Sternenhimmel im November 2007

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Aktuelles aus der Wissenschaft: Transplutonischer Planet?
  4. Feldstecher-Objekte

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Im November gehen die ersten Wintersternbilder im Osten auf; das Sommerdreieck ist bereits halbhoch in den Westen weitergezogen und die ersten Herbststernbilder stehen hoch im Südosten. Halbhoch im Nordosten kann man gut die helle Capella erkennen, knapp auf halbem Wege unter ihr zum Horizont funkelt ein rötlicher Stern, das ist der Planet Mars, dessen Sichtbarkeit nun rasch besser wird.

Der Große Wagen steht nun über dem Nordhorizont unter dem Polarstern, während die W-förmige Cassiopeia bald im Zenit steht.

Ganz aktuell kann man im November den Kometen Holmes beobachten, der am 24.Oktober einen Helligkeitsausbruch erfahren hat und nun so hell wie die Sterne des Großen Wagen ist; er ist auch für Anfänger sehr leicht auffindbar.

3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne


Ausschnitt des Sternenhimmels im November gegen Süden.
Zum Vergrössern auf Bild oder Lupe klicken



Am Nordhimmel steht der große Wagen
Der bekannte Große Wagen steht nun über dem Nord-Horizont; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Geht man von der Deichsel des Großen Wagen, also dem Teil, an dem der Wagenkasten gezogen wird, am Polarstern vorbei, so kann man etwa im gleichen Abstand ein Sternbild erkennen, das wie ein W aussieht; es wird oftmals auch das "Himmels-W" genannt und das ist die Cassiopeia.

Zwischen der Wagendeichsel und dem Polarstern sieht man noch zwei weitere Sterne, das sind die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, von dem man also bei normalen Beobachtungsbedingungen nur den Polarstern am Ende der Deichsel des Kleinen Wagen und dessen beide hinteren Kastensterne sehen kann.

Der Große Wagen und die Cassiopeia enthalten keine Sterne 1. Größe, aber zahlreiche Sterne 2. Größe und sind aufgrund ihrer sehr figürlichen Form sehr auffällig und einfach zu finden. Auch der Polarstern und der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen sind Sterne 2. Größe.

Im Herbst kann man von der Cassiopeia ausgehend die wichtigsten Sterne der Andromedakette sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Cassiopeia als Wegweiser im Herbsthimmel

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia ungefähr zur Sirrah, die hoch über uns steht und der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleichhell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar, und in der vierten Rubrik wird genauer beschrieben, wie man ihn auffinden kann.

Die Sirrah und die Mirach sind gleichhell wie der Polarstern und der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.


Hoch am Himmel präsentiert sich der Fuhrmann
Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Zur Zeit steht links unterhalb dieses Sternes neben diesem Stern der Komet Holmes, der fast gleich hell erscheint und der im Feldstecher wie ein Nebelchen ohne Schweif aussieht. Im November wird dieser Komet im Uhrzeigersinn um diesen Stern Mirfak herumwandern.

Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Die Capella ist ein Stern 0. Größe und ist derzeit der hellste Fixstern am Himmel; schräg unter ihr kann man von der Cassiopeia aus an der Capella nochmals gleichweit vorbeigehend einen hellen rötlich funkelnden Stern sehen - das ist der Planet Mars, der nun immer heller wird. Halbhoch im Westen kann man einen Stern gleicher Helligkeit wie die Capella sehen, das ist die berühmte Wega in der Leier; sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und ihr Name bedeutet "herabstoßender Adler".

->
mehr zum Fuhrmann

Wir haben nun die wichtigsten Sterne im November kennengelernt.

Für Erfahrenere: Der Widder

Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch nochmal gleichweit weiter; dort kann man also südlich der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie der Polarstern, Sirrah und die Mirach.

Pegasus: Das weitere Herbstviereck

Rechts von der Sirrah sieht man die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht. An der oberen Ecke befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks heißt Matar, er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; Matar bedeutet "Schulter". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Markab, der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, ist ein gelbweißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". - An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

Perseus und Stier

Ebenfalls schön sichtbar ist der zweithellste Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht rechts unterhalb von Mirfak; man kann ihn auch finden, indem man von Sirrah kommend bei der Mirach geradeaus weitergeht und nicht Richtung Alamak und Mirfak "abbiegt". In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem, und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller, als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Das Herbstviereck, Mirach, Alamak und Algol bilden einen übergroßen "Großen Wagen".

Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht ein weiterer Stern 1. Größe, das ist Aldebaran, der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran", was "der, der nachfolgt" bedeutet, und zwar den Plejaden. Aldebaran ist also der Stern, der den Plejaden nachfolgt, er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Vorsicht, dass man ihn in diesen Tagen nicht mit dem Mars verwechselt, der etwas nordöstlich in den Zwillingen steht und mittlerweile viel heller ist.

Das Sommerdreieck

Sommerdreieck (orange) mit Achsenspielgelung (hellblau) zu Ras Alhauge im Schlangenträger und Enif (Pegasus)

Das Sommerdreieck ist bereits nach Westen weitergezogen. Es besteht aus drei Sternen erster Größe: der hellen Wega, einem Stern sogar 0. Größe in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Der "fliegende Adler" Atair wird dabei von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens Sadir; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt.

Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu einem Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun hoch im Süden steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Spiegelt man die Wega an der Achse Deneb - Atair, so gelangt man im Süden zu Enif, dem hellsten Stern des Pegasus, der bereits oben beschrieben wurde.

-> mehr zum Schwan

3. Aktuelles aus der Wissenschaft: Transplutonischer Planet?

Die äußeren Bereiche unseres Sonnensystems sind Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen. Hier befindet sich ein Planetoidengürtel jenseits der Neptunbahn, der dreißigmal weiter die Sonne umkreist als unsere Erde. Dieser Planetoidengürtel heißt "Kuipergürtel" und die früheren 9. und 10.Planeten unseres Sonnensystems, Pluto und Eris, sind beide mit rund 2400 km Durchmesser die beiden größten bekannten Zwergplaneten dieses Planetoidengürtels, in dem man 5 weitere Zwergplaneten größer als 1000 km Durchmesser kennt. Die gängigen Modelle sagen eine äußere Grenze bei etwa doppeltem Neptunabstand voraus, man hat aber einige Zwergplaneten entdeckt, die jenseits dieser Grenze liegen; die bekanntesten sind die etwa 1600 km große Sedna sowie die etwa 700 km große Buffy, deren Bahnen ebenso unverstanden sind wie die große Exzentrizität und Bahnneigung der 2500 km großen Eris. Zusammen mit einigen weiteren Planetoiden dieser Zone, deren sonnennächste Punkte weiter als 1.5 facher Neptunabstand aufweisen, hat nun ein wissenschaftliches Team einen äußeren Planeten modelliert, der diese bislang unverstandenen Umlaufbahnen erklären könnte. Ein solcher Planet hätte wie die Eris und Buffy ein rund 45° stark geneigte Umlaufbahn und wäre etwa doppelt so weit entfernt wie derzeit Sedna und Eris, welche sich derzeit im dreifachen Neptunabstand von der Sonne, also im 90-fachen Erdabstand, befinden. Ein solcher Planet wäre ungefähr so hell wie Eris und Sedna, jedoch würde man ihn aufgrund seiner geringen Bewegung vor dem Fixsternhimmel vermutlich nur für einen unscheinbaren Fixstern halten und deswegen nicht entdecken.

->
Planetandefinitionen und Bilder Kuiperobjekte
-> zum Verzeichnis "Wissenschaft"

4. Feldstecher-Objekte

Nach Sonnenuntergang kann man bei schöner Sicht im November die Kugelsternhaufen M13 im Sternbild des Herkules und M15 im Sternbild des Pegasus sowie den sehr bekannten Andromedanebel mit einem Feldstecher beobachten.

Der Kugelsternsternhaufen M13 im Herkules

Nach Sonnenuntergang steht zwischen der Wega und Ras Alhague das Sternbild des Herkules noch halbhoch am Himmel.

Dieses Sternbild sieht aus wie ein K, das auf dem Kopf steht; am unteren rechten Schenkel dieses verkehrt herum stehenden K befindet sich der hellste Stern des Herkules, das ist Rutikulus; er ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Am linken unteren Schenkel steht der Stern Sarin, ebenfalls ein Stern 3. Größe; er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Der zweithellste Herkulesstern, zeta Herculi, steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks, also in der Mitte rechts dieses verkehrt herum stehenden K. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt, der gerade noch 3. Größe aufweist; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Nun ist es nicht mehr schwer, bei guter Sicht den bekannten Kugelsternhaufen M13 zu finden: Geht man von Rutikulus an zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, nach dem Andromedanebel das bekannteste Sternnebelchen. Während der Andromedanebel eine eigene Galaxie wie unsere Milchstraße ist, ist M13 ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300000 Sterne.

M15. Bild Hubble Teleskop

Der Kugelsternsternhaufen M15 im Pegasus

Einen anderen Kugelsternhaufen, M15, kann man ebenfalls recht einfach im Sternbild des Pegasus, welches im vergangenen Monat vorgestellt wird, erkennen: Zwischen dem Hauptstern Markab an der rechten Ecke des Herbstviereckes und dem hellsten Pegasusstern Enif, den man durch Spiegelung der Wega an der Achse Deneb - Atair findet, befinden sich zwei weitere Pegasussterne 3. Größe, nämlich unterhalb von Markab der Stern Homam und weiter unterhalb, etwa rechts der Stern Baham. Homam bedeutet "Mann von hohem Geist" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren, Baham bedeutet "der Viehbestand" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Geht man nun von Baham zu Enif und darüber rund die Hälfte hinaus, so kann man im Feldstecher den Kugelsternhaufen M15 erkennen; dieser ist 35000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält rund 500000 Sterne.

->
mehr zum Pegasus

Der Andromedanebel (M31)

Jetzt kann man auch wieder den berühmten Andromedanebel sehen. Der Andromedanebel ist außerhalb der Stadt leicht mit einem Feldstecher zu finden. Man muss zuerst den Stern Mirach finden: Das ist der mittlere Stern der Andromeda-Kette, die im Herbstviereck an der Sirrah nach links abzweigt. Hier muss man beachten, dass man nicht versehentlich delta Andromedae für die Mirach hält. Man kann die beiden aber ganz leicht unterscheiden: Erstens ist der Abstand Sirrah - delta Andromedae deutlich kleiner als ein Schenkel des Herbstviereckes und zweitens sind Sirrah und Mirach gleich hell, während delta Andromedae eineinhalb Größenklassen weniger hell ist. Delta Andromedae, ein Stern 3. Größe, steht also etwas unterhalb zwischen Sirrah und Mirach, etwas näher an der Sirrah; er ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Die nächst gelegene Galaxie
Nimmt man nun Mirach ins Gesichtsfeld des Feldstechers, so sieht man über Mirach einen weiteren hellen Stern, das ist mü Andromedae. Dies ist ein weißlicher Stern zwischen 3. und 4.Größe im Abstand von 140 Lichtjahren. - Nun muss man den Feldstecher so verschieben, dass nicht mehr Mirach, sondern mü Andromedae im Mittelpunkt des Gesichtsfeldes steht, und nochmals in gleichem Abstand oberhalb sieht man dann den Andromedanebel. Etwas weniger weit entfernt stehen rechts und links unterhalb des Andromedanebels ebenfalls je ein Stern, so dass mü Andromedae, diese Sterne rechts und links sowie der Andromedanebel eine Drachenfigur bilden. Da das menschliche Auge in der Stelle des schärfsten Sehens farbempfindliche Zellen hat, die nachts aber nicht sehen können, muss man im Feldstecher etwas neben den Andromedanebel schauen - am besten schaut man den Stern rechts oder den Stern links an, dann kann man den Andromedanebel schön erkennen, weil nun die nacht-empfindlichen Stäbchenzellen, die in der Randregion unserer Augen stehen, aktiviert werden. Doch sobald das Auge versucht, den Andromedanebel scharf zu stellen, sieht man ihn fast nicht mehr.

Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine Galaxie, die 2 Millionen Lichtjahre von uns entfernt ist. Er ist das am weitesten entfernte Objekt, das wir mit einem Feldstecher anschauen können, und bei sehr guter Sicht weit außerhalb der Stadt ist er sogar von bloßem Auge erkennbar.

->
mehr über Kugelsternhaufen
-> zur Andromeda-Sage


Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

Startseite