Sternenhimmel im März 2009

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Orion, Sirius und Procyon
  4. Die nicht ganz so hellen Wintersterne
  5. Das Leben der Pulsare

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im März wird der Sternenhimmel spät-winterlich und bereits können die ersten markanten Frühlingsbilder hoch am Himmel bewundert werden. Hoch am Himmel können die prachtvollen Wintersterne mit ihren hellen Sternen im Osten beobachtet werden: die helle Capella hoch über uns sowie im Süden der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel, der helle Hundsstern Sirius sowie sein "Bote" Procyon; alles Sterne 0. Größe.
Der Große Wagen zieht nun wieder hinauf und steht im Nordosten rechts neben dem Polarstern, während sich die W-förmige Cassiopeia nun im Westen wieder dem Horizont nähert.

Im Südwesten steht die Venus als strahlender Abendstern; im Südosten kann der Ringplanet Saturn bewundert werden.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Leuchtender Abendstern Venus

Nach Sonnenuntergang kann man im März hoch am Südwesthimmel leuchtend hell einen Stern sehen, das ist der Planet Venus.

2.2 Großer und Kleiner Wagen, Cassiopeia und Capella

Der bekannte Große Wagen ist nun wieder vollständig aus dem Horizontdunst aufgetaucht und steht hoch im Osten; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleich viel weiter, so gelangt man rechts neben dem Polarstern zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von rechts, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Von der Cassiopeia kann man sehr einfach die helle Capella im Fuhrmann finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern, das ist die langgestreckte Seite des W, hindurch weitergeht. Die Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2.Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt". Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

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2.3 Orion, Sirius und Procyon

Orion steht am
Abend am Südosthimmel
Geht man von der Capella nach Süden, so kann man das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen, das aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen besteht. Der linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der untere Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)".

Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Er steht jetzt oberhalb des Sirius.

Der Sirius steht in diesem Monat so günstig, dass man auch seinen rechten Nachbarstern Mirzam, einen über 500 Lichtjahre entfernter blau-weißlicher Riesenstern beinahe erster Größe bewundern kann. Mirzam bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht".

Man verwechsele den Sirius aber nicht mit der hellen Venus, die nun ebenfalls am Abendhimmel steht und als Abendstern viel heller als der Sirius strahlt: Die Venus steht nach Sonnenuntergang hoch am Südwesthimmel und geht dann rasch unter, während der Sirius nach Sonnenuntergang tief im Südosten steht und fast die ganze Nacht über sichtbar ist.

Der Orion-Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter blau-weißlicher Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

Im Gegensatz zu den weit entfernten Orionsternen sind die beiden hellen Hundssterne Sirius und Procyon sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

Die Beteigeuze, der Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, welches gelegentlich auch Winterdreieck genannt wird.

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2.4 Der Stier mit den Plejaden und Hyaden und die Zwillinge

Schräg unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1. Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist also der Stern, der kurz nach den Plejaden aufgeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken oberen Ende dieses nach oben geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden.

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren und Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, steht im Abstand von 70 Lichtjahren auf knapp halbem Wege davor und gehört nicht zu diesem Sternhaufen. Rechts oben - also auf der anderen Seite von Aldebaran steht dabei links auf dem unteren Ast. Links oben - also über Aldebaran - steht der Stern Ain, ein Roter Riese. Ain bedeutet "Auge"; streng genommen markiert also dieser Stern und nicht Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Geringfügig heller ist der Hyadenstern theta(2) Tauri, der linke der beiden Hyadensterne unterhalb von Aldebaran. Auch gamma Tauri an der unteren Spitze erscheint heller als Ain, weil für das menschliche Auge ein gelblicher Stern etwas heller als ein rötlicher erscheint.

Am Südosthimmel geht das Sternbild der Zwillinge auf
Unter der Capella kann man oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, etwas links die beiden Sterne der Zwillinge übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe ist hier versammelt.

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2.5 Der Löwe mit dem Saturn

Östlich des Wintersechseckes sehen wir zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der untere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der obere heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind. Links neben Regulus, etwa doppelt so weit entfernt wie die Algieba, kann man den Ringplaneten Saturn erkennen. Links oberhalb des Saturn sieht man links vom Saturn einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zum Großen und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

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2.6 Weitere Frühlingssterne: Arktur und Spica sowie Wega und Deneb

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0.Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Tief im Nordosten ist auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Nordsicht kann man links unterhalb der Wega auch Deneb im Schwan, einen blau-weißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, tief am Himmel wieder erspähen.

3. Beschreibung der Wintersterne beinahe 1. Größe

Der Winterhimmel beherbergt zahlreiche helle Sterne, und allein an den Ecken des Wintersechsecks sowie im Orion befinden sich sieben Sterne erster Größe oder heller. Zusätzlich finden sich am Winterhimmel auch zahlreiche Sterne, die im Glanz der Sterne erster Größe etwas in den Hintergrund geraten, obgleich diese ebenfalls beinahe erste Größe erreichen. Diese Sterne werden in diesem Monat in einer eigenen Rubrik vorgestellt.

An strategisch wichtiger Stelle stehen der zweite Zwillingsstern Castor, der je nach Zählweise ebenfalls zu den Sternen 1. Größe gezählt wird, der Orionstern Bellatrix an der linken Schulter des Orion, also neben der Beteigeuze, außerdem der Nachbarstern des Sirius, der Stern Mirzam im Großen Hund sowie Menkalinan im Fuhrmann, der Nachbarstern der Capella. Diese sind bereits in der 2. Rubrik beschrieben.

Der mittlere und der linke Stern des Oriongürtels, Alnilam und Alnitak, sind blau-weißliche Riesensterne im Abstand von rund 1000 Lichtjahren. Ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel". Außerdem gibt es im Orion noch zwei Sterne 2. Größe, nämlich der obere Gürtelstern Mintaka und der linke Fußstern Saiph: beide sind ebenfalls blau-weißliche Riesensterne im Abstand von fast 1000 Lichtjahren. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". - Im März kann man jetzt auch die unteren Teile des Sternbildes des Großen Hundes bewundern: zunächst sieht man unterhalb von Sirius und Mirzam einen Stern beinahe erster Größe namens Wezen; er ist ein sehr weit entfernter weiß-gelblicher Riesenstern im Abstand von 2000 Lichtjahren. Wezen bedeutet "das Gewicht". Bei guter Südsicht kann man rechts unterhalb von Wezen auch den Stern Adhara erkennen, der sogar gerade noch die erste Größe erreicht. Jedoch steht er in unseren Breiten so weit südlich, dass er nur sehr selten wirklich auffällig hell zu erkennen ist. Adhara bedeutet "die Jungfrauen" und ist ein bläulicher Riesenstern im Abstand von 500 Lichtjahren.

Im Großen Hund sind Mirzam, Wezen und Adhara Sterne 1. Größe
Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach unten eingerückt, steht der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)" und er ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren. Und zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer Zwillingsstern, der etwas heller als 2. Größe ist, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren. Sei noch der Vollständigkeit halber der zweithellste Stern des Kleinen Hundes, Gomeisa, genannt: er ist ein Stern etwas heller als 3.Größe und bedeutet "die Kleine mit den trüben Augen". Er ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren und von Procyon gelangt man zu ihm, indem man in Richtung der Alhena in den Zwillingen geht. Der Abstand zwischen Procyon und Gomeisa ist etwa gleich groß wie der Abstand zwischen Pollux und Castor.

Neben diesen hellen Wintersternen kann man derzeit noch vier weitere bekannte Sterne beinahe 1.Größe bewundern, nämlich den Hauptstern Mirfak im Perseus, sowie drei Sterne des Großen Wagen, nämlich den hinteren oberen Kastenstern sowie die beiden äußeren Deichselsterne.

Mirfak findet man, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Der hintere obere Kastenstern des Großen Wagen, Dubhe, ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren; Dubhe bedeutet "Bär", der Deichselstern am Wagenkasten, das ist Alioth, ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege" und der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber".

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4. Monatsthema: erstgeborene und wiedergeborene Pulsare sowie begleitende Weiße Zwerge

Die Sterne am Himmel leuchten aufgrund der Energie, die bei Kernreaktionen freigesetzt wird - in der Energiebilanz werden dabei unter dem Strich zwei Wasserstoffatome zu einem Heliumatom fusioniert und nach der berühmten Formel Albert Einsteins E = mc^2 wird dabei Energie frei. In einem späteren Stadium werden auch höhere chemische Elemente bis hin zum Eisen erzeugt. Um noch höhere Atome erzeugen zu können, müsste Energie von außen in das System gelangen, was beispielsweise bei einer Supernova-Explosion der Fall ist.

Irgendwann ist dieser Energievorrat aufgrund der Kernreaktionen aufgebraucht. Je nach Masse des Sternes kühlt er nun einfach nur aus oder es kommt zu einer Supernova-Explosion, bei der am Ende ein hochkomprimierter Stern aus entarteter Materie übrig bleibt; das kann ein Weißer Zwerg sein, bei größerer Masse des ursprünglichen Sternes ein Pulsar, das ist ein Neutronenstern, und bei noch höherer Masse ein stellares Schwarzes Loch.

Da diese hochkomprimierten Sterne sehr viel kleiner als die ursprünglichen Sterne sind, drehen sie sich aufgrund der Drehimpulserhaltung - ganz ähnlich einer Schlittschuhläuferin, die auf dem Eis eine Pirouette dreht und die sich mit angezogenen Armen schneller dreht - sehr schnell um ihre eigene Achse, und ein "erstgeborener" Pulsar dreht sich in nur 25 Millisekunden einmal um seine eigene Achse.

Da Pulsare Energie abgeben, verlangsamt sich im Laufe der Zeit ihre Drehgeschwindigkeit.

Künstlerische Darstellung eines Doppelsternsystems
Mehr als die Hälfte der Sterne sind Doppelsterne, und wenn beide Partner genügend massereich sind und nahe beieinander stehen, passiert folgendes: Man kann nachrechnen, dass massereichere Sterne ihren Energievorrat schneller aufbrauchen, so dass sich also der massereichere Partner nach Aufbrauchen seiner Energiereserven zuerst in einen Pulsar umgewandelt. Nun "saugt" er von seinem Partnerstern Materie und dabei physikalisch gesehen auch Drehimpuls ab. Dadurch wird seine Drehung sehr stark beschleunigt und er dreht sich viel schneller als ursprünglich bei seiner "Erstgeburt". Man nennt solche Pulsare auch "wiedergeborene" Pulsare oder vom englischen her rezyklierte Pulsare. Da der Begleitstern dabei seine Hülle verliert, verbleibt nur sein Kern, und er wandelt sich in einen Weißen Zwerg, der nun langsam auskühlt.

Solche Doppelsternsysteme sind meistens mehrere Milliarden Jahre alt, und man hat über die Abbremsgeschwindigkeit des wiedergeborenen Pulsares und die Auskühlrate des begleitenden Weissen Zwerges zwei unabhängige Altersbestimmungsmethoden, anhand derer Abweichungen man interessante Aussagen über die Massenverteilungen in der Umgebung des Pulsar/Weißen Zwerg-Paares gewinnen kann.

Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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