Sternenhimmel im September 2008

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  3. Wie findet man die Wega
  4. Teilchenbeschleuniger in Genf

Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, ist in der dritten Rubrik beschrieben.

Im September wandelt sich der Sternhimmel langsam vom Spätsommer zum Herbst, Arktur neigt sich tief gen Westen und profitiert von den wieder merkbar früher einsetzenden Sonnenuntergängen, das Sommerdreieck steht hoch am Himmel und im Osten können bereits mit dem Pegasus, der Andromeda und dem Perseus sowie der hellen Capella die ersten Herbststerne gesehen werden.

Der Große Wagen zieht weiter hinunter und steht links vom Polarstern, während die W-förmige Cassiopeia im Nordosten schon halbhoch rechts des Polarsterns steht.

Im Osten kann der helle Riesenplanet Jupiter bewundert werden, der die ganze Nacht sichtbar ist.


Ausschnitt des Sternenhimmels im September nach Eindunklen gegen Süden. Der Ausschnitt geht über den Zenit (oranges Kreuz)
hinaus und umfasst über die Hälfte des an diesem Zeitpunkt sichtbaren Sternenhimmels.


2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Einfach auffindbare Sterne: Großer und Kleiner Wagen

Der bekannte Große Wagen befindet sich halbhoch im Nordwesten; verlängert man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach rechts, so gelangt man zu einem weiteren recht hellen Stern, das ist der Polarstern. Er steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auf halbem Wege die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Die übrigen Sterne des Kleinen Wagen sind nur bei sehr guten Sichtbedingungen erkennbar.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes M und ihr Hauptstern ist der zweite Stern von rechts, das ist Schedir. Schedir bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren.

->
mehr zum Großen Wagen

-> mehr zum Kleinen Wagen


2.2 Sehr einfach auffindbare Sterne im Westen

Den hellsten Stern des Nordhimmels, Arktur, kann man nach Sonnenuntergang auf sehr einfache Weise finden: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren.

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, die nach links, also nach Osten, weist. Ihr mittlerer Stern ist der zweithellste Bootes-Stern Mirak, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. Mirak bedeutet "Umhang" und ist ebenfalls ein Roter Riese, im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen etwas länglichen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. Diese größere Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun hoch im Süden steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

2.4: Das Sommerdreieck: Wega, Deneb und Atair

Hoch am Himmel sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Im Monatsthema wird ein Weg beschrieben, wie man die helle Wega finden kann. Sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blau-weißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

Das Sternbild des Adlers

Der "fliegende Adler" Atair wird dabei von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens Sadir; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt. Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

->
Mehr zum Schwan

2.4 Andromeda und die ersten Herbststerne


Die Cassiopeia ist ein guter Ausgangspunkt zur Orientierung an Herbsthimmel.
Im Herbst kann man von der Cassiopeia ausgehend die wichtigsten Sterne der Andromedakette sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zum zweiten Stern der Cassiopeia ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Die Sirrah und die Mirach sind gleich hell wie der Polarstern und der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten über den zweiten Stern der Cassiopeia verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Die Andromeda ist also das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein gelb-weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach.

->
Mehr zur Cassiopeia

Pegasus und das Herbstviereck

Rechts von der Sirrah sieht man die übrigen Sterne des Herbstviereckes, das ansonsten aus Sternen des Pegasus besteht und nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht. An der oberen Ecke befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Markab, der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, ist ein gelb-weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". Den Stern Enif kann man auch finden, indem man die Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt. - An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blau-weißlicher Riesenstern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

->
Mehr zum Pegasus

3. Thema des Monats: Wie findet man die Wega

Während Arktur im Bärenhüter in der Verlängerung der Deichsel des Großen Wagen sehr einfach gefunden werden kann, ist es eher schwierig, einen Weg zur Wega zu beschreiben, die man deswegen in der Regel anhand ihrer Helligkeit identifiziert und dann prüft, dass Deneb, der Hauptstern des Schwan, an der richtigen Stelle steht. Die "kleine Polarsternregel" beschreibt einen Weg vom Großen Wagen über den Kleinen Wagen und einige Sterne des Drachen zur Wega, die "Herkulesregel" beschreibt einen Weg von der großen Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel über den Herkules zur Wega. Bis auf einen haben wir bereits alle Sterne der "Herkulesregel" in den vergangenen Monaten beim Aufsuchen des Kugelsternhaufen M13 kennengelernt.

3.1 Die kleine Polarsternregel

Kleine Polarsternregel, Sternwanderung vom Kleinen Wagen zur Wega.
Bekanntlich führt die Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens zum Polarstern. Bei der "kleinen Polarsternregel" werden die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen vom helleren zum schwächeren dreimal verlängert; so gelangt man zu einem Stern namens Eta Draconis, den zweithellsten Stern des Sternbildes des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Folgt man nun dem Bogen, der vom Polarstern, den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen sowie Eta Draconis in dreifacher Verlängerung dieser hinteren Kastensterne aufgespannt wird, so gelangt man zu zwei weiteren Sternen; diese bilden den Kopf des Drachen und wurden bereits in den vergangenen Monaten als Botensterne der hellen Wega vorgestellt. Der hellere von ihnen heißt Ettanin, er ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer"; über ihm ein weiterer nur wenig schwächerer Stern: das ist Alwaid, ein wie unsere Sonne und die Capella gelblicher Stern im Abstand von 400 Lichtjahren.

Geht man nun von Eta Draconis in dreifacher Verlängerung der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen an Ettanin und Alwaid vorbei gleichweit weiter, so gelangt man zur hellen Wega.

3.2 Die Herkulesregel

In der Einführung der wichtigsten Sterne wurde die große Arktur-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte zwischen der Gemma und Ras Alhague am hellsten Herkulesstern Rutikulus vorbei. Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; Ras Algehti steht also neben dem helleren Ras Alhague. Gehen wir nun nach oben, so finden wir den Stern Sarin: Er bildet mit Rutikulus und Ras Algethi bilden ein beinahe gleichseitiges Dreieck.

Rutikulus ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden" und ist ein Stern dritter Größe; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Auch Sarin ist ein Stern 3. Größe, er ist weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Spiegelt man nun Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin, so gelangt man zum zweithellsten Herkulesstern, zeta Herculi. Er steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Der zweithellste Stern dieses trapezartigen Viereckes steht diagonal gegenüber; das ist der Stern pi Herculi, ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren. Er ist gleichhell wie Sarin. - Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. - Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus diesem trapezartigen Viereck und den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht.

Verlängern wir jetzt etwa dreimal die kürzere Kante der unteren Trapezsterne nach links, also von zeta nach epsilon (nicht eta, korr. 24.6.11) Herculi, so gelangen wir zu einem weiteren Herkulesstern namens mü Herculi. Dieser ist wie zeta Herculi und unsere Sonne ein gelber Stern, ebenfalls im Abstand von rund 30 Lichtjahren.

Wir betrachten nun die vier Sterne zeta und pi Herculi sowie Sarin und mü Herculi. Diese bilden ebenfalls ein Trapez, welches aber etwas größer ist als das "klassische" Hercules-Trapez. Verlängert man nun diese beiden Linien etwa zweimal nach oben, so steht ungefähr in der Mitte ein heller Stern: Das ist die Wega.

->
Mehr zu Herkules


4. Teilchenbeschleuniger in Genf

Angebliche Gefahren in Medien diskutiert

Vor zwei Monaten wurde auch in diesem Forum der neue Teilchenbeschleuniger in Genf, der Large Hadron Collider (LHC) vorgestellt. In letzter Zeit konnten in der Tagespresse des öfteren Artikel gelesen werden, in welchen ein renommierter Professor, der sich in der mathematischen Chaostheorie einen Namen mit Weltruf geschaffen hat, die mögliche Zerstörung der Erde vorhersagt und deswegen eine Sicherheitskonferenz einberufen will. Vorübergehend bekam Professor Rössler sogar einen Gespächstermin beim Schweizer Bundespräsidenten zugesagt, der inzwischen aber wieder abgesagt wurde.

Um was geht es?

Professor Rössler warnt vor einem Szenario, dass am LHC versehentlich Mini-Schwarze Löcher erzeugt werden könnten, welche die Erde zerstören können. Zwar besteht aufgrund der gängigen Theorien keinerlei Gefahr, weil solche Mini-Schwarzen Löcher innert kürzester Zeit, ehe sie überhaupt auf weitere Teilchen treffen können, wegen der Hawkingstrahlung wieder zerstrahlen würden, jedoch konnte die Hawkingstrahlung aufgrund ihrer schwachen Wirkung bislang experimentell noch nicht nachgewiesen werden. Es wurden deswegen offizielle Sicherheitsstudien erarbeitet, in denen verschiedenste Szenarien durchgerechnet wurden und auch der Fall, dass so ein Schwarzes Loch entgegen jeglicher theoretischen Vermutung doch "irgendwie" langlebig wäre, wurde genau erörtert. Dabei bezieht man sich auf astronomische Beobachtungen, ganz konkret auf die kosmische Strahlung sowie auf hochkompakte Sterne wie Weiße Zwerge, Neutronensterne sowie auf Doppelsternsysteme, bei denen eine Komponente ein Neutronenstern ist. In ihrem Umfeld müsste es auch solche Mini-Schwarzen Löcher geben und wenn diese langlebig wären, so würden sie einen Neutronenstern aufgrund seiner hoch-kompakten Materieansammlung innert kurzer Zeit zerstören. Man kann aber Neutronensterne beobachten, die über 100 Millionen Jahr alt sind und daraus abschätzen, dass solche Mini-Schwarzen Löcher in 5 Milliarden Jahren höchstens 5 kg Masse zunehmen würden, was für die Erde aber völlig belanglos wäre. Nach 5 Milliarden Jahren wird unsere Erde ohnehin von unserer sich zu einem Roten Riesen aufblähenden Sonne verschluckt und spätestens dann also zerstört.

Warum warnt dann Professor Rössler dennoch vor so einer Weltuntergangsstimmung? Nun, Professor Rössler hat seine akademische Karriere als Mediziner begonnen, sich dann in Biochemie weiterentwickelt, ehe er ein Mathematiker von Weltruf wurde und auch den Rössler-Attraktor entdeckt hat. Offenbar ist es nun sein Wunsch, nach seiner Pensionierung Albert Einstein zu widerlegen oder wenigstens zu ergänzen und er hat vor 10 Jahren eine Publikation erstellt, die in der Fachwelt aber durchgefallen ist. Nun will er leider die Ängste vor einem möglichen Weltuntergang nutzen, um seine Publikation wieder ins Gespräch zu bringen, indem er aus seinen Thesen ableitet, dass es keine Hawkingstrahlung geben kann. Kommt hinzu, dass er nichts beweisen muss, sondern sich als Mahner vor Gefahren damit begnügen kann, dass man gewisse Restrisiken nicht völlig ausschließen könne, was aufgrund der großen Gefahr der Zerstörung unseres Heimatplaneten aber vonnöten sei. Dabei geht er dreistufig vor:

Nach seinen Thesen müssen Schwarze Löcher von uns unendlich weit entfernt sein und können somit keine Hawkingstrahlung erzeugen. Das wäre aber nicht weiter schlimm, weil unendlich weit entfernte Schwarze Löcher keine Gefahr für die Erde darstellen können. Hier bringt Professor Rössler nun die Idee von "Fast-Schwarzen-Löchern" ein, die so fast so gefährlich wie die echten Schwarzen Löcher sind, aber keine Hawkingstrahlung haben und somit nicht zerstrahlen können. Wie diese Fast-Schwarzen Löcher aussehen sollen, vermag Professor Rössler zwar nicht zu sagen, aber das spielt für ihn keine Rolle, da er ja nichts beweisen braucht, sondern mit Restrisiken operiert.

Nun ist es aber so, dass solche Fast-Schwarzen Löcher ebenfalls dafür sorgen würden, dass es keine Neutronensterne geben könnte, die über 100 Millionen Jahre alt sind, doch hier zaubert Professor Rössler schon das nächste Argument aus dem Ärmel und kann sich "vorstellen", dass Neutronensterne superfluid seien und deswegen die Schwarzen Löcher ihnen im Gegensatz zur Erde nichts anhaben können. Aber auch das macht wenig Sinn, da Schwarze Löcher nur auf die Schwerkraft reagieren und nicht auf Fluidizitätseigenschaften. Zudem wurden Analysen getätigt, in denen das Verhalten von elektrisch geladenen Mini-Schwarzen Löchern ebenso wie das Verhalten von Schwarzen Löchern, welche der starken Kernkraft unterworfen sind, untersucht wird; kommt hinzu, dass bei Doppelsternsystemen, bei denen eine Komponente ein Neutronenstern ist, der normale Stern beobachtbar beeinflusst würde.

Anfang August wurde Professor Rössler's These nun von Fachkollegen systematisch widerlegt, es ist aber anzunehmen, dass sich Professor Rössler davon nicht weiter beeindrucken lässt und seine Verunsicherungskampagne wider besseren Wissens weiterführen wird.



Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

Startseite