Sternenhimmel im März 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Die prächtigen Wintersternbilder mit ihren hellen Sternen stehen im März bereits hoch am Himmel. Die helle Capella ist bereits nach Westen weitergezogen und im Südwesten können der Orion mit den beiden bekannten hellen Sternen Beteigeuze und Rigel sowie der helle Sirius mit Procyon - seinem Boten - bewundert werden.


Der Große Wagen zieht rechts neben dem Polarstern hinauf. Seine Deichsel weist ab 20 Uhr auf Arktur, den hellsten Stern der Nordhemisphäre. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zur Spica in der Jungfrau. Tief im Nordosten kann man die ab 22 Uhr Wega aufgehen sehen.

Unter den Zwillingen kann man einen auffallend rötlichen Stern erblicken, das ist der Planet
Mars. ; unter dem hinteren Teil des Löwen befindet sich der Ringplanet Saturn. Bei guter Horizontsicht kann man kurz nach Sonnenuntergang tief im Westen die Venus erkennen.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen, Schedir und Capella


Kleiner und Großer Wagen
Den bekannten Großen Wagen ist sieht man nach Sonnenuntergang mit der Deichsel nach unten im Nordosten. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt links vom Polarstern zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes auf der Seite liegendes W; ihr Hauptstern ist der zweite Stern von unten, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Von der Cassiopeia kann man sehr einfach die helle Capella im Fuhrmann finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern, das ist die langgestreckte Seite des W, hindurch weitergeht. Die Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella. Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2. Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt". Menkalinan ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren. Das Sternbild des Fuhrmannes wird in der 3.Rubrik näher vorgestellt.

Der Große Wagen enthält drei Sterne beinahe 1. Größe: Der hintere obere Kastenstern Dubhe, der Deichselstern Alioth am Wagenkasten sowie der äußerste Deichselstern Benetnash. Dubhe bedeutet "Bär" und ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Man beachte bitte, dass mir beim
Spektaltyp dieses Sternes bislang ein Irrtum unterlaufen ist - ich hatte Dubhe versehentlich als weißgelblichen Stern angegeben. Alioth bedeutet "Ziege" und ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und Benetnash bedeutet "Klageweiber" und ist ein bläulichweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dubhe, den Hauptstern des Großen Wagen, spricht man im Englischen "Dubi" aus und man kann sich diesen Sternnamen einfach merken, indem man sich vorstellt, dass Frank Sinatra mit der Großen Bärin um den Himmelsnordpol tanzt und "Dubi Dubi Dubi" singt.

Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2.Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

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2.2 Von der Cassiopeia zum Perseus

Perseus und die angrenzenden Sternbilder
Von der Cassiopeia ausgehend kann man auch Mirfak, den Hauptstern des Perseus sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von unten nach oben durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des W zu Mirfak, dem Hauptstern des Perseus. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren.

Rechts unter ihm findet man den zweithellsten Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

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2.3 Der Orion

Orionnebel. Bild: Hubble
Geht man von der Capella nach Südwesten, so kann man das sehr bekannte Sternbild des Orions erkennen. Der Orion besteht aus zwei Schultersternen, drei eingeschnürten Gürtelsternen sowie zwei Fußsternen. Der linke und hellere Schulterstern heißt Beteigeuze, das bedeutet "Schulter des Riesen", der rechte Schulterstern heißt Bellatrix ("Kriegerin") und der rechte Fußstern diagonal gegenüber der Beteigeuze heißt Rigel, das bedeutet "Fuß (des Orion)".

Der mittlere und der linke Stern des Oriongürtels heißen Alnilam und Alnitak; ihre Namen bedeuten "Anordnung von Perlen" und "Gürtel" und beide sind wie die Bellatrix Sterne beinahe erster Größe.

Die beiden übrigen Sterne des Orion sind 2. Größe. Der rechte Gürtelstern heißt Mintaka und der linke Fußstern heißt Saiph. Mintaka bedeutet ebenfalls "Gürtel" und Saiph bedeutet "Schwert". Das Schwert des Orion reicht also bis zu seinem Fuß.

Zwischen dem Oriongürtel und dem linken Fußstern kann man bei guter Sicht schon von bloßem Auge den Orionnebel schön erkennen; im Feldstecher bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Der Orionnebel ist gewissermaßen das Schwert des Orion, welches an seinem Gürtel steckt; dabei handelt es sich um ein rund 1500 Lichtjahre entferntes aktives Sternentstehungsgebiet in unserer Milchstraße.

Der linke Schulterstern Beteigeuze ist ein prominenter Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, der rechte Fußstern Rigel ist ein weit entfernter bläulichweißer Stern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Auch die Bellatrix ist ein bläulichweißer Stern im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Die drei Oriongürtelsterne Alnilam, Alnitak und Mintaka sind ebenso wie der linke Fußstern Saiph bläulichweißer Riesensterne; alle vier sind rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt!

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2.4 Die Hundssterne

Links unterhalb des Orions kann man einen weiteren sehr hellen Stern erkennen, das ist der hellste Fixstern überhaupt am Himmel, der berühmte Sirius im Großen Hund. Dieser Stern ist so wichtig, dass er sogar einen Boten hat, der seinen Aufgang ankündigt: Procyon, ebenfalls ein Stern 0. Größe; das bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Er steht nun hoch über dem Sirius, ein bisschen nach links versetzt. Auch der Stern rechts neben dem Sirius - immerhin ein Stern beinahe 1. Größe, hat seinen Namen aufgrund seiner Position zum Sirius erhalten: Mirzam bedeutet "Stern, der (dem Sirius) vorausgeht".

Das Winterdreieck (grün) und Wintersechseck (gelb)
Im Gegensatz zu den Orionsternen, die allesamt weit entfernt sind, sind beide Hundssterne sonnennahe Sterne: der Sirius ist ein nur gut 8.5 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern und Procyon ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren. Beide Hundssterne werden von einem hochkompakten Stern, einem Weißen Zwerg, umkreist. Mirzam rechts neben dem Sirius indes ist ein über 500 Lichtjahre entfernter bläulichweißer Riesenstern.

Bei guter Südsicht kann man nun auch die unteren Teile des Großen Hundes, der mit einer Ausnahme aus lauter Sternen beinahe 1. Größe oder heller besteht, erkennen: Unterhalb von Sirius und Mirzam steht der Stern Wezen; er ist ein sehr weit entfernter weißgelblicher Riesenstern im Abstand von 2000 Lichtjahren und bedeutet "das Gewicht". Rechts unterhalb von Wezen kann man den Stern Adhara erkennen, der sogar gerade noch die erste Größe erreicht, in unseren Breiten jedoch so weit südlich steht, dass er nur sehr selten wirklich auffällig hell zu erkennen ist. Adhara bedeutet "die Jungfrauen" und ist ein bläulichweißer Riesenstern im Abstand von 500 Lichtjahren. Links unterhalb von Wezen steht Aludra; sie ist ein Stern 2. Größe und ebenfalls ein sehr weit entfernter bläulichweißer Stern im Abstand von 3200 Lichtjahren. Aludra heißt "die Jungfernschaft".

Die Beteigeuze, der Sirius und Procyon bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck Sterne 0. Größe, welches auch "Winterdreieck" genannt wird und das sich gerade für Anfänger ausgezeichnet zum Auffinden von Procyon eignet.

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2.5 Der Stier mit den Plejaden und Hyaden

Unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1.Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken oberen Ende einer "V"-förmigen Sternenansammlung; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Stern des Sternhaufens der Hyaden.

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren und Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, steht im Abstand von 70 Lichtjahren auf knapp halbem Wege und gehört nicht zu diesem Sternhaufen. Rechts oben im V der Hyaden - also rechts von Aldebaran - steht der Stern Ain, ein Roter Riese. Ain bedeutet "Auge"; streng genommen markiert also dieser Stern und nicht Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Geringfügig heller ist der Hyadenstern theta(2) Tauri, ein weißlicher Stern. Theta(2) Tauri ist der linke der beiden Hyadensterne in der Mitte des linken Astes vom V, unterhalb von Aldebaran.

El Nath erreicht beinahe 1. Größe und ist der zweithellste Stern des Sternbild Stier; er steht etwas nach unten eingerückt in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran. El Nath bedeutet "Horn (des Stieres)" und er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

2.6 Die Zwillinge, der Kleine Hund und der Mars

Am Südosthimmel geht das Sternbild der Zwillinge auf
Oberhalb von Procyon, dem Boten des Sirius, kann man etwas links beiden Sterne der Zwillinge schräg übereinander sehen, der untere heißt Pollux und der obere heißt Castor. Man kann sich das gut merken, denn Castor ist im Wintersechseck auf der Seite der Capella - beide Namen fangen mit einem "C" an und Pollux auf der Seite von Procycon - beide Namen fangen mit einem "P" an. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Zwischen Pollux und der Beteigeuze im Orion steht fast in der Mitte ein weiterer heller Zwillingsstern, das ist die Alhena am Fuße des Zwillings Pollux. Sie entstammt einer anderen Mythologie, denn Alhena bedeutet "das Zeichen (auf dem Hals des Kameles)". Alhena ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Etwas rechts von Procyon steht Gomeisa, ein Stern etwas heller als 3. Größe. Gomeisa bedeutet "die Kleine mit den trüben Augen" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Vom Procyon gelangt man zu Gomeisa, indem man in Richtung der Fußsterne der Zwillinge, also beispielsweise der Alhena, geht. Man kann ihn aber auch ganz einfach so finden, dass er der einzige etwas hellere Stern in der Nähe von Procyon ist. Der Abstand zwischen Procyon und Gomeisa ist etwa gleich groß wie der Abstand zwischen Pollux und Castor.

Unterhalb der Zwillinge kann man einen auffallenden Stern heller als 0.Größe erkennen; er ist deutlich rötlich und es handelt sich um den Planeten
Mars.

Die Sterne Capella - Aldebaran - Rigel - Sirius - Procyon - Pollux/Castor und wieder Capella bilden ein großes Sechseck aus hellen und bekannten Sternen 0. und 1. Größe, das auch "Wintersechseck" genannt wird; da auch die Beteigeuze in diesem Bereich steht, ist hier die Hälfte aller bei uns sichtbaren Sterne heller als 1. Größe versammelt.

2.7 Die ersten Frühlingssterne: Löwe, Alphard in der Wasserschlange und Saturn

Östlich des Wintersechseckes und des Mars sehen wir ab zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; nach Sonnenuntergang stehen sie noch nebeneinander, im Verlaufe der Nacht wird sich der Löwe drehen, so dass diese beiden Sterne dann übereinander stehen. Der rechte, später in der Nacht untere Stern ist Regulus beim Herz des Löwen, ein bläulichweißer Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der linke, später in der Nacht obere Stern heißt Algieba und bedeutet "Stirn (des Löwen)"; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Nach Sonnenuntergang unter der Algieba, später in der Nacht dann links von ihr, etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus, sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zum Großen und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus zwischen der Stirn und dem Herzen des Löwen und Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Duhr ist ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren und Coxa ist ein weißlicher Stern im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

Wenn man von der Algieba über Regulus nach rechts unten verlängert, so trifft man einen Stern 2. Größe, das ist Alphard in der Wasserschlange. Alphard bedeutet treffenderweise "der alleine dastehende Stern", da die übrigen Sterne der Wasserschlange nicht sehr auffällig sind. Alphard ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 200 Lichtjahren.

Unter der Denebola sieht man einen weiteren Stern 0. Größe, das ist der Ringplanet
Saturn.

2.8 Weitere Frühlingssterne: Arktur und Spica sowie Wega und Deneb

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man ab 20 Uhr halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Tief im Nordosten ist ab 22 Uhr auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Horizontsicht kann man auch Deneb im Schwan, einen blau-weißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, tief im Norden wieder erspähen.

Sternbild des Monats: Der Fuhrmann

Das nördlichste Sternbild des Wintersechseckes ist der Fuhrmann, das Sternbild des hellen Sternes Capella, die 0. Größe hell ist. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen trägt der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein.

Das Sternbild des Fuhrmannes bildet ein unregelmäßig geformtes Fünfeck, das Auge jedoch fügt den Stern El Nath, der eigentlich zum Sternbild des Stieres gehört, unwillkürlich zum Fuhrmann dazu, so dass wir also ein unregelmäßig geformtes Sechseck sehen; auch in alten Sternbild-Darstellungen wird El Nath oft dem Fuhrmann zugerechnet. Capella und El Nath stehen in den gegenüberliegenden Ecken des "erweiterten" Fuhrmannes.


Mythologische Darstellung des Fuhrmann mit Ziegenbock und Zicklein. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Im Sternbild des Fuhrmannes befindet sich in der Umgebung der Capella eine ganze Ziegenfamilie. Geht man von unterhalb der Capella nach rechts unten zur nächsten Ecke des Fuhrmann/El Nath-Sechseckes, so sieht man dort 2 Sterne nebeneinander, das sind die beiden Ziegenkinder Hoedus I und Hoedus II. Zwischen an Capella und den beiden Ziegenkindern kann man noch eine "siebte" Ecke bilden; dort steht der Stern Almaaz; das ist der Ziegenpapa.

Links unterhalb der Capella steht der Stern Menkalinan, ein Stern heller als 2. Größe. Das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Jahren. Die beiden übrigen Ecken des Fuhrmann werden von Borgadus zwischen Menkalinan und El Nath und von Hassaleh zwischen den Ziegenkindern und El Nath markiert. Borgadus ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 200 Lichtjahren, Hassaleh heißt "Sprungbein des Zügelhalters" und ist ein Roter Riese im Abstand von rund 500 Lichtjahren.

Die Mythologie weiß verschiedene Geschichten zu diesem Sternbild zu erzählen; schon die alten Babylonier sahen hier einen Fuhrmann. Bei den Griechen handelt es sich um den König Erichthonios, welchem die Göttin Athene die Fertigkeit, wilde Pferde zu zähmen, lehrte. Er war der erste, der 4 Pferde vor einen Wagen spannen konnte, ganz ähnlich dem Sonnengott mit seinem vierspännigen Wagen. Einer früheren Deutung nach handelt es sich bei diesem Sternbild um einen Hirten, der eine kleine Ziege über seiner Schulter trägt. Diese beiden Deutungen werden oftmals vermischt und der Hauptstern Capella heißt "Zicklein", ebenso wie sein arabischer Name "Alhajoth". In manchen alten Deutungen werden zwei weiteren jungen Ziegen durch die beiden eng zusammenstehenden Sterne Hoedus I und Hoedus II unterhalbt der Capella dargestellt. Hoedus II ist der innere und hellere Stern der beiden, Hoedus I der äußere. Diese beiden Sterne scheinen von uns aus gesehen nebeneinander zu stehen, doch in Wirklichkeit ist Hoedus II ein gut 200 Lichtjahre entfernter bläulichweißer Stern und Hoedus I ein fast 800 Lichtjahre entfernter Roter Riese. - Zwischen den beiden Jungen und der Capella steht etwas rechts der Stern Almaaz, das bedeutet "Ziegenbock". Almaaz ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 2000 Lichtjahren.

4. Entdeckung zweier weiterer großer Zwergplaneten-Kandidaten über 1000 km Durchmesser

Mittlerweile kennt man in unserem Sonnensystem 8 Mitglieder des äußeren Planetoidengürtels mit über 1000 km Durchmesser; das sind frühere 9. Planet Pluto sowie der vorübergehend als "10.Planet" bezeichnete Zwergplanet Eris, die beide rund 2500 km Durchmesser haben. Knapp 2000 km Durchmesser haben Makemake und Haumea, rund 1500 km Durchmesser die Sedna und rund 1200 km Durchmesser der Quaoar und Orcus, ein kleinerer Bruder des Pluto. Diese Zwergplaneten-Kandidaten wurden vor fünf bis acht Jahren entdeckt.

Zusätzlich wurde inzwischen ein weiterer großer Planetoid mit über 1000 km Durchmesser entdeckt: Im Rahmen einer Durchmusterung für Sedna-ähnliche Objekte wurde ein kleinere "Schwester" der Eris entdeckt, die derzeit mit 85 AE Entfernung das sich am drittweitesten draußen befindliche bekannte Mitglied unseres Sonnensystems, nur Sedna (88 AE) und Eris (96 AE) stehen weiter draußen. Sie ist ungefähr 1500 km groß. - Als vorübergehenden Namen hat sie "snow white" erhalten, das heißt zu deutsch je nach Märchen "Schneeweißchen" oder "Schneewittchen". Ihr wissenschaftlicher Name lautet "2007 OR10" und da Ihre Bahndaten genügend genau bekannt sind hat sie auch schon eine offizielle Planetoiden-Nummer erhalten: 225088.

Für Verwirrung sorgte vorübergehend die Bekanntgabe eines angeblich weiteren großen Planetoiden mit dem wissenschaftlichen Namen 2009 YE7, dessen Helligkeitsangaben mittlerweile aber korrigiert wurden.

->
Rundgang zu neuentdeckten Planeten

-> Mehr zum Sonnensystem

5. Korrigenda

1. Dubhe

Der Hauptstern des Großen Wagen, Dubhe, ist ein Roter Riese, wurde aber im Rahmen früherer Beiträge versehentlich als weißlichgelber Stern bezeichnet.

2. Algieba

Der zweithellste Stern des Löwen bedeutet "Stirn" und nicht wie bisher irrtümlich angegeben "Stirn".


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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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