichtigt, dass sich die Sterne zwar nur sehr langsam, aber im Laufe der Jahrhunderte eben doch messbar am Firmament bewegen. Wenn man das nachträglich im Computerprogramm berücksichtigt, so wird Galilei's Beobachtung im vollen Umfang bestätigt.

Der Bernhardstern hat die grösste Eigenbewegung unter den Sternen. Hier Bilder im Abstand von 5 Jahren.
Wenn man also genügend lange zuwartet, so kann man mit präzisen Messinstrumenten feststellen, dass sich einige Fixsterne vor dem Hintergrund der Fixsterne langsam weiterbewegen. Diese Bewegung wird "Eigenbewegung" genannt.

Zusätzlich kann man bei den helleren Sternen auch hochauflösende Spektren ihres Lichtes gewinnen, d.h. das Licht dieser Sterne in einer Art Prisma in seine Spektralfarben zerlegen und analysieren. Dabei fällt auf, dass in den Spektren feine schwarze Linien sind. Diese heißen Fraunhofer-Linien und kommen daher, dass in den Sternatmosphären chemische Elemente sind, welche das Licht einer bestimmten Wellenlänge absorbieren, so dass man dort im Spektrum nur eine schwarze Linie erkennen kann.

Ausserdem fällt auf, dass diese Spektrallinien oftmals ein bisschen nach rechts oder nach links verschoben sind. Das kommt daher, dass sich die Sterne auf uns zu oder von uns weg bewegen, ähnlich wie die Sirene eine Feuerwehrautos, deren Ton höher erscheint, wenn sich das Auto auf uns zubewegt und tiefer erscheint, wenn es sich von uns weg bewegt. Man nennt dies den "Doppler-Effekt", und aufgrund dieses Effekts kann man als aus der Verschiebung der Spektrallinien die Geschwindigkeit bestimmen, mit der sich ein Stern auf uns zu oder von uns weg bewegt. Diese Geschwindigkeit wird "Radialgeschwindigkeit" genannt.

Kennt man nun noch den wahren Abstand des Sternes, so kann man anhand der Eigenbewegung und der Radialgeschwindigkeit die wahre Raumbewegung dieses Sternes in Bezug auf die Sonne ermitteln.

4. Der Morgenhimmel im Dezember


Der Morgenhimmel im Dezember

Im Winter wird es ja erst so spät hell, dass viele Menschen morgens noch im Dunkeln das Haus verlassen und zur Schule oder zur Arbeit gehen; deswegen will ich auch den Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang vorstellen. Das Wintersechseck, das ja abends aufgeht, zieht die gesamte Nacht am Himmel weiter und steht am Morgen hoch im Westen. Besonders schön kann man im Westen den Orion bewundern, der nun nicht mehr liegt, sondern wie wir aufgestanden ist. Schön zu sehen der rötliche Schulterstern Beteigeuze und rechts von ihm die Bellatrix. Unter ihnen bilden drei helle Sterne (2. Größe und heller) den Oriongürtel, an dessen linkem Teil der Orionnebel quasi "herunterhängend" das Schwert des Orion markiert. Unter ihnen sehen wir die beiden Fußsterne des Orion: der rechte der beiden ist viel heller, heißt Rigel und steht in einer Ecke des Wintersechsecks. Links von Rigel kann man den sehr hellen Sirius über dem Horizont funkeln sehen; fast senkrecht hinauf sieht man Procyon im Kleinen Hund. Die Zwillinge, in denen jetzt sehr auffällig der helle Planet Mars steht, haben den Zenit gerade erst durchquert, und auch die Capella steht noch hoch am Westhimmel, während sich der Stier mit Aldebaran und den Plejaden nun rasch nach Westen absenkt. El Nath steht zwischen der Capella und Aldebaran, etwas in das Wintersechseck eingerückt. Die Kette der Andromeda befindet sich bereits tief oberhalb des Westhorizonts, wo nur noch Alamak gut zu erkennen ist. Der Perseus mit Mirfak und Algol ist auf halbem Wege in Richtung Capella auch gut zu sehen.

Der Große Wagen ist "rückwärts" wieder hinauf gewandert und steht nun auf dem Kopf; seine Deichsel weist zu einem hellen Stern, den wir bereits im Frühling kennengelernt haben. Nun schließt sich der jahreszeitliche Kreis und dieser Stern ist wieder aufgegangen und funkelt schon hoch im Osten: das ist Arktur, der hellste Stern der Nordhemisphäre und nächst gelegene Rote Riese. Wenn man die Linie von der Deichsel des Großen Wagen über Arktur hinaus verlängert, gelangt man im Südosten zur Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. Tief im Nordosten sehen wir die gerade wieder aufgegangene Wega über dem Horizont funkeln; auch für sie, den zweithellsten Stern und in unseren Breiten sogar der hellsten Stern der Nordhemisphäre, schließt sich nun also der jahreszeitliche Kreis! Noch im Horizontdunst wird die Wega manchmal mit Ettanin, dem hellsten Stern vom Sternbild Drachen, verwechselt. Diese Verwechslung kann man leicht ausschließen, denn eine Handbreit unter Ettanin, einem Stern 2. Größe, kann man einen weiteren Stern des Drachen sehen.

Wenn wir von Arktur in Richtung der Zwillinge gehen, sehen wir drei helle Sterne; der hellste von ihnen ist der Planet Saturn, und die beiden anderen sind zwei Sterne vom Sternbild Löwe. Der untere und hellere der beiden, ganz in der Nähe von Saturn, ist Regulus beim Herz des Löwen, ein Stern 1. Größe; der obere heißt Algieba und markiert die Schulter des Löwen.

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

Startseite