Sternenhimmel im November 2009


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Im November findet nun der rasche Übergang vom Sommerhimmel zum Winterhimmel statt; das Sommerdreieck mit der hellen Wega in der Leier Deneb im Schwan sowie Atair im Adler steht in der Westhälfte des Himmels und der Sternenhimmel ist spätherbstlich geworden: Im Osten stehen der Pegasus, die Andromeda, der Perseus und vom Wintersechseck sind schon die helle Capella und Aldebaran bereits hoch am Himmel zu bewundern.

Der Große Wagen hat sich links unter den Polarstern herabgesenkt, während die W-förmige Cassiopeia rechts oberhalb vom Polarstern hoch am Himmel steht und als einfacher Wegweiser in die Andromeda, den Perseus und zur Capella verwendet werden kann.

Im Südwesten ist der helle Riesenplanet
Jupiter im Sternbild des Steinbockes sichtbar, während die helle Venus als Morgenstern gesehen werden kann.


Ausschnitt des Sternenhimmels im November gegen Süden.
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2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht unterhalb vom Polarstern; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes quer stehendes W, und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von oben, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

Wer seine Augen prüfen möchte, kann einmal versuchen, den "Augenprüfstern" zu sehen: Er steht unmittelbar neben dem mittleren Stern der Deichsel des Großen Wagen und heißt Alkor. Im Deutschen wird dieser Stern auch oft das "Reiterlein" genannt. Alten griechischen Legenden zufolge handelt es sich bei ihm übrigens um die fehlende 7.Plejade des Siebengestirns.

Der hintere obere Kastenstern des Großen Wagen heißt Dubhe; das bedeutet "Bär". Dubhe ist ein Roter Riese beinahe 1. Größe im Abstand von 120 Lichtjahren. Im Englischen spricht man das "Dubi" aus und man kann sich den Sternnamen einfach merken, indem man sich vorstellt, dass Frank Sinatra mit der Großen Bärin um den Himmelsnordpol tanzt und "Dubi Dubi Dubi" singt. Der hintere untere Kastenstern des Großen Wagens ist ein Stern 2. Größe und heißt Merak, das bedeutet "Lende". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 80 Lichtjahren.

Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel" und ist ein Stern 2. Größe; der Augenprüfstern Alkor ist ebenfalls ein weißlicher Stern im gleichen Abstand; sein arabischer Name bedeutet "der Erniedrigte". Im Deutschen wird Alkor nicht nur als "Reiterlein", sondern manchmal auch als "Fuchsstern" bezeichnet.

Der Polarstern ist ein gelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der andere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

Der Deichselstern am Wagenkasten des Großen Wagen heißt Alioth; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege"; der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Beide sind wie der hintere obere Kastenstern Dubhe Sterne beinahe 1.Größe.

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2.2 Cassiopeia: Wegweiser zur Andromeda, zum Perseus und zur Capella

Im Herbst kann man von der Cassiopeia ausgehend die wichtigsten Sterne der Andromedakette sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia - das ist ja ihr Hauptstern Schedir - ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Die Sirrah und die Mirach sind gleich hell wie der Polarstern und Kochab, der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind.

Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella. Sie ist von jetzt an bis zum Aufgang des Sirius der hellste Fixstern am Himmel.

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2.3 Der Stier mit den Plejaden und den Hyaden

Sternbild des Stiers
Schräg rechts unterhalb der Capella kann man bei guter Sicht den berühmten Sternhaufen der Plejaden sehen. Weiter links, etwas tiefer, steht Aldebaran, ein Stern 1.Größe; das ist der Hauptstern des Sternbildes des Stiers. Sein Name kommt von "Al Dabaran" und bedeutet "der, der (den Plejaden) nachfolgt". Aldebaran ist also der Stern, der kurz nach den Plejaden aufgeht; er ist ein Roter Riese im Abstand von 70 Lichtjahren und markiert das blutunterlaufene Auge des Stieres. Aldebaran steht am linken unteren Ende eines auf der Seite liegenden nach links geöffneten "V"; die anderen Sterne dieses "V" sind die hellsten Sterne des Sternhaufens der Hyaden.

Die Hyaden sind ein Sternhaufen im Abstand von 150 Lichtjahren und Aldebaran, der Hauptstern des Stieres, steht im Abstand von 70 Lichtjahren auf knapp halbem Wege und gehört nicht zu diesem Sternhaufen. Der Sternhaufen sieht aus wie ein Größer-Zeichen, also ein auf der Seite liegendes offenes Dreieck; der Vordergrundstern Aldebaran steht dabei links auf dem unteren Ast. Links oben - also über Aldebaran - steht der Stern Ain, ein Roter Riese. Ain bedeutet "Auge"; streng genommen markiert also dieser Stern und nicht Aldebaran das rot unterlaufene Auge des Stieres. Geringfügig heller ist der Hyadenstern theta(2) Tauri, ein weißlicher Stern. Theta(2) Tauri ist der untere der beiden Hyadensterne rechts neben Aldebaran.

Etwa in der Mitte zwischen der Capella und Aldebaran, etwas nach unten eingerückt, steht der zweithellste Stern des Sternbildes Stier, El Nath: das bedeutet "Horn (des Stieres)" und El Nath ist ein Stern beinahe erster Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 130 Lichtjahren.

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2.4 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb nun senkrecht über uns im Schwan sowie aus Atair im Adler besteht, ist bereits in die westliche Himmelshälfte weitergewandert. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler". Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

2.5 Der Schwan

Der Doppelstern Albireo im Schwan
Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet.

Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man im gleichen Abstand wie Deneb ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; und etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.6 Pegasus und das Herbstviereck

Das Sternbild des Pegasus und der Andromeda
Hoch im Osten sieht man rechts von der Sirrah, dem Hauptstern der Andromeda, die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht. An der oberen Ecke befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks heißt Matar, er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; Matar bedeutet "Schulter". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Markab, der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, ist ein gelb-weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)".

Im letzten "Kettenglied" steht der Pegasusstern Baham; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren und bedeutet "der Viehbestand", und wenn man in dieser Sternenkette bei Baham statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermann-Stern Sadalmelik.

Den Stern Enif kann man auch finden, indem man die Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt. - An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blau-weißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

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2.7 Weitere Herbststerne: Hamal, Algol und Fomalhaut

Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichweit weiter; dort kann man also unterhalb der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach.

Auch Algol ist nicht schwierig zu finden: Bekanntlich kann man den Hauptstern des Perseus, Mirfak, in Verlängerung der Andromedakette finden; biegt man indes beim dritten Andromedastern Alamak nach unten ab, so gelangt man zum zweithellsten Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht rechts unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich-weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Das Herbstviereck mit der Sirrah sowie Mirach, Alamak und Algol bilden einen übergroßen "Großen Wagen".

Verlängert man im Herbstviereck die Kante von Scheat über Markab rund dreimal nach Süden, so kann man dort bei guter Sicht den in unseren Breiten südlichsten Stern 1. Größe bewundern, das ist die Fomalhaut im Sternbild des Südlichen Fisches. Fomalhaut heißt "Mund des (Wal-)Fisches" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren, das ist etwas näher als die Wega.

2.8 Der Kepheus

Der Kepheus momentan fast in seiner Höchststellung am Nordhimmel.
Das Sternbild des Kepheus befindet sich im Bereich zwischen Schwan, Cassiopeia und dem Polarstern und ist leicht auffindbar. Man kann es sich am einfachsten als ein Haus mit Dach vorstellen und es steht so weit nördlich, dass es das ganze Jahr über beobachtbar ist.

Der Hauptstern des Kepheus ist Alderamin, ein Stern 2. Größe, der an der rechten oberen Ecke des Hauses ist. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Am unteren rechten Hausboden befindet sich Alfirk, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde". Und an der Dachspitze, gar nicht weit entfernt vom Polarstern, steht der Stern Alrai, das bedeutet "Schäfer"; er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin. - In 4000 Jahren wird Alrai Polarstern sein, in 6000 Jahren Alderamin und in 7000 Jahren Alfirk.

An der linken unteren Hauskante steht der bekannte Stern delta Cephei, der einer ganzen Klasse veränderlicher Sterne seinen Namen gegeben hat. Dieser Typ Stern hat eine charakteristische Helligkeitskurve, mit der man Entfernungsmessungen im Universum bis etwa 100 Millionen Lichtjahre vornehmen kann. Delta Cephei ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von rund 900 Lichtjahren, sein wenig bekannter arabischer Name ist Al Radif.

Etwas unterhalb der Mitte des Bodens dieses Hauses, also unterhalb der Linie Alderamin - delta Cephei, kann man den Stern Erakis sehen; dieser ist ein Roter Riese und hat im Feldstecher eine tiefrote Farbe und wird deswegen auch "Granatstern" genannt. Von allen bisher von mir vorgestellten Sternen hat dieser Stern den bei weitem größten Abstand - er ist über 5000 Lichtjahre von uns entfernt und trotzdem ein Stern beinahe dritter Größe.

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2.9 Die nördlichen Teile von Steinbock und Wassermann

Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum Adlerstern theta Aquilae. Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne schräg übereinander, die zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, das bedeutet "Ziege"; er ist ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, der untere heißt Sadaldabih, und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Sadaldabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden".

Rechtwinklig der beiden gelangt man von Algiedi nach links oben gehend zu einem weiterem Stern; das ist der Stern Albali im Wassermann. Albali heißt "der, der schluckt" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren.

Ausgehend vom Herbstviereck zweigt von Markab, dem Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah, eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab. Wenn man in dieser Sternenkette im letzten Kettenglied, dem Stern Baham, statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermann-Stern, zu Sadalmelik. Sadalmelik heißt "Glücksstern des Königs" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von über 750 Lichtjahren. Links neben Sadalmelik steht der Stern Sadalachbia, das heißt "Glücksstern der Zelte"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Zwischen Sadalmelik und Albali steht recht genau in der Mitte der Stern Sadalsuud, das heißt "Glück des Glückes"; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, im Abstand von über 600 Lichtjahren und ist der hellste Stern des Sternbildes Wassermann. In dieser oberen Sternenkette des Wassermannes kann man bei Sadalsuud senkrecht nach unten abbiegen und gelangt nach gleichem Abstand zum hellsten Steinbockstern Deneb Algedi. Das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren. Rechts neben ihm steht Nashira, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Nashira bedeutet "die, welche gute Nachricht bringt". Derzeit steht der helle Planet Jupiter etwas unterhalb von Sadalsuud und man kann Deneb Algedi und Nashira sehr einfach etwas links unterhalb vom Jupiter finden.

Die zweite Sternenkette des Wassermannes findet man am einfachsten, indem man wie oben beschrieben im Herbstviereck von Scheat und Markab herkommend zur Fomalhaut geht; auf dem zweiten Wegabschnitt trifft man zunächst auf Hydor, einen Roten Riesen im Abstand von 400 Lichtjahren. Hydor bedeutet "Wasser". Dann folgt der Stern Skat, das heißt "Bein" und hat denselben Ursprung wie der Pegasus-Stern Scheat. Skat ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren.

3. Sternbild des Monats: Der Adler

Mythologische Darstellung nach Aspin im Zusammenhang mit dem Schützen (unterhalbt des Adlers).
Das Sternbild des Adlers liegt im Sommerdreieck und kann besonders im Herbst sehr figürlich am Westhimmel gesehen werden. Rechts und links neben dem hellen Hauptstern Atair sind zwei mittelhelle Sterne, die die schmale Schulter des Greifvogels darstellen. Diese beiden mittelhellen Sterne sind die beiden Falken, die den "fliegenden Adler" Atair begleiten.

Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Der rechte und hellere Falkenstern heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der linke auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Indes täuscht die Vorstellung, sich den Adler analog zum Sternbild des Schwanes als Vogelkörper bei Atair und seinen beiden Falken mit zwei nach rechts und nach links abzweigenden Flügelschwingen vorzustellen, obgleich sein Anblick am Himmel dies nahelegen würde. Der Stern rechts von der Verlängerung der Schulter des Adlers heißt "Deneb el Okab", das bedeutet "Schwanz des Adlers"; hier hat man sich also den Schwanz des Königs der Lüfte vorzustellen. Deneb el Okab ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

Und die Verlängerung der Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, also der Adler-Steinbock-Linie, führt zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern stellt ebenfalls keine Flügelschwinge dar, sondern markiert den Oberarm des vom Adler zu Zeus getragenen Jüngling und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß".

Die Flügel des Adlers verlaufen senkrecht dazu; senkrecht zur Schulter des Adlers nach unten, sieht man noch den Stern delta Aquilae; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Geht man ungefähr gleichviel weiter, so gelangt man zu Al Thalimain Prior; dies ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 125 Lichtjahren und bedeutet "Strauße".

Gemäß der Mythologie hat der Adler die Blitze des Zeus getragen und einen Jüngling in den Olymp entführt, um dort als Mundschenk zu dienen.

4. Feldstecherobjekt: Der Andromedanebel

So findet man den Andromedanebel
Der Andromedanebel ist sehr einfach zu finden: Etwas oberhalb von Mirach befindet sich mü Andromedae, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Noch etwas weiter oberhalb kann man im Feldstecher - bei guten Sichtbedingungen auch von bloßem Auge - die Sterne nü Andromedae links sowie 32 Andromedae rechts oberhalb erkennen. Wenn man nun diese beiden Sterne anschaut, so sieht man etwas oberhalb ein längliches auf der Seite liegendes Nebelchen; das ist der Andromedanebel. Nü Andromedae ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 700 Lichtjahren und 32 Andromedae ist ein gelber Stern im Abstand von gut 300 Lichtjahren. Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine große Galaxie im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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