Sternenhimmel im Januar 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Siebengestirne am Himmel
  4. Der Morgenhimmel im Januar

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Die volle Pracht der Wintersternbilder - besonders auffällig der bekannte Orion und der helle Sirius - stehen nun hoch am Himmel, während die Herbststernbilder um die Andromeda bereits nach Westen weitergezogen sind. Hoch im Osten kann man den roten Planeten Mars bewundern, der nun heller als die Capella leuchtet.Der Große Wagen zieht über dem Nordhorizont unter dem Polarstern nun wieder rechts hinauf, während die W-förmige Cassiopeia vom Zenit steht links des Polarsterns wieder herabzieht. Am Morgenhimmel ist die Venus als glänzend heller Morgenstern zu bewundern.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Einfach auffindbare Sterne

Der bekannte Große Wagen stand über dem Nord-Horizont und zieht langsam wieder rechts hinauf, wo er bei schlechten Sichtbedingungen in den Horizontdunst eintaucht; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Geht man von der Deichsel des Großen Wagen, also dem Teil, an dem der Wagenkasten gezogen wird, am Polarstern vorbei, so kann man etwa im gleichen Abstand ein Sternbild erkennen, das wie ein W aussieht; es wird oftmals auch das "Himmels-W" genannt und das ist die Cassiopeia.



Der große Wagen weist auf den Polarstern
Zwischen der Wagendeichsel und dem Polarstern sieht man noch zwei weitere Sterne, das sind die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, von dem man also bei normalen Beobachtungsbedingungen nur den Polarstern am Ende der Deichsel des Kleinen Wagen und dessen beide hinteren Kastensterne sehen kann.

Der Große Wagen und die Cassiopeia enthalten keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2. Größe und sind aufgrund ihrer sehr figürlichen Form sehr auffällig und einfach zu finden. Auch der Polarstern und der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen sind Sterne 2. Größe.

Das Sternbild der Cassiopeia, wegen seiner Form auch oftmals "Himmel-W" genannt, befindet sich vom Polarstern aus gesehen auf der anderen Seite der Deichsel des Großen Wagens und ist in unseren Breitengraden stets über dem Horizont. Im Winter steht die Cassiopeia fast senkrecht über uns. Sie ist ein ausgezeichneter Wegweiser zur Andromeda, zum Hauptstern des Perseus und zur hellen Capella.

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia ungefähr zur Sirrah, die hoch über uns steht und der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleichhell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. - Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb des "W" der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des "W" zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Schräg links, etwas unterhalb der Capella kann man von der Cassiopeia aus an der Capella vorbeigehend einen auffallend hellen rötlich leuchtenden Stern sehen - das ist der Planet Mars, der derzeit sehr günstig steht.

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Orionnebel. Bild: Hubble
Geht man von der Capella nach Südosten, so kann man über dem Südost-Horizont das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, das aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen besteht. Der obere und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der untere Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der untere Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Manche Kulturen sehen in ihm einen großen Schmetterling. Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

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Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck.

Im Gegensatz zu den weit entfernten Orionsternen sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

Wir haben nun die wichtigsten Sterne im Januar sowie den Planeten Mars kennengelernt.

2.2 Weitere bekannte Wintersterne

Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht ein Stern 1. Größe, das ist Aldebaran, der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt, er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Vorsicht, dass man ihn in diesen Tagen nicht mit dem Mars verwechselt, der mittlerweile von den Zwillingen in Richtung Capella weitergezogen ist und zwischen der Capella und der Beteigeuze steht; nach wie vor ist er sehr hell. Etwas oberhalb des Mars ist auch der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath, leicht zu finden: El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und ist wie die Bellatrix ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren.

Zwischen dem Oriongürtel und dem unteren Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe ist hier versammelt.

2.3 Weitere Herbststerne und der Andromedanebel

Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, heißt Algol, das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und steht schräg unterhalb von Mirfak; man kann ihn auch finden, indem man von Sirrah kommend bei der Mirach geradeaus weitergeht und nicht Richtung Alamak und Mirfak "abbiegt". In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich-weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

Die nächst gelegene Galaxie
Außerhalb der Stadt ist nun auch der berühmte Andromedanebel leicht mit einem Feldstecher zu finden: Man nimmt den mittleren Andromedastern Mirach ins Gesichtsfeld des Feldstechers; über ihm sieht man einen weiteren hellen Stern, das ist mü Andromedae. Dies ist ein weißlicher Stern zwischen 3. und 4. Größe im Abstand von 140 Lichtjahren. - Nun muss man den Feldstecher so verschieben, dass nicht mehr Mirach, sondern mü Andromedae im Mittelpunkt des Gesichtsfeldes steht und nochmals in gleichem Abstand oberhalb sieht man dann den Andromedanebel. Etwas weniger weit entfernt stehen rechts und links unterhalb des Andromedanebels ebenfalls je ein Stern, so dass mü Andromedae, diese Sterne rechts und links sowie der Andromedanebel eine Drachenfigur bilden. Da das menschliche Auge in der Stelle des schärfsten Sehens farbempfindliche Zellen hat, die nachts aber nicht sehen können, muss man im Feldstecher etwas neben den Andromedanebel schauen - am besten schaut man den Stern rechts oder den Stern links an, dann kann man den Andromedanebel schön erkennen. - Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine Galaxie, die 2 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Er ist das am weitesten entfernte Objekt, das wir mit einem Feldstecher anschauen können.

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3. Siebengestirne am Himmel

Es mag ein Zufall sein, dass die bekanntesten Sternformationen am Sternenhimmel allesamt aus 7 Sternen bestehen: Der Große Wagen, der Orion und die Plejaden, die auch Siebengestirn genannt werden.

Der Große Wagen

Das bekannteste Sternbild überhaupt ist zweifelsohne der sehr figürliche Große Wagen, der eigentlich "Große Bärin" heißt. Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern 1. Größe, dafür aber 7 helle und leicht erkennbar angeordnete Sterne, von denen drei Sterne - der Deichselstern am Wagenkasten Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußerste Deichselstern Benetnash immerhin Helligkeiten heller als 2. Größe aufweisen und somit die erste Größe nur knapp verfehlen. Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" neben dem mittleren Deichselstern, von dem altgriechische Kulturen glaubten, er sei die fehlende 7.Plejade. Alioth bedeutet "Ziege", Dubhe bedeutet "Bär" und Benetnash bedeutet "Klageweiber".

Mit Ausnahme von Dubhe und Benetnash sind alle "inneren" Sterne des Großen Wagen ebenso wie der Augenprüfstern weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren; das ist kein Zufall, sondern sie sind alle Mitglieder des Bärenstromes, eines Sternhaufens, der an unserer Sonne vorüberzieht. Zu diesem Bärenstrom gehören erstaunlicherweise auch der Sirius und die Gemma (siehe 4. Rubrik), d.h. unsere Sonne ist momentan inmitten dieses Sternhaufens, gehört aber selber nicht dazu. - Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Der untere hintere Kastenstern heißt Merak, das bedeutet "Lende", der untere vordere Kastenstern heißt Pheka, das bedeutet "Schenkel" und der vordere obere Kastenstern heißt Megrez, das heißt "Anfügepunkt (des Schwanzes)". Der mittlere Deichselstern heisst Mizar, das bedeutet "Mantel". Auch der Augenprüfstern bei Mizar hat einen Namen, er heißt Alcor, das bedeutet "Reiterlein". Früher wurde dieser Stern bei uns auch "Fuchsstern" genannt; das ist aber nicht mit dem "Hundsstern", mit dem der hellste Fixstern Sirius bezeichnet wird, zu verwechseln.

Der Orion steht am Südosthimmel

Der Orion

Ebenfalls sehr bekannt ist das Sternbild des Orions: An seiner Schulter finden wir zwei helle Sterne, nämlich die berühmte Beteigeuze ("Schulter des Riesen"), ein Roter Riese im Abstand von über 400 Lichtjahren, sowie die etwas weniger helle Bellatrix ("Kriegerin"), ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Zwischen Schulter und Fuß sehen wir den aus Sternen 2. Größe und heller bestehenden sehr bekannten Oriongürtel. Am rechten Fuß des Orion, also diagonal gegenüber der Beteigeuze, steht der ebenso berühmte Stern Rigel; er ist einer der beiden Fußsterne des Orion: Rigel bedeutet "Fuß" und ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren; somit ist Rigel sogar einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße! - Noch größere Sterne sind übrigens Alnilam und Alnitak - der mittlere und der untere Stern des Oriongürtels; beide sind ebenfalls blau-weißliche Riesensterne, die rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt sind! - Ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel" und beide sind wie die Bellatrix Sterne beinahe erster Größe. Verbleiben noch zwei Sterne 2. Größe, nämlich der obere Gürtelstern Mintaka und der linke Fußstern Saiph: beide sind ebenfalls blau-weißliche Riesensterne im Abstand von fast 1000 Lichtjahren. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert".

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Die Plejaden

Die Plejaden, die auch Siebengestirn genannt werden, sind ein sehr bekannter Sternhaufen, der früher ein eigenes Sternbild inmitten des Sternbildes Stier war; bei guter Sicht ist er sehr schön zu sehen: Hier befinden sich auf engem Raum immerhin sechs Sterne 4. Größe oder heller, im Feldstecher kommt dieser Sternhaufen noch prächtiger zur Geltung. Die Plejaden sehen aus wie ein etwas schiefes Viereck, von dem unten ein Stiel abzweigt. Über dem oberen rechten Viereck-Stern befindet sich dann noch die sechste "helle" Plejade. Die Plejaden sind ein sehr junger Sternhaufen im Abstand von ca. 400 Lichtjahren; die Plejadensterne sind somit alle blauweißlich.

Hellster Plejadenstern ist die "Alcyone" am unteren linken Ende des Plejaden-Vierecks, die beinahe 2. Größe hell ist; der Stern schräg gegenüber heißt "Elektra" und ist ebenfalls recht bekannt. Oben links steht die "Maia" und unten neben der Alkyone steht die "Merope". Der zweithellste Plejadenstern ist der Stern am Ende des Stieles, er heißt "Atlas" und ist der Papa der Plejaden. "Taygeta" schließlich steht oberhalb der Maia.


Die Himmelsscheibe von Nebra, deren Sterngruppe in der Mitte oben als Plejaden interpretiert wird. Foto: Landesamt für Archäologie Sachsen-Anhalt.
Das sind aber nur 6 Sterne und schon zu Zeiten der alten Griechen wurde die Frage aufgeworfen, wo denn die siebte Plejade sei. Unter sehr günstigen Bedingungen sieht man 9 Plejaden, aber eben nicht sieben. Zur Zeit der alten Griechen gab es die Theorie, dass die 7. Plejade die "Elektra" sei, die aus lauter Trauer und Verzweiflung über den Heldentod ihres geliebten Sohnes ihre Schwestern verlassen habe. Ja, man wusste sogar, wohin sie gegangen ist: Tatsächlich gibt es einen weiteren sehr bekannten Stern 4. Größe, also in der Helligkeit eines typischen helleren Plejadensternes, und das ist der Augenprüfstern Alcor über dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Jene Theorie besagt nun also, dass die Elektra aus lauter Trauer ihre Schwestern verlassen habe und zum Großen Wagen gewandert sei und dort also neben dem mittleren Deichselstern stehe. Übrigens haben schon die alten Griechen diese hübsche Idee bezweifelt. Es ist bemerkenswert, dass auch auf der berühmten Sternscheibe von Nebra die Plejaden mit 7 Sternen dargestellt sind.

Somit haben wir nun also die 7 Sterne des Großen Wagens, die 7 Sterne des Orion sowie die 7 Sterne der Plejaden kennengelernt, von denen 6 im Sternhaufen der Plejaden und eine neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagens stehen.

4. Der Morgenhimmel im Januar

Im Winter wird es ja erst so spät hell, dass viele Menschen morgens noch im Dunkeln das Haus verlassen und zur Schule oder zur Arbeit gehen; deswegen will ich auch den Morgenhimmel kurz vor Sonnenaufgang vorstellen. Das Wintersechseck, das ja abends aufgeht, zieht die gesamte Nacht am Himmel weiter und am Morgen bereits zur Hälfte untergegangen; man sieht noch hoch am Westhimmel die Capella und Menkalinan im Fuhrmann, links von den beiden Castor und Pollux in den Zwillingen über dem auffällig hellen Planeten Mars und schon tief im Südwesten Procyon im Kleinen Hund. Die Kette der Andromeda befindet sich bereits tief oberhalb des Westhorizontes, wo einzig Alamak noch gut zu erkennen ist, auch der Perseus mit Mirfak und Algol auf halbem Wege Richtung Capella sind ebenso wie die Plejaden bereits tief in den Westen abgesunken.


Der Morgenhimmel im Januar

Wenn wir von Arktur in Richtung der Zwillinge gehen, sehen wir drei helle Sterne; der hellste von ihnen ist der Planet Saturn und die beiden anderen sind zwei Sterne des Sternbild Löwe; der untere und hellere ganz in der Nähe vom Saturn ist Regulus beim Herz des Löwen, ein Stern erster Größe; der obere heißt Algieba und markiert die Schulter des Löwen.

Der Große Wagen ist "rückwärts" wieder hinauf gewandert und steht nun auf dem Kopf; seine Deichsel weist zu einem hellen Stern: das ist Arktur, der hellste Stern der Nordhemisphäre und nächst gelegene Rote Riese. Wenn man diese Linie von der Deichsel des Großen Wagens über Arktur hinaus verlängert, gelangt man im Süden zur Spica, dem Hauptstern der Jungfrau. - Im Nordosten sehen wir die helle Wega; links unter ihr kann man bei guter Horizontsicht auch den Stern Deneb im Schwan erkennen. Oberhalb der Wega sieht man zwei Sterne des Sternbild des Drachen; der hellere der beiden heißt Ettanin.

Arktur ist ebenfalls Ausgangspunkt einer großen, nach Osten zeigenden Deichsel; der vordere Deichselstern ist die Gemma in der Nördlichen Krone; verlängert man diese größere Deichsel, kann man über dem Osthorizont bereits Ras Alhague im Schlangenträger funkeln sehen.

Auffallend im Osten kann man auch die sehr helle Venus bewundern, die zur Zeit alle anderen Sterne am Himmel bei weitem überstrahlt.

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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