Sternenhimmel im Oktober 2009


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Die monatelange Vorherrschaft der beiden Sterne Wega in der Leier und Arktur im Bärenhüter in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen neigt sich nun rasch dem Ende zu und der Sternenhimmel ist herbstlich geworden: Im Osten stehen der Pegasus, die Andromeda, der Perseus und auch die helle Capella bereits hoch am Himmel.

Das Sommerdreieck mit der hellen Wega in der Leier, Deneb im Schwan sowie Atair im Adler ist in die Westhälfte des Himmels weitergezogen und Arktur kann nur noch nach Sonnenuntergang tief im Westen bewundert werden.

Der Große Wagen hat sich nun wieder von links fast unter den Polarstern herabgesenkt, während die W-förmige Cassiopeia rechts vom Polarstern wieder höher zieht.

Im Süden ist der helle Riesenplanet Jupiter im Sternbild des Steinbockes sichtbar, während die helle Venus als Morgenstern gesehen werden kann.


Ausschnitt des abendlichen Sternenhimmels im Oktober gegen Südosten. Der Ausschnitt geht über den Zenit (grünes Kreuz)
hinaus und umfasst über die Hälfte des an diesem Zeitpunkt sichtbaren Sternenhimmels.


2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht links unterhalb vom Polarstern; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts oben, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen.

Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes quer stehendes W, und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von rechts oben, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

Wer seine Augen prüfen möchte, kann einmal versuchen, den "Augenprüfstern" zu sehen: Er steht unmittelbar neben dem mittleren Stern der Deichsel des Großen Wagen und heißt Alkor. Im Deutschen wird dieser Stern auch oft das "Reiterlein" genannt. Alten griechischen Legenden zufolge handelt es sich bei ihm übrigens um die fehlende 7.Plejade des Siebengestirns.

Der hintere obere Kastenstern des Großen Wagen heißt Dubhe; das bedeutet "Bär". Dubhe ist ein Roter Riese beinahe 1. Größe im Abstand von 120 Lichtjahren. Im Englischen spricht man das "Dubi" aus und man kann sich den Sternnamen einfach merken, indem man sich vorstellt, dass Frank Sinatra mit der Großen Bärin um den Himmelsnordpol tanzt und "Dubi Dubi Dubi" singt. Der hintere untere Kastenstern des Großen Wagens ist ein Stern 2. Größe und heißt Merak, das bedeutet "Lende". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 80 Lichtjahren.

Der bekannteste Wagenstern indes ist der mittlere Deichselstern Mizar, ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren ist. Mizar bedeutet "Mantel" und ist ein Stern 2. Größe; der Augenprüfstern Alkor ist ebenfalls ein weißlicher Stern im gleichen Abstand; sein arabischer Name bedeutet "der Erniedrigte". Im Deutschen wird Alkor nicht nur als "Reiterlein", sondern manchmal auch als "Fuchsstern" bezeichnet.

Wenn man sich die Deichsel des Großen Wagen als Regenschirm vorstellt, dann steht am unteren Ende des Stieles ein Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Der Polarstern ist ein gelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Er hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter". - Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens" und er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab. Der andere hintere Kastenstern des Kleinen Wagens heißt Pherkad, das bedeutet "das dunklere der beiden Kälber". Er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 500 Lichtjahren.

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Bärenhüter und Krone

2.2 Arktur und "seine" Deichsel

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man nach Sonnenuntergang bereits tief im Westen zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Arktur ist der hellste Fixstern der Nordhalbkugel, geringfügig heller als die Wega.

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weiß-gelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Der Deichselstern am Wagenkasten des Großen Wagen heißt Alioth; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von rund 80 Lichtjahren und bedeutet "Ziege"; der äußerste Deichselstern Benetnash ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren und bedeutet "Klageweiber". Beide sind Sterne beinahe 1.Größe.

2.3 Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Das das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan sowie aus Atair im Adler besteht, ist bereits in die westliche Himmelshälfte weitergewandert. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler"; sie ist derzeit der hellste Fixstern am Himmel. Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blau-weißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Riesenstern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jüngling Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß".

Der Schwan scheint über den Himmel nach rechts zu fliegen

2.4 Der Schwan

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man im gleichen Abstand wie Deneb ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; und etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

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2.5 Andromeda und die ersten Herbststerne

Im Herbst kann man von der Cassiopeia ausgehend die wichtigsten Sterne der Andromedakette sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Die Sirrah und die Mirach sind gleich hell wie der Polarstern und Kochab, der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind.

Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

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2.6 Pegasus und das Herbstviereck

Das Sternbild des Pegasus und der Andromeda
Rechts von der Sirrah sieht man die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht. An der oberen Ecke befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks heißt Matar, er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; Matar bedeutet "Schulter". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Markab, der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, ist ein gelb-weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)".

Im letzten "Kettenglied" steht der Pegasusstern Baham; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren und bedeutet "der Viehbestand", und wenn man in dieser Sternenkette bei Baham statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermann-Stern Sadalmelik, der im Sternbild des Monats näher beschrieben wird.

Den Stern Enif kann man auch finden, indem man die Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt. - An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blau-weißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

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2.7 Weitere Herbststerne: Hamal, Algol und Fomalhaut

Wer schon etwas Erfahrungen mit dem Sternhimmel hat, kann einmal versuchen, das kleine Tierkreiszeichen des Widders zu finden:

Von der Cassiopeia aus geht man zwischen den beiden Andromedasternen Mirach und Alamak hindurch noch einmal gleichweit weiter; dort kann man also unterhalb der Andromedakette zwei weitere Sterne sehen; diese bilden den Widder und der linke Stern, ein Stern 2. Größe, heißt Hamal, das bedeutet "Widder". Hamal ist ein Roter Riese im Abstand von 75 Lichtjahren. Auch Hamal ist so hell wie die Sirrah und Mirach.

Auch Algol ist nicht schwierig zu finden: Bekanntlich kann man den Hauptstern des Perseus, Mirfak, in Verlängerung der Andromedakette finden; biegt man indes beim dritten Andromedastern Alamak nach unten ab, so gelangt man zum zweithellsten Perseusstern Algol, von dem man bereits im Altertum wusste, dass er seine Helligkeit verändert. Algol heißt "Kopf des Dämon" (wegen der Helligkeitsänderung) und steht rechts unterhalb von Mirfak. In Wirklichkeit ist Algol ein Doppelsternsystem und wenn beide Sterne nebeneinander stehen, so sind sie natürlich heller als wenn sie hintereinander stehen. Man nennt solche Doppelsternsysteme "Bedeckungsveränderliche". Der Hauptstern ist ein bläulich-weißer Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Das Herbstviereck mit der Sirrah sowie Mirach, Alamak und Algol bilden einen übergroßen "Großen Wagen".

Verlängert man im Herbstviereck die Kante von Scheat über Markab rund dreimal nach Süden, so kann man dort bei guter Sicht den in unseren Breiten südlichsten Stern 1. Größe bewundern, das ist die Fomalhaut im Sternbild des Südlichen Fisches. Fomalhaut heißt "Mund des (Wal-)Fisches" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren, das ist etwas näher als die Wega.

Auf dem Weg zur Fomalhaut kommt man auf dem zweiten Teil an drei Sternen des Sternbildes Wassermann vorbei: Zuerst an Hydor und Skat etwas rechts der Verbindungslinie und dann an 88 Aquarii etwas links davon. Diese Sterne sind Sternbild des Monats näher beschrieben.

3. Monatsthema: Das Sternbild des Wassermannes

Der Wassermann ist wegen seiner Zugehörigkeit zum Tierkreis (Horoskop) ein bekanntes Sternbild und fand auch einige Beachtung, weil der sogenannte "Frühlingspunkt" - das ist der Punkt, wenn Tag und Nacht gleich lang sind - aufgrund der Präzessionsbewegung der Erdachse von den Fischen in den Wassermann gewandert ist. Er wird zu den ältesten bekannten Sternbildern gerechnet und muss für die Menschen des Altertums eine große Bedeutung als Kalenderzeichen gehabt haben: Wenn die Sonne in den Wassermann wanderte, markierte dies den Zeitpunkt der Regenzeit, woher auch der Name sowie der Name zahlreicher Sterne in dieser Himmelsregion, in denen "Glück" oder "etwas Gutes" vorkommt, stammen dürfte.

Beobachtungsmäßig indes ist der Wassermann, der im Wesentlichen aus zwei zueinander senkrecht stehenden Sternenketten besteht, wenig figürlich und enthält auch keine sonderlich hellen Sterne. In den vergangenen beiden Monaten haben wir bereits einige Wassermann-Sterne der oberen Sternenkette des Wassermannes kennengelernt und darauf aufbauend wollen wir uns in diesem Monat diesem Sternbild widmen. Um den Wassermann beobachten zu können, benötigt man sehr gute atmospärische Sichtbedingungen, keinerlei Lichtverschmutzung einer Stadt sowie freie Horizontsicht im Süden.

Einen sehr einfachen Weg in den Wassermann findet man, indem man vom Herbstviereck ausgeht: Von Markab, dem Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab. Wenn man in dieser Sternenkette im letzten Kettenglied, dem Stern Baham, statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermann-Stern, zu Sadalmelik. Sadalmelik heißt "Glücksstern des Königs" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von über 750 Lichtjahren. Links neben Sadalmelik steht der Stern Sadalachbia, das heißt "Glücksstern der Zelte"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Manchmal wird dieser Name zu "Sadachbia" verkürzt.

Einen anderen einfachen Weg in den Wassermann findet man über die "Adler-Steinbock-Kette": Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum Adlerstern theta Aquilae. Etwa in doppeltem Abstand folgen zwei Sterne schräg übereinander, die zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, das bedeutet "Ziege"; er ist ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, der untere heißt Dabih, ursprünglich Sadaldabih, und ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Sadaldabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden".

Rechtwinklig der beiden gelangt man von Algiedi nach links oben gehend zu einem weiterem Stern; das ist der Stern Albali im Wassermann. Albali heißt "der, der schluckt" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren.

Bei sehr guten Sichtbedingungen kann man diese Adler-Steinbock-Kette nochmals nach links unten gleich weit weiter fortsetzen und gelangt zu zwei weiteren Steinbocksternen allerdings nur 4. Größe; der obere ist psi Capricorni und der untere omega Capricorni. Psi Capricorni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren und omega Capricorni ein Roter Riese im Abstand von knapp 250 Lichtjahren.

Zwischen Sadalmelik und Albali steht recht genau in der Mitte der Stern Sadalsuud, das heißt "Glück des Glückes"; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, im Abstand von über 600 Lichtjahren und ist der hellste Stern des Sternbildes Wassermann. In dieser oberen Sternenkette des Wassermannes kann man bei Sadalsuud senkrecht nach unten abbiegen und gelangt nach gleichem Abstand zum hellsten Steinbockstern Deneb Algedi. Das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren. Rechts neben ihm steht Nashira, ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Nashira bedeutet "die, welche gute Nachricht bringt". Derzeit steht der helle Planet Jupiter etwas unterhalb von Sadalsuud und man kann Deneb Algedi und Nashira sehr einfach etwas links unterhalb vom Jupiter finden.

Mythologische Darstellung des Sternbildes Wassermann
Man beachte, dass die Namen der Sterne Sadalmelik, Sadalachbia, Sadalsuud, Sadaldabih, Sadalbari (im Pegasus) und Nashira ähnliche Bedeutungen im Zusammenhang mit Glück haben. Das kommt daher, dass die in dieser Jahreszeit, in der diese Sterne am Himmel aufgehen, die fruchtbare Regenzeit einsetzte.

Wenn man nun von den Steinbocksternen Algiedi und Sadaldabih, die man auf der Adler-Steinbock-Kette findet, der oberen Sternenkette des Wassermannes via Albali, Sadalmelik und Sadalsuud entlanggeht und dann via Sadalachbia rechtwinklig nach unten in Richtung der hellen Fomalhaut abbiegt, so gelangt man auf eine weitere Sternenkette, die ebenfalls zum Sternbild des Wassermannes gehört. Am einfachsten findet man sie, indem man wie oben beschrieben im Herbstviereck von Scheat und Markab herkommend zur Fomalhaut geht; auf dem zweiten Wegabschnitt trifft man zunächst auf Hydor, einen Roten Riesen im Abstand von 400 Lichtjahren. Hydor bedeutet "Wasser". Dann folgt der Stern Skat, das heißt "Bein" und hat denselben Ursprung wie der Pegasus-Stern Scheat. Skat ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Zuunterst in dieser Wassermann-Sternenkette findet man nur bei ausgezeichneten Sichtbedingungen etwas links dieser Verbindungslinie den Stern 88 Aquarii, einen weißgelblicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

Gemäß der Mythologie stellt der Wassermann Deukalion, den Stammvater der Menschen, dar: Als Zeus die sündige Menschheit auslöschen wollte, baute Deukalion ein Boot, mit dem er und seine Frau Pyrrha neun Tage und Nächte lang auf dem Wasser trieben, bis sie am Berg Parnass anlandeten. Die beiden warfen einem Orakelspruch folgend Steine hinter sich, aus denen neue Menschen entstanden.

4. Feldstecherobjekte: Kugelsternhaufen M13 und Andromedanebel

4.1 Der Andromedanebel

So findet man den Andromedanebel
Der Andromedanebel ist sehr einfach zu finden: Etwas oberhalb von Mirach befindet sich mü Andromedae, ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Noch etwas weiter oberhalb kann man im Feldstecher - bei guten Sichtbedingungen auch von bloßem Auge - die Sterne nü Andromedae links sowie 32 Andromedae rechts oberhalb erkennen. Wenn man nun diese beiden Sterne anschaut, so sieht man etwas oberhalb ein längliches auf der Seite liegendes Nebelchen; das ist der Andromedanebel. Nü Andromedae ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 700 Lichtjahren und 32 Andromedae ist ein gelber Stern im Abstand von gut 300 Lichtjahren. Der Andromedanebel ist wie unsere Milchstraße eine große Galaxie im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren.

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4.2 Kugelsternhaufen M13

Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Bild Observatorium Wendelstein.
Nach Sonnenuntergang kommt man auf dem Weg von der großen Arktur-Gemma-Deichsel nach Ras Alhague ungefähr in der Mitte am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algethi steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun in Richtung Wega, so finden wir den Stern Sarin. Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3. Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht und das zwischen der Nördlichen Krone und der Wega steht. An der rechten Kante dieses auf dem Kopf stehenden K kann man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen sehen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer eigenen Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300000 Sterne.

Zeta Herculi ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren, pi Herculi ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren und eta Herculi ebenfalls wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. In der diagonal entgegen gesetzten Ecke dieses Trapezes von eta Herculi befindet sich der Stern epsilon Herculi, ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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