Sternenhimmel im November 2010


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel ist nun nach Sonnenuntergang herbstlich, das Sommerdreieck mit der hellen Wega ist schon weit nach Westen weitergezogen. Hoch über uns kann man das Herbstviereck, die Andromeda,den Perseus und die helle Capella sehen.

Der Große Wagen, dessen drei hellsten Sterne beinahe
1. Größe erreichen, ist unter dem Polarstern hindurch gezogen, während sich die W-förmige Cassiopeia immer weiter dem Zenit nähert.

Halbhoch im Süden kann man den auffällig hellen Riesenplaneten Jupiter bewundern.


Ausschnitt des Sternenhimmels im November gegen Süden.
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2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen

Nach Sonnenuntergang steht der bekannte Große Wagen über dem Nordhorizont und ist unter dem Polarstern hindurch gezogen. Indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach oben verlängert, gelangt man zum Polarstern. Dieser steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man hoch über uns zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes, etwas auf der Seite liegendes W und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von links oben.


Kleiner und Großer Wagen
Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern 1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär", der äußere Deichselstern Benetnash bedeutet "Klageweiber". Der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren; Alioth und Mizar sind weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".


Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Der Hauptstern der Cassiopeia, Schedir, bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

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2.2 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Der Schwan scheint über den Himmel nach rechts zu fliegen
Hoch im Westen sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 25 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe. Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger. Spiegelt man im Sommerdreieck die helle Wega an der Achse Deneb - Atair, so gelangt man zu Enif, dem hellsten Stern des Pegasus. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren; Enif bedeutet "Nase (des Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 700 Lichtjahren.

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern von etwa 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah, was "Flügel" bedeutet, und ist der dritthellste Stern des Schwanes - ein Roter Riese. Er ist gut 70 Lichtjahre von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.3 Der Wegweiser Cassoipeia, Kepheus und die Herbststerne


Die Cassiopeia ist ein guter Ausgangspunkt zur Orientierung an Herbsthimmel.
Ganz ähnlich wie der Große Wagen ist auch das Sternbild der Cassiopeia als "Himmels-W" sehr figürlich, ohne einen prominenten Stern in seinen Reihen zu haben.

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, befindet sich ihr Hauptstern Schedir an der zweiten Stelle. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Auch die anderen Cassiopeiasterne haben Namen: Der erste Stern von oben heißt Caph; das bedeutet "Handfläche (der Cassiopeia)", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Die Bedeutung des Namens des mittleren Cassiopeiasternes Cih ist nicht mehr bekannt; er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 800 Lichtjahren. Der vierte Cassiopeiastern heißt Ruchbah; das bedeutet "Knie (der Cassiopeia)"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und der fünfte Cassiopeiasternes Segin ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 400 Lichtjahren; auch die Bedeutung seines Namens ist nicht überliefert.

Von der Cassipeia ausgehend kann man sehr einfach die wichtigsten Sterne der Andromeda, welche sich unterhalb der Cassiopeia befindet und die in diesem Monat in der 3. Rubrik näher vorgestellt wird, sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella finden:

Die Verlängerung vom mittleren Cassiopeiastern über die Schedir führt ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze mit Schedir an der Spitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleichhell wie die Sirrah ist. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Diese Pfeilspitzen-Regel von den hellsten drei Cassiopeiasternen zur Mirach ist sehr einfach und sehr nützlich. Und indem man vom ersten Stern der Cassiopeia über Schedir, den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert, gelangt man zum 3. Andromedastern, das ist Alamak.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichviel weiter; dort kann man unterhalb der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach. Der rechte Stern erreicht beinahe 2. Größe und heißt Sheratan; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 60 Lichtjahren. Sheratan bedeutet "die zwei Zeichen", was sich auf Widder und Fische beziehen soll.

Links neben der Cassiopeia befindet sich das Sternbild des Kepheus. Man kann es sich am einfachsten als ein Haus mit Dach vorstellen, das zur Zeit schräg auf dem Kopf steht. Sein Hauptstern Alderamin ist ein Stern 2. Größe, der an der rechten unteren Ecke des Hauses ist. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. An der oberen rechten Ecke befindet sich Alfirk, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde". Und an der Dachspitze, gar nicht weit entfernt vom Polarstern, steht der Stern Alrai, das bedeutet "Schäfer"; er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin.

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2.4 Der Pegasus

Das Sternbild des Pegasus und der Andromeda
Der Pegasus ist eines der auffälligsten Herbststernbilder und besteht im Wesentlichen aus dem Herbstviereck, das nach Sonnenuntergang wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht, und von dem nach links die Andromedakette und nach rechts eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasus-Stern Enif abzweigt.

Der Andromedastern Sirrah, der hellste Stern des Herbstviereckes, welches ansonsten aus Pegasussternen besteht, kann sehr einfach aus der Cassiopeia in der Verlängerung des mittleren Cassiopeiasterns über Schedir, den Hauptstern der Cassiopeia, gefunden werden und auch der hellste Pegasussterns Enif kann sehr einfach aus dem Sommerdreieck gefunden werden, indem man die helle Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt.

An der oberen Ecke des Herbstviereckes befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks heißt Matar, er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; sein ursprünglicher Name Sadmatar bedeutet "Glücksgestirn des Regens". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Sein Nachbarstern ist lamda Pegasi; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand 400 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat mit den zwei Sternen an der rechten unteren Ecke kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Der Hauptstern des Pegasus ist der Stern Markab, der in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck steht. Er ist ein blauweißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". Unterhalb von Markab sieht man zuerst den Stern Homam und weiter unterhalb, etwas rechts der Stern Baham. Homam ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren und Baham im vorletzten "Kettenglied" ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Von hier gelangt man, wenn man statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, zum zweithellsten Wassermannstern Sadalmelik. Geht man nun von Baham zu Enif und darüber rund die Hälfte hinaus, so kann man im Feldstecher den Kugelsternhaufen M15 erkennen; dieser ist 35'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält rund 500'000 Sterne.

Die beiden mittleren Sterne der Pegasuskette gehören ebenfalls zu diesen Glückssternen und hießen ursprünglich Sadalhomam, das bedeutet "Glücksgestirn des Helden" und Sadalbaham, das bedeutet "Glücksgestirn der Vierfüßer".

An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

Der Pegasus enthält einen sehr prominenten Stern, der gerade noch 5. Größe erreicht: An 51 Pegasi wurden im Jahre 1995 hochpräzise Messungen im Spektrum des Sternes vorgenommen. Diese ergaben ein Taumeln des Sternes nach vorne und hinten, woraus auf einen Planeten mit rund einer halben Jupitermasse geschlossen wurde, der seinen Mutterstern auf einer nahezu kreisförmigen Bahn in einem sechstel Merkurabstand umrundet. 51 Pegasi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 50 Lichtjahren und liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen Scheat und Markab, ein wenig unterhalb nach außen. Mit Vorteil nutzt man zu seiner Auffindung einen kleinen Feldstecher; Ausgangspunkt im Feldstecher ist der Stern Matar an der Spitze des kleinen Dreiecks, das sich am oberen Ende des Herbstvierecks oberhalb von Scheat befindet. Von Matar geht man zu Sadalbari, dem linken Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks, und dann nochmals gleichviel weiter, dann gelangt man zu 51 Pegasi. Von bloßem Auge wird es einfacher sein, ihn leicht östlich der Mitte zwischen Scheat und Markab in der Verlängerung von Matar über Sadalbari zu suchen.

2.5 Vom Herbstviereck zur Fomalhaut und Deneb Kaitos

Verlängert man im Herbstviereck die Kante von Scheat über Markab rund dreimal nach Süden, so kann man dort bei guter Sicht den in unseren Breiten südlichsten Stern 1. Größe bewundern, das ist die Fomalhaut im Sternbild des Südlichen Fisches. Fomalhaut heißt "Mund des (Wal-)Fisches" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren, das ist etwas näher als die Wega. Vor 2 Jahren konnte um die Fomalhaut ein Planet fotographisch nachgewiesen werden. Dieser hat eine Masse von rund drei Jupitermassen hat und umläuft die Fomalhaut im Abstand von 113 Erdabständen. Dies ist weiter entfernt als der sonnenfernste Punkt der Eris, des früheren zehnten Planeten, die heute wie der ehemals neunte Planet Pluto als Zwergplanet katalogisiert ist.

Auch den linken Schenkel des Herbstviereckes von der Sirrah über Algenib kann man nach unten verlängern. Dies führt nach zweimaliger Verlängerung auf einen hellen Stern 2. Größe, das ist Deneb Kaitos, der hellste Stern im Sternbild des Walfisches, welcher ja nach der Mythologie die Andromeda hatte fressen sollen. Deneb Kaitos bedeutet "Schwanz des Untieres"; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

2.6 Vom Adler zum Steinbock

Die Sternbilder Adler und Steinbock
Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere Falkenstern heißt Tarazed und ist ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Verlängert man nach Sonnenuntergang die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jünglings Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß". Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne übereinander, die schon zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, das bedeutet "Ziege" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, der untere heißt Dabih, ursprünglich Sadaldabih, und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Sadaldabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden". - Rechtwinklig der beiden gelangt man von Algiedi nach links gehend zum Stern Albali, der schon im Sternbild des Wassermanns steht. - Wer gute Augen hat, kann westlich vom ersten Steinbockstern Algiedi einen weiteren Stern sehen; diese beiden sehen zwar wie ein Doppelstern aus, doch ist der Partnerstern, ebenfalls ein gelber Stern wie unsere Sonne, über zehnmal weiter entfernt.

Bei guter Sicht kann man diese Linie von Atair und seinen beiden Falken ausgehend über theta Aquilae zu Algiedi und Dabih sehr einfach finden; die ersten 4 Sterne gehören zum Sternbild des Adlers, die nächsten beiden zum Sternbild des Steinbockes.

2.7 Der nördliche Teil des Wassermann und die östlichen Steinbocksterne

Einen sehr einfachen Weg in den Wassermann findet man, indem man vom Herbstviereck ausgeht: Von Markab, dem Hauptstern des Pegasus in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab. Wenn man in dieser Sternenkette im vorletzten Kettenglied, dem Stern Baham, statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermann-Stern, zu Sadalmelik. Sein Name bedeutet "Glücksstern des Königs" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von über 750 Lichtjahren. Links neben Sadalmelik steht der Stern Sadalachbia, das heißt "Glücksstern der Zelte"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Oft wird dieser Name zu "Sadachbia" verkürzt.

Einen anderen einfachen Weg in den Wassermann findet man über die "Adler-Steinbock-Kette", die man durch Verlängerung der Sterne Atair und seiner beiden begleitenden Falken nach unten über den Adlerstern theta Aquilae bis hin zu Algiedi und Dabih in doppeltem Abstand findet. Rechtwinklig von Algiedi und Dabih gelangt man von Algiedi nach links gehend zu einem weiterem Stern; das ist der Stern Albali im Wassermann. Albali stammt von Sadalbula und heißt "Glücksgestirn dessen, der schluckt" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren.

Zwischen Sadalmelik und Albali steht recht genau in der Mitte der Stern Sadalsuud, das heißt "Glücksstern des Glückes"; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, im Abstand von über 600 Lichtjahren und ist der hellste Stern des Sternbildes Wassermann. In dieser oberen Sternenkette des Wassermannes kann man bei Sadalsuud senkrecht nach unten abbiegen und gelangt nach gleichem Abstand zum hellsten Steinbockstern Deneb Algedi. Das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren. Rechts neben ihm steht Nashira, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Nashira stammt von Sadnashira und bedeutet "Glücksgestirn dessen, der gute Nachricht bringt".

Zu Deneb Algedi und Nashira kann man auch gelangen, indem man von der verlängerten Adlerkette bei den beiden ersten Steinbocksternen Algiedi und Sadaldabih schräg nach links unten abbiegt; der hellste Stern dort ist Deneb Algedi unterhalb von Sadalsuud.

Die zweite Sternenkette des Wassermannes findet man am einfachsten, indem man wie oben beschrieben im Herbstviereck von Scheat und Markab herkommend zur Fomalhaut geht; auf dem zweiten Wegabschnitt trifft man zunächst auf Hydor, einen Roten Riesen im Abstand von 400 Lichtjahren. Hydor bedeutet "Wasser". Dann folgt der Stern Skat, das heißt "Bein" und hat denselben Ursprung wie der Pegasus-Stern Scheat. Skat ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Zuunterst in dieser Wassermann-Sternenkette findet man nur bei ausgezeichneten Sichtbedingungen etwas links dieser Verbindungslinie den Stern 88 Aquarii, einen weißgelblicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

2.8 Der Perseus

Der Perseus ist ein prominentes Herbststernbild und enthält mit Mirfak sogar einen Stern beinahe 1. Größe. Am einfachsten kann man sich den Perseus als einen Bogen von drei Sternen im oberen Teil vorstellen, von dem beim Hauptstern Mirfak in der Mitte des Bogens schräg nach rechts unten eine Linie zum sehr prominenten Stern Algol und einem weiteren Stern abzweigt.

Mirfak heißt "Ellbogen" und kann bekanntlich in der Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W durch den vierten Stern des "W" gefunden werden; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und so hell wie die hellsten Sterne des Großen Wagen. Mirfak kann man auch bequem in der Verlängerung der Andromedakette nach links finden.

Rechts und links neben Mirfak stehen je ein Stern dritter Größe und bilden so einen typischen und leicht auffindbaren Bogen; gamma Persei in Richtung Cassiopeia ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren und delta Persei auf der anderen Seite ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 500 Lichtjahren.

h und chi Persei, das "Schatzkästlein der Milchstraße"
Der zweithellste Perseusstern, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert, ist Algol, das bedeutet "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) - gemeint ist das abgeschlagene Haupt der Gorgone Medusa, mit dem der Perseus das Untier in einen Stein verwandeln und somit die schöne Andromeda retten konnte - und steht schräg rechts unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Geht man von Mirfak an Algol vorbei, so gelangt man kurz darauf zu einem weiteren gut erkennbaren Perseusstern 3. Größe, das ist die Gorgonenschwester Gorgonea Tertia, ein Roter Riese im Abstand von über 300 Lichtjahren. Auch sie verändert ihre Helligkeit.

Außerhalb der Stadt kann man nun auch leicht den offenen Sternhaufen M34 mit einem Feldstecher finden: Man betrachte die Linie Mirfak über Algol zur Gorgonea Tertia und bildet ein rechtwinkligen Dreieck, bei dem der rechte Winkel in Algol ist und geht entlang dem freien Ast zum Andromedastern Alamak; rund doppelt so weit wie der Abstand zwischen den beiden Gorgonen-Schwestern Medusa (Algol) und Gorgonea Tertia sieht man ein Nebelchen und das ist M34. Die Sterne dieses offenen Sternhaufens sind knapp 1500 Lichtjahre von uns entfernt. Der dritt- und vierthellste Perseusstern befinden sich in der zweiten Perseuslinie, welche nicht von Mirfak zu Algol abbiegt, sondern erst zum unteren Bogenstern delta Persei weiterführt und von dort nach unten abbiegt. Der erste Stern dieser Linie ist epsilon Persei, der mit delta Persei und Algol ein beinahe gleichseitiges Dreieck bildet. Den gleichen Abstand weitergehend findet man etwas eingerückt den Stern Menkib. Menkib, epsilon Persei und Algol bilden ein gleichschenkliges rechtwinkliges Dreieck mit rechtem Winkel in epsilon Persei. Beide Sterne sind wie die Nachbarsterne von Mirfak Sterne 3. Größe. Menkib am Ende der zweiten Perseuslinie bedeutet "Schulter" und ist ein weit entfernter blauweißlicher Stern im Abstand von fast 1000 Lichtjahren, und epsilon Persei an ihrem Abknickpunkt ist ebenfalls ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von gut 500 Lichtjahren.

Diesen Bogen im oberen Perseusteil mit Mirfak in der Mitte sowie die beiden Gorgonenschwestern mit Algol kann man am Himmel recht einfach finden, die zweite Perseuslinie ist etwas schwieriger zu finden.

Im Perseus befindet sich auch das "Schatzkästlein der Milchstraße", das sind zwei nebeneinander liegende benachbarte Sternhaufen. Sie heißen "h und chi Persei" und können bei guten Sichtbedingungen schon von bloßem Auge gesehen werden. Beide Sternhaufen sind ungefähr 7500 Lichtjahre entfernt. Man findet sie sehr einfach: Neben gamma Persei, dem oberen Bogenstern, befindet sich ein Stern 4. Größe namens tau Persei. Nun geht man einfach von Mirfak aus durch das Tor, dass von gamma und tau Persei aufgespannt wird, in Richtung Cassiopeia hindurch gleichweit weiter, dann gelangt man schon zu h und chi Persei. Tau Persei ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 250 Lichtjahren.

Man kann auch von der Cassiopeia herkommend den Weg zu Mirfak nutzen, der über die Verlängerung des 3. und 4. Cassiopeiasterns führt; etwa in dreifachem Abstand der beiden gelangt man ebenfalls zu h und chi Persei.

2.9 Der Walfisch


Sternbild des Walfischs
Der Walfisch hatte nach der Mythologie die Andromeda fressen sollen und seinen hellsten Stern Deneb Kaitos, einen Stern 2. Größe, kann man sehr einfach in zweifacher Verlängerung des linken Schenkels des Herbstviereckes von der Sirrah über Algenib nach unten finden. Deneb Kaitos bedeutet "Schwanz des Untieres" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 100 Lichtjahren.

Er ist Ausgangspunkt einer nach Osten weisenden länglichen Deichsel, deren weitere Sterne Deneb Algenubi und Baten Kaitos sind. Biegt man bei Deneb Algenubi senkrecht nach unten ab, so gelangt man in gleichem Abstand zu tau Ceti, einem sonnennahen, ebenfalls gelben Stern im Abstand von knapp 12 Lichtjahren.

Deneb Algenubi heißt "südliche Schwanz(flosse)", er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 120 Lichtjahren und Baten Kaitos heißt "Bauch des Meerungeheuers" und ist ein gut doppelt soweit entfernter Roter Riese.

Auf dem Weg von Sirrah und Algenib kommend sieht man man noch kurz ein Drittel zuvor, etwas nach Westen ausgerückt, den Stern Shemali; dieser ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 300 Lichtjahren. Alle genannten Walfischsterne außer Deneb Kaitos sind gerade noch 3. Größe oder verfehlen diese knapp.

Fehlen noch der Hauptstern Menkar und Kaffaljidhm sowie der unregelmäßige Stern Mira, der meistens nicht von bloßem Auge gesehen werden kann; diese befinden sich im östlichen Teil des Sternbildes und sind nicht ganz einfach auffindbar. Am einfachsten kann man Menkar und Kaffaljidhm finden, indem man vom Widder senkrecht nach unten geht, bis man die nach Osten verlängerte Linie Deneb Kaitos - Deneb Algenubi erreicht. Der linke und hellere Stern ist Menkar und der rechte Stern ist Kaffaljidhm. Menkar ist der Hauptstern des Walfisches und bedeutet "Nüstern", er hat gerade noch 2.Größe und ist ein über 200 Lichtjahre entfernter Roter Riese; Kaffaljidhm ist ein Stern gerade noch 3.Größe; er ist ein Doppelsternsystem eines weißlichen und eines gelben Sternes im Abstand von gut 80 Lichtjahren.

3. Sternbild des Monats: Die Andromeda

Eine der schönsten und auch bekanntesten Mythologien ist die Andromeda-Sage. Sie enthält zahlreiche der im Herbst am Abend sichtbaren Sternbilder. Gemäß der Mythologie hatte die Mutter der Andromeda, die Königin Cassiopeia, die ja die Ehefrau des Königs Kepheus ist, behauptet, sie seie die Schönste aller Nymphen. Das zog natürlich den Zorn der Götter nach sich und zur Strafe wurde ihre Tochter, die arme Andromeda, an den Strand geschmiedet und dem Meeresungeheuer zum Fraße vorgeworfen. Dieses liess auch nicht lange auf sich warten und näherte sich, um die Andromeda zu fressen. Zum Glück aber weilte der Perseus gerade in der Nähe und der hatte einige Zeit zuvor der Gorgone Medusa - die Gorgonen sind weibliche Gottheiten - den Kopf abgeschlagen. Wo nun die Blutstropfen des abgeschlagenen Kopfes auf den heißen Wüstensand fielen, entstanden sofort giftige Nattern. Jetzt wisst Ihr also auch, woher diese giftigen Nattern in den Wüsten kommen. Nun war es aber so, dass die arme Gorgone Medusa zu Lebzeiten mitsamt ihrer beiden Schwestern aufgrund eines Fluches so hässlich geworden war, dass jeder, der ihr Antlitz erblickte, sich vor lauter Entsetzen sofort in einen Stein verwandelt hat. Somit konnte sich also der Perseus gerade rechtzeitig noch zwischen die Andromeda und das Meeresungeheuer werfen und letzterem den abgeschlagenen Kopf der Medusa zeigen, worauf sich auch das Meeresungeheuer vor Entsetzen in einen Stein verwandelt hat und die Andromeda gerettet war. Zur Belohnung durfte der Perseus natürlich die Andromeda heiraten. Auch der Pegasus ist in der Nähe dieser Sternbilder zu sehen, denn er ist der Sohn des Meeresgottes Posseidon und der zuvor noch hübschen Gorgone Medusa.

Sternbild der Andromeda
Das Sternbild der Andromeda besteht aus zwei Sternenketten, die sich beim hellsten Andromedastern Sirrah verzweigen. Die untere Andromedakette ist sehr bekannt und besteht aus den vier hellsten Andromedasternen Sirrah, delta Andromedae, Mirach und Alamak. Diese kann man bekanntlich sehr einfach vom Sternbild der Andromedamutter Cassiopeia ausgehend finden: Die Verlängerung vom mittleren Cassiopeiastern zur Schedir, dem zweiten Stern der Cassiopeia, führt ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist und in der östlichen Ecke des Herbstviereckes steht. Deutet man die ersten, also die oberen helleren drei Sterne der Cassiopeia, als Pfeilspitze, so zeigt diese auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleichhell wie die Sirrah ist. Und indem man vom ersten Stern der Cassiopeia über Schedir, den zweiten Stern der Cassiopeia, verlängert, gelangt man zum 3. Andromedastern, das ist Alamak. Alamak kann man auch sehr einfach in Fortsetzung der unteren Andromedakette von der Sirrah über Mirach etwa gleichweit weitergehend finden.

Sirrah bedeutet "Nabel" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren und Alamak bedeutet "Wüstenluchs" und ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. In der Andromedakette findet man etwas unterhalb zwischen Sirrah und Mirach, etwas näher an der Sirrah, einen Stern 3.Größe namens delta Andromedae; er ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Den fünfthellsten Stern des Sternbildes, 51 Andromedae, findet man, indem man am Ende der unteren Andromedakette von Mirach herkommend bei Alamak rechtwinklig nach oben geht; etwa in halbem Abstand befindet sich dann der Stern 51 Andromedae, ein Roter Riese im Abstand von 175 Lichtjahren. Auch der Stern mü Andromedae wurde schon oftmals vorgestellt, denn er befindet sich oberhalb der Mirach auf dem Weg zum bekannten Andromedanebel. Mü Andromeda ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Er ist der achthellste Stern des Sternbildes und hat beinahe 3. Größe.

Nun haben wir auch schon fast alle Zutaten der zweiten Andromedakette beisammen: Diese verläuft von der Sirrah ausgehend oberhalb der ersten Andromedakette, also durch die Sterne mü Andromedae bis hin zum fünfthellsten Andromedastern 51 Andromedae. Fehlt nur noch der zweite Stern der zweiten Andromedakette: Das ist pi Andromedae, ein schwacher Stern nur 4. Größe oberhalb von delta Andromedae. Pi Andromedae ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 140 Lichtjahren.

Seien nun noch der sechst- und siebthellste Stern der Andromeda vorgestellt, die beide beinahe 3. Größe erreichen: omikron Andromedae findet man, indem man von der Sirrah der oberen Kante des Herbstviereckes entlang zu Scheat im Pegasus geht und dort rechtwinklig gleich weit nach oben abbiegt. Lamda Andromedae findet man, indem man von der Mirach zur Sirrah geht und dort ebenfalls rechtwinklig gleich weit nach oben abknickt. - Omikron Andromedae ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 700 Lichtjahren und lamda Andromedae ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 85 Lichtjahren.

Die untere Andromedakette ist zwar sehr einfach zu finden, indes kann man in ihr nicht einfach so eine am Strand angekettete Prinzessin erkennen. Auch die Sternnamen sind eher verwirrend, bezeichnet doch Sirrah den Nabel des Pferdes Pegasus, was aufgrund ihrer Position im auffälligen Herbstviereck auch nicht weiter verwunderlich ist. Aus Sicht der Andromeda befindet sich die Sirrah am Kopf der Andromeda und delta Andromedae an ihrer Brust; einzig Mirach bezieht sich auf die Andromeda und bezeichnet den Schurz, mit dem die halbnackte an den Strand gekettete Prinzessin Andromeda bekleidet ist. Alamak befindet sich am linken Fußknöchel der Prinzessin, der Stern 51 Andromedae an ihrem rechten Fußknöchel.

Im Sternbild der Andromeda befindet sich der sehr bekannte Andromedanebel. Dieser ist sehr einfach zu finden: Etwas oberhalb von Mirach befindet sich wie oben geschrieben mü Andromeda. Noch etwas weiter oberhalb kann man im Feldstecher - bei guten Sichtbedingungen auch von bloßem Auge - die Sterne nü Andromedae links sowie 32 Andromedae rechts oberhalb erkennen. Wenn man nun diese beiden Sterne anschaut, so sieht man etwas oberhalb ein längliches auf der Seite liegendes Nebelchen; das ist der Andromedanebel. Nü Andromedae ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 700 Lichtjahren und 32 Andromedae ist ein gelber Stern im Abstand von gut 300 Lichtjahren. Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine große Galaxie im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren.

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4. Thema des Monats: Mondstationen: Der Vorläufer des Horoskopes sowie die Glückssterne der einsetzenden Regenzeit

4.1 Die Mondstationen

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, in denen im Verlaufe des Jahres die Sonne steht, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes war das anders: damals hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten. Eine der bekanntesten Sterngruppen sind übrigens die Plejaden in der 3. Mondstation, welche auch in der modernen Astronomie während langer Zeit ein eigenständiges Sternbild darstellten. Die Plejaden hatten damals den Namen "At-Turayya", in einer Variante auch "An-Nagm", was "das Gestirn" bedeutet.

Die Araber haben nun 28 solcher hellen Sterne sowie Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht - es wird vermutet, dass die Menschen damals wegen der großen Hitze am Tag eher nachts aktiv waren und entsprechend der Mond eine wesentliche Rolle am Firmament einnahm. Diese 28 Sterngruppen heißen Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten, nämlich die 4. Mondstation mit Aldebaran, die 7. Mondstation mit Pollux und Castor, die 10. Mondstation mit Regulus, die 14. Mondstation mit der Spica sowie die 18. Mondstation mit Antares. Von den Sternen 1. Größe haben nur Aldebaran und Antares - sein arabischer Name ist Calbalakrab - ihren ursprünglichen Namen aus dieser Zeit bis heute behalten.

Von den übrigen Sterngruppen haben sind die Namen der Sterngruppe der 1. Mondstation, die den Widderstern Sheratan enthält, der Sterngruppe der 6. Mondstation, die den Zwillingsstern Alhena enthält, der Sterngruppe der 16. Mondstation die die beiden hellsten Waagesterne Zubeneschemali und Zubenelgenubi enthält, der Sterngruppe der 19. Mondstation am Schwanze des Skorpions, die den Stern Shaula enthält, sowie der Sterngruppen der 22. bis und mit 25. Mondstation, die die Sterngruppen der Glücksgestirne um den Steinbockstern Dabih und die Wassermannsterne Albali, Sadalsuud und Sadachbia umfasst, erhalten.

Drei weitere Sternnamen dieser Mondstationen sind zudem auf benachbarte Sterne übergegangen, nämlich die Bezeichnung Subra, ursprünglich für die beiden mittleren Löwensterne Duhr und Zosma in der 11. Mondstation verwendet; dann die Bezeichnung Al-Wasl für den Stern an der Pfeilspitze des Schützen, eine Variante, die ursprünglich für die Sterne der 20. Mondstation um den zweithellsten Schützenstern Nunki verwendet wurde, sowie die Bezeichnung Alresha für den Hauptstern des Sternbildes der Fische, eine Variante, die ursprünglich für die Sterne der 28.Mondstation um den zweithellsten Andromedastern Mirach verwendet wurde.

4.1 Die Glücksgestirne

Nicht selten kommt es vor, dass sich in den Namen der Sternbilder verschiedene Mythologien und Legenden wiederfinden. Gerade jetzt im Herbst finden wir am Himmel 10 Sterne, welche früher und einige von ihnen auch heute mit der Vorsilbe "Sad-" oder auch "Sad-al" anfangen. Diese Wortbildung ist so alt, dass selbst die Araber nicht mehr genau wissen, woher sie kommt; allgemein wird spachhistorisch vermutet, dass dies "Glück" - gemeint ist "Glücksgestirn" bedeutet; das bei den meisten Glücksgestirnen noch nachfolgende "al" entspricht dem deutschen Artikel "des", also "Glücksgestirn des …". Hintergrund dieser Glücksgestirne ist der Umstand, dass in dieser Jahreszeit, in der diese Sterne am Himmel aufgehen, die fruchtbare Regenzeit einsetzte.

Diese 10 Glücksgestirne verteilen sich auf drei Sternbilder und enthalten mindestens einen Stern 3. oder gerade noch 3. Größe: Im Sternbild des Pegasus finden wir vier solcher Glücksgestirne, zwei oben im kleinen Dreieck, das sind (Sad-)Matar und Sadalbari sowie zwei in der Pegasuskette zwischen Markab und Enif, das sind (Sadal-)Homam und (Sadal-)Baham. Im Sternbild des Steinbockes finden sich zwei solcher Glücksgestirne, das sind (Sadal-)Dabih und (Sad-)Nashira und im Sternbild des Wassermannes derer vier, nämlich von Ost nach West Sadalachbia, Sadalmelik, Sadalsuud und (Sad-)Albali.

Es fällt auf, dass alle diese Glückssterne mindestens einen ungefähr gleichhellen benachbarten Stern haben. Im Steinbock trägt dieser Nachbarstern dann einen Namen aus der Mythologie des Sternbildes selber. Hintergrund ist wie bei den Sternen der Mondstationen, dass die Araber damals keine weiträumigen Sternbilder verwendet haben, sondern kleine Sterngruppen, wobei es damals noch keine Luftverschmutzung und auch keine Stadtbeleuchtung gab, so dass Sterne 3. Größe helle Sterne waren und man auch problemlos Sterne 4. Größe sehen konnte.

Die fünf hellsten Sterne der Glücksstern-Gruppierungen sind der hellste Steinbockstern Deneb Algedi aus der (Sad-)Nashira-Gruppe, die beiden hellsten Wassermannsterne Sadalmelik und Sadalsuud sowie der Pegasusstern (Sad-)Matar an der Spitze des kleinen Dreiecks und der zweithellste Steinbockstern (Sadal-)Dabih. Diese 5 Sterne weisen allesamt 3. Größe auf.

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