Sternenhimmel im Mai 2009

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Das Sternbild der Leier
  4. Monatsthema: Bekannte schwache Sterne

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im Mai erlebt der Beobachter den rasantesten Wechsel des Sternenhimmels im Jahreskreis - standen im Vormonat noch alle Wintersterne am Himmel, so kann man nun nur noch die westliche Hälfte des Wintersechsecks im Westen bewundern, ehe ab Juni der Sternhimmel wieder zur Ruhe kommt und bis Oktober nahezu unverändert am Himmel verbleibt.

Halbhoch im Westen können noch die helle Capella, die Zwillinge sowie rocyon, der "Bote" des Sirius bewundert werden; im Südwesten steht der Löwe mit dem Ringplaneten Saturn und hoch im Süden lassen sich Arktur und die Spica in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen bewundern. Im Osten stehen die helle Wega in der Leier sowie Deneb im Schwan und kündigen den bevorstehenden Sommer an.

Der Große Wagen ist weiter hinaufgezogen und steht im Frühling über dem Polarstern auf dem Kopf, so dass er einen ganz ungewöhnlichen Anblick bietet. Währenddem nähert sich die W-förmige Cassiopeia links unterhalb vom Polarstern bald wieder dem Horizont. Sie steht aber so weit nördlich, dass sie bei uns nie untergeht.

Im Westen kann abends der Ringplanet Saturn im Sternbild des Löwen bewundert werden.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen, Cassiopeia und Capella

Der bekannte Große Wagen steht im Frühling über dem Polarstern auf dem Kopf, so dass er einen ganz ungewöhnlichen Anblick bietet; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts unten, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern ist ein Stern 2. Größe, ein gelblicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der andere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar und werden in der 4. Rubrik näher vorgestellt.

Wer seine Augen prüfen möchte, kann einmal versuchen, den "Augenprüfstern" zu sehen: Er steht unmittelbar neben dem mittleren Stern der Deichsel des Großen Wagen und heißt Alkor. Im Deutschen wird dieser Stern auch oft das "Reiterlein" genannt. Alten griechischen Legenden zufolge handelt es sich bei ihm übrigens um die fehlende 7. Plejade des Siebengestirns. Alkor ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

Zweitausend Jahre früher, also vor 5000 Jahren, stand der Himmelspol in der Nähe eines eher unauffälligen Sternes namens Thuban im Sternbild des Drachen. Dieser Stern steht fast in der Mitte zwischen den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen und der Deichsel des Großen Wagen. Thuban heißt "Hyäne" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleich viel weiter, so gelangt man links unterhalb des Polarsterns zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes W und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von rechts, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Von der Cassiopeia kann man sehr einfach die helle Capella im Fuhrmann finden, indem man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern, das ist die langgestreckte Seite des W, hindurch weitergeht. Die Capella ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Etwas unterhalb der Capella steht im Fuhrmann ein Stern heller als 2.Größe, das ist Menkalinan; das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt".

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2.2 Die westlichen Teile des Wintersechseckes

Links oberhalb der Capella und Menkalinam kann man die beiden Sterne der Zwillinge nebeneinander sehen und südwestlich der beiden kann man tief im Westen auch noch Procyon, den früheren Boten des Sirius, im Kleinen Hund erkennen.

Der linke Zwillingsstern heißt Pollux und steht auf der Seite von Procyon - beide Sternnamen fangen mit "P" an; der rechte heißt Castor und steht auf der Seite der Capella - beide Sternnamen fangen mit "C" an. Pollux ist ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren, Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren. Procyon ist ein sonnennaher weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

2.3 Der Löwe mit dem Saturn

Östlich der noch sichtbaren Teile des Wintersechseckes sehen wir hoch im Südwesten zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der untere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blau-weißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der obere heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind. Links neben Regulus, etwa doppelt so weit entfernt wie die Algieba, kann man den Ringplaneten Saturn erkennen. Links oberhalb des Saturn sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)" - im Gegensatz zum Großen und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen Denebola und der Achse Algieba - Regulus befindet sich oberhalb des Saturn eine weitere Achse, die aus den beiden Sternen Duhr (oben) und Coxa (unten) besteht. Beide sind wie Denebola weißliche Sterne; Duhr ist knapp doppelt so weit wie Denebola entfernt, also rund 60 Lichtjahre, und Coxa rund fünfmal so weit wie Denebola, also rund 180 Lichtjahre.

2.4 Frühlingssterne: Arktur, Spica und die Jungfrau

Jungfrau und Bärenhüter
Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man hoch am Himmel zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter, der derzeit der hellste Fixstern am Himmel. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man im Süden zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blau-weißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Tief im Nordosten ist auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Nordsicht kann man links unterhalb der Wega auch Deneb im Schwan, einen blau-weißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren.

Die übrigen Sterne der Jungfrau sind nicht so hell; die Jungfrau hat nur noch vier weitere Sterne 3. Größe. Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Zudem befindet sich ein weiterer Stern etwas östlich der Spica. Die drei Sterne dieser Deichsel über der Spica sind von oben gezählt Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des Namens Almuredin, welches ebenfalls "Winzer" heißt. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "Der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italienischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt. Das ist eine ganz analoge Situation wie bei der gleichweit von uns entfernten Capella, deren Sterne allerdings deutlich heller sind. Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zu Porrima; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren.

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel; ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2.Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun tief im Osten steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

2.5 Die ersten Sommersterne: Wega und Deneb - via "kleine Polarsternregel"

Kleine Polarsternregel, Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Im Nordosten ist auch schon die Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. - Bei guter Nordsicht kann man links unterhalb der Wega auch Deneb im Schwan, einen blauweißlichen Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren, tief am Himmel wieder erspähen.

Die helle Wega kann man bei guten Sichtbedingungen ganz hübsch via Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen finden. Dabei geht man im Mai von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen einfach nach rechts unten in Richtung Horizont:

Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. - Es gibt auch eine "kleine" Polarsternregel, bei der es um die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagens geht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen gelangt man zu einem Stern namens Eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Folgt man nun dem Bogen, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis in dreifacher Verlängerung dieser hinteren Kastensterne aufgespannt wird, so gelangt man zu Ettanin und Alwaid, die den Kopf des Drachen bilden; sie sind die Botensterne der hellen Wega.

Ettanin und Alwaid kann man auch finden, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

3. Sternbild des Monats: Die Leier

Das Sternbild der Leier besteht vor allem aus der hellen Wega, einem Stern 0. Größe. Die übrigen Sterne dieses eher unscheinbaren Sternbildes bilden den Leierkasten und sehen aus wie ein Parallelogramm neben der Wega. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe; es sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 600 Lichtjahren.

Mythologische Darstellung der Leier
Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne sind zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren.

Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen.

Epsilon(2) Lyrae ist der Wega-nähere Stern, er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren. Der andere, epsilon(1) Lyrae, ist ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Beide Sterne sind beinahe 4. Größe hell.

Gemäß der Mythologie hat der griechische Gott Hermes dieses Musikinstrument erfunden, welches von der Leier dargestellt wird. Hermes schenkte es seinem Halbbruder Apollon, der die Leier dem berühmten Sänger Orpheus gab. Orpheus betörte damit in der Unterwelt deren Gott Hades, um seine an einem Schlangenbiss verstorbene Braut Eurydike zu erretten. Leider missachtete er beim Verlassen der Unterwelt das Gebot, nicht zurückzublicken, so dass Eurydike weiter in der Unterwelt bleiben musste. Nach Orpheus´ Tod wurde die Leier an den Sternenhimmel versetzt.

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4. Monatsthema: Bekannte schwache Sterne

Die Sternhelligkeit in Grössenklassen am Beispiel von Sternen und Planeten
Im vergangenen Monat konnte man 13 der 16 hellsten Fixsterne unserer Breitengrade bewundern. Dies sind ausnahmslos bekannte und prominente helle Sterne. In diesem Monat wollen wir uns nun mit einigen Vertretern weniger heller Fixsterne beschäftigen, die ebenfalls eine gewisse Bekanntheit haben und die man ganz einfach auffinden kann. Die am einfachsten auffindbaren schwachen Sterne sind die Sterne der Plejaden, der Augenprüfstern Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen sowie die inneren Sterne des Kleinen Wagen. In diesem Monat werden noch weitere vorgestellt.

Der besseren Übersichtlichkeit halber wird dieses Thema in 4 Unterthemen unterteilt:

4.1 Mitglieder von bekannten nahen Sternhaufen

Da man nahe Sternhaufen bei guten Sichtbedingungen sehr einfach erkennen kann, ist es nicht schwer, solche schwache Sterne am Himmel aufzufinden. Die beiden bekanntesten Sternhaufen sind die Plejaden und die Hyaden im Sternbild des Stieres: Ist die hellste Plejade Alcyone eine Stern beinahe 2. Größe, so sind die 5 nächsthellsten Plejadensterne Sterne 4. Größe, nämlich Atlas am "Stiel" der Plejaden, Elektra diagonal gegenüber, Maia über und Merope neben der Alcyone sowie Taygeta über der Maia. Alle sind blauweißliche Riesensterne. Die Plejaden sind rund 380 Lichtjahre von uns entfernt.

Das Sternbild des Stiers bestehend aus Plejaden und Hyaden
Die hellsten 5 Sterne der Hyaden sind ebenfalls Sterne gerade 3. sowie 4. Größe, nämlich gegenüber von Aldebaran der Stern Ain, ein Roter Riese, der auch Ain ("Auge") heißt. Neben ihm, in der Mitte oben, steht der Stern delta Tauri und an der Spitze dieses Dreiecks, also rechts, steht der Stern gamma Tauri. Beide sind wie unsere Sonne gelbe Sterne. Unten in der Mitte stehen zwei Sterne übereinander, der obere heißt theta(1) Tauri und ist ebenfalls ein gelber Stern, der untere etwas hellere heißt theta(2) Tauri und ist ein weißlicher Stern. Helligkeitsmäßig ist theta(2) Tauri der hellste Hyadenstern, vor Ain, gamma Tauri, delta Tauri und theta(1) Tauri. Die Hyaden sind rund 150 Lichtjahre von uns entfernt.

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4.2 prominente schwache Sterne in der Nähe einfach auffindbarer Sterne

Ein weiterer sehr bekannter und prominenter schwacher Stern ist der Augenprüfstern Alkor, der unmittelbar neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen steht. Alkor ist ein weißlicher Stern 4. Größe im Abstand von rund 80 Lichtjahren und ist bereits oben im Text erwähnt.

Ein weiterer viel genutzter Stern 4. Größe ist der Stern Alschain, der schwächere der beiden begleitenden Falken von Atair, dem Hauptstern des Adlers. Alschain ist ein gelber Stern im Abstand von 44 Lichtjahren.

Weniger bekannt, aber einfach auffindbar ist die "Ziegenfamilie" im Sternbild des Fuhrmann; einer früheren Deutung nach handelt es sich bei diesem Sternbild um einen Hirten, der eine kleine Ziege über seiner Schulter trägt. Der prominenteste Stern der Ziegenfamilie ist natürlich die helle Capella, das heißt "Zicklein", ebenso wie sein arabischer Name "Alhajoth". In manchen alten Deutungen werden der Ziegenvater und die Jungen der Ziege durch Almaaz und die beiden eng zusammenstehenden Sterne Hoedus I und Hoedus II in der Nähe der Mutter dargestellt; Capella, Almaaz und die beiden Jungen bilden ein kleines Dreieck in der Nähe der Capella.

Almaaz bedeutet "Ziegenbock", die beiden Jungen heißen Hoedus, das bedeutet "2 junge Ziegen". Hoedus II ist der innere und hellere Stern der beiden und ist wie der Ziegenvater ein Stern 3. Größe, während Hoedus I, der äußere der beiden, ein einfach auffindbarer Stern 4. Größe ist. Er ist ein fast 800 Lichtjahre entfernter Roter Riese. - Almaaz ist übrigens ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 2000 Lichtjahren und Hoedus II ein gut 200 Lichtjahre entfernter blauweißlicher Stern.

4.3 schwache Sterne an Schlüsselstellen einfach auffindbarer Sternbilder


Kleiner Wagen. Beim Klick auf das Bild werden die Sternnamen dargestellt
Ebenfalls bei guten Sichtbedingungen einfach auffindbare schwache Sterne sind die "inneren" Sterne des Kleinen Wagen, also dessen beide vorderen Kastensterne sowie die beiden ersten am kleinen Wagenkasten befestigten Deichselsterne. Drei von ihnen sind 4. Größe, einer gar nur 5. Größe. Der hellste der inneren Sterne des Kleinen Wagen ist der Stern epsilon Ursae Minoris, ein gelber Stern im Abstand von rund 350 Lichtjahren am ersten Deichselstern nach dem kleinen Wagenkasten. In etwa gleichhell sind zeta Ursae Minoris, der vordere obere Kastenstern des Kleinen Wagen, ein weißlicher, geringfügig weiter entfernter Stern, sowie delta Ursae Minoris, der mittlere Deichselstern des Kleinen Wagen. Dieser Stern ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Dieser Stern heißt auch Yildun, das bedeutet "(Polar-)Stern"; er diente türkischen Astronomen früher als Polarstern. Verbleibt der untere vordere Kastenstern eta Ursae Minoris, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 100 Lichtjahren.

Im Abstand von 32 Lichtjahren, das ist der Abstand von Arktur im Bärenhüter, würde unsere Sonne übrigens so hell wie diese Sterne 4. Größe des Kleinen Wagen leuchten, die aber allesamt viel weiter entfernt stehen.

Diesen Monat haben wir das Sternbild der Leier kennengelernt; die beiden Wega-näheren Parallelogramm-Sterne sowie die Doppelsterne epsilon(1) und epsilon(2)-Lyrae haben ungefähr 4. Größe: zeta Lyrae auf der Wega-zugewandten Seite ist ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren und delta Lyrae auf der Wega-abgewandten Seite ist ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren. Epsilon(2) Lyrae, der Wega-nähere Stern, ist ein weißgelblicher Stern, epsilon(1) Lyrae ein weißlicher Stern; beide sind von uns 160 Lichtjahren entfernt.

Weitere schwache Sterne haben wir auch schon im "Himmelslineal" kennengelernt; die beiden Nachbarn von Unuk, des Hauptsternes der Schlange, haben beide 4. Größe: delta Serpenti am oberen Anfang des Himmelslineals und epsilon Serpenti. Delta Serpenti ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren und epsilon Serpenti ist ein weißlicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren neben Unuk. Wer Lust hat, kann als kleine Übung einmal die Sterne der Nördlichen Krone rechts und links der Gemma suchen und auf einer Sternkarte zuordnen; auch sie sind sehr einfach auffindbare schwache Sterne.

4.4 Auffind-Hilfen von bekannten Nebelchen

Zum Auffinden bekannter astronomischer Objekte wie den Andromedanebel oder den Kugelsternhaufen M13 im Herkules werden oftmals Hilfssterne zur Orientierung verwendet. Diese haben typischerweise ebenfalls 4. Größe.

Mü Andromeda zwischen der Mirach und dem Andromedanebel ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren; nü Andromedae links vom Andromedanebel ist ein blauweißlicher Riesenstern beinahe 4. Größe im Abstand von fast 700 Lichtjahren; 32 Andromedae ist ein gelber Stern etwa 5 Größe im Abstand von gut 300 Lichtjahren.

Der berühmte Kugelsternhaufen M13 im Herkules liegt ja in einem Sterntrapez, welches zwei weitere Sterne dieser Größe enthält: Der Stern eta Herculi ist dem Kugelsternhaufen am nächsten und hat gerade noch 3. Größe; er ist ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der diagonal entgegengesetzten Ecke dieses Trapezes befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Im vergangenen Monat haben wir übrigens den Sternhaufen der Krippe im Sternbild Krebs kennengelernt sowie zwei Sterne am Rand der Krippe: Die beiden Sterne gamma und delta Cancri, die am linken Rand der Krippe stehen und ebenfalls im Feldstecher zu sehen sind, heißen Asellus Borealis - das ist der obere der beiden - und Asellus Australis; das bedeutet im lateinischen nördlicher und südlicher Esel. Asellus Australis ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren, ein Stern 4. Größe und Asellus Borealis ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren, der die 4. Größe knapp verfehlt.



Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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