Sternenhimmel im Dezember 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel ist nach Sonnenuntergang, der schon vor 18 Uhr erfolgt, noch herbstlich, doch bis 22 Uhr werden rechtzeitig zu Weihnachten all' die prachtvollen Wintersterne mit ihren hellen Sternen die Himmelsbühne betreten. Das Sommerdreieck mit der hellen Wega ist schon weit nach Westen weitergezogen. Hoch über uns kann man das Herbstviereck, die Andromeda,den Perseus und die helle Capella sehen. Im Osten sieht man ab 20 Uhr den Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel und ab 22 Uhr zuerst Procyon, den Boten des Sirius, und kurze Zeit später den hellen Sirius selber.

Der Große Wagen ist unter dem Polarstern hindurch gezogen, während die W-förmige Cassiopeia im Zenit hoch über uns steht und als einfacher Wegweiser in die Herbststernbilder und zur Capella verwendet werden kann.

Halbhoch im Süden kann man den auffällig hellen Riesenplaneten
Jupiter bewundern.

Im Dezember geht die Sonne schon vor 18 Uhr unter, so dass in der 2. Rubrik zunächst die helleren Sterne beschrieben werden, die man nach Sonnenuntergang sieht. Nachfolgend werden dann die prominenten Wintersterne, die ab 20 Uhr tief im Osten die Himmelsbühne betreten, vorgestellt, und erst danach die übrigen Herbststerne, meist 3. Größe, die man nach Sonnenuntergang sehen kann. Außerdem wird, da es nun morgens noch lange dunkel ist, in der 4.Rubrik der Morgenhimmel beschrieben.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen

Nach Sonnenuntergang steht der bekannte Große Wagen über dem Nordhorizont und ist unter dem Polarstern hindurch gezogen. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links oben verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man hoch über uns zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes, etwas auf der Seite liegendes W und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von links oben.


Kleiner und Großer Wagen
Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash "Klageweiber"; der mittlere Deichselstern Mizar "Mantel".

Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; Alioth und Mizar sind weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".


Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Der Hauptstern der Cassiopeia, Schedir, bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

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-> mehr zum Großen Wagen
-> mehr zum Kleinen Wagen

2.2 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb, Atair und der Steinbock

Der Schwan scheint über den Himmel nach rechts zu fliegen
Tief im Westen sieht man nach Sonnenuntergang noch das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 25 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe. Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Im Verlaufe des Abends wird das Sommerdreieck dann ab 22 Uhr rasch in den Horizontdunst eintauchen.

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern von etwa 2. Größe und einer, der beinahe 2. Größe erreicht, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah, und ist der dritthellste Stern des Schwanes - ein Roter Riese. Gienah bedeutet "Flügel" im Abstand von gut 70 Lichtjahren. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Sternbildes des Steinbocks
Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der schräg obere und hellere Falkenstern heißt Tarazed und ist ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der schräg untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke". Verlängert man nach Sonnenuntergang die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man bei guter Südwestsicht zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne schräg nebeneinander, die schon zum Sternbild des Steinbockes gehören:

Der obere rechte ist Algiedi, der untere linke heißt Dabih, ursprünglich Sadaldabih. Algiedi bedeutet "Ziege" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, (Sadal-)Dabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden" und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Rechtwinklig der beiden gelangt man von Algiedi nach links oben gehend zum Stern Albali, der schon im Sternbild des Wassermannes steht. Albali stammt von Sadalbula und heißt "Glücksgestirn dessen, der schluckt"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren.

Biegt man nun von den beiden ersten Steinbocksternen Algiedi und Dabih schräg nach links unten ab, so gelangt man zum hellsten Steinbockstern Deneb Algedi. Das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren. Rechts neben ihm steht Nashira, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Nashira stammt von Sadnashira und bedeutet "Glücksgestirn dessen, der gute Nachricht bringt".

2.3 Cassoipeia, Andromeda, Mirfak im Perseus, die helle Capella sowie Widder und Kepheus

Ganz ähnlich wie der Große Wagen ist auch das Sternbild der Cassiopeia als "Himmels-W" sehr figürlich, ohne einen prominenten Stern in seinen Reihen zu haben.

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, befindet sich ihr Hauptstern Schedir an der zweiten Stelle. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Auch die anderen Cassiopeiasterne haben Namen: Der erste Stern von oben heißt Caph; das bedeutet "Handfläche (der Cassiopeia)", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Die Bedeutung des Namens des mittleren Cassiopeiasternes Cih ist nicht mehr bekannt; er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 800 Lichtjahren. Der vierte Cassiopeiastern heißt Ruchbah; das bedeutet "Knie (der Cassiopeia)"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und der fünfte Cassiopeiasternes Segin ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 400 Lichtjahren; auch die Bedeutung seines Namens ist nicht überliefert.

Achird zwischen der Schedir und dem mittleren Cassiopeiastern, etwas näher an der Schedir, ist so hell wie der fünfte Cassiopeiastern Segin. Sie ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von nur 20 Lichtjahren. Achird bedeutet "Hüftgürtel".

Sternbild der Andromeda
Von der Cassipeia ausgehend kann man sehr einfach die wichtigsten Sterne der Andromeda, welche sich unterhalb der Cassiopeia befindet, sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella finden:

Die Verlängerung vom mittleren Cassiopeiastern über die Schedir führt ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze mit Schedir an der Spitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleichhell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Diese Pfeilspitzen-Regel von den hellsten drei Cassiopeiasternen zur Mirach ist sehr einfach und sehr nützlich. Und indem man vom ersten Stern der Cassiopeia über Schedir, den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert, gelangt man zu Alamak, dem 3. Andromedastern. Alamak heißt "Wüstenluchs" und ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Außerdem findet man in der Andromedakette etwas unterhalb zwischen Sirrah und Mirach, etwas näher an der Sirrah, einen Stern 3. Größe namens delta Andromedae; er ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Die zweite Andromedakette verläuft von der Sirrah ausgehend oberhalb der ersten Andromedakette, also durch die Sterne pi Andromedae, einem Stern nur 4. Größe oberhalb von delta Andromedae, dann durch den Stern mü Andromedae, der sich oberhalb der Mirach auf dem Weg zum Andromedanebel befindet, bis hin zum Stern 51 Andromedae. Dieser ist der fünfthellste Andromedastern und man findet ihn am einfachsten, indem man am Ende der unteren Andromedakette von Mirach herkommend bei Alamak rechtwinklig nach oben geht, etwa in halbem Abstand. 51 Andromedae ist ein Roter Riese im Abstand von 175 Lichtjahren, mü Andromeda ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren und pi Andromedae ein blauweißlicher Stern im Abstand von 140 Lichtjahren.

Im Sternbild der Andromeda befindet sich der sehr bekannte Andromedanebel. Dieser ist sehr einfach zu finden: Etwas oberhalb von Mirach befindet sich wie oben geschrieben mü Andromeda. Noch etwas weiter oberhalb kann man im Feldstecher - bei guten Sichtbedingungen auch von bloßem Auge - die Sterne nü Andromedae links sowie 32 Andromedae rechts oberhalb erkennen. Wenn man nun diese beiden Sterne anschaut, so sieht man etwas oberhalb ein längliches auf der Seite liegendes Nebelchen; das ist der Andromedanebel. Nü Andromedae ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 700 Lichtjahren und 32 Andromedae ist ein gelber Stern im Abstand von gut 300 Lichtjahren. Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine große Galaxie im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Der Kepheus am Nordhimmel.
Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichviel weiter; dort kann man unterhalb der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach. Der rechte Stern erreicht beinahe 2. Größe und heißt Sheratan; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren. Sheratan bedeutet "die zwei Zeichen", was sich auf Widder und Fische beziehen soll.

Links neben der Cassiopeia befindet sich das Sternbild des Kepheus. Man kann es sich am einfachsten als ein Haus mit Dach vorstellen, das zur Zeit schräg auf dem Kopf steht. Sein Hauptstern Alderamin ist ein Stern 2. Größe, der an der rechten unteren Ecke des Hauses ist. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. An der oberen rechten Ecke befindet sich Alfirk, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde". Und an der Dachspitze, gar nicht weit entfernt vom Polarstern, steht der Stern Alrai, das bedeutet "Schäfer"; er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin.

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Mehr zur Cassiopeia

2.4 Ab 20 Uhr: Die hellen Wintersterne: Orion und ab 22 Uhr Procyon und der helle Sirius

Orionnebel. Bild: Hubble
Geht man zu Monatsbeginn ab 20 Uhr von der Capella nach Südosten, so kann man über dem Südost-Horizont das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen. Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Der untere und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der obere Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der obere Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Nach seinem Aufgang scheint der Orion am Himmel zu liegen und so schräg auf der Seite liegend kann man gut verstehen, dass manche Kulturen in ihm einen großen Schmetterling sehen.

Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Links unterhalb des Orions kann man ab 22 Uhr einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, welches auch Winterdreieck genannt wird.

Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Im Gegensatz zu den Orionsternen, die allesamt weit entfernt sind, sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Hundssterne werden von einem hochkompakten Stern, einem Weißen Zwerg, umkreist.

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2.5 Der Stier und die Zwillinge

Sternbild des Stiers
Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1. Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist also der Stern, der kurz nach den Plejaden aufgeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken unteren Ende eines auf der Seite liegenden nach links geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden, der 150 Lichtjahren entfernt ist.

Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach unten eingerückt, steht der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)" und El Nath ist ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; da auch die Beteigeuze in diesem Bereich steht, ist hier die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe versammelt.

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2.6 Weitere Herbststerne: Der Pegasus und der Wassermann

Der Pegasus ist eines der auffälligsten Herbststernbilder und besteht im Wesentlichen aus dem Herbstviereck von dem nach links die Andromedakette und nach rechts eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasus-Stern Enif abzweigt.

Der Andromedastern Sirrah, der hellste Stern des Herbstviereckes, welches ansonsten aus Pegasussternen besteht, kann sehr einfach aus der Cassiopeia in der Verlängerung des mittleren Cassiopeiasterns über Schedir, den Hauptstern der Cassiopeia, gefunden werden und auch der hellste Pegasussterns Enif kann sehr einfach aus dem Sommerdreieck gefunden werden, indem man die helle Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt.

Scheat ist der oberste Stern im Herbstviereck. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren.

Der Hauptstern des Pegasus ist der Stern Markab, der in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck steht. Er ist ein blauweißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)".

An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

An der oberen Ecke des Herbstviereckes befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Der Stern an der oberen Ecke dieses kleinen Dreiecks heißt Matar, er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; sein ursprünglicher Name Sadmatar bedeutet "Glücksgestirn des Regens". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks.

Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Sein Nachbarstern ist lamda Pegasi; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand 400 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat mit den zwei Sternen an der rechten unteren Ecke kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

In der kleinen Sternenkette des Pegasus zwischen dem Hauptstern Markab und dem hellsten Stern Enif sieht man unterhalb von Markab zuerst den Stern Homam und weiter unterhalb, etwas rechts den Stern Baham. Homam ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren und Baham im vorletzten "Kettenglied" ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Die beiden mittleren Sterne der Pegasuskette gehören ebenfalls zu diesen Glückssternen und hießen ursprünglich Sadalhomam, das bedeutet "Glücksgestirn des Helden", und Sadalbaham, das bedeutet "Glücksgestirn der Vierfüßer".

Von hier gelangt man, wenn man statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, zum zweithellsten Wassermannstern Sadalmelik. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von über 750 Lichtjahren. Links oberhalb von Sadalmelik steht der Stern Sadalachbia, das heißt "Glücksstern der Zelte"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Oftmals wird dieser Name zu "Sadachbia" verkürzt. Zwischen Sadalmelik und Albali steht recht genau in der Mitte der Stern Sadalsuud, das heißt "Glücksstern des Glückes"; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, im Abstand von über 600 Lichtjahren und ist der hellste Stern des Sternbildes Wassermann. In dieser oberen Sternenkette des Wassermannes kann man bei Sadalsuud senkrecht nach unten abbiegen und gelangt nach gleichem Abstand zum hellsten Steinbockstern Deneb Algedi und zur Nashira rechts neben ihm.

Geht man nun von Baham zu Enif und darüber rund die Hälfte hinaus, so kann man im Feldstecher den Kugelsternhaufen M15 erkennen; dieser ist 35000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält rund 500000 Sterne.

Der Pegasus enthält einen sehr prominenten Stern, der gerade noch 5.G röße erreicht: Um 51 Pegasi wurde im Jahre 1995 anhand hochpräziser Messungen im Spektrum des Sternes der erste Planet um einen anderen sonnenähnlichen Stern entdeckt. 51 Pegasi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 50 Lichtjahren und liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Scheat und Markab, ein wenig unterhalb nach außen. Im Feldstecher geht man vom Stern Matar an der Spitze des kleinen Dreiecks am oberen Ende des Herbstvierecks zu Sadalbari, dem linken Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks, und dann nochmals gleichviel weiter, dann gelangt man zu 51 Pegasi.

2.7 Der Perseus

Der Perseus ist ein prominentes Herbststernbild und enthält mit Mirfak sogar einen Stern beinahe 1. Größe. Am einfachsten kann man sich den Perseus als einen Bogen von drei Sternen im oberen Teil vorstellen, von dem beim Hauptstern Mirfak in der Mitte des Bogens schräg nach rechts unten eine Linie zum sehr prominenten Stern Algol und einem weiteren Stern abzweigt.

Mirfak heißt "Ellbogen" und kann bekanntlich in der Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" gefunden werden; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und so hell wie die hellsten Sterne des Großen Wagen. Mirfak kann man auch bequem in der Verlängerung der Andromedakette nach links finden.

Rechts und links neben Mirfak stehen je ein Stern dritter Größe und bilden so einen typischen und leicht auffindbaren Bogen; gamma Persei in Richtung Cassiopeia ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren und delta Persei auf der anderen Seite ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 500 Lichtjahren.

h und chi Persei, das "Schatzkästlein der Milchstraße"
Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, ist Algol, das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und steht schräg rechts unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Geht man von Mirfak an Algol vorbei, so gelangt man kurz darauf zu einem weiteren gut erkennbaren Perseusstern 3. Größe, das ist die Gorgonenschwester Gorgonea Tertia, ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren. Auch sie verändert ihre Helligkeit.

Außerhalb der Stadt kann man nun auch leicht den offenen Sternhaufen M34 mit einem Feldstecher finden: Man betrachte die Linie Mirfak über Algol zur Gorgonea Tertia und bildet ein rechtwinkligen Dreieck, bei dem der rechte Winkel in Algol ist und geht entlang dem freien Ast zum Andromedastern Alamak; rund doppelt so weit wie der Abstand zwischen den beiden Gorgonen-Schwestern Medusa (Algol) und Gorgonea Tertia sieht man ein Nebelchen und das ist M34. Die Sterne dieses offenen Sternhaufens sind knapp 1500 Lichtjahre von uns entfernt. Im Perseus befindet sich auch das "Schatzkästlein der Milchstraße", das sind zwei nebeneinander liegende benachbarte Sternhaufen. Sie heißen "h und chi Persei" und können bei guten Sichtbedingungen schon von bloßem Auge gesehen werden. Beide Sternhaufen sind ungefähr 7500 Lichtjahre entfernt. Man findet sie sehr einfach: Neben gamma Persei, dem oberen Bogenstern, befindet sich ein Stern 4. Größe namens tau Persei. Nun geht man einfach von Mirfak aus durch das Tor, dass von gamma und tau Persei aufgespannt wird, in Richtung Cassiopeia hindurch gleichweit weiter, dann gelangt man schon zu h und chi Persei. Tau Persei ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren.

Man kann auch von der Cassiopeia herkommend den Weg zu Mirfak nutzen, der über die Verlängerung des 3. und 4. Cassiopeiasterns führt; etwa in dreifachem Abstand der beiden gelangt man ebenfalls zu h und chi Persei.

2.8 Die Glückssterne der einsetzenden Regenzeit

Im Herbst finden wir nach Sonnenuntergang 10 Sterne, welche früher - und einige von ihnen auch heute - mit der Vorsilbe "Sad-" anfangen. Diese Wortbildung ist so alt, dass selbst die Araber nicht mehr genau wissen, woher sie kommt; allgemein wird spachhistorisch vermutet, dass dies "Glück" - gemeint ist "Glücksgestirn" bedeutet. Hintergrund dieser Glücksgestirne ist der Umstand, dass in dieser Jahreszeit, in der diese Sterne am Himmel aufgehen, die fruchtbare Regenzeit einsetzte.

Diese 10 Glücksgestirne verteilen sich auf drei Sternbilder und enthalten mindestens einen Stern 3. oder gerade noch 3. Größe: Im Sternbild des Pegasus finden wir vier solcher Glücksgestirne, zwei oben im kleinen Dreieck, das sind (Sad-)Matar und Sadalbari sowie zwei in der Pegasuskette zwischen Markab und Enif, das sind (Sadal-)Homam und (Sadal-)Baham. Im Sternbild des Steinbockes finden sich zwei solcher Glücksgestirne, das sind (Sadal-)Dabih und (Sad-)Nashira und im Sternbild des Wassermannes derer vier, nämlich von West nach Ost (Sad-)Albali, Sadalsuud und Sadalachbia.

Es fällt auf, dass alle diese Glückssterne mindestens einen ungefähr gleichhellen benachbarten Stern haben.

Die fünf hellsten Sterne der Glücksstern-Gruppierungen sind der hellste Steinbockstern Deneb Algedi aus der (Sad-)Nashira-Gruppe, die beiden hellsten Wassermannsterne Sadalmelik und Sadalsuud sowie der Pegasusstern (Sad-)Matar an der Spitze des kleinen Dreiecks und der zweithellste Steinbockstern (Sadal-)Dabih. Diese 5 Sterne weisen allesamt 3. Größe auf.

2.9 Die Mondstationen am Abendhimmel

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, in denen im Verlaufe des Jahres die Sonne steht, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes war das anders: damals hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben nun ebenso wie bei den Glücksgestirnen 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht - es wird vermutet, dass die Menschen damals wegen der großen Hitze am Tag eher nachts aktiv waren und entsprechend der Mond eine wesentliche Rolle am Firmament einnahm. Diese 28 Sterngruppen heißen Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

Vier dieser Mondstationen sind auch Glücksgestirne, deren Namen ja bis heute verwendet werden; dies sind die Sterngruppen der Glücksgestirne um die Steinbocksterne Algiedi und Dabih, die zusammen eine Mondstation bilden, sowie die Wassermannsterne Albali, Sadalsuud und Sadachbia, die man nach Sonnenuntergang sehen kann. Diese Mondstationen konnte man auch in den vergangenen Monaten am Abendhimmel sehen.

Im Herbst sichtbare Mondstationen
Im Dezember kann man am Abendhimmel die drei letzten Mondstationen sehen. Die 26. Mondstation heißt alfarg al-muqaddam und bedeutet "der vordere Ausguss". Sie besteht aus dem rechten Schenkel des Herbstviereckes und umfasst vom Tierkreis aus gesehen die beiden Sterne Markab und Scheat. Auch die indische Tradition kennt diese Mondstation, hier sah man in diesen beiden Sternen die "vorderen Stuhlfüße".

Die 27. Mondstation heißt alfarg al-muachar und bedeutet "der hintere Ausguss". Sie besteht aus dem linken Schenkel des Herbstviereckes und umfasst vom Tierkreis aus gesehen die beiden Sterne Algenib und Sirrah. In der indischen Tradition wurden diese Sterne als "hintere Stuhlfüße" bezeichnet.

Die 28. Mondstation heißt batn al-hut und bedeutet "Bauch des Fisches". Sie besteht aus dem zweiten Andromedastern Mirach. Eine Variante des Namens ist ar-risa; daraus wurde die Bezeichnung Alresha, die heutzutage auf für den Hauptstern des Sternbildes der Fische übergegangen ist. Es mag ein Zufall sein, dass die indische Tradition für diese Mondstation einen allerdings nur unauffälligen Stern des Sternbildes der Fische verwendet und nicht der Andromedastern Mirach. Seine Bedeutung ist "Reichtum".

3. Thema des Monats: sonnennahe Sterne

3.1 Allgemeines über sonnennahe Sterne

Bis Mitte der 1990iger Jahre konnte man nur den Abstand sonnennaher Sterne näher als 16.3 Lichtjahre, das sind 5 Parsec, genau vermessen; dies geschah mithilfe von hochpräzisen Winkelmessungen, bei denen man dasselbe Phänomen nutzte, welches man bemerkt, wenn man wenige hundert Meter vor einem Baum steht und hin- und hergeht: Dann sieht man, das sich der Baum vor dem Landschaftshintergrund ebenso her- und hin zu bewegen scheint. Indem man nun die Länge der Basislinie, auf der man hin- und hergeht, kennt und an den beiden Endpunkten die Winkel zum Baum, kann man den Abstand des Baumes berechnen. Natürlich sind die Sterne viel zu weit entfernt, als das man eine Bewegung vor dem Sternenhintergrund durch einfaches Hin- und Hergehen einiger Meter auf der Erde messen könnte; doch da sich ja die Erde um die Sonne bewegt, kann man den Abstand Erde - Sonne - Erde ein halbes Jahr später als Basislinie verwenden. Sonnennahe Sterne bewegen sich dann wenige Winkelsekunden und das kann man messen. Somit konnte man also bis vor 15 Jahren nur den Abstand weniger Sterne direkt nachmessen und erst seit der Mission des Hochpräzisionssatelliten HIPPARCOS kennt man die Sternabstände bis zu einen hundert Lichtjahren ebenfalls präzise.

Wie kam man damals auf die Idee, gewisse Sterne auszuwählen und eine äußerst mühsame Abstandsmessung durchzuführen? Nun, die Idee ist sehr einfach: Zwar sieht der Kosmos während eines Menschenlebens statisch und konstant aus, in Wirklichkeit aber sind die Sterne in reger Bewegung und man kann das auch ganz gut nachmessen. Nehmen wir an, die Sterne bewegen sich zufällig, so werden sonnennahe Sterne eine höhere Eigenbewegung aufweisen und genau das waren die Kandidaten, bei denen man eine Abstandsmessung versucht hat.

99% aller Sterne, die man von bloßem Auge sehen kann, sind in Wirklichkeit heller als unsere Sonne, woraus man voreilig schließen könnte, dass unsere Sonne ein sehr schwacher Stern sei. Im Abstand von 5 Parsec (16.3 Lichtjahre) indes kennt man die Sterne sehr gut und es zeigt sich, dass dieser erste Eindruck völlig falsch ist - in Wirklichkeit sind nur rund 5% aller Sterne heller als unsere Sonne und innerhalb dieser 16.3 Lichtjahre sind nur der Sirius, Procyon und alpha Centauri hellere Sterne als unsere Sonne. Selbst 61 Cygni, der physikalisch schwächste Stern, den man von bloßem Auge noch sehen kann, gehört zu den 10% der hellsten Sterne, und wie schwach die überwältigende Mehrheit der Sterne ist zeigt der Umstand, dass Proxima Centauri, der sonnennächste Stern überhaupt, nur in großen Fernrohren gesehen werden kann. Von den derzeit bekannten 68 Sternen innerhalb dieser 16.3 Lichtjahre kann man nur 10 Sterne theoretisch von bloßem Auge sehen. Zwei von ihnen sind Doppelsterne, die von ihrem Hauptstern überstrahlt werden, einer ist unsere Sonne; drei von ihnen haben 1. Größe, einer hat gerade noch 3. Größe, einer 4. Größe und zwei 5. Größe.

Zusätzlich befinden sich in diesem sonnennahen Bereich bis 5 Parsec Abstand noch 4 Weiße Zwergsterne, also Sterne, die ihr Hauptstadium schon hinter sich haben und die früher einmal helle Sterne waren. Es sind dies die beiden Partnersterne des Sirius und des Procyon sowie ein Stern namens Van Maanen's Stern und ein Stern namens GJ 440. Diese Sterne waren während der Zeit, als sie noch normale Sterne waren, allesamt heller als unsere Sonne und die beiden Weißen Zwerge Sirius B und GJ 440 waren damals sogar blauweißliche Sterne und wären heute zusammen mit Van Maanen's Stern die hellsten Sterne dieser Region.

Die 10 aufgrund ihrer Helligkeit von bloßem Auge sichtbaren Sterne sind der Sirius, ein weißlicher Stern, Procyon, ein weißgelblicher Stern, dann alpha Centauri A, unsere Sonne und tau Ceti, die gelbe Sterne sind sowie alpha Centauri B, epsilon Eridani, epsilon Indi und die beiden Sterne von 61 Cygni, die allesamt orange Hauptreihensterne sind. Und früher gab es noch die oben beschriebenen vier weiteren hellen Sterne, die man heute in Fernrohren als Weiße Zwerge erkennen kann. Die anderen derzeit bekannten 54 sonnennahen Sterne sind noch zwei weitere orange sowie 48 rote Hauptreihensterne, die man oftmals auch als "Rote Zwergsterne" oder "Rote Zwergsonnen" bezeichnet, um sie deutlicher von den Roten Riesen zu unterscheiden. Kein einziger von ihnen ist von bloßem Auge sichtbar. Verbleiben noch vier Sterne, dabei handelt es sich um extrem lichtschwache Braune Zwergsterne, die auch mit heutigen Mitteln nur äußerst sehr schwer beobachtet werden können. Es ist davon auszugehen, dass die meisten dieser Braunen Zwerge auch in Sonnennähe noch unentdeckt sind und man vermutet, dass es ungefähr gleich viele Braune Zwerge wie Rote Zwergsonnen gibt. In diesem Areal ist der Sirius der physikalisch hellste Stern; zum physikalisch nächst helleren Stern, der bekannten hellen Wega, gelangt man erst in fast doppelter Entfernung.

Derzeit kann man fast alle dieser sonnennahen von bloßem Auge sichtbaren Sterne sehen, nämlich den Sirius, Procyon sowie tau Ceti, epsilon Eridani und 61 Cygni. Nur die beiden verbleibenden Sterne, alpha Centauri und epsilon Indi, kann man von unseren Breitengraden aus nicht sehen.


Sternbild des Walfischs

3.2 Beschreibung, wie man tau Ceti findet

Verlängert man im Herbstviereck die Kante von Scheat über Markab rund dreimal nach Süden, so kann man dort bei guter Südwestsicht den in unseren Breiten südlichsten Stern 1. Größe bewundern, das ist die Fomalhaut im Sternbild des Südlichen Fisches. Fomalhaut heißt "Mund des (Wal-)Fisches" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren, das ist etwas näher als die Wega. Vor 2 Jahren konnte um die Fomalhaut fotographisch ein Planet nachgewiesen werden.

Verlängert man den linken Schenkel des Herbstviereckes von der Sirrah über Algenib nach unten, so führt dies nach zweimaliger Verlängerung auf einen Stern 2. Größe, das ist Deneb Kaitos, der hellste Stern im Sternbild des Walfisches, welcher ja nach der Mythologie die Andromeda hatte fressen sollen. Deneb Kaitos bedeutet "Schwanz des Untieres"; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

Deneb Kaitos ist Ausgangspunkt einer nach Osten weisenden länglichen Deichsel, deren weitere Sterne Deneb Algenubi und Baten Kaitos sind. Deneb Algenubi heißt "südliche Schwanz(flosse)", er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 120 Lichtjahren und Baten Kaitos heißt "Bauch des Meerungeheuers" und ist ein gut doppelt soweit entfernter Roter Riese.

Biegt man bei Deneb Algenubi senkrecht nach unten ab, so gelangt man in gleichem Abstand zu tau Ceti, einem sonnennahen, ebenfalls gelben Stern im Abstand von knapp 12 Lichtjahren.

Die übrigen Sterne des Sternbildes des Walfisches findet man folgendermassen: Auf dem Weg von Sirrah und Algenib kommend sieht man man noch kurz ein Drittel zuvor, etwas nach Westen ausgerückt, den Stern Shemali; dieser ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 300 Lichtjahren. Alle genannten Walfischsterne außer Deneb Kaitos sind gerade noch 3. Größe oder verfehlen diese knapp.

Fehlen noch der Hauptstern Menkar und Kaffaljidhm sowie der unregelmäßige Stern Mira, der meistens nicht von bloßem Auge gesehen werden kann; diese befinden sich im östlichen Teil des Sternbildes und sind nicht ganz einfach auffindbar. Am einfachsten kann man Menkar und Kaffaljidhm finden, indem man vom Widder senkrecht nach unten geht, bis man die nach Osten verlängerte Linie Deneb Kaitos - Deneb Algenubi erreicht. Der linke und hellere Stern ist Menkar und der rechte Stern ist Kaffaljidhm. Menkar ist der Hauptstern des Walfisches und bedeutet "Nüstern", er hat gerade noch 2. Größe und ist ein über 200 Lichtjahre entfernter Roter Riese; Kaffaljidhm ist ein Stern gerade noch 3. Größe; er ist ein Doppelsternsystem eines weißlichen und eines gelben Sternes im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

3.3 Nach Sonnenuntergang: Beschreibung, wie man 61 Cygni findet

Mit Vorteil sucht man 61 Cygni zunächst mit einem Feldstecher, ehe man versuchen kann, ihn bei guter Sicht auch von bloßem Auge zu erspähen.

61 Cygni befindet sich im Schwan; wenn man sich den Schwanzstern Deneb, den Bruststern Sadir und Gienah am rechten Flügel des Schwanes als großes, etwas längliches Quadrat vorstellt, dann befindet sich 61 Cygni ungefähr in der vierten Ecke dieses Quadrates. Man fängt also bei Deneb im Schwan an und geht nicht zu Sadir, sondern rechtwinklig nach links, also parallel zum rechten Flügel des Schwanes (aus Sicht des Vogels). Zunächst einmal kommt man in etwa halbem Abstand Deneb - Sadir an zwei Sternen vorbei; der Deneb-nähere Stern ist xi Cygni und der Deneb-fernere Stern ist nue Cygni. Geht man nun gleichweit weiter, so gelangt man zu zwei sehr nahe beieinander stehenden Sternen, diese sind schwanabgewandt sigma Cygni und schwanzugewandt tau Cygni. Nun biegt man zwischen sigma und tau Cygni bei tau Cygni senkrecht ab in Richtung Sadir, dann folgt in knapp doppeltem Abstand sigma und tau Cygni ein Stern, das ist 61 Cygni. Diese 5 Sterne sind die fünf hellsten Sterne in dieser Region, man braucht sich also nicht von schwächeren Sternen verunsichern zu lassen. Xi Cygni und tau Cygni verfehlen die 3.^Größe knapp, nue Cygni und sigma Cygni sind Sterne 4. Größe.

Die beiden ersten Sterne auf dem Weg von Deneb zu 61 Cygni sind xi Cygni, ein 1'000 Lichtjahre entfernter Roter Riese, sowie nue Cygni ein 150 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern. Die beiden nächsten Sterne, die mit 61 Cygni ein rechtwinkligen Dreieck bilden, sind tau Cygni, ein 70 Lichtjahre entfernter weißgelblicher Stern sowie sigma Cygni, ein über 5'000 Lichtjahre weit entfernter blauweißlicher Stern.

61 Cygni ist ein sonnennaher Doppelstern im Abstand von nur 11,4 Lichtjahre, bei dem beide Sterne orange Hauptreihensterne sind. Er war übrigens der erste Stern, dessen Abstand publiziert wurde.


Vom Orion zum Eridanus

3.4 Ab 20 Uhr: Beschreibung, wie man epsilon Eridani findet

Neben dem hellen Orionstern Rigel entspringt der Fluss Eridanus und sein zweithellster Stern ist Cursa, ein blauweißlicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von knapp 100 Lichtjahren. Cursa bedeutet "Fußbank" und bezieht sich auf den Orion. Geht man vom Orionnebel über Rigel rund dreimal weiter und dann etwas nach oben, so gelangt man zu Zaurak, dem dritthellsten Stern des Eridanus. Zaurak hat 3. Größe und bedeutet "Boot"; er ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren.

Zaurak ist Ausgangspunkt einer Deichsel, die parallel zum Oriongürtel verläuft. Der zweite Deichselstern ist Rana, ein Stern gerade noch 3. Größe. Rana bedeutet "Frosch" und ist ein Roter Unterriese im Abstand von nur 30 Lichtjahren. Der dritte Deichselstern ist epsilon Eridani, ein sonnennaher Stern im Abstand von nur 10.5 Lichtjahren. Um diesen Stern läuft der nächstgelegene bekannte Exoplanet. Epsilon Eridani selber ist etwas kleiner als unsere Sonne und ein gelboranger Hauptreihenstern.

4. Der Morgenhimmel im Dezember


Der Morgenhimmel im Dezember

Im Winter wird es ja erst so spät hell, dass viele Menschen morgens noch im Dunkeln das Haus verlassen und zur Schule oder zur Arbeit gehen; deswegen wird auch den Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang vorgestellt. Das Wintersechseck, das ja abends aufgeht, zieht die gesamte Nacht am Himmel weiter und steht am Morgen hoch im Westen. Besonders schön kann man im Westen den Orion bewundern, der nun nicht mehr liegt, sondern wie wir aufgestanden ist. Schön zu sehen ist der rötliche Schulterstern Beteigeuze und rechts von ihr die Bellatrix. Unter ihnen bilden drei helle Sterne von 2. Größe und heller den Oriongürtel, an dessen linkem Teil der Orionnebel quasi "herunterhängend" das Schwert des Orion markiert. Unter ihnen sehen wir die beiden Fußsterne des Orion: der rechte der beiden ist viel heller, und steht in einer Ecke des Wintersechsecks, das ist Rigel. Links von Rigel kann man den sehr hellen Sirius über dem Horizont funkeln sehen; fast senkrecht hinauf sieht man Procyon im Kleinen Hund. Die Zwillinge haben den Zenit gerade erst durchquert, und auch die Capella steht noch hoch am Westhimmel, während sich der Stier mit Aldebaran und den Plejaden nun rasch nach Westen absenkt. El Nath steht zwischen der Capella und Aldebaran, etwas in das Wintersechseck eingerückt. Die Kette der Andromeda befindet sich bereits tief oberhalb des Westhorizontes, wo noch einzig der dritte Andromedastern Alamak gut zu erkennen ist. Auch der Perseus mit Mirfak und Algol ist auf halbem Wege in Richtung Capella gut zu sehen.

Tief im Osten kann man einen sehr hellen Stern bewundern, das ist der Morgenstern, unser Nachbarplanet
Venus.

Der Große Wagen ist "rückwärts" wieder hinauf gewandert und steht nun auf dem Kopf; seine Deichsel weist zu einem hellen Stern, das ist Arktur, der hellste Stern der Nordhemisphäre und nächst gelegene Rote Riese. Wenn man diese Linie von der Deichsel des Großen Wagens über Arktur hinaus verlängert, gelangt man bei starker Krümmung der Verlängerung im Süden zum Planeten Saturn und bei flacherer Krümmung links vom Saturn zur Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. Tief im Nordosten sehen wir die gerade wieder aufgegangene Wega über dem Horizont funkeln. Noch im Horizontdunst wird sie manchmal mit Ettanin, dem hellsten Stern des Sternbild Drachen, verwechselt. Diese Verwechslung kann man leicht ausschließen, denn eine Handbreit unter Ettanin, einem Stern 2. Größe, kann man einen weiteren Stern des Drachen sehen.

Wenn wir von Arktur in Richtung der Zwillinge gehen, sehen wir im Sternbild des Löwen zwei helle Sterne schräg übereinander, das sind unten Regulus beim Herz des Löwen, und über ihm die Algieba bei der Schulter des Löwen.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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