Sternenhimmel im Februar 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Auch im Februar ist der Sternenhimmel nach Sonnenuntergang noch spätherbstlich, doch all' die prachtvollen, hellen Wintersterne stehen bereits hoch am Himmel. Das Sommerdreieck ist nach Sonnenuntergang noch tief im Westen zu sehen, die helle Capella sowie die Herbststernbilder um die Andromeda und den Perseus sind bereits nach Westen weitergezogen und im Süden können der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel, Procyon - der Bote des hellen Sirius sowie der helle Sirius selber bewundert werden.


Der Große Wagen stand über dem Nordhorizont unter dem Polarstern und zieht nun wieder rechts hinauf, während die W-förmige Cassiopeia vom Zenit links des Polarsterns wider herabzieht.

Unter den Zwillingen kann man einen auffallend rötlichen Stern erblicken, das ist der Planet
Mars.


Sternenhimmel im Februar. Hier ist der südliche Ausschnitt des Himmels dargestellt und gibt eine Übersicht über den Zenit hinaus (grünes Kreuz). Aufgrund des großen Ausschnitts erscheint der Horizont als nach oben gebogen.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen, Schedir und Capella


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen ist bereits unter dem Polarstern durchgezogen; seine Deichsel steht nun am tiefsten, und er kann nur bei guter Nordsicht gesehen werden. Verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt links vom Polarstern zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes auf der Seite liegendes W; ihr Hauptstern ist der zweite Stern von unten, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Von der Cassiopeia kann man sehr einfach die helle Capella im Fuhrmann finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern, das ist die langgestreckte Seite des W, hindurch weitergeht. Die Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella. Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2. Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt". Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

Der Große Wagen enthält drei Sterne beinahe 1. Größe: Der hintere obere Kastenstern Dubhe, der Deichselstern Alioth am Wagenkasten sowie der äußerste Deichselstern Benetnash. Dubhe bedeutet "Bär" und ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren, Alioth bedeutet "Ziege" und ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und Benetnash bedeutet "Klageweiber" und ist ein bläulichweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dubhe, den Hauptstern des Großen Wagen, spricht man im Englischen "Dubi" aus und man kann sich diesen Sternnamen einfach merken, indem man sich vorstellt, dass Frank Sinatra mit der Großen Bärin um den Himmelsnordpol tanzt und "Dubi Dubi Dubi" singt.

Der Polarstern ist ein gelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2.Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

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2.2: Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Nach Sonnenuntergang sieht man tief im Westen das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan, und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein bläulichweißer Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Das Sommerdreieck wird nach Sonnenuntergang rasch in den Horizontdunst eintauchen.

2.3 Cassiopeia: Wegweiser zur Andromeda, zum Widder, zum Perseus und zur Capella

Von der Cassiopeia ausgehend kann man die wichtigsten Sterne der Andromedakette, den Widder sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von unten nach oben durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia - das ist ja ihr Hauptstern Schedir - ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild links von der Cassiopeia.

Geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichweit weiter, so kann man dort unterhalb parallel zur Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese stehen im Sternbild des Widder und der obere Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach.

Perseus und die angrenzenden Sternbilder
Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelbweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah, Mirach und Hamal. Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch wie schon oben beschrieben zur hellen Capella im Fuhrmann.

Den Hauptstern des Perseus, Mirfak, kann man also in Verlängerung der Andromedakette finden; biegt man indes beim dritten Andromedastern Alamak nach links unten ab, so gelangt man zum zweithellsten Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

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Orion, Sirius und Procyon

Orionnebel. Bild: Hubble
Geht man von der Capella nach Süden, so kann man das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen. Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Der linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)".

Der mittlere und der linke Stern des Oriongürtels heißen Alnilam und Alnitak; ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel" und beide sind wie die Bellatrix Sterne beinahe erster Größe.

Die beiden übrigen Sterne des Orion sind 2. Größe. Der rechte Gürtelstern heißt Mintaka und der linke Fußstern heißt Saiph. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". Das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem Fuß.

Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Er steht nun hoch über dem Sirius, ein bisschen nach links versetzt. Auch der Stern rechts neben dem Sirius - immerhin ein Stern beinahe 1. Größe, hat seinen Namen aufgrund seiner Position zum Sirius erhalten: Mirzam bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht".

Das Winterdreieck (grün) und Wintersechseck (gelb)
Die Beteigeuze, Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck Sterne 0. Größe, welches auch "Winterdreieck" genannt wird und das sich gerade für Anfänger ausgezeichnet zum Auffinden von Procyon eignet.

Der linke Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter bläulichweißer Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Die drei Oriongürtelsterne Alnilam, Alnitak und Mintaka sind ebenso wie der linke Fußstern Saiph bläulichweiße Riesensterne; alle vier sind rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt!

Im Gegensatz zu den Orionsternen, die allesamt weit entfernt sind, sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Hundssterne werden von einem hochkompakten Stern, einem Weißen Zwerg, umkreist. Mirzam rechts neben dem Sirius schließlich ist ein über 500 Lichtjahre entfernter blauweißlicher Riesenstern.
Im Februar ist der Große Hund am Abendhimmel am besten zu sehen und deswegen wird er diesen Monat in der 3. Rubrik näher vorgestellt.

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2.6 Der Stier mit den Plejaden und Hyaden und die Zwillinge

Unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1.Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken oberen Ende einer "V"-förmigen Sternenansammlung; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Stern des Sternhaufens der Hyaden.

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren und Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, steht im Abstand von 70 Lichtjahren auf knapp halbem Wege und gehört nicht zu diesem Sternhaufen. Rechts oben im V der Hyaden - also rechts von Aldebaran - steht der Stern Ain, ein Roter Riese. Ain bedeutet "Auge"; streng genommen markiert also dieser Stern und nicht Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Geringfügig heller ist der Hyadenstern theta(2) Tauri, ein weißlicher Stern. Theta(2) Tauri ist der linke der beiden Hyadensterne in der Mitte des linken Astes vom V, unterhalb von Aldebaran.

El Nath erreicht beinahe 1. Größe und ist der zweithellste Stern des Sternbild Stier; er steht etwas nach unten eingerückt in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran. El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Am Südosthimmel geht das Sternbild der Zwillinge auf
Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge schräg übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Man kann sich das gut merken, denn Castor ist im Wintersechseck auf der Seite der Capella - beide Namen fangen mit einem "C" an und Pollux auf der Seite von Procycon - beide Namen fangen mit einem "P" an. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer heller Zwillingsstern, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Alhena ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Etwas rechts von Procyon steht Gomeisa, ein Stern etwas heller als 3. Größe. Gomeisa bedeutet "die Kleine mit den trüben Augen" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Vom Procyon gelangt man zu Gomeisa, indem man in Richtung der Fußsterne der Zwillinge, also beispielsweise der Alhena, geht. Man kann ihn aber auch ganz einfach so finden, dass er der einzige etwas hellere Stern in der Nähe von Procyon ist. Der Abstand zwischen Procyon und Gomeisa ist etwa gleich groß wie der Abstand zwischen Pollux und Castor.

Unterhalb der Zwillinge kann man einen auffallenden Stern heller als 0.Größe erkennen; er ist deutlich rötlich und es handelt sich um den Planeten Mars.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; da auch die Beteigeuze in diesem Bereich steht, ist hier die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe versammelt.

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2.7 Die Plejaden

Die Plejaden, die auch Siebengestirn genannt werden, sind ein sehr bekannter Sternhaufen, der früher ein eigenes Sternbild inmitten des Sternbildes Stier bildete; bei guter Sicht ist er sehr schön zu sehen: Hier befinden sich auf engem Raum immerhin sechs Sterne 4. Größe oder heller, im Feldstecher kommt dieser Sternhaufen noch prächtiger zur Geltung. Die Plejaden sehen aus wie ein etwas schiefes Viereck, von dem unten ein Stiel abzweigt. Über dem oberen rechten Viereck-Stern befindet sich dann noch die sechste "helle" Plejade. Die Plejaden sind ein sehr junger Sternhaufen im Abstand von ca. 400 Lichtjahren; die Plejadensterne sind somit alle bläulichweiß.


Die Himmelsscheibe von Nebra, deren Sterngruppe in der Mitte oben als Plejaden interpretiert wird. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt.
Hellster Plejadenstern ist die Alcyone am unteren linken Ende des Plejaden-Vierecks, die beinahe 2.Größe hell ist; der Stern schräg gegenüber heißt Elektra und ist ebenfalls recht bekannt. Oben links steht die Maia und unten neben der Alcyone steht die Merope. Der zweithellste Plejadenstern ist der Stern am Ende des Stieles, er heißt Atlas und ist der Papa der Plejaden. Taygeta schließlich steht oberhalb der Maia.

Das sind aber nur 6 Sterne und schon zu Zeiten der alten Griechen wurde die Frage aufgeworfen, wo denn die siebte Plejade sei. Unter sehr günstigen Bedingungen sieht man 9 Plejaden, also ihre Mama und zwei weitere Schwestern, aber eben nicht sieben. Zur Zeit der alten Griechen gab es die Theorie, dass die 7. Plejade die Elektra sei, die aus lauter Trauer und Verzweiflung über den Heldentod ihres geliebten Sohnes ihre Schwestern verlassen habe. Ja, man wusste sogar, wohin sie gegangen ist: Tatsächlich gibt es einen weiteren sehr bekannten Stern 4. Größe, also in der Helligkeit eines typischen helleren Plejadensternes, und das ist der Augenprüfstern Alkor über dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Jene Theorie besagt nun also, dass die Elektra aus lauter Trauer ihre Schwestern verlassen habe und zum Großen Wagen gewandert sei und dort also neben dem mittleren Deichselstern Mizar stehe. Beide sind weißliche Sterne im Abstand von 80 Lichtjahren. Mizar bedeutet "Mantel", der Augenprüfstern Alkor bedeutet "der Erniedrigte". Im Deutschen wird Alkor oft als das "Reiterlein" und manchmal auch als "Fuchsstern" bezeichnet.

Übrigens haben schon die alten Griechen diese hübsche Idee bezweifelt. Es ist bemerkenswert, dass auch auf der berühmten Sternscheibe von Nebra die Plejaden mit 7 Sternen dargestellt sind.

2.8 Die ersten Frühlingssterne

Östlich des Wintersechseckes und des Mars sehen wir ab 20 Uhr zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der rechte ist Regulus beim Herz des Löwen, ein bläulichweißer Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Sternbild des Monats: Der Große Hund

Der Große Hund besteht mit einer Ausnahme aus lauter Sternen beinahe 1. Größe oder heller; jedoch kann man diese Sterne in unseren Breiten aufgrund ihrer so südlichen Lage nur bei ausgezeichneter Südsicht erkennen. Der Große Hund besteht aus zwei nebeneinander liegenden Sternen im oberen Teil von denen der linke der helle Sirius ist, sowie einem nach unten geöffneten Dreieck im unteren Teil.

Im Vergleich zum hellen Sirius, der fast minus zweite Größe erreicht, fallen die übrigen Sterne dieses Sternbildes helligkeitsmäßig ab, zumal sie sich auch noch gegen den Horizontdunst durchsetzen müssen. Das hat zur Folge, dass ein Beobachter in unseren Breiten oftmals gar nicht bemerkt, dass der Große Hund aus Sternen besteht, die helligkeitsmäßig denen des Orion kaum nachstehen.

Rechts neben dem Sirius steht der Stern Mirzam, ein über 500 Lichtjahre entfernter blauweißlicher Riesenstern; Mirzam bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht". Bei guter Südsicht kann man unterhalb von Sirius und Mirzam den Stern Wezen sehen; er ist ein sehr weit entfernter weißgelblicher Riesenstern im Abstand von 2000 Lichtjahren und bedeutet "das Gewicht""; in der Mythologie verkörperte Sirius auch den schakalköpfigen Gott Anubis, der wie der griechische Gott Hermes die Verstorbenen in die Unterwelt begleitete. Dabei wog er die Seelen der Verstorbenen auf der Waage der Gerechtigkeit. Rechts unterhalb von Wezen kann man den Stern Adhara erkennen, der sogar gerade noch die erste Größe erreicht, in unseren Breiten jedoch so weit südlich steht, dass er nur sehr selten wirklich auffällig hell zu erkennen ist. Adhara bedeutet "die Jungfrauen" und ist ein bläulicher Riesenstern im Abstand von 500 Lichtjahren. Links unterhalb von Wezen steht Aludra; sie ist ein Stern 2. Größe und ebenfalls ein sehr weit entfernter bläulichweißer Stern im Abstand von 3200 Lichtjahren. Aludra heißt "die Jungfernschaft". Diese beiden Sterne scheinen also mythologisch einer anderen Tradition zu entstammen.

Bildliche Darstellung des Großen Hundes. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Es ist nicht ganz einfach, in diesen Sternen einen Hund zu erkennen: Bei seinem Aufgang ist der Große Hund etwas kopflastig, so dass sich der untere Hundsteil schräg links unterhalb befindet. Im oberen Teil steht an der linken Seite - an der Schnauze des Großen Hundes - der alles überragende hellste Fixstern des Himmels, der Sirius, das heißt "der Strahlende", ein Stern von sagenhafter fast minus zweite Größe! Der Sirius ist ein sehr naher weißlicher Stern im Abstand von nur 8.6 Lichtjahren; er hat einen bekannten Begleitstern, nämlich einen nur in großen Teleskopen sichtbaren Weißen Zwerg: das ist ein hochkomprimierter Stern, und zwar der Endzustand für Sterne, die nicht mehr als das 1.4fache der Masse unserer Sonne haben. Der Sirius wird oftmals auch als "Hundsstern" bezeichnet und wenn die Sonne im Sommer in der Nähe des Sirius steht, redet man von den "Hundstagen".

Man kann sich vorstellen, dass der Große Hund zum Orion schauend pfötchengebend am Himmel steht; der Stern Mirzam rechts neben dem Sirius steht an seiner oberen Vorderpfote. - Im unteren Sternbildteil sieht man ein Dreieck von hellen Sternen; an der Spitze dieses Dreieckes sieht man am Rücken des Großen Hundes den Stern Wezen. Die Adhara, der zweithellste Stern des Großen Hundes, steht rechts unter Wezen am Oberschenkel des Großen Hundes und die Aludra markiert am linken unteren Ende des Dreiecks das Schwanzende des Großen Hundes. Wezen erreicht beinahe erste Größe und Adhara ist genau genommen sogar ein Stern 1. Größe.

Der Große Hund begleitet der Tradition zufolge den Himmelsjäger Orion bei seinen Ausflügen.

4. Beobachtung eines Planetoiden

Mitte Februar bietet sich die Gelegenheit, auf einfache Weise mit Hilfe eines Feldstechers einen Planetoiden zu sehen. Der hellste Planetoid ist keineswegs der größte und zuerst entdeckte Planetoid Ceres, sondern der als vierter entdeckte drittgrößter Planetoid Vesta, weil diese mehr Sonnenlicht zurückstrahlt und überdies günstiger zur Erde stehen kann.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar zieht die Vesta nur etwa einen halben Monddurchmesser unterhalb am Löwenstern Algieba an der Schulter des Löwen vorbei; man muss nur die Algieba ins Gesichtsfeld des Feldstechers nehmen; 40 Leonis, ein Stern 5. Größe, steht rechts unterhalb der Algieba und ein weiterer Stern 6. Größe steht rechtwinklig zu den beiden unter der Algieba. Diese 3 Sterne kann man im Feldstecher problemlos erkennen; zusätzlich zu ihnen befindet sich in diesem Areal dann noch ein weiterer Stern 6. Größe, geringfügig heller als der Stern 6. Größe unterhalb der Algieba; das ist die Vesta. Nun malt man sich die Position der Vesta in Bezug auf diese drei Sterne auf und wiederholt die Beobachtung in den nächsten zwei oder drei Tagen. Dann kann man schön sehen, wie die Vesta vor den Sternen weitergezogen ist. Die Vesta wird sich vom 10. bis zum 20. Februar in diesem Himmelsbereich aufhalten, in dieser Zeit also kann man diese Beobachtung durchführen.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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