Sternenhimmel im Juni 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Die "kleine" Polarsternregel
  4. Kugelsternhaufen im Sternbild des Herkules

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, ist in der dritten Rubrik beschrieben.

Im Juni findet der Übergang vom Frühlingshimmel zum Sommerhimmel statt, der Löwe wandert mit dem Saturn in den Westhimmel, Arktur und Spica erreichen ihren Höchststand, und das Sommerdreieck ist nun bereits vollständig aufgegangen. Im Südosten kann man bei guter Sicht auch das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpion mit dem tiefroten Hauptstern Antares bewundern.

Der Große Wagen ist weiter hinaufgezogen und steht nun über dem Polarstern auf dem Kopf, so dass er einen ganz ungewöhnlichen Anblick bietet, während die W-förmige Cassiopeia unter dem Polarstern in den Horizontdunst eintaucht.

Tief im Osten kann ab Mitternacht auch wieder der helle Riesenplanet Jupiter bewundert werden.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Einfach auffindbare Sterne: Großer und Kleiner Wagen

Der bekannte Große Wagen steht hoch über uns auf dem Kopf und sieht etwas ungewöhnlich aus; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts unten, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auf halbem Wege die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar.

Der Große Wagen enthält keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2. Größe, von denen drei Sterne die 1. Größe nur knapp verfehlen: der hintere obere Kastenstern Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und bedeutet "Bär", der Deichselstern am Wagenkasten Alioth ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege", und der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, der wie Alioth ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel". Er ist deswegen so bekannt, weil unmittelbar neben ihm der "Augenprüfstern" Alkor steht, gleichweit von uns entfernt wie Mizar, ebenfalls ein weißlicher Stern. Alkor bedeutet "der Erniedrigte"; im Deutschen wird er auch "das Reiterlein" genannt, und in manchen Mythologien ist er die siebte Plejade, die ihre Schwestern verlassen hat; damit konnte die Mythologie erklären, weswegen man nur 6 Sterne im Siebengestirn der Plejaden sehen kann.

Der Polarstern ist ein Stern 2. Größe, ein gelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens", und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Zweitausend Jahre früher, also vor 5000 Jahren, stand der Himmelspol in der Nähe eines eher unauffälligen Sternes namens Thuban im Sternbild des Drachen. Dieser Stern steht fast in der Mitte zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen und der Deichsel des Großen Wagen. Thuban heißt "Hyäne" und ist ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Dubhe, Alioth und Benetnash vom Großen Wagen sowie der Polarstern und Kochab im Kleinen Wagen und der mittlere Deichselstern des Großen Wagen Mizar sind die sechs hellsten Sterne in dieser Himmelsregion.

->
mehr zum Kleinen Wagen
-> mehr zum Großen Wagen

Sehr einfach auffindbare Frühlingssterne

Jungfrau und Bärenhüter
Die wichtigsten Frühlingssterne kann man auf sehr einfache Weise finden: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", die die Jungfrau gemäß der Mythologie in ihrer Hand hält; sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Der oberste Stern dieser Deichsel heißt Vindemiatrix; das ist die lateinische Übersetzung des Namens Almuredin, welches ebenfalls "Winzer" heißt. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an.

-> mehr zur Jungfrau

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel; ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen etwas länglichen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun halbhoch im Osten steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich, und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette nach Süden, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Bei guter Südsicht kann man links unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern. Das ist Antares, ein Roter Riese im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt".

2.3 Der Löwe und der Ringplanet Saturn

Im Süden befindet sich das schöne Sternbild des Löwen
Hoch im Westen sehen wir zwei helle Sterne schräg nebeneinander; der hellere oben links ist der Planet Saturn, und der andere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten wie derzeit vom Saturn sowie vom Mond bekommt. Schräg rechts oberhalb von Saturn und Regulus steht die Algieba und markiert die Stirn des Löwen; sie besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind. Links von der Algieba sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)". Der Abstand Algieba - Denebola am Himmel ist ungefähr doppelt so groß wie der Abstand Algieba - Regulus. Im Gegensatz zum Großen und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

2.4: Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Im Osten sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

->
zum Verzeichnis der Sterne

3. Monatsthema: Die "kleine" Polarsternregel und weiter zur Wega

Während Arktur im Bärenhüter in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen sehr einfach gefunden werden kann, ist es eher schwierig, einen Weg zur Wega zu beschreiben. Deshalb identifiziert man die Wega in der Regel anhand ihrer Helligkeit und dann prüft, ob Deneb an der richtigen Stelle steht. In diesem Monat lernen wir nun einen Weg vom Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen zur Wega kennen.

Kleine Polarsternregel, Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht. In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern gelangt man zu einem Stern namens eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man von dieser Richtung aus gesehen im Uhrzeigersinn ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blau-weißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Folgt man dem Bogen weiter, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis aufgespannt wird, gelangt man zu zwei weiteren Sternen; diese bilden den Kopf des Drachens und wurden bereits in den vergangenen Monaten als Botensterne der hellen Wega vorgestellt. Der hellere von ihnen heißt Ettanin, er ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; ganz in der Nähe von ihm steht ein weiterer nur wenig schwächerer Stern. Das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals im gleichen Abstand weiter geht. Dabei gelangt man zur hellen Wega in der Leier.

Der schwächere hintere Kastenstern des Großen Wagens heißt übrigens Merak, das bedeutet "Lende", der schwächere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber". Beide sind weißliche Sterne; Merak im Abstand von knapp 80 Lichtjahren und Pherkad im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

4. Feldstecherobjekte: Kugelsternhaufen im Sternbild des Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, in dem nur drei Sterne heller als 3. Größe sind, womit es insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13. Dies ist aber nur weiter von Siedlungen entfernt bei Bedingungen ohne "Lichverschmutzung" möglich.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei und kurz bevor man Ras Alhague erreicht, kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3. Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Bild Observatorium Wendelstein.
Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht. Nun ist es nicht mehr schwer, den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei nicht lichtverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen. Das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

->
mehr zu Herkules

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

Startseite