Sternenhimmel im Februar 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Sternbild des Monats: Der Kleine Wagen
  4. Perseussterne und der offene Sternhaufen M34

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Die volle Pracht der Wintersternbilder - besonders auffällig der bekannte Orion und der helle Sirius - sind nun schon merklich gen Westen weitergezogen, stehen aber immer noch ebenso wie der rote Planet Mars hoch am Himmel.

Bereits halbhoch im Osten kann man mit dem Löwen das erste Frühlingssternbild bewundern. Derzeit steht auch der Ringplanet Saturn im Sternbild des Löwen.

Der Große Wagen hängt nun mit der Deichsel nach unten rechts neben dem Polarstern, während sich die W-förmige Cassiopeia links vom Polarstern wieder dem Horizont nähert.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Einfach auffindbare Sterne

Der bekannte Große Wagen hängt nun mit seiner Deichsel nach unten über dem Nordost-Horizont. Verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Geht man von der Deichsel des Großen Wagen, also dem Teil, an dem der Wagenkasten gezogen wird, am Polarstern vorbei, so kann man etwa im gleichen Abstand ein Sternbild erkennen, das wie ein W aussieht; es wird oftmals auch das "Himmels-W" genannt und das ist die Cassiopeia.


Sternenhimmel im Februar. Hier ist der südliche Ausschnitt des Himmels dargestellt und gibt eine Übersicht über den Zenit hinaus (grünes Kreuz). Aufgrund des großen Ausschnitts erscheint der Horizont als nach oben gebogen.

Zwischen der Wagendeichsel und dem Polarstern sieht man noch zwei weitere Sterne, das sind die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen. Von diesem kann man bei normalen Beobachtungsbedingungen nur den Polarstern am Ende der Deichsel des Kleinen Wagen und dessen beide hinteren Kastensterne sehen.

Der Große Wagen und die Cassiopeia enthalten keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2. Größe und sind aufgrund ihrer figürlichen Form sehr auffällig und einfach zu finden. Auch der Polarstern und der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen sind Sterne 2. Größe.

Das Sternbild der Cassiopeia, wegen seiner Form auch oftmals "Himmel-W" genannt, befindet sich vom Polarstern aus gesehen auf der anderen Seite der Deichsel des Großen Wagens und ist in unseren Breitengraden stets über dem Horizont. Die Cassiopeia ist derzeit ein ausgezeichneter Wegweiser zum Hauptstern des Perseus und zur hellen Capella.

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" zu Mirfak, dem Hauptstern des Perseus. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist so hell wie die hellsten Sterne des Großen Wagen. Die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch führt zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne, wie unsere Sonne, gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Geht man von der Cassiopeia aus an der Capella vorbei, so gelangt man zu einem auffallend hellen rötlich leuchtenden Stern - das ist der Planet Mars, der derzeit zum Beobachten immer noch sehr günstig steht.

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Geht man von der Capella nach Süden, so kann man das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, das aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen besteht. Der obere und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der untere Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der untere Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Manche Kulturen sehen in ihm einen großen Schmetterling.

Der Orion steht am Südosthimmel
Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren. Der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe. Sein Name bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck.

Im Gegensatz zu den weit entfernten Orionsternen sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

Wir haben nun die wichtigsten Sterne im Februar sowie den Planeten Mars kennengelernt.

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2.2 Weitere bekannte Wintersterne: Stier, Zwillinge, Orionnebel

Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht ein Stern 1. Größe, das ist Aldebaran, der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt, er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres mit seiner rötlichen Färbung. Vorsicht, dass man ihn in diesen Tagen nicht mit dem Mars verwechselt, der mittlerweile von den Zwillingen in Richtung Capella weitergezogen ist und zwischen der Capella und der Beteigeuze steht; nach wie vor ist er sehr hell. Etwas oberhalb des Mars ist auch der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath, leicht zu finden: El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und ist wie die Bellatrix ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links die beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren.

Zwischen dem Oriongürtel und dem unteren Fußstern kann man bei guter Sicht schon mit bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne, heller als 1. Größe, ist hier versammelt.

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2.3 Die ersten Frühlingssterne

Östlich des Wintersechsecks sehen wir drei helle Sterne; der hellste von ihnen ist der Planet Saturn und die beiden anderen sind bereits die ersten Boten des bevorstehenden Frühlings: zwei Sterne des Sternbildes Löwe; der hellere etwas nord-östlich vom Saturn ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern 1. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten wie derzeit vom Saturn sowie vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

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3. Sternbild des Monats: Der Kleine Wagen


Kochab war früher der Nordstern
Der Kleine Wagen heißt eigentlich "Kleine Bärin" und ist also das kleinere Gegenstück zum bekannten Großen Wagen. Bei normalen Sichtbedingungen kann man jedoch nur 3 Sterne sehen, nämlich den vordersten Deichselstern - das ist der Polarstern sowie die beiden hinteren Kastensterne. Verlängert man die beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagen etwa fünfmal nach links, so gelangt man zum Polarstern, und geht man von ihm zur Deichsel des Großen Wagen, so sieht man etwa in der Mitte des Weges die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Der Polarstern ist ein Stern 2. Größe, ein gelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".

Der hellere der beiden hinteren Kastensterne ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens", und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Der andere hintere Kastenstern ist ein Stern 3. Größe, er heißt Pherkad, das bedeutet "der dunklere der beiden Kälber", und er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

Es mag verwundern, dass Kochab im arabischen den Namen "Nordstern" inne hatte; das kommt daher, dass unsere Erde ein Kreisel ist und somit seine Rotationsachse im Laufe der Zeit periodisch ändert; so eine Periode dauert rund 25000 Jahre, und damals, als die Sterne ihre Namen bekamen, war der Himmelspol zwischen Kochab und dem heutigen Polarstern. In 14000 Jahren wird die helle Wega unser Polarstern sein. Diese periodische Änderung der Erdachse, die auch "Präzession" genannt wird, hat auch zur Folge, dass die Horoskope gar nicht mehr stimmen: Tatsächlich steht zur Zeit der Geburt eines Menschen die Sonne keineswegs im eigenen Tierkreiszeichen, sondern ein Tierkreiszeichen davor; auch das ist ein Resultat dieser Präzessionsbewegung; die Horoskope haben also vor rund 2000 Jahren noch gestimmt, nun aber ist die Erdachse rund ein Zwölftel verschoben.

Die Mythologie weiß zu berichten, dass die Nymphe Kallisto von Zeus schwanger wurde und einen Sohn zur Welt brachte, den sie Arkas nannte. Hera - die Ehefrau des Zeus, verwandelte Kallisto in ihrer Eifersucht in einen Bären, der durch die Wälder ziehen musste. Jahre später traf Arkas bei der Jagd auf seine Mutter, ohne sie zu erkennen. Um den Mord an seiner Mutter zu verhindern, verwandelte Zeus Arkas ebenfalls in einen Bären. Er packte beide Bären an den Schwänzen und schleuderte sie in den Himmel. Das ist auch der Grund, warum die Mutter Kallisto - das ist die Große Bärin bzw. der Große Wagen - und ihr Sohn Arkas - das ist der Kleine Bär bzw. der Kleine Wagen - so übernatürlich lange Schwänze haben, obwohl Bären ja sonst kurze Schwänze haben.

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mehr zur Präzession und zum Horoskop

4. Perseussterne und der offene Sternhaufen M34

Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, heißt Algol, das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und er steht schräg unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich-weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

Außerhalb der Stadt kann man nun auch leicht den offenen Sternhaufen M34 mit einem Feldstecher finden: Man betrachte die Linie Mirfak zu Algol; in Verlängerung dieser Linie kommt man zum Stern Gorgonea Tertia, das ist also eine Schwester der Gorgone Medusa. Sie ist ein Stern 3. Größe, ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren. Nun bildet man ein rechtwinkliges Dreieck, bei dem der rechte Winkel in Algol ist und geht entlang den freien Ast nach unten, rund doppelt so weit wie der Abstand zwischen den beiden Gorgonen-Schwestern Medusa (Algol) und Gorgonea Tertia; dort sieht man ein Nebelchen, und das ist M34. Die Sterne dieses offenen Sternhaufens sind knapp 1500 Lichtjahre von uns entfernt.

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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