Sternenhimmel im März 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Sternbild des Monats: Der Perseus
  4. Neues vom Rand des Sonnensystems

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, ist in der dritten Rubrik beschrieben.

Die volle Pracht der Wintersternbilder - besonders auffällig ist der bekannte Orion und der helle Sirius - sind nun ebenso wie die helle Capella und der der helle Planet Mars hoch im Westen zu bewundern.

Im Osten sind nun nach dem Löwen, der zur Zeit den Ringplaneten Saturn beherbergt, auch die übrigen Frühlingssternbilder zusammen mit dem hellen Stern Arktur aufgegangen. Tief im Nordosten kann man auch die helle Wega in der Leier funkeln sehen.

Somit kann man nun alle in unseren Breiten sichtbaren hellsten Sterne 0. Größe bewundern, das sind der Sirius im Großen Hund, die Capella im Fuhrmann, Beteigeuze und Rigel im Orion, Procyon im Kleinen Hund sowie Arktur im Bärenhüter und die Wega in der Leier; zudem stehen der Ringplanet Saturn und der rote Planet Mars, die auch 0. Größe erreichen, prächtig am Himmel.

Der Große Wagen ist weiter hinaufgezogen und steht nun im Frühling bald über dem Polarstern auf dem Kopf, so dass er einen ganz ungewöhnlichen Anblick bietet, während sich die W-förmige Cassiopeia links vom Polarstern wieder dem Horizont nähert.

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2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Die auffälligsten Sterne im März sind die helle Capella im Fuhrmann und der Planet Mars noch fast senkrecht über uns. Der figürliche Orion steht hoch im Südwesten mit seinen zwei Schultersternen Beteigeuze und Bellatrix, den drei Gürtelsternen sowie seinen beiden Fußsternen - der hellere diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel. Links vom Orion folgt der sehr helle Sirius im Großen Hund, der hellsten Fixstern überhaupt und über ihm Procyon im Kleinen Hund. Östlich des Wintersechsecks kann man den hellen Saturn sehen. Im Osten sind mit Arktur im Bärenhüter und der Wega in der Leier bereits die ersten Boten des bevorstehenden Frühlings und Sommers aufgegangen.

2.1 Einfach auffindbare Sterne: Großer und Kleiner Wagen

Der bekannte Große Wagen hängt nun mit seiner Deichsel nach unten über dem Nordost-Horizont; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Geht man von der Deichsel des Großen Wagen, also dem Teil, an dem der Wagenkasten gezogen wird, am Polarstern vorbei, so kann man etwa im gleichen Abstand ein Sternbild erkennen, das wie ein W aussieht; es wird oftmals auch das "Himmels-W" genannt, und das ist die Cassiopeia.

Der Große Wagen enthält keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2.Größe, von denen drei Sterne die 1. Größe aber nur knapp verfehlen: der hintere obere Kastenstern Dubhe ist ein Roter Riese Stern im Abstand von 120 Lichtjahren und bedeutet "Bär", der Deichselstern am Wagenkasten Alioth ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege", und der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, der wie Alioth ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel".

Zwischen der Wagendeichsel und dem Polarstern sieht man noch zwei weitere Sterne, das sind die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen. Von diesem kann man also bei normalen Beobachtungsbedingungen nur den Polarstern am Ende der Deichsel des Kleinen Wagen und dessen beide hinteren Kastensterne sehen. Der Polarstern ist ein Stern 2. Größe, ein gelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".

Der hellere der beiden hinteren Kastensterne ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

In dieser Himmelsregion sind die sechs hellsten Sterne Dubhe, Alioth und Benetnash vom Großen Wagen sowie der Polarstern und Kochab im Kleinen Wagen und Mizar, der mittlere Deichselstern des Großen Wagen.

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Die Cassiopeia


Die Cassiopeia ist ein guter Ausgangspunkt zur Orientierung hin zu Herbst- und Wintersternbildern.
Die Cassiopeia ist eine wertvolle Orientierungshilfe: Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom ersten durch den zweiten Stern des "W" zum obersten Andromeda-Stern Alamak, der noch hoch am Himmel steht. Alamak bedeutet "Wüstenluchs" und ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren, er ist fast so hell wie der Polarstern und Kochab. Die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" führt zu Mirfak, dem Hauptstern des Perseus. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist so hell wie die hellsten Sterne des Großen Wagen. Die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch führt zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Geht man von der Cassiopeia aus an der Capella vorbei, so gelangt man zu einem auffallend hellen rötlich leuchtenden Stern - das ist der Planet Mars, der derzeit immer noch sehr günstig steht.

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Der Orion, Sirius und Procyon

Geht man von der Capella nach Südwesten, so kann man das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, das aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen besteht. Der von uns aus gesehen linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)". Der Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Manche Kulturen sehen im Orion einen großen Schmetterling.

Links unterhalb kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt. Das ist Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; Procyon bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Beteigeuze, Procyon und der Sirius bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Im Gegensatz zu den weit entfernten Orionsternen sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

Wir haben nun die wichtigsten Sterne im März sowie den Planeten Mars kennengelernt.

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2.2 Weitere bekannte Wintersterne: Stier und Zwillinge

Sternbild des Stiers
Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2. Größe, das ist Menkalinan, was "Schulter dessen, der die Zügel führt" bedeutet. Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1. Größe, der Hauptstern des Sternbildes Stier. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt, er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Vorsicht, dass man ihn in diesen Tagen nicht mit dem Mars verwechselt, der mittlerweile von den Zwillingen in Richtung Capella weitergezogen ist und zwischen der Capella und der Beteigeuze steht; nach wie vor ist er sehr hell. Etwas oberhalb des Mars ist auch der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath, leicht zu finden: El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und ist wie die Bellatrix ein Stern beinahe 1. Größe; er ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren und Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer Zwillingsstern, der etwas heller als 2. Größe ist, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

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Orionnebel. Bild: Hubble

Der Orionnebel und das Sternbild des Großen Hundes

Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man bei guter Sicht schon mit bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße. Alnilam und Alnitak - der mittlere und der linke Stern des Oriongürtels - sind blau-weißliche Riesensterne im Abstand von rund 1000 Lichtjahren und sind wie die Bellatrix ebenfalls Sterne beinahe 1. Größe! - Ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel". Es gibt noch zwei Sterne 2. Größe, nämlich der obere Gürtelstern Mintaka und der linke Fußstern Saiph: beide sind ebenfalls blau-weißliche Riesensterne im Abstand von fast 1000 Lichtjahren. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert".

Nach Sonnenuntergang kann man jetzt auch die übrigen Sterne des Großen Hundes bewundern: rechts neben dem Sirius steht der Stern Mirzam, ein über 500 Lichtjahre entfernter blau-weißlicher Riesenstern. Mirzam bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht". - Im unteren Sternbildteil sieht man zunächst einen Stern beinahe 1. Größe namens Wezen; er ist ein sehr weit entfernter weiß-gelblicher Riesenstern im Abstand von 2000 Lichtjahren.
Das Wintersechseck
Wezen bedeutet "das Gewicht". Bei guter Südsicht kann man rechts unterhalb von Wezen auch den Stern Adhara erkennen, der sogar gerade noch die 1. Größe erreicht. Jedoch steht er in unseren Breiten so weit südlich, dass er nur sehr selten wirklich auffällig hell zu erkennen ist. Adhara bedeutet "die Jungfrauen" und ist ein bläulicher Riesenstern im Abstand von 500 Lichtjahren.

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Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe ist hier versammelt.

2.3 Die ersten Frühlingssterne: Löwe, Bärenhüter und Wega

Östlich des Wintersechsecks sehen wir drei helle Sterne. Der hellste von ihnen ist der Planet Saturn und die beiden anderen sind bereits die ersten Boten des bevorstehenden Frühlings, zwei Sterne des Sternbildes Löwe; der hellere etwas nordöstlich vom Saturn ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern 1. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten wie derzeit vom Saturn sowie vom Mond bekommt. Der linke heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind. Unterhalb von Algieba sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)". Das steht im Gegensatz zum Großen und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben. Der Löwe scheint also nur ein kurzes Schwänzchen zu besitzen. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Tief im Nordosten ist auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Nordsicht kann man auch Deneb im Schwan, einen blauw-eißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, tief im Nordosten wieder erspähen.

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3. Sternbild des Monats: Der Perseus

Der Perseus ist ein prominentes Herbststernbild, der soweit nördlich steht, dass man ihn nach Sonnenuntergang auch im März noch hoch am Himmel sehen kann. Dieses Sternbild enthält mit Mirfak sogar einen Stern beinahe 1. Größe. Am einfachsten kann man sich den Perseus als einen Bogen von drei Sternen im oberen Teil vorstellen, von dem aus beim Hauptstern Mirfak in der Mitte des Bogen schräg eine Linie zu Algol und geradeaus verlängert zu einem weiteren Stern abzweigt.

Mirfak heißt "Ellbogen" und kann bekanntlich in der Verlängerung vom mittleren Stern des "Cassiopeia-W" durch den vierten Stern des "W" gefunden werden; er ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und so hell wie die hellsten Sterne des Großen Wagen. Im Herbst und im Winter kann man Mirfak auch leicht in der Verlängerung der Andromedakette finden.

Rechts und links neben Mirfak stehen je ein Stern 3. Größe und bilden so einen typischen und leicht auffindbaren Bogen; das ist gamma Persei in Richtung Cassiopeia - wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren - und delta Persei, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 500 Lichtjahren.

Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, ist Algol. Das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen seiner beständigen Helligkeitsänderungen) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und er steht schräg unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich-weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Geht man von Mirfak an Algol vorbei, so gelangt man zu einem weiteren gut erkennbaren Perseusstern 3. Größe, das ist die Gorgonenschwester Gorgonea Tertia, ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren. Auch sie verändert ihre Helligkeit.

Doppelsternhaufen h und chi Persei. Volkssternwarte München
Dieser Bogen im oberen Teil des Perseus mit Mirfak in der Mitte sowie die beiden Gorgonenschwestern kann man am Himmel recht einfach finden.

Weitere Perseussterne und Beobachtungen mit dem Feldstecher (Fernglas)

Der Perseus enthält noch zwei weitere Sterne 3. Größe, die in der Perseuskette, beim unteren Stern des Perseusbogens, also bei delta Persei, von Mirfak kommend in Richtung der Plejaden abknickt. Zunächst gelangt man zu epsilon Persei und dann zu Menkib, beide sind blau-weißliche Riesensterne; epsilon Persei über 500 Lichtjahre und Menkib gar rund 1000 Lichtjahre entfernt. - Wenn man von epsilon Persei in einem Bogen zu Algol geht und nochmal genauso viel weiter, so gelangt man zum Andromeda-Stern Alamak.

Der Perseus enthält einige Sternhaufen, die man im Feldstecher erkennen kann: Geht man von Mirfak an gamma Persei vorbei und nochmals gleichweit in Richtung Cassiopeia, so gelangt man zu den beiden Sternhaufen h und chi Persei. Man kann sie bei guter Sicht außerhalb der Stadt sogar von bloßem Auge erkennen. Im Feldstecher bieten sie einen prachtvollen Anblick und sie werden deswegen oft auch als "Schatzkästlein" des Himmels bezeichnet. Beide Sternhaufen sind ungefähr 7500 Lichtjahre von uns entfernt. Im vergangenen Monat haben wir den offenen Sternhaufen M34 kennengelernt,
den man mit einem Feldstecher leicht finden kann: Man betrachte die Linie Mirfak zu Algol; in Verlängerung dieser Linie kommt man wie schon oben gesehen zur Gorgonenschwester Gorgonea Tertia. Nun bildet man ein rechtwinkliges Dreieck, bei dem der rechte Winkel in Algol ist und geht entlang dem freien Ast nach rechts unten, etwa doppelt so weit wie der Abstand zwischen den beiden Gorgonen-Schwestern Medusa (Algol) und Gorgonea Tertia; dort sieht man ein Nebelchen, und das ist M34. Die Sterne dieses offenen Sternhaufens sind knapp 1500 Lichtjahre von uns entfernt.

Die Mythologie des Perseus ist eng mit der Andromeda-Saga verbunden, da Perseus ja die schöne Andromeda gerettet und geheiratet hat. Diese Rettung gelang deswegen, weil Perseus in einem früheren Abenteuer die Gorgone Medusa besiegt hat und ihren Kopf in einem Sack mit sich führt. Seine Gegner besiegt Perseus, indem er den abgeschlagenen Kopf der Medusa zeigt, dessen Anblick jeden Gegner augenblicklich in Stein verwandelt. Perseus ist der Sohn von Zeus und der Danaë. Schön, wie die Mythologie den Stern Algol, von dem man schon im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, mit dem Kopf der Medusa in Verbindung bringt.

Neues vom Rand des Sonnensystems



10. neu Entdeckt Eris wurde mittels Vergleich mehrerer Aufnahmen dadurch entdeckt, dass er sich als einziges Objekt bewegt (oben links)
Bei der großen Himmelsdurchmusterung der äußeren Teile unseres Sonnensystems im vergangenen Jahrzehnt, die man durchaus als "historisch" bezeichnen kann, hat man neben zahlreichen kleineren Zwergplaneten auch 6 Mitglieder unseres Sonnensystems gefunden, die über 1000 km Durchmesser aufweisen und die gewissermaßen Geschwister des früheren Planeten Pluto sind. Mit zwei Ausnahmen befinden sich alle in einem Bereich, der bis auf eonen 60-fachen Erdabstand hinausreicht, das entspricht dem doppelten Abstand des Neptun von der Sonne. Die zwei Ausnahmen sind die beiden entferntesten bekannten Mitglieder unseres Sonnensystems, nämlich die Eris bei 97-fachen Erdabstand und die Sedna bei 91-fachem Erdabstand.

Aufgrund der Bahndaten dieser neu entdeckten Mitglieder unseres Sonnensystems wird nun vermutet, dass sich im Bereich von 100- bis 200-fachem Erdabstand ein größerer Planet befindet, der durchaus die Größe der Erde haben könnte und aufgrund seiner geringeren Dichte immerhin die Masse des Mars. Bezüglich ihrer Helligkeit ist es überhaupt kein Problem, solche Himmelskörper zu sehen, aber sie bewegen sich zu langsam vor dem Sternenhintergrund und werden deswegen für unscheinbare Hintergrundsterne gehalten.

Nun wird beabsichtigt, diese Himmelsdurchmusterung mit größeren zeitlichen Abständen zwischen den computerauszuwertenden Fotographien zu wiederholen, um auch langsamer um die Sonne wandernde Himmelskörper aufspüren zu können - natürlich in der Hoffnung, diesen vermuteten Planeten zu entdecken.

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mehr: siehe Planetendefinition


Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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