Sternenhimmel im Juli 2011


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Die Sonnenuntergänge verfrühen sich im Juli wieder, so dass der Sternenhimmel weitgehend in Ruhe erscheint, allderings ist das schöne Sternbild des Löwen, weit nach Westen gerückt und wird sich im Verlaufe des Juli von der Himmelsbühne verabschieden, so dass nur noch sein Schwänzchen Denebola gut erkennbar ist. Hoch im Südwesten kann man den hellen Arktur, den Ringplaneten
Saturn und die Spica sowie im Osten das Sommerdreieck mit der hellen Wega, die nun von Arktur die Rolle des hellsten Fixsterns am Abendhimmel übernommen hat, sehen. Im Süden kann man bei guter Horizontsicht das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpions mit Antares bewundern.

Der Große Wagen zieht wieder rückwärts hinunter und steht links neben dem Polarstern. Die W-förmige Cassiopeia hat ihren tiefsten Stand durchschritten und steht nun rechts unter dem Polarstern hoch über dem Nordosthorizont.


Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im Juli mit Blickrichtung Südosten.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht links neben dem Polarstern. Diesen findet man, indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts verlängert. Der Polarstern steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auch die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash "Klageweiber"; der mittlere Deichselstern Mizar "Mantel".

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, der vordere untere Kastenstern heißt Phekda. Merak bedeutet "Lende", Phekda bedeutet "Schenkel". Der 7. Wagenstern heißt Megrez und erreicht 3. Größe, das ist der vordere obere Kastenstern. Megrez bedeutet "Anfügepunkt (des Schwanzes)". Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" Alcor neben dem mittleren Deichselstern; Alcor ist eine Nebenform von Alioth, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alcor für den Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet.

Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; die übrigen Sterne des Großen Wagen sind ebenso wie der Augenprüfstern neben Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".


Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens"; er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Sei noch Pherkad, der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, genannt: er ist ein weißlicher Stern 3.Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber".

-> mehr über Sternfarben und Sterntypen

2.2 Arktur, Spica, Denebola und weitere Frühlingssterne

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man hoch im Süden zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält", sein heute nicht mehr verwendeter arabische Name lautet Alramech, das bedeutet "der Lanzenbewaffnete". Arktur ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren und der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Wagendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Sie steht derzeit links vom Ringplaneten Saturn. Der arabische Name der Spica lautet Azimech, das bedeutet "die beiden, die hoch sind" - gemeint sind Arktur und Spica.

Bildet man von Arktur und Spica ein weitläufiges Dreieck nach Osten, so steht in der östlichen Ecke der Schwanzstern Denebola des Löwen. Denebola bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)". Im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links oberhalb von Arktur steht, ist der zweithellste Stern des Bärenhüters, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. . Beide erreichen 2. Größe. Mirak bedeutet "Umhang" und ist wie Arktur ein Roter Riese, über sechsmal weiter entfernt im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Hoch im Osten kann man in Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Schlangenträger und Schlange

In weiterer Verlängerung über Ras Alhague hinaus gelangt man etwas rechts zunächst zu einem Stern beinahe zweiter Größe im Schlangenträger namens Cebalrai, das bedeutet "Schäferhund"; er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 100 Lichtjahren, und schließlich, doppelt so weit entfernt, zu einem Stern 3. Größe, das ist nue Ophiuchi. Sei noch der gleich helle Stern kappa Ophiuchi genannt, der mit Ras Alhague und Cebalrai ein beinahe gleichseitiges Dreieck bildet und der westlich von Cebalrai steht. Nue und kappa Ophiuchi sind beide Rote Riesen, ersterer im Abstand von 150 Lichtjahren und zweiterer im Abstand von 90 Lichtjahren.

Der dritthellste Stern des Bärenhüters ist Muphrid neben Arktur und steht ungefähr senkrecht zur Deichsel Arktur - Mirak - Gemma, das ist derzeit schräg rechts unterhalb von Arktur. Muphrid heißt "der Einzelne" und ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von knapp 40 Lichtjahren. Die Übersetzung "der Einzelne" überrascht für einen Stern, der in der Nähe eines der hellsten Fixsterne überhaupt steht, und tatsächlich kommt Muphrid von "der einzelne Stern des Lanzenbewaffneten". Im Arabischen wurden Arktur und Spica als as-simak bezeichnet; das sind die beiden "Simak", was mit "die beiden, die hoch stehen" übersetzt wird. Wenig überraschend hat man zwischen diesen beiden Sternen, also zwischen Arktur und der Spica, unterscheiden wollen und ihnen deswegen noch ein Attribut beigestellt; Arktur wurde Alramech genannt, das bedeutet "der lanzenbewaffnete (Simak)" - deswegen, weil er in einer Gruppe von helleren Sternen steht - und die Spica wurde Azimech genannt, das ist "der (unbewaffnete) Simak", weil in ihrer Nähe eben keine so hellen Sterne stehen. Arktur war also "der Lanzenbewaffnete" und Muphrid ist "der einzelne Stern des Lanzenbewaffneten", also der einzelne Stern von Arktur. In mittelalterlichen Darstellungen des Bärenhüters sieht man deswegen oft, dass dieser eine Lanze in der Hand hält. Zum vierthellsten Bärenhüterstern Ceginus gelangt man, wenn man von der Deichsel des Großen Wagen ausgehend den Bärenhüter erreicht. Ceginus ist ein Stern 3. Größe, sein Name ist die lateinisierte Form des Sternbildnamens Bärenhüter, der im griechischen Theguius heißt. Ceginus ist ein weißlicher Stern im Abstand von 85 Lichtjahren. Biegt man von Arktur über Mirak nicht zur Gemma ab, sondern geht gleichviel weiter, so gelangt man zu delta Bootis; dieser ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren. 30 Lichtjahre weiter entfernt ist Nekkar, der an der Spitze des Bärenhüters steht, also oberhalb zwischen Ceginus und delta Bootis. Auch er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Nekkar stammt von al-baqqar und bedeutet "Ochsentreiber". Rho Bootis schließlich erreicht gerade noch 3. Größe; er steht neben Mirak auf der Ceginus-Seite des Bärenhüters. Rho Bootis ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren, also gleichweit entfernt wie Nekkar.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen senkrecht zur Krümmung geht, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

2.3 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Das Sternbild der Leier
Im Osten sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 25 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler". Sie ist derzeit der hellste Stern am Abendhimmel. - Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3'000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger, den Stern, auf den die Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel zeigt.

Der "herabstoßende Adler" Wega ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne nicht sehr auffällig sind und im wesentlichen den Leierkasten bilden und wie ein Parallelogramm neben der Wega aussehen. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe: das sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren. - Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne erreichen nur 4. Größe: das sind zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite, sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren.

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern 3. Größe namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man dann noch drei weitere Sterne an den Flügelschwingen des Schwanes. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah und ist der dritthellste Stern des Sternbildes. Er ist wie Arktur ein Roter Riese, aber mit gut 70 Lichtjahren rund doppelt so weit von
Der Adler
uns entfernt. Der erste Stern des linken Flügels ist delta Cygni; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Das Ende der Flügelschwinge des rechten Flügels, also jenseits von Gienah, wird von zeta Cygni markiert, einem wie unsere Sonne gelben Stern im Abstand von 200 Lichtjahren. Er erreicht 3. Größe. An der linken Flügelschwinge des Schwanes stehen zwei gleich helle Sterne beinahe 3. Größe; der innere ist tau Cygni, der äußere iota Cygni. Tau Cygni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren, iota Cygni ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke" und ist ein Stern beinahe 3. Größe.

2.4 Schlange, Schlangenträger sowie die nördlichen Teile des Schützen

Im Süden kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Sabik ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren und wird manchmal Han genannt. Der andere, Yed Prior - das bedeutet "erstere Hand", ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt. Sein Nachbarstern ist Yed Posterior, ein Stern 3. Größe; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren und bedeutet "nachfolgende Hand". - Gleich nach Unuk sieht man epsilon Serpenti; er ist ein weißlicher Stern beinahe 3. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren. Auf der anderen Seite von Unuk, rund doppelt so weit entfernt, steht delta Serpentis am Anfang des Himmelslineals; er ist ein echter Doppelstern zweier weißgelblicher Sterne im Abstand von gut 200 Lichtjahren, die vierte Größe erreichen.

Verlängert man das Himmelslineal über Sabik hinaus, so gelangt man zu den nördlichen Teilen des Sternbildes des Schützen. Zunächst erreicht man in doppelter Verlängerung von Han über Sabik hinaus einen Stern beinahe 2. Größe namens Kaus Borealis und dann in dreifacher Verlängerung von Han über Sabik hinaus den Stern Nunki, der 2. Größe erreicht. Etwas links oberhalb von Nunki, in Richtung des Adlersternes Atair, steht der Stern Albalda, der wie Kaus Borealis die zweite Größe nur knapp verfehlt.

Kaus Borealis heißt "nördlicher Stern des Bogens" und ist ein Roter Riese im Abstand von 80 Lichtjahren, Nunki bedeutet "göttlicher Ort der Erde" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 220 Lichtjahren und Albalda links oberhalb in Richtung Atair bedeutet "Axt"; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 450 Lichtjahren.

Jungfrau und Bärenhüter

2.5 Die übrigen Sterne der Jungfrau

Wie vorher gesehen gelangt man zur Spica, indem man die Deichsel des Großen Wagen über Arktur hinaus weiterverlängert. Die übrigen Sterne der Jungfrau sind nicht so hell; die Jungfrau hat nur noch vier weitere Sterne 3. Größe. Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Zudem befindet sich ein weiterer Stern etwas östlich der Spica. Die drei Sterne dieser Deichsel über der Spica sind von oben gezählt Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Zur Zeit steht der Ringplanet Saturn in der Nähe der Porrima. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des arabischen Namens Almuredin,was "der dem Weinleser Vorangehende" bedeutet. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "Der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italienischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt.

Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zur Minelauva; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren.

2.6 Das Sternbild des Skorpions

Rechts unterhalb vom Ende des "Himmelslineals" kann man einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Antares markiert die Stelle des Herzens des Skorpions und steht an der mittleren Stelle der unteren Dreiergruppe, sein ursprünglicher arabischer Name ist Calb-al-akrab, das bedeutet "Herz des Skorpion".

Leider steht der Skorpion in unseren Breiten sehr südlich und meist kann man nur den vorderen Teil des Skorpions mit seinem tiefroten Hauptstern Antares sehen. Dieser vordere Teil des Skorpion besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden engeren deichselförmigen Dreiergruppen. Man kann sich also vorstellen, dass sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren - das sind die vorderen drei Sterne - und der vordere Teil seines Körpers - das sind die unteren drei Sterne - zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander.

Die beiden oberen Sterne der vorderen Dreiergruppe, Akrab und Dschubba, erreichen zweite Größe. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab.

- Der untere Stern der vorderen Dreiergruppe, pi Scorpii, ist ein blauweißlicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von gut 450 Lichtjahren.

In der unteren Dreiergruppe haben beide Nachbarsterne von Antares den Namen Alniyat, das bedeutet "Schutz des Herzen (des Skorpion)" - das Herz wird ja von Antares dargestellt. Beide "Schutzsterne" sind blauweißliche Sterne; der linke tau Scorpii im Abstand von 430 Lichtjahren und der rechte sigma Scorpii fast doppelt so weit im Abstand von rund 700 Lichtjahren.

Zwischen Antares und dem vorderen, also oberen "Schutzstern" kann man geringfügig unter diesen beiden Sternen den Kugelsternhaufen M4 sehen. Dieser ist nur 7500 Lichtjahre entfernt und somit der nächstgelegene Kugelsternhaufen. Leider ist er für Beobachter in Mitteleuropa wegen seiner südlichen Lage eher unattraktiv, kann aber mit einem starken Feldstecher bei guter Südsicht oder bei Ferien in Südeuropa einfach aufgefunden werden.

In Südeuropa bietet sich schon ein viel eindrucksvollerer Anblick dieses schönen Sternbildes: dort genügt es, nach Süden zu schauen, da kann man den Skorpion problemlos am Himmel erkennen: Die beiden zuvor beschriebenen senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen bilden die vorderen Scheren mit Akrab und Dschubba sowie den Leib des Skorpion mit Antares beim Herz des Skorpion. In Fortsetzung der unteren Dreiergruppe kann man den körpernächsten Schwanzstern epsilon Scorpii, der manchmal Wei genannt wird, sowie ungefähr nochmals so weit entfernt etwas oberhalb der Verbindungslinie den hintersten Schwanzstern Shaula, der beinahe erste Größe erreicht, halbhoch am Himmel erkennen. Unterhalb dieser beiden Sternen windet sich der mächtige Schwanz des Skorpion. Wei ist ein Roter Riese 2. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren und die Shaula ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Shaula bedeutet "erhobener Schwanz (des Skorpion)". Unmittelbar rechts neben der Shaula kann man einen Stern beinahe 2. Größe erkennen, das ist der Stern Lesath, ein blauweißlicher Stern, rund 200 Lichtjahre näher als die Shaula. Lesath bedeutet "Stich eines giftigen Tieres". Bei sehr guter Südsicht kann man unter den beiden und links neben ihnen ebenfalls je einen Stern erkennen. Der Stern unter ihnen heißt Girtab, ein Stern gerade noch 2. Größe, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von rund 500 Lichtjahren. Girtab ist die sumerische Bezeichnung für Skorpion. Der Stern links neben Shaula und Lesath ist der Stern G Scorpii, er erreicht 3. Größe und ist ein Roter Riese im Abstand von 130 Lichtjahren.

Unterhalb von Wei und Shaula befindet sich der gebogene Schwanz um den Stern Sargas, der ebenfalls beinahe erste Größe erreicht. Sargas steht am unteren Ende der Schwanzkrümmung und ist auch von Südeuropa nur bei sehr guter Südsicht tief am Horizont zu erkennen; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Von Sargas aus windet sich der Schwanz des Skorpion wieder hinauf, ehe er Girtab und dann Shaula und Lesath erreicht.

Folgt man der Linie des Skorpion von Antares und seinen beiden Schutzsternen weiter über Wei hinaus, so folgt im Schwanz des Skorpions zunächst der Stern mue Scorpii, der ein optischer Doppelstern eines Sternes 3. und eines Sternes gerade noch 3. Größe ist; beide sind blauweißliche Sterne; der rechte und hellere im Abstand von über 800 Lichtjahren, der linke im Abstand von gut 500 Lichtjahren. Der nächste Stern ist dann zeta Scorpii, ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Er erreicht beinahe 3. Größe. Hier biegt der Schwanz des Skorpion nun nach Osten ab zu eta Scorpii, einem weißgelblichen Stern 3. Größe im Abstand von 72 Lichtjahren. Dann folgt Sargas, ehe sich der Schwanz wieder nach oben windet. Zunächst kommt iota Scorpii, ein weit entfernter weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 2000 Lichtjahren, und dann Girtab. Nun zweigt sich der Schwanz auf - nach rechts gelangt man zu Shaula und Lesath, nach links zu G Scorpii.

2.7 Der Weg vom Kleinen Wagen durch den Drachen zur hellen Wega

"Kleine Polarsternregel", die Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Am einfachsten gelangt man zur hellen Wega in der Leier, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen, die zwischen dem Polarstern und der Deichsel des Großen Wagen stehen, ausgeht: In nur dreifacher Verlängerung von Kochab zu Pherkad, also vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen, steht ein Stern beinahe 2. Größe namens eta Draconis, er ist der zweithellste Stern des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts unten, ab, so kann man in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren. Aldhibah erreicht 3.Größe und bedeutet "die beiden Wölfe", womit er sowie eta Draconis, der hellere der beiden, gemeint sind.

Geht man nun von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von den beiden Wölfen eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleich weit, so gelangt man zu zwei Sternen 2. und beinahe 2. Größe. Der linke ist der hellste Stern des Sternbildes des Drachen und heißt Ettanin, der rechte heißt Alwaid. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer", Alwaid ein wie unsere Sonne gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Alwaid bedeutet "die Kamelmütter, die ihre 7 Tagen alten Jungen bei sich haben"; gemeint ist hiermit die Sterngruppe, zu der auch Ettanin gehört. Alwaid ist der dritthellste Stern des Drachen. Beide Sterne stehen im Kopf des Drachen und gemäß der Mythologie starrt der Drache den benachbarten Herkules mit zwei verschiedenfarbigen Augen an: Ettanin ist ein Roter Riese und Alwaid ein gelblicher Stern. Es ist bemerkenswert, dass damals die Luft so rein war, dass man sogar noch die Farbe dieser beiden Sternen erahnen konnte.

Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

Der Drache hat noch zwei weitere Sterne 3. Größe: Den vierthellsten Drachenstern Al Tais findet man sehr einfach in der doppelten Verlängerung von eta Draconis über Aldhibah. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Geht man diese Verlängerung gleichviel weiter, so gelangt man zu einem Stern 2. Größe, das ist Alderamin, der Hauptstern des Andromedavaters Kepheus. Alderamin bedeutet "rechter Arm", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Links neben Alderamin steht Alfirk, ein weiterer Stern 3. Größe des Kepheus. Dieser ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde" und bildet mit Al Tais und Alderamin ein rechtwinkliges Dreieck.

Wie Al Tais ebenfalls 100 Lichtjahre entfernt ist der Stern Edasich auf der anderen Seite von eta Draconis als Aldhibah; er ist ein Roter Riese. Al Tais bedeutet "Ziegenbock" und Edasich bedeutet "Hyäne"; Hyänen gehören ja ebenso wie die Wölfe zu den Raubtieren, die sich in der Nähe von Kamelen herumtreiben.

2.8 Die Sprünge der Gazelle und weitere Körpersterne der Großen Bärin

Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares. Diese drei Gazellensprünge heißen ihrer Reihenfolge nach Alula, Tania und Talitha, wobei der nördliche Stern des jeweiligen Sprunges mit "Borealis" und der südliche Stern mit "Australis" bezeichnet wird.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne haben 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom dritten Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren.

Figürlich kann man nun unterhalb des Wagens sehr schön die Hinter- und die Vordertatze der Großen Bärin sehen, die aus je drei Sternen bestehen und deren Krallen vom mittleren und vom dritten Gazellensprung dargestellt werden. Der Fersenstern der Hintertatze wird von psi Ursae Maioris gebildet; man findet ihn in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne aus Sicht des Wagenkastens nach unten. Psi Ursae Maioris ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren, er ist der siebthellste und Tania Australis der achthellste Stern der Großen Bärin.

Ganz ähnlich gestaltet sich die Situation an der Vordertatze: Hier wird der Fersenstern von Al Haud gebildet. Diesen Stern findet man, indem man von der Deichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurch und dann noch eineinhalb mal weitergeht. Dieser Stern, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, ist ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 44 Lichtjahren. Talitha Borealis ist der neunthellste Stern der Großen Bärin und Al Haud ihr zehnthellster Stern. Al Haud bedeutet "Becken", was ein etwas befremdlicher Name für einen Stern ist, der figürlich an einem Vorderfuß steht. Sein anderer Name Sarir entstammt einer anderen Mythologie und bedeutet "Thron".

Verbleibt noch der Stern Muscida am Kopf der Großen Bärin, den man in knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach hinten, also weg von der Deichsel, findet. Muscida bedeutet "Hundeschnauze" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von 184 Lichtjahren. Von bloßem Auge ist Muscida gleich hell wie der schwächste Wagenstern Megrez.

Drei weitere Gazellensprung-Sterne erreichen ebenfalls gerade noch 3. Größe, das sind Tania Borealis vom zweiten Gazellensprung, Alula Borealis vom ersten Gazellensprung sowie Talitha Australis vom dritten Gazellensprung. Ersterer ist ein weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, zweiterer ein Roter Riese im Abstand von 420 Lichtjahren und dritterer ein weißlicher Stern ebenfalls im Abstand von 420 Lichtjahren. - Verbleibt noch Alula Australis vom ersten Gazellensprung; hier umkreisen zwei gelbe Sterne einander. Alula Australis ist knapp 30 Lichtjahre von uns entfernt. Das ist eine ganz analoge Situation wie beim Jungfraustern Porrima. Alula Australis erreicht beinahe 3. Größe.

2.9. Das Sternbild der Waage

Das Sternbild der Waage und ihr weiteres Umfeld zur Orientierung, In der vergrößerten Darstellung sind alle beschriebenen Sterne bezeichnet.
Das Sternbild der Waage befindet sich im Tierkreis zwischen der Jungfrau und dem Skorpion, senkrecht rechts der Mitte des Himmelslineals und ist trotz zweier Sterne beinahe 2.Größe eher unauffällig. Diese beiden Sterne gehören neben Akrab und Dschubba im Skorpion immerhin zu den vier hellsten Sternen im Areal zwischen Antares und der Spica; dazu kommt ein Stern dritter Größe. Die übrigen Sterne kann man nur bei sehr guter Südsicht erkennen. Meistens sieht man nur drei Sterne, die man als Aufhängepunkt und als die beiden Waagebalken interpretieren kann. Fast alle Sterne dieses Sternbildes haben Körperbezeichnungen der beiden Klauen des Skorpions.

Der hellste Waagestern ist der obere Stern Zuben-el-schemali, er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 120 Lichtjahren. Von bloßem Auge gleich hell steht rechts unter ihm, in Richtung der Jungfrau eingerückt, der mittlere Stern Zuben-el-genubi; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 77 Lichtjahren. Zuben-el-schemali bedeutet "die nördliche Klaue (des Skorpions)", Zuben-el-genubi bedeutet "die südliche Klaue (des Skorpions)". Er steht ungefähr in der Mitte zwischen der Spica und Antares.

Der untere Waagestern ist Brachium, er ist ein Roter Riese 3. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren. Brachium bedeutet "Arm". Dieser Stern gehörte bis zur endgültigen Festlegung der Sternbildgrenzen im Jahre 1930 durch die Internationale Astronomische Union zum Sternbild des Skorpion und hatte die Bezeichnung gamma Scorpii.

Die übrigen Sterne des Sternbildes der Waage kann man nur bei sehr guter Südsicht erkennen. Drei Sterne verfehlen die 3. Größe nur knapp; man findet sie, indem man sich die Waage als Haus vorstellt, bei dem die drei hellsten Waagesterne Zuben-el-schemali, Zuben-el-genubi und Brachium das Hausdach bilden. Dann befinden sich diese drei Sterne am Boden der beiden Hauskanten: upsilon Libri und tau Libri nebeneinander am Boden der rechten Hauskante und theta Libri am Boden der linken Hauskante. Upsilon Libri, der innere der beiden Sterne am Boden der rechten Hauskante, ist ein Roter Riese im Abstand von rund 150 Lichtjahren und tau Libri, der äußere, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 400 Lichtjahren. Theta Libri am Boden der linken Hauskante ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren.

Upsilon und tau Libri stehen zwischen Brachium und pi Scorpii, dem unteren Stern der vorderen Dreiergruppe des Skorpion, näher an pi Scorpii und etwas nach unten eingerückt. Theta Libri steht zwischen der nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali und Akrab im Skorpion, etwas näher an Akrab.

Sei noch ein Stern 4. Größe zwischen theta Libri und der nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali genannt: er heißt Zuben-el-Akrab und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Zuben-el-Akrab bedeutet "die Klaue des Skorpions". Geht man also von Akrab am oberen Ende der vorderen Skorpion-Dreiergruppe zur nördlichen Skorpionklaue Zuben-el-schemali, so gelangt man nach rund einem Drittel der Strecke zunächst zu theta Libri und dann zu Zuben-el-Akrab. Historisch bildeten die nördliche Skorpionklaue Zuben-el-schemali und Zuben-el-Akrab, vermutlich auch theta Libri, die nördliche Schere des Skorpions und die südliche Skorpionklaue Zuben-el-genubi, upsilon und tau Libri sowie Brachium die südliche Schere des Skorpions.

3 Das Sternbild des Monats: Der Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, das aber nur zwei Sterne beinahe 2. Größe aufweist und so insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzen Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefäht in der Mitte am hellsten Herkules-Stern Rutikulus vorbei. Gehen wir nun in Richtung Wega, so sieht man ein fast gleichseitiges Dreieck, dessen untere Spitze in Rutikulus liegt und dessen Kantenlänge rund ein Drittel des Abstandes zur Wega beträgt. Der linke Stern des gleichseitigen Dreiecks heißt Sarin, der rechte ist der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi, der gleich hell ist wie Rutikulus.

Bildliche Darstellung des Herkules. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Rutikulus heißt "Achselhöhle" und sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren und Sarin ein weißlicher Stern 3.Größe im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Der Hauptstern des Herkules ist Ras Algethi; er ist ein Stern 3. Größe und steht ganz in der Nähe von Ras Alhague: Man erreicht ihn von Arktur, Mirak und Gemma ausgehend kurz ehe man Ras Alhague erreicht. Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden", da der Herkules meist als kniender Held dargestellt wird; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Ras Algethi bildet mit Rutikulus und Sarin an der Spitze ein etwas schiefes Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Zum zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi gelangt man auch, indem man Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin spiegelt. Zeta Herculi steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi. und erreicht gerade noch 3. Größe. In der vierten Ecke dieses Trapezes befindet sich ein schwächerer Stern gerade noch 4. Größe, das ist epsilon Herculi. - Pi Herculi ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, eta Herculi wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren und epsilon Herculi ist ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

In diesem trapezartigen Viereck kann man den bekannten Kugelsternhaufen M13 finden: geht man von Rutikulus am zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13. Er ist ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck mit zeta und pi Herculi sowie den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht.

Verlängern wir jetzt etwa dreimal die kürzere Kante der unteren Trapezsterne nach links, also vom zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi nach epsilon Herculi, so gelangen wir zu einem weiteren Herkulesstern 3. Größe namens mue Herculi. Dieser ist wie unsere Sonne und zeta Herculi ein gelber Stern, ebenfalls im Abstand von rund 30 Lichtjahren. Mue Herculi kann man auch finden, indem man vom hellsten Herkulesstern Rutikulus an Sarin vorbei ungefähr gleichviel weitergeht. Nun betrachten wir noch die vier Sterne zeta und pi Herculi sowie Sarin und mue Herculi. Diese bilden ebenfalls ein Trapez, welches aber etwas größer ist als das "klassische" Hercules-Trapez. Verlängert man nun diese beiden Linien etwa zweimal nach oben, so findet man dort ungefähr in der Mitte die helle Wega. In der Mythologie ist der Herkules ein Held, der mit riesigen Kräften ausgestattet war. Ihm wurden zwölf eigentlich unüberwindbare Aufgaben übertragen, die er dank seiner Kraft und seiner Schläue aber meistern konnte, wobei er etliche Untiere zur Strecke gebracht hat; einige von ihnen, der Löwe, der Krebs, die Wasserschlange und der Drache, der ihn mit zwei verschiedenfarbigen Augen anstarrt, sind ebenfalls am Himmel verewigt.

4 Die Mondstationen am Abendhimmel

4.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, denen die Sonne im Verlaufe des Jahres ihren Besuch abstattet, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht, das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

Jungfrau

4.1 Die beiden östlichen Mondstationen im Sternbild Jungfrau

Die mittlere Mondstation in der Jungfrau heißt as-simak und wird von der hellen Spica gebildet. As-simak bedeutet "die beiden, die hoch sind"; gemeint sind damit Arktur und Spica in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen; diese Bezeichnung ist später auf Azimech, den arabischen Namen der Spica, übergegangen. In der indischen Tradition heißt sie "die Helle".

Die östliche Mondstation der Jungfrau heißt al-gafr und wird von den drei unauffälligen Sternen iota, kappa und lamda Virginis gebildet, die 4. Größe erreichen und nur bei sehr guter Südsicht gesehen werden können. Al-gafr heißt "die Bedeckung". Sie befindet sich zwischen der Spica und den drei hellsten Waagesternen und ist wie eine Deichsel geformt. Der oberste Stern dieser Mondstation heißt Syrma und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren. Syrma bedeutet "Kleiderschleppe". Zur Syrma gelangt man auch, wenn man vom mittleren Stern Minelauva der Jungfrau-Deichsel ausgehend über die Heze gleich viel weitergeht. Schräg unter der Syrma steht kappa Virginis, ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren und der unterste Stern dieser Mondstation ist Khambalia, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Khambalia bedeutet "Hakenklaue". - In der indischen Tradition wird hier der helle Stern Arktur als Mondstation verwendet und heißt "Schwert der Unabhängigkeit".

4.2 Die Mondstation der Waage

Die Mondstation in der Waage heißt az-zubana; aus diesem Namen ist der Sternname Acubens entstanden. Acubens bedeutet "Schere / Zange des Skorpions"; dieser Name wird heute aber nur noch für alpha Cancri im Krebs verwendet. Diese Mondstation besteht aus den beiden hellsten Waagesternen Zuben-el-schemali und Zuben-el-genubi, der nördlichen und der südlichen Klaue des Skorpions. Wenngleich das Sternbild der Waage eher unauffällig ist, so gehören diese beiden Sterne zusammen mit Akrab und der Dschubba, den beiden oberen Sternen der vorderen Dreiergruppe des Skorpions, welche die nächste Mondstation bildet, zu den vier hellsten Sternen der Region zwischen Antares und der Spica.

In der indischen Tradition wurden noch zwei weitere unauffällige Waagesterne 4. und gerade noch 4. Größe zu dieser Mondstation gezählt, nämlich der Stern Zuben-el-Akrab, zu dem man auf dem Weg des hellsten Waagesternes Zuben-el-schemali an der nördlichen Skorpionklaue zu theta Libri und weiter zum Skorpionstern Akrab am oberen Ende der vorderen Skorpion-Dreiergruppe gelangt, sowie der Stern iota Libri; letzter bildet mit den drei anderen Sternen dieser Mondstation beinahe ein Rechteck. Iota Libri ist ein weißlicher Stern in unbekanntem Abstand. Der Name dieser indischen Mondstation lautet "wie eine Gabel geformt".

4.4 Die Mondstation des Skorpions

Die erste Mondstation des Skorpions heißt al-ikil und wird durch die vordere Dreiergruppe des Skorpion, die aus Akrab, Dschubba und pi Scorpii besteht, gebildet. Al-ikil bedeutet "die Krone auf der Stirn des Skorpion". In der indischen Tradition heißen diese Sterne "Apostel des göttlichen Funkens".

Die zweite Mondstation des Skorpions heißt al-qalb, das bedeutet "Herz des Skorpions". Sie wird vom Hauptstern des Skorpion, von Antares gebildet. In der indischen Tradition werden neben Antares auch seine beiden Nachbarsterne sigma und tau Scorpii verwendet, die ja das Herz des Skorpions von Antares dargestellt wird, schützen. Diese Mondstation wurde "der Älteste" genannt. Die dritte Mondstation des Skorpions heißt as-sawla und hat dem Stern Shaula seinen Namen gegeben. As-sawla bedeutet "der Stachel am Schwanzende des Skorpion". Sie wird von den beiden Stachelsternen Shaula und Lesath gebildet. In der indischen Tradition wird der gesamte hintere Teil des Skorpion als Mondstation verwendet und heißt "Wurzel". Diese Sterne kann man nur von Südeuropa aus erkennen. Unterhalb von Wei folgen zunächst die Sterne mue und zeta Scorpii, wo der Schwanz des Skorpion zu eta Scorpii nach Osten abbiegt. Dann folgt Sargas, ehe sich der Schwanz wieder nach oben zu iota Scorpii und Girtab hinaufwindet. Nun zweigt sich der Schwanz auf - nach rechts gelangt man zu Shaula und Lesath, nach links zu G Scorpii; letzterer wurde aber nicht mehr zur Mondstation hinzugezählt.

4.5 Der Schlangenträger und der Tierkreis

Wie oben gesehen geht der Tierkreis auch durch das Sternbild des Schlangenträgers, jedoch ist dieses Sternbild weder im Horoskop verwendet noch sind Sterne von ihm als Mondstation überliefert. Das verwundert nicht weiter, da sich der sehr eindrucksvolle Schwanz des Skorpion nur wenig südlich befindet.

Am einfachsten kann man das vom Himmelslineal ausgehend nachvollziehen: Biegt man in der Mitte des Himmelslineals nach Westen ab, so gelangt man zum Sternbild der Waage; biegt man am unteren Ende zwischen Han und Sabik nach Westen ab, so gelangt man zu Antares, und verlängert man das Himmelslineal über Han und Sabik hinaus, so gelangt man zu den beiden Schützensternen Kaus Borealis und Nunki.

Geht man nun vom Ende des Himmelslineals bei Han geradeaus weiter, also am abseits gelegenen Stern Sabik vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zu einem Stern 3. Größe, das ist theta Ophiuchi. Theta Ophiuchi ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 600 Lichtjahren; er befindet sich ziemlich genau in der Mitte zwischen Antares und dem Schützenstern Kaus Borealis. Der Tierkreis verläuft zwischen Sabik und theta Ophiuchi.

->
Einführung in die Mondstationen

-> Zum Verzeichnis

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


Startseite