Sternenhimmel im Juni 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im Juni wird der Sternhimmel frühsommerlich und wird von den beiden hellen Sternen Arktur und die Wega beherrscht. Mittlerweile ist das gesamte Sommerdreieck aufgegangen, während der Löwe in den Westen weitergezogen ist.

Der Große Wagen steht auf dem Kopf hoch über dem Polarstern.

Nach Sonnenuntergang kann man halbhoch im Westen die helle
Venus als Abendstern bewundern; der Mars wandert in diesem Monat durch den Löwen hindurch und wird dabei am 6. Juni Regulus begegnen. Im hinteren Teil des Löwen befindet sich beim Übergang zur Jungfrau der Ringplanet Saturn.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht hoch am Himmel auf dem Kopf und sieht ganz ungewohnt aus. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2.
1. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

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2.2 Frühlingssterne: Arktur, Spica und Jungfrau

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Oberhalb der Spica kann man 3 Sterne einer Deichsel sehen; von oben gezählt sind das Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des Namens Almuredin, welches ebenfalls "Winzer" heißt. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "Der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italienischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt. Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zu Porrima; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren. Diese Sterne gehören allesamt zum Sternbild der Jungfrau.

2.3 Nördliche Krone, Schlange, Schlangenträger und Antares (Skorpion)

So lassen sich die Sterne, ausgehend vom Bärenhüter über eine drachenförmige Figur zur Schlange und zum Schlangenträger hin, finden. Die animierte Grafik öffnet sich beim Klick auf das Bild!
Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links von Arktur steht, ist der zweithellste Bootes-Stern, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Bei guter Sicht kann man den mittleren Stern der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel, also Mirak, an der Linie Arktur - Gemma spiegeln und gelangt so zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht, der aber nichts mit dem gleichnamigen Sternbild zu tun hat. - Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette nach Süden, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; diese Sterne gehören zu den Sternbildern der Schlange und des Schlangenträgers.

Die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Auch Sabik ist ein Stern 2.Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren; Sabik bedeutet "der Vorangehende".

In diesem "Himmelslineal" gibt es neben Unuk und Sabik noch zwei weitere hellere Sterne. Beide stehen im Schlangenträger und erreichen beinahe 2. Größe: Zeta Ophiuchi ist der der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der andere, Yed Prior - das bedeutet "erstere Hand", ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren. Er ist von oben gezählt der vierte Stern im Himmelslineal; bei ihm findet der Übergang von der Schlange zum Schlangenträger statt.

Bei guter Südsicht kann man links unterhalb vom Ende dieses "Himmelslineals" einen rötlichen Stern erster Größe bewundern, das ist Antares, ein Roten Riesen im Abstand von über 500 Lichtjahren. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt".

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2.4 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Das Sternbild der Leier
Im Osten sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

Der "herabstoßende Adler" Wega ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne im wesentlichen den Leierkasten bilden und wie ein Parallelogramm neben der Wega aussehen. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe; es sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren. - Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne sind zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren.

Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Epsilon(2) Lyrae ist der Wega-nähere Stern, er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren. Der andere, epsilon(1) Lyrae, ist ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Beide Sterne sind beinahe 4.Größe hell.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.5 Das Sternbild des Löwen

Hoch im Westen befindet sich das Frühlingssternbild schlechthin, das ist das Sternbild des Löwen. Im Juni können wir ein kleines Himmelsspektakel bewundern, da der Planet Mars von rechts nach links durch den Löwen hindurchwandert und am 6. Juni dem Hauptstern des Löwen begegnen wird. Beide Sterne haben derzeit in etwa gleiche Helligkeit, aufgrund seiner rötlichen Färbung wirkt der Mars indes etwas dunkler als Regulus. Mars und Regulus stehen anfangs des Monats nebeneinander, in Regulus senkrecht dazu sehen wir zwei helle Sterne übereinander stehen. Der untere Stern ist der Hauptstern Regulus beim Herz des Löwen, ein blauweißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Sein arabischer Name "Kabeleced" bedeutet Herz des Löwen. Der obere Stern heißt Algieba und bedeutet "Stirn (des Löwen)"; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Bildliche Darstellung des Löwen. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Links der Algieba sieht man einen weiteren helleren Stern 2. Größe, das ist Denebola am "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein recht nahe gelegener, gut 35 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern , der dritthellste Stern des Sternbild Löwe.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus zwischen der Stirn und dem Herzen des Löwen und Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Duhr heißt "Rücken" und ist der vierthellste Stern des Löwen, ein weißlicher Stern gerade noch 2. Größe, im Abstand von knapp 60 Lichtjahren, und Coxa ist ein weißlicher Stern im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

In der Nähe der Algieba finden wir 3 Sterne, welche den Kopf des Löwen markieren: Etwas oberhalb Adhafera, die Haarsträhne des Löwen, dann westlich Ras Elased Borealis und südlich Ras Elased Australis, die beiden Sterne "nördlich und südlich des Kopfes des Löwen". Ras Elased Australis ist ein heller Stern 3. Größe, wie unsere Sonne gelblich und 250 Lichtjahre von uns entfernt; über ihm Ras Elased Borealis ist ein Roter Riese im Abstand von gut 130 Lichtjahren. Adhafera schließlich ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Sei noch der Stern Subra zwischen Algieba und Regulus, ein wenig vor der Verbindungslinie, erwähnt; Subra heißt "Mähne" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 120 Lichtjahren. Links unterhalb der Denebola sieht man einen weiteren Stern 0. Größe, das ist der Ringplanet Saturn. Bis zum Monatsende wird sich auch die helle Venus dem Löwen nähern, so dass dann Venus - Regulus - Mars - Saturn eine fast gleichabständige Viererkette bilden.

2.6 Die kleine Polarsternregel und weiter zur Wega in der Leier

Kleine Polarsternregel, Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Die helle Wega kann man bei guten Sichtbedingungen ganz hübsch via Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen finden. Dabei geht man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen einfach nach rechts unten in Richtung Horizont:

Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen - das ist Pherkad - gelangt man zu einem Stern namens Eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren und eta Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Folgt man nun dem Bogen, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis in dreifacher Verlängerung dieser hinteren Kastensterne aufgespannt wird, so gelangt man zu Ettanin und Alwaid, die den Kopf des Drachen bilden; sie sind die Botensterne der hellen Wega.

Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

Sternbild des Monats: Die Große Bärin

3.1 Der Große Wagen

Das bekannteste Sternbild überhaupt ist zweifelsohne der sehr figürliche Große Wagen; genau genommen bilden die Wagensterne kein eigenes Sternbild, sondern sind ein Teil eines umfassenderen Sternbildes, welches "Große Bärin" heißt. Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern 1. Größe, dafür aber sieben helle und leicht erkennbar angeordnete Sterne, von denen drei Sterne immerhin beinahe 1. Größe erreichen und somit dieselbe Helligkeit wie zahlreiche der hellen Wintersterne haben. Die Helligkeit dieser drei Wagensterne wird meistens unterschätzt.

Der hellste Stern des Großen Wagen ist der Deichselstern am Wagenkasten Alioth, der zweithellste der hintere obere Kastenstern Dubhe und der dritthellste der äußere Deichselstern Benetnash. - Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" neben dem mittleren Deichselstern, von dem altgriechische Kulturen glaubten, er sei die fehlende 7.Plejade. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar. Er war historisch übrigens der erste Doppelstern, der mittels eines Teleskopes entdeckt wurde (1650 durch Giovanni Riccioli), er war der erste Doppelstern, der fotografisch festgehalten wurde (1857 durch G. P. Bond) und er war das erste Mehrfachsternsystem, das spektroskopisch nachgewiesen wurde (1889 durch Edward Charles Pickering). Ob der Augenprüfstern Alcor ebenfalls zu diesem Mehrfachsystem gehört, ist bis heute umstritten.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber" und der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Verbleiben noch drei Sterne sowie der Augenprüfstern: Der untere hintere Kastenstern heißt Merak, das bedeutet "Lende", der untere vordere Kastenstern heißt Phekda, das bedeutet "Schenkel" und der vordere obere Kastenstern heißt Megrez, das heißt "Anfügepunkt (des Schwanzes)". Der Augenprüfstern Alcor wird manchmal mit "der Schwache" übersetzt, was aber sprachwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Wahrscheinlicher ist, dass Alcor eine Nebenform von Alioth ist, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alcor für den Augenprüfstern verwendet. Im deustchsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet; früher nannte man ihn auch "Fuchsstern"; das erinnert an den "Hundsstern", mit dem der hellste Fixstern Sirius bezeichnet wird.

Mit Ausnahme von Dubhe und Benetnash sind alle "inneren" Sterne des Großen Wagen ebenso wie der Augenprüfstern weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren; das ist kein Zufall, da sie alle Mitglieder des Bärenstromes sind, eines Sternhaufens, der an unserer Sonne vorüberzieht. Zu diesem Bärenstrom gehören erstaunlicherweise auch der Sirius im Großen Hund, der zweithellste Fuhrmann-Stern Menkalinam neben der hellen Capella, der Stern Cursa rechts neben dem hellen Orionfußstern Rigel sowie die Gemma in der Nördlichen Krone, d.h. unsere Sonne ist momentan inmitten dieses Sternhaufens, gehört aber selber nicht dazu. - Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Für den Namen Dubhe gibt es eine hübsche Merkregel aus den Vereinigten Staaten, weil man diesen Stern auf englisch "Dubih" ausspricht: Frank Sinatra tanzt mit der Großen Bärin um den Polarstern und singt "Dubi Dubi Dubi". Die wissenschaftliche Bezeichnung der hellen Sterne besteht ja bekanntlich aus einem griechischen Buchstaben und dem Sternbildnamen. Sie ist bei den sieben Wagensterne sehr einfach, da sie nicht wie sonst üblich in Reihenfolge ihrer Helligkeit, sondern in der Reihenfolge ihrer Anordnung durchnumeriert sind, also vom hinteren oberen Kastenstern Dubhe ausgehend alpha, beta, gamma, delta, zum hellsten Stern epsilon, Alioth, und dann weiter zeta bis hin zu eta für den vordersten Deichselstern Benetnash.

Der Große Wagen ist auch deswegen von großer Bedeutung, weil die fünffache Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne auf den Polarstern und somit nach Norden weist. Weniger bekannt, aber sehr hilfreich ist, dass die Deichsel des Großen Wagens auf den hellsten Fixstern der Nordhalbkugel zu Arktur weist, und in weiterer Verlängerung zum Hauptstern der Jungfrau, zur Spica.

3.2 Die Sprünge der Gazelle

Das komplette Sternbild der Großen Bärin.
Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares, nue Ursae Maioris und xi Ursae Maioris. Diese beiden heißen Alula Borealis und Alula Australis, das bedeutet "1. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Das zweite Sternpaar besteht aus lamda Ursae Maioris und mue Ursae Maioris; diese beiden heißen Tania Borealis und Tania Australis, das bedeutet "2. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Das dritte Sternpaar schließlich besteht aus iota Ursae Maioris und kappa Ursae Maioris; diese beiden heißen Talitha Borealis und Talitha Australis, das bedeutet "3. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne erreichen 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom 3. Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren.

3.3 Die zwölf Bären-Sterne des Aristoteles

Aristoteles hat in seinem berühmten Werk der Metaphysik im 14. Buch, 6. Kapitel, folgendes geschrieben: "Wir zählen in der Plejade sieben, im Bären aber zwölf Sterne". Die Problematik der 7 Plejadensterne wurde schon öfters erörtert: bekanntlich sieht man in den Plejaden je nach Sichtbedingungen 6 oder 9 Sterne, nicht aber derer sieben, was ja auch Anlass zur Theorie gab, dass es sich beim Augenprüfstern Alcor um die fehlene siebente Plejade handeln könnte. Nun aber stellt sich auch die Frage, warum Aristoteles von 12 Sternen im Bären berichtet, welche weiteren 5 Sterne er also neben den sieben Wagensternen dem Bären zuordnet.

Vermutlich hat man sich auch zur Zeit des Aristoteles den Bären figürlich vorgestellt. Dabei würde naheliegenderweise die Wagendeichsel den Schwanz des Bären darstellen. Hinweise auf diese Vorstellung liefern die Eigennamen der Wagensterne:

Merak, der hintere untere Kastenstern, bedeutet "Lende", Phekda, der vordere untere Kastenstern, bedeutet "Schenkel" und Megrez, der vordere obere Kastenstern, bedeutet "Schwanzansatz". - Man findet im Sternbild der Großen Bärin noch weitere Eigennamen: Al Haud bedeutet "Becken" und Muscida bedeutet "Hundeschnauze"; beide Sternnamen liegen an Positionen, die figürlich gut zu einer Bärendarstellung passen, auch wenn die Bezeichnung "Hunde"-Schnauze darauf schließen lässt, dass hier noch eine weitere Mythologie eingeflossen ist. Al Haud, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, ist ein weißgelblicher Stern 3.Größe im Abstand von 44 Lichtjahren und Muscida wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von 184 Lichtjahren.

Al Haud findet man, indem man von der Deichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurchgeht und dann noch eineinhalb mal weitergeht, und Muscida findet man in knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach hinten, also weg von der Deichsel. Damit wären zwei weitere mögliche "Bärensterne" gefunden, zumal beide heller oder von bloßem Auge gleich hell wie Megrez sind.

Manchmal wird der Name Alkaphrah oder El Kophrah, das bedeutet "Gelenk", einem Stern des Körpers der Großen Bärin zugeordnet; hierbei ist aber zu beachten, dass dies nur die Folge eines Übersetzungsfehlers aus dem Arabischen ist und sich dieser Name ursprünglich auf die drei Sternpaare der Gazellensprünge bezieht; somit bringt uns dieser Sternname bei der Suche nach den zwölf Sternen des Aristoteles nicht weiter. - Sehr gut passen indes würde der siebthellste Bärenstern psi Ursae Maioris: er ist der hellste Bärenstern, der nicht im Wagen steht und man findet ihn sehr einfach in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne nach unten. Dieser Stern würde figürlich sehr gut den Oberschenkel des Hinterbeines der Bärin markieren. Psi Ursae Maioris ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren.

Nun fehlen noch zwei Sterne. Zweifelsohne sind diese drei Sternpaare der Gazellensprünge in der Nähe des Bären auch den Beobachtern zur Zeit Aristoteles' aufgefallen. Während der erste Sprung etwas abseits der figürlichen Darstellung eines dortigen Bären ist und seine Sterne helligkeitsmässig sichtbar schwächer als Megrez sind, sind die anderen beiden figürlich sehr gut in den Bären als Tatzen einbettbar und es wäre durchaus naheliegend, den achthellsten Stern der Großen Bärin, das ist Tania Australis vom zweiten Gazellensprung als Hintertatze und den neunthellsten Stern der Großen Bärin, das ist Talitha Borealis vom dritten Gazellensprung, als Vordertatze der Großen Bärin darzustellen.

3.4 Mythologie

Der Mythologie zufolge hatte wurde die Nymphe Kallisto von Zeus schwanger und brachte einen Sohn zur Welt, den sie Arkas nannte. Zeus' eifersüchtige Gattin Hera verwandelte daraufhin Kallisto in eine Bärin, die durch die Wälder ziehen musste. Jahre später traf Arkas bei der Jagd auf seine Mutter, ohne sie zu erkennen. Um den Mord an seiner Mutter zu verhindern, verwandelte Zeus den Sohn ebenfalls in einen Bären und versetzte die beiden an den Himmel - Kallisto als Große Bärin und Arkas als Kleinen Bären. Weil er die beiden Tiere an den Schwänzen gepackt und in den Himmel geschleudert hat, erhielten diese beiden Sternbilder die unnatürlich langen Schwänze. Hera war jedoch wenig erfreut, Kallisto und deren Sohn als Großen und Kleinen Bären am Himmel zu entdecken. Sie rief die Meeresgötter Tethys und Okeanos um Hilfe und bat sie, den Bären ein Bad in ihren Gewässern zu verweigern. So kam es, dass die beiden Bären, von Griechenland aus gesehen, für immer um den Himmelspol kreisen und nie tief genug sinken, um ein Bad zu nehmen.

Die Araber haben im Wagenkasten einen Sarg gesehen, der von drei Klageweibern begleitet wird; der Name Benetnash des äußeren Deichselsterns entstammt noch dieser Mythologie. Die alten Römer sahen im Großen Wagen sieben Dreschochsen. In der englischen Sprache heißt der Große Wagen übrigens "The Big Dipper", das bedeutet auf deutsch "Der große Schöpflöffel".

4. Feldstecherobjekt: Kugelsternhaufen M13 im Sternbild des Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega und der nördlichen Krone, das nur drei Sterne heller als 3. Größe aufweist und somit insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algehti steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3.Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi; er ist ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der vierten Ecke dieses Trapezes von eta Herculi befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht.

Nun ist es nicht mehr schwer, in diesem trapezartigen Viereck den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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