Sternenhimmel im Juli 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im Juli wird der Sternhimmel hochsommerlich und wird von den beiden hellen Sternen Arktur und die Wega beherrscht. Hoch im Osten kann man das Sommerdreieck sehen. Im Süden kann man sehr schön das Sternbild des Skorpions erkennen.

Der Große Wagen senkt sich nun wieder rückwärts links neben dem Polarstern herab, während die W-förmige Cassiopeia unter dem Polarstern durchgezogen ist und rechts vom Polarstern wieder höher zieht.

Nach Sonnenuntergang kann man halbhoch im Westen die helle
Venus als Abendstern bewundern. In der ersten Monatshälfte sind östlich von ihr zunächst der Mars und etwas weiter östlich auch der Saturn erkennbar.

In der Nacht des 8. auf den 9.Juli kommt es in einigen Teilen Europas zwischen 23:57 Uhr und 0:01 Uhr Sommerzeit zu einer von bloßem Auge beobachtbaren totalen Sternbedeckung durch einen Planetoiden. Der etwa 50 km breite Totalitätsstreifen verläuft auf der Linie Malmö - Hamburg - Köln - Bordeaux; die Bedeckung dauert allerdings nur 5 Sekunden. Es hat also den Anschein, als würde dieser Stern einfach für einige Sekunden ausgeschaltet. Dieser Stern des Schlangenträgers steht prominent im "Himmelslineal" und wird in der Unterrubrik 2.3 näher beschrieben. Aktuelle Informationen finden sich hier:


Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im Juli mit Blickrichtung Südosten.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht links neben dem Polarstern. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts oben verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man im Nordosten zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von rechts.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 2. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" neben dem mittleren Deichselstern, von dem altgriechische Kulturen glaubten, er sei die fehlende 7. Plejade. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar. - Für den Namen Dubhe gibt es eine hübsche Merkregel aus den Vereinigten Staaten, weil man diesen Stern auf englisch "Dubih" ausspricht: Frank Sinatra tanzt mit der Großen Bärin um den Polarstern und singt "Dubi Dubi Dubi".

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber" und der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Alioth und Mizar sind ebenso wie der Augenprüfstern weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren; Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der Hauptstern der Cassiopeia, Schedir, bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.


Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen nach unten, also senkrecht zur Krümmung, geht, gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

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2.2 Frühlingssterne: Arktur, Spica die Nördliche Krone und Ras Alhague

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man in der ersten Monatshälfte die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Wer in Südeuropa in den Ferien verweilt, kann die Spica noch den gesamten Monat sehen, weil dort die Sonne etwas früher untergeht.

So lassen sich die Sterne, ausgehend vom Bärenhüter über eine drachenförmige Figur zur Schlange und zum Schlangenträger hin, finden. Die animierte Grafik öffnet sich beim Klick auf das Bild!
Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun über Arktur steht, ist der zweithellste Bootes-Stern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

2.3 Schlange, Schlangenträger und Antares (Skorpion)

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette nach Süden, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Auch Sabik ist ein Stern 2.Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der andere, Yed Prior - das bedeutet "erstere Hand", ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt. Sein Nachbarstern, Yed Posterior - das bedeutet "die folgende Hand", ist ein Stern 3. Größe und wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Der hellere der beiden, also Yed Prior, wird in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli von einem Planetoiden totalverfinstert, und wer in der Totalitätszone wohnt, kann ja einmal versuchen, das Ereignis zu beobachten.

Bei guter Südsicht kann man links unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, der Hauptstern des Skorpion, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Das sehr schöne Sternbild des Skorpion wird in diesem Monat in der 3.Rubrik näher vorgestellt.

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2.4 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Das Sternbild der Leier
Hoch im Osten sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

Der "herabstoßende Adler" Wega ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne im wesentlichen den Leierkasten bilden und wie ein Parallelogramm neben der Wega aussehen. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe; es sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren.

Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen.

Der Wega-nähere Stern epsilon(2) Lyrae ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren, der andere, epsilon(1) Lyrae, ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne sind zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren. Diese Sterne haben 4. Größe.

Der Schwan scheint über den Himmel nach rechts zu fliegen
Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.5. Die Große Bärin

2.5.1 Der Große Wagen (weiter Sterne)

Das bekannteste Sternbild überhaupt ist zweifelsohne der sehr figürliche Große Wagen; genau genommen bilden die Wagensterne kein eigenes Sternbild, sondern sind ein Teil eines umfassenderen Sternbildes, welches "Große Bärin" heißt. Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern 1. Größe, dafür aber sieben helle und leicht erkennbar angeordnete Sterne, von denen drei Sterne immerhin beinahe 1. Größe erreichen und somit dieselbe Helligkeit wie zahlreiche der hellen Wintersterne haben. Die Helligkeit dieser drei Wagensterne wird meistens unterschätzt. Sie wurden ebenso wie der mittlere Deichselstern Mizar bereits zu Beginn der 2. Rubrik im Text vorgestellt.

Die drei übrigen Wagensterne sind gerade noch 2. Größe (Merak und Phekda) sowie 3. Größe (Megrez). Merak ist der untere hintere Kastenstern heißt Merak, sein Name bedeutet "Lende". Der untere vordere Kastenstern heißt Phekda, das bedeutet "Schenkel" und der vordere obere Kastenstern heißt Megrez, das heißt "Anfügepunkt (des Schwanzes)". Der Augenprüfstern Alcor wird manchmal mit "der Schwache" übersetzt, was aber sprachwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Wahrscheinlicher ist, dass Alcor eine Nebenform von Alioth ist, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alcor für den Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet; früher nannte man ihn auch "Fuchsstern"; das erinnert an den "Hundsstern", mit dem der hellste Fixstern Sirius bezeichnet wird.

Merak, Phekda und Megrez sind weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

2.5.2 Weitere Sterne der Großen Bärin: Die Sprünge der Gazelle

Das komplette Sternbild der Großen Bärin.
Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares, die man aber nur noch bei guter Sicht in der ersten Monatshälfte oder in den Ferien in Südeuropa sehen kann. Die beiden heißen Alula Borealis und Alula Australis, das bedeutet "1. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Die beiden anderen Sternpaare stehen unterhalb des Wagenkastens. Das zweite Sternpaar besteht aus Tania Borealis und Tania Australis, das bedeutet "2. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Das dritte Sternpaar schließlich besteht aus Talitha Borealis und Talitha Australis, das bedeutet "3. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne erreichen 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom 3. Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Beide Sterne sind etwas heller als der schwächste Wagenstern Megrez: Tania Australis vom zweiten Gazellensprung ist der achthellste Stern der Großen Bärin und Talitha Borealis vom dritten Gazellensprung ist der neunthellste Stern. Sie würden figürlich die Hintertatze und die Vordertatze der Großen Bärin darstellen.

2.5.3 Weitere helle "Körpersterne" der Großen Bärin

Der hellste Bärenstern, der nicht im Wagen steht, ist der siebthellste Stern des Sternbildes, psi Ursae Maioris; man findet ihn sehr einfach in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne nach unten. Psi Ursae Maioris ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren.

Man findet im Sternbild der Großen Bärin noch weitere Sterne mit figürlichen Eigennamen: Al Haud bedeutet "Becken" und Muscida bedeutet "Hundeschnauze". Al Haud, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, ist ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 44 Lichtjahren und Muscida wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von 184 Lichtjahren.

Al Haud findet man, indem man von der Deichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurchgeht und dann noch eineinhalb mal weitergeht, und Muscida findet man in knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach hinten, also weg von der Deichsel.

2.6 Die kleine Polarsternregel und weiter zur Wega in der Leier

Die helle Wega kann man bei guten Sichtbedingungen ganz hübsch via Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen finden. Dabei geht man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen einfach nach rechts:

Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen - das ist Pherkad - gelangt man zu einem Stern namens Eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren und eta Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Folgt man nun dem Bogen, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis in dreifacher Verlängerung dieser hinteren Kastensterne aufgespannt wird, so gelangt man zu Ettanin und Alwaid, die den Kopf des Drachen bilden; sie sind die Botensterne der hellen Wega. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleich viel weiter zur hellen Wega in der Leier.

3 Sternbild des Monats: Der Skorpion

Das Sternbild Skorpion am südlichen Himmel im Juli
Bei guter Südsicht kann man links unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Antares markiert die Stelle des Herzens des Skorpions und steht an der mittleren Stelle der unteren Dreiergruppe. Sein ursprünglicher arabischer Name ist auch Calb-al-akrab, das bedeutet "Herz des Skorpion".

Leider steht der Skorpion in unseren Breiten sehr südlich und meist kann man nur den vorderen Teil des Skorpions mit seinem tiefroten Hauptstern Antares sehen. Dieser vordere Teil des Skorpion besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen. Man kann sich also vorstellen, dass sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren - das sind die vorderen drei Sterne - und der vordere Teil seines Körpers - das sind die unteren drei Sterne - zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander.

Die vordere Dreiergruppe enthält zwei Sterne zweiter Größe, nämlich Akrab, der obere Stern sowie die Dschubba, der mittlere Stern. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab.

Der untere Stern der vorderen Dreiergruppe, pi Scorpii, ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

In der unteren Dreiergruppe haben beide Nachbarsterne von Antares den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Riesensterne; der linke im Abstand von 430 Lichtjahren, der rechte knapp doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren.

Zahlreiche Menschen gehen im Sommer nach Südeuropa in die Ferien, und da bietet sich schon ein viel beeindruckender Anblick dieses schönen Sternbildes. In Südeuropa genügt es, nach Süden zu schauen, da kann man den Skorpion problemlos halbhoch am Himmel erkennen: Die beiden zuvor beschriebenen, senkrecht zueinander stehenden, engeren Dreiergruppen bilden die vorderen Scheren mit Akrab und Dschubba sowie den Leib des Skorpion mit Antares beim Herz des Skorpion. In Fortsetzung der unteren Dreiergruppe kann man den körpernächsten Schwanzstern epsilon Scorpii, der manchmal Wei genannt wird, sowie ungefähr nochmals so weit entfernt den hintersten Schwanzstern Shaula, der beinahe erste Größe erreicht, tief am Himmel erkennen. Wei ist ein Roter Riese 2. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren, die Shaula ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Shaula bedeutet der Mythologie entsprechend "erhobener Schwanz (des Skorpion)".

Unterhalb von Wei und Shaula befindet sich der gebogene Schwanz um den Stern Sargas, der ebenfalls beinahe erste Größe erreicht. Sargas steht am unteren Ende der Schwanzkrümmung und ist auch von Südeuropa nur bei sehr guter Südsicht tief am Horizont zu erkennen; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Von Sargas aus windet sich der Schwanz des Skorpion wieder hinauf zur Shaula.

Gemäss der Mythologie hat Artemis, die Göttin der Jagd, dem Skorpion befohlen, den berühmten Jäger Orion zu töten, weil sich dieser mit seinem Vorsatz, alle wilden Tiere und Ungeheuer zu erlegen, ihren Zorn zugezogen hat. Anderen Quellen zufolge war es Hera, Gattin des Zeus, die Orion durch den Skorpion töten ließ, da er sich mit Merope, einer der Plejaden, eingelassen hatte.

Der Orion und der Skorpion wurden so weit wie möglich voneinander entfernt an den Himmel gesetzt, um sich dort nie zu begegnen: Wenn der Skorpion aufgeht, geht der Orion unter und umgekehrt.

4. Feldstecherobjekt: Kugelsternhaufen M13 im Sternbild des Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, das nur drei Sterne heller als 3. Größe aufweist und somit insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algehti steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3.Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi; er ist ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der vierten Ecke dieses Trapezes von eta Herculi befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht.

Nun ist es nicht mehr schwer, in diesem trapezartigen Viereck den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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