Sternenhimmel im August 2007

  1. Allgemeines im aktuellen Monat
  2. Sternbild des Monats: Der Skorpion
  3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne
  4. Aktuelles aus der Wissenschaft: Massebestimmung des größten Zwergplaneten Eris

Der Verfasser

Ralf Kannenberg

Diplomierter Mathematiker, in der Computerbranche tätig.

Schon als kleiner Junge hat Ralf Kannenberg mit Begeisterung den Apollo-Astronauten auf ihren Ausflügen im Mond-Auto zugeschaut, wann immer sie im Fernsehen übertragen wurden. Er interessierte sich stets für populärwissenschaftliche Astronomie und begann 1978 aktiv mit dem Beobachten, indem er sich autodidaktisch die Sternbilder angeeignet hat.
Ralf bevorzugt Beobachtungen ohne optische Hilfsmittel und ist sehr gut mit den Problematiken und Tücken der Beobachtungen des Sternhimmels vertraut; er weiß aus eigener Erfahrung recht genau, wo man als Laie etwas sieht und wo man nichts sieht; insbesondere hat er gelernt, dass man sich von Fehlschlägen nicht entmutigen lassen sollte.
Es ist Ralf ein Anliegen, jungen Menschen die faszinierende Welt des Sternenhimmels nahe zu bringen und dabei auch von seinen eigenen langjährigen Erfahrungen zu berichten. Aus diesem Grunde steht er auch bei individuellen Fragen gerne per E-Mail (an kontakt(at)jugendforum-mithila.de) zur Verfügung.


1. Allgemeines im aktuellen Monat

Diese Rubrik ist ein allgemeiner Überblick über den abendlichen Sternenhimmel im aktuellen Monat sowie über den Stand der hellen Planeten. Eine erste einfache Einführung, wie man die wichtigsten Sterne finden kann, findet sich in der dritten Rubrik.

Auch im August verbleibt der Sternhimmel weitgehend in Ruhe, zumal sich die Sonnenuntergänge wieder verfrühen, so dass sich der Sternenhimmel nach Sonnenuntergang kaum ändert. Nach wie vor wird der Sternhimmel von den beiden Sternen Arktur im Bärenhüter und der Wega in der Leier beherrscht. Die Spica in der Jungfrau steht nur noch halbhoch im Südwesten und das Sommerdreieck ist bereits hoch hinaufgezogen. Im Süden kann man bei guter Sicht auch das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpion mit dem tiefroten Hauptstern Antares bewundern, der zur Zeit Besuch vom Riesenplaneten Jupiter hat.

Der Große Wagen ist oberhalb vom Polarstern durchgezogen und zieht wieder herab, während die Cassiopeia tief im Nordosten wieder höher zieht.

Die Venus hat ihre großartige Sichtbarkeit als Abendstern schon Ende Juli beendet. Der Jupiter steht nördlich von Antares im Skorpion und der nun wieder heller werdende Mars kann vor allem in der zweiten Nachthälfte bewundert werden.

2. Sternbild des Monats: Der Skorpion

Gemeinhin sagt man, dass das Sternbild des Himmelsjägers Orion das schönste aller Sternbilder sei, da es sehr figürlich auf engem Raume 7 Sterne zweiter Größe vereint, von denen zwei, der Schulterstern Beteigeuze und der Fußstern Rigel, sogar 0. Größe erreichen und drei weitere die erste Größe nur knapp verfehlen.

Die meisten Beobachter indes teilen meine Einschätzung, dass das Sternbild des figürlichen Skorpions viel schöner sei. Das Sternbild erstreckt sich südöstlich von Arktur unter dem hinteren Teil des "Himmelslineals" und südwestlich vom Sommerdreieck-Stern Atair über einen großen Bereich des Himmels. Zur Zeit kann man den Skorpion sehr einfach finden, da er Besuch vom hell leuchtenden Riesenplaneten Jupiter erhalten hat, der zwei Handbreit über Antares durchzieht.

Leider steht der Skorpion in unseren Breiten sehr südlich und meist kann man nur den vorderen Teil des Skorpions mit seinem tiefroten Hauptstern Antares, einem roten Riesenstern erster Größe im Abstand von über 500 Lichtjahren, sehen. Dieser vordere Teil des Skorpion besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden engeren Dreiergruppen. Man kann sich also vorstellen, dass sich der Skorpion gerade aus dem Sand ausgräbt und erst die Scheren - das sind die vorderen drei Sterne - und der vordere Teil seines Körpers - das sind die unteren drei Sterne - zum Vorschein gekommen sind. Diese beiden Dreiergruppen sind leicht gebogen und stehen senkrecht zueinander. Antares markiert die Stelle des Herzens des Skorpions und steht also an der mittleren Stelle der unteren Dreiergruppe. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt". Sein ursprünglicher arabischer Name ist Calb-al-akrab, das bedeutet "Herz des Skorpion".

Die vordere Dreiergruppe enthält zwei Sterne zweiter Größe, nämlich Akrab, der obere Stern sowie die Dschubba, der mittlere Stern. Akrab bedeutet "Skorpion", Dschubba bedeutet "Stirn"; beide sind blauweißliche Riesensterne; Akrab ist über 500 Lichtjahre und Dschubba ungefähr 400 Lichtjahre entfernt. Aufgrund eines Helligkeitsausbruches ist derzeit die Dschubba heller als Akrab.


Bei guter Horizontsicht kann man in Fortsetzung der unteren Dreiergruppe in der ersten Augusthälfte auch den körpernächsten Schwanzstern epsilon Scorpii, der manchmal Wei genannt wird, sowie ungefähr nochmals so weit entfernt den hintersten Schwanzstern Shaula, der beinahe erste Größe erreicht, tief am Himmel erkennen. Unterhalb von Wei und Shaula befindet sich unter dem Horizont der gebogene Schwanz des Skorpion und man kann nur erahnen, warum die Pferde des Phaeton, von dem wir im vergangenen Monat bei der Vorstellung des mythologischen Hintergrundes zum Sternbild des Schwanes erfahren haben, vor Schreck durchgegangen sind, als sie den zum Himmel erhobenen Stachel des Skorpion erblickt haben.

Bildliche Darstellung des Skorpions. Nach Jehoshaphat Aspin, 1850
Wei ist ein Roter Riese 2. Größe im Abstand von 70 Lichtjahren, die Shaula ist ein weit entfernter blauweißlicher Riesenstern im Abstand von über 700 Lichtjahren. Shaula bedeutet der Mythologie entsprechend "erhobener Schwanz (des Skorpion)".

Zahlreiche Menschen gehen im Sommer nach Südeuropa in die Ferien und da bietet sich schon ein viel beeindruckender Anblick dieses schönen Sternbildes, auch wenn die südlichsten Sterne des gebogenen Schwanzes um den Stern Sargas, der ebenfalls beinahe erste Größe erreicht, auch dort kaum über den Horizont herausragen und vom Horizontdunst abgeschwächt werden. Sargas steht am unteren Ende der Schwanzkrümmung und ist von Mitteleuropa aus normalerweise nicht sichtbar; er ist ein weißgelblicher Stern im Abstand von fast 200 Lichtjahren. Von Sargas aus windet sich der Schwanz des Skorpion wieder hinauf zur Shaula.


Gemäss der Mythologie hat Artemis, die Göttin der Jagd, dem Skorpion befohlen, den berühmten Jäger Orion zu töten, weil sich dieser mit seinem Vorsatz, alle wilden Tiere und Ungeheuer zu erlegen, ihren Zorn zugezogen hat. Anderen Quellen zufolge war es Hera, Gattin des Zeus, die Orion durch den Skorpion töten ließ, da er sich mit Merope, einer der Plejaden, eingelassen hatte.

Der Orion und der Skorpion wurden so weit wie möglich voneinander entfernt an den Himmel gesetzt, um sich dort nie zu begegnen: Wenn der Skorpion aufgeht, geht der Orion unter und umgekehrt.

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3. Kleine Einführung in die wichtigsten Sterne

Ausgangspunkt unserer Himmelswanderung im August ist wieder der Große Wagen: Verlängert man die Deichsel des Großen Wagen, so gelangt man zunächst zu einem sehr auffallenden Stern 0. Größe, das ist Arktur im Bärenhüter. Arktur heißt "Jäger, der die Bärin im Auge behält" und ist der nächst gelegene Rote Riese von der Sonne im Abstand von gut 30 Lichtjahren. Verlängert man die Bärendeichsel weiter, so gelangt man zum Hauptstern der Jungfrau, das ist die Spica. Spica bedeutet "Kornähre", sie ist ein blauweißlicher Stern im Abstand von gut 250 Lichtjahren.


Ausschnitt aus dem Sternenhimmel im August mit Blickrichtung Südosten.

Auch Arktur ist Ausgangspunkt einer allerdings größeren Deichsel, deren äußerer Stern Gemma heißt; das ist der Hauptstern der Nördlichen Krone. Gemma bedeutet "Edelstein" und ist ein weißlicher Stern 2. Größe im Abstand von 80 Lichtjahren. - Auch der mittlere Stern dieser größeren Deichsel ist ein Stern 2. Größe, gehört zum Bärenhüter und heißt Mirak, das bedeutet "Umhang", und ist wie Arktur ein Roter Riese, der allerdings mit fast 200 Lichtjahren viel weiter entfernt ist.

Schlange und Schlangenträger

Zwischen Arktur, dem Sommerdreieck und dem Skorpion finden wir die weniger bekannten Sternbilder der Schlange und des Schlangenträgers, die zwar vorwiegend aus Sternen dritter Größe bestehen, die man nun aber mit der größeren Arktur-Gemma-Deichsel und dem "Himmelslineal" sehr schön und einfach finden kann. Diese Arktur-Gemma-Deichsel weist auf einen Stern 2. Größe namens Ras Alhague im Schlangenträger, der nun hoch im Süden steht. Ras Alhague bedeutet "Kopf des Schlangenträgers" und ist ein gelblich-weißer Stern im Abstand von etwa 60 Lichtjahren. Auf dem Weg von der Gemma zu Ras Alhague kommt man an Rutikulus, dem hellsten Stern des Sternbildes Herkules, vorbei. Dieser ist ein Stern beinahe zweiter Größe, wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von 150 Lichtjahren. Sein griechischer Name Kornephorus bedeutet "Keulenträger". Kurz bevor man Ras Alhague erreicht kommt man auch noch am Hauptstern des Herkules vorbei, einem Stern dritter Größe namens Ras Algethi; das bedeutet "Kopf des Knienden" und er ist ein Roter Riese im Abstand von fast 400 Lichtjahren. Schräg unterhalb von Ras Alhague steht im Schlangenträger ein weiterer Stern beinahe zweiter Größe; dieser Stern heißt Cebalrai, das bedeutet "Schäferhund", und ist ein Roter Riese im Abstand von knapp 100 Lichtjahren.

Sternzeichen des Schlangengträgers mit Schlange
Man betrachte nun die Arktur-Gemma-Deichsel und spiegelt ihren mittleren Deichselstern Mirak an der Linie Arktur - Gemma; so gelangt man zu Unuk, einem Stern beinahe 2. Größe, dem Hauptstern der Schlange. Diese Spiegelung allerdings ist etwas länglich und diese Deichsel und Unuk bilden eine geometrische Figur, die wie ein Drachen aussieht. Unuk ist ein Roter Riese im Abstand von fast 75 Lichtjahren und bedeutet "Hals der Schlange". Durch Unuk zieht sich eine Sternenkette, die wie auf einem Lineal angeordnet am Himmel steht; die drei ersten Sterne dieses "Himmelslineals" gehören zum Sternbild der Schlange, die nächsten drei zum Sternbild des Schlangenträgers, ehe das Himmelslineal ein wenig nach oben abknickt zum Stern Sabik, der ebenfalls zum Schlangenträger gehört und der oberhalb des Sternbildes des Skorpions steht. Der von oben gezählt vierte Stern des Himmelslineals, der erste im Schlangenträger, heißt Yed Prior, das bedeutet "erstere Hand" und ist ein Roter Riese im Abstand von 170 Lichtjahren, der unterste und hellste Stern in dieser Kette, also dort, wo das Himmelslineal zu Sabik abknickt, ist Zeta Ophiuchi; er ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von fast 500 Lichtjahren. Beide erreichen beinahe 2. Größe.

Sabik ist ein Stern 2. Größe, ein weißlicher Stern im Abstand von gut 80 Lichtjahren und bedeutet "der Vorangehende". Links unterhalb von Sabik kann man den hellen Riesenplaneten Jupiter sehen, zwei Handbreit unter ihm kann man bei guter Sicht auch das sehr schöne und figürliche Sternbild des Skorpion mit seinem tiefroten Hauptstern Antares, einem Roten Riesen erster Größe im Abstand von über 500 Lichtjahren, bewundern. Wegen seiner schon von bloßem Auge sichtbaren rötlichen Farbe heißt er Antares, das kommt von "Ant-Ares" und bedeutet "dem Ares (das ist der Mars) entgegengesetzt".

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Das Sommerdreieck

Im Osten steht das Sommerdreieck schon hoch am Himmel, das aus der hellen Wega in der Leier, aus Deneb im Schwan und aus Atair im Adler besteht. Die Wega ist ein weißlicher Stern im Abstand von knapp 30 Lichtjahren und bedeutet "herabstoßender Adler", Deneb heißt "Schwanz (des Schwanes)" und ist ein blauweißlicher Riesenstern im Abstand von 3000 Lichtjahren und trotzdem ein Stern erster Größe; Deneb ist also einer der hellsten Sterne unserer Milchstraße überhaupt. Atair ist ein sonnennaher Stern, der nur 17 Lichtjahre entfernt ist; er bedeutet "fliegender Adler" und ist wie die Wega ein weißlicher Stern. Im Altertum haben die Menschen also in der Wega und in Atair zwei fliegende Adler gesehen. Der "fliegende Adler" Atair wird dabei von zwei Falken begleitet, die auf beiden Seiten neben Atair stehen, so dass sie manchmal mit dem Oriongürtel verwechselt werden. Der obere und hellere heißt Tarazed, ein Roter Riese beinahe 2. Größe im Abstand von fast 500 Lichtjahren; Tarazed bedeutet "(Beute) schlagender Falke"; der untere auf der anderen Seite von Atair heißt Alshain, der wie unsere Sonne ein gelber Stern im Abstand von knapp 50 Lichtjahren ist; Alshain bedeutet "Falke".

Das Sternbild des Schwanes

Der Schwan scheint über den Himmel nach rechts zu fliegen
Das Sternbild des Schwanes, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, ist sehr schön in das Sommerdreieck eingebettet und erstreckt sich von Deneb bis hin zu einem Stern namens Albireo, der den Kopf des Schwanes darstellt und den man zwischen der Wega und Atair, etwas innerhalb der Verbindungslinie und etwas näher an der Wega findet. Im Fernrohr bietet Albireo einen prächtigen Blick, haben wir hier doch einen Doppelstern mit einer bläulich-weißen und einer orangefarbigen Komponente. Albireo bedeutet "Vogel" und ist knapp 400 Lichtjahre von uns entfernt. Geht man von Deneb in Richtung Albireo, so folgt bald ein Stern 2. Größe namens Sadir; das bedeutet "Brust"; hier also kann man sich die Brust des Schwanes vorstellen, der da am Sternenhimmel fliegt. Sadir ist ein gelblicher Stern; er ist der zweithellste Stern in Sternbild des Schwanes und mit 750 Lichtjahren ebenfalls ein weit entfernter Stern. Rechts und links von Sadir findet man ebenfalls je einen Stern knapp 2. Größe, welche die Flügel markieren; etwas nach hinten abgewinkelt findet man noch je einen weiteren Stern, die die Flügelschwingen markieren. Der erste Stern des rechten Flügels vom Schwan heißt übrigens Gienah, ist der dritthellste Stern des Schwanes und ist wie Arktur ein Roter Riese, er ist gut 70 Lichtjahre, also rund doppelt so weit wie Arktur von uns entfernt.
Man kann den Schwan also schön figürlich mit seinen großen Schwingen am Firmament entlang fliegen sehen, der seinen langen Hals weit nach vorne streckt.

Spiegelt man im Sommerdreieck den Stern Deneb an der Achse Wega - Atair, so gelangt man ebenfalls zu Ras Alhague im Schlangenträger.

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4. Aktuell: Massebestimmung des größten Zwergplaneten Eris

Eris mit Mond Dysnomia. Francis Reddy
Mit großem Interessen waren die genauen Auswertungen der Umlaufbahn des Eris-Mondes Dysnomia erwartet worden, anhand derer auf die Masse des Gesamtsystems geschlossen werden kann. Da typischerweise Monde sehr viel kleiner als ihre Mutterplaneten sind und die Masse proportional zum Volumen, also zur 3. Potenz des Durchmessers, ist, entfällt nur ein sehr kleiner Masseanteil auf den oder die Monde, so dass man ohne nennenswerten Fehler die Masse des Gesamtsystems mit der Planetenmasse selber gleichsetzen darf.

Hatten die Präzisionsmessungen des Weltraumteleskops Hubble ergeben, dass die Eris nur geringfügig größer als der Pluto ist, so haben nun die genaueren Mondbahnbestimmungen ergeben, dass die Eris eine rund ein Viertel größere Masse aufweist.


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Die in diesem Beitrag verwendeten Bilder stammen von verschiedenen Astronomie-Organisationen, sie dürfen für die Zwecke der Bildung genutzt werden.

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