Sternenhimmel im September 2011


Verfasser: Ralf Kannenberg

1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat und den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der zweiten Rubrik.

Der Sternenhimmel wird nun herbstlich. Arktur bleibt nur noch wegen der immer früher einsetzenden Sonnenuntergänge am Abendhimmel prominent sichtbar. Hoch über uns steht das Sommerdreieck mit der hellen Wega, mit Deneb und Atair, während im Osten bereits das Herbstviereck und die Andromeda aufgegangen sind.

Der Große Wagen steht nun unter dem Polarstern und die W-förmige Cassiopeia steht bereits halbhoch rechts neben dem Polarstern.

Tief im Osten kann man den hellen Riesenplaneten
Jupiter erkennen.

Ausschnitt des Sternenhimmels im September nach Eindunklen gegen Süden. Der Ausschnitt geht über den Zenit (oranges Kreuz)
hinaus und umfasst über die Hälfte des an diesem Zeitpunkt sichtbaren Sternenhimmels.


2. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

2.1 Großer und Kleiner Wagen


Kleiner und Großer Wagen
Der bekannte Große Wagen steht unter dem Polarstern. Diesen findet man, indem man die beiden hinteren Kastensterne etwa fünfmal nach oben verlängert. Der Polarstern steht am äußeren Ende der Deichsel des Kleinen Wagen, und auf dem Weg in Richtung der Deichsel des Großen Wagen kann man auch die beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen erkennen. Der Polarstern steht am Himmelsnordpol, das heißt, verlängert man in Gedanken die Erdachse, so kommt man zum Polarstern. Deswegen weist der Polarstern immer nach Norden und kann zur Orientierung als "Nordstern" verwendet werden.

Geht man vom Großen Wagen am Polarstern vorbei gleichviel weiter, so gelangt man zur Cassiopeia; sie sieht nun aus wie ein großes auf der Seite liegendes W und ihr Hauptstern Schedir ist der zweite Stern von rechts oben.

Der Große Wagen enthält zwar keinen Stern
1. Größe, dafür aber immerhin drei, die beinahe 1. Größe erreichen. Es sind dies der kastenseitige Deichselstern Alioth, der hintere obere Kastenstern Dubhe sowie der äußere Deichselstern Benetnash. Der mittlere Deichselstern selber erreicht genau 2. Größe und ist der vierthellste Wagenstern; namensmäßig ist er der bekannteste Wagenstern und heißt Mizar.

Alioth am kastenseitigen Deichselende bedeutet "Fettschwanz", was die Bezeichnung einer bestimmten Ziegenrasse ist; der hintere obere Kastenstern Dubhe bedeutet "Bär" und der äußere Deichselstern Benetnash "Klageweiber". Der mittlere Deichselstern Mizar bedeutet "Mantel".

Der Große Wagen hat noch zwei weitere Sterne 2. Größe, das sind die beiden unteren Kastensterne. Der hintere untere Kastenstern heißt Merak, der vordere untere Kastenstern heißt Phekda. Merak bedeutet "Lende", Phekda bedeutet "Schenkel". Der 7. Wagenstern heißt Megrez und erreicht 3. Größe, das ist der vordere obere Kastenstern. Megrez bedeutet "Anfügepunkt (des Schwanzes)". Ebenfalls sehr bekannt ist der "Augenprüfstern" Alcor neben dem mittleren Deichselstern; Alcor ist eine Nebenform von Alioth, die sich aus "Aliore" gebildet hat und zunächst für den noch namenlosen mittleren Deichselstern Verwendung fand. Als sich für diesen dann aber der Name Mizar eingebürgert hat, wurde der Name Alcor für den Augenprüfstern verwendet. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Stern als "Reiterlein" bezeichnet.

Dubhe ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren und Benetnash ein blauweißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Alioth und die übrigen Sterne des Großen Wagen sind ebenso wie der Augenprüfstern neben Mizar weißliche Sterne im Abstand von rund 80 Lichtjahren. Der Polarstern ist ein weißgelblicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Der Polarstern hat auch einen arabischen Namen: Alruccabah, das bedeutet "Der Reiter".



Die Cassiopeia, das Himmels-W
Der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen ist ebenfalls ein Stern 2. Größe, er heißt Kochab, das bedeutet "der Stern des Nordens"; er ist ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Aufgrund der Kreiselbewegung der Erdachse war der Himmelspol vor 3000 Jahren in der Nähe von Kochab.

Sei noch Pherkad, der schwächere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen, genannt: er ist ein weißlicher Stern 3.Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Pherkad bedeutet "das dunklere der beiden Kälber".

Der Hauptstern der Cassiopeia, Schedir, bedeutet "Brust" und ist ein Roter Riese im Abstand von fast 250 Lichtjahren. Wenn man das Himmels-W der Cassiopeia von rechts oben nach links oben durchzählt, so steht Schedir an der zweiten Stelle. Auch die anderen Cassiopeiasterne haben Namen: Der erste Stern heißt Caph; das bedeutet "Handfläche (der Cassiopeia)", er ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Die Bedeutung des Namens des mittleren Cassiopeiasternes Cih ist nicht mehr bekannt; er ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 800 Lichtjahren. Diese 3 Sterne erreichen 2. Größe. Der vierte Cassiopeiastern heißt Ruchbah; das bedeutet "Knie (der Cassiopeia)"; er ist ein weißlicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von 100 Lichtjahren und der fünfte Cassiopeiasternes Segin ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 400 Lichtjahren; auch die Bedeutung seines Namens ist nicht überliefert. Segin erreicht 3. Größe. - Achird zwischen der Schedir und dem mittleren Cassiopeiastern, etwas näher an der Schedir, ist so hell wie der fünfte Cassiopeiastern Segin. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von nur 20 Lichtjahren. Achird bedeutet "Hüftgürtel".

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2.2 Arktur und "seine" Deichsel

Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man halbhoch im Westen zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält", sein heute nicht mehr verwendeter arabische Name lautet Alramech, das bedeutet "der Lanzenbewaffnete". Arktur ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren und der hellste Fixstern der Nordhalbkugel.

Schlangenträger und Schlange

Arktur selber ist ebenfalls Ausgangspunkt einer Deichsel; ihr mittlerer Stern Mirak, der nun oberhalb von Arktur steht, ist der zweithellste Stern des Bärenhüters, und ihr äußerer Stern ist die Gemma, der Hauptstern der Nördlichen Krone. . Beide erreichen 2. Größe. Mirak bedeutet "Umhang" und ist wie Arktur ein Roter Riese, über sechsmal weiter entfernt im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Gemma bedeutet "Edelstein"; sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Bei guten Sichtbedingungen kann man um die Gemma einen schönen Halbkreis von Sternen bewundern, welche diese Nördliche Krone bilden. In Verlängerung dieser größeren Deichsel von Arktur über Mirak und Gemma kann man einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger sehen. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

In weiterer Verlängerung über Ras Alhague hinaus gelangt man etwas rechts zunächst zu einem Stern beinahe zweiter Größe im Schlangenträger namens Cebalrai, das bedeutet "Schäferhund"; er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 100 Lichtjahren. Der Stern kappa Ophiuchi erreicht 3. Größe und bildet mit Ras Alhague und Cebalrai ein beinahe gleichseitiges Dreieck. Er steht westlich von Cebalrai. Kappa Ophiuchi ist ein Roter Riese im Abstand von 90 Lichtjahren.

Der dritthellste Stern des Bärenhüters ist Muphrid neben Arktur und steht ungefähr senkrecht zur Deichsel Arktur - Mirak - Gemma, das ist derzeit schräg rechts unterhalb von Arktur. Muphrid bedeutet "der einzelne Stern des Lanzenbewaffneten", gemeint ist also der einzelne Stern von Arktur. Er ist wie unsere Sonne ein gelblicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von knapp 40 Lichtjahren. In mittelalterlichen Darstellungen des Bärenhüters sieht man deswegen oft, dass dieser eine Lanze in der Hand hält.

Wenn man von der Deichsel des Großen Wagen senkrecht zur Krümmung geht, so gelangt man zu einem Stern beinahe 2. Größe, das ist der Hauptstern Cor Caroli des unscheinbaren Sternbildes der Jagdhunde. Cor Caroli ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 100 Lichtjahren.

2.3 Das Sommerdreieck

Das Sternbild der Leier
Hoch über uns sieht man das Sommerdreieck, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 25 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler". Sie ist derzeit der hellste Stern am Abendhimmel. - Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 3'000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man zu Ras Alhague im Schlangenträger, den Stern, auf den die Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel weist.

Der "herabstoßende Adler" Wega ist der Hauptstern des Sternbildes der Leier, deren übrigen Sterne nicht sehr auffällig sind und im wesentlichen den Leierkasten bilden und wie ein Parallelogramm neben der Wega aussehen. Die beiden von der Wega weiter entfernten Sterne dieses Parallelogrammes haben 3. Größe: das sind Sheliak auf derselben Seite wie die Wega, ein weißlicher Stern im Abstand von fast 900 Lichtjahren sowie Sulaphat, ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 600 Lichtjahren. - Die beiden näheren Parallelogramm-Sterne sind schwächere Sterne 4. Größe: zeta Lyrae, ein weißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren auf der Wega-zugewandten Seite, sowie delta Lyrae, ein Roter Riese im Abstand von 900 Lichtjahren.

Geht man von der Wega-nahen kurzen Seite des Leierkastens senkrecht nach oben, also weg vom Leierkasten, so erreicht man den Stern epsilon Lyrae. Dieser bildet mit der Wega und dem Wega-nächsten Leierkasten-Stern zeta Lyrae ein beinahe gleichseitiges Dreieck und wer wirklich gute Augen hat, kann versuchen, die beiden epsilon Lyrae-Sterne von bloßem Auge zu erkennen. Dies ist aber schwieriger als das Erkennen von Alkor neben dem mittleren Deichselstern des Großen Wagen. Epsilon(2) Lyrae ist der Wega-nähere Stern, er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren. Der andere, epsilon(1) Lyrae, ist ein weißlicher Stern im gleichen Abstand. Beide Sterne sind beinahe 4. Größe hell.

Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern 3. Größe namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer blauweißlichen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung
Der wunderschöne Doppelstern Albireo
Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens "Sadir"; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt Gienah und ist der dritthellste Stern des Sternbildes. Er ist wie Arktur ein Roter Riese, mit gut 70 Lichtjahren rund doppelt so weit von uns entfernt. Der erste Stern des linken Flügels ist delta Cygni; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 150 Lichtjahren.

Etwas nach hinten abgewinkelt findet man dann noch drei weitere Sterne an den Flügelschwingen des Schwanes. Das Ende der Flügelschwinge des rechten Flügels, also jenseits von Gienah, wird von zeta Cygni markiert, einem wie unsere Sonne gelben Stern im Abstand von 200 Lichtjahren. Er erreicht 3. Größe. An der linken Flügelschwinge des Schwanes stehen zwei gleich helle Sterne beinahe 3. Größe; der innere ist tau Cygni, der äußere iota Cygni. Tau Cygni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 70 Lichtjahren, iota Cygni ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Der "fliegende Adler" Atair wird von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke" und ist ein Stern beinahe 3. Größe.

Der Stern rechts oberhalb der Verlängerung der Sterne Atair und seiner beiden begleitenden Falken heißt "Deneb el Okab", das bedeutet "Schwanz des Adlers". Er ist der dritthellste Adlerstern, ein weißgelblicher Stern beinahe 2. Größe im Abstand von gut 80 Lichtjahren. - Geht man senkrecht der Sterne Atair und seiner beiden begleitenden Falken nach rechts, so sieht man zunächst den Stern delta Aquilae; auch er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Geht man ungefähr gleichviel weiter, so gelangt man zu Al Thalimain Prior; dies ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 125 Lichtjahren. Beide Sterne erreichen die 3.Größe. Geht man noch ein bisschen weiter, so gelangt man zu Al Thalimain Posterior; dieser Stern erreicht 4. Größe; er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 300 Lichtjahren. Al Thalimain bedeutet "die (beiden) Strauße".

Verlängert man die Sterne Atair und seine beiden begleitenden Falken nach links unten, so gelangt man zunächst zum vierthellsten Adlerstern theta Aquilae, einem blauweißlichen Stern im Abstand von fast 300 Lichtjahren. Dieser Stern markiert den Oberarm des vom Adler getragenen Jüngling Antinous und hatte bei den Mandarin den Namen Tseen Foo, das bedeutet "himmliches Floß". Etwa in doppeltem Abstand folgen etwas nach rechts versetzt zwei Sterne untereinander, die schon zum Sternbild des Steinbockes gehören: Der obere ist Algiedi, der untere heißt Sadaldabih.

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2.4 Cassiopeia, Andromeda und die ersten Herbststerne

Von der Cassiopeia ausgehend kann man über dem Osthorizont die Sterne der Andromedakette sowie Mirfak im Perseus und die helle Capella sehr einfach finden:

Zählt man die Sterne der Cassiopeia von links oben nach rechts unten durch, also von den helleren zu den weniger hellen, so führt die Verlängerung vom dritten, also dem mittleren, zur Schedir, dem zweiten Stern der Cassiopeia, ungefähr zur Sirrah, die der hellste Stern in dieser Region ist. Sirrah bedeutet "Nabel (der Andromeda)" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. - Dann kann man die ersten drei Sterne der Cassiopeia als Pfeilspitze deuten; diese Pfeilspitze zeigt auf den mittleren Andromedastern Mirach, die gleich hell wie die Sirrah ist. Mirach bedeutet "Schurz" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Kurz bevor man von der Cassiopeia herkommend die Mirach erreicht, kommt man auch am berühmten Andromedanebel vorbei; das ist eine Galaxie wie unsere Milchstraße im Abstand von 2 Millionen Lichtjahren. Bei guter Sicht außerhalb der Stadt ist der Andromedanebel sogar schon von bloßem Auge sichtbar.

Die Sirrah und die Mirach sind gleich hell wie der Polarstern und Kochab, der hellere der beiden hinteren Kastensterne des Kleinen Wagen.

Den 3. Andromedastern, Alamak - das heißt "Wüstenluchs" - findet man, indem man vom ersten Stern der Cassiopeia über Schedir verlängert; auch er ist ein Stern zweiter Größe, geringfügig weniger hell als Sirrah und Mirach; er ist ein Roter Riese im Abstand von 350 Lichtjahren. Etwas unterhalb zwischen Sirrah und Mirach steht etwas näher an der Sirrah ein Stern 3. Größe namens delta Andromedae; er ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren. Die Andromeda ist das Sternbild unterhalb der Cassiopeia.

Wenn man vom mittleren Stern des Cassiopeia-W eine Linie durch den vierten Stern des W zieht und diese verlängert, so findet man Mirfak, den Hauptstern des Perseus, den man auch als Verlängerung der Andromedakette nach links finden kann. - Schließlich führt die Verlängerung vom mittleren Stern des Cassiopeia-W zwischen dem vierten und fünften Stern des W hindurch tief im Nordosten zur hellen Capella im Fuhrmann. Sie ist ein Vierfach-Sternsystem im Abstand von gut 40 Lichtjahren, bei dem beide Hauptsterne wie unsere Sonne gelbe Sterne sind. Mirfak bedeutet "Ellbogen" und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 100 Lichtjahren, er ist etwas heller als Sirrah und Mirach. Capella heißt "Zicklein" und auf alten Sternbild-Darstellungen kann man sehen, dass der Fuhrmann auf seiner Schulter ein kleines Zicklein trägt; das ist der Ort des Hauptsternes Capella.

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2.5 Der Pegasus und der Weg in den Wassermann und zur Fomalhaut

Der Pegasus besteht im Wesentlichen aus dem Herbstviereck, das nach Sonnenuntergang wie eine übergroße Vorfahrtstafel am Himmel steht. Von Pegasus aus zweigt nach links die Andromedakette und nach rechts eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasus-Stern Enif ab.

Der Andromedastern Sirrah, der hellste Stern des Herbstviereckes, welches ansonsten aus Pegasussternen besteht, kann sehr einfach aus der Cassiopeia in der Verlängerung des mittleren Cassiopeiasterns über Schedir, den Hauptstern der Cassiopeia, gefunden werden und auch der hellste Pegasussterns Enif kann sehr einfach aus dem Sommerdreieck gefunden werden, indem man die helle Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt.

An der oberen Ecke des Herbstviereckes befindet sich ein kleines, fast gleichseitiges typisches Dreieck, dessen untere rechte Ecke aus zwei Sternen besteht. Scheat, der oberste Stern im Herbstviereck, steht in diesem kleinen Dreieck an der linken unteren Ecke. Scheat heißt "Bein (des Pferdes Pegasus)" und ist ein Roter Riese im Abstand von 200 Lichtjahren. Der Stern an der oberen Ecke dieses Dreiecks heißt Sadmatar, er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren; Sadmatar bedeutet "Glücksgestirn des Regens". Auch der linke Stern an der rechten unteren Ecke dieses kleinen Dreiecks hat einen Namen: er heißt Sadalbari, das bedeutet "Glücksstern des Vortrefflichen"; er ist ein Roter Riese im Abstand von über 100 Lichtjahren. Sein Nachbarstern ist lamda Pegasi; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand 400 Lichtjahren. Dieses kleine typische Dreieck an der oberen Spitze des Pegasus bei Scheat mit den zwei Sternen an der rechten unteren Ecke kann man leicht am Himmel wiederfinden und sich somit gut orientieren.

Zum Wassermann und zur Fomalhaut
Markab, der Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, ist ein blauweißlicher Stern 2. Größe im Abstand von fast 150 Lichtjahren und bedeutet "Schulter (des Pferdes Pegasus)". Hier zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab, einem Roten Riesen im Abstand von 700 Lichtjahren; Enif heißt "Nase (des Pegasus)". Die beiden mittleren Sterne der Pegasuskette gehören ebenfalls zu den Glückssternen: unterhalb von Markab sieht man zuerst den Stern Sadalhomam und weiter unterhalb, etwas rechts den Stern Sadalbaham. Sadalhomam bedeutet Glücksgestirn des Helden", er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 200 Lichtjahren und Sadalbaham im vorletzten "Kettenglied" bedeutet "Glücksgestirn der Vierfüßer"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von fast 100 Lichtjahren. Von hier gelangt man, wenn man statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, zum zweithellsten Wassermannstern Sadalmelik.

Geht man nun von Sadalbaham zu Enif und darüber rund die Hälfte hinaus, so kann man im Feldstecher den Kugelsternhaufen M15 erkennen; dieser ist 35000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält rund 500000 Sterne.

An der unteren Ecke des Herbstviereckes finden wir den Stern Algenib, er ist wie Markab ein blauweißlicher Stern, aber über dreimal weiter entfernt im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Algenib bedeutet "Flanke, Seite". Man beachte, dass manchmal auch Mirfak, der Hauptstern des Sternbildes Perseus, mit diesem Namen Algenib bezeichnet wird.

Verlängert man im Herbstviereck die Kante von Scheat über Markab rund dreimal nach Süden, so kann man dort bei guter Sicht den in unseren Breiten südlichsten Stern 1.Größe bewundern, das ist die Fomalhaut im Sternbild des Südlichen Fisches. Fomalhaut heißt "Mund des (Wal-)Fisches" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 25 Lichtjahren, das ist etwas näher als die Wega.

2.6 Der Steinbock und die nördlichen Wassermannsterne

Einen sehr einfachen Weg in den Wassermann findet man, indem man vom Herbstviereck ausgeht: Von Markab, dem Stern in der gegenüberliegenden Ecke der Sirrah im Herbstviereck, zweigt eine kleine Sternenkette zum hellsten Pegasusstern Enif ab. Wenn man in dieser Sternenkette im vorletzten Kettenglied, dem Stern Sadalbaham, statt zu Enif zur anderen Seite abbiegt, so gelangt man zum zweithellsten Wassermannstern 3. Größe namens Sadalmelik. Das heißt "Glücksstern des Königs" und ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von über 750 Lichtjahren. Links neben Sadalmelik steht der Stern Sadalachbia, das heißt "Glücksstern der Zelte"; er ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 150 Lichtjahren. Oftmals wird dieser Name zu "Sadachbia" verkürzt.

Einen anderen einfachen Weg in den Wassermann findet man über die "Adler-Steinbock-Kette", die man durch Verlängerung der Sterne Atair und seiner beiden begleitenden Falken nach unten über den Adlerstern theta Aquilae bis hin zu Algiedi und Sadaldabih in doppeltem Abstand findet. Algiedi bedeutet "Ziege", er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 120 Lichtjahren, und Sadaldabih bedeutet "Glücksgestirn des Schlachtenden", er ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren. Beide Sterne erreichen 3. Größe. Wer gute Augen hat, kann westlich von Algiedi einen weiteren Stern sehen; diese beiden sehen zwar wie ein Doppelstern aus, doch ist der Partnerstern, ebenfalls ein gelber Stern wie unsere Sonne, über zehnmal weiter entfernt. Rechtwinklig von Algiedi und Sadaldabih gelangt man von Algiedi nach links gehend zu einem weiterem Stern; das ist der Stern Sadalbali im Wassermann; das heißt "Glücksgestirn dessen, der schluckt" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von gut 200 Lichtjahren.

Wenn man diese Linie von Atair und seinen beiden Falken ausgehend über theta Aquilae, Algiedi und Sadaldabih nochmals gleichviel weiter nach unten verlängert, so kann man bei guter Sicht nochmals zwei Sterne 4. Größe in diesem Abstand voneinander sehen; der obere ist psi Capricorni und der untere omega Capricorni. Psi Capricorni ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 35 Lichtjahren und omega Capricorni ein Roter Riese im Abstand von knapp 250 Lichtjahren. Die ersten 4 Sterne dieser Linie gehören zum Sternbild des Adlers, die nächsten vier Sterne gehören zum Sternbild des Steinbockes.

Am unteren Ende des Steinbockes kann man wieder rechtwinklig nach links oben abknicken und gelangt nach derselben Distanz zu zwei benachbarten Sternen 3.Größe; der linke und hellere heißt Deneb Algedi, das bedeutet "Schwanz des Geißbocks" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 40 Lichtjahren; er ist der hellste Stern des Sternbildes und 1846 wurde in seiner Nähe der Planet Neptun entdeckt. Der rechte Stern heißt Sadnashira und ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Sadnashira bedeutet "die, welche gute Nachricht bringt" und hat dieselbe Helligkeit wie Algiedi.

Zwischen Sadalmelik und Sadalbali steht recht genau in der Mitte der Stern Sadalsuud, der ebenfalls 3. Größe erreicht. Sadalsuud heißt "Glücksstern des Glückes"; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern, im Abstand von über 600 Lichtjahren und ist der hellste Stern des Sternbildes Wassermann. In dieser oberen Sternenkette des Wassermannes kann man bei Sadalsuud senkrecht nach unten abbiegen und gelangt nach gleichem Abstand zum hellsten Steinbockstern Deneb Algedi und rechts neben ihm Sadnashira.

In den Sternbildern Pegasus, Steinbock und Wassermann findet man insgesamt 10 Sterne, deren Namen eine Bedeutungen im Zusammenhang mit Glück haben. Das kommt daher, dass in dieser Jahreszeit, in der diese Sterne am Himmel aufgehen, die fruchtbare Regenzeit einsetzte. Es sind dies die Pegasussterne (Sad-)Matar, Sadalbari, (Sadal-)Homam, (Sadal-)Baham, die Steinbocksterne (Sadal-)Dabih und (Sad-)Nashira sowie die Wassermannsterne Sadalmelik, Sadalachbia, Sadalsuud und (Sad-)Albali.

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2.7 Der Weg vom Kleinen Wagen durch den Drachen zur hellen Wega und zum Kepheus

Am einfachsten gelangt man zur hellen Wega in der Leier, indem man von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen, die zwischen dem Polarstern und der Deichsel des Großen Wagen stehen, ausgeht: In nur dreifacher Verlängerung von Kochab zu Pherkad, also vom helleren zum schwächeren hinteren Kastenstern des Kleinen Wagen, steht ein Stern beinahe 2. Größe namens eta Draconis, er ist der zweithellste Stern des Drachens. Eta Draconis ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Biegt man in Bewegungsrichtung im Uhrzeigersinn, d.h. zur Zeit nach rechts oben, ab, so kann man in halbem Abstand einen weiteren Stern des Sternbildes Drachen erkennen, das ist Aldhibah, ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 300 Lichtjahren. Aldhibah erreicht 3.Größe und bedeutet "die beiden Wölfe", womit er sowie eta Draconis, der hellere der beiden, gemeint sind.

Geht man nun von den beiden hinteren Kastensternen des Kleinen Wagen durch das Tor, das von den beiden Wölfen eta Draconis und Aldhibah aufgespannt wird, hindurch und nochmals gleichviel weiter, so gelangt man zu zwei Sternen 2. und beinahe 2. Größe. Der linke ist der hellste Stern des Sternbildes des Drachen und heißt Ettanin, der rechte ist der dritthellste Stern des Sternbildes und heißt Alwaid. Ettanin ist ein 150 Lichtjahre entfernter Roter Riese und bedeutet "Seeungeheuer", Alwaid ein wie unsere Sonne gelber Stern im Abstand von 400 Lichtjahren. Alwaid bedeutet "die Kamelmütter, die ihre 7 Tagen alten Jungen bei sich haben"; gemeint ist hiermit die Sterngruppe, zu der auch Ettanin gehört. Beide Sterne stehen im Kopf des Drachen und gemäß der Mythologie starrt der Drache den benachbarten Herkules mit zwei verschiedenfarbigen Augen an: Ettanin ist ein Roter Riese und Alwaid ein gelblicher Stern. Es ist bemerkenswert, dass damals die Luft so rein war, dass man sogar noch die Farbe dieser beiden Sternen erahnen konnte.

Geht man diesen Weg weiter, so gelangt man etwa nochmals gleichviel weiter zur hellen Wega in der Leier.

Der Drache hat noch zwei weitere Sterne 3. Größe: Den vierthellsten Drachenstern Al Tais findet man sehr einfach in der doppelten Verlängerung vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis über Aldhibah. Er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 100 Lichtjahren. Geht man diese Verlängerung gleichviel weiter, so gelangt man zu einem Stern 2. Größe, das ist Alderamin, der Hauptstern des Andromedavaters Kepheus. Alderamin bedeutet "rechter Arm" und ist ein weißlicher Stern im Abstand von 50 Lichtjahren. Links neben Alderamin steht Alfirk, ein weiterer Stern 3. Größe des Kepheus. Er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 600 Lichtjahren. Alfirk bedeutet "(Schaf-)Herde" und bildet mit Al Tais und Alderamin ein rechtwinkliges Dreieck. Schräg links unterhalb von Alfirk steht Alrai, der ebenfalls 3. Größe erreicht. Alrai bedeutet "Schäfer", er ist ein Roter Riese, der etwa gleich weit entfernt ist wie Alderamin. Rechts unterhalb der drei Kepheussterne Alderamin, Alfirk und Alrai kann man das Himmels-W der Andromedamutter Cassiopeia erkennen.

Wie Al Tais ebenfalls 100 Lichtjahre entfernt ist der Stern Edasich auf der anderen Seite vom zweithellsten Drachenstern eta Draconis als Aldhibah; er ist ein Roter Riese. Al Tais bedeutet "Ziegenbock" und Edasich bedeutet "Hyäne"; Hyänen gehören ja ebenso wie die Wölfe zu den Raubtieren, die sich in der Nähe von Kamelen herumtreiben.

Der Kepheus
Die übrigen Kepheussterne erreichen ebenfalls noch gerade 3. Größe. Stellt man sich den Kepheus als Haus vor, bei dem Alderamin und Alfirk die rechte Hausseite und Alrai die Dachspitze darstellen, so befindet sich an der linken oberen Hauskante der Stern iota Cephei, ein Roter Riese, der gut doppelt so weit entfernt ist wie Alrai und Alderamin, und an der unteren linken Hauskante der Stern Al Radif. Dieser ist aber viel bekannter unter seinem wissenschaftlichen Namen "delta Cephei", hat er doch einer ganzen Klasse veränderlicher Sterne seinen Namen gegeben. Dieser Typ Stern hat eine charakteristische Helligkeitskurve und im Jahre 1912 hat die Astronomin Henrietta Swan Leavitt festgestellt, dass in der Großen und in der Kleinen Magellanschen Wolke je eine Abhängigkeit zwischen der Periode dieser Sterne und ihrer Helligkeit besteht. Da die Sterne einer anderen Galaxie von der Erde aus betrachtet ungefähr alle gleichweit entfernt sind, weil der Abstand von Galaxie zu Galaxie viel größer ist als der Abstand der Sterne innerhalb einer Galaxie, kann man anhand der Periode der Helligkeitsveränderung auf die absolute Helligkeit eines solchen Sternes schließen. Somit kann man mit diesen Sternen Entfernungsmessungen durchführen und mit dem Hubble Space Teleskop kann man solche Sterne noch in Galaxien, die 100 Millionen Lichtjahre von uns entfernt sind, sehen. Leider waren diese Messungen früher mit recht großen Ungenauigkeiten behaftet, weil kein solcher Stern genügend nahe der Sonne steht, um seinen Abstand mit trigonometrischen Methoden zu ermitteln. Erst dank den Hochpräzisionsmessungen der HIPPARCOS-Mission konnte man die Ungenauigkeiten wenigstens etwas reduzieren und den Abstand von delta Cephei zu rund 900 Lichtjahren bestimmen. Al Radif ist ein weißgelblicher Stern.

Zeta Cephei befindet sich neben delta Cephei, etwas ins Hausinnere eingerückt. Er wird manchemal Tsao Fu genannt und ist ein Roter Riese im Abstand von über 700 Lichtjahren. Rechts außerhalb des Kepheus steht neben Alderamin der Stern Al Agemim; auch er ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 50 Lichtjahren.

Etwas unterhalb der Mitte des Bodens dieses Hauses, also unterhalb der Linie Alderamin - delta Cephei, kann man den Stern Erakis sehen; dieser ist ein Roter Riese und hat im Feldstecher eine tiefrote Farbe und wird deswegen auch "Granatstern" genannt. Von allen bisher hier vorgestellten Sternen hat dieser Stern den bei weitem größten Abstand - er ist über 5'000 Lichtjahre von uns entfernt und trotzdem ein Stern beinahe dritter Größe.

2.8 Das Sternbild des Herkules

Der Herkules ist ein weiträumiges Sternbild zwischen der Wega, der Nördlichen Krone und dem Schlangenträger, das nur zwei Sterne beinahe 2. Größe aufweist und somit insgesamt eher unscheinbar ist. Dieses Sternbild beherbergt einen der bekanntesten, bei nicht lichtverschmutzten Bedingungen sogar von bloßem Auge sichtbaren und einfach auffindbaren Kugelsternhaufen namens M13.

In der Einführung der wichtigsten Sterne wird die große Arktur-Mirak-Gemma-Deichsel beschrieben, die auf den Stern Ras Alhague weist. Auf dem Weg dahin kommt man ungefähr in der Mitte am hellsten Herkules-Sterns Rutikulus vorbei. Gehen wir nun nach oben in Richtung Wega, so sieht man ein fast gleichseitiges Dreieck, dessen untere Spitze in Rutikulus liegt und dessen Kantenlänge rund ein Drittel des Abstandes zur Wega beträgt. Der linke Stern des gleichseitigen Dreiecks erreicht 3. Größe und heißt Sarin, der rechte ist der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi, der gleich hell ist wie Rutikulus.

Wer dieses fast gleichseitige Dreieck nicht auf Anhieb sieht, kann den Hauptstern des Herkules zu Hilfe nehmen. Dieser heißt Ras Algethi und ist ein Stern 3. Größe ganz in der Nähe von Ras Alhague: Man erreicht ihn von Arktur, Mirak und Gemma ausgehend kurz ehe man Ras Alhague erreicht. Ras Algethi bildet mit Rutikulus und Sarin an der Spitze ein etwas schiefes Dreieck, das wie ein Pfeil auf die Wega weist. Nun findet man auch ganz einfach den zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi, indem man Ras Algethi an der Achse Rutikulus - Sarin spiegelt.

Die beiden hellsten Herkulessterne, Rutikulus und zeta Herculi, sind wie unsere Sonne gelbe Sterne. Beide Sterne erreichen beinahe zweite Größe. Rutikulus ist 150 Lichtjahre entfernt und heißt "Achselhöhle"; sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger" und zeta Herculi ist gut 30 Lichtjahre entfernt. Sarin ist ein weißlicher Stern 3. Größe im Abstand von fast 100 Lichtjahren; die Bedeutung dieses Namens ist nicht mehr bekannt.

Ras Algethi bedeutet "Kopf des Knienden", da der Herkules meist als kniender Held dargestellt wird; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Der zweithellste Herkulesstern zeta Herculi steht am unteren Ende eines trapezartigen Vierecks, das auch Herkules-Trapez heißt. Diagonal gegenüber steht der Stern pi Herculi, der gleichhell wie Sarin ist. Sei noch der Stern eta Herculi genannt; zu ihm gelangt man, indem man von Rutikulus ausgehend an zeta Herculi vorbeigeht. Eta Herculi steht also in dem Trapez "neben" pi Herculi. und erreicht gerade noch 3. Größe. In der vierten Ecke dieses Trapezes befindet sich ein schwächerer Stern gerade noch 4. Größe, das ist epsilon Herculi. - Pi Herculi ist ein Roter Riese im Abstand von 400 Lichtjahren, eta Herculi wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 80 Lichtjahren und epsilon Herculi ist ein weißlicher Stern im Abstand von 160 Lichtjahren.

Kugelsternhaufen M13 im Herkules. Bild Observatorium Wendelstein.
Im Herkules-Trapez kann man den bekannten Kugelsternhaufen M13 finden: geht man von Rutikulus am zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi vorbei zu eta Herculi, so sieht man in einem Feldstecher oder bei licht-unverschmutzer Sicht sogar von bloßem Auge zwischen zeta und eta Herculi, ein Drittel von eta und zwei Drittel von zeta entfernt, ein verwaschenes Fleckchen; das ist der bekannte Kugelsternhaufen M13. Er ist ein Kugelsternhaufen, also eine kugelförmige Sternansammlung innerhalb unserer Milchstraße. Dieser Kugelsternhaufen ist 25'000 Lichtjahre von uns entfernt und enthält etwa 300'000 Sterne.

Oft wird der Herkules als auf dem Kopf stehendes "K" beschrieben, das aus dem Herkules-Trapez das mit dem zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi und pi Herculi sowie den beiden Sternen Rutikulus und Sarin besteht. Dieses auf dem Kopf stehende "K" befindet sich zwischen der Nördlichen Krone und der Wega.

Verlängern wir jetzt etwa dreimal die kürzere Kante der unteren Trapezsterne nach links, also vom zweithellsten Herkulesstern zeta Herculi nach epsilon Herculi, so gelangen wir zu einem weiteren Herkulesstern 3. Größe namens mue Herculi. Dieser ist wie unsere Sonne und die beiden hellsten Herkulessterne Rutikulus und zeta Herculi ein gelber Stern, wie zeta Herculi im Abstand von rund 30 Lichtjahren. Mue Herculi kann man auch finden, indem man vom hellsten Herkulesstern Rutikulus an Sarin vorbei ungefähr gleichviel weitergeht.

Von hier gelangt man übrigens sehr einfach zur hellen Wega: betrachtet man die vier Sterne zeta und pi Herculi sowie Sarin und mue Herculi, so bilden diese ebenfalls ein Trapez, welches aber etwas größer ist als das Herkules-Trapez. Verlängert man nun diese beiden Linien etwa zweimal nach oben, so findet man dort ungefähr in der Mitte die helle Wega.

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2.9 Das Sternbild des Schützen

Das Sternbild des Schützen ist das am tiefsten gelegene Sternbild des Tierkreises und seine nördlichen Teile sind von Mitteleuropa aus nur bei guter Südwestsicht sichtbar. Deswegen wird es meistens nicht weiter beachtet, und oftmals wird es auch bei guter Südwestsicht nur gelingen, die drei nördlichsten Sterne des Schützen zu erkennen.

Dies geschieht am einfachsten, indem man den oben beschriebenen Weg vom Adler in den Steinbock beschreitet und bei den beiden ersten Steinbocksternen Algiedi und Sadaldabih senkrecht nach rechts unten etwa gleichweit abbiegt. Zunächst gelangt man zum zweithellsten Schützenstern Nunki, der 2. Größe erreicht und immerhin so hell wie der Polarstern ist, und etwas weiter gehend rechts oberhalb zu einem Stern beinahe 2. Größe namens Kaus Borealis. Links oberhalb von Nunki, in Richtung des Adlersternes Atair, steht der Stern Albalda, der wie Kaus Borealis die zweite Größe nur knapp verfehlt.

Nunki bedeutet "göttlicher Ort der Erde" und ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von über 220 Lichtjahren, Kaus Borealis heißt "nördlicher Stern des Bogens" und ist ein Roter Riese im Abstand von 80 Lichtjahren und Albalda links oberhalb in Richtung Atair bedeutet "der Platz, die Gegend"; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von 450 Lichtjahren.

Bei sehr guter Südwestsicht kann man auf beiden Seiten von Nunki außerdem je einen Stern gerade noch dritter Größe erkennen, das sind tau und phi Sagittarii.

Im Sternbild Schützen befindet sich das Zentrum der Milchstrasse. Bild Akira Fujii
Der Schütze ist ein unübersichtliches Sternbild, welches man sich am einfachsten als zwei Bögen vorstellen kann, die schräg übereinander stehen. Beide Bögen haben in dieser Vorstellung einen Pfeil, der obere Bogen zusätzlich noch ein nach unten abgewinkeltes Pfeilende.

Der zweithellste Schützenstern Nunki befindet sich in dieser Vorstellung in der Mitte des "oberen Bogens", Kaus Borealis am oberen Ende des unteren Bogens und Albalda in Richtung Atair am oberen Ende des "oberen Bogens".

Der obere Bogen wird unterhalb von Nunki bei guter Südsicht am unteren Ende vom Stern Askella vervollständigt, das bedeutet "Achsel". Er ist ein weißlicher Stern knapp 2. Größe im Abstand von 90 Lichtjahren. - Rechts und links neben Nunki, dem mittleren Bogenstern des oberen Bogens, sieht man etwas unterhalb die Sterne phi Sagittarii an der "Pfeilspitze" des oberen Bogens und tau Sagittarii am nach unten abgewinkelten Pfeilende oberhalb von Askella, die ja am unteren Ende des oberen Bogens steht. Phi Sagittarii ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 230 Lichtjahren und tau Sagittarii ein Roter Riese im Abstand von 120 Lichtjahren. Beide sind Sterne 3. Größe. Fast gleichhell ist auch der Stern xi2 Sagittarii rechts neben Albalda am oberen Ende des oberen Bogens; er ist wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von fast 400 Lichtjahren.

Gleich nach Sonnenuntergang kann man bei sehr guter Südwestsicht auch die übrigen Sterne des unteren Bogens über dem Horizont erkennen: Kaus Meridionalis steht in der Mitte des unteren Bogens; und der hellste Stern des Sternbildes ist Kaus Australis am unteren Ende des unteren Bogens. Kaus Meridionalis bedeutet "mittlerer Stern des Bogens", er ist ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von 300 Lichtjahren. Kaus Australis erreicht beinahe 1. Größe, ist aber aufgrund seiner südlichen Lage nur bei sehr guter Horizontsicht erkennbar. Kaus Australis bedeutet "südlicher Stern des Bogens" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von knapp 150 Lichtjahren. Rechts neben Kaus Meridionalis steht der Stern An-Nasl an der Pfeilspitze des unteren Bogens und An-Nasl heißt auch passenderweise "Pfeilspitze"; ist ein Roter Riese im Abstand von 100 Lichtjahren.

Schräg rechts unterhalb des hellsten Schützensternes Kaus Australis steht eta Sagittarii, ein Stern 3. Größe. Er ist ein Roter Riese im Abstand von 150 Lichtjahren.

3. Das Sternbild des Monats: Der Delphin

Delphin (Stellarium)
In diesem Monat wird ein kleines Sternbild vorgestellt, das nicht schwer zu finden ist; am einfachsten findet man es, wenn man im Sommerdreieck die helle Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt, kurz ehe man zum hellsten Pegasussterns Enif gelangt. Der Delphin sieht aus wie eine kleine Raute mit einem Stiel, der nach etwas unterhalb von Atair weist.

Der Delphin hat zwei Sterne beinahe 3. Größe, zwei Sterne 4. Größe sowie einen Stern gerade noch 4. Größe. Der hellste Stern ist beta Delphini, ein weißgelblicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren. Er steht in der Raute auf der Seite vom Stiel. In der Mitte der Raute, in Richtung Schwan steht der Hauptstern des Delphins; alpha Delphini ist der zweithellste Stern des Sternbildes, ein blauweißlicher Stern im Abstand von 240 Lichtjahren.

An der oberen Spitze der Raute steht gamma Delphini, er ist ein 100 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Gleichhell ist epsilon Delphini am Stiel, er ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 358 Lichtjahren. Auf der schwan-abgewandten Seite in der Mitte der Raute schließlich steht delta Delphini, ein 200 Lichtjahre entfernter weißlicher Stern.

Gemäß der Mythologie warb der Meeresgott Poseidon um die Nereide Amphitrite. Da diese aber ihre Jungfräulichkeit nicht verlieren wollte, flüchtete sie ins Atlasgebirge. Daraufhin schickte Poseidon mehrere Späher aus. Einer von ihnen namens Delphinos stolperte über Amphitrite und überredete sie, der Hochzeit zuzustimmen. Aus Dankbarkeit versetzte der Meeresgott das Bildnis eines Delphins an den Himmel.

Einer anderen Mythologie zufolge kam der griechische Sänger Arion auf einer Reise nach Italien und Sizilien zu Reichtum. Auf der Heimfahrt von Tarent verschwor sich die Mannschaft seines Schiffes gegen ihn, um den Schatz an sich zu nehmen. Arion bat daraufhin, ein Klagelied anstimmen zu dürfen, und während er sang, sprang er über Bord und wurde von einem Delphin gerettet, der von der Musik betört war. Der Delphin setzte Arion an der Küste Griechenlands ab und verschwand.

4 Die Mondstationen am Abendhimmel

4.1 Allgemeines

Bekanntlich sind die 12 Tierkreiszeichen des heutigen Horoskopes diejenigen Sternbilder, denen die Sonne im Verlaufe des Jahres ihren Besuch abstattet, allerdings wird das Sternbild des Schlangenträgers dabei nicht mitgezählt, da der Zahl 12 eine besondere Bedeutung zukommt. Zu Zeiten der Araber indes hat man die Sterne nicht nach großflächigen Sternbildern eingeteilt, sondern nach hellen Einzelsternen und nach nahe beieinander stehenden Sterngruppen. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass aufgrund der sehr viel klareren Luft damals auch Sterne 3. Größe helle Sterne waren und Sterne 4. Größe problemlos gesehen werden konnten.

Die Araber haben 28 solcher hellen Sterne und Sterngruppen ausgewählt, durch die im Verlaufe des Jahres der Neumond zieht, das sind die Mondstationen. Da die Mondbahn nur geringfügig gegen die Sonnenbahn geneigt ist, liegen diese Mondstationen alle in der Nähe der Tierkreiszeichen. Dank ihrer Prominenz sind die ursprünglichen Namen dieser Sterngruppen bis heute überliefert, indes sind nur einige ihrer Namen in die Astronomie eingegangen, obgleich diese Mondstationen immerhin sechs Sterne 1. Größe enthalten.

4.2 Die Mondstationen des Schützen

Das Sternbild des Schützen beherbergt zwei Mondstationen.

Die erste heißt an-nahim und besteht aus allen helleren Schützensternen mit Ausnahme der drei nördlichsten, das sind Albalda am oberen Ende des oberen Bogens und xi2 Sagittarii rechts neben ihm sowie Kaus Borealis am oberen Ende des unteren Bogens. Somit wird diese Mondstationen von zweimal vier Sternen gebildet, nämlich von Nunki und Askella sowie den beiden Sternen tau und phi Sagittarii auf beiden Seiten von Nunki sowie von Kaus Meridionalis mit An-Nasl und Kaus Australis mit eta Sagittarii. Die Mythologie hat in diesen Sternen zwei Straußen gesehen, von denen einer - nämlich derjenige mit Nunki und Askella - von der Tränke am Fluss (der Milchstraße) kommt. An-nahim bedeutet also "die Strauße" und man beachte, dass die beiden Adlersterne Al Thalimain Prior und Al Thalimain Posterior, die nur wenig nördlich stehen, ebenfalls "Strauße" bedeuten. In der indischen Tradition werden nur der mittlere und der unteren Bogenstern des unteren Bogens Kaus Meridionalis und Kaus Australis verwendet, und die Mondstation heißt "früher Sieg" oder "der Unbesiegte".

Die zweite Mondstation des Schützen heißt al-balda und bezeichnet die sternleere Gegend unterhalb von Albalda am oberen Ende des oberen Bogens. Al-balda bedeutet "der Platz, die Gegend". In der indischen Tradition werden der mittlere und der untere Bogenstern des oberen Bogens Nunki und Askella verwendet; die Mondstation heißt "später Sieg" oder "der spätere Unbesiegte".

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4.3 Die Mondstation des Steinbocks

Die Mondstation des Steinbocks wird von den beiden ersten Steinbocksternen Algiedi und Sadaldabih in der Verlängerung der Adler-Steinbock-Linie gebildet und heißt nach dem helleren der beiden Sterne Sadaldabih. In der indischen Tradition werden die Adlersterne Atair und seine beiden Falken Tarazed und Alshain verwendet, dort heißt die Mondstation "die Anhörung".

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4.4 Die drei Mondstation des Wasermannes

Der Wassermann enthält drei Mondstationen, die allesamt aus Glücksgestirnen bestehen. Die erste heißt sad-bula und hat dem Stern Sadalbali seinen Namen gegeben. Die zweite heißt Sadalsuud und die dritte Mondstation des Wassermannes heißt Sadalachbia.

Die indische Tradition überliefert hier nur 2 Mondstationen; die erste besteht aus den Rautensternen des Sternbildes des Delphins und heißt "der Reichste", die zweite besteht aus dem Wassermannstern Sadalachbia und heißt "hundert Heiler".

-> Einführung in die Mondstationen

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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.


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