Sternenhimmel im August 2006


Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Im Sommer bleibt der Sternenhimmel ziemlich konstant, im August sieht man im Wesentlichen denselben Himmel wie im Juli, nur dass die Sterne alle ein bisschen weiter gezogen sind. Da es nun auch wieder früher dunkel wird, merkt man das aber kaum. Der helle Riesenplanet Jupiter im Südwesten lenkt nach wie vor alle Blicke auf sich, so dass die beiden hellsten Sommersterne, Arktur und die Wega, etwas in den Hintergrund gedrängt werden. Gut sichtbar sind die bereits weit in den Westen gezogene Spica und ihre beiden Nachbarsterne der Wega im Sommerdreieck: Deneb im Schwan und Atair im Adler, die nun hoch am Himmel stehen. Auch der sehr schöne Skorpion mit den rötlich funkelnden Hauptstern Antares ist hoch über dem Südhorizont zu sehen, während im Osten die ersten Herbststerne, die im Vormonat nur schemenhaft zu sehen waren, zu erkennen sind.

Der Große Wagen hat den Höchststand über dem Polarstern hinter sich und senkt sich wieder westwärts herab, während die Cassiopeia im Nordwesten wieder höher steigt und wie ein schiefes "W" über dem Nordost-Horizont steht.

Die Venus sieht man weiterhin morgens vor Sonnenaufgang.

2. Monatsbeitrag: Der Saturn

Im vergangenen Monat haben wir den Planeten Jupiter kennen gelernt, nicht viel kleiner ist der Planet Saturn. Dieser ist rund doppelt so weit wie der Jupiter entfernt und war lange Zeit die äußere bekannte Grenze unseres Sonnensystems. Heutzutage kennt man Kuipergürtel-Planetoiden wie die Sedna, die sich auf ihrer Reise um die Sonne sogar 100 mal weiter entfernen. Der Durchmesser des Saturn ist 10 mal größer als derjenige der Erde und auch er dürfte dank seiner Schwerkraft in der Frühzeit unserer Erde zahlreiche Kometen, die sonst die Erde getroffen hätten, abgelenkt und ins All zurückgeschleudert haben. Der Saturn ist bekannt wegen seiner schönen Ringe, die man sehr schön in einem Fernrohr sehen kann. Auch die drei anderen großen Gasplaneten unseres Sonnensystems, also Jupiter, Uranus und Neptun, haben solche Ringe, aber nur diejenigen des Saturns sind auch in einem Fernrohr sichtbar.

Enceladus
Enceladus' Oberfläche ist geprägt von Kratern und Eisschollen
Enceladus Detail
Im Gegensatz zum Jupiter, der vier große Monde hat, hat der Saturn nur einen großen Mond, den zweitgrößten Mond unseres Sonnensystems Titan. Dieser Mond hat sogar eine dichte Atmosphäre und es wird vermutet, dass man hier Bedingungen wie zu Frühzeiten unserer Erde vorfindet. Auf dem Titan ist vor eineinhalb Jahren sogar eine Raumsonde gelandet. Anstelle weiterer großer Monde hat der Saturn im Gegensatz zum Jupiter zahlreiche "mittelgroße" Monde der 500 - 1500 km-Klasse. Im letzten Jahr hat der zweite dieser mittelgroßen Monde, der Saturnmond Enceladus, große Beachtung erfahren, weil er ähnlich wie der zweite Jupitermond Europa aus Eisschollen besteht und einen riesigen Ozean aus Wasser unter seiner Oberfläche haben könnte, in dem sich sogar einfache Lebensformen entwickelt haben könnten. Die Temperatur dafür bekommt dieser Mond durch seine Nähe zum Saturn sowie den vierten Saturnmond Dione, dessen Umlaufzeiten zu denen der Enceladus ein ganzzahliges Vielfaches bildet, so dass Gezeitenkräfte auf der Enceladus verursacht werden, die diesen Mond geradezu durchwalken. Auf der Enceladus gibt es auch Wasservulkane und diese sorgen dafür, dass dieser Mond sogar eine dünne Atmosphäre hat. Zudem wird ein Teil der Saturnringe durch diese Wasservulkane der Enceladus gespiesen.

Japetus
Japetus
Eine genaue Erläuterung aller Saturnmonde würde diesen Monatsbeitrag bei weitem sprengen, es seien aber noch der zweitgrößte Saturnmond Rhea und der drittgrößte Saturnmond Japetus genannt, beide werden in den nächsten Jahren von der Raumsonde Cassini genauer untersucht; hier wird vor allem auch der Grund, warum die Japetus eine hellere und eine weniger helle Hälfte hat, erforscht werden.

-> Mehr zu den Planeten und zum Sonnensystem

3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne


Ausschnitt des Sternenhimmels im August nach Eindunklen gegen Süden. Der Ausschnitt geht über den
Zenit (helles Kreuz) hinaus und umfasst über die Hälfte des an diesem Zeitpunkt sichtbaren Sternenhimmels.
Aufgrund der sphärischen Darstellung krümmt sich der Horizont scheinbar nach oben.
Zum Vergrössern auf Bild oder Lupe clicken


Auch im August ist der Große Wagen Ausgangspunkt unserer Sternenwanderung, der nun seitlich auf dem Kopf steht; verlängert man die Deichsel, so kommt man zum hellen Stern Arktur im Bärenhüter und bei weiterer Verlängerung gelangt man zur hellen Spica in der Jungfrau. Arktur bedeutet "Jäger, der die (Große) Bärin im Auge behält" und ist mit 35 Lichtjahren der nächst gelegene Rote Riese; die Spica ("Kornähre") ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von 260 Lichtjahren.

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, deren äußerer Stern Gemma heißt; das ist der Hauptstern der Nördlichen Krone. Gemma bedeutet "Edelstein" und ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren; wie die meisten Sterne des Großen Wagen (mit Ausnahme des vorderen Deichselsternes und des oberen hinten Kastensternes) gehört sie auch zum Bären-Strom, einer Gruppe von Sternen, die gemeinsam an unserer Sonne vorbei durch unsere Milchstraße ziehen, auch der Sirius gehört diesem Bärenstrom an. - Diese größere Deichsel von Arktur über die Gemma weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun halbhoch im Osten steht. Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren.

Betrachtet man die große Deichsel von Arktur und Gemma als Kopf eines geometrischen Drachens, so findet man auf der anderen Seite, also im Südosten, einen Stern 3. Größe namens Unuk, das ist der Hauptstern der Schlange. Unuk stammt von "Unuk al Hay" und bedeutet "Hals der Schlange"; sie ist ein 70 Lichtjahre entfernter Roter Riese. Von Unuk aus kann man in Richtung Süden wie auf einer Linie eine Reihe von Sternen erkennen, die man als "Himmelslineal" bezeichnen könnte; am Ende dieses Himmelslineals steht nach oben abgeknickter ein Stern 2. Größe; das ist Sabik im Schlangenträger. Sabik heißt "der Vorangehende" und ist wie die Gemma ein weißlicher Stern im Abstand von 80 Lichtjahren.

Von Sabik gelangt man südwärts blickend direkt zum sehr schönen Skorpion; bei guter Südsicht kann man den vorderen Teil des Skorpion, welcher aus zwei senkrecht zueinander stehenden engen Dreiergruppen besteht, sehen. Es sieht also so aus, als ob sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren (vordere drei Sterne) und der vordere Teil seines Körpers (untere drei Sterne) zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander. Der Hauptstern des Skorpion, der helle rötliche Antares, befindet sich in der Mitte der unteren Dreiergruppe. Antares ist ein über 500 Lichtjahre entfernter Roter Riese; wegen seiner Farbe heißt er "Gegenmars".

Im Sommerdreieck bedeutet die Wega in der Leier "herabstoßender Adler"; sie ist ein weißlicher Stern im Abstand von nur 25 Lichtjahren; Deneb im Schwan heißt "Schwanz (des Schwanes)"; er ist 3000 Lichtjahre von uns entfernt und trotzdem ein Stern erster Größe; dieser blauweißliche Stern ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Und Atair im Adler ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen.

Im Osten kann man bereits die ersten Herbststerne aufgehen sehen; so gelangt man zum hellsten Stern des Pegasus, Enif, wenn man im Sommerdreieck die Wega an der Achse Deneb - Atair spiegelt. Enif ist ein Stern 2. Größe und heißt "Nase (des Pegasus)"; er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 700 Lichtjahren. Etwas östlich von Enif kann man bei guter Horizontsicht auch bereits das Herbstviereck über dem Osthorizont aufgehen sehen; es sieht nun wie eine übergroße Vorfahrtstafel aus und sein oberster Stern, Scheat - ebenfalls ein Stern 2. Größe - ist bereits gut sichtbar. Auch Scheat ist ein Roter Riese, er ist gut 200 Lichtjahren von uns entfernt. Scheat steht übrigens in einem kleinen fast gleichseitigen Dreieck an der linken unteren Ecke; dieses Dreieck hat links neben der rechten unteren Ecke einen weiteren gut erkennbaren Stern, so dass man dieses typische Dreieck leicht am Himmel wieder finden und sich gut orientieren kann.

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zum Verzeichnis der Sternnamen

4. Wissenschaft: Woraus besteht unser Universum: Elementarteilchen

Elementarteilchen
Atom mit Elementarteilchen (Darstellung PSI)
Wenn man sich die Welt so anschaut, so hat man den Eindruck, dass die Bauteile unserer Welt sehr vielfältig sind. Dem ist aber gar nicht so - die sichtbare Welt ist im Wesentlichen nur aus 5 Teilchensorten aufgebaut; im Energiebereich der Erde kommen zwei zudem weitere Teilchen vor. Im Kern der Atome findet man zwei Sorten Quarks vor ("up-" und "down"-Quark), welche die die positiv geladenen Protonen und die neutralen Neutronen im Atomkern aufbauen, in der Atomhülle findet man die negativ geladenen Elektronen. Außerdem gibt es zu jedem Elektron noch ein zugehöriges Neutrino. Außerdem besteht das Licht aus "Lichtquanten", den sogenannten Photonen.

Im Bereich der kosmischen Strahlung in der Erdatmosphäre werden auch Myonen, das sind im Grunde genommen "schwere Elektronen" sowie ihre zugehörigen Neutrino's gebildet. In Teilchenbeschleunigern kann man zudem auch schwere "up"- und "down"-Quarks und zu allen diesen Teilchen auch superschwere Quarks, Elektronen und zugehörige Neutrinos erzeugen. Alle diese Teilchen verhalten sich recht genau so, wie sie vom Standardmodell vorausgesagt werden, jedoch weiß man nicht, warum sie ihre Masse haben. Man vermutet, dass dies vom Higgs-Teilchen bewerkstelligt wird, welches man in den neuesten Teilchenbeschleunigern, die in Kürze fertig gestellt sind, nachweisen will. Theoretiker vermuten, dass es zu jedem Teilchen auch noch einen "supersymmetrischen Partner" gibt und Forscher haben die Hoffnung, dass man in Kürze auch das leichteste dieser supersymmetrischen Partner nachweisen kann; diese Teilchen gelten als aussichtsreicher Kandidat für die Bausteine der bis heute geheimnisvollen Dunklen Materie, von der es massenmäßig fünfmal mehr geben soll als von der sichtbaren Materie.



Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von der NASA, der ESA, ESO, DLR und anderen Raumfahrts- und Astronomie-Organisationen. Das Nutzungsrecht dieser Organisationen besagt, dass ihre Bilder für Zwecke der Bildung frei verwendet werden dürfen.
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