Sternenhimmel im Mai 2011


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Am Sternenhimmel wird im Mai der Wechsel der Jahreszeiten eingeläutet; die meisten der prominenten Wintersterne haben die Himmelsbühne verlassen, dafür sind die Frühlings- und fast alle Sommersterne nachgerückt. Die helle Capella, die Zwillinge sowie Procyon sind noch auffällig im Westen zu sehen und im Süden kann man das schöne Sternbild des Löwen bewundern. Hoch im Osten sieht man den hellen Arktur und die helle Wega, die beide bis in den September den Sternhimmel beherrschen werden.

Der Große Wagen steht auf dem Kopf hoch über dem Polarstern und erscheint uns in dieser Lage sehr ungewohnt.

Im Osten steht der Ringplanet
Saturn über der Spica, zwischen dem Löwen und Arktur.

2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht hoch über uns am Himmel, so auf dem Kopf stehend wirkt er sehr ungewohnt. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach links unten verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash "Klageweiber"; der mittlere Deichselstern Mizar "Mantel".

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, der vordere untere Kastenstern heißt Phekda. Merak bedeutet "Lende", Phekda bedeutet "Schenkel". Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; die übrigen Sterne des Großen Wagen sind ebenso wie der Augenprüfstern neben Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".


Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Im Areal der beiden Himmelswagen befinden sich somit acht Sterne 2. Größe, von denen drei die 1. Größe nur knapp verfehlen.

-> mehr über Sternfarben und Sterntypen

2.2 Die Sprünge der Gazelle

Unterhalb der Wagensterne kann man ungefähr doppelt so weit entfernt, wie der Große Wagen hoch ist, drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Der Mythologie nach handelt es sich dabei um die Fußspuren einer vor dem Löwen fliehenden Gazelle. Tatsächlich befindet sich der Kopf des Sternbildes des Löwen ganz in der Nähe des ersten Sternpaares. Diese beiden heißen Alula Borealis und Alula Australis, das bedeutet "1. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern. - Das zweite Sternpaar besteht aus Tania Borealis und Tania Australis, das bedeutet "2. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern. Und das dritte Sternpaar schließlich besteht aus Talitha Borealis und Talitha Australis, das bedeutet "3. Sprung der Gazelle", nördlicher Stern und südlicher Stern.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne haben 3. Größe: Tania Australis vom zweiten Sprung der Gazelle ist ein Roter Riese im Abstand von 250 Lichtjahren und Talitha Borealis vom dritten Sprung der Gazelle ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren.

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mehr über die Große Bärin (mit Darstellung)

2.3 Der Abschied der Wintersternbilder: Capella, Castor und Pollux sowie Procyon

Das Wintersechseck ist nun schon zum großen Teil untergegangen und man sieht nur noch einen Bogen am Westhimmel. Folgt man diesem Bogen von rechts nach links, so sieht man hoch im Nordwesten den Hauptstern des Fuhrmannes, die Capella, die 0. Größe hell ist. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen trägt der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein. Links oberhalb der Capella steht der Stern Menkalinan, ein Stern heller als 2. Größe. Das bedeutet "Schulter dessen, der die Zügel führt" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Jahren.

Links oberhalb des Fuhrmann kann man die beiden Sterne der Zwillinge nebeneinander sehen, zunächst Castor, links neben ihm dann Pollux. Castor ein bekannter Doppelstern zweier weißlicher Sterne im Abstand von 45 Lichtjahren, Pollux ein naher Roter Riese im Abstand von gut 30 Lichtjahren.

Folgt man diesem großen Bogen Capella - Menkalinam - Castor und Pollux weiter nach links unten, so kann man über dem Südwesthorizont einen weiteren Stern 0. Größe sehen, das ist Procyon im Kleinen Hund. Procyon bedeutet "Stern, der vor dem Hundsstern (aufgeht)". Procyon ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 11 Lichtjahren.

2.4 Arktur, Spica und weitere Frühlingssterne

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Osten zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Nach dem Untergang des hellen Sirius ist er der hellste Fixstern am Abendhimmel. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel. Verlängert man die Wagendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren. Sie steht derzeit unter dem Ringplaneten Saturn. Der arabische Name der Spica lautet Azimech, das bedeutet "die beiden, die hoch sind" - gemeint sind Arktur und Spica.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun links von Arktur steht, ist der zweithellste Stern des Bärenhüters, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Tief im Osten kann man kann in Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Der dritthellste Stern des Bärenhüters ist Muphrid neben Arktur und steht ungefähr senkrecht zur Deichsel Arktur - Mirak - Gemma, das ist derzeit schräg oberhalb von Arktur. Muphrid heißt "der Einzelne" und ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von knapp 40 Lichtjahren. Sei noch vierthellste Bärenhüter-Stern Ceginus genannt: zu ihm gelangt man, wenn man von der Deichsel des Großen Wagen ausgehend den Bärenhüter erreicht. Ceginus ist ein Stern 3. Größe, sein Name ist die lateinisierte Form des Sternbildnamens Bärenhüter, der im griechischen Theguius heißt. Ceginus ist ein weißlicher Stern im Abstand von 85 Lichtjahren.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen senkrecht zur Krümmung geht, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

2.5 Spica und die übrigen Sterne der Jungfrau

Jungfrau und Bärenhüter
Wie vorher gesehen gelangt man zur Spica, indem man die Deichsel des Großen Wagen über Arktur hinaus weiterverlängert. Die übrigen Sterne der Jungfrau sind nicht so hell; die Jungfrau hat nur noch vier weitere Sterne 3.Größe. Am einfachsten kann man sich die Jungfrau als eine Deichsel vorstellen, die sich über ihrem Hauptstern Spica befindet. Zudem befindet sich ein weiterer Stern etwas östlich der Spica. Die drei Sterne dieser Deichsel über der Spica sind von oben gezählt Vindemiatrix, Minelauva und Porrima. Zur Zeit steht der Ringplanet Saturn in der Nähe der Porrima. Vindemiatrix ist die lateinische Übersetzung des Namens Almuredin, welches ebenfalls "Winzer" heißt. Dieser Stern ist ein gelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und wenn dieser Stern im Herbst in der frühen Morgendämmerung wieder sichtbar wurde, fing man mit der Weinernte an. Minelauva heißt "Der Anpreiser" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, also doppelt so weit entfernt wie Vindemiatrix, etwas näher als der Hauptstern Spica. Porrima ist der Eigenname einer italienischen Geburtsgöttin; hier umkreisen zwei gelbliche Sterne einander; Porrima ist 40 Lichtjahre von uns entfernt. Das ist eine ganz analoge Situation wie bei der gleichweit von uns entfernten Capella, deren Sterne allerdings deutlich heller sind. Wenn man von der Spica zu Vindemiatrix hinaufgeht und auf halber Strecke nach rechts abbiegt, so gelangt man zum mittleren Stern der Jungfrau-Deichsel, zur Minelauva; biegt man statt dessen nach links ab, so gelangt man zur Heze. Diese ist ein weißlicher Stern im Abstand 73 Lichtjahren.

2.6 Die ersten Sommersterne: Wega, der Weg vom Kleinen Wagen zur Wega sowie Deneb

Im Nordosten ist die helle Wega in der Leier aufgegangen, sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren. Wega bedeutet "herabstoßender Adler". Noch tief am Horizont stehend wird sie manchmal mit dem hellsten Stern des Sternbildes des Drachen, mit Ettanin, einem Stern 2. Größe, verwechselt, doch recht schnell steigt die Wega höher und entfaltet dann bald wie Arktur ihre volle Pracht. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; Ettanin kann man daran erkennen, dass schräg rechts über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern steht: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Am einfachsten gelangt man zu diesen beiden Botensternen der Wega, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen ausgeht: In nur dreifacher Verlängerung vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe namens eta Draconis, dem zweithellsten Stern des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach links unten, ab, so kann man bei guten Sichtbedingungen in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren.

Ettanin und Alwaid findet man, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichweit weiter geht. Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier; sie liegt auf der Linie der beiden hellsten Drachensterne eta Draconis zu Ettanin.

Sei noch Pherkad, der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, genannt: er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber".

Tief im Norden kann man links unterhalb der Wega auch Deneb im Schwan, einen blauweißlichen Riesenstern 1. Größe im Abstand von 3000 Lichtjahren, erspähen. Deneb bedeutet "Schwanz (des Schwanes)".

2.7 Das Sternbild des Löwen und Alphard in der Wasserschlange

Östlich des verbliebenen Bogens des Wintersechseckes sieht man hoch im Süden zwei helle Sterne des Sternbildes Löwe; der rechte untere ist Regulus beim Herz des Löwen, ein blauweißlicher Stern erster Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Regulus bedeutet "kleiner König", diesen Namen hat er, weil er immer wieder Besuch von einem Planeten sowie vom Mond bekommt. Der linke obere heißt Algieba und markiert die Stirn des Löwen; die Algieba besteht aus zwei einander umkreisenden Sternen, einem Roten Riesen sowie einem gelben Stern, die 130 Lichtjahre von uns entfernt sind.

Nach Sonnenuntergang unter der Algieba, später in der Nacht dann links von ihr, etwa doppelt so weit entfernt wie Regulus, sieht man einen weiteren Stern 2. Größe, das ist Denebola, das bedeutet "Schwänzchen (des Löwen)". Im Gegensatz zur Großen Bärin und zum Kleinen Bären, die beide von Zeus am Schwanz gepackt und an den Himmel geschleudert wurden und deswegen überlange Schwänze haben, scheint der Löwe nur ein kurzes Schwänzchen zu haben. Denebola ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 35 Lichtjahren.

Zwischen der "Achse" Algieba-Regulus von der Stirn zum Herzen des Löwen sowie Denebola am Schwänzchen des Löwen gibt es noch eine weitere etwas kleinere "Achse" zwischen dem Rücken und der Hüfte des Löwen: der obere Stern heißt Duhr, der untere Coxa. Beide sind weißliche Sterne, Duhr im Abstand von 60 Lichtjahren und Coxa rund dreimal weiter entfernt im Abstand von 170 Lichtjahren. Duhr bedeutet "Rücken", Coxa bedeutet "Hüfte".

In der Nähe der Algieba finden wir 3 Sterne, welche den Kopf des Löwen markieren: Etwas oberhalb zunächst Adhafera, die Haarsträhne des Löwen, dann westlich Ras Elased Borealis und südlich von ihm Ras Elased Australis, die beiden Sterne "nördlich und südlich des Kopfes des Löwen". Ras Elased Australis ist ein Stern 3. Größe, wie unsere Sonne gelblich und 250 Lichtjahre von uns entfernt; über ihm Ras Elased Borealis ist ein Roter Riese im Abstand von gut 130 Lichtjahren. Adhafera schließlich ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.

Sei noch der Stern eta Leonis zwischen Algieba und Regulus, ein wenig vor der Verbindungslinie, erwähnt; er wird manchmal fälschlicherweise als Subra bezeichnet. Den richtigen Stern Subra findet man, wenn man von eta Leonis kommend bei Regulus rechtwinklig nach Westen abbiegt und dann etwa doppelt so weit geht; dieser Stern ist gleich hell wie eta Leonis und heißt Subra. Subra bedeutet "Mähne" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 120 Lichtjahren. Eta Leonis ist ebenfalls ein weißlicher Stern, er ist aber mit 2000 Lichtjahren viel weiter entfernt.

Wenn man von der Algieba über Regulus nach rechts unten knapp dreimal verlängert, so trifft man einen Stern 2. Größe, das ist Alphard in der Wasserschlange. Alphard bedeutet treffenderweise "der alleine dastehende Stern", da die Wasserschlange sehr ausgedehnt ist und ihre übrigen Sterne nicht sehr auffällig sind. Alphard ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 200 Lichtjahren. Alphard kann man auch in der Verlängerung der beiden Zwillingssterne Castor und Pollux finden.

Rabe und Jungfrau

2.8 Der Rabe

Rechts unterhalb der Jungfrau befindet sich das Sternbild des Raben, das man bei guter Südsicht schön erkennen kann. Es sieht aus wie ein kleines schiefes Viereck, bei dem die rechte obere Kante nach unten eingeknickt ist. Die obere Kante wird links von Algorab ("rechter Flügel des Raben") und rechts von Gienah ("Flügel") gebildet, die untere Kante links von einem Stern namens Kraz und unten rechts steht Minkar ("Schnabel"). Gienah und Kraz sind Sterne beinahe 2. Größe, Algorab und Minkar haben 3. Größe.

Algorab und Gienah sind blauweißliche Sterne im Abstand von 120 und knapp 200 Lichtjahren, Kraz ist ein gelblicher Stern im Abstand von fast 150 Lichtjahren und Minkar ein ebenso weit entfernter Roter Riese.

Der Hauptstern des Raben indes ist nur ein Stern 4. Größe und steht rechts unterhalb von Minkar. Er heißt Alchiba und ist ein 50 Lichtjahre entfernter weißgelblicher Stern. Alchiba bedeutet "das Zelt".

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mehr zum Raben


3 Die Mondstationen am Abendhimmel

3.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, denen die Sonne im Verlaufe des Jahres ihren Besuch abstattet, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben nun 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht, das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

3.2 Die Mondstation at-tarf an der Grenze der Sternbilder Krebs, Löwe und Wasserschlange

Die erste Mondstation dieses Monats besteht nur aus schwachen Sternen und heißt at-tarf; das bedeutet "der Blick (des Löwen)", ist also dort, wohin der Löwe schaut. Aufgrund eines Übertragungsfehlers hat der hellste Stern des Sternbildes Krebs irrtümlich diesen Namen erhalten und heißt heute Altarf. Diesen Stern findet man recht einfach, indem man von Castor und Pollux kommend rund dreimal verlängert, bis man auf der Höhe von Procyon ist. Altarf ist ein Stern beinahe 3. Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von gut 200 Lichtjahren. In der indischen Tradition heißt diese Mondstation "der Umarmer" und wird von einer Sterngruppe gebildet, deren beiden hellsten Sterne auf dem Weg von Castor und Pollux zu Alphard geringfügig weiter als Altarf stehen. Es sind dies zwei Sterne 3. Größe im Norden der Wasserschlange, zeta Hydrae und epsilon Hydrae. Der linke und etwas hellere Stern zeta Hydrae ist ein Roter Riese und epsilon Hydrae ist wie unsere Sonne ein gelber Stern. Beide sind von uns 150 Lichtjahren entfernt.

Der Krebsstern Altarf steht dann ungefähr in der Mitte zwischen Procyon und den beiden nördlichen Sternen der Wasserschlange, also zeta und epsilon Hydrae, etwas in Richtung der Zwillinge eingerückt. Es ist bemerkenswert, dass aufgrund eines Irrtums ein Stern den Namen dieser Mondstation erhalten hat, der in der Nähe der Sterne der indischen Tradition steht.

Das Sternbild des Löwen enthält drei Mondstationen.

3.3 Die drei hellen Mondstationen im Sternbild Löwe

Die drei nächsten Mondstationen bestehen aus den Löwensternen und sind einfach zu finden:

Al-gabba hat der Algieba ihren Namen verliehen und besteht aus der Linie Adhafera - Algieba - eta Leonis und Regulus; in der indischen Tradition wird nur Regulus verwendet und heißt dort "der Große".

Az-zubra besteht aus den beiden Sternen Duhr und Zosma der mittleren Löwenachse; der Name dieser Mondstation ist dann auf den Löwenstern Subra im rechtwinkligen Dreieck eta Leonis, Regulus und Subra übergegangen. In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der frühere Rötliche" übersetzt.

Die Mondstation As-sarfa schließlich besteht aus der Denebola beim Schwänzchen des Löwen, dies bedeutet der "Wechsel (des Wetters)". In der indischen Tradition wird diese Mondstation mit "der spätere Rötliche" übersetzt.

3.4 Die beiden hellen Mondstationen im Sternbild Jungfrau

Die erste Mondstation des Monats heißt al-auwa und hat dem Stern Minelauva in der Jungfrau seinen Namen gegeben. Al-auwa besteht aus dem Jungfraubogen, von dem bereits Vindemiatrix, Minelauva und Porrima im Text vorgestellt wurden. Wenn man nun von Porrima rechtwinklig in Richtung Regulus im Löwen geht, so gelangt man in gleichem Abstand wie Vindemiatrix zu einem gleichhellen Stern wie Porrima namens Stern Alaraph. Dieser ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren. Dazwischen etwas nach unten eingerückt steht ein fast gleichheller Stern namens Zaniah. Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 250 Lichtjahren. Zaniah bedeutet "Ecke (des bellenden Hundes)". In der indischen Tradition wurden anstelle des Jungfraubogens die fünf Sterne des Raben als Mondstation verwendet.

Al-auwa bedeutet "in dem Winkel des Käf"; Käf ist ein arabischer Buchstabe, dem die Sterne dieser Mondstation ähneln. Eine andere Lesart übersetzt diesen Namen "mit bellenden Hunden", so dass diese 5 Sterne fünf Hunde darstellen, die dem Löwen hinterherbellen.

Die zweite Mondstation des Monats heißt as-simak und wird von der hellen Spica gebildet. As-simak bedeutet bedeutet "die beiden, die hoch sind"; gemeint sind damit Arktur und Spica in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen; diese Bezeichnung ist später auf Azimech, den arabischen Namen der Spica, übergegangen. In der indischen Tradition heißt sie "die Helle".

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Einführung in die Mondstationen

4. Monatsthema: Die hellsten Nicht-Wagensterne in der Großen Bärin

4.1 Einleitung

Das bekannteste Sternbild überhaupt ist zweifelsohne der sehr figürliche Große Wagen; genau genommen bilden die Wagensterne kein eigenes Sternbild, sondern sind ein Teil eines umfassenderen Sternbildes, welches "Große Bärin" heißt. Dieses Sternbild enthält 20 Sterne, die heller als 4. Größe sind. Am bekanntesten sind die 8 Sterne, die den Großen Wagen sowie den Augenprüfstern bilden; hier befinden sich auch die sechs hellsten Sterne des Sternbildes, die allesamt 2. Größe aufweisen.

Unterhalb des Großen Wagen findet man sehr einfach die 3 Sternpaare der drei Gazellensprünge, die dritte oder beinahe dritte Größe erreichen, so dass bereits 14 Sterne der Großen Bärin beisammen sind.

b>Drei weitere Sterne stellen weitere Körperteile der Großen Bärin dar; zwei von ihnen stehen an der Ferse des Hinter- und des Vorderbeines der Großen Bärin, deren Krallen gerade durch die Sterne des zweiten und des dritten Gazellensprunges dargestellt werden, der dritte befindet sich beim Kopf der Großen Bärin.

Die verbliebenen drei Sterne der Großen Bärin sind eher unauffällige Sterne, die die 3.Größe knapp verfehlen.

4.2 Der Große Wagen und der Augenprüfstern

Das komplette Sternbild der Großen Bärin. Alle im Text erwähnten Sterne sind auf der vergrösserten Darstellung bezeichnet.
Wir haben im Text bereits erfahren, dass der Große Wagen zwar keinen Stern 1. Größe, dafür aber sieben helle und leicht erkennbar angeordnete Sterne, von denen drei Sterne immerhin beinahe 1. Größe erreichen und somit dieselbe Helligkeit wie zahlreiche der hellen Wintersterne haben. Die Helligkeit dieser drei Wagensterne wird meistens unterschätzt.

Zudem enthält der Große Wagen drei weitere Sterne 2. Größe, so dass hier sechs Sterne 2. Größe auf engem Raum versammelt sind.

Der 7. Kastenstern erreicht 3. Größe, das ist der vordere obere Kastenstern; er heißt Megrez, was passenderweise "Anfügepunkt (des Schwanzes)" bedeutet. Megrez ist wie die anderen inneren Wagensterne ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren.

Ebenfalls sehr bekannt ist der immerhin zwanzighellste Stern der Großen Bärin,der "Augenprüfstern" Alcor neben dem mittleren Deichselstern. Altgriechische Kulturen glaubten, Alcor sei die fehlende 7. Plejade. Alcor wird manchmal mit "der Schwache" übersetzt, was aber sprachwissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist. Wahrscheinlicher ist, dass Alcor eine Nebenform von Alioth ist, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alcor für den Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet; früher nannte man ihn auch "Fuchsstern"; das erinnert an den "Hundsstern", mit dem der hellste Fixstern Sirius bezeichnet wird.

4.3 Die Sprünge der Gazelle

Wie schon im Text gesehen kann man unterhalb der des Wagens drei paarweise beieinander stehende Sterne dritter und beinahe dritter Größe erkennen. Dies sind die Fußspuren der drei Sprünge einer Gazelle, die der Mythologie zufolge vor dem Löwen flieht. Diese drei Gazellensprünge heißen ihrer Reihenfolge nach Alula, Tania und Talitha, wobei der nördliche Stern des jeweiligen Sprunges mit "Borealis" und der südlich Stern mit "Australis" bezeichnet wird.

Die beiden hellsten dieser sechs Sterne sind Tania Australis vom zweiten und Talitha Borealis vom dritten Sprung der Gazelle; diese beiden Sterne wurden bereits im Text vorgestellt. Drei weitere Gazellensprung-Sterne erreichen ebenfalls gerade noch 3. Größe, das sind Tania Borealis vom zweiten Gazellensprung, Alula Borealis vom ersten Gazellensprung sowie Talitha Australis vom dritten Gazellensprung. Ersterer ist ein weißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren, zweiterer ein Roter Riese im Abstand von 420 Lichtjahren und dritterer ein weißlicher Stern ebenfalls im Abstand von 420 Lichtjahren.

Verbleibt noch Alula Australis vom ersten Gazellensprung; hier umkreisen zwei gelbe Sterne einander. Alula Australis ist knapp 30 Lichtjahre von uns entfernt. Das ist eine ganz analoge Situation wie bei der Capella, deren Sterne allerdings deutlich heller sind, sowie dem Jungfrau-Stern Porrima. Alula Australis erreicht beinahe 3. Größe.

4.4 Weitere Körpersterne der Großen Bärin

Figürlich kann man unterhalb des Wagens sehr schön die Hinter- und die Vordertatze der Großen Bärin sehen, die aus je drei Sternen bestehen und deren Krallen vom mittleren und vom dritten Gazellensprung dargestellt werden.

Psi Ursae Maioris ist der hellste Bärenstern, der nicht im Wagen steht, und man findet ihn sehr einfach in doppelter Verlängerung der beiden vorderen Kastensterne nach unten. Dieser Stern steht figürlich an der Ferse des Hinterbeines der Großen Bärin und bildet zusammen mit dem mittleren Gazellensprung, den beiden Tania-Sternen, die zwei Krallen markieren, ihre Hintertatze. Psi Ursae Maioris ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Psi Ursae Maioris ist der siebthellste und Tania Australis der achthellste Stern der Großen Bärin.

Al Haud findet man, indem man von der Deichsel herkommend diagonal durch den Wagenkasten hindurchgeht und dann noch eineinhalb mal weitergeht. Dieser Stern, der manchmal auch als Sarir bezeichnet wird, befindet sich figürlich an der Ferse des Vorderbeines der Großen Bärin und bildet zusammen mit dem dritten Gazellensprung, den beiden Talitha-Sternen, die ebenfalls zwei Krallen markieren, ihre Vordertatze. Al Haud bedeutet "Becken", was ein etwas befremdlicher Name für einen Stern ist, der figürlich an einem Vorderfuß steht. Er und ist ein weißgelblicher Stern 3. Größe im Abstand von 44 Lichtjahren. Talitha Borealis ist der neunthellste Stern der Großen Bärin, Al Haud ihr zehnthellster Stern.

Muscida befindet sich am Kopf der Großen Bärin, man findet ihn in knapp dreifacher Verlängerung der beiden oberen Kastensterne nach hinten, also weg von der Deichsel. Muscida bedeutet "Hundeschnauze" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern 3. Größe im Abstand von 184 Lichtjahren. Von bloßem Auge ist Muscida gleich hell wie der schwächste Wagenstern Megrez.

Seien noch drei Sterne beinahe 3. Größe genannt: Manchmal wird der Name Alkaphrah oder El Kophrah, das bedeutet "Gelenk", einem Stern des Körpers der Großen Bärin zugeordnet; hierbei ist aber zu beachten, dass dies nur die Folge eines Übersetzungsfehlers aus dem Arabischen ist und sich dieser Name ursprünglich auf die drei Sternpaare der Gazellensprünge bezieht. Dieser Stern befindet sich zwischen dem unteren vorderen Kastenstern Phekda und psi Ursae Maioris, etwas in Richtung Arktur eingerückt. - Auf dem Weg von Muscida zu Dubhe, dem oberen hinteren Kastenstern, findet man nach gut einem Drittel den Stern h Ursae Maioris und auf dem Weg von Muscida zu Merak, dem unteren hinteren Kastenstern, findet man nach gut einem Drittel den Stern upsilon Ursae Maioris. Alkaphrah ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren, h und upsilon Ursae Maioris sind weißgelbliche Stern im Abstand von 75 Lichtjahren und von 115 Lichtjahren.

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mehr zur Großen Bärin: Sterne des Aristoteles und Mythologie

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