Sternenhimmel im Dezember 2009


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im Dezember ist der Sternenhimmel nach Sonnenuntergang, der schon vor 18 Uhr erfolgt, noch herbstlich, doch bis 22 Uhr werden all' die prachtvollen Wintersterne mit ihren hellen Sternen die Himmelsbühne betreten. Das Sommerdreieck ist nach Sonnenuntergang noch hoch im Westen zu sehen, die helle Capella sowie die Herbststernbilder des Pegasus, der Andromeda, des Perseus und des Widders stehen hoch über uns am Himmel und im Osten können ab 20 Uhr der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel sowie Procyon - der Bote des hellen Sirius, und ab Monatsmitte auch der helle Sirius selber bewundert werden.


Der Große Wagen steht tief im Norden unter dem Polarstern, während die W-förmige Cassiopeia im Zenit hoch über dem Polarstern steht und als einfacher Wegweiser in die Herbststernbilder und zur Capella verwendet werden kann.

Im Südwesten ist nach Sonnenuntergang noch kurze Zeit der helle Riesenplanet
Jupiter sichtbar. Bei guter Ostsicht kann man ab Monatsmitte den Planeten Mars erblicken.

Da es nun morgens noch lange dunkel ist, wird in der 4. Rubrik der Morgenhimmel beschrieben.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen, Schedir und Capella


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht unterhalb vom Polarstern; und kann nur bei guter Nordsicht gesehen werden. Verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man über uns beinahe im Zenit zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W, und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von oben, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Von der Cassiopeia kann man sehr einfach die helle Capella im Fuhrmann finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern, das ist die langgestreckte Seite des W, hindurch weitergeht. Die Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Der Große Wagen enthält drei Sterne beinahe 1. Größe: Der hintere obere Kastenstern Dubhe, der Deichselstern Alioth am Wagenkasten sowie der äußerste Deichselstern Benetnash. Dubhe bedeutet "Bär" und ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren, Alioth bedeutet "Ziege" und ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und Benetnash bedeutet "Klageweiber" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dubhe, den Hauptstern des Großen Wagen, spricht man im Englischen "Dubi" aus und man kann sich diesen Sternnamen einfach merken, indem man sich vorstellt, dass Frank Sinatra mit der Großen Bärin um den Himmelsnordpol tanzt und "Dubi Dubi Dubi" singt.

Der Polarstern ist ein gelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2.Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

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Sommerdreieck (orange) mit Achsen-Spiegelung (hellblau) zu Ras Alhague im Schlangenträger

2.2: Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Nach Sonnenuntergang sieht man hoch im Westen das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan, und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blau-weißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Im Verlaufe des Abends wird das Sommerdreieck dann ab 22 Uhr rasch in den Horizontdunst eintauchen.

2.3 Cassiopeia: Wegweiser zur Andromeda, zum Widder, zum Perseus und zur Capella

Von der Cassiopeia ausgehend kann man die wichtigsten Sterne der Andromedakette, den Widder sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von oben nach unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia - das ist ja ihr Hauptstern Schedir - ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichweit weiter, so kann man dort unterhalb parallel zur Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese stehen im Sternbild des Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach.

Perseus und die angrenzenden Sternbilder
Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah, Mirach und Hamal. Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch wie schon oben beschrieben zur hellen Capella im Fuhrmann.

Den Hauptstern des Perseus, Mirfak, kann man also in Verlängerung der Andromedakette finden; biegt man indes beim dritten Andromedastern Alamak nach unten ab, so gelangt man zum zweithellsten Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht rechts unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Das Herbstviereck mit der Sirrah sowie Mirach, Alamak und Algol bilden einen übergroßen "Großen Wagen".

Neben Schedir haben auch die anderen Cassiopeiasterne Namen: Der erste Stern von oben heißt Caph; das bedeutet "Handfläche (der Cassiopeia)", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Die Bedeutung des Namens des mittleren Cassiopeiasternes Cih ist nicht mehr bekannt; er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 800 Lichtjahren. Der vierte Cassiopeiastern heißt Ruchbah; das bedeutet "Knie (der Cassiopeia)"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und der fünfte Cassiopeiasternes Segin ist ein weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von über 400 Lichtjahren; auch sein Name ist nicht überliefert.

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2.4 Der Andromedanebel

So findet man den Andromedanebel
Der Andromedanebel ist sehr einfach zu finden: Etwas oberhalb von Mirach befindet sich mü Andromedae, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Noch etwas weiter oberhalb kann man im Feldstecher - bei guten Sichtbedingungen auch von bloßem Auge - die Sterne nü Andromedae links sowie 32 Andromedae rechts oberhalb erkennen. Wenn man nun diese beiden Sterne anschaut, so sieht man etwas oberhalb ein längliches auf der Seite liegendes Nebelchen; das ist der Andromedanebel. Nü Andromedae ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 700 Lichtjahren und 32 Andromedae ist ein gelber Stern im Abstand von gut 300 Lichtjahren. Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine große Galaxie im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren.

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2.5 Orion, Procyon und ab 22 Uhr der Sirius

Geht man zu Monatsbeginn ab 20 Uhr von der Capella nach Südosten, so kann man über dem Südost-Horizont das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, welches in der dritten Rubrik genauer vorgestellt wird. Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Der untere und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der obere Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der untere Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Nach seinem Aufgang scheint der Orion am Himmel zu liegen und so schräg auf der Seite liegend kann man gut verstehen, dass manche Kulturen in ihm einen großen Schmetterling sehen. Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck.

Im Gegensatz zu den Orionsternen, die allesamt weit entfernt sind, sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

2.6 Vervollständigung Wintersechseck: Der Stier und die Zwillinge

Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1.Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist also der Stern, der kurz nach den Plejaden aufgeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken unteren Ende eines auf der Seite liegenden nach links geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden.

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren und Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, steht im Abstand von 70 Lichtjahren auf knapp halbem Wege und gehört nicht zu diesem Sternhaufen. Der Sternhaufen sieht aus wie ein Größer-Zeichen, also ein auf der Seite liegendes offenes Dreieck; der Vordergrundstern Aldebaran steht dabei links auf dem unteren Ast. Links oben - also über Aldebaran - steht der Stern Ain, ein Roter Riese. Ain bedeutet "Auge"; streng genommen markiert also dieser Stern und nicht Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Geringfügig heller ist der Hyadenstern theta(2) Tauri, ein weißlicher Stern. Theta(2) Tauri ist der untere der beiden Hyadensterne rechts neben Aldebaran.

Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach unten eingerückt, steht der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)" und El Nath ist ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Bei guter Sicht nach Osten kann man unterhalb der Zwillingen den Planeten Mars erkennen.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; da auch die Beteigeuze in diesem Bereich steht, ist hier die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe versammelt.

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2.7 Die Plejaden

Die Plejaden, die auch Siebengestirn genannt werden, sind ein sehr bekannter Sternhaufen, der früher ein eigenes Sternbild inmitten des Sternbildes Stier bildete; bei guter Sicht ist er sehr schön zu sehen: Hier befinden sich auf engem Raum immerhin sechs Sterne 4. Größe oder heller, im Feldstecher kommt dieser Sternhaufen noch prächtiger zur Geltung. Die Plejaden sehen aus wie ein etwas schiefes Viereck, von dem unten ein Stiel abzweigt. Über dem oberen rechten Viereck-Stern befindet sich dann noch die sechste "helle" Plejade. Die Plejaden sind ein sehr junger Sternhaufen im Abstand von ca. 400 Lichtjahren; die Plejadensterne sind somit alle blau-weißlich.


Die Himmelsscheibe von Nebra, deren Sterngruppe in der Mitte oben als Plejaden interpretiert wird. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt.
Hellster Plejadenstern ist die Alcyone am unteren linken Ende des Plejaden-Vierecks, die beinahe 2.Größe hell ist; der Stern schräg gegenüber heißt Elektra und ist ebenfalls recht bekannt. Oben links steht die Maia und unten neben der Alcyone steht die Merope. Der zweithellste Plejadenstern ist der Stern am Ende des Stieles, er heißt Atlas und ist der Papa der Plejaden. Taygeta schließlich steht oberhalb der Maia.

Das sind aber nur 6 Sterne und schon zu Zeiten der alten Griechen wurde die Frage aufgeworfen, wo denn die siebte Plejade sei. Unter sehr günstigen Bedingungen sieht man 9 Plejaden, also ihre Mama und zwei weitere Schwestern, aber eben nicht sieben. Zur Zeit der alten Griechen gab es die Theorie, dass die 7. Plejade die Elektra sei, die aus lauter Trauer und Verzweiflung über den Heldentod ihres geliebten Sohnes ihre Schwestern verlassen habe. Ja, man wusste sogar, wohin sie gegangen ist: Tatsächlich gibt es einen weiteren sehr bekannten Stern 4. Größe, also in der Helligkeit eines typischen helleren Plejadensternes, und das ist der Augenprüfstern Alkor über dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Jene Theorie besagt nun also, dass die Elektra aus lauter Trauer ihre Schwestern verlassen habe und zum Großen Wagen gewandert sei und dort also neben dem mittleren Deichselstern Mizar stehe. Beide sind weißliche Sterne im Abstand von 80 Lichtjahren. Mizar bedeutet "Mantel", der Augenprüfstern Alkor bedeutet "der Erniedrigte". Im Deutschen wird Alkor oft als das "Reiterlein" und manchmal auch als "Fuchsstern" bezeichnet.

Übrigens haben schon die alten Griechen diese hübsche Idee bezweifelt. Es ist bemerkenswert, dass auch auf der berühmten Sternscheibe von Nebra die Plejaden mit 7 Sternen dargestellt sind.

2.8 Der Pegasus (Herbstviereck) und Deneb Kaitos (Walfisch)

Das Sternbild des Pegasus und der Andromeda
Rechts von der Sirrah, des Hauptsternes der Andromeda, sieht man die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie ein übergroßes Quadrat am Himmel steht.
Scheat, das heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)"; er ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Bezüglich der Sirrah in der gegenüberliegenden Ecke im Herbstviereck steht Markab, der Hauptstern des Pegasus; er ist ein weiß-gelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". Den Stern Enif kann man auch finden, indem man die Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt. - An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

Verlängert man den linken Schenkel des Herbstviereckes nach unten, so trifft man nach zweimaliger Verlängerung auf einen hellen Stern 2. Größe, das ist "Deneb Kaitos", der hellste Stern im Sternbild des Walfisches, welcher ja nach der Mythologie die Andromeda hatte fressen sollen. "Deneb Kaitos" bedeutet "Schwanz des Untieres"; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

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1.9 Der Kepheus

Der Kepheus am Nordhimmel.
Das Sternbild des Kepheus befindet sich im Bereich zwischen Schwan, Cassiopeia und dem Polarstern und ist leicht auffindbar. Man kann es sich am einfachsten als ein Haus mit Dach vorstellen.

Der Hauptstern ist Alderamin, ein Stern 2. Größe, der an der rechten unteren Ecke des Hauses ist. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. An der oberen rechten Ecke befindet sich Alfirk, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde". Und an der Dachspitze, gar nicht weit entfernt vom Polarstern, steht der Stern Alrai, das bedeutet "Schäfer"; er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin. - In 4000 Jahren wird Alrai Polarstern sein, in 6000 Jahren Alfirk und in 7000 Jahren Alderamin.

An der linken unteren Hauskante stehen zwei Sterne; der äußere von ihnen ist der bekannte Stern delta Cephei, der einer ganzen Klasse veränderlicher Sterne seinen Namen gegeben hat. Dieser Typ Stern hat eine charakteristische Helligkeitskurve, mit der man Entfernungsmessungen im Universum bis etwa 100 Millionen Lichtjahre vornehmen kann. Delta Cephei ist ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von rund 900 Lichtjahren.

Etwas unterhalb der Mitte des Bodens dieses Hauses, also unterhalb der Linie Alderamin - delta Cephei, kann man den Stern Erakis sehen; dieser ist ein Roter Riese und hat im Feldstecher eine tiefrote Farbe und wird deswegen auch "Granatstern" genannt. Von allen bisher von mir vorgestellten Sternen hat dieser Stern den bei weitem größten Abstand - er ist über 5000 Lichtjahre von uns entfernt und trotzdem ein Stern beinahe dritter Größe.

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3 Monatsbeitrag: Das Sternbild des Orion

Orionnebel. Bild: Hubble
Ab etwa 20 Uhr kann man im Osten eines der bekanntesten Sternbilder überhaupt sehen: Das berühmte Sternbild des Himmelsjägers Orion.

Der Orion enthält als einziges Sternbild zwei Sterne 0. Größe und überdies 3 Sterne beinahe 1. Größe sowie zwei weitere Sterne 2. Größe.

Wenn der Orion im Osten aufgeht, so liegt er auf der Seite und sieht wie ein Schmetterling aus - die drei Sterne des Oriongürtels als Körper des Schmetterlings sowie links und rechts je zwei Sterne, die das Ende seiner beiden Flügel markieren.

Als liegender Orion sieht man links seine Schulter, die aus zwei sehr hellen Sternen besteht: unten die berühmte Beteigeuze ("Schulter des Riesen"), die ein Stern 0. Größe ist; ein roter Riesenstern im Abstand von über 400 Lichtjahren. Rechts über ihr die etwas weniger helle Bellatrix ("Kriegerin") ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. In der Mitte sieht man den Oriongürtel, dessen drei Sterne nun beinahe übereinander stehen. Rechts sieht man die Füße des Orion. Der obere Fußstern des Orion, also diagonal gegenüber der Beteigeuze, heißt Rigel und ist ebenfalls ein Stern 0. Größe: Rigel bedeutet "Fuß" und ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren; somit ist Rigel sogar einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße! - Noch hellere Sterne sind übrigens Alnilam und Alnitak - der mittlere und der untere Stern des Oriongürtels; beide sind ebenfalls blau-weißliche Riesensterne, die rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt sind! - Ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel" und beide sind wie die Bellatrix Sterne beinahe erster Größe. Verbleiben noch zwei Sterne 2. Größe, nämlich der obere Gürtelstern Mintaka und der andere Fußstern Saiph: beide sind ebenfalls blau-weißliche Riesensterne im Abstand von fast 1000 Lichtjahren. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". Das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem Fuß.

Mythologische Darstellung des Orion.
Zwischen dem Oriongürtel und dem unteren Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Gemäß der Mythologie behauptete der Orion, der größte Jäger der Welt zu sein, was den Zorn von Zeus' Ehefrau Hera erregte: Sie sandte den Skorpion, der ihn mit seinem giftigen Stachel stach, so dass der Orion starb. Zeus versetzte beide an den Himmel, und zwar so, dass sie sich aus dem Weg gehen: Wenn der Orion aufgeht, geht nämlich der Skorpion unter und wenn der Skorpion aufgeht, geht der Orion unter.

4. Der Morgenhimmel im Dezember


Der Morgenhimmel im Dezember

Im Winter wird es ja erst so spät hell, dass viele Menschen morgens noch im Dunkeln das Haus verlassen und zur Schule oder zur Arbeit gehen; deswegen will ich auch den Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang vorstellen. Das Wintersechseck, das ja abends aufgeht, zieht die gesamte Nacht am Himmel weiter und steht am Morgen hoch im Westen. Besonders schön kann man im Westen den Orion bewundern, der nun nicht mehr liegt, sondern wie wir aufgestanden ist. Schön zu sehen ist der rötliche Schulterstern Beteigeuze und rechts von ihr die Bellatrix. Unter ihnen bilden drei helle Sterne von 2. Größe und heller den Oriongürtel, an dessen linkem Teil der Orionnebel quasi "herunterhängend" das Schwert des Orion markiert. Unter ihnen sehen wir die beiden Fußsterne des Orion: der rechte der beiden ist viel heller, und steht in einer Ecke des Wintersechsecks, das ist Rigel. Links von Rigel kann man den sehr hellen Sirius über dem Horizont funkeln sehen; fast senkrecht hinauf sieht man Procyon im Kleinen Hund. Die Zwillinge haben den Zenit gerade erst durchquert, und auch die Capella steht noch hoch am Westhimmel, während sich der Stier mit Aldebaran und den Plejaden nun rasch nach Westen absenkt. El Nath steht zwischen der Capella und Aldebaran, etwas in das Wintersechseck eingerückt. Die Kette der Andromeda befindet sich bereits tief oberhalb des Westhorizontes, wo noch einzig der dritte Andromedastern Alamak gut zu erkennen ist. Auch der Perseus mit Mirfak und Algol ist auf halbem Wege in Richtung Capella gut zu sehen.

Östlich der Zwillinge kann man den Planeten
Mars erkennen, der mit Procyon und Pollux in den Zwillingen ein fast gleichseitiges Dreieck bildet.

Der Große Wagen ist "rückwärts" wieder hinauf gewandert und steht nun auf dem Kopf; seine Deichsel weist zu einem hellen Stern, das ist Arktur, der hellste Stern der Nordhemisphäre und nächst gelegene Rote Riese. Wenn man diese Linie von der Deichsel des Großen Wagens über Arktur hinaus verlängert, gelangt man bei starker Krümmung der Verlängerung im Südosten zum Planeten Saturn und bei flacherer Krümmung links vom Saturn zur Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. Tief im Nordosten sehen wir die gerade wieder aufgegangene Wega über dem Horizont funkeln. Noch im Horizontdunst wird sie manchmal mit Ettanin, dem hellsten Stern des Sternbild Drachen, verwechselt. Diese Verwechslung kann man leicht ausschließen, denn eine Handbreit unter Ettanin, einem Stern 2. Größe, kann man einen weiteren Stern des Drachen sehen.

Wenn wir von Arktur in Richtung der Zwillinge gehen, sehen wir im Sternbild des Löwen zwei helle Sterne schräg übereinander, das sind unten Regulus beim Herz des Löwen, und über ihm die Algieba bei der Schulter des Löwen.

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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